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Full text of "Der Ursprung der afrikanischen Kulturen"

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Der Ursprung der 
afrikanischen Kulturen 

Leo Frobenius 




THE LIBRARY 
OF 

THE UNIVERSITY 
OF CALIFORNIA 

ANTHROPOLOGY 

ALFRED L. KROEBER 

cotxficnoN 




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DER 



URSPRUNG DER KULTUR 



VON 



L. FBOBENITJS 



ERSTER BAND 



..Denn im Knlturbesitz. wenn irgendwo, 
muh zu lesen sein, aus welchen Elementen 
und auf welchen Wogen die heutige Mensch- 
heit geworden, was sie ist." 

Fr. Hatzel 



BERLIN 

VERLAG VON GEBRÜDER BORNTRAEGER 
1898 



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DER URSPRUNG 



DER 



AFRIKANISCHEN KULTUREN 



vos 



L. FBOBENITJS 



Mit 26 Karten von Afrika nach Entwürfen des Verfassen*, 
9 Tafeln in Lichtdruck, Buntlichtdruck, Autotypie otc. sowie ca. 340 Textillostrationen 
von L. Hagelshof er, Arthur Thiele, H. Frobonius, Conrad Schult*, 
dem Verfasser und Anderen 



BERLIN 

VERLAG VON GEBRÜDER BORNTRAEGER 
1898 



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Das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen and die Vervielfältigung 
auch der Abbildungen ist vorbehalten. 



Anthropology 



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CA4-00 
F83 

IJBJLART 



HERRN GEH. REGIERUNGSRAT 
De. FREIHERRN FERDINAND VON RICHTHOFEN 

PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT IN BERLIN 
IN TIEFER VEREHRUNG ZUGEEIGNET 



VOM VERFASSER. 



737 



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Programm. 



Angenommen, es Bei überhaupt berechtigt, das Wort „Weltgeschichte" 
auf die Geschichte der Menschheit anzuwenden — in welchem Falle man 
eine Geschichte der Wirkung der grofsen Menschheitskonglomerate, der 
Rassen und Völker auf die Entwicklung der Erde und aller Erdbewohner, 
sowie die Einwirkung dieser auf das Geschick der Menschen darunter ver- 
stehen mufs — , angenommen also, das sei berechtigt, nun, was wissen 
wir von dieser Weltgeschichte? 

Diese Frage erscheint in gewissem Grade entschieden thöricht. Denn 
es ist wahr und lässt sich absolut nicht bestreiten, es giebt „Weltgeschichten" 
von aufserordentliohem Umfange und ein jeder Primaner weifs eine Unmenge 
von Ereignissen und noch viel mehr Jahreszahlen anzugeben, die teilweise 
weit hinter Christi Geburt reichen, weiter rückwärts sogar, als wir vorwärts 
zählen, ferner giebt es manchen Papyrus, der lange Reihen von ägyptischen 
Königen bietet und ähnliches mehr. Und doch wissen wir von der Welt- 
geschichte — fast nichts! 

Was wir so prätentiös, wie wir eingebildeten Europäer nun einmal 
sind, Weltgeschichte nennen, hat nur für uus selbst und die Bewohner der 
kleinen asiatischen Halbinsel und wenig andere eine grofse Bedeutung, weil 
es die Weltgeschichte unseres eigenen Werdens ist und für andere über- 
haupt eine solche, weil wir derzeiten die Tyrannen der Erde sind, die sich 
die anderen Völker und Rassen unterwerfen und unterthan machen und es 
somit scheint, als wenn die Entwicklung der Kultur der Zukunft auf 
keinem anderen als unserem Boden und uns als Vorfahren fufsen könne. 

Demnach ist das, was wir Weltgeschichte nennen, nur ein Abschnitt 
derselben, von welcher Art es vor uns noch selir viele gegeben haben mufs 
— wenn wir die eigentliche Weltgeschichte nämlich mit einem Bambus- 
halme und die unsere mit dem obersten jüngsten Internodium oder Gliede 
vergleichen wollen, was wie jeder Vergleich nur eine einseitige Berechtigung 



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— vm 

hat. Was unterhalb unseres Internodiiuns ist — „ist", denn die ganze 
Weltgeschichte ist in ihren Folgen heute noch aktiv — , wissen wir nicht, 
wenigstens können wir das, was wir ahnen, kaum als Wissen bezeichnen. 
Denn wo fingt denn unsere Geschichte an? Sehen wir nach Osten, da ist 
die arische, die indogermanische, die indische Frage — alles ungelöste 
Probleme. Sehen wir nach dem Süden, da ist die ägyptische, im Osten 
dann die babylonische Frage. Und je weiter wir dann wandern, immer 
nur Fragen, die chinesische, die japanische, die malajische — das Aufzählen 
hat aber keinen Zweck, man braucht in diesen Gegenden nur die Völker- 
namen zu wählen und ist berechtigt, das Wort Frage dahinter zu setzen. 
— So, das ist unsere „Weltgeschichte" ! 

Es wird die höchste Zeit, dafs wir uns das klar machen und zwar 
nicht nur uns, den Gelehrten, sondern auch dem grofsen Kreise der 
Gebildeten. Denn bis jetzt wird auf den Schulen nur gelehrt, was wir 
wissen und wenige ahnen nur, dafs das Gebiet dieses Nichtwissens eine ganz 
gewaltige Lücke im Kulturbesitze unserer Zeit ist. Die Naturvölker setzen an 
die Stolle dieses Loches eine Mythe (Genesis Kap. 1 etc.), wir aber das 
Schweigen. 

Es wird höchste Zeit, dafs diese Fragen ernster genommen werden, 
sage ich. Mit unserer Eisenfaust zerschmettern wir alle anderen Völker, 
wir säen unsere Kolonieen auf den Leichen verwesender Rassen und 
Kulturen, brennen die Heimstätte fremder Entwicklung nieder, um auf 
den rauchenden Scheiterhaufen unsere Paläste zu bauen und schon ist der 
europäische Stahl gezückt, um Ostasiens Gröfse hinzumorden. 

Der Brand der Bibliothek in Alexandrien beraubte die Menschheits- 
geschichte um wichtige Zusätze im Laufe weniger Stunden. Das europäische 
Feuermeer, das sich über die Erde hinzieht, kann in wenigen Decennien 
den gröfsten Teil der lebendigen und toten „Weltgeschichte 44 vernichtet haben, 
mit jedes Völkleins Eigonart geht ein Dokument für immer verloren. Und 
nur, wer jemals an der Bahre eines teuren, frühzeitig vom gewaltsamen 
Schicksalsschlage hinweggerafften Menschenietens stand, wer im grausamen 
Schmerz vergeblich nach dem „Warum 14 eines solchen Verlustes gerungen 
und mit Schaudern zu spät den Wert des nun ewig entschwundenen 
Besitzes erkannt hat — , nur der kann eine Ahnung von dem grimmen 
und gerechten Zorn unserer Enkel haben, die es uns nie vergessen werden 
und können, dafs wir die köstlichen Dokumente so schlecht zu schätzen 
und zu erhalten wufsten. 



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Denn jene einfachen, fremdartigen Kulturfornien stellen Dokumente 
der Weltgeschichte dar! Was Geschichtsforscher vergeblich in alten Hiero- 
glyphen und Inschriften gesucht haben, wissen sie zu berichten und ihre 
Gesamtheit ist die in wunderliche Bildersprache gehüllte Erzählung vom Ur- 
sprünge der menschlichen Kultur. Ich brauche das hier nicht weiter aus- 
zuführen, denn ich glaube es in diesem Buche beweisen zu können. Der 
Grund, der mich zur Betonung dieser Thatsache führt, ist ein anderer. Ich 
will hier in aller Kürze erörtern, wie man diese Dokumente entziffern kann. 

Reisen, Sammeln und in den Schränken Aufhäufen bedeutet in 
meinem Sinne noch lange kein Erretten dieser Dokumente der Welt- 
geschichte (vergl. S. 301 u. 302). Die Fetzen und der Plunder, die die 
ethnographischen Sammlungen zum Teil ausmachen, sind an sich ziemlich 
wertlos. Ihr Wert liegt eben darin, dafs es Belegstücke lebensvoller Ent- 
wicklungsgeschichte sind. Sie sind nichts als äufsere Merkmale, tote 
Massen, denen es eben gilt den lebendige Odem einzublasen. 

Deshalb kann ich mich nicht begnügen mit Aufforderungen zum 
emsigeren Einheimsen dieser Schätze, vor denen die Laien weit und auch 
ein Teil der Ethnologen nur deswegen bewundernd staunt, weil eine stumme 
Ahnung ihnen sagt, dafs hier etwas Grofses vorliege, und weil kompetente 
Männer behauptet haben, dafs das sehr gewichtiger Kram sei. 

Nicht als ob es an Mitarbeitern in diesen Dingen vollkommen mangelte. 
0, um alles nicht! Es wird ganz aufserordentlich viel gemessen, be- 
schrieben, kombiniert, kritisiert und sogar mikroskopiert. Aber alles das 
repräsentiert mehr ein Verfallen in jenen Lieblingsfehler des deutschen 
Gelehrten, nämlich ein Yereinkeu in fruchtlose Tüfteleien als den ziel- 
bewußten, schöpferischen Aufschwung. Zusammenhanglos, unverstanden 
und einsam irren die wenigen gröfeeren Arbeiten und Resultate umher. 
Das Zeugnis hierfür ist die Thatsache, dafs hier und da auf dem Beete 
der peinlichsten Filigranarbeiten die Phantasie in üppigster Farbenpracht 
ihre Blüten treibt, dafs zuweilen das, was dem Brutkasten des überhitzten 
Gelehrten köpf es und das, was dem Frühlingsanger eines unbeirrten Laien- 
verstandes entspringt, mit gleichem Mafsstabe als gültige Münze gemessen 
wird, dafs vor allen Dingen aber Wissenscliaft und Staat schweigen, wenn 
einer ihrer Diener höchst unbefangen die Narrenkappe aufsetzt und sie als 
Doktorhut ausgiebt. 

Ich will hier übrigens absolut nicht polemisieren. Denn aus und mit 
Polemik schafft man keine Wissenschaft. Und wenn eine Lanze zu brechen 



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ist, wird sich auch aufserhalb dieses Werkes ein Tummelplatz finden. Es 
handelt sich vor allen Dingen darum, eine Klärung der Verhältnisse herbei- 
zuführen und das wird, da die Mehrzahl der Kollegen vom edelsten Willen 
und Streben geleitet ist, nicht allzuschwer fallen, wenn nur erst der Haken 
gefunden ist, der die Entwicklung unserer Wissenschaft hemmt, und das 
Tau, an dem der Kahn aus dem Morast gezogen werden kann. An Leuten, 
die „trecken 44 helfen, wird's dann schon nicht mangeln. Aber das Er- 
lösungsmittel zu finden, das ist eben das Schwere. Wir wollen uns vor 
allem über die derzeitige Lage und das heutige Entwicklungsstadium der 
Völkerkunde klar werden. 

Ich behaupte, jede Kultur entwickle sich wie die lebendigen Orga- 
nismen (Kap. 1), erlebe also eine Geburt, ein Kinder-, ein Mannes-, ein 
Greisenalter und endlich ein Hinscheiden. Und so geht es jedem Teile 
der Kultur, jetler Idee und also auch jeder Wissenschaft. In welchem 
Stadium befindet sich nun aber die Völkerkunde? 

Die ethnologische Windelkindschaft liegt hinter uns. Man kann sagen, 
Bastian habe der deutschen Völkerkunde die Ammendienste erwiesen. Ihre 
Bubenstreiche und Rüpeljahre hat sie auch schon beinahe vergessen und 
heute ist sio zum Jünglingsalter herangereift. Sie hat ganz das Aussehen 
eines solchen, tritt etwas burschikos auf und ist oft launenhaft und mifs- 
vergnügt, ein recht gutes Zeichen, dafs ihr die rechte Thätigkeit, nennen 
wir es den Beruf, fehlt Unter den Mitmenschen wird wohl jeder einige 
Beispiele dieses Stadiums kennen, Jünglinge, die die Kraft in sich spüreu, 
etwas Ordentliches leisten zu können, die das Anrecht, das diese Zukunfts- 
leistung gewährt, vorherzunehraen geneigt sind und demnach einen wenig 
sympathischen Eindruck machen. Solchen jungen Menschen hilft man, 
indem man sie in die Zwangsjacke des Berufes steckt 

Dafs die Völkerkunde sich in der gleichen Lage befindet, dafür sehe 
ich überall und täglich Beweise. Hier wird als Zeugnis lokaler Entwick- 
lung und selbständig errungener Entwicklungstufe hingestellt, was anderen 
Ortes als Verwandtschaftsbeweis zweier Völker angeführt wird. Es stehen 
sich daher die beiden Lehren vom Allgemeingut der Menschheit und von 
der Übernahme aus einer Quelle unvermittelt gegenüber. „Die West- 
Afrikaner und die Papua Neuguineas haben die gleichen Trommeln ererbt u . 
sagt einer. „Nein 44 , entgegnet ein anderer und wird rot vor Zorn, „sie 
haben sie beide entdeckt* 4 . Und schon hebt ein bitteres Streiten au. Wie 
kommt das? 



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XI 



Nun, die Völkerkunde befindet sich eben im Stadium jener berufs- 
eifrigen, aber eigentlich berufslosen Jünglinge. Nur nennt man das bei 
einer Wissenschaft nicht Beruf, sondern Methode, die eine Abgrenzung der 
Thätigkeit bedeutet. Es ist für die Völkerkunde die Methode, durch die 
der Beweis der Verwandtschaft Gesetzeskraft erhält. Und ehe diese nicht 
klargestellt, also eine bestimmte Methode gefunden ist, die als allgemein 
anerkannte Richterin alle Kämpfe leitet und über alle Streitfragen nach 
feststehenden Gesetzen ilir unantastbares Urteil fällt, eher wird das 
Schwanken nicht ein Ende nehmen und der Parteihafs einer förderlichen 
Einheitlichkeit im Zusammenarbeiten Platz geben. 

Geben wir daher der Völkerkunde die Methode, den Beruf, und sie 
wird im stände sein, als ganze Wissenschaft ihn auszufüllen. 

Nun gilt's! Was für eine Methode? Wie findet man diese ideale Methode? 

Was für den Staat die Verfassung, ist für die Wissenschaft die 
Methode. Denn wie man sagen kann, die Verfassung sei die ganz selbst- 
verständliche Folge einer Volksentwicklung, dafs sie sich also nicht auf 
die Dauer und mit Erfolg oktroyieren lasse, wenn man ihre Entwicklung 
auch beschleunigen könne — , so ist auch die Methode einer Wissenschaft 
keine erzwungene Herrin, sondern die Seele derselben, die alle ihre 
Funktionen, alle Schöpfungen und Materien verbindet und eben zur Wissen- 
schaft macht. 

Eine Methode der Wissenschaft geben, heilst daher nichts anderes, 
als deren Stoff verstehen und durchdringen lernen. 

Nun liegt das Wesentliche des Stoffes der Völkerkunde in der orga- 
nischen Natur derselben. Die Kulturen leben, gebären und sterben, es 
sind Lebewesen, wie ich oben schon sagte. Eine Kultur ist ein grofser 
Körper und aller Kulturbesitz, sei es geistiger (Familien-, Staatsorganisation, 
Weltanschauungs- Kultur etc.) oder materieller (Werkzeug, Waffen, Häuser, 
Musikinstrumente etc. etc.) sind Teile desselben. Wie die Germanin, mit 
dem Germanen gepaart, keinem Ncgerlein das Leben geben kann, wie man 
die Nase des Vaters in der Nase des Kindes, das „ihm wie aus den 
Augen geschnitten" oder „ganz die Mutter* ist, wiedererkennt, so vererben 
sich dieselben Waffen, Werkzeuge, Hütten etc. Und die ganze Methode beruht 
darin, dafs man die Entwicklungs- und Vererbungsform der Kultur fest- 
stellt, wohlgemerkt, nicht eines einzelnen Teiles oder eines Stückes, sondern 
jenen Typus, der das Wesen aller Teile bedingt. Es gilt möglichst genau 
den äufseren (morphologischen), inneren (anatomischen) Bau und die Lebens- 



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formen (physiologischen Bau) festzustellen und daraus spricht dann die 
Antwort auf die Frage nach Verwandtschaft. 

Diese Methode und Auffassung lehrt uns also die gesetzesmäfsige 
und rechtskräftige Entwicklung der Kulturen verstehen, die keinerlei 
Zwang oder Willkürlichkeit ausgesetzt ist. Das ist das Fundament, auf 
dem man die Wissenschaft aufbauen kann und das — wenn es auch viele 
geahnt haben mögen, keiner ausgesprochen hat und auf dem mehrere eben 
leider nur Specialstudien aufgebaut haben, die nicht Aussclüag geben, — doch 
der allgemeinen Tendenz gefehlt hat. Ja: gefehlt hat; ich sehe reichen 
Widerspruch und ich meine ihn zu kennen. Seiner Zeit schrieb ich einen 
kleinen Artikel über die stilgerechte Phantasie, in dem ich darauf hinwies, 
dafs man sich von dem Begriff des Zufälligen und Willkürlichen, nicht nur 
dem Namen nach, sondem auch im innersten Wesen trennen müsse. Es 
war eine Notwendigkeit, das ethnographische Gewissen auf diese Thatsache 
aufmerksam zu machen, ehe ich dieses vorliegende Werk selbst der Öffent- 
lichkeit übergeben konnte. Dio Wirkung dieser kleinen harmlosen Abhandlung 
war eine merkwürdige. Sie erregte auf mehreren Seiten den höchsten 
Grimm. Man warf mir vor, ich lehre alte Weisheit 

Wenn ich dieses und anderes hier erwähne oder früher erwähnte, so 
geschieht das nicht, um mir die Priorität einer Erkenntnis zu sichern, an 
der gar nichts gelegen ist, denn in der Wissenschaft kommt es nicht auf 
die Person, sondern lediglich auf die Sache an. Vielmehr will ich vor 
einem Selbstbetruge warnen. Und ein Selbstbetrug ist es, wenn die 
Wissenschaft immer wieder Sätze und Stich worte als Parole ausgiebt, die 
nur hohle Schallworte sind, deren Sinn ihr aber fremd bleibt. Ich erinnere 
vor allem an die oft genannte „naturwissenschaftliche Behandlung der 
Völkerkunde 44 . Ich habe sehr oft davon gehört, aber sehr selten etwas 
davon gesehen. Doch das nur nebenbei. 

Also, man warf mir vor, ich lehre alte Weisheit als neue. Nun 
bitte ich um alles in der Welt! wenn das wirklich eine allgemein an- 
erkannte und auch angewandte — was übrigens nicht der Fall ist und 
darauf kommt es an — Wahrheit ist, weshalb hat man denn den Satz der 
Gesetzmäfsigkeit der Entwicklung, der eine ganz naturgemäfse Folge der 
Behauptung des Fehlens der Willkürlichkeit ist, nicht ebenso allgemein 
angewandt, um mit seiner Hilfe, was so leicht ist, die Schranke zwischen 
den Formen der Verwandtschaft und denen der Lokalschöpfung zu errichten? 
Weshalb quälte sich denn die Völkerkunde bis dato mit der Frage: „tber- 



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XIII — 

tragung oder lokale Entwicklung? 14 Weshalb treibt unsere Völkerkunde 
denn noch immer Sprossen, die man in einer ausgereiften und ausgebauten 
Wissenschaft als Unkraut und Schmarotzer vernichten würde? Ich darf 
•wohl darüber mitsprechen, denn ich selbst habe im ernsten Ringen nach 
Erkenntnis auch meine Sündenbocke geschossen. , 

Und was nützt uns eine Ahnung oder Anerkennung oder meinetwegen 
auch Betonung einer Wahrheit, wenn sie nicht geübt wird? Das ist gleich- 
bedeutend mit einor Gesetzesgebung, der keine polizeiliche und richterliche 
Gewalt zur Seite steht. Ich bin aber gern bereit, zuzugeben, dafs nicht 
nur mein Satz von der Gesetzmäfsigkeit der Entwicklung, sondern auch 
der von der organischen Kultur geahnt, gelehrt und auch wohl einmal 
angewendet ist Aber, und da liegt ja gerade der Hase im Pfeffer, beide 
Sätze sind nicht durchgeführt, haben nicht, wie ich es oben nannte, 
Gesetzeskraft angenommen. 

Es ist mir im übrigen eine grofse Genugthuung, dafs seiner Zeit der 
Hauptsatz der stilgerechten Phantasie so strikte als längst allgemein an- 
erkannt hingestellt worden ist, denn alle Anhänger dieser Idee werden 
ohne weiteres und selbstverständlich auch den Konsequenzen zustimmen, 
der Gesetzmäfsigkeit in der Entwicklung, der Beschränkung der Begriffe: 
„Erfindung und Entdeckung" und (vor allem) der „individuellen Schöpfungs- ' 
kraft". Das ist aber der Boden, auf dem ich meine Kulturlehre aufbaue. 
Wenn das Individuum als schöpferischer Genius wegfällt, so kommt auch 
das Volk als solches nicht in ^Betracht. Der ganze Procefs der Kultur- 
entwicklung erscheint in seiner wahren Unabhängigkeit vom Menschen und 
das Volk als sein Träger. Die Kiütur wächst allein, ohne Mensch, olme 
Volk. Und daher eben: Die Kultur ist ein Lebewesen. 

Xun liat aber die Kultur keine Beine. Sie macht sich's bequem und 
läfst sich vom Menschen tragen. Wo sie erscheint, mufs der Mensch sie 
hingetragen haben. Daher sind Wanderungen der Menschen und Kulturen 
identisch. Da nun der Mensch nur sehr schwache Merkmale seiner Entwicklung 
am Körper trägt, denn Generation löst Generation ab, die Kultur aber 
immer im wesentlichen die Gleiche bleibt, und wenn auch den Wirkungen 
des jeweiligen Wohnortes ausgesetzt, sie doch viel langsamer sich umbildet 
als der Mensch, so bieten die Kidturformen die Dokumente, in denen wir 
die Geschichte der Menschheit, die Weltgeschichte, studieren können. 

Wir sind wieder am Ausgangspunkte angelangt. Ich glaube, mein 
Programm klar genug dargelegt zu haben. Das Ziel, auf das ich lossteure, 



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— XIV — 



ist der Ursprung der Kulturformen und das heifst nach der letzten 
Darlegung, der Ursprung der Völker. 

Das scheint mir auch für weitere Kreise interessant genug, zumal 
wir als kolonisierende Macht gelernt haben, unser Interesse auch ausserhalb 
Europas liegenden Vorgängen und Verhältnissen zuzuwenden, und weil des 
ferneren in diesem Werke viel von den Völkern und der Kultur in unseren 
deutschen Kolonieen, zum Beispiel der Kulturen -Verwandtschaft der Völker 
Kameruns und derer Neuguineas, die Rede ist. Ich habe mich deshalb 
leicht fafslich und populär ausgedrückt, und das Werk so angelegt, dafs 
der interessante erste und dritte Teil allein verständlich sind, wenn der 
Leser sich nur die Mühe geben will, im zweiten anatomischen Teile hier 
und da nachzuschlagen. Die Morphologie ist sehr kurz, vielleicht erscheint 
sie im Verhältnis zum Ganzen zu kurz. Es ist aber nicht der Zweck 
dieses Werkes, eine genaue Beschreibung, wie sie jede Völkerkunde, 
zumal der knappe und doch genaue Katechismus der Völkerkunde von 
Schurtz bieten, zu geben. Besondere Sorgfalt habe ich auf das Namens- 
und Sachregister gelegt, welches dieses Buch zu einem Nachschlagewerk 
für den alltäglichen Bedarf an Wissen der afrikanischen Völkerkunde ge- 
stalten mag. 

Und nun zum Schlufs! 

Ich wage es, meine Beweise für eine im grofsen Mafsstabe neue 
Methode in die Völkerkunde einzuführen mit einer Thatsache, welche die 
Weltgeschichte mit der Kenntnis einer die halbe Erdkugel umspannenden 
Kulturepoche — denn das bedeutet das Vorhandensein malajonigritischer 
Kultur in Westafrika — bereichert, in dem Bewufstsein, in ernster rück- 
sichtsloser Thätigkeit allen Anforderungen, die an die Art>eitskraft eines 
einzelnen Gelehrten gestellt werden können, genügt zu haben. 

Man hört so oft klagen über die Opfer für die Wissenschaft. Ich 
habe das nie begriffen. Was bedeuten alle Entbehrung und Entsagung, 
wenn sie auch noch so herb sein mögen, gegenüber dem grofsen Glücke, 
schaffend und schöpferisch bei der Gründung einer Wissenschaft teilnehmen 
zu können. Ich habe die bitteren Stunden und herbeu Cbel nie so stark 
empfunden, wie die Freude über die Erfolge, das stolze Gefühl dos selbst- 
ständigen Schöpfers. Und ich habe den herzlichen Wunsch, dafs etwas 
von jener Spannkraft, die Müdigkeit und alle sonst vielleicht verzeihlichen 
und berechtigten Wünsche vergessen läfst, aus diesen Blattern dem Leser 
bemerkbar werden und in ihn übergehen möge. 



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XV 

Und ich habe auch sonst das Recht, zufrieden und dankbar zu sein, 
einmal dafs ich einen kühnen und hochsinnigen Verleger in Herrn Dr. Thost, 
dem Chef der Firma Gebrüder Borntraeger, gefunden habe, der das Work 
übernommen und den vorliegenden ersten Band mit allem nur denkbaren 
und von mir erwünschten Komfort ausgestattet hat, in meinem Vater einen 
liebenswürdigen Mitarbeiter (vergh Kap. 7, Teil I und Karte No. XXI) und 
bei meinen Kollegen an den verschiedenen Museen des In- imd Auslandes 
Teilnahme und Förderung. • 

Es ist mir auch ein Bedürfnis, an dieser Stelle für die Beweise des 
regen Interesses nach dem Erscheinen der Publikationen bei Petermann 
und in der Zeitschrift für Erdkunde — der ich auch das Kartenblatt 4 
entnehmen durfte — meinen Dank auszusprechen. Sie werden mir ein 
Ansporn sein, auf dem eingeschlagenen Wege weiterzugehen. 

Ich schliefse mit einem Gesuche. Zumal im Gebiete des Kongostaates 
ist nunmehr die malajonigritische Kultur nachgewiesen. Damit wird eine 
Untersuchung der Völker dieses Gebietes eine um so wichtigere und inter- 
essantere Sache. Mögen darum diese Blätter dazu beitragen, jenen arg 
vernachlässigten Stämmen ein eingehenderes Studium am Orte zu teil 
werden zu lassen, als sie bis jetzt erfahren haben. In gewaltigem Auf- 
blühen wachst das Riesenwerk des Kongostaates empor. So ging schon 
Westafrika dem Studium verloren. Daher ist Eile geboten. Es wird nicht 
lange dauern, so sind auch hier nur noch Bruchstücke zu retten, Fragmente 
der malajonigritischen Kultur in Afrika. 

Gohlis bei Leipzig, IC. Juli 1898. 

L. Frobenius. 



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Inhalts-Übersicht, 



Seite 

Programm vii 

Inhalts -Übersicht xvn 

I. Einführung In die Kulturlehre. 

1. Die Kulturlehre 3 

Die naturwissenschaftlich«' Behandlung der Kulturen 3 

Venvandtschaftsbeweise 5 

Di» UnttTSUchuii^sniateriali' !) 

-. Morphologische Betracht ti n g 13 

Die Achsen , . , , , , , , : : , : : , : : , , Li 

Die Merkmale des morphologischen Baues 10 



II. Anatomische Untersuchung des afrikanischen Kulturbesitzes. 

3. Die afrikanischen Schilde . s , , , , t , , : , . , , . , 23 

a) Die Ffllschihto 23 

b) Die ledernen Runds» hilde 30 

c) Die Stockschilde 33 

Beziehung zwischen Stock- und Fellschild 35 

d) Die Rohrschilde 38 

e) Die Holzschilde 46 

Beziehung zwischen Holz- und Korbschild 48 

Übersicht der Schildformcn Afrikas . , , , , , , , , , , 53 

Systematik 50 

1, V c i m' Ii i c d o n o a i r i k a n i s r Ii e \X a f f >• n . . . . . . . , . . , , hl 

I. Die afrikanischen Bogen 38 

a) Dio sud- und ostafrikanischen Bogon ÖS 

l'i Die nordafnkarusfhen D^n 00 

>') Die weMafrikanischen B'^eh 03 

Der malajonigritische Ursprung der westafrikanischen Bogen - 

fn r ni'' n ■ . . . , . . . . . . . . . . . . . M 

Übersicht der Bogenformen Afrikas 78 

Systematik 80 

— s 

b 



— xvm — 



Sülle 



IT. Die afrikanischen Messer , . . . . , . . . . , , . , s £1 

a) Dio Messer Süd- und Ostafrikas 82 

b) Die Messer und Scbworter Nordafrikas 84 

1. Die geraden Schwortor und Schwertmesser 85 

2. Die Säbel und Sähelmesser ft7 

3. Die Stilette und Dolche. , , . , , , , , « , , 81 

c) Die Messer Westafrikas 89 

1. Symmetrische und gerade Messer aus Westafrika ... 90 

2. Asymmetrische, und ungerado Messor aus Westafrika . 07 

III. Dio afrikanischen Wurfkeulen. Wurfhölzer, Wurfmesser .... 1 <" K> 

a) Die afrikanischen Wurfkeulen 100 

b) Die afrikanischen Wurfhölzer 102 

c) Die afrikanischen Wurfmesser 103 

Wurfholz, Blattkeule, Messer 109 

Anhang: Die geographische Beziehung der Messerformen . . . 109 
Systematik 111 

IV. Schlufs . , , , , , , , , , , . , , . . . . . . , . 112 

teile 112 

Speere, Pfeile. Schleudern etc 11 'i 

, r ). Die afrikanischen Saiten- und andere Musikinstruinente . . . IIS 

a) Die süd- und ostafrikanischen Saitcninstninionte 119 

b) Die uordafrikanischen Saiteninstrumente 126 

1 Tim Vmlirm 12? 

2. Pin Giiitarrn 128 

3. Difl Kahulm 133 

c) Die westafrikanischen Saiteninstrumente 135 

1. Die FtAmhiis -TjtntP 135 

2. Die Tangola 137 

3. Die Samhi . . . . , , , , , , , s : .. , , 137 

4. Die Mandingo- und Kru- Laute 139 

f). Die Kinanda . . . . . . . . . . : s , , , . 140 

G. Die ögowe-Ciuitarre 142 

7. Die Aschaiiti-Ouitarre . . = s . « . , : , . t 1_J2 

Die entwickhmgsgescbichtlichen Beziehungen der we st afrikanischen 

Saiteninstrument» . , . , . . , . . , , , s : . = 14_3 

Übersicht der Saiteninstrumente Afrikas 147 

Systematik 14m 

Anhang über verschiedene afrikanische Musikinstrumente . . . 149 

Ii. Die afrikanischen Trommeln und Jlulzpauken ir>2 

I. Die Felltrommeln , . . , , = , , : : = ; .. : ; : : : Uli 

Ai Berichte über afrikanische Felltrommeln 132 

B) Entwicklungsgeschichtlicho Betrachtung dvT afrikanischen Fell - 

trommeln . , , , , , . . . . . . . . . . . : : 160 

a) SchamanentrommeU Kesselpauke, thünerne Standtrommel 160 

b) Sanduhientromüiel 161 



— xix — 



c) Topftrommel 164 

d) Mörsertrommel . 106 

e) Abgeflachte Formen, Spannungsweise etc 16S 

f) Trommelfell uud Ursprung der Felltromniel 170 

C) i berblick der Formen der Felltrommeln 172 

II. Die flolzpauke 173 

a) Berichte über die afrikanischen Holzpauken ]73 

b) Die Trommelsprache 179 

c) Die Siiimba (Sing. Marimba) 183 

d) Entwicklung und Verwandtschaft der Holzpauken . . . 186 
Systematik 193 

7. Die afrikanischen Hütten und verschiedene Geräte . . . . . IM 

I. Deschreibend -anatomische Betrachtung der Hütten von H. Frobenius 195 

A) Die Baustile Südafrikas 195 

1. Die Kugelhütte 197 

2. Die Kegelhütte 204 

B) Die Baustile Nordafrikas 212 

1. Die Erdbanten 213 

2. Die Kegelhutten 221 

C) Die Gioboldachhütten Westafrikas 225 

II. Verbreitung und Verwandtschaft der Hütten 229 

Systematik 235 

k 

III. Anhang über verschiedene afrikanische Geräte 230 

Stühle, Kopf- und Nackenstützen 230 

Gefäfso . . . , . , . . . . , , , , , , , , 231 

Rauchgerät 23$ 



III. Physiologische Untersuchung: des afrikanischen Kulturbesitzes. 

8. Die Ergebnisse der anatomischen Untersuchung 245 

Vergleich der morphologischen und anatomischen Gestaltung . . 245 

Die Gesetzmäfsigkeit des anatomischen Baues ....... 248 

Der Unterschied im physiologischen Bau der Kulturen .... 252 

9. Die physiologische Bedeutung des Bodens 255 

Die zwei Arten der Fortpflanzung 255 

Kontiuentalknlturen 257 

Insularkulturen 257 

Merkmale der Insel- und Fischerknlturen . . , , , , 2ä8 

Die Entstehungsgeschichte des Schwiniiolzes 250 

Hausbau um! Verkehrsmittel der Insularen . . . . . . 2Jil 

10. Die physiologische Bedeutung des Materials. Knlturformen und 

Kulturzeite n , , . . . . , , . . . . . , . , . . , , , 'Ml 

Materialgerechte Entstehungsgeschichte 269 

Ursprung der Felltnunim-I 27" 

Ursprung der Feuerzeuge 271 

Ursprung des Rauchens und der Tabakspfeifen 273 

Ursprung der Saiteuinstrumente aus Bambus etc 274 

Urgeschichte der Waffen 275 



XX 



Sf.iI,- 



Stein, Hulz, Strick 27.'. 

Schleuder, Wcrfbrctt, Blaserohr 277 

Speer, Heil 2s<"> 

Bogen 2S1 

Die Materialvergeudung als physiologisches Merkmal 283 

KültuiY.L'iti'n und Kult Urformen. . . . . . . . . . . HÜ 

Abgrenzung der Materialverwendung 285 

Kell und Leder, Jagd und Viehzucht [asiatisch) .... 2'.*) 

Bambus . Raphia und Holz (nigritiseb und malajohigritisch) 292 

Die Rohruraprungsmythe in Afrika und Oeeanien 293 

11. Vom Ursprung der afrikanischen Kulturen 298 

Die afrikanischen Kulturformen und dm Afritanftr. D er Mensch 

als Träger der Kultur 298 

Das Museurosmaterial. Der Wert der ethnographischen Samm - 
lungen. Sammeln und Ordnen pOl 



Anbau?. 

12. We ltanschauung und Kunst . . 3<0 

Entwicklungsgeschichte der Weltanschauung 305 

EntwieklungSL'cx'hichte der Kunst 3u7 

Die afrikanische Weltanschauung 311 

Manistiscb6 Orundzügo 313 

Animal istische Grundzüge 314 

Lunare und solare Grundzüge 318 

Solare und kosmogonisebe Mython 321 

Die mala jonigri tischen Verwandtschaftszügo 325 

Das geographische und das Verwandtschaftsproblem . . . 325 

Die Menschenfigur etc 327 

Dip Mnsknn 33» 

Der Kamcrunor Schiffsschnabel , , , , , , , „ , , 332 

Der Gegensatz der Formen und des Gehaltes im Osten und Westen 33S 

Tracht und Tatrnwiemn^ Xi'.t 

Anmerkung zu den Karten 341 

Sach- und Xamen Verzeichnis 343 



— XXI — 



Tabellarische Übersichten. 

Soito 

A. Systematik der Schilde 50 

Systematik der Bogen 80 

Systematik der Holzwurfwaffen etc. und Messer 111 

Systematik der Saiteninstrumente 148 

Systematik der Trommeln und Holzpauken etc 193 

Systematik der Hütten 235 

B. Tabelle I. Die afrikanischen Kulturen 250,251 

Tabelle II. Übersicht der Verwendung der verschiedenen Stoffe . . . 201 
Tabelle III. Entwicklung der Weltanschauung und Kunst 310 



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— XXII — 



Die Kartenbeilagen (vergi. auch s. 341.) 

Kartenblatt 1. No. I. Verbreitungsgebiet des afrikanischen Fell- und de« nigri- 

tischen Stockschildes. 
No. II. Verbreitungsgebiet des asiatischen Lederschildes. 
No. III. Verbreitungsgebiet des malajonigritischen Bohrschildes. 
No. IV. Verbreitungsgebiet des malajonigritischen Holzschildes. 
No. V. Verbreitungsgebiet der Schilde Afrikas. 
No. VI. Verbreitungsgebiet der Trachten Afrikas. 
No. VII. Verbreitungsgebiet der malajonigritischen Bogen. 
No. VIII. Verbreitungsgebiet des malajonigritischen Hauses (vergl. 

Kartenblatt 3). 

No. IX. Verbreitungsgebiet der Masken (vergl. Kartenblatt 5). 
No. X. Darstellung des malajonigritischen Kulturkreises in Über- 
druckkarte. 

Kartenblatt 2. No. XI. Verbreitungsgebiet der geschnitzten Menschenfiguren. 

No. XII. Verbreitungsgebiet der malajonigritischen Pfeifen. 
No. XIII. Verbreitungsgebiet der malajonigritischen Tättowicrung. 
No. XIV. Verbreitungsgebiet der malajonigritischen Schmucke. 
No. XV. Darstellung des malajonigritischen Kulturkreises in Über- 
druckkarte. 

No. XVI. Verbreitungsgebiet der malajonigritischen Saiteninstru- 
mente. 

No. XVII. Verbreitungsgebiet der malajonigritischen Holzpauken. 
No. XVllI. Verbreitungsgebiet der Marimba. 

No. XIX. Verbreitungsgebiet der Messer malajonigritischer Ab- 
stammung. 

No. XX. Darstellung des malajonigritischen Kulturkreises in Über- 
druckkarte. 

Kartenblatt 3. No. XXI. Die Baustile Afrikas (von H. Frobenius). 
Kartenblatt 4. No. XXII. Verbreitung der asiatischen und nigritischen Kultur- 

merkmale. 

No. XXIÜ. Verbreitung der indischen und malajonigritischen Kultur- 
merkroale. 

No. XXIV. Der Ursprung der afrikanischen Kulturen. 
No. XXV. Verbreitung der Bananen, Hirsearten, Viehzucht. 
Kartenblatt 5. No. XXVI. Verbreitung und Entwicklungsgeschichte der Masken. 



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XXIII 



Die Tafeln. 

Gegenüber 
Seite 

Tafel I. Mit Leder überzogener Bogen aus Salaga (das Endo etwa in 



Vx nat Gröfee) 64 

Tafel II. Indischer Bogen (das Ende von der Seite und von innen und 
der Einsatz der Sehne in die Baumwollschnur in etwa 

V, nat Gröfee) 76 

Tafel TU. Musikbande des Häuptlings von Abetifi 168 

Tafel IV. Trommeln auf den Neuhebriden 192 

Tafel V. Enthauptung bei den Bangala am Kongo 282 

Tafel VI. Buschmannsgemälde (Original von Mr. Stowe copiert) .... 304 

Tafel VII. Tempel des Schango aus Yoruba 320 

Tafel VIII. Kameruner Schiffsschnäbel 336 



No. 1 im Grofeherzogl. Museum in Darmstadt; a) das Quer- 
brett. 

No. 2 im Leipziger Museum für Völkerkunde. 
No. 3 und 4 nach Originalphotographie. 
(Erklärung zu den Zahlen auf den Federzeichnungen siehe 
S. 336 Anmerkung.) 

Tafel IX. Herstellung der Trauergewänder in Aschanti 340 



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— XXIV 



Verzeichnis der Text-Illustrationen. 



^gur 




Sei* 


1. 


Die Lage Afrikas. (Die Ökumene, d. h. bewohnte Erde ist nach Fr. Ratzel 








15 


2. 




10 


3. 




25 


4. 




25 


5. 




25 


G. 


Schuli -Schild (Privat -Sammlung) 


25 


(. 




31 


8. 


Schild der Laugo, vou vorn und von der Seite ca. 1 \ nat. Gröfse (Museum 






für Völkerkunde in Leipzig — Sammlung Emiu Paschas) . . . 


32 


9. 


Reiter mit Rundschild aus dem Togogebiet (nach Skizze von Kling) . . 


33 


10. 




34 


11. 


Stockscbild dor Moudu (Ethnographisches Museum in "\Vion) .... 


34 


12. 


Stockschild der Waschaschi und anderer Ostafrikauer ( Museum für Volker- 








34 


13. 


Stockschild (Marsa) aus Australien, ca. V s nat. Gröfse. (Im Besitzo des 


38 


14. 


Innenseite eines Schildes von den Stanleyfallon (Museum für Völker- 








41 


15. 




41 


16. 




44 


17. 




4<; 


IS. 


Schild der "Wakarra (nach Originalphotographic) 


40 


19. 


Schild der Babusesse am oberen Aruwimi. von innen (nach Stanley) 


49 


20 a. 


Schild aus Wcstaustralieu , vou innen ( Britisches Museum in London) . 


49 


20 b. 




49 


21. 


Schild von der Astrolabo - Bai . Neuguinea (Museum für Völkerkunde in 








50 


22. 


Schild vou der Hood-Bai, Neuguinea (Museum für Völkorkundo in 








51 


23. 


Schild von Hatzfeldhafen, Neuguinea (Museum für Völkerkunde in Berlin) 


51 


21. 


Schild von den Salomonen (Museuni für Völkerkunde in Leipzig); a) der 








52 


25. 


Bogen aus dem Zwischenseengebiet, Karague (Sammlung Kollmann im 






Museum für Völkerkunde in Leipzig); unten der Querschnitt . . 


59 


20. 


Bogen der Diuka am Nil (Museum für Völkerkunde in Leipzig); unten 








01 


27. 


Uaufsabogen aus dem Norden von Aschanti (im Besitze des Verfassers) 
der Bogen in ca. 1 ' 1S . die andern Teile in ca. % der nat. Gröfse; 
a) Aufsenseite; b) Innen- (Sehnen -) Seite; d, c) das Oberende, 








02 



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XXV 

Fi«ur Soite 

28. Somalibogen (im Besitze des Freiherrn von Schrenk-Nostiz); unten der 

Querschnitt 62 

29. Bogen aus dem Hinterlande der Goldküste (Sammlung Steiner im Museum 

für Völkerkunde in Leipzig); a) Aufeenseite; b) Innen -(Sehnen-) 
Seite; c) der Bogen in ca. Vi» der Gröfee; d) das Oberende 
in ca. */j der nat. Gröfee; o) das Ende unten mit abgenommener 
Kugel in ca. '/» der nat - Gröfee; f) der Querschnitt der Mitte in 
ca. % der nat Gröfee 07 

30. Bogen aus Station Djabir, aus Ländern südlich des Uollo stammend (im 

Besitze des Verfassers); a) Aufsenseite; b) Innen -(Sehnen-) Seite; 
c) der Bogen in ca. */„ der nat. Gröfee; d) Oberende in ca. */» 
der nat. Gröfee; eundf) Querschnitt des Bogenstabes 68 

31. Bogen vom Kassai (Sammlung Wolf im Museum für Völkerkunde in 

Leipzig); a) Aufeenseite; b) Innen -(Sehnen-) Seite; c) der Bogen 
in ca. Vta der nat. Gröfee; d) das Ober- und e) das Unterendo in 
ca. */i der nat. Gröfee; f und g) Querschnitte 68 

32. Bogen, angeblich von der Loangoküste stammend (Museum für Völker- 

kunde in Leipzig); a) der Bogen in ca. Via der nat. Grösse; 

b) Querschnitt der Mitte; c und d) Ober- und Uuterende in ca. Va 

der nat. Gröfse; e und f) Querschnitte der Sehne 71 

33. Bogen der Jakka oder Majakalla am Kuango (Sammlung Kongostaat im 

Museum für Völkerkunde in Leipzig); a) Aufeenseite; b) Innen - 
(Sehneu-) Seite; c) der Bogen in ca. \, s der nat. Gröfee; d) ein 
Ende in ca. */s der nat. Gröfee; o) der Querschnitt des Bogen- 
stabes in ca. * 8 der uat. Gröfee 74 

34. Bogen aus Kaiser Wilhelmsland (Museum für Völkerkunde in Leipzig); 

a) Aufeenseite; b) Innen -(Sehnen-) Seite; c und d) ein Ende von 
aufsen und dor Seite; e) der Querschnitt; alles etwa in % der 
nat. Gröfee 74 

35. Bogen , auf dor Station Rafai erworben (Sammlung Kongostaat im Museum 

für Völkerkunde in Leipzig); a) Aufeenseite; b) Innen -(Sehnen-) 
Seite; c) der Bogen in ca. 1 JS der nat. Gröfee; d) ein Ende mit 
zurückgeschlagener Fellbekleidung in ca. V s der nat. Gröfee; e) die 
Sehuenschlcife; f, g) der Knoten (und dessen Längsdurchschuitt) 
in der Sehnenschleife; h) Querschnitt des Bogenstabes .... 75 

36. Bogen aus Neuguinea (Museum für Völkerkunde in Leipzig); a und b) ein 

Endo von aufeen und von der Seite in ca. % der nat. Gröfee; 

c) das andere Ende mit den Pseudosehnen und der Querschnitt 

(d) iu ca. Vi der nat. Gröfse 76 

37. Bogen aus dem Mac -Cluor- Golf auf Neuguinea (Museum für Völker- 

kunde in Leipzig); a) wahrscheinlich Innen -(Sehnen-) Seite; b) wohl 
Aufsenseite; c) der Bogen in ca. V,, nat. Gröfee; d, e) Endo in 
ca. V» der nat Gröfee. Die Sehne seheint nach der falschen 
Seite befestigt, f, g) Querschnitte 77 

38. Messer der Ovambo mit Scheide (im Besitze des Verfassers) .... 83 

39. Schwert aus Darfor (Ethnographisches Museum in Basel) 85 

40. Spannmesser aus Borgu (Ethnographisches Reichsmuseum iu Leideu) HS 



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XXVI — 



Figur Seit» 

41a. Speer der Basoko (Weltausstellung io Antwerpen 1894) 91 

41b. Ruder der Bonjo (nach Jean Dybowski) 91 

42. Eisengold, Ruderblatt und 8]>eerklinge von den Stanley fällen (Sammlung 
Kongostaat im Museum für Völkerkunde in Leipzig); wenig über 

V», der nat Gröfse 91 

43 a und b. Die beiden Klingen an einem Speer der Baschobe (Museum für 

Völkerkunde in Berlin) 92 

44. Ruder vom mittleren Kongo (Weltausstellung in Antwerpen 1894) . . 92 
45 a. Hoheitszeichen in Ruderform von der Savage- Insel (Museum für Völker- 
kunde in Leipzig) 92 

45. Messer der Bakumu (Sammlung Langheld im Museum für Völkerkunde 

in Berlin) 93 

46. Messer vom Mongalla (Ethnographisches Reichsmuseum in Leiden) . . 93 

47. Messer der Baluba? oder-Bateke (Museum für Völkerkunde in Berlin) . 93 

48. Messer vom Sanga (Ethnographisches Reichsmuseum in Leidon) ... 93 

49. Messer der Baluba (Museum für Völkerkunde in Berlin) 93 

50. Messer vom Sankurru (Museum für Völkerkunde in Berlin) 93 

51. Messer dor Wakussu (Ethnographisches Reichmuseum in Leiden) ... 93 

52. Klinge eines Messers aus Bihe (Museum im Zoologischen Garten in 

Amsterdam) 93 

53. Holzmesser vom Kassai (Museum für Völkerkunde in Berlin) .... 95 

54. Holzmesser vom Kassai (Weltausstellung in Antwerpen 1894) .... 95 

55. Messer vom Sanga (Museum im Zoologischen Garten in Rotterdam) . . 97 

56. Messer der Mangbattu (Stadtisches Museum in Frankfurt) 97 

57. Messer aus dem Ogowe- Gabun -Gebiet (Museum für Völkerkunde in 

Berlin) 97 

58. Enthauptungsmesser aus Dahome (Museum im Yachtklub in Rotterdam) 97 

59. Messer aus dem nördlichen Kongogebiot (Ethnographisches Reicbsmuseum 

in Leiden) 97 

60. Sceptermesser der Pharaonen (nach Robert Hartmann) 97 



61. Messer vom Sanga (Ethnographisches Reichsmuseum in Leiden) ... 97 

62. Messer vom Kongoflufs (Museum im Yachtklub in Rotterdam) .... 97 

63. Messer vom Sanga (Ethnographisches Reichsmuseum in Leiden) ... 98 

64. Messer vom Kongo (Ethnographisches Reichsmuseum in Leiden) ... 98 

65. Messer vom mittleren Kongo (im Besitze des Verfassers) 98 

66. Messer der Yangere (Sammlung Flegel im Museum für Völkerkunde in 

Berlin) 98 

67. Holzkeule vom oberen Tschuapa (Museum für Völkerkunde in Berlin) . 99 

68. Holzkeule der Imballa (Museum für Völkerkunde in Berlin) 99 

69. Holzkeule der Kanioka (Musoum für Völkerkunde in Berlin) .... 99 

70. Holzwaffo aus Westafrika (Ethnographisches Keichsmuseum in Leiden) . 99 

71. Keule von den Salomonen (Sammlung Godeffroy im Museum für Völker- 

kunde in Leipzig) 99 

72 a. Wurfholz aus Darfor (Ethnographisches Museum in Wien) 103 

72 b. Altagyptiscbes Wurfholz (Ägyptologisches Museum in Berlin) .... 103 

73. Dio Entwicklung der Wurfeisenklingen (nach H. Schultz) 104 

74. Wurfmesser der Musgu (nach H. Barth) 105 



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— XXVII — 

F.yur Seite 

75. Warfmesser der Ftindj (Museum auf der Chrischona) 105 

76. Wurfmesser der Musgu (nach H. Barth) 105 

77. Wurfmesser aus Adamaua (Sammlung Flegel im Museum für Völker- 

kunde in Berlin) 105 

78. Wurfmesser als Geld vom oberen Mongwandi (Ethnographisches Reichs- 

museum in Leiden) 106 

79. Wurfmesser vom Stanley - Pool (Ethnographisches Museum im Zoologischen 

Garten in Amsterdam) 106 

80. Wurfmesser der Fan (Museum für Völkerkunde in Leipzig) 106 

81. Hölzernes Messer vom Kassai (Weltausstellung in Antwerpen 1894) . . 106 

82. Messer vom Kassai (Museum für Völkerkunde in Berlin) 106 

83. Messer vom Kassai (Museum für Völkerkunde in Berlin) 106 

84. Messer der Bena-Lussambo (Museum für Völkerkunde in Berlin). . . 106 

85. Axtklinge von Chiloango (Museum im Zoologischen Garten in Amsterdam) 106 

86. Streitaxt der Manjema (Museum für Völkerkunde in Berlin) 113 

87. Streitaxt aus Dahome (Museum für Völkerkunde in Bremen) . . . . 113 

88. Streitaxt der Mosi (Ethnographisches Reichsmuseum in Leiden) . . . 113 

89. Streitaxt der Bassonge (Museum für Völkerkunde in Leipzig) . . . . 113 

90. Streitaxt der Kioke (Museum für Völkerkunde in Berlin) 114 

91a bis c Die Biegung dreier Axtstiele vom Ogowe (Museum für Völkerkunde 

in Leipzig) .... 114 

92. Eisenklinge eines Kioke -Beiles (Weltausstellung in Antwerpen 1894) . 115 

93. Steinbeilklinge aus Nouhannovor (Museum für Völkerkunde in Leipzig) . 115 

94. Instrument zum Schaben der Kokosnüsse mit Muschelklinge aus Neu- 

mecklenburg (Sammlung Godeffroy im Museum für Völkerkunde 

in Leipzig) 115 

95. Drei hölzerne Schlachtäxte aus Jikuku (nach Originalzeiobnung von 

Hauptmann Kling) 115 

96 Waffe oder Kultusgerät der Bube aus Holz (Museum für Völkerkunde 

in Leipzig) 116 

97 a. Die Gora blasender Hottentotte (nach Peter Kolben) 121 

97 b. Gora der Hottentotten (nach P. Kolben); c) Saite mit Federkiel (nach Wood) 121 
98a. Guboschlager der Basuto (nach Casalis) 122 

98 b. Handhabung der Gubo bei den Bangala (nach Capello und Ivens) ... 122 
99. Zeze aus Ugogo (Historisches Museum in Born) 124 

100. Tangola spielende Frau von der Blanche -Bai auf Neupommern (nach 

0. Finsch) 125 

101. Abessynische Geige (Sammlung Krapf im Baseler Missionsmuseum) . . 127 

102. Guitarre der Waganda (Museum für Völkorkunde in Leipzig) .... 130 

103. Guitarre aus dem Gabun -Gebiet (Museum für Völkerkunde in Leipzig) 131 

104. Sanko, Guitarre der Aschanti (Britisches Museum in London) .... 133 

105. Nubische Rababa (Ethnographisches Museum in Base!) 134 

106a. Ein die Bambuslaute spielender Muteke (nach Guiral) 130 

106 b. Bambuslaute ohne Resonanzboden (Museum für Völkerkunde in Leipzig) 136 

106 c. Bambuslaute mit Resonanzboden (Museum für Völkerkunde in Bremen) 136 
107. Sambi der Mussorongo (Museum für Völkerkunde in Bremen); a) der 

Stimmring 137 



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— XXV IU — 

Seite 

108a. Ein die taute spielender Maodingo in Tcngrera (nach Binger) .... 139 

108b. Eine Krulaute. in Banana erworben (Museum für Völkerkunde in Bremen) 139 

100. Saiteninstrument der Walegga (nach Stanley) 141 

110. Saiteninstrument der "Walegga (nach Stanley) 141 

111. Saiteninstrument von der Goldküste (nach Barbot) 141 

112. Kinanda aus Usangu (Sammlung Schuler im Museum für .Völkerkunde 

in Leipzig) 141 

113a. Bambuslauto der Sakalava auf Madagaskar (Museum für Völkerkunde in 

Leipzig) 144 

113b. Bambuslaute von den Nikobaren (Museum für Völkerkunde in Leipzig) 144 

114. Doppelflöte, der Yauudo (Museum für Völkerkunde in Leipzig) .... 150 
115a. Blasekugel, Musikinstrument aus Neupommern (nach Otto Finsch) . . 150 
115b. Blasekugel (Fruchtschale) von der Westküste Afrikas (Museum für 

Völkerkunde in Leipzig) 150 

115c. Blasekugel (Thon) von der Loangoküsto (Museum für Völkerkunde in 

Leipzig) 150 

115d. Blasekugcl (Fruchtschale) von der Westküste Afrikas (Museum für Völker- 
kunde in Leipzig) 150 

116. Negor mit der Tanztrommol N'dungo; Loaugo (nach Üriginalphotographie) 150 

117. Thönerno Standtrommel aus der Stadt Fees, Marokko (Museum für 

Völkerkunde in Berlin» 101 

115. Trommel der Wabundale (Museum für Völkerkunde in Leipzig» ... 102 

119. Trommel nicht mohammedanischer Stämme im naufsagebiet ( Historisches 

Museum in Bern) 162 

119a. Trommelschläge! aus dem Togogebiet (nach Originalzcichnung von Haupt- 
mann Kling» 162 

120. Trommel der Marutse (nach Emil Holub, ohne die Ornamente» ... 162 
J 2 1 . Scbädeltrommel aus Tibet von 2 Seiten ( Ethnographisches Museum iu Basel » 1 63 

122. Trommel vom Sankuru mit Rotangspannung (Museum für Völkerkunde 

in Leipzig) 165 

123. Hölzerne Trommel dor Somal (Museum für Völkerkunde in Leipzig) 165 

124. „Dulban", Holzmörser als Trommel; Somal (Museum für Völkerkunde 

in Leipzig) 167 

125. Trommel aus dem südlichen Kamerun (Museum für Völkerkunde in 

Leipzig) 169 

126. Schinguwo- Schläger der Westkalunda (nach Wifsmanu- Wulf» .... 175 

127. Schinguwo aus dem Katangagebiet (in einer Privatsammlung), n) die 

Überseite derselben, unten die beiden Schlage! mit üummiknöpfen 175 

128. Holzpauko vom mittleren Kongo (in einer Privatsammlung) 176 

129. Holzpauke der Kalunda Cazembes (nach üamitto) 171! 

130. Holzpauke der Dualla (im Besitze des Verfassers) 176 

131. Holzpauke von der Ixjangoküste (nach einer Üriginalphotographie) . . 17<> 

132. Holzpauke der Wabujwe (nach Cameron) 17(» 

133. Holzpauke vom unteren Ubangi (nach Dyb'.wski.» 176 

134. Holzpauke der A - Sande (nach Schweinfurth» 17(5 

135. Dualla bei der Trommel -Unterhaltung (nach üriginalphotographie) . . 180 

136. Marimba spielender Neger aus Salaga (nach üriginalphotographie) . . 185 



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— XXIX — 

Figur Seito 

137. Timbuk- oder Angaramutscblfiger von der Blanche-Bai auf Neupommern 

(nach 0. Finscb) 186 

138. Holzinstrument von Hinterindion; Burma (Museum für Völkerkunde in 

Leipzig) 187 

139. Trommler aus Pare (nach Oskar Baumann) 189 

140. Holzpauke von Neupommern (nach Parkinson) 190 

141. Holzpauke der Baluba (nach Cameron) 190 

142. Holzpauke von den Horvey (Museum für Vülkerkundo in Leipzig) . . 191 

143a und b. Hütte der Zulu (nach Fritsch und anderen) 196 

144 a und b. Hütte der Barotse (nach E. Holub) 198 

145a und b. Hütte der Massongo (nach P. Pogge) 198 

146a und b. Hütto der Kalunda (nach P. Pogge) 199 

147. Hütte der Waganda (nach Speke) 200 

148a und b. Hütte bei Undussuma (nach Stuhlmann) 201 

149. Hütto der Baluba bei Russuna (nach Cameron) 203 

150. Hütto der Tupende (nach Wifsmann) 204 

151a bis c. Hütte der Barotse (nach E. Holub) 205 

152. Hütte der Konde (nach Wangemann) 206 

153. Tembo (nach Stuhlmann) 207 

154. Hütten der Ambuella (nach Serpa Pinto) 208 

155. Hütte der Bihe (nach Cameron) 208 

156. Hütte der Ganguella (nach Serpa Pinto) 208 

157a bis c. Hütte der Barotse (nach E Holub) . 210 

158a bis c. Hütte der Betschuana (nach G. Fritsch) 211 

159. Hütto der Bobo-Fing (nach Binger) 213 

160. Hütte der Dohasie (nach Biuger) 213 

161. Hütte der Bobo-Diula (nach Binger) 213 

162. Hütto der Bammana (nach Binger) 213 

163. Moschee in Lokhignile (nach Binger) 214 

164. Moschee in Sorobango (nach Binger) 214 

165. Haus in Tirabuktu (nach H. Barth) 215 

166. Bau der Ketere - Ketere (nach Originalmittoilung von Gruner) . . . . 216 

167. Bau der Ketere-Ketere (nach Originalmitteilung von Gruner) .... 216 

168. Haus in Jauri (nach R. Flegel) 217 

169. Haus in Jauri (nach R. Flegel) 217 

170. Haus in Djega (nach R. Flegel) 217 

171. Hütte der Mussgu (uach n. Barth) 218 

172. Hütte der Mussgu (nach H. Barth) 218 

173. Häuser der Makari (nach Nachtigal) 219 

174. Gerüst einer A-Sande-Hütto (nach Junker) 222 

175. Hütte der Mangbattu (nach Georg Schweinfurth) 225 

176. Halle der Mangbattu in 1 : 500 (nach Georg Schweinfurth) 225 

177. Hütto der Bakongo (nach dem Congo illustre) 226 

178. Hütte der Bakongo (nach Oskar Baumann) 226 

179. Halle der Marundscha (nach Oskar Baumann) 226 

180. Hütte der Bascbilange: zwei Wände im Holzgerüst ohuo Borken- und 

Lehmbekleidung (nach Pogges Tagebuch; 227 



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Figur Seite 

181. Hütte der Bali ohne Grasdeckung des Daches und Lehmbewurf der 

Wände (nach Zintgraffs Schilderung) 227 

182. Giebelschnitt einer Baluihütte (nach Jean Dybowski)); a) das tektonische 

Gerippe dieses Stiles 232 

183. „Barla" mit Menschenschädeln: Trophäe in Bunkeia, Katanga (nach Stairs) 233 

184. Dorfanlage der Manjema (nach Cameron) 234 

185. Dorf der Baschilange mit Fremden- und Beratungshalle (nach Wilsmann) 234 

186. Ägyptischer Korb aus dem neuen Reiche (Ägyptologisches Museum in 

Berlin) 237 

187. Korb der Baschilange (Sammlung Kongostaat im Museum für Völker- 

kunde in Leipzig); a) das Flechtmuster; b) oberer runder Rand; 

c) der viereckige Boden 237 

188. Holzgefafs von don Salomonen (nach Edge Partingtoo) 238 

189. Neger aus der Flinte rauchend (nach Glave) 239 

190. Aus dem Erdofen rauchender Südafrikaner (nach E. Holub) 239 

191. Bambuspfeifo (Baubau) aus Neuguinea (nach Sehmeltz) 240 

192. Baubau mit Thoneinsatz (nach Chalmera und Gill) 240 

193. Tabakspfeife aus einer Bananenrippe vom oberen Ituri (nach Stuhlmann) 240 

194. Holzpfeife vom Njassa (Museum für Völkerkunde in Leipzig) .... 240 

195. Tabakspfeife mit Tbonkopf vom oberen Ituri (nach Stanley) .... 240 
19(5. Gruppe aus dem Barlumzuge (rekonstruiert nach Schellong) 261 

197. Innerafrikanischor Ohr- und Brustschmuck (nach Stuhlmann) .... 262 

198. Brustschmuck von Neuguinea (nach 0. Finsch) 262 

199. Muschelschmuck der Kalunda (nach Livingstone) 262 

200. Muschelschmuck von Neuguinea (nach Schmeltz) 262 

201. Vorderseite oines Pfahlhauses in Kaire, Süd - Neuguinea (nach 0. Finsch) 2<U 

202. Hütte der Wabuma-Bangula mit Fensterthür (nach Bateman) .... 2*>5 

203. Hütte der Bangodi mit Fensterthür (nach Wifsmann- Wolf) 265 

204. Hütten der Ambuella (nach Sorpa Pinto) 26«» 

205. Pfahlhütte der BaJuba im See Mohrya (nach Cameron) 267 

206. Pfahlhütto der Balolo am oberen Lulongo (nach v. Franeois) .... 267 

207. Feuerzeug aus dem Kongogebiet; die Bobrmethode mach Originalskizze 

von J. Rose) 271 

208. Feuerzeug aus dorn Kongogebiot; die Schleifmethode (nach < »riginalekizze 

von J. Rose) 271 

209. Feuerzeug aus dem Kongogebiot; die Sagemethodo (nach Originalskizzo 

von J. Kose) 271 

210. Wurfbrett aus Deutsch- Neuguinea (Museum für Völkerkunde in Leipzig) 277 

211. Uaudhabung der Wurfbrettes (nach v. Luchan) 277 

212. Speerwerfer aus dem Kongogebiet (rekonstruiert uach Junker und Angaben 

von J. Rose) 27i> 

213. Schilfpfeil von den Salomonen (im Besitze des Verfassers) ..... 281 
L'14. Pfeil vom Lomami mit Blattbetiederung (im Besitze des Verfassers) . . 281 

215. Armband aus Geflecht mit Muschel- und Perleusehmuck vom Sankurru 

(Sammlung Kongostaat im Museum für Völkerkunde in Leipzig) . 286 

216. Menschoufigur aus Yoruba oder von der Nigermündung (Missionsmuseum 

iu Basel) 32S 



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XXXI 



Figur 



Seito 



217. Brett mit Schnitzerei; „Fetisch" der Bangala (Sammlung Schutt im 

Museum für Völkerkunde in Berta), a) ein Vogelbild; Kioke- 
schnitzerei (Ethnographisches Museum in Dresden) 329 

218. Tempel bei Banana am Kongo (nach Originalphotograpbie) 330 

219. Knjalan, Schnitzerei der Dajak auf Borneo (Ethnographisches Museum 



220. Kameruner Schiffsschnabel (Museum für Völkerkunde in Hamburg) . . 334 

221. Kameruner Schiffsschnabel (Ethnographisches Museum im Trocadero in 



in Wien) 



334 



222. Tättowierter Muschilange (nach Max Buchner) .... 

223. Tättowierter Muschilange (nach Max Buchner) .... 

224. Tupai Kupa, ein tättowierter Maori von Neuseelaod . . 

225. Tupai Kupas Tätowierung (nach seiner eigenen Zeichnung) 



Paris) 



335 
338 
338 
339 
339 



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Einführung in die Kulturlehre. 



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1. Die Kulturlehre. 



Es erscheint fraglich, ob man den Charakter des derzeitigen mensch- 
lichen Forschens vorzüglich historisch oder ausgezeichnet ittturwissenschaftlich 
nennen soll. Angenommen das Wort „historisch" sei bezeichnender, so ist 
doch immerhin zu bedenken , dass die geschichtliche Auffassimg unserer Zeit 
l>edeutend abweicht von der anderer Epochen des Nachsinnens und Betrachtens. 
Entwicklungsgeschichte statt Geschichte wäre vielerorts richtiger und wesent- 
licher ausgedrückt. Denn wir beachten weniger die Glieder der Ketten als 
die Übergänge und Verbindungen derselben und das ebenso in der Geschichte 
der Menschheit wie in der Geschichte des organischen und anorganischen 
Daseins und Daseienden. 

Ein Wissenscliaftszweig nach dem anderen hat sich zu solcher An- 
schauungsweise aufgeschwungen oder gewendet. Altausgebaute und innerlich 
gefestigte haben zunächst diese neuen Bahnen betreten, jüngere sind ihnen 
gefolgt. Demgemäfs sind wir es schon gewohnt, das gesamte All als 
ein gewaltiges Gemälde des Werdens und Gewordenseins aufzufassen. Wo 
noch Lücken klaffen, schimmern wenigstens die Hoffnung und Verheifsung, 
auch hier den Schleier über kurz oder lang gelüftet zu sehen. 

Es ist eine naturgemäfse Folge solcher Betrachtungsweise, dafs sich 
die Fragen nach der Verwandtschaft der Menschen, der Völker und Rassen 
immer wieder hervordrängen , dafs sich verschiedene Wissenschaftszweige 
ausgebildet haben, die diesen Problemen gewidmet sind. Da sind vor allem 
die Lehre von der Sprache und die Lehre vom Körperbau, Linguistik und 
Anthropologie, zu erwähnen. Man kann wohl sagen, dafs erstcre in Bezug 
auf psychologische Eigenschaften und Thatsachen mehr gezeitigt habe als 
in den Verwandtschaftsfragen, in denen ihre Ergebnisse den Rahmen des 
Nächstliegenden kaum überschritten haben. Die Anthropologie hat in dem 
derzeitigen Alter auch noch nichts für die grofsen Probleme Bedeutsames 
erreicht. Ich sage einerseits: „noch", denn diese Wissenschaft ist noch 
jung. Andererseits sind in den letzten Zeiten Thatsachen hervorgetreten, 
welche die Aussicht für die Zukunft nicht als besonders hoffnungsvoll er- 
scheinen lassen. 

1* 



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— 4 — 



Da sich so die grofsen Hoffnungen nach dieser Seite zunächst als 
unberechtigt erwiesen haben, beginnt die allgemeine Tendenz sich nach einer 
anderen Seite zu wenden, nach der Prüfung des Kultur- Besitzes. Allerdings 
sind diese Unternehmen oft noch kindlich plump und naiv. Wir müssen 
offen gestehen, dafs wir seit jenen ersten Ethnographen, also Völker- 
beschreibem, die wie z. B. Peter Kolben (um 1700) aus der Ähnlichkeit 
einiger Mythen und Sitten die Verwandtschaft der Juden und Hottentotten 
nachzuweisen suchten, einen wesentlichen Fortschritt noch nicht gemacht 
haben. Noch immer taucht hie und da ein Versuch auf, mehr oder weniger 
tiefgehende Übereinstimmungen zu einer Lösung der Völkerverwandtsehafts- 
frage auszunutzen, wozu dann leider die allgemeine Kritik — schweigt. 
Solche Bestrebungen verwirren und halten den Gang der wissenschaftlichen 
Entwicklung auf. wenn sie auch an ihrer Oberflächlichkeit und Einseitigkeit 
scheitern müssen. Denn man deutet hier eine Übereinstimmung als Folge 
der Verwandtschaft, die anderen Ortes ebenfalls vorhanden ist, dort aber 
nicht berücksichtigt ist. Es wird damit ein Glied aus der Kette oder dem 
Baue zur Betrachtung herangezogen, aber das Grofse und Ganze mit Ver- 
weisung auf „anderweitige" Beziehungen sich selbst und dem Dunkel über- 
lassen. Also zeichnen sich diese Arbeiten im allgemeinen mehr durch 
guten "Willen als durch wirkliche Resultate aus. 

Dafs dieses Stadium noch nicht überwunden ist, hat seinen einfachen 
Grund im Wesen der Kulturen selbst , welches erst in jüngster Zeit erschlossen 
worden ist. Es hat sich nämlich mittlerweile zur Genüge herausgestellt, 
dafs die Kulturen, wenn auch von einem Punkte ausgehend, also aus einer 
Quelle fliefsend und einer Kulturform entstammend, an verschiedenen Punkten 
zwar unter sich beziehungslos und selbständig, sich doch in derselben 
Richtung, nach denselben Gesetzen, ähnliche Formen hervorbringend weiter 
entwickeln. Dieses Wesen, die Thatsache der Einheitlichkeit in der Ent- 
wicklung aller menschlichen Kulturen, inufste erst klar gestellt werden, 
ehe mau auf das Wesen der Spielfonnen , der abgeschnittenen und selbst- 
ständig gewordenen Kulturen eingehen konnte. 

Es zeigt sich also nach dieser Richtung eine zweifache Aufgabe der 
Völkerkunde: 1. Klarstellung des Gesamt wesens der Kultur und 2. Klar- 
stellung der Beziehungen aus dem Wesen der einzelnen Kulturen. Und 
damit wird es klar, dafs zuvörderst die erste Aufgabe gelöst sein mufste. 
ehe man die Probleme des durch die zweite Aufgab»' bedingten Wissenschafts- 
zweiges in das Auge lassen konnte. Also erst Kenntnis der Gesamtkultur, 
dann Kenntnis der Einzelkulturen! 

Inzwischen ist die Kenntnis der Gcsuntkultur so weit fortgeschritten, 
dafs fast alle Gebiete: Waffen- und Gerätkumlc. Weltanschauung -, Rechts-, 



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— 5 — 



Familien-, Staatslehre, Kunstgeschichte und wie die einzelnen heifsen mögen, 
ziemlieh eingehend durchforscht sind und dafs es nur noch der genialen 
Hand eines Meisters bedarf, um das Bild zusammenzufügen. Und damit 
sind wir auch der „Kenntnis der Arten" bedeutend nähergekommen. 

Die Völkerkunde ist auf dieser Seite schon so weit, dafs sie an der 
alten historischen Einteilung in Stein-, Bronce-, Eisen -Zeit oder der 
Stufenfolge von Jagd, Nomadismus, Ackerbau zu rütteln beginnt. Sie fordert 
Tiefergehendes an Stelle solcher Oberflächenschürfung. Am wichtigsten für 
die Ermöglichung des Ausarbeitens obgenannten zweiten Teiles der Völker- 
kunde ist aber Ratzels Anthropogeographie geworden. Sie lehrt uns nämlich 
nicht nur die Abhängigkeit der Kulturen vom Boden, sondern sie bedeutet 
eine Abwendung von der historisch -chronologischen und eine Zuwendung 
zur naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise. Wunderbar ist es, dafs, 
trotzdem die Anthropogeographie nun schon manches Jahr vorliegt, noch 
immer nicht das Bewufstsein klar geworden ist, dafs die Frage der Kultur- < 
Verwandtschaft überhaupt nicht historisch, sondern entwicklungsgcschichtlich 
verstanden werden mufs, dafs wir es also nicht mit Zeiten, sondern 
mit Formen zu thun haben. 

Thatsächlich kann die Kultm-lehre den Forderungen der Naturwissen- 
schaften jetzt gerecht werden. Das heifst: das Verwand schaftsproblem liegt 
offen vor uns. Es ist lösungsfähig. 

Was ich nunmehr zu entwickeln habe, wird manchem so selbst- 
verständlich und natürlich klingen, dafs er sich wundert, es als etwas 
Neues, das errungen und verteidigt sein will, vorgetragen zu hören. Aber 
die IleiTcn von der organischen Naturwissenschaft wollen bedenken, dafs 
wir Ethnologen in den letzten Decennien das erst nachgeholt haben , was sie 
im Laufe der Jahrhunderte durcharbeiteten. Ich habe das ja im Obigen 
dargelegt. Allerdings ist „natmwissenschaftliche Behandlungsweise" auch 
bei uns ein schon viel gebrauchtes Stichwort, aber es war ein recht falsch 
gewähltes, denn in Wahrheit wufsten wir nichts Rechtes damit anzufangen, 
nicht mehr als .,Monographieen u zu entwerfen. Es war lediglich die 
anatomische Behandlungsweise, die allerdings auch nur sehr wenige 
schöne Resultate gezeitigt hat, die aber auch der ganzen Wissenschaft fremd 
blieben, denn wir wufsten sie nicht zu verwenden. Das, was fehlte, ist 
einmal statt der anatomischen Untersuchung eines Gegenstandes oder 
Kulturgliedes Prüfung des anatomischen Gesamtbaues. Ferner mangelte 
die physiologische Bearbeitung. 

In diesem Sinno sind die Vorarbeiten des Werkes ausgeführt worden. 
Fast der gesamte materielle Kulturbesitz der Afrikaner und Oceanier ist 
anatomisch zergliedert und auf diesem Fundamente die physiologische Dar- 



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— c — 



Stellung aufgebaut. Natürlich konnte nicht die ganze anatomische Aus- 
arbeitung liier wiedergegelxm werden, da dies viele Bände in Anspruch 
genommen haben würde. Es sind lediglich die wichtigsten Dinge hervor- 
gehoben und einige in ausgedehnter Weise im zweiten Teile niedergelegt. 
Diese anatomischen Ausführungen nun beweisen, dafs die Kulturen eine 
physiologische Untersuchung ennoglichen, durch welches Ergebois der 
Verwandtscliaftsbeweis ja vollkommen sicher gestellt ist. 

Was heifst nun „Physiologie der Kultur"? Was berechtigt mich eine 
solche aufzustellen d. h. die Kulturlehre so selbständig zu beliandeln, wo 
doch der Mensch in der Völkerkunde die erste Rolle zu spielen und die 
Kultur nur sein Produkt zu sein scheint? 

Gerade dieses Letztere bestreite ich. Der Mensch ist der Träger der 
Kultur, die Maschine derselben, wenn auch im engeren Sinne. Wir sehen 
ja sogar in der Geschichte unserer Zeit, in der doch die Individualität nach 
Möglichkeit bedeutsam ist, stets nur eine verhältnismässig nichtssagende 
Unterbrechung im grofsen Gange der Kulturentwicklung. Die Reiche Napoleons 
und Alexandere mufsten zusammenbrechen ohne langen Bestand trotz der 
Persönlichkeiten ihrer Gründer. Und waren denn diese Ereignisse etwas 
anderes als die übennäfsige Ausnützung einer schon vorhandenen Expansions- 
kraft? War die Entdeckung Amerikas ein beziehungsloses Werk des Kolumbus? 
War eine solche Unternehmung nicht vielmehr eine einfach nothweudige 
Fortführung des Ganges der Entdeckungsgeschichte und begründet durch 
eine lange Reihe vorangehender Entdeckungen? Die Entdeckung dos Dampf- 
kessels, die Lehre eines Darwiu, die Gemälde eines Rafael und die Komi>ositionen 
eines Wagner bedeuten nichts als ein Entwickeln, eine Fortführung des 
schon Vorhandenen. Es ist ganz selbstverständlich, dafs Gelehrte gleichzeitig 
und beziehungslos dieselben Entdeckungen machen, dafs Musiker gleiche 
Motive gleichzeitig auffinden etc. Denn die Kultur wächst nach bestimmten 
Wesensgesetzen. Wie der Rosenstock stets Rosen und keine Veilchen trägt, 
so blüht auch eine Kulturform in vorbedingter Weise. 

In diesem Sinne ist der Mensch vielmehr das Objekt der Kultur. 
Damit sind die Lebensbedingungen der Formen der Kultur aufserliolb de> 
Menschen zu suchen,, nämlich zumeist im Kulturboden, im Wesen 
und in der Eigenart der Natur, in der sie lebt. Nicht zufällig bringen 
gleiche Gegenden immer die gleichen Kulturen hervor. Auch teilen die 
Kulturen mit den Pflanzen die Eigenart der Veränderung bei der Verpflanzung. 
Die amerikanischen Kulturen haben einen anderen Typus angenommen als 
ihre Mutterpflanzen in Europa. 

Der so aufgedeckte Wesenszug geht aber noch tiefer. Wir treffen t>ei 
seiner Verfolgung in den Kern der Kultur. Nur in der Berührung geht ein 



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— 7 — 



Aufschwung vor sich. Es sind stets Kulturverbindungen, welche neue 
Kulturen hervorbringen. Man denke an die ägyptische, die griechische, die 
deutsche Kultur. Und wie sie geboren werden, sind sie auch den Wachstums- 
gesetzen unterworfen. Plump und unbeholfen gebärden sie sich in ihrer 
Jugend, energisch und zielbewufst im Mannesalter; kindisch sind die greisen 
Kulturen. Plump ist die deutsche Kultur im Anfange des Mittelalters, 
männlich die derzeitige Kultur der Nordamerikaner, kindisch die römische 
Kultur der späteren Kaiserzeit. Von der Zone beeinflufst, scheinen die 
Kulturen der heifsen Gegenden nur einen Sommer zu kennen. Auf- und 
Niedergang in mehrmaliger Wiederkehr mehrt sich im Norden. 

Das alles berechtigt mich, die Kulturen wie organische Lebewesen zu 
behandeln. Es läfst sich so ein eigener Zweig der Völkerkunde herausbilden, 
wobei manche schon gewonnene Erkenntnis zu Hilfe kommt. (So das von 
Schurtz aufgedeckte „Gesetz vom Wandel der Beweggründe.") Ich gehe 
aus von einer morphologischen, vergleichendanatomischen und 
physiologischen Betrachtung der Kulturen. Demnach ist Kulturmorpho- 
logie die Lehre von der äufseren Gestaltung der Kulturen (Beschreibung 
der Formen, Ethnographie), vergleichende Kulturanatomie oder schlechtweg 
Anatomie die Lehre von der inneren Gestaltung oder Beziehung der einzelnen 
Formen, die Kulturphysiologie die Lehre von den Lebensformen der Kulturen. 

Für uns, die wir den Verwandtschaftsproblemen nachgehen, ist das 
Wichtigste die Kulturphysiologie und das Problem der Vererbung. Vererbung 
ist in der Kulturphysiologie gleichbedeutend entweder mit Übernahme seitens 
einer neuen Kultur, die sich an Stelle einer alten, diese vernichtend oder 
absorbierend drängt, oder mit dem Wechsel des Wohnortes. Der erstere Fall 
liat meist Übernahme und höhere Ausbildung, der andere Umwandlung oder 
Verkümmerung zur Folge. 

Da drängen sich drei Fragen auf: 

1. Was hellst Wechsel des Wohnortes? Es giebt mehrere Formen eines 
solchen, besonders häufig ist Übertragung und Verpflanzung; erstere ist die 
öfter zu beobachtende. Da kein Volk beziehungslos ist, geht an den Grenzen 
meist ein Austausch vor sich. So sickert eine Kultur allmählich weiter. 
Diese Übertragung ist also Bowegung der Kulturen ohne wesentliche Be- 
wegung der Völker. Sie findet sich zumeist auf den Kontinenten. Die 
Grenze solcher Ausdehnungsfähigkeit ist aber nicht sowohl in den Küsten 
des Erdteiles als in der Bodenbeschaffenheit und in der Lage zu suchen. 
Die Verpflanzung tritt aber am klarsten bei den Insel- und verwandten 
Kulturen hervor. (Küstenkulturen!) Sie felüt auf den Kontinenten nicht, 
aber der kontinentalen Verpflanzung geht meist Übertragung voran. Die 
Verpflanzung der Kulturen erfolgt bei Aufbruch der Völker, ilirer Wanderung 



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und Niederlassung an anderem Orte. Dabei steht die Intensivität der 
Verpflanzung in keinem Verhältnis zur Masse der Wanderer, in einem 
engen dagegen zur Gleichartigkeit und Ungleichartigkeit des Heimats- und 
Kolonial -Bodens. Man denke an die griechische Wanderung im Mittelmeer, 
die Verbreitung des Christentunies durch die Juden etc. Wenn dem Kinde 
die Zähne gewachsen sind, hört es auf zu saugen und beginnt zu essen. 
Also ist auch bei der Verpflanzung oder Fortpflanzung der Kulturen gleich- 
zeitig: Selbständigwerden , Abreifsen der natürlichen Beziehung zur Mutter- 
kultur, Änderung der Ernährungsweise des physiologischen Baues. (Vergl. 
die Geschichte der Vereinigten Staaten!) 

2. Wag Ist Ernährungsweise und physiologischer Bant Wie jedes ent- 
wickeltere Tier Ernährungs-, Bewegungs-, Fortpflanzungs-, dazu noch 
Schutz- und Trutz -Organo etc. besitzt, so ist auch jeder menschlichen 
Kultur ein ähnlicher Organismus eigen. Jagd, Fischerei, Viehzucht, Acker- 
bau, in komplizierten Verhältnissen Industrie, bei den Parasiten Handel 
stellt den Emährungsapparat dar. Schon die Anthropogeographie lehrt uns 
das Abhängigkeitsverhältnis dieser Ernährungsweise — die ja zuletzt den 
ganzen Bau der Kultur bedingt, — von der Bodenbeschaffenheit. Aber 
abgesehen von dieser Konstruktion oder Struktur des Ganzen äufsert sich die 
Beschaffenheit der Lage in den Kulturformen noch nach zwei anderen 
Richtungen. Einmal ist der materielle Kulturbesitz durch den anorganischen 
und organischen Reichtum des Wohnsitzes in der Form bedingt und dann 
die Entwicklung der Formen nach den Gesetzen dieses Materials, und zum 
andern stellen sich neben der durch das Bedürfnis bedingten Fülle 
des Besitzes infolge lokaler Eigenschaften und «1er lokal gebotenen Materialien 
eine Reihe von nicht notwendigen Dingen, also ein Apparat an Luxus- 
gegenständen ein. 

8. Die General frage: Wie erkennt man nun die Verpflanzung und 
rbertragung aus dem physiologischen Baut — Es wurde soeben als charak- 
teristisch für den physiologischen Bau einer Kultur festgestellt: 

a) Ernährung infolge Bodcnbeschaffenheit. 

b) Formen und materialgerechte Entwicklung der Formen bedingt 
durch den Materialreichtum des Wohnsitzes. 

c) Luxusapparat dem Material des Wohnsitzes entsprechend. 

Es giebt nicht zwei ethnologische Provinzen auf der Erde, die den 
gleichen Boden, die gleichen Ernährungsbedingungen und Materialien bieten. 
Bei der Verpflanzung an einen anderen Ort geht also eine Änderung der 
Materialverwendung vor sich. Die anatomische Untersuchung zeigt aber 
das Ursprungsmaterial eines Gegenstandes, sowie seine Ursprungsforinen. 
Die Untersuchung einer gröfseren Anzahl von Geräten, also eines gröfseren 



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- 9 — 



Bestandteiles der Kulturform führt daher zur Erkenntnis der Ursprungs- 
formen, also der Eigenschaft der Kulturquellen. Diese können dann aufgesucht 
werden, wobei einerseits die pflanzen- und tiergeographische Bestimmung 
dann die Herausklärung des Luxusapparates von gröfstem Nutzen ist. 

Ein Beispiel! In diesem ersten Bande, ist unter anderem die Ver- 
pflanzung malajonigritischen Kultur Hinterindiens oder besser gesagt Oceaniens 
nach Afrika verwiesen. Diese Kultur war ursprünglich insular. Insel- 
bewohner verwenden die Muscheln zu allerhand Werkzeug und Gerät, so 
als Klinge der Beile, als Blasinstrument, als Schmuck, als Geld. Nun wird 
die Verwendung in Afrika ersetzt. Das gewundene Horn der Antilope und 
Zähne des Elephanten werden künstlich hergerichtet an Stelle der Muschel- 
hörner. Aber ein Gebiet des malajonigritischen Kulturkreises in Afrika bietet 
noch das Vorkommen der Muscheltrompete. Die Muschelklingen der Äxte 
verraten ihre Ursprungsform noch in Gestalt der ihnen nachgebildeten Eisen- 
klingen. Am interessantesten ist es aber, dafs die Form der als runde 
Plättchen geschliffenen, durch bohrten und aufgereihten Muschelschalen, 
die nur noch im Kreise der westafrikanischen Knlturform erhalten ist, im 
südlichen, östlichen und nördlichen Afrika durch ebenso geschliffene — 
Straufsenschalen ersetzt ist. 

Aufserdem werden wir sehen, dafs eine grofse Anzahl der malajo- ; 
nigritischen Geräte dem Wesen des Bambus sein Dasein verdankt und wie 
dieses Material in Afrika ersetzt wird, wo die Bambusverwendung doch 
natnrgemäfs wegen Mangel an entsprechendem Material verschwindet und 
<lafs so die Geräte doch weiterbestehen. 

Die dritte Frage, auf die hier nur kurz geantwortet worden ist, wird 
uns aber bis zur letzten Seite vor Augen stehen, denn sie ist nichts anderes 
als die in beantwortbare Form gebrachte Frage: „Wie beweist man Kultur- 
verwandtschaft?' 4 Sie ist hier theoretisch beantwortet, findet aber in dem 
dritten Teile ihre praktische Ausarbeitung. Wenn ich denselben leichter 
und fafslicher gestaltet habe, als es die Kollegen im engeren Sinne vielleicht 
wünschen sollten, so geschah es, weil, sowie derart streng naturwissen- 
schaftlicher Boden betreten wird, der Interessentenkreis sich sogleich 
bedeutend erweitert. Und das ist nur wünschenswert, da ein derartiger 
Austausch die prächtigsten Resultate im Gefolge haben kann. Das haben 
Botanik und Zoologie bewiesen. Also besten Grufs und Empfehlung an 
die Herren von der gleichen, der naturwissenschaftlichen Fakultät! 



Nun wäre noch die Frage kurz zu erörtern, in welchen Gebieten der 
menschlichen Kultur wir das beste Material für die anatomische und physio- 



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logische Untersuchung zu suchen haben. Es handelt sich dabei in erster 
Linie um den Besitz der Naturvölker. Zur Beantwortung dieser Frage führt 
ein Blick auf die bisherige Entwicklung der Völkerkunde ein leichtes Hilfs- 
mittel herbei. Vierkandt hat in seinem trefflichen Werke über Natur- und 
Kulturvölker auf den Unterschied der zwei vorherrschenden Lohren hin- 
gewiesen, der Lehre vom Völkergedanken und der Lehre von der Entlehnung: 
Die Lehre vom Völkergedanken beruhigt sich bei der uns überall entgegen- 
tretenden Gleichartigkeit des menschlichen Bewufstseins, während die 
Theorie der Entlehnung sich vorwiegend auf die Enge und Armut des 
menschlichen Bewufstseins, auf seinen Mangel an schöpferischer Kraft 
beruft. — 

Nun ist die Gleichartigkeit des menschlichen Bewufstseins eine einfache 
Folge der Gleichartigkeit äufserer Verhältnisse. Demnach findet sich Gleich- 
artigkeit auf allen jenen Gebieten, auf denen der Mensch die Natur nachahmt 
oder sie zu verstehen sucht. Da ist vor allem an die Kunst zu erinnern, 
in der eine Nachbildung natürlicher Erscheinungen die Anfänge darstellt. 
In der Weltanschauung andererseits sucht der Mensch sich mit der ihn 
umgebenden Welt abzurinden und ihre Motive und Entwicklungsphasen sind 
eine naturgemäfse Folge des sich erweiternden Gesichtskreises und Interessen- 
gebietes. Erst beachtet er die Tiere, dann die Mitmenschen und endlich 
nach einander den Mond, die Sonne und den Himmel. Und da das Wesen 
dieser Dinge und das Verhältnis des Menschen zu ihnen überall im wesent- 
lichen das gleiche ist, so tritt eine merkwürdige Einförmigkeit uns überall 
entgegen. Ferner beruht die Einförmigkeit des menschlichen Bewufstseins 
auf seiner natürlichen Beschaffenheit, die bestimmte Bedürfnisse bedingen. 
Der Mensch ist ein Herdentier. Das grofse Gebiet der socialen Einrichtungen 
weist auf eine ganze Reihe naturgemäfser Notwendigkeiten hin. 

Wenn also auf den drei Gebieten der Kunst, Weltanschauung und 
Stammesorganisation in der Hauptsache eine einheitliche Entwicklung in 
verschiedenen vorbestimmten Perioden zu beobachten ist, so fehlt es auch 
nicht an Sonderlichkeiten, lokalen Eigenarten, die nur selten vorkommen. 
Es sind die Ausartungeu, Extreme, dann Schöpfungen, die der lokalen Be- 
schaffenheit, femer solche, die der geschichtlichen Vergangenheit ihr Dasein 
verdanken und derart notwendigerweise auf die Entwicklung hin anatomisch 
zergliedert werden müssen, um eventuell als wichtige Bausteine des physio- 
logischen Ausarbeitungswerkes herangezogen zu werden. 

Ganz anders die Seiten des Kulturbesitzes, auf denen der Mensch 
selbst Schöpfer ist. Der Mensch schuf sich seine Waffen, seine Geräte, 
sein Obdach. Mit diesen zwang er .das Wasser und das Erdreich, ihm zu 
bieten, was er wolle, gewann er die Herrschaft über die Tiere und trat 



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keck der seinem Thun feindlichen Natur entgegen, so dafs er sich von 
ihrem Joch befreite. 

Es ist wahr, dafs sich der Mensch auch liier von der Natur gebotener 
Hilfsmittel bediente. Aus der Höhle und dem schützenden Laubdach ent- 
stand die Hütte; seine Waffen sind zum Teil nur Erweiterungen und Aus- 
bildungen natürlicher Waffen, wie etwa die Keule eine Verlängerung des 
Unterarmes, der Kugelknauf an ihr die Nachbildung der Hand etc. Aber 
oben der Unterschied zwischen dem Blätterdach des Baumes und der Hütte 
des Menschen, dem Faustarm und der Keule repräsentiert dio Schöpferkraft 
des Menschen, die im Anfange die Natur nachahmt, um später selbständig weiter 
zu schaffen. Und in diesem späteren und selbständigen Weiterscliaffen gehen 
die Entwicklungsreihen auseinander. Dann folgen Stufen, auf denen die 
Menscliheit an verschiedenen Punkten Fortschritte im gleichen Sinne macht, 
aber hier sehen wir auch Trennung. Wir weisen (siehe unten) zwei Bogen- 
formen auf der Erde nach. Der Mensch mufste den Bogen erfinden, aber 
er ward wahrscheinlich auf verschiedenen Wegen erfunden. Ich kann 
3 Schildformen nachweisen (wenn nicht 4), sie sind verschiedener Ab- 
stammung; weit von einander entfernt sind sie entstanden. 

Also im materiellen Kulturbesitze finden sich die besten Materialien 
für die Untersuchung auf anatomischem Wege. Er ist schon deshalb be- 
sonders geeignet, weil je weiter wir gelangen, desto mangelhafter die Kennt- 
nis der Vorgeschichte, desto dichter die später übergelagerten Schichten 
werden, so dafs wir der prähistorischen Untersuch tmg immer näher rücken. 
Und die Prähistorie verlangt Abrechnung mit Fragmenten des materiellen 
Kulturbesitzes, eine Abrechnung, auf die wir schon hier im Anfange uns 
vorbereiten müssen. 

Da einmal das Wort „Prähistorie" gefallen ist, wird manchem die 
Frage auftauchen, wie weit ich mit meinen Untersuchungen zu gehen ge- 
denke. Die Frage Linn ich nicht beantworten. „Soweit das Material ge- 
nügt i; , ist alles, was ich zu entgegnen vermag. Soweit abzusehen ist, genügt 
dasselbe allerdings auch für die vorgeschichtlichen Zeiten. Und wenn sich 
das bewahrheitet, so eröffnet sich uns eine gewaltige Perspektive: 

Da der Mensch auf denselben Wegen wie seine Kultur ge- 
wandert sein mufs, so dringen wir mit der Verfolgung der Kul- 
turströme hinab in das tiefste Dunkel der wahrhaftigsten Ur- 
geschichte. 

Es lag nahe, die Untersuchung des Ursprunges der Kultur in Afrika 
zu beginnen. Zum einen zeichnet sich dieser Erdteil durch eine gewisse 
Abgeschlossenheit aus, — es sind nicht so viele geschichtliche Thatsachen 
zu berücksichtigen wie etwa in Asien — ferner durch eine gewisse Ein- 



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heitlichkeit der Kulturhöhe, endlich ist Afrika das alte Kreuz der Ethnologen. 
Denn fast alle Versuche das Wesen des Werdens der afrikanischen Kulturen 
zu verstehen sind gescheitert Auch wäre noch als Vorteil zu erwähnen, 
dafs hier die Untersuchung nicht durch die mikroskopischen Vorarteiten, 
wie sie die Urgeschichte Europas, die Linguistik Asiens und die klassische 
Wissenschaft Kleinasiens und Südeuropas erfahren haben, erschwert wird. 

Weiterhin sprach für Afrika als erstes Objekt der anatomischen und 
physiologischen Prüfung neben dem Fehlen der geschichtlichen Thatsachen 
der Mangel an prähistorischen Funden. Damit sind bestimmte Grenzen nach 
oben und unten gezogen und die afrikanischen Kulturen treten uns als 
eine Schicht entgegen. Das erschwert nach einer Seite, erleichtert aber 
insofern, als wir das ganze Interesse und die ganz«? Kraft ohne Neben- 
studium unserer grofsen Hauptrichtung zuwenden können. 

Es sei noch bemerkt, dafs dann, wenn wir die Entwicklung der 
Flechtkunst, der Weberei, der Thon- und Eisen -Industrie etc. verfolgen, 
wir noch manches Mal von Asien, Oeeanien und Europa aus unseren Blick 
nach Afrika wenden werden, dafs also in späteren Bänden noch manche 
Lücke in den vorliegenden Untersuchungen ausgefüllt werden wird. 



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2. Morphologische Betrachtung. 



AIb Kolossalbarriere liegt Afrika im Südwesten der alten Ökumene. 
Im Norden steht es den Mittelmeerbeziehungen offen, im Nordosten den 
asiatischen Kontinentaleinflüsson , im Osten den insularen Oceaniens. Im 
Westen aber — und das ist entscheidend — liegt der atlantische, und 
zwar insellose Oceau. Dem entsprechen auch die historischen Thatsachen. 
Im Norden entstand Karthago als phönieische Kolonie, in Ägypten herrschten 
nacheinander Westasiaten, Griechen und Römer. Nach Nordafrika gingen 
die germanischen Wanderhorden über. Sprechend für die westasiatische 
Kontinental Verbindung ist der Islam in Nordafrika, die Verbreitung arabischer 
Kolonien bis herab zum Sambesi, der starke Kontingent indischer Händler in 
Ostafrika. Die insularen ozeanischen Beziehungen haben in der verhältnis- 
mäl'sig jungen Hovakolonie auf Madagaskar und in dem malaischen Stadt- 
viertel am Kap — nach dem Census von 1852 waren 643G Malaien in 
der Kapstadt (Kretzschina r) — Beweise hinterlassen. Die klaffende Ix>ere 
an Beziehungen zwischen Afrika und Amerika aber ist erst im 16. und 
17. Jahrhundert in gewaltthätiger Weise durch europäischen Handel aus- 
gefüllt worden, indem die Sklavenausfuhr von der afrikanischen Westküste 
bis zur Bedeutung einer, wenn auch unfreiwilligen Völkerwanderung empor 
getrieben wurde. 

Die Völkerbewegung im Inneren des Erdteiles ist durch die geographisch 
sehr einfache Gestaltung erklärt. Denn der Erdteil besitzt fast keine 
trennenden Grate oder Tiefen. Seine Küsten, mit Ausnahme der nördlichen, 
sind nicht so gelagert oder geformt, dafs von aufsen, am Rande die Sehicksals- 
l>estimniungen zu suchen sind. Alle afrikanische Geschichte hat sich im 
Innern und zwar im Süden der Sahara abgespielt. Was nördlich von der 
Sahara-Breitenlinie sich ereignet hat, gehört nicht der afrikanischen Geschichte 
im eigentlichen Sinne an. 

Ich sagte, dafs Afrika in seinem Innern fast keine die Völkerwellen 
trennenden und begrenzenden Niederungen oder Wälle besitze. Thatsäch- 
lich fallen diejenigen Momente dieser Art, welche vorhanden sind, wenig 
in das Auge. Es sind die Sahara, die Kalahari und die innerafrikanische 



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— 14 — 



Kongo -Niederung mit dem Urwald. Langsam und behaglich pilgernde Völker 
mit kleinem Trofs werden durch sie allerdings nicht aufgehalten, wohl aber 
jene zielbewußten Sturmfluten, die den Staatengründungen in Afrika voran- 
gehen, und die recht wohl von jenem langsamen Sickern, das die ganze 
Bevölkerung des Erdteils stets in einer gewissen Unruhe begriffen er- 
scheinen läfst, unterschieden werden mufs. 

Afrika ist durch zwei Achsen ausgezeichnet, die die Bahnen der stets 
sich wiederholenden Strömungen darstellen. Die eine verbindet den Nil 
mit Senegambien, ist also fast genau westöstlich gerichtet. Auf diesen 
Strafsen lagen und liegen zahlreiche grofse Staaten, Melli, die Mandingo- 
reiche, die Haursastaaten, Bornu, Baghirmi, Wadai etc., auf ihr wanderten 
die staatengrandenden Fulbepilger, auf ihr zogen die Träger des Islam 
nach Timbuktu und zurück nach Mekka. Diese westöstliehe Völkerstrafse 
bietet die Erklärung für die Erscheinung, weshalb es wedor den alten 
Ägyptern noch den jungen (unseres Jahrhunderts) gelang, das Reich bis zu 
den Nilseen auszudehnen. Ein solches Nilreich wird stets von den Völkern 
der nordafrikanischen Wanderachse geschnitten und getrennt werden. Das 
Reich des Mahdi liegt noch heute als bezeichnender Völkerblock dieser 
mohammedanischen Völkerlawine den englischen Bestrebungen im Wege. 

Die zweite Achse des afrikanischen Kontinentes verläuft von Nord nach 
Süd oder richtiger von NNO nach SSW und, um dies sogleich näher zu 
bezeichnen, als Völkerbahn von den Nilquellseen ziun Kapland. Es ist dies 
der Weg der Zulu -Völker, deren nördlichste Stämme fast den Viktoria er- 
reichen, während ihre südlichsten Zweige aus den Kaffern kriegen noch recht 
wohl weit bekannt sind. Dieser Weg ist im Süden geteilt. Während der 
Hauptstrom dem Viktoria zuläuft, verläuft eine Nebenlinie direkt noch Norden, 
also von der Südspjtze des Erdteiles dem mittleren Sambesi und dem Lu- 
alaba-Kassai zu. Die Völker dieses Nebenstromes waren die Gründer des 
Masutre-Mambunda- Staates, der Baluba- und jüngeren Lunda- Reiche, viel- 
leicht sogar des alten Kongo. 

Zwischen diesen beiden Hauptgruppen der afrikanischen Völker bilden 
die Nilstämme, zu denen dio Massai gehören, eine gewisse Verbindung, im 
ethnographischen Besitztum daher einen gewissen Übergang, Zwischenglieder. 

Es bleiben nun noch bestimmte Gebiete im Norden, Osten und Westen 
zu erörtern. Im Norden und Osten ist dies das Anschlufsgebiet an West- 
asien und Süd -Europa (Indien, Arabien, Mittelmeerkultur, für historische 
Vergangenheit auch Babylonien). Im Westen dagegen liegt die Sache anders. 
Die grofsen Strömungen werden an der Westküste, im Kongobecken und 
Südwestafrika durch eine langsame Bewegung ersetzt Auch wirken die 
Massen liier mehr polsterartig. Auf den grofsen Bahnen zerschellen die 



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— Iß — 



alten Völkerblöcke beim Anprall; hier im Westen werden sie zusammen- 
gedrückt. Daher ruht hier an der Westseite und im Waldgebietc ein Schatz 




alter Besitztümer, wie ihn das übrige Afrika nur in kleinen abgeschlossenen 
Gebieten in imbedeutender Weise birgt, so in den Bergen Ostafrikas, im 
Delta des Sambesi etc. 



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— IG — 



Deshalb sehen wir hier am Rande der Ökumene bedeutenden Reichtum 
aufgestapelt. Eigentlich abgelegen sind diese Gebiete aber nicht, denn 
beständige Wechselbeziehungen lassen sich an allen Randgebieten bis in 
das Innere des Kongogebietes nachweisen. Da« zeigt auch die Eigentüm- 
lichkeit der Sprache, deren Verwandtschaft beweist, dafs die Westafrikaner 
zumeist unter dem Einflüsse der Volker der Sud -Nord-Bahn stehen. 




Eigentlich abgelegen ist nur die Südwestseite, das fiobiet der Koikoin. 
Die Eulalia ri hnt sie vor dem Überfall durch die Zulu- Volker zwar ge- 
schützt, aber diese bildete auch hinfort eine Trennung und sie konnte» 
von den Fortschritten jenseits nicht so Nutzen ziehen wie die Waldvölker, 
die auch geschützt, aber nicht beziehungslos abgeschlossen waren. 

Sprachliche Thatsachen legen Beweis ab für die Richtigkeit der Auf- 
fassung afrikanischer Völkerbewegung und Beziehung, wie wir sie aus der 
geographischen Lage, den Staatenbildungen, Wanderungen und dem ethno- 
graphischen Besitze gewonnen haben. Als die älteren Sprachen in Afrika 
müssen nämlich die zersplitterten gelten, welche durch grofsc Divergenz 



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— 17 — 



einander entfremdet sind, als jüngere die einheitlichen und nur dialektisch 
versclüedenen. Danach sind die Sudansprachen die älteren und zu ihnen 
rechnet Lepsius die der Hottentotten. Wir sehen also, wie liier die Ab- 
geschlossenheit ausgeprägt ist. Dagegen mufs als jüngere Sprache die be- 
kannte Bantusprache angesehen werden, die so Arges in der Völkerkunde 
angerichtet hat. Man hat, statt ihr eine historische Bedeutung zuzuschieben, 
sie als Rassenraerkmal bezeichnet, und noch immer hört man von einer 
Ban tu -Rasse reden. Diese Sprache nun ist die der Volker der SN -Wander- 
richtung, der Zulu und Konsorten. Aber nicht mir in ihrem ganzen Ver- 
breitungsgebiet finden wir sie, sondern auch in dem Kreise der Zurückge- 
drängten, der westlichen Küsten- und Waldvölker. Wir sehen also, staatliche 
Organisation konnten ihnen diese Völkerströme nicht aufzwingen, dagegen 
übernehmen die Geborgenen gern die Sprache. 

Die Sprache zeigt noch eine Beziehung an, dafs nämlich die West- 
völker mehr unter dem Einflufs der Südachse stehen, als unter dem der 
Nordachse. Wenigstens ist das für jflngero Zeit damit erwiesen. Ja die 
Westvölker haben sogar einen Einflufs auf die Bindeglieder der Nordachse 
gewonnen. Worte der Bantusprache wie niama — Fleisch kehren in der 
Bezeichnung vieler Menschenfleisch liebender Stämme des Sudan wieder. 
Von Niamniam und Niemniem hörten Clapperton , Barth und Vogel im Sudan. 
(Siehe auch Koelle.) Bleck erkannte in der Sprache der Biülom und Temne 
Einwirkungen des Kintu (Sprache der Bantu) und sogar in Sprachen Sene- 
gambiens (Wolof und Ful) scheinen sich Spuren der Verwandtschaft mit den 
Bantuidiomen zu finden. Endlich ist neuerdings eine noch weiter nach 
Norden vorgeschobene Bantusprache entdeckt, die Sprache der Ashiugini, 
welche Östlich vom Niger fast bis zum 11° n. Br. reicht. 

Weiterhin bezeichnend für den morphologischen Bau der afrikanischen 
Kulturen ist die Basis der Volksernährung. Sie ist eine Folge der geo- 
graphischen Lage, wirkt aber ausschlaggebend auf die formale Entwicklung 
der Kulturen ein. Stichworte der afrikanischen Kultur sind Hirsebau und 
Rinderzucht Der Afrikauer ist im allgemeinen Ackerbauer und Viehzüchter 
gleichzeitig. Nur ist bei den Nord- und Xordostvölkern die Viehzucht in- 
sofern bedeutsamer, als Viehzüchter über den Ackerbauern herrschen. Eine 
alte Verwandtschaft, die nicht durch jüngere Beeinflussung verwischt ist, 
verbindet auch hierin die Hottentotten wieder mit den Nordafrikanern; sie 
sind nur Viehzüchter. Die Völker der Südachse sind gleichmäßig Acker- 
bauer und Viehzüchter. Bezeichnend ist es aber wieder, dafs im Süden 
die erste Erwerbsweise, dem Norden zu die letztere überwiegt. Und die 
Völker des Westens stehen auch darin wieder denen der Südachse näher: 
sie sind nur Ackerbauer. Aber noch etwas anderes zeichnet die Westvölker 

Frobeniu«, Afrikanucho Kulturen. - 



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- 18 — 

und zwar diesmal vor allen Afrikaner aus. Die Hirse tritt zurück und 
macht der Banane Platz, die in neuerer Zeit allerdings durch Maniok und 
Üais ergänzt sind, wahrscheinlich durch europäischen Einflul's. 

Dazwischen wohnen aber noch in kleinen abgeschlossenen Gebieten, 
ferner in der Kalahari und vor allem in der Waldregion die unstäten Volk- 
lein der Buschvölker. Ihnen bietet die Jagd die Nahrung. Während mit 
dem Ackerbau und der Viehzucht bestimmte Industriezweige verbunden 
sind, fehlen solche den Jägern. Sie leben als Parasiten ohne eigenen 
materiellen Kulturbesitz. Die Formen ihrer Waffen, Hutten und sonstiger 
Geräte sind nicht eigene, sondern von den um wohnenden Stämmen entlehnte. 

Bei der Beurteilung der Arbeits- und Schöpferkraft der Afrikaner und 
ihres Verhältnisses zu deren Leistungen gilt es diesen durch die geograpliische 
Lage vorbedingten oder erklärten Schicksals- und Ernährung9weg im Auge 
zu behalten. In seinem Schicksal ist der Neger der wahre und rechte 
Sklave Afrikas. Es giebt weder fttr den Menschen noch für die Völker 
eine Hoffnung auf eine Mögliclikeit das Schicksal des Heutcüberwindens 
und Morgenüberwundenwerdons zu durchbrechen. Es liegt eine gewisse 
Grausamkeit in dem Wesen dieses einförmigen, zweiachsigen Erdteiles. 
Kein Ausblick auf etwas Neues, etwas, was errungen werden kann und 
was nicht schon als Sieger oder Besiegter bekannt ist, eröffnet sieh den 
Völkern. Für das Individuum ist eine einförmige Notwendigkeit in der 
Tagesarbeit, die der doppelte Beruf des Ackerbauers und Viehzüchters mit 
sich bringt. Allerdings liegt eine Erziehung zur Zähigkeit in diesem Zwange, 
eine Erziehung, die dem Afrikaner den Vorteil des Niehtverniehtetwerden- 
könnens für seine Rasse sichert. 

So sehen wir denn den Afrikaner mit einem verliitltnismäisig grofsen 
Kulturbesitze, wie ihn die zweiseitige Arbeit bedingt, ausgerüstet. Wir 
vermissen aber eine Freudigkeit in seiner Ausgestaltung. Unter allen Natur- 
völkern sind die Nord-, Ost- und Südafrikaner die reichsten an technischem 
Können, aber die ärmsten an Formen. Nur die Australier überbieten sie 
noch an Fonnannut im materiellen Besitze. 

Das oben Gesagte gilt für die Völker, die unter dem direkten Einflufs 
der zwei Achsen stehen. Dafs die Hottentotten noch ärmer sind, geht aus 
ol>en Gesagtem hervor. Anders die Westafrikaner. Hier wo das Sklaventum 
des Völkerschicksals und die Knechtschaft der Doppelarbeit fortfällt, wo die 
Kenntnisse des Nordens und Südens vereinigt sind, wo der Blick auf das 
Meer oder die Aussicht auf einen freien Weg durch die Wälder oder über 
die Ströme in das Unbekannte führt, hier erwacht ein freier Wille, eine 
gröfsere Freutie am Schöpfen und Schaffen. Was der Ost-, Süd- und Nord- 
Afrikaner als nicht direkt Praktisches von aufsen empfängt, verwirft oder 



Diniti7Pd bv CiOOoIc* 



— 19 — 



verliert er; der Westafrikaner dagegen weifs es zu schätzen. Es wird in 
seiner Hand umgestaltet und in den Kulturbesitz eingefügt 

So ist denn dem Afrikaner eine ganz enormo Arbeitskraft verliehen, er ist 
der Fleifsigste von allen seiner Kulturhöhe. Denn das Schicksal zwingt ihn 
zur Arbeit, zu schwerer Arbeit. Er ist ferner reich an Besitz, denn das 
Praktische bleibt in seiner Hand ein wahres Hilfsmittel. Aber er ist arm 
an Schöpferkraft. Fast alle seine Güter stammen von auswärts. Es ist 
fast gleich Null, was er selbst errungen. Seine Leistungen sind der Aus- 
druck der Zähigkeit, aber nicht der freudigen Schöpferkraft. Anders nur 
der Westafrikaner. 

Bezeichnend für diese Dinge ist eine kurze übersieht der Industrieen, 
Künste und Weltanschauung. — Die Lederverarbeitung ist durch den Mangel 
an Gerbstoffen, die Töpferei durch den der Drehscheibe ausgezeichnet. 
Was hier fehlt, wird aber durch Ausdauer ersetzt und die Resultate sind 
des langen Kratzens, Schabens, Rundens etc. würdig. Die Holzgewerke sind 
durch das Fehlen jeder Art der Zimmerei und Tischlerei charakteristisch. 
Und doch, was leistet der Neger! Hallen wie die des Münsa (Fig. 176) 
stehen fast als einzige Thatsachen unter den Leistungen der Naturvölker da. 
Stühle, Boote, Betten etc., alles wird verflochten oder genäht. So ist auch 
die Ausdauer der Ersatz da, wo das Wissen aufhört. 

Es können nicht allzuviele Jahrtausende verflossen sein, seit die Neger 
•las Eisenhandwork kennen gelernt haben. Heute ist es ihre erste Kunst, 
die sie mit oft erstaunlicher Geschicklichkeit betreiben. In einzelnen Teilen 
Afrikas werden Webstoffe, in anderen Rindenkleider durch Klopfen herge- 
stellt. Die Neger verstehen zu flechten und zu häkeln etc. 

Doch bei aller Kenntnis und technischen Fertigkeit fehlt dem Nord-, • 
Ost- und Süd- Afrikaner die Kunst fast gänzlich. Seine Gesänge sind nur das 
traurige Echo eines freudigen Gedankens, seine Lieder eintönige Taktwieder- 
holungen. Selten sind die Tänze den naiven Anfängen der Tanzkunst ent- 
wachsen und die Schilderei fehlt gänzlich. Mangelhaft ist die ornamentale 
Auschmückimg. Dagegen dio Westafrikaner und die Buschvölker! Während 
letztere sich in einer naiven Naturkunst auszeichnen, sind erstere gesehickto 
Skulpturenbildner und Ornamentsehnitzer. Mau darf dabei die unter euro- 
pftischem Einflüsse entstandenen Karrikaturen nicht mit innerafrikanischen 
Werken verwechseln. 

Am ausgeprägtesten ist der Uuterschied einerseits des westafrikanischen, 
andererseits des nord-, süd- und ostafrikanischen Kulturbesitzes in der 
Weltanschauung. Während im ersteren ein reges religiöses Sinnen jede 
Anschauung und Mythe festhält und ausspinnt, zwischen sich und der Welt 

- 

tausend und aber tausend Gedankenfaden zieht, so dal's fast undurehdring- 

2* 



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— 20 — 

liehe Netze das Wahre verhüllen, findet der eigentliche echte Afrikaner 
sich durch einige Amulette, Opfer, etwas Regenzauberei und Ahnendienst 
mit dem Unbekannten und jedem tieferen Gedanken ab. 

Der Cliarakter der Weltanschauung ist vollkommen verselüeden auf 
beiden Seiten, nicht so der Umfang. Wir liaben es mit einem stark vor- 
herrschenden Manismus (siehe weiter unten) und bevorzugten lunaren Mythen 
zu thun, in welches Gebräu in regelrechter Weise die Tierverehrung ge- 
mischt ist, Solare Züge wiegen im Westen bedeutend über. Ebenso finden 
sich daselbst grofse Mengen von „Entartungen", die im übrigen Afrika fehlen. 

Von Norden und Osten schiebt sich der Islam vor, der für die Neger 
aber eigentlich keine weitere Bedeutung hat als: Fabrikation neuer Amulette: 
das sind die Koransprüche in Ledertäschchen. Auch sonst wird die Be- 
reicherung von dieser Seite melir durch Äufserliclikeit als Intensivität ge- 
kennzeichnet. Man hat allerdings oft gesagt, der Kulturbesitz nehme von 
Süd- nach Nordafrika stetig zu, und hat die Schuld den Semiten zugeschoben. 
Das ist aber nicht richtig und beruht auf einer Überscliätzung der semi- 
tischen Einflüsse. 

Was die Völker der Nordachse vor denen der Südachse infolge der 
nordwestlichen Beziehung auszeichnet, ist die festere Staatsorganisation im 
wesentlichen. Aber auch hierin ist der Unterschied nicht allzuhoch anzu- 
schlagen, jedenfalls nicht derart, dafs der gesamto morphologische Eindruck 
ein anderer genannt werden könne. Ganz anders ist es mit dem anato- 
mischen Bau. — Die äufsorliehc Gestaltung bleibt sich gleich auch im Familien- 
leben, wenn auch im Westen die matriarchalische Beziehung, im Osten und 
Süden die patriarchalische vorwiegt. 



Diojtized by CjOOqIc 



IL 



Anatomische Untersuchung des afrikanischen 

Kulturbesitzes. 



Di 



3. Die afrikanischen Schilde. 

(Vergl Kartenblatt 1, Nr. I— V.) 



Der Schild als Schutzwaffe fehlt in wenigen Gebieten der Erde, in 
keinem Erdteile. Aber wenige Gegenden bieten eine solche Ffllle an Formen 
wie gerade Afrika. Dabei ist keine derselben beziehungslos. Gerade die 
Schilde zeigen das Bild des Aufwachsens und Zusammenfliefsens der Kiütur- 
elemente in Afrika in wunderbarer Klarheit. Alle Typen in Abbildimg 
wiederzugeben ist unmöglich; ich nnifs mich auf Darstellung der wich- 
tigsten beschränken. 

a) Die Feilschilde. Unter allen Formen ausseid iefslich afrikanisch ist 
der Zuluschild. Die Zulu unterscheiden den Ischilunga, den Kriegsschild, 
und den Tanz- oder Spielschild, Trau genannt. Der Schild ist oval, 4 bis 
5 Fufs hoch und von regelmäfsiger, sauberer Arbeit, mit einem langen 
Stabe in der Längsachse, als seiner Stütze versehen; letztere ist oben mit 
dem geringelten Fell des Leopardenschwanzes oder ähnlichem Pelzwerk 
verziert. An diesen Stab ist die Haut mittels Streifen von gleichfalls 
rohem Felle befestigt und zwar derartig, dafs sie als dunkle auf dem hellen 
oder als helle auf den dunklen Untergrunde des Schildes sich abheben. 
Die Farbo der Schilde wechselt, ebenso die der Hautstrcifcn ; auch wird 
Bemalung angewendet, so dafs die einzelnen Regimenter durch schwarze 
oder rote oder weifse oder braun, schwarz, weifs gestreifte Sclülde unterschieden 
werden. Unter den grofsen Feldherren, wie Dingau etc., was das Unter- 
scheidungssystem sehr ausgeprägt. Getragen wird der Schild an der linken 
Hand, gefafst an dem Stützstabe. 1 

Wenn bei Regen das Leder erweicht, ist der Nutzen des Schildes verloreu. 
Er wurde und wird im Kriege aufgerollt, um leichter getragen werden zu 
können. Ebenso ist er wegen seiner Schwere hinderlich beim raschen 
Laufe zur Verfolgung oder Flucht. Er wird in solchen Fällen fortgeworfen, 
wodurch dem Trofs die Pflicht des Aufsammelns dieser wichtigen Kriegs- 
zeiehen, die oftmals wie Orden und Fahnen hochgeschätzt werden, erwächst. 

1) Auch kommt eine zweite Vorrichtung der Handhabe vor, die darin besteht, 
daCs ein Fellstreifen durch die Haut gezogen oder um den Stab geschlungen wird , $o 
dafs die Hand durch diese Schleife packen kann. Sie kann auch dem Arme dienen. 



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— 24 — 



Ihn tragen zu dürfen, ist Ehrensache; ihn zu verlieren, bringt schwere 
Schande. Die Häuptlinge selbst fertigen ihn an. Er wird den Regimentern 
verliehen, ihnen aber entzogen, wenn sie sich unehrenhaft benommen haben. 1 

Die bezeichnenden Merkmale dieser Schildform sind: 

1. Der Schild wird durch einen Längsstab, der gleichzeitig als Hand- 
griff dient, gestützt; 

2. er besitzt keine Randbefestigung; 

3. er ist länger als breit (oval); 

4. er besteht aus Fell und zwar meist dem der Ochsen oder Büffel. 

— Indem diese Merkmale mehr oder weniger deutlich hervortreten , ver- 
schwinden oder anderartigen Erscheinungen Platz geben, verrät sich frem- 
der Einflufs. 

Im Norden reiht sich dem Zuluschilde ein verwandter Typus, die 
Gruppe der Betschuana und der Sambesivölker an. Bei den Hottentotten 
fehlt diese Schildform, die wir nach Nordwesten bis zum Kongo zu ver- 
folgen haben werden. Eine zweite Gruppe verwandter Formen stammt aus 
dem Zwischen -Seen -Gebiet, in welchem wir alle Schildformen antreffen 
werden. Ein dritter Kreis vereinigt die Nilvölker mit den Massai - — die 
Verbindungslinie zwischen den Kulturen der Südachse und denen der Nord- 
achse. — Ein vierter ist in dem centralen und westlichen Sudan gelagert. 

Verfolgen wir nunmehr diese Linien, also erst die zum Kongo- 
gebiet weisende. 

Der Schild der Betschuanen besteht ebenfalls aus Ochsenhaut, er 
weicht insofern vom Zuluschilde ab, als er bei geringer lÄnge ziemlich 
breit und ausserdem mit Flügeln versehen ist. Der Umrife wechselt, ent- 
spricht aber meist der vierfiügligen Form (Fig. 4). Auch bei diesen 
Schilden ist der Mittelstock oben oft mit einem Feder- oder Pelzschmuck 
versehen. — Die Form der Schilde wechselt bei den verschiedenen Stämmen. 
Bei Casalis ist die Form des Basutosehildes abgebildet. Die beiden unteren 
Flflgcl sind hier stark verkümmert. Der Schild wird durch den mächtigen 
Stabschmuck von Straufsenfedern überragt. Les Barolougs et les Batlapis 
donnent aux leurs la forme d'un reetangle deborde on kis et en haut par 
deux ailes arrondis. Auch bei diesen Völkern ist die Einteilung in Regimenter 
durch die verschiedeneu Farben der Schilde gegeben, die sonst in keiner 
Weise bearbeitet werden. 2 

Im Norden treffen wir wieder auf echte Zulu -Schilde. Holub betont, 
dafs die Stämme des Mamtse- Reiches in der Verfertigung der Schilde keine 

1) Fr. Ratzel: „Volkerkundo 44 , 1) Bd. I, S. 248. Fritsch, S. 129 n. a. 

2) Fritsch, S. 170. Casalis, S. 142/143. 



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— 25 — 



so hervorragend© Stellung einnehmen als die südlich vom Sambesi wohnen- 
den Stämme. Die Waffe wird hier gröfser, als sio bei Zulu und Massarwa 
im Durchschnitt ist. Meist aus weifssehwarz gefleckter imd stets nur aus 
halb gegerbter Rindshaut gearbeitet, sind sie an 1 l L — l 8 /* ni lang? 
50 — 70 cm breit Die Streifen auf der Vorderseite sind hier anders her- 
gestellt, wenn sie auch gleich aussehen, d. h. mit der Ausnahme, dafs beim 
Zuluschilde stets zwei Streifen nebeneinander, je einer neben der Mitte 
scheinen; beim Marutseschild aber nur eine Streifenreihe in der Mitte von 
oben nach unten verlauft. Das kommt dadurch, dafa das Längsmittelteil 
in einer Breite von 10 — 15 cm mit 40 — 50 Querschnitten versehen ist; 
durch diese Einschnitte ist ein 8 — 10 cm breiter, der Schildlängo ent- 




Fig. 3. Fig. 4. Fig. 5. Fig. 6. 

Zulu-Schild. Schild der Betschuana. Schild der Massai. Schuli- Schild. 



sprechender Lederstreifen gezogen, so dafs aufsen eine Reihe von 20 bis 
25 Streifen erscheint. Hierdurch erliält dieser Schild offenbar mehr Festig- 
keit als der der Zulu. Der Stab innen ist mit Querriemen versehen. An 
der Iunenflflche fehlen aufserdem 2 — 3 Ohren, d. h. breite Querriemen 
nicht, in die der linke Arm bei dem Gebrauche der Waffe eingreift 1 

Den Zuluschild fand Serpa Pinto ferner bei den Luina. Auch ist er 
l>ei den südlichen Bassonge heimisch. 2 

Endlich kommen die Schilde der Kongovölker für die Verfolgung der 
nordwestlichen Richtung in Betracht. Nach Lopez verdecken sie die ganze 

1) Holub: ,Eine Kulturskizze", S. 119/120; „Sieben Jahre", Bd. II, S. 375. 

2) Serpa Pinto, Bd. I, S. 342. Abbildung eines Bassonge - Schildes vom Zulu- 
Typus bei Wüsmann: „Zweite Durchquerung". Vergl. Ratzel in Petermanns Mit- 
teilungen 1885, S. 245. 



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— 2G — 



Figur des Trägers und sind aus den schweren Häuten der „Empacha" ge- 
nannten Tiere, d. 8. Büffel verfertigt. Dapper versichert allerdings, sie seien 
aus Holz gemacht und mit der Haut des „Tieres Daut" überzogen, er- 
wähnt außerdem auch solche aus Baumrinde, mit Büffelfell überzogen. 
Cavazzi erwähnt nur: zu ihrer Sicherheit bedienen sie sich grofser Schilde, 
hinter welchen der ganze Leib, weim er sich ein wenig biegt, ganz wohl 
versichert ist. 1 

Nun nach Nordosten. Im Zwischenseengebiet treffen die verschiedenen 
Schildformen zusammen. Im Norden ist das Gebiet der Leder-, im Westen 
das der Holz- und Rohr-, im Süden das der Fellschilde. Letztere finden 
sich in der typischen Form der Zulu bei den jüngeren, auf der Sfldaehse 
heraufgedrungenen Stämmen. So bei den Wangoni. „Thomson erzählt, 
wie er bei seiner Reise durch Ulungu noch in jeder Hütte den Schild aus 
Ochsenhaut wie eine Reliquie aus früherer kriegerischer Zeit gefunden liabe" 
(Ratzel). Zum Zulu -Typus gehört auch der langgezogene Schild der Wahehe. 

Oft treten die verschiedenen Formen nebeneinander auf. Stanley 
bildet einen Lederschild der "Wadoe ab, der mit einem ledernen Griff im 
Innern, nicht aber dem Längsstabe versehen ist. Das ist ein bezeichnen- 
des Merkmal der nördlichen Fonnen. Burton dagegen erwähnt die grofsen 
Fellschilde bei diesem Stamme. 2 Interessant ist die Art, wie die Mischung 
sich am Schilde der Wagogo äufsert. Auf der einen Hälfte sind die Or- 
namente der nördlichen Schildformen (Kreisbögen), auf der anderen die der 
westlichen (gebrochene Linien) angebracht. Dazu besteht der Schild aus 
Büffelfell; das ist ein Merkmal der südliehen Grupi>en. s Jedcjch werden 
auch Schilde aus Rhinoceros- und Elephantenhaut beschrieben. 

Usagara bietet ebenfalls zwei Formen. Die eine ist 3 — 4 engl. Fufs 
lang, ca. 2 Fufs breit und aus zwei parallelen Streifen von gehärteter Haut 
zusammengefügt Das Material wird ausgesj^nnt imd festgepflöckt, wird so 
getrocknet, sorgsamst gereinigt und der Länge nach mit einem dünnen 
Lederriemen zusammengenäht. Auf der einen Seite wird der Schild schwarz, 
auf der anderen rot angestrichen. Eine starke Stange wird dann der Länge 
nach als Befestigung»- und Steifungsmittel hinten angebracht, und in der 
Mitte wird von innen in die Haut ein runder Bauch, ein kleiner Buckel 
eingedrückt, um so der den Stock umspannenden Haut Raum zu gewähren.. 
Das beliebteste Material liefern die Häute der Elephanten, Rhinocerosse und 

1) Cavazzi, S. 187. Dapper, S. 539. Lopez bei Ratzel. 

2) Graf v. Götzen, S. 95. Fr. Ratzel: „Geographische Verbreitung", S. 23G. 
Stanley: „Livingstone", Bd. I, S. 233. Burton: „Lake Region»», Bd. I. S. 124. 

3) L. F.: „Bildende Kunst der Afrikanor*, Verb. d. Wiener antbrop. Ges. 1S97, 
Abb. Nr. G6. Camoron, eu gl. Ausg., Bd. I, S. 97. Stanley: r Livüigstone tt , Bd. I, S. 242. 



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— 27 — 



Giraffen. Der andere, und zwar ist es der gewöhnliche Schild, besteht aus 
Büffelfell, an dem die Haare gelassen werden. Schwänze von Kühen und 
Zebras schmücken ihn. So neigt die seltenere Form also den nördlichen 
Gestalten zu, während die gewöhnlichere durch ihre Verwandtschaft mit 
dem südlichen Zulutypus bezeichnend ist. — Die \Vambugwekrieger führen 
spitzovale Schilde aus Büffelhaut, mit kleinen vorgetriebenen Buckeln und 
einem Längsstab. Als Schutzwaffe der Wanyatura dient ein ovaler Haut- 
schild von etwa 70 cm Länge. Ein entsprechend geformtes Stück Büffel- 
haut wird in frischem Zustande so geprefst, dafs in der Mitte ein spitzer 
Buckel entsteht. Ein an der Hinterseite befestigter Längsstab giebt dem 
Ganzen Halt und ist die Handhabe. Erstero Herstellungsweiso stammt aus 
dem Norden, letztere Eigenschaft weist nach dem Süden. Daneben kommen 
noch andere Schilde vor. 1 

In Uniamwesi scheinen Schilde selten zu sein, ausgenommen in der 
Landschaft Usukuma, Baumann schildert solche aus Büffelfell als länglich, 
mit einer Einkerbung in der Mitte. Kleine Schilde aus Büffelfell, in der 
Form ähnlich denen der Wadschagga beschreibt Stuhlmann. Sie sind oval, 
an den beiden Längsseiten aber leicht eingekerbt. In der Mitte tragen sie 
eine quer liegende, erhabene Falte. Häufig ist an der Aufsenseitc ein 
Stück leichten, weifsen Holzes angebracht. Teils dient es als Schmuck, 
teils als Reibebrett zum Feuermachen.* 

Im Norden treten drei klare Typen hervor, deren Vorkommen ver- 
hältnismäßig scharf umgrenzt ist. Sie sind alle aus enthaarter Rindshaut 
hergestellt, mit einem Längsstab, der auch Griff ist, und meistens mit einem 
befestigenden, steifen Wulststreifen am Rande versehen. Aufserdem ist 
mehr oder weniger deutlich die Entwicklung eines kleinen Buckels zu be- 
obachten, der allerdings hier lediglich eine Raunigebung der den Mittelstab 
umfassenden Hand bedeutet. Den südlichsten Typus repräsentirt der Mnssai- 
schild, den nördlichen der der Schilluck, den mittleren der der Schuli. 
Die ersten beiden Formen sind oval und wesentlich gleich (Fig. 5), die 
dritte ist viereckig (Fig. 6). Neben diesen Schildformen kommen wenig 
andere vor. 

Den Massaischild führen die Wadschagga, Wakikuju, Waschaschi; er 
kommt im Paregebiet vor. Baumaun sagt, er werde von den "Wandorobo 
gefertigt und mit Erdfarben in den Wappenmustern bemalt. Die letzteren 
gelten für bestimmte Distrikte, und so kann man einen Mutyekschild sofort 

1) Burton: „Lake Regious*, Bd. I, S. 238. Baumann: „Massailand' 4 , S. 1H5. 
Stuhlmann, S. 706. Vergl. L. F.: .Bildende Kunst" a. o. 0., Abb. Nr. 61. 

2) Burton: „Lake Region« 4 ', Bd. II, S. 23. Baumann: „Massaüand", S. 232. 
Stuhlmann, S. 753 und 108. 



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— 28 — 



von einem aus Sogonoi unterscheiden. Auch Höhnel spricht von „Gebiets- 
wappen" auf der Aufsenseite. 1 Vergl. Fig. 5. 

Der Schild der zweiten Form ist bei den Schilluk, Nuer, Dinka, 
Fundj etc., Latuka, A-Lur etc. heimisch. Er ist etwas schmäler als der Schild 
der Massai; der Mittelstab ragt meist unten und oben heraus, und der 
Buckel ist ausgeprägter. Im Katalog der ethnographischen Sammlung in 
Basel sind zwei derartige Schilde folgenderraafsen beschrieben: 

Kr. 673 Schild aus Rinds- oder Büffelleder mit geschwärzter Vorder- 
fläche, aufgewulstetem Rande und länglich ovaler Form mit spitz zulaufen- 
den Enden. In der Mitte ein 7 cm hoher, ovaler Buckel, der aufserdem 
mit einem Stück Krokodilshaut beschlagen ist. Auf der Aufsenseite ist ein 
2 cm dicker, beiderseits über den Schild prominenter Bambusstab mit Leder- 
streifen befestigt, der im Innern des Buckels als Handhabe dient. 

Nr. 674. Schild aus rohem Rinds- oder Büffelleder, in der Form 
gleich Nr. 673. Der ziemlich spitze Buckel ist ohne Beschlag von Krokodils- 
haut Als Handhabe dient ebenfalls ein beiderseits über den Schild pro- 
minenter Bambusstab. Aufgewulsteter Rand. 

Die gleiche Form, wenn auch manchmal ohne den dickeren Rand, be- 
sitzen die Schilde der meisten Nilvölker. Den der Fundj bildet Hartraann ab; 
die gleiche Gestalt beschreibt Emin bei der Schilderung der Latuka. Schilde 
der A-Lur erwähnt derselbe Forseher: Schilde von lauger, ovaler Form, 
gewöhnlich aus Büffelhaut, die schon vor dem Trocknen in der Mitte der 
Hinterfläche nach unten und oben durchbohrt und mit einem Holzstabe 
durchstofsen worden sind, um dem Schilde Festigkeit zu verleihen. Der Rand 
ist an allen Seiten nach hinten umgeschlagen. Verzierungen durch Strich- 
muster kommen vor, farbige kaum. — Gleiche Schilde sind endlich aus 
Darfor in das Museum in Bern gelangt. 

Schweinfurth hat im allgemeinen recht, wenn er sagt: Dieselben Seliilde 
von lang -ovaler Gestalt, aus Büffelhaut geschnitten und zum festeren Halt 
der Länge nach mit einem Stock durchzogen, welcher durch Einschnitte in 
der dicken Haut festgehalten wird, haben Dinka und Kafforn gemeinsam.' 

In der That, der Unterschied ist gering: Im Süden Fell und Fehlen 
des Randwidstes und Buckels, im Norden Leder und Verwendung der beiden 
Eigentümlichkeiten in der Form. 

1) Baumann: „Massailand- 4 , S. 1(31 und 202. L. F.: «Bildende Kunst*. Schilde 
Xr. 65, 67—72. Höhnel, S. 266, 289 und 393. Le Tour du monde 1885, Bd. II, 
S. 303, 317, 341, 342 etc. 

2) Rütimeyor in: „Mitteilungen aus der ethnographischen Sammlung der Uni- 
versität Basel" 1896, S. 156. W. Junker. Bd. II, S. 54. R. Hartmann. Bd. II, S. 83. 
Emin bei Stuhlmann, S. 519 und 777. Schweinfurth, S. 44. 



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— 29 — 



Der Schuli- Schild ist vom Massai-, Dinka- und Zulu- Schilde auch 
nicht unterschieden als durch nebensächliche Abweichungen. Er ist hei 
Schuli, Mangungo, Wanyoro, Turkana, Burkenedschi fast ganz gleich geformt, 
nämlich viereckig, nicht oval, ist mit einem Längsstab, der als Griff dient, 
versehen und aus Büffelleder. Was besonders interessant erscheint, ist, dafs 
oben die Stabverzierung der Zulu- und Betschuanaschilde wiederkehrt. 1 

Viereckige Lederschilde kommen auch — um so zum Sudan über- 
zugehen, — bei den Tuarek und in Katsena vor. Als länglich viereckig 
und aus dem Fell der Leucoryx- Antilope oder auch aus schwarzem Büffelf oll 
hergestellt beschreibt sie Barth. 2 

Aber noch woitere Analogieen finden sich zwischen den Schilden der 
östlichen und westlichen Völker. Das ist leicht verständlich: wir befinden uns 
auf der Nordachse. Betrachten wir die Verbreitung einer typischen Form. — 
Die Schilde der Wadawa (Wadais) sind etwa von der Höhe eines hockenden 
Menschen und von nebenstehender Form: o; ein Holzrahmen wird mit 
Leder aus Rindshaut, Büffelhaut oder Giraffenfell oder in den Heidenländeni 
mit Elephanten- oder Rhinoceroshaut übersi>annt und verziert. Als glocken- 
förmig bezeichnet Passargo einen Schild ähnlicher Form im Besitze der 
Fulbe Barndakis. Es war aus Elephantenliaut und mit Eisenstiften geziert 
und gefertigt. Er ist umgekehrt wappenfünnig; oben läuft er in ge- 
schwungenen Linien in eine Spitze aus; unten ist er wagerecht abgeschnitten. 
Die Mitte ziert ein Buckel. Ganz ähnlich ist ein Schild der Marghi, aus 
demselben Material , aufserdem aber mit dunklen, dem Rande parallellaufenden 
Linien geschmückt. Als vierte gleichgestaltete Formen sind Schilde der 
Wadschagga (oben spitz zulaufend, unten wagerecht abgeschnitten) zu nennen. 
Die Entfernung dieses Vorkommens ist durch das Auslaufen der Verbindungs- 
linie voni Osten der Nordachse zum Norden der Südachse zu deuten. Fünftens 
endlich führen Reiter des westlichsten Sudan ähnliche Schilde. 3 

Das Bezeichnende dieser Schilde, d. i. der wagerechte statt runde 
untere Abschnitt ist vielleicht auf einen Einfluß» der Reiterei zurückzuführen, 
die den runden Schild schlechter auf den Rücken der Pferde stützen kann, 
als den glatt abgeschnittenen. Darauf deutet eine Abbildung bei Binger. 

Im Norden und Westen des Sudan tritt der Schild zurück. Bei den 
Jolof werden noch Schilde aus der Haut des Thieres Danta erwähnt. Im 
Süden bietet er das Bild der biuitesten Mischung; Leder-, Fell-, Rohr und 

1) G. Casati, Bd. II, S. 33. Höhnol. S. Stil und 717. Uartmann, Bd. II, S. 20S. 
Ratzel: „Völkerkunde", 1) Bd. I. 8. 506. 

2) H. Barth, Bd. II, S. 51. Vergl. Ratzel: „ Völkerkunde", 2) Bd. II, S. 482. 

3) Nachtigal, Bd. III, S. 258. Passaige, S. 70 und 451. Barth, Bd. II, S. 648. 
Thomson in: „Le Tour du nionde" 1885, Bd. II, S. 303. Abbildung bei Biuger. 



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— 30 — 



Holzschilde wechseln miteinander ab. Im Süden treffen wir bei den Bua 
(Baghirmis) Fellschilde neben Rohrschilden, bei den Fan neben Rohrschilden 
viereckige aus Elephantenhaut, bei den Wüte mannshohe Büffelfellsehilde 
für die Speerträger und kleine Antilopenfellschilde für die Gewehrtniger. 
Aus Adamaua beschreibt Passarge neben den Rohrschilden den eben er- 
wähnten glockenförmigen Elephantenhautsehild. Die gleichen Verhältnisse 
werden iu den Haufsaländern von Staudinger bei den Jaunde von Zenker 
beschrieben. 1 Der südlichste Punkt des Fellsclüldes in seiner nördlichen 
Verbreitung ist am Kongo zu suchen. Sclülde aus Fell mit Buckeln als 
Eigentum der Basoko bildet Jameson ab, Schilde aus Rohrgeflecht bei den- 
selben Ward; aufserdem erwähnen letztere sowohl Stanley als Baumann, 
so dafs sie als die Vorherrschenden zu betrachten sind. — Schilde aus 
Rindshäuten besafsen aufserdem früher die Bube auf Fernando Po.« 

b) Die ledernen Knndschllde. Wenn wir das so gewonnene Bild von 
einem hohen Standpunkte aus betrachten, also nur den wesentlichen Cliarakter- 
zügen unser Augenmerk zuwenden, so fällt auf: einmal eine grofse Lücke 
der Verbreitung, nämlich im Kongobecken und an der Westküste; zweitens 
ein Abnehmen der eigentlich afrikanischen Eigenschaften des Fellsehildes 
dem Norden zu und dementsprechend ein Anwachsen fremdartiger Form- 
eigentümlichkeiten iu dieser Richtung. 

Wir sahen, wie die Büffelhaut enthaart wird und dann oftmals der 
Elephantenhaut Platz macht, wie der Schild geprefst wird, wie der Rand 
mit einem Wulst und die Mitte mit einem Buckel versehen wird. 

Die Umschau nach dem Ursprungsgebiet «lieser Merkmale wird im 
Nordosten durch Resultate gekrönt. Hier treffen wir die runden Sclülde 
der Abessynier, Niibier, Galla, Somal, die aus Nashornfell geprefst sind, 
deren Widerstandskraft auf der runden Buckelformkonstruktion basiert und 
nicht auf dem Längsstab. Das ist ein ganz anderes Motiv, eine neue, 
außerhalb Afrikas entstandene Idee; es ist der asiatische Schild, der von 
China bis nach Europa und bis Indien verbreitet ist. 

Demselben sind min dio Eigenscliaften, die beim afrikanischen nur 
dekorative und verbessernde Attribute sind, ureigentümlich. Durch die 
starke Wölbung und den Randwulst wird er widerstandsfähig, welche Eigen- 
schaft noch durch Eisenbeschläge erhöht wird. Anstatt des Längsstabes als 
Handhabe ist er mit einem geflochtenen Handgriff aus Lederstreifen versehen. 

1) Nachtigal, Bd. II, S. 606. Staudinger, S. 711. Lcuz. S. K2/83. Zenker in 
den Mitteilungen aus den Deutschon Schutzgebieten, Bd. VIII, S. 44. Morgen, S. 196 
und 203. Passarge, S. 451. ,.\Ug. Bist. d. RA Bd. 11, S. Hl. 

2) Jameson, S. 80. Stanley: „Dunkle Weltteil». Bd. II, S. 248 249. Waid, 
S. 188. Baumann: „Fernando Po\ S. 10<i 



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— 31 — 



Schilde der Ahessynier sind verschieden erwähnt. Rütimeyer beschreibt 
folgende Form des Baseler Museums: Nr. 715 Schild aus Rhinoceroshaut, 
rund mit Nabel, mit Kreisbändern und dazwischen länglichen Streifen. Innen 
mit starker Handhabe. Am Rand zwei vis- ä- vis befestigte Lederiemen zum 
Aufhängen. — Durchmesser 51 cm, Hohe bis zur Spitze des Nabels 15 cm. — 
Büffelhantschilde der gleichen Gastalt sind in den Museen nicht selten. 

Die nubischen Schilde wurden früher aus Giraffenfell angefertigt; 
liäufiger kommt dagegen dem Anscheine nach die Haut der Dickhäuter zur 
Verwendung. Um einen spitzen Kegel (den Nabel oder Buckel) ist ein 
mächtiger Rand gebildet. Die Scliilde sehen aus wie mächtige spanische 
Hüte. Die Schilde der 
Somal und Galla haben 
eine flachkegelförmige 
Gestalt, die der nubi- 
schen Schildo ohne den 
Rand sind nicht so spitz. 
In geprefster Arbeit sind 
vorn Muster und zwar in 
koncentrischen , unter- 
brochenen Ringen darauf 
gebracht. (Vergl. Fig. 7.) 
Der Handgriff ist meist 
aus Leder; der Durch- 
messer schwankt zwi- 
schen 30 und 35 cm. 
Paulitschke erzählt: Als 
die Bewohner der Land- 
schaft Kullo im Kampfe 
mit dem Herrn von 
Schoa sahen, dafs ihre Waffen der Wirkung der Feuergewehre nicht wider- 
stehen konnten, überzogen sie die Schilde mit Eisen. Seither fabricieren 
die nördlichen Galla viel festere Scliilde. Auch in Harar hat unser Autor 
das Gleiche beobachtet. 1 

Wichtig für die Beurteilung der Entwicklungs- und Verbreitungs- 
geschichte dieser Schilde ist ein Typus, der beifolgend abgebildet werden 
möge. Derselbe besteht aufsen aus dem Leder der Dickhäuter. Innen ist 
er mit Fellen ausgekleidet Er umspannt gerade eine grofse Faust. Nach 

1) Rütimeyer in: „ Mitteilungen" a. a. 0. S. 157 und 159. Ratzel: „Geographische 
Verbreitung», S. 239 240. Junker, Bd. I, S. 103 und 106. Hartmann, Bd. I, S. 191/192. 
Paulitschke, 8. 110 und Taf.VH, X, XI, XII. 




Fig. 7. Faustschild der Somal. 



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32 — 



einer Bemerkung, die Emin Pascha, der Donator, dem Stücke beigefügt hat, 
kommt er auch bei den Turkanj und Wanyoro vor. Ähnliche Exemplare 
stammen aber aus nordöstlicheren Gegenden. So ist an der Peripherie des 
gewaltigen Verbreitungskreises dieser Schildformen die Waffe in ihrer 
Ursprungsgestalt erhalten: als Schutz der Faust (Fig. 8). 

Wandern wir nunmehr nach Süden. — Runde Schilde, die allerdings 
meist aus Büffelfell oder Bnffelhaut hergestellt sind, reichen bis in das 
Seengebiet hinab und bis nach Madagaskar. So haben die Wataturu, 
Wafiomie und Wanyaturu lederne Rundschilde. Bei letzteren erwähnt 
Baumann den Buckel. Von Stuhlmann hören wir, dafs die Schilde der 
Wanyaturu aus Leder geprefst werden: ein sicheres Anzeichen nördlicher 
Herkunft. Eine weitere Gruppe von Rundschilden wird erörtert werden. 




Fig. 8. Schild der I^ango (Leipziger Museum, Sammlung Emin Pascha). 

wenn die geflochtenen Schilde zur Besprechung gelangen. Einen runden 
Schild der Waruanda, der anscheinend mit einer Eisenkappel als Nabel 
geziert ist, bildet Baumann ab. Der verbreitetste Schild auf Madagaskar 
besteht aus einem meist runden, über Holz gespannten Fellmantel von ca. 
20 Zoll Durchmesser. Ln Innern befindet sich meist in dem Holz eine 
Handhabe. 1 

Die Verbreitung des asiatischen Schildes und seiner Abkommen auf 
der Nordachse ist naturgemäfs eine sehr ausgedehnte. Die Sudan -Schilde 
weichen insofern von denen des nordöstlichen Mutterlandes ab, als im 
Verhältnis zur Entfernung von diesen der Buckel ab- und der Rand zu- 
nimmt. Am reinsten "erhalten ist noch der Schild der Baghirmi, der dem 
nubischen sogar noch in den kleinen Randlüeken gleicht. Der gewaltigste 

1) Stuhlmann, S. 766. Baumann: „Massailand-, S. 172, 178, 181, 190, 220. 
Louis Catat in: „Lo Tour du monde" 1802. S. 396. Sibree, S. 371. 



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Umfang ist im Haufsa- und Togo -Gebiet erreicht. (Vergl. Fig. 9.) Schon 
Barth fielen in Katscna die Schilde aus schwarzem Büffolfell und in Gestalt 
eines ungeheuren Kreises von wenigstens 5 Fufs Durchmesser auf; bei den 
Sonrliai am Niger sah er sie wieder. Clapperton erblickte sie zuerst in 
Borgu. Neuerdings sind von deutschen Reisenden viele Schilde dieses 
Typus in eiiropäische Museen geliefert worden. — Die westlichsten Schildo 
dieser Art führen die Wolof. Ein alter Bericht sagt: Den Stöfs der Feinde 
hielten sie durch ein rundes Schild aus dickem Lcder ab. 1 

Wir können also zwei Verbreitungs- oder Einttufsgebiete dieses asia- 
tischen Rundschildes in Afrika feststellen, ein inneres und ein äufseres. 
In dem inneren Gebiete ist seine Form noch klar erhalten. In dem äufseren 



dagegen sehen wir hauptsächlich seinen Einflufs, weniger dagegen seine 
Form. In das äufsere Gebiet fallen die Nil- und Massai-, sowie die 
südlich des Sudan vorkommenden Lederschilde, da sie zwar den Stock im 
Innern des Schildes und damit die ovale Gestalt beibehalten, im übrigen 
aber Randwulstung, Enthaarung und einen kleinen Buckel übernehmen. 

c) Die Stoekschllde. Höchst eigentümlich sind die den Dinka zum 
Parieren der Keulen- und Stockhiebe dienenden Schutzwaffen. Sie sind 
zweierlei Art: die einen bestehen aus einein zierlieh geschnittenen Holze 
von 1 m Länge, welches iu der Mitte eino ausgeholte Vertiefung besitzt, 

1) Passarge, S. 450. Ratzel: „ Völkerkunde *, 2) Bd. II, S. 498. Clapporton, 
S. l. r >5. Barth, Bd. II, S. 51 ; Bd.V, 8. 287. „Mitteilungen aus den Deutschen Schutz- 
gebieten", Bd. X, S. 79. „Allg. Bist d. R,*, Bd. III, S. 172. 

Frobeniuf, Afrikanisch© Kulturen. 3 




Fig. 9. Reiter mit Rundschild aus dem 
(Nach Skizze von Kling.) 



Togogebiot 



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um den Handgriff zu schützen. (Fig. 10.) Diese helfet Kuerr; die andere 
sind die Dang genannten Bogen, deren derbe Sehnen vorzüglich geeignet 
erseheinen, die Wucht der Hiebe aufzuheben. So schreibt Schweinfnrth. 1 
Dieser so seltsame und dem Anscheine nach so seltene Stockschild zeigt 
sich bei näherer Untersuchung als eine urafrikanische Waffe, die sich im 
Norden allerdings in ihrer eigentumlichsten und ursprünglichen Form erhalten 
hat Aber schon der alte Peter Kolben lernte sie im Süden kennen. Er 
beschreibt unter den Waffen der Hottentotten zwei Stabe, den Backum und 
den Kirri. Der Rackum ist nach ihm zum Werfen und Schlagen; der Kirri 
hat zwei stumpfe Enden und dient dazu, die Pfeile, Hassageien, Backums 

und was der Feind sonst herwirft, zu 
parieren. Die Kirris dienen ihnen treff- 
lich, die zugedachten Stöfso abzuwenden, 
Ixw-nders, wenn es hitzig zugeht. 2 

Von den Zulu schreibt Fritsch : In 
friedlichen Zeiten führen die Zulu zwei 
kürzere Stocke, die an dem einen Ende 
etwas verdickt zu sein pflegen, und 
fechten mit beiden Händen zugleich, wie 
die Japaner mit zwei Schwertern. Mit 
dem einen Stock suchen sie die Hiebe des 
anderen, der zumeist auf die Schienen- 
beine zielt, aufzufangen, mit dem andern 
gleichzeitig zu schlagen. — Hier sehen 
wir, wie die gleiche Waffe dem Schutze 
und dem Trutze, dem sie später allein 
gewidmet ist, dient. Die Marutse 
JO brauchen zur Abwehr Langstocke von 

Fig. 10. Kuerr der Dinka (nach S. hwein- 13 A- 2 Y4 ™ Ung* und 1-1«/, cm, 
furth). Fig. 11. Stockschild der Mondu &1b<> Finger -Stärke; an den Enden sind 
(Ethnogr. Mus. in Wien). Fig. 12. Stock- sie meistens mit spiralig gewundenen 
schild dor Waschaschi und anderer Ost- „•# ,, „, _ »„ • . • u 

afrikanor (Mus. f. Volkerkunde in Leipzig). Eibenivifchen versehen. Es ist bezeich- 
nend, dafs bei diesen Marutse -Volkern 
die eigentlichen Schilde mit Fellflächen erst kürzlich eingeführt zu sein 
scheinen. 8 




1) Schweinfurth, S. 44. Abbildung auch bei Casati, Bd. I, S. 243. Vorgl. Ratzel : 
„Geographische- Verbreitung 1 *, S. 239. 

2) Peter Kolbon, S. SO 87. 

3) Fritsch, S. 131. Holub: „Sieben Jahre-, DtL 31, S. 375. „Kultur*kizze u , 
S. 119. Ratzel: „ Völkerkunde*, 1) Bd. 1, S. 379. 



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— 35 — 



In Ostafrika sind noch einige hochinteressante Merkmale einstig all- 
gemeiner Anwendung dieser Stocksehilde erhalten. Raumann schildert ein 
Spiel der Wabondei. Bei diesem stehen zwei Spieler einander gegenüber. 
Der eine fahrt eine elastische Cocosblattrippe und trachtet den Gegner zu 
treffen, wahrend dieser die Hiebe mit einem Stocke zu parieren sucht. — 
Sehr charakteristisch für die Wanyaturu sind die Stockschilde und Schlag- 
stöcko, die zu Stockgefechten dienen. Die ersteren sind an einem langen 
dicken Stock befestigt; die letzteren sind einfache dicke Prügel, wolche die 
Wanyaturu stets bei sich führen. Die Sitte der Stockkämpfe findet sich 
auch bei den Waschaschi. Die Stockschilde derselben sind wenig breit, 
aber ebenso geformt wie dio der Wanyaturu. Daneben kommt die einfache 
Form eines Stockes mit einem kleinen Fellschutz für die Hand vor (Fig. 12). 
Eine abweichende Art ist bei den Wangoroine heimisch. Hier dienen dio 
Stockgefechte als Volksbelustigungen. Die schützenden Str>cke sind mit 
einem sehr schmalen, in der Mitte mit starken Buckeln versehenen Leder- 
streifen verkleidet. 1 

Dieselbe Form und nur in gewisser Verbreiterung der Hautfläche — 
es ist somit die Gestalt des soeben beschriebenen Sehuli- Schildes — kehrt 
bei den Turkana ebenfalls als Stockschild wieder. Der schwere eisen- 
beschlagone Stock, den Ratzel daneben abbildet, und der derbe, man möchte 
fast sagen: Pfahl, der dem Schilde Halt verleiht, zeigen, dafs hier Waffen 
des blutigen Ernstes vorliegen. 

Als Stocksclüld sind noch gewisse fellumgürtete Stöcke oder Knüppel 
der Mondu (Fig. 11) und endlieh Lederschilde der Baghirmi-Fufstruppen 
zu erwähnen. Letztere haben bei einer Länge von ca. 2 m eine Breite von 
ca. 7j ni - Sio werden auch hauptsächlich zum Parieren von Speeren und 
W ulfeisen verwendet. 8 



Es läfst sich mit Leichtigkeit die Beziehung zwischen Stock- 
und Fellschild feststellen — , wenn wir den Stockschild der Wangoroine 
mit dem Schuli -Schild vergleichen; dafs es nämlich im wesentlichen die gleichen 
Waffen sind, dafs der ganze Unterschied der sie verschieden erseheinen läfst, 
in der GroTse der Felldecken liegt. Und der gleiche Wesenszug verbindet 
alle Fellschilde mit den Stocksclülden. Man vergleiche nur das Anwaclisen 
des Felles an den Stockschilden: der Dinka-Scliild (Fig. 10) ist ohne Fell- 
schutz; am Mondu- Schild (Fig. 12) sehen wir eine leichte Fellumwicklung. 

1) BauraanD: „Usambara u , 8. 130. „Massailand", S. 190 , 200, 201, 202 und 
Taf. Xni. Stuhlmann, S. 766. 

2) Ratzel: „Völkerkundo«, n Bd. I, 8. 508. Kachtigal, Bd. II, S. 60G. 

3* 



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— 36 — 



Dann kommt der Waschaschi- Schild (Fig. 12) mit dem Fellschutz der Hand, 
der, wenn er wächst, notgedrungen zu einem Schilde wie Fig. 3, d. i. der 
Zulu -Schild, führen mufs, der demnach nichts weiter ist, als ein erweiterter 
Stockschild. 

Dafs der Stockschild sowohl der ältere ist, als dafs er als Schutzmittel 
in einer höchst primitiven Kultur- und Kriegsform des „Knüppels" — sei 
es des geworfenen, sei es des geschwungenen — entstanden ist, beweisen 
also verschiedene höchst bemerkenswerte Thatsachen: 

1. Bei den Hottentotten heifst der Schild Kirri, bei den Dinka Knorr. 
(Vergl. das S. 34 Gesagte). Die Völker der jüngeren Kultur, in deren Händen 
wir den Fellschild finden, haben sich also dazwischen gescholten und wir 
dürfen annehmen, dafs der Fellschild erst nach dieser historischen Unter- 
brechung der Verbindung zwischen den Nord- und Südafrikanern entstanden ist 

2. Das Anwachsen des Fellinantels haben wir schon erwähnt, wir 
werden noch wichtige Belege für solchen Entwicklungsgang kennen lernen. 

3. Drittens endlich ist das Princip des ursprünglichen Fellschildes, 
nämlich desjenigen der Zulu, dem Buckel, Randwulst und Enthaarung fehlen, 
ül>erhaupt nicht anders zu deuten als durch eine Entstehung in der Richtung, 
wie ich sie annehme. Denn die drei erwähnten Eigenschaften treten erst 
nach dem Norden zu auf und lassen sich auf asiatische Einflüsse zurück- 
führen. Erst sie verleihen dem Schilde die Eigenschaft des Flächenschutzes, 
die ilim bis dahin fehlte. 

Diese Entwicklung und solcher ThatVstand — den ich so eingehend 
erörtere, weil seine Klarlegung später von au fserordent) ichein Nutzen sein 
wird, — gelten Beweise ab für die Entwicklung der Angriffswaffen; 
deren Anwachsen aber nachweisen zu können ist für die Beurteilung der 
Kulturformen und ihre Reihenfolge, ihr Wachsen, ihre Beziehungen von 
fundamentalster Wichtigkeit Ich stelle deshalb hier schon fest, dafs der 
Stockschild weder gegen Wurf- Speere noch gegen Pfeile von irgend einein 
nennenswerten Nutzen ist. 

Wie gesagt ist es nicht schwer, die Entwicklung des St<x>kschildes 
zum Fellschilde zu beobachten. Einfache Umwicklung des Staigs mit Fell, 
um die Wucht des Schlages aufzufangen, zeigt sich schon bei dem Schilde 
der Mondu; l>ei den Waschasch i ist das Fell etwas gesteift und zum Bogen 
gewölbt. Der Stockschild der Wanyatuni ist ein Stab, über den ein kleiner 
lederner Rundschild mit Buckel gescholten ist. Bei den Waschaschi und 
Wanyaturu dient der kleine Fell- oder Lederschild nur zur Deckung der Hand. 

Nun sehen wir auch sonst noch und zwar ohne Stock die Büffel haut 
als Schutz dienen. Da sind zunächst die eigenartigsten Kürasse. Als der- 
artige Schutzwaffe dient den meisten Wawira ein gmfscr, aus doppeltem 



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— 37 — 



Büffelfell hergestellter und mit Thonpomade gesalbter Panzer, der die Brust 
bedeckt und nur an der rechten Küri»ereeite, dio beim Schiersen vom Feinde 
abgewandt ist, einen schmalen Streifen frei läfst, den man sogar noch ver- 
schnüren kann. Das Ganze wird mit einem Riemen auf der linken Schulter 
getragen; häufig sieht man nur eine 1 — 2 Hand breite Bauchbinde aus 
lyeder, welche die wichtigen Organe schätzt. Ähnlich diesen von Stuhl mann 
liei den Wawira, Walegga, West-Lcndu beschriebenen ist der durch Emin 
geschilderte Kürafs der A-Lur. Dieser besteht aus rechteckigen Stücken 
dicker Büffelliaut; er umschliefst die Brust und ist nur auf einer Seite offen. 
Er wird bei don im Tieflande wohnenden Stammen durch Schulterriemen 
festgehalten und auf dem Rücken festgebunden. Seine Vonlerfläche trägt 
Punkt- und Linienmuster und wird häutig mit Öl, oft auch mit roter Thon- 
erde eingerieben. Auf der Flucht entlodigen sich die A-Lur erst dieses 
Panzers, dann erst des Schildes. 1 — Ganz ähnliche Schutzwaffen aus 
Büffelfell kommen im Westen vor. Die Bonjo am Mittel- und Unterlauf 
lies Ubangi bedecken den Körper mit einem Kürafs, der aus Büffelfell ver- 
fertigt ist und in Gurte ausläuft, dio eine Art Dolchmesser lialten, dessen 
Scheide wieder den Sohlufs des Panzere bildet. Sehr viel seltener werden 
diese Kürasse aus der Haut des Elepliantcn hergestellt. Diese sind ungemein 
drückend und halten deshalb Öffnungen, durch die man die Arme steckt. 
Ein vom Sangha stammender, nach Schmeltz aus Rhinocerosliaut bestehender 
Panzer befindet sich im Trocadcro. Solche von Büffelfell angefertigte und 
aus dem Gebiete der Balolo stammende besitzt das Leipziger Museum für 
Völkerkunde.* 

Im Norden schmiegen sich diese Schutzwaffen dem Körper an. Barth 
sah einige Häuptlinge der Musgu, dio ihren Oberkörper durch einen starken 
Panzer von Büffelfell geschützt hatten; dio Haaro waren nach aufsen gekelirt; 
der Panzer sehlofs aber fester an als die Kürasse des Südens. Dasselbe 
ist von den „ärmellosen Jacken aus starkem Tierfell u anzunehmen, die 
Nachtigal bei den Bua sah. Es sehieneu ihm mehr Panzer als Kleidungs- 
stücke zu sein. Auch sie waren nicht geglättet und die Behaarung nach 
aufsen gekehrt 3 — Als einen ähnlichen Schutzpanzer oder wenigstens 
den Anfang eines solchen könnte man — um so wenigstens einen Blick 
nach dem Süden zu werfen, — die Pelzkragen der Bassonge ansehen, die 
vorn und hinten weit herabfallen und so Brust und Rücken bedecken. Sie 
sind in Brüssel und in Berlin vertreten. 



1) Stuhlmaun, S. 383 und 533. Kmiu boi Stuhlmann, S. 51!). 

2) Jean Dybowski.S. 154. Masni, S.95. Schmoltz: „Ethnographische Musea», S.23. 

3) Barth, Bd. IU, 8. 179. Nachtigal, Bd. II, S. (HXJ. 



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— 38 — 



An ferneren und nocli wichtigeren Schutzmitteln aus Büffel - und Oehsen- 
fell wäre zweierlei zu verzeichnen. 1. Die Knaben der Xosa beginnen schon 
von klein auf, mit Schild und Knüttel bewaffnet, mit einander zu kämpfen; 
haben sie koinon Schild, so parieren sie mit dem Unken Arm, der mit einer 
Decke umwunden ist. Eine Photographie zeigt, dafs diese Decke ein Büffel- 
feil ist. 2. Bei den A-Lur, so schreibt Emin, herrscht der sonderl»are 
Brauch, dafs die hervorragendsten Krieger eine ganze, völlig gestreckte 
Ochsenhaut, die in der Mitte der Hinterfläche durchbohrt worden ist und 
eine Art von Griff erhalten hat, neben ihren Lanzen tragen. Damit dieser 
Schild auf die Dauer nicht zu schwer wird, gesellen sich stets 
5 — 6 Leute zusammen, die mit dem Träger des Schildes und 
unter dessen Deckung vorwärts gehen. Es gewährt einen eigen- 
artigen Anblick, wenn man im Gefecht 6 — 8 solche Ochsenhäute 
vor sich sieht, hinter denen sich dio Träger verstecken. 1 

Den Armschutz der Xosaknaben erkennen wir in dem Fell- 
überzug der Mondu- und dem Fcllstfick der Waschaschi- Schilde 
wiedor. Vergleichen wir al>er mit dem zuletzt beschriebenen, 
y^^PÜ originellen und sehr altertümlich erscheinenden Ochsenhautschild 
der A-Lur die Betsehuanaseliilde (Fig. 4), die oben und unten, 
nach beiden Seiten mit Flügeln, also je zwei Auslaufern nach jeder 
Seite verschon sind, so mufs sich uns die Idee aufdrängen, dafs 
wir es mit einer Diminutivform der an den Stock gesteckten 
Ochsenhaut in den 4 Flügeln, also mit der Nachbildimg der 
4 Beine des Felles zu thun haben: eine Meinung, die noch da- 
m durch bestärkt wird, dafs an Zulu-, Betschuana- und noch anderen 
Y.m ähnlichen Schildern das obere Ende des Rückenstabes oft mit 
einem Ochsenschwanze geziert ist. — Damit dürfte aber die 

formale und wesentliche Beziehung zwischen Stock- und Fell- 

Fig. 13. . , 

M * , schild erwiesen sein. 

Marsa, Stock- 
Schild der ™° Böffel - ° (lor Ochsenhaut -Verwendung wollen wir zu- 
Australier, nächst als afrikanisch bezeichnen. Wir müssen uns hier darauf 
(im Bositzo beschränken, weil wir noch zu keiner anderen Annahme Beweise 



" J haben. Anders aber verhält es sich mit dem Stoekschild, den 
ich als nigritisch bezeichnen darf, allein schon deshalb, weil analoge und 
gleiche Formen aus Australien längst bekannt sind. (Vergl. Fig. 18.) Wir 
werden später sehen, dafs er sich bei allen Verwandten der Nigritier, wenn 
auch nicht voll erhalten, so doch in Nachklängen findet. 

d) Die Rohrschtldc. Rohrschilde führen vor allen Dingen die Sande - 
Verwandten des Sudan und Kongo- Beckens. Im Norden kommen sie neben 

1) Krapf, S. 117. Einiu bei Stuhlmaan, S. 519. 



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— 30 — 

den Leder- und Fellschilden vor und fanden somit schon Erwähnung. Der 
westlichste Punkt des Vorkommens solcher Schildformen scheint an der Gold- 
küste zu suchen zu sein. Alte Berichte schildern diese Sclülde folgender- 
mafsen : 

Sie sind etwa 4 — 5 Fufs lang und 3 Fufs breit, sind aus Weiden 
hergestellt, und einige sind mit Gold-, Leder- oder Leopardenhaut überzogen. 
An jeder Ecke und in der Mitte finden sich kleine kupferne Platten, die 
Pfeile und Wurfspiese, auch wohl einen Säbelhieb, nicht aber Gewehrschüsse 
abhalten. Artlius berichtet, die Schilde würden aus gewebten Baumrinden 
gemacht, sie waren viereckig, 6 Fufs lang und 4 Fufs breit, auswärtsgebogen 
und mit einem hölzernen Kreuze befestigt, um sie hiebfester zu machen. 
Er fügt hinzu, der Griff wäre inwendig; einige überzögen diese Schilde mit 
Oehsenhäuten und verstärkten das Kreuz an der Aufsenseitc mit eisernen 
Platten. 

Aus diesen Berichten ergiebt sich dasselbe, was neuere Forschungen 
bestätigt haben: starke Mischung. Es kommen in diesen Gegenden des 
Westens (Nord - Guinea) fast überall verschiedene Formen imd Materiale 
nebeneinander vor: *Rohr, Fell, Leder, Holz, dazu runde, viereckige und 
ovale Formen. Allerdings ist durch den Küsteneinflufs schon vieles ver- 
wischt, aber eine zukünftige intensive Forschung wird geographische Klärung, 
Ergebnisse über die Verbreitung, doch noch bringen können; sie wird aber 
andererseits auch nur zeigen können, dafs die gleichen Formen, Materiale, 
Konstruktionen sich hier in gleichem Sinne gemischt haben, wie im 
centralen Sudan. 1 

Geflochtene Schilde waren ferner im alten Benin heimisch. Sie 
waren von sehr dünnem und leichtem Bambus (?) gemacht und konnten 
keiner Macht widerstehen. Daher dienten sie mehr als Zierat, als dafs 
sie zur Gegenwehr tauglich gewesen wären. So berichten die Reisenden 
des 16. und 17. Jahrhunderts. Aus den Elfenbeinschnitzereien, die neuer- 
dings in Benin aufgefunden sind, kann man ihre Form recht wohl erkennen. 
Bastschilde aus Bugumar (Neukalabar) befinden sich im Museum für Völker- 
kunde in Hamburg.* 

1) Bosman, S. 228. „Allg. Hist. d. R", Bd. IV, S. 221. Ratzel: „Völkerkuude", 
2) Bd. II, 8. 521. Binger, Bd. II, S. 471 uud a. a. O. — Im Leipziger Museum für 
Völkerkunde befindet sich ein kleiner IlohrschUd, der mit Baumwollstoff uud eiuom 
Längsstreifen aus Holz vorn verkleidet ist. Dazu bemerkt dor Donator P. Steiuer: 
Schild, früher nur dem König von Kuma.se erlaubt, jetzt auch von unabhängigen 
Asante- Fürsten beim Spiel getragon. Geschenk des Königs von Abetifi (Okwao). 

2) Cada Moso und andere bei Loo Afrikanus, Bd. II. Bosman, S. 549. Bast- 
schild, Bugumar Neukalabar im Katalog des Hamburger Museums für Völkerkunde, 
Nachtrag von 1887-1894, S. 10, Nr. 1513. 



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In den Haufsaländem sali Staudinger bei Fufsgängern kleine tartschon- 
ähnlicho Schilde, teils aus Leder, teils aber auch aus Flechtwerk. Es 
scheinen die ersteren aber doch noch bedeutend zu überwiegen, erst in 
Adamaua treten die letzteren mehr in den Vonlergrund. — Im Lande der 
Marghi fand Heinrich Barth in einer kleinen Wohnung neben einom gewöhn- 
lichen Schild einen ganz besonders grofsen, welcher aus einem dicken Fleeht- 
work von Rohr bestand und von den Marghi Tschaggo, von den Kanuri 
Kutufaui genannt wurde; er war grofs genug, um 2 oder 3 Personen be- 
schützen zu können. Derselbe Reisende erwähnt bei den Musgu schwache, 
aus Rohr geflochtene Schilde. 1 

Es erstreckt sich hier im Westen vom Sudan bis zum Ogowe eine 
Zungo von Völkern in das Verbreitungsgebiet der geflochtenen Schilde, die 
Txidersehilde allein oder neben denen aus Rolu- führen; es sind das die 
Wute und die nördlichen Fan, Pangwe, Yaunde. Hei den letzteren finden 
sich Schilde von Elcphantenhaut und Fell der Kuhantilopo. Daneben treffen 
wir bei den Yaunde noch solche aus dem Geflecht der Kolanufs, bei den 
Fan aus Binsen geflochtene und mit einem starken Holzoinsatz von fünf 
Schuh Länge und auffallender Schmalheit Diese werden als von ungemein 
geschmackvoller Arbeit beschrieben. Guinil berichtet, dafs die Schilde der 
Batcke (bei Franceville), der Oudombo, wie auch aller anderen Stämme des 
oberen Ogowo aus Liauen geflochten und sehr sorgfältig gearbeitet seien. 
Zuweilen umgiebt eine Franse von Ziegenfell den Rand. Im Innern ist 
ein Holzbrett angebracht, in welches die Hand greift; in ihm befindet sich 
also der Handgriff. Die Schilde der Mbamlxi am oberen Ogowo sind sehr 
lang und ausgezeichnet aus einer gespaltenen Liane geflochten. — Nach 
Norden nochmals zurückkehrend, ist an die viereckigen, nach einer guten 
Photographie zu urteilen, offenbar aus einer weidenähnlichen Pflanze her- 
gestellten Schilde der Nkosi zu erinnern. Die Nkosi wohnen zwischen 
dem Kamerun- Pick und dem Baliland. — Um alles hier zu erledigen, er- 
innere ich daran, dafs wir bei südlichen Baghirmi- Stämmen nel»eu Leder- 
schilden solche aus Rohr fanden. 2 

Damit ist im Norden und Weston jenes Gebiet umrahmt , in dem der 
Rohrschild vorherrscht oder sogar alleinherrscht. Bis jetzt trafen wir überall, 
mit Ausnahme der schon innerhalb der Peripherie der Verbreitung des Rohr- 
schildes wohnenden Musgu, Marghi und der Stämme des oberen Ogowe 
noch Loderschilde, also Ausläufer und Mischungen. Baghirmi, Adamaua 

1) Staudioger, 8.711. Passarge, S.457. Barth, Bd. II, S. 643; Bd. LH, S. 200. 

2) Wilson: „West -Afrika*, S. 224. Lenz, S. 82/S3 und 200. Guiral, S. «4, 
157, ll>8, 109. Zenker in: „Mitteilungen aus den Deutschen Schutzgebieten 11 , Bd. VIII, 
S. 44. Abbildungen in L. F.: „Bildende Kunst 11 , Fig. 57 und 59. 



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— 41 



und Sud -Kamerun sind die Gebiete, in denen die Fell- nelien den Korb- 
schilden gebräuchlich sind und die das eigentliche Gebiet der geflochteneu 
Sehilde im Norden und Westen einfassen. Dieses nun ZU durchkreuzende 
Gebiet erstreckt sich von den Baja bis zu den mittleren Sande, vom 
mittleren Schari bis zum oberen Kassai, von dem Lande der Bajansi bis 
zum Westufer des Mwutan Nzigo. 

Der Schild der Kaja ist etwa 1,10 m hoch und ca. 50 cm breit Er 
ist mit einer Holzplatte verschon, in welcher der Dolch steckt; aufsen ist 
er häufig mit Mustern verziert. Ein Exemplar, das Passarge abbildet, ist 
mit Fellstreifen besetzt. 
Die Völker zwischen dem 
Uellebogen und dem Schari : 
Tokbo, Quadda, Ngapou, 
tragen alle geflochtene 
Schilde, welche bis auf 
die der Quadda oval sind, 
letztere sind auch lang, 
aber achteckig, also an den 
vier sonst gebogenen Ecken- 
gegenden abgeschrägt. Am 
Uellebogen und -Unterlauf 
wohnen die Bonjostämme 
und die Sango; die Schilde 
der Bonjo sind mindestens 
1,20 m hoch. Masui lobt 
die schone Arbeit ebenso 
wie die der Saugoschilde. 
Die letzteren sind mit roten 
F.Hlern und mit Glöckchen 
versehen. Die Schilde der 
Buhn geniefsen den Ruf, so 
fein geflochten zu sein, dafs 
sie undurchdringlich sind. 1 

Zuerst sind unter allen diesen Formen die Scliildo der Sande weiter 
l>ekannt geworden. Diese sind aus Hohr sorgfaltig geflochten und in der 
Mitte ausgebaucht, tun auf der Innenseite Platz für die Handhabe zu schaffen. 
Diese besteht aus einem Steg, der (Iber einer geschnitzten Höhlung für die 
Hand in dem harten Holze stehen gelassen wird und au welchen ein oder 




Fig. 14. 
Innenseito eines Schildes 
von.don Stiinleyfiilleu (Mos. 
f. Völkerkunde in Leipzig) 



Fig. 15. 

Schild der Bapoto (nach 
Photographie). 



1) F.J.Clozel, S. 15. Jean Dybewski, S. 154, 303 und 3G1. Masui, S. 02 und 131. 



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— 42 — 



zwei Wurfmesser angebunden sind; die Kleinheit der Handhöhle ist auf- 
fallend. Dio Form ist fast elliptisch. Als Schmuck dient manchen Schilden 
innen ein Leopardenfcll; aufsen findet sich fast immer eine feine Bemalung 
in Schwarz, hfiufig ist unter diesen Ornamenten das Kreuz 1 (Fig. 14). 

Dio Schilde der Momfu , obgleich ebenfalls aus Rohr geflochten , bilden 
in dieser Gruppe eine merkwürdige Ausnahme; sie sind nicht oval, sondern 
unten spitz und oben breit, wenn auch abgerundet, also nicht eckig. Junker 
nennt sie „unseren grofsen Papierdrachen nicht unähnlich. 44 Das spitze 
untere Ende ist korbähnlich zusammengelegen und darin ruhen, mit der 
Handhabe des Sehildes umfafst, einige Speere. Am auffallendsten erscheint 
mir al»er, dafs nur ein einfacher Stock innen Handliabe und Steifungsmittel 
bildet Gewöhnlich finden wir ein kleineres oder gröfseres Brett, aus dem 
die Handhabe herausgearbeitet ist.» 

Am Uello führen dio Baloi einen sehmalen langen Rohrschild; in der 
Mitte hat er einen Holzknopf. Die der Babangi, oft Bajansi genannt, sind 
nach Johnston aus Bast, nach Baumann aus Rohr geflochten. Die Schilde 
der Bangala bestehen aus Binsen. In der Mitte vorn ist der Holzknopf 
als Platto stark ausgebildet. Coquilhat sagt, sie seien leichter, breiter und 
gewölbter als die Schilde der Balolo an der Tschuapamundung; diese sollen 
angeblich von Inlandstämmen verfertigt sein. Als Francois den Tscfanapa 
hinauffuhr, rief er unter diesen Völkern mit den rohrgeflochtenen Schilden 
grofee Erregung hervor. Sie tauchten die Schilde ins Wasser, um das 
Geflecht haltbarer und dichter zu machen. 8 — Den Kongo hiuaufwaudernd, 
erreichen wir wieder eine Gegend der verschiedenen Einflüsse. Die Mo- 
nungiri haben lange Schilde, welche eine Eisenkuppel statt des Holzknopfes 
tragen; sie sind aus Bast geflochten und am Rinde mit Ziegenfell uber- 
zogen. Schilde mit solchen Eisenkuppcln Ksitzt das Berliner Museum für 
Völkerkunde; sie tragen den Vermerk: „Aruwimi". Auch bei den Bapoto 
kommen solche Eisenbuckel auf Rohrschilden vor. Einen Schild, auf des- 
sen Lederfläche Flechtmuster eingedrückt sind und der mit einer gleichen 
Eisenkuppel versehen ist, bildet Junker ab als vom blauen Nil stammend. 
Der unten und oben überragende Mittelstab weist die Richtigkeit solcher 
Provenienzangabe nach. — Die Sehilde der Ituka (am Kongo) waren in 
Form länglicher Rechtecke sehr schön aus Palnirindc verfertigt, dabei leicht, 

1) Schweinfurth, S. 230 231. Junker, Bd. I, S. öOO; Bd. II, S. 393. Casati, 
Bd. I, S. 17« und 194. Congo Illustre 1894, 8. 133. retermann und Hasse u stein : 
„Innor- Afrika 4 , Eingangstafel Nr. 9. 

2) Junker, Bd. III, 8. 70. 

3) II. H. Johnston, S. 214. Baumann: „Beitrage", 8. 11 und 12. Coquilhat, 
S. 211. Masui, S. 81. Fran V ois, 8. 132. 



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— 43 — 



zähe und fflr Messer und Speere undurchdringlich. Ein viereckiges Schal- 
brett von Ebenholz mit einer Klammer und ein zweites kreuzüber ange- 
brachtes Brett gaben dem Schilde genügende Steife. — Am Kongo ist 
ferner der Schild der Bapoto zu erwähnen. Er ist langoval und aus Rohr 
geflochten. Der Holzknopf auf der Stirnseite ist zum Längsstreifen ange- 
wachsen. — Fflr den Mittelkongo typische Ovalschildc aus Bohr kommen 
bei den Basoko neben Fellschilden mit Buckel vor 1 (Fig. 15). 

Wir haben bisher die Rohrschilde in der Mischung kennen gelernt, 
das war die Nordwestgruppe. Soeben ist als zweite Gruppe die Verbrei- 
tung der ovalen Korbschilde mit innerem Schalbrett besprochen, die von 
den Ogowevölkern bis zu denen der Amwimi, von denen des Uelle-Ubangi 
bis zu denen des Tschuapa reicht. Es kommt jetzt die dritte Gruppe der 
Vorkommnisse im Süden und im Osten zur Besprechung. Wir haben hier 
drei wichtige Typen: 1. Schilde, in denen das Holz fast ganz fortfällt. 
Verbreitung: Uelleoberlauf und Aruwimioberlauf. 2. Schilde, an denen das 
Flechtwerk von einer Holzplatte getragen wird, bei denen also Holz und 
Geflecht die gleiche Rolle spielen. Verbreitung: Nilqucllgebict zwischen 
dem Nilausflufs aus dem Viktoria und dem Tanganjika. 3. Schilde, in 
deren Bauart das Hauptgewicht auf der Holzplatte beruht und bei denen 
die Rohrbekleidung abnimmt. Verbreitung: die Kalunda-Baluba -Völker zwi- 
schen dem Tanganjika und dem Sambesi -Kassai- Quellgebiet. Betrachten 
wir die Schilde in dieser Reihenfolge. 

Die Schildformen des Gebietes zwischen dem oberen Aruwimi (Ituri) 
und dem Mwutan Uzige hat Stuhlmann eingehend beschrieben. Zunäclist 
sind noch einige den Kongoschilden verwandte Formen zu erwähnen: die 
Schilde der Wahoko und Wambuba sind grofsoval, fast kreisrund, aus bieg- 
samem Rotanggeflecht und aufsen mit langgezogenen schwarzen Dreiecken 
bemalt Ihr Rand ist mit Golobusfell benäht, und an ihrer Hinterseite 
ist noch die ovale Holzplatte befestigt, an der der Handgriff angebracht 
ist. — . Als Schlitzwaffe der Wald-Wassongora dient häufig eine trapezför- 
mige, aus Rohr geflochtene Platte von etwa 40 cm Länge, die auf dem 
Rucken an einer um den Hals laufenden Schnur hängt und durch einen 
dicken Rand und kreuzweise über sie weg laufende Stäbe die nötige Festig- 
keit erhält. Bei den Lendu erwähnt Stuhlmann die kurz trapezförmigen 
oder länglich rechteckigen Rohrgeflechte, auf denen zuweilen der Köcher 
befestigt ist. (Fig. 16.) Einigemale sah er auch riesige ovale Schilde aus 
biegsamem Rohr, auf deren Aufsenseite schwarze Muster aus senkrecht 

1) Baumann: „Beitrage", S. 19. Junker, Bd. 1, 8. 22ü. Congo Illustre 1892, 
8.210; 1894, S. C9. Ratzel: „Völkerkundo", 1) Bd. I, S. :>f>4. Stanley: „Dunkle 
Weltteil", Bd. H, 8. 248/249 und 288. Jameson, S. 71 und 80. Ward, 8. 188. 



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— Ii — 

gestellten Linien und langgezogenen Dreiecken angebracht waren. Dieso 
Behienen ihm von den Walioko- Wambnba flbcrnommcn worden zu sein. 
Einige Wakondjo am Westufer des Mwutan Uzigo trugen lange rechteckige 
Schilde aus biegsamem Geflecht, an denen hinten eine Hand habe angebracht 
war. Ähnliche Formen lernte Stanley auf seiner Rettungsfahrt zu Emin 
in derselben Gegend kennen. 1 — Das Gebiet dieser Schildformen ist aber 
noch weiter zu ziehen. Wir sehen hier im allgemeinen zweierlei als typisch 
Hand in Hand gehen: bei der vorigen Grupi>e ovale Form und feine Flecht- 
weise, bei dieser eine Neigung zur eckigen Form und rohere Flechtweise. 
Insofern schliefsen sich unsere Schilde mehr an die der zuerst beschrie- 
benen Nordwest.strand- Gruppe an. Die Schilde der Gold- 
kuste und der Nkosi sind viereckig und plumjier geflochten. 
Eckig und einfacher geflochten sind aber auch die Schilde 
der östlichsten Sande, der Makaraka und auch solche der 
Basoko. Ferner ist ein merkwürdiger Schild vom Nord- 
rande dos Rudolfseos hier anzufahren. Er bestellt aus 
einem schmalen, viereckigen Holzgestelle, das ein weites 
Maschennetz einrahmt. Zu den Schilden des einfacheren 
Flechtwerkes gehören al>or auch die des zweiten Ost- 
Typus, des Nihpiellgebietes. 8 

Dieser östliche Typus der dritten Gruppe des Ge- 
flcchtschildes ist durch ein Hauptmerkmal gekennzeichnet : 
das Flechtwerk ist nicht selbständig, sondern dient als 
Bekleidung einer Heiz- oder Korkholzplatte. — Die be- 
kanntesten sind die der Waganda, diese sind oval, an 
beiden Enden spitz und von der senkrechten Mittellinie 
aus ein wenig zurflekgebogen. Die Mitte zeigt einen 
konischen Holzbuckel. Der Schild besteht aus leichtem 
Holz, das mit einem sehr regelmärsigen aW einfachen 
Geflecht aus dem Bast einer Maranthacee aberzogen ist. 
Der Hand des Schildes ist mit Leder, oft auch mit dem 
langhaarigen , sohwarzweil'sen Fell des Golobus eingefafst. An der Hinter- 
seite ist ein Handgriff befestigt, durch den man einen Lederriemen zieht, 
wenn der Schild aufscr Gebrauch gesetzt ist und Ober die Schulter gehängt 

1) Stuhlmann, S. 533, 548, 022, 034, 653. Stanley: „Dunkelste Afrika«, Bd. 1, 
S. 240 und 4.">7. 

2) Hartmun, Bd. II, S. 176. Casati, Bd. I, S. 270. Ratzel: „Völkerkunde*, 
2) Bd. 1, S. 533. Höhne), 8. 053. Schilde der Makaraka und Basoko mit einfachem 
Flochtweik: Berliner Museum für Völkerkunde III C. 4100 uud III C. 4101. Auch in 
Wien, Leipzig und Leiden sind solche Schildformou vertreten. 




Fig. 10. Iiendu- 
scbild, Innenseite 
(nach Stuhlmann). 



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4« - 



werden soll. Die Schilde der Wasiba bestehen aus einem mit Geflecht 
Aberzogenen leichten Mark. Auch den Bukoba dienen grofse, rechteckige 
Schilde aus den leichten Platten von Korkholz, dio sauber mit Hotang über- 
zogen sind. Die Wahuma Karagues bedienen sich eines kleinen, runden 
Schildes von ca. 40 cm Durchmesser, der in der Mitte einen breiten, ab- 
gerundeten Holzbuckel trägt, und dessen an zwei gegenüberliegenden Seiten 
etwas zurückgebogener Hauptteil aus einer leichten Holzplatte besteht; die 
mit radial verlaufenden Rotangfasern übersponnen ist Es scheint, dafs diese 
ziemlich seltenen Schilde, die von den Leuten nur sehr ungern verkauft 
werden, aus weiter westlich gelegenen Ländern, vielleicht aus Nkole ein- 
gefülirt werden, da anscheinend in Karague Rotang nicht vorkommt. Von 
nördlichen und östlichen Schilden gleichen die der Wanyoro, Wakawirondo 
und Wassoga denen der "Waganda fast vollkommen, ausgenommen die That- 
sachen, dafs der der ersteren mit Rotang übersponnen ist, dafs der der 
beiden letztoren Völker mit drei statt mit einem Holzbnckel versehen ist, 
dafs endlich hie und da ein Ziegenfellbcsatz vorkommt Am Kiwu traf Graf 
Götzen Schilde, die denen der Waganda nur insofern nicht ganz gleichen, 
als sie etwas länger und die Überzüge aus Rohrgeflecht etwas unregelmäßig 
sind. — Auffallenderweiso beschreibt Burton den Schild der Wawinza als 
ans Flechtwerk hergestellt. Er soll 6 Fufs lang und 2 Fufs breit sein. 
Ob er über einer Holzplatte gearbeitet ist, ist unklar gelassen. Möglicher- 
weise ist er von den von Norden eingewanderten Watussi mitgebracht 1 

Endlich ist als dritte Hauptform der dritten Gnippe der Schild vom 
Kalundatypus zu nennen. Die Balunda Kazembes bedienten sich zur Ver- 
teidigung eines länglich viereckigen Schildes aus einem sehr leichten und 
porösen weifsen Holze, welches mit der Wurzelrinde eines in den Seen 
vorkommenden Gewächses durchflochten ist. Bevor sie in den Kampf 
gehen, tauchen sie diese Schilde in das Wasser, wodurch das Holz aus- 
gedehnt uud sehr fest wird. Dio gleichen Schilde lernte der von Süden 
kommende Livingstone auf der Westseite des Lundagebietes, im Lande 
Schintes kennen. Sie waren 5 Fufs hoch und 3 Fufs breit Brusthoher 
Scliilde aus Weidengeflecht bedienen sich weiterhin die Bena Kalosch. 
Einige Balubaschilde sind dagegen gestreckter und mit einer Mittelrippe ver- 
sehen (Fig. 17), andere wie die der Wasimalungo und Wabujwe behalten 

1) Stuhlmann, S. 176/177, 181, 241. Uerrmann in den Mitteilungen aus den 
Deutschen Schutzgebieten, Bd. VIII, S. 51. Götzen, S. 200 und 246. Burton: „Lako 
Regions", Bd. II, S. 75 und 307/308. Peters, S. 282. Tiedemann, S. 221. — Schilde 
aus Uganda sind in letzter Zeit so häufig nach Europa gekommen, dafs wohl jedes 
Museum oiniger Bedoutung im Besitze eines Schildos dieses Typus sein dürfte und 
dafs ich glaube, von der Abbildung einos solchen absehen zu können. Abbildungen 
bei Junker, Speko etc. 



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46 



wohl die der quadratischen zuneigende Gestalt, erhalten aber aufsen eine 
erhaliene Querleiste und dazu geritzte Tiergestalten. Schilde der Bassange 
sind geflochten und mit einem Holzrahmen versehen. 1 

Bei den Schilden dieses Typus bleibt die Bedeutung des Flechtwerkes 
hinter der des Holzbodens zurück. Wenn wir einen Blick über alle For- 
men der Korbschilde gleiten lassen, so drangt sich uns die Frage auf, ob 
wohl das Korbgeflecht zum Holzschilde in einem gleichen Verhältnis stehen 

könne, wie der Fellmantel der afri- 
kanischen Zuluschilde zum Stock- 
schilde. Um aber diese Frage 
berücksichtigen zu können, müssen 
wir erst die Holzschilde näher 
betrachten. 

e) Die Holzschilde. Im Westen 
wurde in Weida in alten Zeiten 
ein mit Leder oder Fell über- 
zogener Holzschild angetroffen. 
Am Tschad ist die zweite bekannte 
Form heimisch, die dritte fuhren 
die Völker des westlichen Kongo- 
beckens und des Zwisehenseen- 
gebietes von den Mangbattus bis 
zu den Manjema, von den Balul>a 
bis zu den W r akerewe. Hier ist als» 
die Hauptverbreitung zu suchen. 

Text und Altbildung des Ka- 
nembuschildes stimmen bei Barth 
nicht vollkommen überoin. Er be- 
sehreibt sie als ausgebaucht imd 
oben und unten gleich breit. Sie 
werden aus dem Holze des Fago- 
Fig. 17. Schild der Baluba (Mus. f. Volker- hiMmCi , g 0nmc ht Die Abbildung, 

kundo in Berlin). Fi«. 18. Schild der Wa- , . , ~. 

, , , ' . f . . ... die der von Denham und Clapperton 

karra (nach Ongtnalphotugrnphie). 

gebotenen fast vollkommen ent- 
spricht, zeigt einen oben etwas breiteren und abgerundeten und unten 
BChmlleren und glatt abgeschnittenen Schild, der aus mehreren Latten 
zusammengefügt und mit Ruberen Querriemen gebunden ist 

1) Gatnitto: „0. Muata Cazembe", Taf. S. 360. Valdez, Bd. II, Taf. S. 214. 
Gamitto in der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, Bd. VI, S. 39."). Livingstone: 
„Missio-nsrcison", Bd.I, 8. 322; Taf. in Bd. II. Wifcmaun und Pogge, Tafel: „Bassongo- 
Waffeu*. Wifemann: .2. Domhqnerimg*, 8. 80. Ratzel : „Völkerkunde". 2) Bd. II, S. 35. 




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— 47 



Das nördlichste Vorkommen der Holzschilde dos dritten Verbreitungs- 
gebietes stellt der Maugbattuschild dar. Die Schilde der Mangbattustiimme 
sind aus einer einzigen Platte künstlich mit einem unserem Fafsbinderbeil 
ahnlichen Werkzeuge zugehauen. Sie bestehen aus dem Holze der TTncaria. 
Um ihnen eine schwarze Färbung zu geben, werden sio in das Flufsufcr 
eingegraben. Durch eine Umrandung von indischem Rohr werden sie fest- 
gemacht. Mit Hügeln und Nieten von Eisen und Ästen verziert der ge- 
meine Mann den Schild, mit kupfernen Rosetten und Nilgeln der Magnat 
Der Fürst befestigt aufsen daran als Talismane Federn und Flügel heiliger 
Vogel. Der Krieger führt aufserhalb des Hauses den Schild stets. Trotz 
der GröfSe ist er leicht Mangbattu A-Madi und A-Barmbo haben diese 
Schilde gemeinsam. 1 — Im östlichen Kongobeckon mehren sich die Holz- 
schilde. Bei den Lukeröu erwähnt Baumann Schilde aus Canoeböden, bei 
den Manjema Stanley Schilde: „wahre Holzthüren". Ebensolche Schilde 
besitzen die Baswa. Am Tschuapaunterlaufe sind elliptisch gestaltete Rohr- 
schilde heimisch; die Lussake am Oberlauf abor führen kleine Schilde vier- 
eckiger Form aus leichtem Holz; auf der Stirnseite sind sie schwarz, weifs 
und rot bemalt. Die Balubavölker besitzen verschiedene Schildformen hier- 
hergehöriger Art; sie sind aus Holz oder Rippen der Raphia hergestellt 
Letztere, viereckig und schwach gewölbt sind von den östlichen Baschilange 
und den Bona Lussambo bekannt. Auch die Schilde der Wakussu sind aus 
Palmrippen hergestellt. Dagegen hatten die Wabujwe und Wasi-Malungu 
aus einem Stück Holz geschnitzte Schilde; von ereteren ist es durch Mit- 
teilung, von letzteren durch Abbildung bezeugt. Aber liier beginnt schon 
ein wenn auch nur schwacher Überzug von Flechtwerk bemerkbar zu wer- 
den. Don Mangbattuschilden sind sie insofern ähnlich, als sie gleich die- 
sen durch eine hölzerne Querleiste aufsen und in der Mitte, und am Rando 
durch einen Rahmen von indischem Rohr gefestigt sind. Mannshohe , recht- 
eckige Holzsclülde mit geringer Wölbung traf Götzen bei den Butembo 
westlich vom Kivu, östlich der Walegga an. In Nord-Urundi sind jetzt 
noch „alte, sehr originelle Holz- und Korbschilde" im Gebrauch, aber nur 
noch beim Tanzen. 5 



1) Barth, Bd. U, S. 414; Bd. HI, S. 110. Clapporton und Denham, Tafel II. 
Casati, Bd.I, S. 114. Junker, Bd. II, S. 289, 301, 401, 446, 493. Schweinfurth, 8.299. 

2) Stanley: „Dunkle Weltteil*, Bd. U, S. 75 uod 252. Livingstone: „Last 
Journals", Bd. H, 8.143. Stanley: „Dunkelste Afrika", Bd.I, S. 27ü. Baumann: 
„Beiträge", S. 21. v. Francois, S. 150. Wifsmann und Pogge, S. 172 and 210. Ratzel: 
„Völkerkunde", 2) Bd. II, S. 299. Weule: „Die Eidi-chse als Ornamout in Afrika" in 
der Bastianfestschrift, 8. 10, Fig. 7 und 8. Götzen, S. 258. Cameron, engl. Ausgabe, 
Bd. II, 8. 18. Baumann: „Massailand", 8. 221. 



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— 48 — 



Die Gestado des südlichen und westlichen Victoria werden von Völ- 
kern bewohnt, die ihre Schilde zum gröfsten Teil aus Aml»atseh oder sonst 
einem leichten, korkähnlichen Stoffe herstellen. Die Wassoga, Wakavirondo, 
Waganda, Wanyoro, Kajora, Wnsiba etc. überspannen, wie schon erwähnt 
wurde, diese Holzschilde mit Rohr oder Bast. Wakarra und Wakerewe 
benutzen sie ohne diesen Überzug (Fig. 18). — Zuletzt ist noch ein ver- 
einzeltes Vorkommen des Holzschildes zu erwähnen: in Pare. Alier der 
grofse Pareschild aus Holz ist im Verschwinden begriffen; der Fellschild 
verdrängt ihn. 1 

Die Beziehung zwischen Holz- und Korbschild 5 werden wir 
ohne Schwierigkeit nunmehr aufdecken können. Stellen wir erst einmal 
die wesentlichen Formeigentümlichkeiten fest: 

Der Korbschild macht eine Entwicklung durch, deren eine Anfangs - 
oder Endstation ist: ein Rohrgeflecht bedeckt eine Holzschale als Überzug; 
deren andere Anfangs- oder Endstation ist: Ein Rohrgeflecht ohne inneren 
Halt, als welcher eine I,atte oder ein Brett anzusehen wäre. In der Mitte 
Bteht der Sandeschild: ein verliältnismäfsig kleines Holzbrett, das den 
Handgriff enthält, befindet sich inmitten eines ovalen Rohrgeflechtes (Fig. 14). 
Sowohl die zuerst angeführte Form (Fig. 17) als die zu zweit angeführte 
(Fig. IG) neigen zur rechteckigen Gestalt, welche wir demnach als Aus- 
gangsform anzusehen hal)en würden. Aber auch die Formen zwischen den 
l>eiden (Fig. 14 und 15) lassen noch das frühere Rochteck erkennen, denn 
das Muster in der Flechtwoise ist oben und unten ergänzt. Die gebogene 
statt rechteckige Form ist demnach auf den Ring zurückzufahren, der den 
Schild umgiebt und ihm gleichsam wie der Wulst der ljedersehilde Festig- 
keit verleiht 

Der Holzschild ist ausgezeichnet durch eine Entwicklung, deren eines 
Ende die Herstcllungsweise aus einem Stück, deren anderes Ende aber die 
Herstellungsweise durch Zusammenfügung ist. Die aus einem Stück l>e- 
stehenden Schilde sind nicht überzogen und zeigen einen Handgriff, der das 
Problem der Verbindung in ungeahnt schneller Weise zur Lösung bringt. 
Man vergleiche Fig. 19, einen Schild der Babusesse am oberen Aruwimi, 

1) Baumann: „Massailand"', S. 211, 212, 213; „rsambara", S. 234/235. 

2) Es handelt sich hier lediglich dämm, die afrikanischen Formen zu vorstehen. 
Ich behalte mir os vor, die Entstehung- und Entwicklungsgeschichte des malajo- 
nigritischen Korbschildes in dem Bande über die oceanischen Kulturen eingehend zu 
orörtern. Es werdon sich dann in manchen Tunkten anscheinende- Widersprüche zeigen; 
•las ist dadurch zu erklären, dafs ich hier nur eine Linie in der Entwicklung der 
Korbschilde, eine zweite aber erst später berücksichtigen kann, wenn die eigenartige 
Beziehung der Angriffs- und Verteidigungswaffen näher erörtert ist. 



■ 



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— 49 — 



mit dein Stockschilde Fig. 10 (auch mit Fig. 11). Wir sehen, dieser Schild 
der Babusesse stellt eine Erweiterung oder vielmehr Verbreiterung des 
Stockschildes dar. Da wir in Australien, dem zweiten der für nigritische 
Kultur wichtigsten Gebiete, den gleichen Vorgang beobachten können (vgl. 
Fig. 13 mit Fig. 20a und b), so stehen wir hier der Beantwortung der 
Frage nach der Entstehungsgeschichte dieser breiten Holzschilde gegenüber. 

Vergleichen wir damit das Brett im Sandeschilde, so bemerken wir 
sogleich dieselbe Entstehimg des Handgriffes (Fig. 14). — Demnach wäre 




Fig. 19. 20 a. 20 b. 

Holzschild der Babusesse Fig. 20a. Schild aus Westaustralien, 

am oberen Aruwiini, von von innen (Brit. Mus.). Fig. 20b. 

innen (nach Stanley). Schild aus Queensland, von innen 

(nach Brough Smith). 



der Korbschild entstanden, indem der Holzschild mit einem Überzug von 
Rotang versehen, dieser Überzug aber selbständig wurde und so die 
innere Holzverschalung verkümmerte, bis sie in Wegfall kam. Den letzten 
Vorgang können wir erklären. Im Gebiete der Sande -Kongosohilde ist 
nämlich das Wurfmesser eine bevorzugte Waffe und der Bau des Sande- 
schildes mufs als dieser angehst behandelt werden. Wenn das anschwir- 
rende Wurfmesser nämlich einen nicht nachgebenden Holzschild trifft, 
schlägt es ein, und es mag wohl auch so den Gegner nicht verwunden, 
aber es zerstört den über dem Holz befestigten Rohrüberzug, während es 

Frobonius, Afrikanische Kulturen. 4 



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ohne die Rückwandung den Schild nicht verletzt; es fällt zu Boden. Die 
hölzerne Rückwand kam hier also infolge dos Einflusses der Angriffswaffe 
fast gänzlich in Wegfall und nur das Brett der Handhabe blieb bostehen. 

Haben wir nach dieser Richtung demnach einen Anschlufs gewonnen, 
so sind wir in anderer Hinsicht zunächst im Unklaren gelassen, wie wir 
die Können der übrigen Holz- und Korbschilde in Beziehung bringen sollen. 
Konstruktiv sind sie wohl verständlich. Wir verlangen aber, wie aus den 

obigen Ausführungen hervorgeht, eine Beziehung zwischen 
der geographischen und der formalen Entwieklungs- 
richtung. Wir sahen so den Stockschild im Süden als 
Fellschild aufwachsen. Im Norden kam der asiatische 
Rundsehild hinzu, und im Vorbindungsgebiet zwischen 
Nord- und Südachse vereinigten sich beide zu den 
Formen der Nilvölker - Massaigruppe. 
Einen derartig klaren Faden in der 
Entwicklungsrichtung der Holz- und 
Korbschilde vermögen wir nicht zu 
finden. Hier treten »ms in willkür- 
licher Zusammensetzung Gruppen ent- 
gegen, deren Leitformen abgeschlossene 
Tlmtsaehen bedeuten. 

Ein tieferes Untersuchen bietet 
wenigstens einen Blick, wenn auch keine 
völlige Aufklärung. Die Richtung von 
den einfachen Flechtwerken (Fig. 17) 
zu den feineren (Fig. 15) weist von 
Südosten nach Nordwesten. Es umgiebt ein Kreisbogen 
launenhafter Gestalten (Baluba-, Kalunda-, Lendu-, 
Waganda-, Wakarra- Schilde) dies Centrum der geklärten 
Sande- Kongo -Schildgruppe. Also dürfte eine Be- 
wegung in dieser Richtung anzunehmen sein. Aber 
auch in dieser Peripherie bietet kein Typus den 
Charakter des Ausgangspunktes. Überhaupt das Ein- 
setzen in einer Peripherie statt in einem Ausgangs- 
punkte stellt einen gewissen Gegensatz zu unseren 
früheren Aufdeckungen dar. 

So messen denn diese Verhältnisse anders angofal'st werden, wenn sie 
verständlich worden sollen. "Wir haben es hier nicht mit einer Ausstrahlung, 
einem Aufwachsen von einem Punkte aus zu thun. sondern mit einer 
Zurückdrängung. Von Süden herauf sahen wir die Zuluschilde über den 





Fig. 21. 
Schild von der Astro- 
laU.« - Bai , Neuguinea 
(Museum für Völker- 
kunde in Leipzig). 



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— 51 — 



Sambesi zu den Marutse-Mambumla, ja bis zu den Bassongo vordringen. 
Im Osten reicht seine Ausdehnung bis zum Nianza; hier reihten sich die 
Sehilde anderer kriegerischer Völker, der Nil- und Massai - Stämme an. 
Damit ist ein Druck festgestellt, der auf die südöstliche Peripherie des 
Verbreitungskreises der Holz- und Rohrschilde 
einwirkte. 

Das Gebiet derselben mufs also einst aus- 
gedehnter gewesen sein; in Afrika selbst haben 
wir die Ursprungstypen nicht zu suchen . das lehrt 

«ler derzeitige Thatbestand. tn östlicher Richtung .'.^^B^SB^. 
aber forschend gelangen wir in eine Region, in iK^ Täsf' 






Fig. 22. 

Schild von der Hood-Bai (Neu- 
guinea), von vorn und von hiuten 
(Museum für Völkerkunde in 
Leipzig). 



Fig. 23. 
Holzschild aus Hatzfeld- 
hafen. Neuguinea (Mus. 
f. Völkerkunde in Berlin, 
nach Fr. Ratzel). 



der gleiche Schildformen in gleich üppiger Mannigfaltigkeit prangen, das 
ist Indonesien und Melanesien. 

Da sind zunächst Schilde aus der Astrolabe - Bai zu erwähnen, die 
aus einer Holzplatte mit Aberzogenem Weidengeflecht bestehen (Fi<j. 21). 
Schilde der SödkAste Neuguineas repräsentieren ebenfalls Holzplatten, die 



- 52 — 

aber nur zum Teil mit Geflecht bedeckt sind; das Geflecht ist aber feiner 
(Fig. 22). Eine kleinere Form runder Gestalt, die der Nordküste angehört, 
wird in einem Netzwerk, einer Art Beutel getragen. Schilde von Hatzfeld- 
hafen sind mit einer Mittelrippe verziert, sowie reichem Schmuck an Orna- 
menten und geschnitztem Kunstwerk. Sio bestehen aus Holz; auf der einen 
Seite schmückt sie ein Rotangrand (Fig. 23). Auf den Salomonen ist eine 
Schildform heimisch, der jede Holzunterlage mangelt. (Fig. 24.) 

Betrachten wir die beigefügten Abbildungen, so sehen wir in der 
Reihenfolge Fig. 23, 22, 21, 24 ein Anwachsen dos Flecht werkes, bis zur 

Selbständigkeit desselben. Doch 
lassen sich die Analogieen zum afri- 
kanischen Reichtum an Formen 
dieser Art noch weiter und bis in 
das Detail verfolgen. Die Ornamente 
auf dem Schilde aus Hatzfeldhafen 
(Fig. 23) gleichen denen auf einem 
solchen der "Wakarra (Fig. 18). Den 
Doppelausschnitt oben an dem Ba- 
lnbaschilde (Fig. 17), der zum Teil 
durch die Mittelrippe (vergl. Fig. 23) 
hervorgerufen ist, kehrt auf Schilden 
der Philippinen wieder. Der kleine 
Einschnitt am oberen Rinde des 
Lenduschildes (Fig. 1 G) erscheint als 
letzter Rest eines gleichen, aber 
tieferen Einschnittes an Schilden der 
Motu Neuguineas und der Papua 
auf den Molukken. Die gemalten 
Ornamente auf den afrikanischen 
Holz- und Korbschilden bewegen 
sich ebenso wie die auf den Papua- 
Bchilden gemalten und an ihnen in 
Relief ausgearbeiteten in Entwick- 
lungsprodukten zwischen Eidechsen- und Menschenbildnis. Die Holzknöpfe, 
Knoten, Buckel und Streifen auf den Ruhrschilden des Kongo- und Zwischen- 
seengebietes kehren in gleicher Gestalt auf Schilden von Nias, Mindanao, 
West -Neuguinea u. s. w. wieder. 

Hier in Oceanien verstehen wir die Entwicklung viel besser. Im 
Süden liegt das grofse Gebiet der stark entwickelten Stockschilde: Australien. 
Hier herrseht das Flechtwerk in allen Teilen der Industrie und des Geräte- 




Fig. 24. Schild von den Salomonen, von 
vom und von hinten (Museum für Völker- 
kunde in Leipzig). 



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reichtumes. Da wir aber uns nicht zur Aufgabe gestellt haben, den Ur- 
sprung occanischer Formen zu prüfen, so genügt für das erste ein Hinweis 
auf solchen Entwicklungsgang gleicher Art in Oceanien und dem Gebiet 
der vor der Achsenwirkung gesicherten in Afrika. Auf die Ursprungs- 
geschichte der malajonigritischen Schilde in Oceanien habe ich in einem 
anderen Bande einzugehen. 

Die malajonigritischo Verwandtschaft der afrikanischen Rohr- und 
Holzschilde erklärt un3 nunmehr deren Verbreitung zur Genüge. Sie 
stammen aus dem Osten und sind auf ihrem westlich gerichteten Wander- 
wege bis in das Gebiet der durch den Wald, die Küste und Angelegenheit 
gesicherten gelangt. Hier fand ihre Entwicklung günstigen Boden. Sio 
wurden aber durch dio östlichen afrikanischen Völker zurückgedrängt 
Dars diese — um eine physiologische Thatsache heranzuziehen — die Fell- 
schilde bevorzugten, liegt in deren Viehzucht und im Reichtum an Fell- 
trägem einerseits, in dem Mangel an entsprechenden pflanzlichen Stoffen 
andererseits begründet. 



Übersieht der Schildformen Afrikas. 

Wir dürften nunmehr über dio Schilde der Afrikaner ziemlich im 
klaren sein. Ich wiederhole die wesentlichen Züge der Verbreitung und 
Entwicklung, um dieses Kapitel dann mit einer allgemeinen Übersicht ab- 
schh'efsen zu können. 

Als älteste Schutzwaffe liat sich der Stockschild erwiesen. Seine 
Verbreitung liefs sich von den Südweststämmen bis in den Sudan nach- 
weisen. Hauptsächlich treten auf der Südachse seine Formen hervor, am 
mannigfachsten sind sie im ostafrikanischen Zwischenseengebiete und zwar 
an der Südgrenze der NW. -SO. -Verbindungsachse. Eine alte, an dio Schilde 
der Australier erinnernde Gestalt fand sich bei Dinka und Mondu. Der 
Schild der Babusesse zeigte den gleichen Wesenszug bei einer Verbreiterung 
der Fläche. Reste einer solchen Ausgestaltung liefsen sich noch im Gebiete 
der Zurückgedrängten z. B. in den Schilden der Sande- und Kougovölker 
nachweisen. 

Auf der Südachse und zwar in dem nördlichen Mündungsgebiet sehen 
wir die erste, noch schwache Fellbekleidung des Stockschildes, die liier 
nur dem Schutze der Hand dient. Daraus entsteht der Fellschild, der 
einen einfachen Mittelstab mit einem festgebundenen Fellmantel ohne Rand- 
wulst und Buckel darstellt. Auch ein anderer Handgriff, als ihn zunächst 
der einfache Mittelstab bietet, fehlt noch. Diese Schilde kommen vom 



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Kafferuland bis südlich des Viktoria, und auf der anderen Seite bis in das 
Kongogebiet vor. 

Von der Nordostseite aus breitet sich weiterhin der asiatische Schild 
aus. Kr ist — wenn wir aus unserer entlegenen Gegend sehliefsen dürfen — 
als Faustschild entstanden; sein Princip beruht daher auf der Wölbung. Er 
ist rund mit einem Buckel, einem Band willst und einem Lederriemen als 
Handgriff versehen. Ferner ist er gemeiniglich geprefst, stets aber in Afrika 
aus Leder hergestellt. Seine Verbreitung ist vor allem durch die Nordachse 
bedingt. Daher findet er sich von Senegambien bis nach Abessynien. Er 
wächst im Sudan an Gröfsc. 

Auf der Verbindungsachse ist eine Mischung mit dem Fellschild vor 
sich gegangen, die drei Haupttypen erzeugt hat, den Sehuli-, den Dinka- 
und den Massai- Schild. Bis auf den ersten, der trapezförmig ist, sind sie 
gleich dem Zuluschild elliptisch. Femer zeichnet sie der Mittelstab, ein 
kleiner Buckel zur Raumgebung für die Hand und ein Randwulst aus. 
Dem asiatischen Schild sind sie endlich durch die vollständige Enthaarung 
des Ledermantels nahe gebracht. 

Die malajonigritisehen Korb -Holzsehilde sind in einem peripherischen 
Südostgebiete (zwischen Westlunda und Waganda), einein centralen Haupt- 
gebiete (zwischen Benno, Ogowe, Teile und Tsehuapa) und endlich einem 
Westgebiete (zwischen Goldküste, Niger und Sanaga) verbreitet. In ersterer 
Zone finden sich die vollkommensten Verbindungen von Holz und Geflecht. 
Im zweiten Gebieto ist das Holz infolge der Einwirkung des Wurfmessers auf 
ein Griffbrett rcdueiert und in letzterem nähert sich die Verbindung wieder 
den Formen der ersten Gruppe. In dieser Verbreitung äufsert sich eine 
gewisse Zurückl rängung, die dem Drucke der auf der Südachse vor sich 
gehenden Völkerbewegung zuzuschreiben ist. 

Vergleichen wir diese Resultate mit den morphologischen Darlegimgen. 
so erblicken wir eine tiefgehende Übereinstimmung. Auf den Nordostrand 
wirkt der westasiatische Einflufs mit aller Kraft. Er giebt der Kultur der 
Nordachse sein Gepräge. Auf der Südachsc sehen wir verhält nismäfsig selbst- 
ständige Entwicklung. Im südwestlichen Gebiet der Zurückgedrängten 
fällt die Abgelegenheit und die Armut an Kulturbesitz auf. Es ist ein 
toter Winkel. Auf der Verbindungslinie zwischen Nord- und Südachse geht 
ein Austausch afrikanischer und westasiatischer Elemente vor sich, der die 
Bildung von Bindegliedern zwischen dem Kulturbesitzc des Nordens und 
Südens zur Folge hat. Das zweite Gebiet der Zurückgedrängten und Ge- 
sicherten, die westafrikanische Wald- und Küstenregion, bietet die gröfste 
Formfülle, den reichsten Besitz, im Gegensatz zum Südwestgebiete, welches 
nur den nigritisehen Stockschild aufzuweisen vermag. In dem westlichen 



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Gebiete, dem westafrikanischen Kiüturkreise treten aufserafrikanisehe Affini- 
täten, malajonigritische Kiüturelcmente hervor, als Reste aus einer alten Zeit. 

Wir können noch cino Bemerkung über das Alter der Kulturen an- 
fügen. Der nigritische Stockschild erscheint als der älteste. Denn einmal 
findet er sich in den zwei toten Winkeln, im Nilgobiet und im Südwesten 
am besten erhalten und zum andern legt er das Zeugnis ab für das wichtigste 
Kampfmittel seiner Zeit, das ist der Stock als Schlag- und Wurfinstrument. 
Daran sclüieist sich der malajonigritische Korb -Holzschild an, der aus dem 
Stockschilde herausgewachsen sein dürfte (?) und von dem darauf entstandenen 
Fellschild der Südafrikaner zurückgedrängt wurde. Die Frage, ob der 
asiatische Rundschild oder der afrikanische Fellschild als der ältere zu 
betrachten ist, wird wohl zu Gunsten des letzteren zu entscheiden sein. Jedoch 
wollen wir dieses Problem in diesem Bande noch nicht erörtern, sondern 
es aufsparen , bis die Fragen der Verbreitung der Viehzucht in den Vorder- 
grund treten ; mit diesem steht das Problem in enger Beziehung und dieses 
kann erst von Asien aus beleuchtet werden. 



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Systematik. 



A) Der nigritl*ehe Stöckse kild : 

1. Der Stockschild der Südafrikaner. 

2. Der Stockschild der Ostafrikaner (Neigung 
zur Verbreiterung der Fläche). 

B) Der afrikanische Felkehlld: 

1. Der Fellschild der Süd- und Ostafrikaner. 

2. Der Lederschild der Massai , Dinka , Schuli 
(Einflufs der asiatischen Schilde). 

C) Der asiatische Rondschüd: 

1. Der Rundschild der Al>cssynier — Somal. 

2. Der Rundschild der Dongolaner, Sudaner 
und Nordwestafrikaner. 

3. Der Lederschild der Massai , Dinka , Schuli 
(Einflufs auf die afrikanischen Fellschilde). 

D) Der malnjonlgritische Korb- Holzschild: 

1. Der Korb -Holzschild der peripherischen 
Lage (Waganda bis Westkalunda). 

2. Der Korbschild der Sande -Kongovölker 
(unter dem Einflufs des Wurfeisens). 

3. Der Korbholzschild der Westvölker (Gold- 
küste, Benin, Kamerun, Haufealänder). 1 



Südachse und tote Winkel. 



J Verbindungsachse. 

J Verbindung mit Asien. 



! 



Nordachse. 



| Verbind im gsachse. 



Westliches Ablagerungs- 
gebiet 



1) Vereinzelte Vorkommnisse sind nicht berücksichtigt, weil sie wenig sagen, 
aber viel vorwirron. Die Schilde der Pare sind wohl als Rest auf der westlichen Wanderung 
anzusehen, die Schilde der Kanembse vielleicht als vereinzelter Ausläufer. — In Ost- 
afrika (am Südende des Viktoria etc.) spielen viele Mischuugcn durcheinander, die aber 
alle durch die Berührung der drei Zonen 1. Vcrbindungsachse , 2. Südaehse, 3. West- 
kreis erklärt werden. Sie alle hier zu nennen, würde zu weit führen. — Über dio 
Schilde der alten Bakonge sind wir zu wenig unterrichtet, um eiu klares Urteil ab- 
geben zu können. Wahrscheinlich haben wir es mit einer Mischung der westlichen 
Holzformen (Holzunterlage) und der südlichen Fellschilde (Kellüberzug) zu thun. 



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4. Verschiedene afrikanische Waffen. 

(Vorgl. Kartenblatt 1, Nr. VII und 2, Nr. XIX.) 



Das Bild der Bewaffnung der afrikanischen Völker ist ein ebenso 
mannigfaltiges, wie das der Beziehungen der Waffen unter einander. So 
felüt z. B. den Fulbo und einem grofsen Teile der Lunda- Völker der Schild 
gänzlich. Der Bogen kommt in Südostafrika selten vor, der Wurfspeer ist 
bei den Stämmen der mittleren Kassai unbekannt. Das Messer, das in 
Centraiafrika eine so hervorragende Rolle spielt, ist in Sud- und Ostafrika 
überhaupt nicht als Waffe vertreten. Die Kriegsbeile, bei Völkern des süd- 
lichen Kongogebietes eine Hauptwaffe, verschwinden als solche nördlich vom 
Kongo fast vollkommen. 

Und ebenso buntscheckig ist das Bild der Waffenbeziehungen. Der 
Schild verschwindet fast überall, wo der Bogen die erste Rolle spielt, daher 
zum Beispiel am Unterlaufe des Kassai. Das kommt daher, dafs der Schild 
ein Begleiter des Wurfspeeres ist. So ist er in üppiger Entwicklung am 
mittleren Kongo begriffen, sowie am Ogowe; und in diesen Gebieten sehen 
wir den Bogen als Seltenheit an; mit Staunen erfüllt uns aber die Menge 
der Wurfspeerformen, die aus diesen Ländern strömt. Unter Einwirkung 
des Wurfmessers wird der Korb -Holzschild zum Korbschild und Elfenbein- 
ringe werden im Einflnfsgebiet derselben Waffe vom Schmuckstücke zur 
Schutzwaffe erhoben. 

So ist die Verbreitung der Waffen in Afrika also keine lückenlose. 
Aber diese Lücken sind für die Feststellung der Arten belanglos, denn 
wir können aus dem grofsen Zuge der Verbeitung, — dafs ein solcher 
besteht, ist im vorigen genugsam erwiesen — mit ziemlicher Sicherheit 
feststellen, welche Form der Waffe in dieser Gegend vorhanden sein müsse, 
wenn sie überhaupt im Gebrauche des Volkes wäre. 

Des weiteren zeigt das Verbreitungs- und Wesensbild einer Waffe 
auf manchen Grundzug in der Verbreitung einer anderen hin. Zum Beispiel 
ist das Heimatland des Zuluschildes auch das des Assageien, des südafri- 
kanischen Wurfspeeres mit eingelassenem Eisen. Das Verbreitungsgebiet 
beider ist das gleiche. Der morphologische und anatomische Bau zeigt also 



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hier schon physiologische Thatsachen, Gesetze der Lebensformen an. Der 
geschulte Blick soll diese erkennen können und somit dem Ethnologen ver- 
raten, auf welchen Wegen er am schnellsten an sein Ziel, die Erkenntnis 
des Wesensznges aller dieser Beziehungen, komme. 

Bedenken wir dazu endlich noch, dafs der Einflufs der Rohstoffe in 
bestimmten Gegenden bestimmte Folgen in der Entwicklung vieler ver- 
wandter Geräte und Waffen hat, so haben wir mit noch einem Hilfsmittel 
eine ganze Reihe von Wegweisem gewonnen, die alle gemeinsam berück- 
sichtigt von aufserordentlichem Vorteile werden können. Es ist das der 
Hauptschatz von Regeln, an deren Hand wir nun eine Reihe von Angriffs- 
waffen anatomisch zergliedern wollen. 

I. Die afrikanischen Bogen. 

Die afrikanischen Bogen sind von Friedrich Ratzel in dem schönen 
Buche: „Die afrikanischen Bogen, ihre Verbreitung und Verwandtschaft u 
eingehend erörtert. Es ist in dieser Arbeit ein überaus umfangreiches 
Material von so aufserordentlich geschickter Hand geordnet, dazu zum Aus- 
gangspunkte derart feinsinniger und treffender Bemerkungen und Erkennt- 
nisse geworden, dafs ich über das Thema nichts Neues würde hinzufügen 
können, wenn nicht die anderen hier vereinigten Untersuchungen und 
Resultate manches neue Licht auch auf das Wesen und die Verbreitung 
der afrikanischen Bogen formen würfen. Das Werk Ratzels ist für diese 
Studie daher das wichtigste (^uellwcrk. Ich habe mich darauf beschrankt, 
seine Angaben zu verwenden bis auf ein Gebiet, das des westafrikanischen 
Kulturkreises. In den anderen Gebieten ist hier fast nur eine Kürzung 
des Gedankenganges geboten, eine Thatsache, die ich hier betone, um mich 
des ferneren auf kurze Hinweise nach dieser Richtung beschränken zu können. 

Die Formen des westafrikanischen Verbreitungsgebietes, zumal d je- 
des Kongogebietes sind eingehender erörtert, weil dies für die Beurteilung 
eines später zur Erörterung gelangenden Problemes, der Frage nach der 
Entstehung dieser Bogenformen, von aufserordentliehor Wichtigkeit, ja zur 
Notwendigkeit wird. 

a) Die süd- und ostafrikanischen Bogen. In Südafrika sind Bogen bis 
auf reichlichere westliche Erscheinungen eine ziemliche Seltenheit. Dagegen 
gehören sie bei den Herero und Ovnmbo zur vollständigen Ausrüstung. 
Bogentniger sind feiner die kleinwüchsigen Buschmänner. Ihr Bogen ist 
der gleiche, wie der der Kaffernvölker; die parasitäre Natur des Kultur- 
besitzes tritt uns hier zum erstenmale entgegen. Im südlichen Kongo- 
becken mehren sich die Vorkommnisse dieser Formen. Sie reichen bis 



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— 59 — 




4 



nach Nordangola, gehen hier aber schon eine Mischung mit Typen des 
Kongogebietes ein. Auf der anderen Seite mehren sich die Bogenvölker 
nördlich des Sambesilinterlaufes stetig. In Ostafrika ist der Bogen eine 
gemeine Waffe. Der in Frage kommende Typus reicht zu- 
nächst bis zur Verbindungsachse. Auf dieser kommt neben 
ihm eine Reihe anderer Typen vor. Also ist er bis zum 
Viktoriasee — einige Ausnahmen kommen nicht in Betracht — 
der Alleinherrscher. Bei den Nilvölkern treten neben ihm 
andere Formen auf. 

In der Ausbildung zeigt er gleichzeitig mit steigender 
Bedeutung als Volkswaffe und somit Häufigkeit, Ofltc und 
Sorgfalt in der Herstellung. — Den ostafrikanischen Bogen 
bildet ein cylindrischer, nach beiden Enden hin so sich ver- 
jüngender Stab, dafs eine stärkere Abnahme der Dicke beim 
letzten Fünftel oder Sechstel der Gesamtlange eintritt. Dio 
aus tierischer Haut oder Faser gedrehte Sehne ist ohne jede 
Kerbe nüt Knoten angelegt. Die Spitzen sind vom Knoten 
auswärts gleich oder fast gleich lang, meist 5—7 cm, und 
mit besonderer Sorgfalt geglättet. Die Sehne pflegt mehr 
oder weniger lang zurückgewickelt zu sein. Reservestücke 
von Sehnen und Hautstreifen sind aufserdem häufig umgelegt. 
Die Länge schwankt am häufigsten um 150 cm. Der Stab 
ist niemals ganz geglättet, schon weil das Holz ungemein 
uneben zu sein pflegt, manchmal ist aber die Hobel- und 
Schabarbeit sehr nachlässig durchgeführt. Längsrisse sind 
am Scheitel nicht selten und werden durch umgelegte dünne 
Hautstreifen verdeckt. (R.) 

Dem Norden , also dem eigentlichen Zwischenseengebiete 
gehören diese besser gearbeiteten Formen an. Sio verrateu 
zuweilen eine beträchtliche Sorgfalt bei der Glättung des fast 
überall von Natur wenig geeigneten Holzes. Im Süden da- 
gegen treffen wir auf sehr grobe Arbeiten. Knorrige und 
astreiche Hölzer finden manchmal Anwendung, ohne dafs ein 
nennenswerter Versuch gemacht zu sein scheint, ein eleganteres 
Äufsere herzustellen. Die Bogen des Südwestgebietes zeigen 
immerhin noch höhere Sorgfalt. Fast alle oder wenigstens 
der gröfste Teil zeigt eino Abflachung auf der Oberseite, 
eine Zuspitzung der Enden. Aufserdem sind sie wie die 
ostafrikanischen, nicht aber alle südafrikanischen Botren mit Ol bearbeitet. 
Daher vielleicht gewinnen sie die rotbraune Farbe. Im Nordosten stellen die 




Fig. 25. Bogen 
aus Ostafrika: 

„Karague*. 
(Slg. Kollmann 
im Leipz. Mus.). 



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Bogen der Quillenguis (Augola) den äufsersten Ausläufer dar. Auch hier 
kommen besser ausgeführte, mit Sehnabelenden versehene neben roheren 
Exemplaren mit stumpfen Enden in Betracht. 

Einen wesentlichen Entwicklungsgang macht die Umwicklung oder 
Bekleidung des Stabes nüt Sehnen oder Sehnenteilen durch. Im Süden 
sehen wir kurze Zurückwindung der Sehne. Dem Norden zu wird sie 
ausgedehnter. 1 Wir werden sehen, dafs die Nilbogen durch vollkommene 
Umwicklung mit Lederstreifen oder Sehnen ausgezeichnet sind, so dafs wir 
ein stetiges Zunehmen dieser Eigenschaft dem Norden zu wahrnehmen 
können. Es ist das ein Entwicklungsgang, der dem der Schildformen ana- 
log geht. Hier war in derselben Richtung ein Eingreifen asiatischer Ele- 
mente bemerkbar: Enthaarung, Randwulst, Buckel. Im Süden, im Gebiete 
der Fellschilde, also mangelliafterer und seltenerer Anwendung der Leder- 
technik, fehlt die stärkere Umwicklung fast gänzlich. 

Dafs wir dem Kongo zu diese Schmückung oder richtiger Verbes- 
serung des Stabes nicht beobachten können, macht diese Thatsache noch 
interessanter. Der Grund liegt darin, dafs wir bei der Verfolgung dieses 
Seitenweges der Südachse nach dem Norden nicht iu ein Gebiet höherer 
Lederindustrie, sondern der Textilindustrie und Verwendung von Pflanzen- 
fasern gelangen. (Korbschilde!) 

Aber auch ohne Berücksichtigung dieser Lederverwendung läfst sich 
Verkümmerung der Bogen hier im Süden mit Leichtigkeit nachweisen. 
Denn die Bogen der südwestlichen zurückgedrängten sind lebenskräftiger 
und vollendeter als die der südöstlichen Völker reicheren und l>esscron 
Klüturbesitzes. Den Grund festzustellen ist nicht schwer. Wir sehen liier 
als siegreiche Waffen Assagei und Fellschild. Sie tragen die Merkmale der 
Jugend und frischen Auflebens, die Bogen den der Zurückgesetztheit. 

Für eine Vorgeschichte der süd- und ostafrikanischen Bogen endlich 
ist es von grofser Bedeutung, dafs Rotangringe als Schmuck des Bogenstabes 
in Südafrika mehrfach vorkommen, dafs des ferneren im unteren Sambesi- 
gebiet Bogen mit Bastknoten u. s. w. eine bessere Besehnungsart haben. 
Wir werden hierauf zurückzukommen haben. 

h) Der nordnfrikanlftche Bopron. Was im Süden als Schmuck oder 
Verbesserung auftrat, Bekleidung des Bogenstabes mit Leder ist im Norden 
Wesenszug. So weit nämlich sich die asiatischen Rundschilde verfolgen 
lassen, so weit treten uns in Afrika auch die asiatischen Bogen formen ent- 
gegen. Der asiatische Bogen ist zusammengesetzt, zweiarmig mit einem 

1) Holub bildet (Maschukulumbe Bd. I, S. b'29) einen Bogen der Mankoja (nörd- 
lich von den Maschukulumbe) ab, der .schon einen fast den ganzen Stab bedeckenden 
Überzug mit Lederumwicklung zeigt. 



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eingedrückten Scheitel und Aufbiegung der Enden. — Echt asiatische, zu- 
sammengesetzte Formen von geringer Hohe, meist reich verziert, werden in 
Lederscheiden getragen. Sie kommen überall vor, wo arabisch -maurische 
Kultur sich eingewurzelt hat, also in Nordafrika, dann aber auch im cen- 
tralen Sudan (Ratzel). Typische Formen sind mir aus Senegambien, Sokoto, 
Baglrirmi (?), Darfor und Nordostafrika (hier handelt es sich anscheinend um 
eine direkte Verschleppung) bekannt. 

Als bezeichnende Merkmale für die Verwandten dieser 
Form in Afrika möge der eingodrückte Scheitel, die Auf- 
biegung der Enden, demnach die Zweischenkligkeit, sowio 
die Umwindung mit Leder oder Eisen angesehen werden. 
Im übrigen ist ein bedeutender Unterschied zu erkennen in 
den eben beschriebenen echten asiatischen Bögen, zweitens 
afrikanischen Formen derselben und endlich jenen vielen Er- 
scheinungen, die bei afrikanischem Grundtypus vereinzelte 
Merkmale, aber nicht tiefergehendo Eigenscliaften des asiatischen 
Bogens übernommen liaben. 

Die zweite Gruppe der in Afrika selbständig gewordenen 
Bogen umfaßt mehrere Formen am Sudrand des Nordachsen- 
gebietes, sowie die meisten der Verbindungsachse. Typisch 
siud vor allem im Nordwesten die sogenannten Haufsabogen, 
die sich nicht etwa nur auf die Haufsastaaten in der Ver- 
breitung beschränken, sondern bis zur Elfeubeinküste sich 
eingebürgert zu haben scheinen. Ratzel hat einige solche 
Bogen, die der Gouverneur Zimmerer dem Münchener Museum 
zugestellt hat, und an denen ihm besonders die Befestigung 
der Sehne auffiel, eingehend beschrieben: Auf das 113 bis 
157 cm lange Holz ist keine grofse Aufmerksamkeit ver- 
wendet; halbroh, knotig, Bambus oder an das Rotholz der 
Amerikaner erinnerndes dunkles Holz, fast gerade, selten 
symmetrisch gewölbt, in der Regel auf derjenigen Seite leicht 
aufgewölbt, wo die Sehne festgemacht ist. Ein Rifs ist durch 
einen Messingring kuriert. Etwas glattere Arbeit zeigt deu 
Versuch, den Rücken abzuflachen. Nach den Enden zu sind Haut- und 
Lederstücke fest, wie angeleimt, umgelegt und unter eins der ersteren 
sind einige Steine geschoben, welche wohl das Festlialten erleichtern sollen. 
An einigen sind aus demselben roten Leder, welches wir in unseren Museen 
an den schönen Ledertaschen und -scheiden aus dem Mandingogebiete 
finden, Schlingen zum Umhängen angebracht. Die Seime ist ein gedrehter 
Lederstreif und liält fest au dem einen langsam sich verjüngenden Ende, 




Fig. 26. 
Dinka- Bogen 
(Mu9.f.Volkerk. 
in Leipzig). 



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wahrend sie an <lem anderen in einen tiefen seitliehen Einschnitt ein- 
gehängt ist — Der Bogen, den ich in Fig. 27 abbilde (ich verdanke ihn 
der Güte des Mstr. Elton), gehört zu dieser Gruppe. Er zeigt 
die leichte Biegung an einer Seite und an derselben die asiatische 
Einhängungsweise (de). An dem anderen Ende ist die Sehnen- 
befestigung eine ganz andere. "Wir werden auf diese zurück- 
zukommen liaben. 

Im Nilgebiet findet sich die zweite typische afrikanisch - 
asiatische Bogen form in dem der Dinka. Im Zustande der 

Ruhe hat dieselbe 120 — 135 cm 
Scheitellänge. Es ist ein wenig ge- 
krümmter Stab, der erst an den Enden 
die wunderlichsten Auf biegungen zeigt. 
Meist ist der Bogen vollkommen mit 
Eisenblech umwunden. Die Sehne 
besteht aus gedrehtem Ijoderstreif 
(Fig. 20). — Ich habe die Abbildung 
eines solchen Bogens an den Anfang 
dieses Abschnittes gebracht, weil seine 
Form ein wichtiges Licht auf die 
Zeit und Form der Ausbreitung asia- 
tischer Merkmale in Afrika wirft. Es 
ist das nämlich die einzige in Afrika 
einheimische Bogonform nordöstlicher 
Herkunft, die den Unterschied «1er 
Kuhe und der Spannung in der Kon- 
struktion als wichtiges Konservierungs- 
merkmal berücksichtigt. Die in Schei- 
den getragenen maurisch-arabischen 
Bogen sind bei weitem nicht in diesem 
Maßstäbe vor der in gespanntem Zu- 
stande vor sich gehenden Erschlaffung 
geschützt. 

Endlich halien wir als dritten 
dieser Keihe den Somalibogen zu be- 
rücksichtigen. Der Stab dersell.cn 
nimmt von der Mitte mich den Enden 
ziemlich regelmälsig ab. Der Scheitel ist sehr stark eingedrückt, so dal's 
der Bogen zweischenklig ist. Die Sehne ist aus Tierdarm beigestellt, an 
den Bogeuenden mittels Schlinge befestigt; die Enden dersell>en sind mit 




Fig. 28. 

Semali -Bogen. 
(Im Besitze des 

Freiherrn von 
Sehreuk-Xostiz.) 



Fig. 27. 
Haufsa bogen aus dem 
Xordou von Aschanti. 
(Im Besitze des Ver- 
fassers.) 



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— G3 - 



feinem Zwirn oder mit schwachem Drahte umwickelt. — Der Gallabogen 
entspricht übrigens nicht diesem Typus. Wir finden aber Bogen von der 
Form der Fig. 28 in ziemlicher Ausdehnung, wenigstens bis an den Vik- 
toriasee, von dessen westlichen Gestaden in jüngerer Zeit mehrere ver- 
wandte Gestalten bekannt geworden sind. 

Drittens sind endlich noch jene vielen äufserlich gebliebenen Ver- 
mächtnisse des asiatischen Bogens zu erwähnen. Sie finden sich vielfach 
bis an die Westküste verbreitet, erstrecken sich in das nördliche Kongo- 
l »ecken und in das Seengebiet hinab. 

Das wichtigste Merkmal ist die Ledeibekleidung des Bogenstabes, die 
im Nilgebiet durch Eisen ersetzt wird. Die grofse G nippe dieser leder-, 
feil- oder eisenumkleideten Bogen umgiebt wie eine äufsere Vorposten kette 
die asiatisch -afrikanischen Bogen. Im Osten fielen Stuhlmann die leder- 
umgOrteten Massaibogen als denen der Nilvölker ähnlich auf. Ein Bogen 
von Simbodja im Besitze des Freiherrn von Sehrenk ist ganz in Leder 
gehOUt. Vom Nil aus erstreckt sich ein breiter Gürtel der Verbreitung 
mit Fell umwickelter Bogenhölzer bis an den Kongo. Drei Bogen im Leip- 
ziger Museum sind vollständig in Fell gehüllt. Ein solcher von Rafai zeigt 
Einschränkung des Schmuckes bis auf die Enden. Zum Schlüsse kommen 
am Stanley -Pool kleine Fellstreifen als Koste vollständiger Bedeckung vor. 

An der Westküste sind diese Bogen mehrfach vertreten. Leder- 
umwicklung ist besonders im Haufsagebiete keine Seltenheit. Ihr Vorkom- 
men reicht bis nach Senegambien, d. h. so weit die Ilaufsa- und Mandingo- 
iudustrie sich erstreckt. Ein trefflicher Bogen aus Salaga möge wenigstens 
einen Haupttypus repräsentieren. (Vergleiche die beigeheftete Tafel.) Er 
besteht aus Holz, die Schnur aus gedrehter Haut. Lederringe umgeben in 
bestimmten Absätzen das Bogenholz, welches vollkommen mit farbigem, fei- 
nem Leder überzogen ist. Die Sehnenbefestigung wird dadurch noch 
sicherer, dafs sich am Ende unter dem Lederkleide dickere Ringe befinden, 
so dafs durch den Überzug starke Knoten gebildet werden. Auf diese Sehnen- 
befestigung werde ich noch zurückzukommen haben. 

An diesen Südrand der Verbreitimg des asiatischen Bogens in Afrika 
reihen sich dann im Osten noch Formen schwächerer Entwicklung geogra- 
phisch an und leiten zum ost- und südafrikanischen Bogentypus über. 

e) Der westafrikanlKriic Botren. Von den aMitralafrikamsehen Bogen 
giebt Ratzel folgende Beschreibung: Mittlere Länge 140 — ICO cm, flache 
Biegung, flach rechteckiger bis halbkreisförmiger Querschnitt, kurze gleiche 
Spitzen , an denen die Sehnen festgehalten werden durch Wülste oder Ringe 
aus Rotang oder Holz oder beiden, indem Holzpflöcke oder -knöpfe mit 
Rotang überflochten sind; dieselben sind entweder dem Bogen aufgesetzt 



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oder angeschnitzt — Ein ganz eigentümlicher Zug ist, dafs wegen der 
Zerbrechlichkeit der Rotangsehne die Besitzer dieser Bogen jeweilä mehrere 
Reservesehnen lim Stirne oder Ilals tragen. 

Die zwei Schwierigkeiten, welche die anatomische Zergliederung der 
Formen vom ersten Betrachten an zu überwinden liat, sind Mannigfaltigkeit 
der Formen bei Ungesetzmäfsigkeit der Verbreitung. Lassen sich doch nicht 
einmal feste Linien als Umgrenzung des fraglichen Verbreitungsgebietes 
ziehen. In Nordguinea greifen asiatische Formen mit Lederbekleidung und 
tierischer Sehne vielerorts bis zum Küstensaum über. In Südguinea kom- 
men festere Formen bis an die Grenze des Kongobeckens überhaupt kaum 
in Betracht und die einzige klare Bogengestalt, die der Wute, zeigt Merk- 
male asiatischer Herkunft ebenso wie ausgesprochene Charakterzüge des 
westafrikanischen Bogens. Im Norden des Kongobogens erscheinen Fell- 
bekleidung über Rotangwülsten bei den Mädje und bei Rafai, dazu tierische 
Sehne neben Rotang- Ringschmuck und Knaufenden am Unterlaufe des Kassai. 
Nur im Osten läfst sich einigennafsen Abgeschlossenheit nachweisen, aber 
wir werden sehen, dafs die pflanzliche Sehne hier weitere Verbreiterung, 
nämlich bis über den Albert Edwardsce hinweg, gefunden liat als andere 
Cliarakterzüge des westafrikanischen Bogens. Im Südosten reicht die tierische 
Sehne bis zum Lualaba an einigen Stellen; die Besehnungsart in Kugel-, 
Kragen-, oder Knaufendeu aber erstreckt sich in entgegengesetzter Richtung 
bis fast an den Tanganjika. In Malange kommen neben westafrikanischen 
südafrikanische Bogenformen vor, im Westen reicht der letztere Typus bis 
zum Norden Angolas, 1 im Osten herrscht der westafrikanische allein. Unter 
solchen Verhältnissen den Weg der Entwicklung zu verfolgen, ist ungemein 
schwer. 

Nun bietet der in Frage stehende Bogen aber ein Merkmal, das so 
ausgeprägt ist, dafs es oftmals den Reisenden aufgefallen ist. Es ist die 
Rotangsehne. In wie weit die anderen Eigenschaften mit dieser Erschei- 
nung Hand in Hand gehen, werden wir zu untersuchen uns bestreben, 
zunächst aber die Verbreitung dieser einen, wenn auch nur flüchtig, skizzieren. 

Die Nordwestgrenze der Verbreitung der pflanzlichen Bogensehne 
liegt in Senegambien. Zur Sehne bedienen sich die Jolof einer anderen 
Art von Holz, welche sie selir künstlich zuzubereiten wissen — sagt ein 
alter Bericht Dagegen giebt Jobson die sehr wichtige Mitteilung, dafs die 
Sehne ans eben dem Holze, woraus der Bogenstab verfertigt ist, hergestellt 

1) Die Jaga und die Stämme des Kongorciches „tragen Bögen von starkem 
Holz, die sich aber bitten, 5 — 6 Spannen lang, an beyden Seiten zugespitzet, daran 
die aus zartem Leder gemachte Strick zu binden, welche sie aus der Tbieren In- 
gewayd und Därmen machen; die aber sehr hoch geschätzt werden." Cavazzi. S. ISO. 



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frobomus, Arnkainsche Kulturen. 



Taf. I. 




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Vorlacr von <*»hrüd»r H.mirii.mr IWlin 



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Bei. Die Bogen der Volker zwischen Kap Blanco und Sierra Leone seien 
aus Schilf oder Rohr gemacht, versichert Moores, und dem Bambus in 
Ostindien Ähnlich. Die Sehne ist eine Art von Rohr, die sehr artig zer- 
schnitten und zu diesem Ende zubereitet ist. Einen Bogen mit Rotang- 
sehne — „heute schon eine grofse Seltenheit" — liat Büttikofer aus Liberia 
mitgebracht. Die besten älteren Naclirichten über die Völker der Sierra 
I/eoneküste bietet Winterbottern. Die Bogen der Fulbe sind nach ihm sehr 
elastisch und stark; und statt der Sehne befestigen sie an denselben ein 
dünnes Stück Bambus, das der Länge nacli gespalten ist. Nach Dapper 
bestand die Bogensehne an der Goldküste aus Bast. 1 

Nunmehr Süd- Guinea. Bogen aus dem nördlichen Kamerun mit 
Rotangsehne liegen im Leipziger Museum für Völkerkunde (Slg. Fichtner). 
Die Bogen der Wute liegen im Grenzgebiet ; sie sind mit einer Tierhaut, 
„oft auch nur mit einem Baststrick 11 besehnt. Die alten Anziken, die von 
Nordosten gegen Kongo anstürmten, liatten kurze Bogen, die mit Schlangen- 
haut umwunden, und deren Sehnen Grashalme waren. Östlich liiervon 
füliren die Bongo als die am meisten gen Norden Wohnenden Bogen mit 
Rotangsehnen. Ihnen folgen im Süden die Sande. Der Bogen der Mangbattu 
hat nach Schweinfurth „zur Sehne einen Strang von einfach gespaltenem, 
spanischem Rohr." 2 

Wir betreten nunmehr den grofsen Wald in der Nordostgegend. Am 
mittleren Aruwimi fand Stanley Bogen aus zähem, hartem, braunem Holze 
und etwa 90 cm lang; die Sehne bestand aus einem breiten Streifen sorg- 
fältig geglätteten Rotangrohres. Die Rotaugsehne fand Stuhlmann bei den 
Walegga, Wcstlendu, Pygmaeen, Wawira, den nach Süden gewanderten 
und unter den Wawira ansässigen A-Lur und den Wassongora. Wir müssen 
nach Osten den Wald verlassen, um die äufserste Verbreitungsgrenze der 
pflanzlichen Sehne zu erreichen. Bei den Wawamlia Tenge- Tenge's im 
Ssemilikithale waren die Seimen der Bogen „nicht wie bei anderen Völkern 
aus Bast oder Tierfaser gedreht, sondern aus einem Streifen Rotang von 
3 — 4 mm Breite hergestellt.'* In Karagwe ist die Bogensehne aus Bast 
verfertigt. 8 

Im südlichen Teile des Waldgebietes herrseht nun durchgehends die 
Rotangsehne. In einer verlassenen Butembo -Hütte fand Götzen einen Bogen 

1) Moores: „Reisen in Afrika 14 , S. 121. „Allg. Hist. d. R.*. Bd. III. S. 172. 
Büttikofer, Bd. II, S. 268. Winterbottom, S. 211 212. Dapper, S. 470. 

2) Morgen: „Kamerun", S. 201. Ratzel: „Geographische Verbreitung*-. S. 246. 
Schweinfurth, 8. 296. Heuglin: „Keise in das Gebiet des weifsen Nil-, 8. 214. 

3) Stanley: „Dunkelste Afrika-, Bd. I. S. 172. Stuhlmann, S. 307, 382,383, 
433,434, 452. 490, 533, 547, 604. 

Froboniu*. Afnknni-cho Kulturen. 5 



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— G6 — 



mit Rotangsehne. In gleicher Weise ist der Bogen der Bakumu des 
Waldes bis zum Kongo besehnt ; hier tritt dann eine aus Raphiafaser gedrehte 
und gerötete Sehne auf. Aufser auf Beobachtungen Ratzels an Wiener und 
Berliner Museen ist auf Bogen in Leipzig zurückzugehen. Auf seiner ersten 
Durehquerungsreise fand Stanley im südlichen Waleggaland kleine aber starke 
Bogen, „deren Sehnen aus schmalen Streifen des Rotang- Rohres verfertigt 
werden." Im übrigen erwähnt Cameron Bogensehnen aus Rohr. 1 

In Angola waren früher 3 Fufs lange Bogen „mit Sehnen aus Baum- 
rinden üblich/ 1 Das erinnert an einen Bogen, den Wifsmann von seiner 
Reise 1885 aus nicht entfernt liegenden Gegenden mitgebracht hat und 
dessen Sehne ausnahmsweise aus Raphiafaser gedreht ist. Sonst erblicken 
wir überall Sehnen „aus der von Rotang abgeschälten Rinde'', wie sie 
Wifsmann hei den Bena Tscliia (Balubastamm) auffiel und die nach seiner 
Angabe im Gebiete der Bena Samba einer solchen aus Tierfaser Platz macht. 
Von anderen ist sie noch weiter westlich beobachtet (siehe die Angabe von 
Cameron). Bei den Bakuba hat der 1,5 m lange Bogen eine Sehne aus 
gespaltenem Rohr; am unteren Kassai begegnet uns dagegen wieder die Tier- 
sehne, wahrscheinlich ein Entgegenkommen von Norden. Während westlich 
vom Kassai am Kuango und Kuilu die Rotangsehne bis zur Mündung des 
Kongo — siehe Bogen in Leipzig von Bomma! — hervortreten , bietet der 
Unterlauf des Kassai und der Mittellauf des Kongo — soweit Bogen hier 
überhaupt vorkommen — aus Pflanzenfasern gedrehte dicke Schnuren. 3 

Diese Rotangsehne nun stellt in einem bestimmten Verliältnis zu 
anderen Eigenschaften des westafrikanischen Bogens. Mit einer derselben 
machen wir zu unserem Bedauern in den Museen Bekanntschaft; nach 
einiger Zeit platzen die Sehnen, wenn sie beständig gespannt bleiben. Es 
ist sehr bezeichnend, wenn v. Francois einen Bogen der Balolo wie eine 
Peitsche d. h. mit geradem Bogenholz und einerseits befreiter Sehne abbildet. 
Thatsächlich ist denn auch ein nauptzug dieser Bogen, dafs sie in Ruhe- 

1) Goetzen, S. 200. Stanley: „Dunklo Weltteil", Bd. II, S. 100. Cameron, engl. 
Ausg., Bd. I, S. 348. Angaben über Bakumu -Bugen bei Ratzel: „Bogon-. Es scheint 
nicht notwendig, nähere Litteraturaugabeu über die Ratzelschcn Bogenarbeiten zu 
geben, da dies zu weit führcu würde. Im allgemeinen ist das Material in der Haupt- 
arbeit desselben niedergelegt. 

2) „Allg. Hist. d. R. tt , IM. V, S. 42. Witsniann-Pogge, S. 110, 172. Wifs- 
mann -Wolf, S. 251. Das Leipziger Museum besitzt aus dieser Gegend 1 Bogen 
der .Inkka am Kuango, 2 Bogen aus Bomma am Kongo. 1 Bogen von Mayombo (alle 
mit Rotangsehnen), 1 Bogen der Bateke am Kongo, 3 Bogen von Stanleyfalls mit 
aus Fasern gedrehten Sehnen. 1 Bogen mit Tierhaut (Sammlung Wolf) von Kassai; 
den anderen 3 Kassai bogen fehlt die Sehne. 2 Bogen aus dem Ubangigebiet besitzen 
Rotangsehnen. 



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stand versetzt werden können. Das ist al>er dadurch erreicht, dafs die Sehne 
leicht ein- und auszuhängen ist. 1 Den ostafrikanischen Bogen mangelt diese 
Eigenschaft. Auch läfst deren Besehnungsart ein solches Verfahren nicht 
zu, es fehlt eine Vorrichtung: der Knopf, Knauf, die Scheibe oder der 
Knoten am Ende des Bogens als Träger. Eine weitere Eigenschaft, die 
auf diese Sehne zurückzuführen ist, ist die schwache Wölbung, die den 
meisten dieser Bogen eigen ist. Wo die Faser- 
sehne herrscht (z. B. an den Stanley -Fällen), sehen 
wir beständige Befestigung und stärkere Biegung. 

Die Knotenenden treten nun in drei ver- 
schiedenen Formen auf: erstens als aufsetzbare 
Holzknöpfe und Scheiben, zweitens als aus dem 
Bogenholz geschnittene Knöpfe und Verdickungen 
und drittens als Rotangknöpfe. Dazwischen giebt 
es mancherlei Variationen, wie rotangöbersponnene 
Knaufenden und -Scheiben. Ferner erinnere ich 
an den oben beschriebenen Bogen von Salaga, 
der aufser seinen asiatischen Elemertten die durch 
untergeschobene Lcdorringe hervorgerufene Ver- 
dickung zu Knoten als westafrikanisehes Kon- 
struktionsmoment bietet. Bemerkenswert ist end- 
lich, dafs keine dieser Befestigungsweisen auf ein 
Gebiet allein beschränkt zu sein scheint, oder in 
einer Gegend allein vorkommt. Meine Kenntnis 
ist noch sehr schwach, das Material in Museen 
noch unverhältuismäfsig klein; oft bieten unter 
allen vorhandenen Formen eine jede einen eigenen 
Typus. Deslialb möchte es zunächst am richtigsten 
sein, aus jeder Gegend des westafrikanischen 
Kulturkreises alle die erwähnten Besehnungs- 
arten zu erwarten. 

Die aufgesetzten Holzknöpfe scheinen be- 
sonders im südwestlichen Gebiete vom Bangala- 
Lunda- Stamme bis in die Nähe des Tanganjika 
vorhanden zu sein. Schon Cameron fielen diese 
aufgesetzten Knöpfe auf und er bildete sie als Baluba-Beschnungsform ab. 
An Stelle der Knöpfe treten hier Scheiben hervor, bei den westlichen Bangala 

1) Dies wird auch deshalb schon zur Notwendigkeit, weil währenddes Kampfes 
sicherlich oft eiuo Sehne springt und sie nun sc-huell ersetzt werden mufs, weshalb 
ja jeder Krieger auch eine Reservesehne um Hals oder Stirn geschlungen trägt. 

5* 




Fig. 20. 
Bogen aus dem Hiuterlande 
der Goldküste (Slg. Steiner 
im Loipziger Mus. f. Volkerk.). 
Die Sehne fehlt. 



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dagegen Propfen. Wir können liier ein neues Vorkommnis feststellen: einen 
Bogen mit abnehmbaren Holzknöpfen aus dem Inlande der Goldküste. Der 
Bogen ist verhältnismäßig gut gearbeitet, von heller Farbe, die Knaufenden 
von dunkler. In der Mitte ist dos Bogenholz dicker als den Enden zu. 
Eine Bearbeitung mit Öl hat nicht stattgefunden. Die Sehne dürfte den 
Kugelenden nach zu schliefsen aus Rotang bestanden haben (Fig. 29). 

Zweitens; aus dem Bogenholz geschnittene Knopfe und Verdickungen 
(Fig. 33 und Fig. 31 das obere Ende) kommen auch häufig vor. Am 




Fig. 30. Fig. 31. 

Bogen ans der Gegend von Bogen vom Kassai 

Djabir, aus Ländern süd- (Slg. Wolf im Leipziger 

lieh der Helle stammend. Museum f. Völkerkunde). 
(Im Besitze des Verf.) Die Sehne fehlt 



meisten finden sie im Westgebiet, zwischen Kassai und Angola Verwendung. 
Hier ist der Bogendurchschnitt meist rechteckig, das Holz flach (Fig. 33). 
Der Bogentypus dieser Gegend schliefst sich insofern näher an die süd- 
und ostafrikanischen Formen an, als die Enden stärker herabgebogen sind. 
Es sind im westafrikanischeu Kulturkreise vor allem drei Biegungen bemer- 



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kens werth: die erste, eben erwähnte, mit herabgebogenen Enden, die zweite 
flachgewölbte, die dritte starkgewölbte im nördlichen Kongo- und Wald- 
gebiet. Die erste Form neigt zur Zweischenkelbildung, die anderen beiden 
folgen der naturgemäfsen schwächeren (die zweite) oder stärkereu (die dritte 
Form) Biegung. — Im südlichen Kassaigebiet und im Balubaland wird die 
einfache Holzkugel häufig mit Rotang überzogen, wodurch eine birnen- 
förmige Bildung entsteht. Schwächere Knaufenden dieser Art (Fig. 31) 
neigen schon zu einer einfachen Verdickung, wie sie im Osten, aufserhalb 
des westafrikanischen Kulturkreises, bei den Völkern des unteren Sambesi, 
auch zu beobachten ist. 1 

Endlich haben wir die Rotangflcchtknßpfo zu berücksichtigen. Sie 
gehören zum Teil dem Kassai an, zum Teil dem nordöstlichen Waldgebiete. 
Aufserdem aber können sie jetzt auch für den Norden und Süden des 
Ubangitliales nachgewiesen werden. Eiuen Bogen aus weniger gut bearbei- 
tetem Holze, mit Rotangschne und solchem Rotangknaufe, der noch mit 
Fell bekleidet ist, besitzt das Leipziger Museum. (Slg. des Kongostaates.) 
Er stammt von der Station Rafai. Der Knoten ist hier beiderseits weniger 
schön und sorgfältig gearbeitet wie anderweitig. Bei der Abbildung (Fig. 35 d) 
war ich bedacht, den Fellmantel etwas zurückzuschlagen, was ohne Be- 
schädigung möglich war, da er locker gearbeitet ist. Einen zweiten Bogen 
verdanke ich der Güte des Mr. Rose. Dieser Bogen ist sehr sauber gearbeitet, 
das Holz gut geglättet und schön mtbraun. Die Rotangknöpfe sind aufser- 
ordontlich zierlich und laufen besonders an dem einen Ende (unten auf 
der Abbildung) in Streifen aus. Rotangstreifen kehren als Schmuck ja 
an vielen dieser Bogen wieder. Vorliegendes Stück ward auf der Station 
Djabir erworben und soll von einem südlich der Uelle wohnenden 
Stamme herrühren. Ein im Besitze des Leipziger Museums (ohne genaue 
Provenienzangabe) sich befindender Bogen ist sehr ähnlich, etwas gröber 
in der Arbeit, ein wenig gröfser und ohne Ringverzicrung. Die Holzscheiben 
an den Balubabogen sind einerseits oft mit solchem Überzuge vorsehen, 
oftmals aber auch durch Rotangknöpfe ersetzt. Diese sind dann etwas 
anderer Herstellung. 2 Ob die Knaufenden an den Ituribogen mit oder ohne 
Holzunterlage gebildet sind, mufs ich dahingestellt sein lassen. 

Neben diesen Knaufenden kommen nun noch eine zweite und dritte 
Form der Sehnenhaltung in Betracht. Der zweite Typus, den wir als 

1) Ein Belegstück findet sich in Hans Meyers Sammlung im Leipziger Museum 
für Volkerkunde. — Für den Unterlauf des Kiissai gilt die entgegengesetzte Entwicklung, 
also bedeutende Vergrößerung der Knaufenden : -Am Bogen fielen die grofsen Knöpfe 
auf, welche als Sehuenhalter an den Enden angebracht waren. u Wift mann -Wolf, S.37G. 

2) Abbildung bei Ratzel: „Völkerkunde-, 2) Bd. I, S. 670. 



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„Verjüngung" bezeichnen wollen, erfreut sich einer aufserordentlichen Ver- 
breitung. Ich habe ihn auf Fig. 27 unten abgebildet, feiner auf Fig. 31, 
ebenfalls unten. Er kommt sowohl bei Haufsabogen als Hererobogen 1 vor. 
An beiden findet er sich nur an einer Seite, cl>enso am Kassaibogen. Auf- 
fallend ist es, dafs aber auch ein \V utebogen 2 die gleiche Besehnungsforin 
nur einseitig besitzt. Ein Kameruner Bogen im leipziger Museum ist der 
einzige mir bekannte, der beiderseits diese Sehenbefestigung aufweist. Es 
ist dies ein wenig gutes Stück zudem, auf dessen einzelne Elemente ich 
wenig Wert legen mochte. Er ist offenbar liederlich gearbeitet. Ein mit 
ihm gemeinsam erworbenes Exemplar ist noch schlechter und erinnert in 
jeder Beziehung an das traurige Wort: „Fabrikation für Sammler". Diesem 
einen Exemplar gegenüber kommen aber noch eine ganze Anzahl von Bogen 
in Betracht, die die zweiseitig verschiedene Sehnenbefestigung zeigen. Da 
ist vor allem ein Ituri- Bogen der Sammlung Stuhl mann. Am einen Ende 
zeigt er einen Knoten, am anderen die Verjüngung. Ferner ein Bugen 
vom Kuilu der Sammlung Kund und Tappenbeck und ein Bogen der Ban- 
gala der Sammlung Schutt (beide im Berliner Museum), die beide auf der 
einen Seite Knaufenden, auf der anderen verjüngte Enden besitzen. 3 Wir 
sind also sehr wohl berechtigt, aus dem gemeinsamen Auftreten der leiden 
Eigenschaften: 1. Besc hränkung der Verjüngung auf Fälle, in denen 2. ver- 
schiedene Bogeneuden vorlwnden sind, — bei einer derartigen Verbreitung 
(Goldküste, Wuteland, Kassai-, Ituri-, Kuilu-, Quango- Gebiet, Südwest- 
afrika) auf eine tiefergehende Beziehung zwischen beiden zu schliel'sen. 

Von den anderen Besehnungsarten 4 interessiert uns eine sehr merk- 
würdige Form besonders. (Fig. IV2.) Der Bogen, dei hier in Frage kommt. 

1) Belegstück: Bo^en der Hcrero (Sammlung- Pechuel I/>escho im Leipziger 
Museum für Völkerkunde'). Es ist ein braunes (geöltes) altes Exemplar. Oben ist er 
abgeflacht Am einen Ende Verjüngung, am anderen Umwicklung der Sehne wie an 
anderen Bogen des Südwestgebietes. 

2; Belegstück: Bogen der Wüte- [Sammlung Morgen. Leipziger Museum für 
Völkerkunde Lange ca. 170 cm. Sehne aus gedrehter Baut. Innen eine Rinne. 
Auf der einen Seite Verjüngung, auf der anderen Durchbohrung ohne Umwicklung. 
Das Exemplar ist gut. Holzfarbe braun. Andere Wutehogen seheinen die gleiche 
Besehmuigsart zu besitzen (vergl. Watzel: „Geographische Verbreitung". Fig. Tu. 

3; Abbildungen bei Watzel: „ Bogen % Nr. 40 u. 41; „Geographische Verbreitung". 
Fig. 3. Stuhlmann, S. 4Ö4. 

4i Ich will hier auf eine anscheinend wichtige Form nicht eingehen, weil das 
Material noch nicht zu weiteren Schlüssen hinreicht. In Anmerkung soll sie wenigstens 
Erwähnung finden: Camcron bildet unter den Balubabesehnungsarteu eine solche ab. bei 
der die Sehne im Sinne des auslaufenden Bogeneudes über einen seitlichen Ast läuft 
und zurüekgesehlap'U ist. Auch am Ituri kommt eine Besehuung derart vor. dafs die 
Sehne über das Dienende, welches verbreitert und eingeschnitten ist. verläuft. Ähn- 
liche Besehnungsarten sind nur vom Stanleypool und von der Ixiaugoküste bekannt. 



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— 71 — 



stammt angeblich von der Loangokfistc. Ich möchte aber wegen der starken 
Verwendung des Ledere die Angabe als falsch zurückweisen und die Her- 
kunft des Objekts an die Nordguinea- 
kflste verlegen, wo Ähnliche Leder- 
arbeiten häufiger sind als hier in einer 
Umgebung, die fast ausschlieft ich 
pflanzliche Stoffe zu allen derartigen 
Arbeiten verwendet. Stab und Sehne 
dieses Bogens bestehen anscheinend aus 
Bambus. Es gemahnt das wiederum an 
nordwestliche Thatsachen, an Jobsens 
Worte: die Jolof stellen Stab und Sehne 
aus dem gleichen Holze her. Die Be- 
festigung der Sehne ist beiderseits eine 
verschiedene. An der Sehne sind am 
Ende Knoten beim Abschneiden bewahrt 
worden. Sio verhindern das Entgleiten 
aus der Schlinge; ein naheliegendes 
Übel bei solcher Befestigungsweise. Auf 
der einen Seite ist das knotige Sehnen- 
ende an den Stab festgebunden (auf. 
der Abbildung unten), auf der anderen 
ist es an einem feingeflochtenen Leder- 
ring befestigt, der (Iber das Bogenende 
(oben auf der Abbildung) geschoben ist. 
Damit dieses bewegliche Ende beim 
Spannen festliege, ist etwa 4 cm vom 
Stabende entfernt ein Lederknoten an- 
gebracht. Das obere Ende der Sehne 
kann somit vom Bogen stabe abgenommen 
werden. 

Auf den ersten Blick scheint diese 
Bogenform in Afrika vereinzelt da* 
zustehen. Bei näherer Untersuchung 
ergiebt sich aber eine tiefe Überein- 
stimmung mit jenen Formen, die zu- 
letzt eine Erörterung fanden (Fig. 31), 
die nämlich zwei verschiedene Enden 
haben und auf der einen Seite in Verjüngung abschließen, auf der anderen 
ein Knaufende besitzen. Ja wir können sogar noch die Hauisaform als ver- 




Bogen, angeblich von der Loaugoküste 
Stammend (Mus. f. Völkerk. in Leipzig). 



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— 72 — 



wandt hinzuziehen. Auch sie bietet ein festos Ende mit Verjüngung und 
ein bewegliches, dieses tillerdings mit asiatischer Einhängung (Fig. 27). Aber 
ich darf darauf verweisen, dafs diese Bogen an der Grenzo asiatischen (Xonl- 
achse) und westafrikanischen Einflusses (Westküste) sich herausgebildet haben, 
was sich ja auch in der Verwandtschaft der Enden kund thut, daher recht 
wohl bei Fragen nach der Beziehungsgeschichte der westafrikanischen Bogen- 
elemente mit in Betracht gezogen werden dürfen. Nun können wir beim 
Haufsabogen ein Unten und Oben unterscheiden. Das „Oben" ist an der 
Einhängung — auf welcher Seite ja auch die Wölbimg liegt — zu suchen. 
Ebenso darf bei dem Bambusbögen (Fig. 32) das bewegliche Ende als das 
Oben angesehen werden. Demnach liegt die Verjüngung beiderseits unten. 
Die Verjüngung gewinnt daher den Eindruck, das Zeichen der festeren 
Verkettung von Bogenteil und Sehne darzustellen oder einmal dargestellt 
zu haben. 

Die Sehne bietet ebenfalls noch Anlal's zu einer Umsclian. Das obere 
Ende des Bambusbogens zeigt einen schönen Flechtring (Fig. 32). Derart feine 
Flechtschleifen, im Oegensatz zu einfacheren Knotenschleifen (z.B. Fig. 33) 
Itesitzen auch Rotangsehnen. Ratzel bildet ein typisches Beispiel ab. 1 
Eine solcher Ausarbeitung nahekommende Sehnenschleife besitzt auch Fig. 30. 
Fernerhin ist der Knoten an den beiden Enden der Bambussehne (Fig. 32) 
in Knoten wieder zu erkennen, die im Inneren der Sehnen mit Rotang- 
schleifen liegen (Fig. 35). Somit können wir auch die merkwürdige oliere 
Sehnenbefestigung des Bambusbogens in seinen Elementen wenigstens über 
den gesamten westafrikanischen Kulturkreis verfolgen. 

Der Bogenstab mufs endlich noch zur Erörterung eines letzten wich- 
tigen Merkmals der westafrikanischen Bogen in Augenschein genommen 
werden. Er ist oftmals noch durch eine innere Rinne ausgezeichnet. „Die 
Rillen sind für die Bakuba charakteristisch*', hat Wolf von deren innerer 
Hogenausarbeitung gesagt. Ratzel hat auch Verzierungen, die in diesen 
Rinnen augebracht sind, beschrieben, wie z.B. in der flachen Rinne eines 
Kassaibogen drei scharf ausgebildete Parallellinien erhöht hervortreten. Bei 
einein anderen ist in der vertieften Innenseite ein 57 cm langes Zickzaek- 
band erhaben herausgearbeitet, während der Grund weil's gemacht ist. 
Diese Rinnen treten bald Schürfer ausgeprägt, bald abgeflachter auf. Der 
Bogen Fig. 31 zeigt etwa die Mitte zwischen den beiden Extremen an, 
Fig. 33 die Verdoppelung solcher Kehllinien. Im Norden hat Passarge starke 
Rillen in Fulbebogen aus Adamaua erwiesen, weiter südlich Morgeu solche 



1) Ratzel: „Völkerkunde 14 , 2) B<1. I. 8. 670; .Bogen - , Fig. 42. Ein Bogen der 
Bnngnla mit sehr schöner Flechtschleife am Sehncnende ist hier beidemal abgebildet. 



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— 73 — 



aus dem Wutelando nach Berlin gesandt. 1 Das Endergebnis der Ent- 
wicklung dieser inneren Einschnitte sind die halbkreisförnügcn Durchschnitte 
vieler westafrikanischer Bogen, die somit eine Abflachung innen annehmen, 
wälirend die asiatischen Verwandten zu einer Abflachung auf der Aufsenseite 
neigen. (Haufsa-, Somali-, Massai- und Südwest -Bogen vergl. Fig. 27 u. 28.) 

Fassen wir alles das zusammen, so bemerken wir, dafs die west- 
afrikanischen Bogen durch folgende lange Reihe sehr wichtiger, aber be- 
weglicher Merkmale ausgezeichnet sind: 

Einfache, meist flache Biegung des Bogenstabes; mittlere Länge 130 
bis 150 cm; extreme Längen 70 cm und 190 cm; Sehne aus Rotangstreifen, 
seltener aus geflochtener Raphiafaser bestehend; Befestigung an den Bogen 
meist durch Überhängen, zuweilen auf einer Seite durch Festwicklung; die Ein- 
hängeösen entweder geknotet oder geflochten; Sicherung der Sehnenüberhänguug 
durch angeschnitzte Knüpfe, übergesehobene Holzscheibeu oder -knöpfe oder 
geflochtene Rotangwülste ; Bogenstab innen mit einer Rinne oder einer Ab- 
flachung versehen; Schmuck des Bogens durch Rotangringe oder geschnitzte 
Reliefarboiten auf der Innenseite; aufserdem sorgfältige Arbeit. — Als 
besonders wesentliche innere Beziehung tritt die Verschiedenartigkeit der 
Seimenbefestigung an den beiden Enden , einerseits Beweglichkeit am Knauf- 
ende, andererseits Festlegung am umwickelten, verjüngten Ende hervor. 
Und (Linn: Alleinherrschen pflanzlicher Stoffe als tiefste Wesenseigenschaft. 

Also ein Bogentypus tritt uns hier wohl entgegen und zwar ein 
solcher, der den nord-, ost- und südafrikanischen Bogenformen fast oder 
ganz beziehungslos gegenübersteht. Aber der eine Typus ist durch Mannig- 
faltigkeit der Spielformen bei fast vollständiger Gesetzlosigkeit in der Ver- 
breitung charakterisiert. Wir vermögen keinen geographischen Entwicklungs- 
zug zu erkennen; denn wolü sind die Baluba-Bogen durch die Scheibenenden, 
die Kassai-Bogen durch die innere Rinne, die Quango-Bogen durch Holz- 
knaufe, die Ubangi-Bogen durch besondere Rotangwülste etc. ausgezeichnet, 
aber das eine Merkmal bleibt nur das Zeichen besonderer Liebhaberei in 
bestimmten Gegenden; die anderen Eigenschaften mögen ebenso fest an be- 
stimmte Gegenden gebunden sein , aber es liegt vollkommene Willkürlichkeit 
in der Bevorzugung bestimmter Elemente bei der Ausgestaltung einer beson- 
deren Bogenform. 

Diese Thatsachen wiederholen im wesentlichen das, was die Betrach- 
tung der Sehildformcn gelehrt hat: Im Norden, auf Nord- und Verbindungs- 
achse Vorherrschen asiatischer Einflüsse, auf der Südachso schwache, voil- 

1) Pa-ssarge, S. 439. Morgen berichtet S. 201, dafs die Wutebogon aus einer 
Rippe dor Rapbia hergestellt werden. Ratzel nennt die Rinne der Wutebog'.'n „eiuo 
mehr oder weniger breite, flache Vertiefung*. Ratzel: „ Geographische Verbreitung". 8.38. 



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ständige Entwicklung unter nördlicher Einwirkung. Im Westen dagegen 
freies Aufwachsen und üppige Entfaltung malajonigritischer Eigenarten. 



Der malajonigritische Ursprung der westafrikanischen 
Bogenformcn ist eino schon von Ratzel in Frage gezogene Thatsaohe. Mit 
unserem reichen Material dürfen wir die Erscheinung noch eingehender erörtern. 




Die Rogen von Neuguinea, die wir zum Vergleiche heranziehen 
wollen, bestehen zum Teil aus Holz, zum Teil aus Barnims. Ihn? Biegung 
ist keine sehr starke. Fast durchgehend« neigen sie zu einer Abflachung 
auf der Innenseite, die wir auch hier als Nachwirkung einer Rinnenbildung, 
wie sie Holzbogen von den Fidschi- und den Tongainseln zeigen, beobachten 
können. Eine Entstehung der Rinne lehrt uns anscheinend Fig. 37. deren 
Auslaufen in Abflachung aber Fig. 34. Wird der Bugen aus einem Streifen 
stärkeren Bambus hergestellt, so stellt sich ein gebogener (Querschnitt des 
Botrenholzes ein, wenn die Wölbung naeh auTsen gebugen ist (Fig. 3C). So 
erklilrt sich vielleicht diese Entstehung der Rinne und der Abflachung aus 



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— 75 — 



der Eigenart eines Materiales, das in dieser Weise (Bambussplitter!) nicht oder 
sicher nur sehr selten zur Herstellung afrikanischer Bogen dient (vgl. Kap. 10). 

Hier in Neuguinea troffen wir weiterhin auch die Knaufenden wieder, 
sowohl die aus dem Holze geschnittenen (Fig. 34 und 37), als die auf- 
gesetzten Holzscheiben (nach Ratzel) und endlich auch die Rotangwulste, 
denen sich hier ebenfalls Rotangringschmuck anschliefst. (Fig. 3G.) "Was 
aVier ganz besonders wichtig erscheint: wir können nicht nur die Verjüngung 
an Bogen von Neuguinea nachweisen, sondern 
nach Ratzels scharfsichtigen Beobachtungen 
auch am gleichen Bogen zwei verschiedene 
Enden und Besehnungsarten. 

Die Ungleichheit der beiden Bogenarme 
gelangt zum Ausdruck in der verschiedenen 
Längo der Bogenspitzen, d. h. der nach aufsen 
vom Sehnenansatze liegenden Abschnitte, 
dann aber besonders in der bevorzugten Ver- 
zierung der längeren Spitze, welcho nicht 
nur in mannigfaltiger Weise durch Schnitz- 
werk ausgezeichnet, sondern auch durch Bei- 
gabe von Anhängseln hervorgehoben wird. 
Selbst die einfachen Rotangringe erscheinen 
manchmal nur auf der Seite der längeren 
Spitze; oder es kommen hier zehn vor, dort 
nur zwei. Eltenso ist die ihr zugehörige 
Sehnenschlinge kunstvoller geflochten als die 
des entgegengesetzten Bogenarmes. 

Einen Bogen der so von Ratzel be- 
schriebenen Art wollen wir des näheren in 
Augenschein nehmen. Derselbe besteht aus 
Holz, ist in der Mitte bei grofser Flachheit 

ziemlich breit und nimmt nach den Enden B °g° n ' auf dt?r 8tatk,n Hafai 

orworben (Museum für \ulkerk. 

in Leipzig, Slg. Kongostaat). 




Fig. 35. 



hin an Breite bis zum Auslaufen in Spitzen 
ab. Wie der auf Fig. 3G bei a gezeichnete 
Querschnitt zeigt, ist das Holz, wie es der entsprechende Splitter aus Bam- 
bus auch sein würde (vergl. den Querschnitt des Bogens Fig. 37), gewölbt. 
Die spitz zulaufenden Enden sind mit Rotangknöpfen versehen. Bei dem 
einen (Fig. 3Ga und b) fehlt jeder weitere Schmuck; bei dem anderen (c) sehen 
wir aber eine überaus reiche Verzierung durch Flechtwerk, Rotangstreifen 
und herabhängende Schnüre, Lappen und Federn. Besonders die beiden auf 
der Innenseite des Bogens, vom Rotangknopfe der Mitte zu angebrachten. 



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— 70 — 



an einigen Stellen durch Ringe am Holze festgehaltenen geflochtenen Schnuren 
am geschmückten Ende (Fig. 36 c) sind besondei-s merkwürdig. Sie erscheinen 
wie eine Nachbildung der Sehne. Solche Pseudosehnen, wie wir diese 

Sehmucksehnüre nennen wollen, finden sieh häufiger, 
aber stets nur an einem Ende. Wenn in ihnen 
irgend ein Wesenszug aus der Vorgeschichte dieser 
Bogenformen zu suchen ist, so wäre nur an eine, 
der unteren Sehnenbefestigung von Fig. 32 gleiche 
Besehnungsweise zu denken. Es wurde die Pseudo- 
soline also der Rest einer festen Sehnenver- 
schnüning sein und wir könnten demnach die 
^ n |u verscliiedene Besehuung an dem ursprünglich mit 



f 



i { 1 



Fig. 3i i. 

Bogen A nn Neuguinea i Museum 
für Völkerkunde in Leipzig). 

zwei ungleichen Bogensehnen ausgestatteten Bogen 
so rekonstruieren, dafs am unteren Ende die Sehne 
festgelegt war. indem der Botangknoten ühor sie 
ge sei iob« mi wurde, dnls das andere, ohoro Ende der 
Sehne beweglich war: indem sie mit einer fein- 
geHochtenen Schlinge über den Bogenslab gesclioben 
war: dafs sie beim Spannen uieht allzuweit nach 
der Mitt- nickte, verhinderte ein Rotangknoten. 

Somit finden vir also an den Neuguinea - 
Bogen Andeutungen , die darauf hinweisen, dafs 
sie ni.-ht allein den gleichen Entwicklungsgang wie 
die •westafrikanisehen Bogen durchgemacht haben, 



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sondern dafs sie auf eine Form zurückgeführt werden können, die der Fig. 32 
nur in einem Punkte nicht entspricht: diesem afrikanischen Bambus- Bogen 
fehlt die innere Rinne. Dagegen besitzt der afrikanische Bogen in den 
Knotenenden der Sehne ein wichtiges Belegstück. 

Doch wenn wir unsere Untersuchungen mit der Betrachtung der Sehnen- 
enden fortsetzen, eröffnen sich auch liier vollständige Übereinstimmungen. 
Die Enden der afrikanischen Rotangsehnen waren charakterisiert: erster 
Typus, durch einfache Knotenschlinge, in 
der eine einfache Erliabenheit die Zu- 
ziehung der Schleife verhindert (Fig. 35); 
zweiter Typus, durch Auslaufen in eine 
zierlich geflochtene Schlinge (Fig. 30, 
bessere Forin bei Ratzel „Bogen 41 Fig. 42); 
dritter Typus, durch Auslaufen in einen 
Knoten, der eine zierlich geflochtene 
Schlinge trägt (Fig. 32 oben). Die beiden 
ersten Typen sind entstanden in Aus- 
nutzung der zwei die dritte Form aus- 
zeichnenden Merkmale. Demnach erseheint 
der dritte Typus als der älteste. — In 
Oceanien und zwar zwischen Indien und 
Neuguinea lassen sieh alle drei Formen 
der Sehnenenden nachweisen. Die beiden 
ersten sind auf Neuguinea aufserordent- 
lich häufig, ja es sind die bei weitem vor- 
herrschenden, da Sehnen aus geflochtenen 
Pflanzenfasern alsSchnursehnen selten sind. 

Die dritte interessante Form mit den 
eine Sclüinge tragenden Knotenenden habe 
ich bis jetzt nur in Hinter- und Vorder- 
indien auffinden können. In Abbildung 
gebe ich (siehe beigeheftete Tafel) einen 
solchen indischen Bogen wieder. Die Sehne ist ein feinbearbeiteter Bambus- 
splitter, an dessen Ende zwei Knöpfe erhalten sind. Eiu hübsches Schnüren- 
geflecht stellt die Verbindung des Bogens und dieser Sehne in Schlingenform 
dar. Der Bogen selbst verrat aufser dieser malajonigritischen Eigenschaft 
folgende Hauptmerkmale: einfache Biegung ohne Herabbiegeu der Enden; 
Sehnenbefestigung durch eine Verdickung, mit dem Ende zu folgender Ein- 
schneidung als beweglich gestaltet. Während erstere Eigenschaft entschieden 
südlicher Natur ist, ist in der Einhängungsweisc doch schon asiatischer Ein- 




Fig. 37. 
Bogen aus der Mac Cluer- 
Bai auf Neuguinea (Museum 
für Völkerkunde in Leipzig). 



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— 73 — 



flufs zu erkennen. Es ist hier weder das Knaufende, noch eigentlich Ver- 
jüngung besonders ausgebildet, vielmehr eine Einkerbung, die an vielen 
asiatischen Bogen in ähnlicher Weise auftritt. Immerhin weist der ganze 
Typus im Gegensatz zu diesem einen, zudem noch unklaren Zuge nach Süden, 
und desha'lb ist es uns wichtig, diese Sehnenform an ihm wiederzufinden. 

Ich stelle demnach fest, dafs folgende Wesenszüge den malajo- 
nigritischen Bogen Oceauiens und denen Afrikas gemeinsam sind: verhältnis- 
mafsig schwache Biegung des Rogenholzes, Querschnitt desselben zwischen 
Kreis, Halbkreis und Breitrechteck schwankend; innere Rinne mit Ansklang 
als innere Abflachung des Bogenholzes; 1. geschnitzte Knauf enden, 2. auf- 
gesetzte Holz- oiler 3. Rotangwülste, oder 4. verjüngte Bogenenden; Schmuck 
des Bogens in Rotangringen, sowie in Relief geschnitzten Ornamenten; 
Sehne Rotaugstreifen oder Pflanzenfaserschnur; Enden der Sehne: 1. Knoten- 
schlinge mit Anschwellung, 2. geflochtene Schlinge, 3. geflochtene Schlinge 
um den End knoten. 

Diese grofse Anzahl von übereinstimmenden Eigenschaften beweist 
aber nicht nur die Verwandtschaft afrikanischer und oceanischer Bogen, 
sondern sie werfen in Anbetracht dieser merkwürdigen Konservierung ein 
klares Licht auf die Urform des malajonigritischen Bogens. Da wir uns 
aber mit diesem im physiologischen Teile noch näher zu beschäftigen haben, 
wollen wir hier nur auf dieses Problem verweisen. (Vergl. Kap. 10.) 



Übersicht der Bogen formen Afrikas. 

Im Süden tritt der Bugen in Afrika schwach entwickelt auf und er- 
reicht auf der Südachse dem Norden zu erst jenseits des Sambesi einen 
festeren Typus, der nun einen einfachen Holzbogen mit mehr oder weniger 
stark herabgebogenen Sehnabelenden mit einer aus Leder oder Tiersehnen 
gedrehten, in Umwicklung befestigten Sehne zeigt. Das Bemerkenswerte bei 
dieser Verbreitung und Formbeziehung ist die Zunahme der Lederbekleidung, 
welche im Übergang zur Verbindungsachse den ganzen Stab bedeckt. Dieser 
Gang deutet auf Auwachsen asiatischer Einflüsse. 

Die asiatischen Hegen formen beherrschen den Norden Afrikas und 
treten in drei Kreisen oder Schichten auf: 1. innerer Kreis der Nordaohse, 
Vorkommen echt asiatischer Bogen in Ledertasche: 2. südliches Randgebiet 
mit 3 afrikanischen Bogenformen asiatischer Herkunft; a) im Westen den 
sohwaehgewölbton Haufsabogon mit asiatischer Bogeneinhängung, b) den 
Nilbogen mit Eisenumkleidung, c) den unljodeckten S«>malil>ogon. Alle dieso 
Bogen sind zweischenklig; 3. äufseres Einflufsgebiet in Ostafrika (Umwicklung 



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— 79- 
des Bogens mit zurückgewundener Lederschne) , Centraiafrika (Bekleidung 
und Schmückung des Bogens mit Fell und Haut), Nordwestafrika (Loder- 
bekleidung des Bogenstabes). * Wenn die äufsere Abflacliung des Bogenstabes 
als asiatisches Einflufsmerkmal angesehen werden kann, so sind noch die 
Massai- und Hererobogen zu nennen. 

Die malajonigritischen Bogenformen lassen an der Ostküste und in 
Südafrika schon in seltenerem aber doch vorhandenem Rotangringschmuck 
und in der Bogenendenverdickung im Sambesidelta einige Anzeichen ver- 
spüren, treten aber erst im Kongobecken und an der Westküste geschlossen 
auf. Charakteristisch ist die üppige Formfülle bei Ungesetzmäfsigkeit in der 
Verbreitung. Diese macht es dann auch unmöglich eine festere Gruppieniug 
vorzunehmen. Die malajonigritischen Bogeu in Afrika werden nur alle zu- 
sammengenommen verstandlich. 1 

1) Wenn ich in der nun folgenden systematischen Übersicht trenne: Nordkongo- . 
bogen, Südkongobogen und Westbogen, so folge ich folgenden ausserhalb des fraglichen 
Formproblemes liegenden Gesichtepunkten. Hier handelt es sich um geographische 
Lage und Beziehung der Formen untereinander. Während nun der Südkongobogen 
den asiatischen Bogen nicht berührt, übt der letztere einen starken Einflufs auf die 
Formen nördlich vom Kongo aus. Fellschmuck ist hier eine häufige Erscheinung. 
Dagegen ist der westafrikauische Küstenbogen durch spärliche Verbreitung nicht allein 
gekennzeichnet, sondern auch durch häufige Aufnahme asiatischer Elemente. So ist 
das Leder und die Lederumwicklung an dem sonst typisch malajonigritischen Bogen 
(Fig. 32) ein Zeichen asiatischer Einwirkung. 



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Systematik. 



A) Der afrikaaiHche Bofeu: 

1. Südgebiet (.seltenes Vorkommen). 

2. Südwestgebiet (äufsere Abflachung). ( Südaclise. 

3. Ostgebiet (Zunahme der Lederl>e- 
kleidung dem Norden zu). 

4. Vereinzelte Vorkommnisse im Nilgebiet l , . , . 

b \ ^ erbindungsachse. 

mit zunehmender Lederbedeckung. J 

B) Ber asiatische Bogren: 

1. Echte Fonnen, zweischenklig. Sudan 
und Nordostafrika. 

2. Haufsabogen 

3. Nilbogen > abgewandelte Formen. 

4. Somalibogen 

Im An Schlüte an die letzten Formen 
Lederbekleidung in Ostafrika. 

€) Der malajonljnrtt Ische Bogen: 

1. Südkongogebiet, üppigstes Aufwachsen. 

2. Nonlkongogebiet, Einflute von Norden, 
im Fellsehmuck erkennbar. 

3. "West gebiet, durch den vereinzelten 
Durchbrueh asiatischer Elemente und 
s|»arliehe Verbreitung gekennzeichnet. 



Verbindung mit Asien 
und Nordachse. 



Verbindungsachse. 



Westliches Ablagerungs- 
gebiet. 



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— 81 — 



II. Die afrikanischen Messer. 

Unsere bisherigen Untersuchungen erstreckten sich auf Gegenstände, 
die dadurch ausgezeichnet waren, dafs fast ausnahmslos nur eine Form im 
Besitz jedes Volkes ist und dafs sie nur aus tierischen und pflanzlichen 
Stoffen hergestellt werden. Ganz anders gestalten sich nun die Verhältnisse, 
wenn wir die Messerformen des näheren untersuchen. Vor allem tritt hier 
eine fraglos verhältnismäfsig junge Industrie, die des Eisens, in den Vorder- 
grund. Damit verlangt ein neues und schweres Problem Berücksichtigung. 

Die Afrikaner stellen die gröfste Völkergruppe dar, die die Europäer 
im Besitze des Eisens angetroffen haben. Kenntnis des Eisens, des Schmelz- 
und Schmiedeprocesses hatten weder die Amerikaner noch Oceanier, die in 
bedeutenderer Entfernung von Asien, jenseits der Molukken und Philippinen 
wohnten. Da aufserdem Ägypten in den Bereich der Geschichte als Besitzer 
einer noch jungen Eisenindustrie eintritt, so liegt die Frage als eine sehr 
berechtigte offen, ob die dunkelhäutigen Afrikaner selbständig dieses Gewerk 
erlernt oder von einem asiatischon Muttervolke empfangen haben. 

Nach unseren bisherigen Erfahrungen dürfen wir den Negern Afrikas 
kein besonderes Zutrauen in dieser Richtung entgegen bringen. Die Völker 
der Nordachse leben fast vollkommen unter asiatischem Einflüsse. Ihr 
Klüturbesitz weist aufser wenigen Dingen, die noch erörtert werden sollen, 
sehr wenig eigene Schöpfungen auf. Die Zwischenachse leitet nach der im 
Süden über, die allerdings eigene Formen bietet; aber es sind das Formen, 
die mehr auf selbständige Verarbeitung als auf eigene Schöpferkraft schliefsen 
lassen. Der Fellsehild folgt einer nördlichen Eingebung in der Verbreiterung, 
zeigt aber keine schöpferische Idee. Der Bogen ist im Süden so arm an eigenen 
Merkmalen, vor allem an entwicklungsgeschichtlichen Wesenszögen, dafs wir 
ihm keinen anderen Wert beifügen können als den, den ein in der Übernahme 
verkümmernder Gegenstand besitzt, auch wenn ihm in der Verbreitung nach 
Norden die Reste asiatischen Bogenwesens felüten: Herabbiegung beider 
Enden und Lederumwicklung. Die westlichen Elemente nun gar sind so 
absolut und vollkommen denen des an Schöpfungen so reichen malajo- 
nigritischen Kulturgebietes gleich, dafs hier jedes Suchen nach einer eigenen 
Schöpfung der Afrikaner von vornherein verfehlt und aussichtslos erscheint. 
Nur der Stockschild bleibt also übrig und der ist uns aus Australien so 
gut bekannt, dafs auch hierin die Skepsis rege wird, wir müfsteu denn 
annehmen, dafs die Australier ihn von den Afrikanern entnommen haben, 
oder bei der Schöpfung gemeinsam gehandelt ha1>en. 

Was haben wir in Anbetracht dieser Verhält nisse nun von der Ent- 
wicklung der Eisenindustrie zu denken? — Seine Untersuchung der Metalle 

Frobenius, Afrikanische Kulturen. G 



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bei den Naturvölkern ist eine der schönsten Arbeiten Richard Andrees. Sie 
macht uns darauf aufmerksam, dafs die Eisenarbeit in Afrika vom Nilgebiet 
südwärts sich sichtlich verschlechtert Es schliefst daher auf Übernahme 
des Eisens aus dem Norden oder Nordosten. Wandern wir mit dieser An- 
schauung ausgerüstet durch ein Museum für Völkerkunde, so finden wir in 
vieler Hinsicht in der That solche Annahme durch den Augenschein be- 
rechtigt. Welche ^nächtige Entwicklung des Eisengewerbes im Sudan! Die 
Panzer ans Ketten und Platten, die Eisenbeschläge am Zaumzeug der Kriegs- 
rosse, die Säbel, Schwerter etc. sind schwierige Leistunge», denen gegen- 
über die eisernen Assageien, die fast lächerlichen Messer und sonstigen 
wenigen Eisengeräte der Kafferu jämmerlich minderwertig, der ganze Eisen- 
schatz sehr arm erscheint 

Und doch stolpern wir an einem Steine des Anstofses, nämlich im 
Kongobecken. Die tauschierten und in zierlicher Durchbrechung oft aus 
verschlungenen Streifen zusammengefügten Eisen- und Kupferklingen an 
Ixten der Bassonge, die prächtigen Speerklingen, Messer, Scepter übertreffen 
die Eisenwerke des Sudan nicht allein an Kunst in der Ausführung und 
Schönheit der Form sondern auch durch Selbständigkeit Dabei ist so ein 
Sichelschwert vom Kongo oder ein Schwertmesser der Kioke weder sonst 
afrikanisch noch asiatisch. So wird denn dieser Stein des Anstofses zunächst 
nicht nur zu einem solchen für die Ansicht, dafs die Eisenindustrie aus 
dem Norden stamme, sondern auch für den sich nach dem bisher Dar- 
gelegten natürlich aufdrängenden Gedanken, dafs die Kultur dieser Völker 
von den Oceaniern hierhergetragen sei. Denn diese Oceanier verstanden in 
der Zeit dieser Kulturverpflanzung sicherlich nichts vom Eisen ; soviel lehrt 
der Zustand ihrer derzeitigen Kultur sogar noch. 

So tritt denn zu der Freude über die grofse Klarheit, in der sich 
das Beziehungsbild bisher enthüllt hat, zunächst eine sehr gesunde Er- 
nüchterung, die den Anspruch an uns stellt, die Verhältnisse noch schärfer 
und kaltblütig ins Auge zu fassen. 

Es giebt nun besonders in Nord-, West- und Ostafrika eine so grofse 
Anzahl von Messerformen , dafs eine eingehende Behandlung der sämtlichen 
Gestalten und aller Typen zur Abfassung eines eigenen Werkes führen würde. 
Ich beschränke mich daher auf die Betrachtung «1er hervorragendsten Typen, 
wobei allerdings hier und da der Blick auch auf seltenere Erscheinungen 
notgedrungen gerichtet werden mufs. 

a) Die Messer SUd- und Ost -Anikas. Messer sind ursprünglich im 
eigentlichen Kaffernlande nicht gebräuchlich gewesen, indem die Klinge des 
Assegai auch bei friedlichen Verrichtungen als schneidendes Instrument benutzt 



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wurde; jetzt sind solche von enropüischem Fabrikat ziemlich häufig (Fritsch). 
Die Betschuana besitzen dagegen schon die übliche Form eines etwa 15 cm 
langen Messers, doch tragen sie es nicht, wie sonst in Afrika üblich, am 
Arme, sondern hängen es um den Hals. Die Messer der Südwestafrikaner 
werden an den merkwürdigen Schwalbenschwanzenden am Griffe mit Leder- 
riemen am Arme festgebunden. Beifolgend abgebildetes Exemplar stammt 
von den Ovambo und hat eine Länge von 22 cm. 

Die Messerklingen der Betschuana und Südweststämme sind mm eben- 
falls nichts anderes als Speerblätter und das läfst sich aus der Form recht 
gut nachweisen. Die afrikanische Speerklinge spielt nämlich in verschiedenen 
Umgestaltungen einer Grundform, die wir, um uns botanisch auszudrücken, 
als spitzeiförmig bezeichnen wollen. Die ver- 
schiedenen Umgestaltungen sind für bestimmte 
Provinzen charakteristisch, so eine Verschmä- 
lerung in Südwestafrika, die eine genau der 
Messerklinge der Fig. 38 angehörende Form her- 
vorruft Und derart zeigt vollkommene Identität 
der Speer« und Messerklingen in Afrika meist 
auf Hervorgehen der letzteren aus ersteren hin. 
Das beweist vor allen Dingen die sich sehr oft 
wiederholende Gleichheit bei häufiger Be- 
stätigung durch die Reisenden. 

So sagt auch Hplub von den Marutse- 
Mambundame8sern : Manche dieser Dolche sind 
die Klingen der Hand-Assegaien und werden 
von der tapferen Zulu- Rasse ähnlich wie 
letztere Waffen gebraucht, ja es geschieht oft, 
dafs im wilden Handgeraenge der Matabele- 
Kricger seinen Assegai unter dem Eisenteile Messer der Ovambo mit Scheide, 
abbricht und, mit letzterem bewehrt, den (Im Besitze des Verfassers.) 
Feind zu töten strebt. 1 

Zu diesen Formen gesellen sich in Ostafrika Parallelstücke: die Lanzen 
werden verkürzt, so dafs sie messerähnlich an Länge werden. Eine „kurz- 
geschäftete wie ein Messer gebrauchte Lanze" aus Uniamwesi bildet Hart- 
mann, einen Elephantenspeer der Waganda von der gleichen Eigenart Ratzel 

1) Fritsch, 8.67,175. Holub: „Kulturskizze*, S. lia Vergleiche auch Notizen 
bei Liviogstone, Moffat, Casalis etc., die beweisen, dafs diese Entstehung der Messer 
sieh über ganz Südafrika bis zur Wasserscheide zwischen Kongo und Sambesi erstreckt; 
ferner sind noch Belegstücke in den vollkommen aus Eisen hergestellten „Dolchen" 
geboten. Vorkommen: oberer und mittlerer Sambesi. 

6* 




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ab. — In Usindja fand Stuhlmann die ordinären, aus Lanzenspitzen ge- 
maehten Messer ohne Schueide kaum erwähnenswert 4 '. Die Lur-Ti haben 
dagegen wieder verkürzte Lanzen, die nun ganz zur Messerform gelangt 
sind, und den Speerklingenursprung nur noch neben der Mattform durch 
eine am Ende des Griffes, wie an einem Speerschaft befestigte Eisenzwinge 
verraten. Die Wambuba benutzen die Speerklinge als Messer, über die 
Messer der A-Lur berichtet auch Emin selu' eingehend. Neben einigen 
gebogenen Formen zeigen die Messer für den Kriegs- und Luxusgebrauch 
die Gestalt der Speerklingen. Als Messer für den täglichen Gebrauch werden 
gewöhnliche Lanzenspitzen benutzt, die in einem meist mit Draht umwundenen 
Holzgriff stecken. Zum Rasieren benutzt man scliarf geschnittene Speerblätter. 1 

Hier am Südrande der Verbindungsachse wundern wir uns nicht, neue, 
liedeutsame Formen anzutreffen, so eins der typischen Messer, die z. B. 
Baumanu in Urundi traf. Er sagt von ihnen: neben den eisernen Spaten 
dienen eigentümliche sichelförmige Haumesser, die sich ähnlich in Ukerewe 
und dem nördlichen Zwischenseengebiot finden und die auch zum Lichten 
der Papyrussümpfe benutzt werden. Diese Sichelmesser sind bis Udjidji am 
Tanganjika gelaugt, sind aus Karague, Usindja, Ruanda etc. bekannt. Auch 
liier zeigt sich wieder eine Wechselbeziehung zwischen Messer und Speer, 
indem solche Messer mit langen Speerschäften als Scepter oder Hirtenstab 
vorkommen. — Wir gehen wohl nicht irre, wenn wir diese Form auf eine 
richtige asiatische Sichel zurückführen. 2 

Eine weitere Form wird der RückMick von Nordafrika kennen lehren. 

b) Die Messer und Hehwerter Nord- Afrikas. Im nördlichen Afrika be- 
gegnet uns sogleich eine aufserordentliehe Fülle von verschiedenen Gestalten, 
so dafs eine gewisse Übersicht von vornherein gewahrt werden mufs. Es 
ist das nicht sehr schwer, denn soljald das Auge sich einigermafsen an 
den Ge8taltenrcichtuin gewöhnt hat, entwirren sich bald die unklaren An- 
sammlungen und es treten bestimmte Verwandtschaften hervor, unter denen 

1) llartmann, Bd. 1, S. 239. Ratzel: , Völkerkunde" 2| Bd. II, S. 237. Stuhl- 
mann, S. G74, 434 (Abb. S. 437), G20. Emin ebenda S. 520/521. Diese Eutwicklungs- 
lime Hilst sich bis iu das Nilgebiet verfolgen, klingt aber hier dem Norden zu aus. 
Wir treffen sio im Kongogebiet wieder. 

2) Baumann: „Massailand*, S. 219. Stuhlmann, S. 242. Abbildungen von 
Sichel messe rn bei Goetzeu, S. 172. Stuhlmann. S. 243. Cameron (deutsche Ausgabe). 
Bd. 1, S. 204. Stanley: «Dunkle Weltteil», Bd. I, 8. 429. Baumann: „Massailand*. 
S. 262. Abbildung einer Sichel ebenda S. 212. Vergi. auch das Urasmesser aus den 
Haufsuländern bei Pas-sargc. S. 225; Messer der Marutse-Mambunda bei Holub: 
«Kulturskizze- 4 , S. 119. Das sind Formen, die weniger ausgeprägt sind, jedoch eben- 
falls auf eine solche Sichelform weisen. 



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ich drei Gruppen als besonders wichtig hervorhebe. 1. Die Schwerter und 
Scli Wertmesser, die gerade sind. 2. Die Säbel und Säbelmesser. 3. Die 
geraden Dolche mit Verdickung dem Griffe zu, richtiger wohl als Stilette 
bezeichnet. 4. Die Wurfmesser. Dafs vielfach hier und da auch noch die 
Speerklinge als Messer oder Dolch Verwendung findet, ist sicher. Doch 
spielt die Erscheinung hier, neben wichtigeren und handlicheren Messern, keine 
besonders hervorragende Rolle. 

1. Die geraden Schwerter und 
Sch Wertmesser. Es sind das Schwerter 
mit mehr oder weniger langen, fast der 
ganzen Länge nach gleich breiten Stahl- 
klingen und einem Quereisen als Hand- 
schutz, einer Parieretange. Das neben- 
stehend wiedergegebene Exemplar des 
ethnographischen Museums in Basel ist 
folgendermafsen beschrieben: 

Nr. 537. Sudanisches Schwert mit 
Lederscheide. 95 cm lange, 5 cm breite, 
völlig gerade, zweischneidige Klinge, in 
der Form entsprechend einem Ritter- 
schwerte des Mittelaltere. Die ganze 
Klinge ist bedeckt mit arabischen Buch- 
staben (Koran Sprüchen?). Klinge aus 
sehr gutem Stahl (wahrscheinlich Solinger 
Klinge). Am Griff einfache, eiserne, 
filiere Parierstange. Griff mit Leder um- 
wunden, oben vier kurze und eine lange 
Lederquaste. Schcido aus rotem Leder, 
das Ledergehänge mit Kauris verziert. 
Angeblich aus Darf ur, aus der Kriegsbeute 
der Mahdisten stammend (Rfltimeyer). 

Dieses Schwert, dessen Vorgeschichte 
bis in die Kreuzzilge reichen dürfte, hat 
sich auf der Nordaehso bis nach Seno- 
gambien hin verbreitet. Als Waffe der Fundj ist es bei Hartmann, als die 
der Liberianer bei Ratzel und Bflttikofer abgebildet. Seine äußersten Aus- 
läufer sind weit im Süden zu suchen, bei den Stämmen von Kamerun. 
Während es bei den Völkern Adamauas noch die unveränderte Form be- 
halten hat, ist es in Kamerun kürzer geworden. An Schwertennessern 
der Fan -Stämme läfst sieh noch insofern ein letzter Rest beolmehten, als 




Fig. 39. 
Schwert aus Darfor. 
(Ethuogr. Mus. in Basel.) 



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— SG- 



hier am Griff noch die Parierstange, wenn auch aus Holz nachgebildet, sich 
erhalten hat 1 

Vom Tedaschwerte sagt Nacht igal: Dies Schwert, welches breit, 
zweischneidig, von ansehnlicher Lange, gerade und mit Kreuzgriff versehen 
ist, kommt zu ihnen aus dem Lande der Tuarik, stammt aus Europa und 
zwar vorzugsweise aus Deutschland (Solingen) und ist keineswegs im Besitz 
aller. Das Schwert der Hauisastaaten hat Staudinger als eine sehr ver- 
breitete Waffe geschildert. Es ist gerade und verjüngt sich allmählich nach 
der meistens mehr rundlichen Spitze. Es scheint mehr zum Hauen als 
zum Stechen angewendet zu werden. Die Länge beträgt 60 — 100 cm 
und die Breite an der Basis wohl 6 — 8 cm. Es wird weniger im Kriege 
als im Streite von den zanksüchtigen Haufca gezogen. Die Eingeborenen 
befestigen es an einem Tuchstreifen oder an einem von den Arabern ein- 
geführten Wehi'gehäuge und hangen es über die Schulter. In Ilorin scheint 
eine kürzere, breitere Form dieser Hiebwaffe Mode zu sein. Die Schwerter 
der Asbin sind etwas kürzer und bedeutend schmaler. Sie behalten dieselbe 
Breite bis kurz vor der Spitze. Auch die Scheide und namentlich der Griff 
ist anders geformt Letzterer hat eine eigentümliche kreuz- oder doppel- 
kreuzfDrmige Gestalt. Ein kurzes Schwert tragen diese Wüstenvölker manch- 
mal an einem Lederring, welchen sie um das Handgelenk befestigen. — Bei 
den Bussa erwähnt Clapperton das Schwert und in Sokoto führten zu dieser 
Zeit „alle ein Schwert, das über die linke Schulter geworfen wird." Nach 
Passarge hat sich das lange gerade Schwert über den ganzen Sudan ver- 
breitet und wird in Adamaua von den Durru z. B. wohl nach eingeführten 
Mustern geschmiedet 2 

Endlich ist im Südosten noch ein Messertypus hier zu erwähnen, 
der ein Verwandter dieser Gruppe sein dürfte, das ostafrikanische Küsten- 
schwert. So ist das echte Pareschwert 1 m lang, bespitzt und von der in 
diesen Ländern gewöhnlichen lanzettförmigen Klingenforra. Der Schwer- 
punkt liegt bei den meisten dieser östlichen Formen ziemlich weit vorne, 
da er vorn auch ein weuig breiter ist wio am Griffansatz (zuweilen von 
der doppolten Breite) und dann ziemlich schnell in die Spitze verläuft. 
Nur in Ruanda haben die Schwertklingen der ganzen Länge nach bis kurz 

1) L. Rütimoyer in den v Mitteilungen aus der ethnographischen Sammlung der 
Universität Basel", Heft II, 181)5, S. 148. Abbildungen ferner bei Hartmann, Bd. II, 
S. 85. Ratzel: „Völkerkunde", 1) Bd. I, 8.581; 2) Bd. II, S. 325, 33, 427. 

2) Staudinger, S. 705/706. Naehtigal, Bd. I, S. 453. Passarge, S. 43C. Clapper- 
ton: „Zweite Reise*, S. 155 und 289. Nach freundlicher Mitteilung finden sieh in 
Paris gleiche Waffen mit der Angabe: „Senegambieu". Auch sollen sie in Timbuktu 
heimisch sein. 



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vor der Spitze die gleiche Breite. Eine Querparierstange fehlt Die Ver- 
breitung reicht vom Somaligebiet bis in das südliche Sansibarland und bis 
zum Tanj^anjika. 1 

Einen selbständigen Typus dieser Art haben demnach nur die Haufsa- 
völker und die Ostafrikaner herausgebildet, eine Erscheinung, die lebhaft 
an die gleiche Abwandlungsweise des asiatischen Bogens erinnert (vergl. 
auch die Schildformen!). — Wenn dieses Schwert in letzter Linie auch aus 
Europa stammt, so darf seine Verbreitungsweise doch auf asiatische Be- 
wegungen auf der Nordachse Afrikas zurückgeführt werden. 

2. Die Säbel und Säbelmesser. Neben dem „deutschen Ritter- 
schwert« fällt der „türkische Säbel" auf. Wir dürfen diese Gruppe um 
so eher kurz berühren, als diese maurischen Waffen ebenso weit verbreitet 
sind wie anderer kriegerischer Besitz der Mauren, wie ihre an der Mündung 
weit geöffneten Gewehre, ihre Ausrüstung der Pferde zu Kriegszwecken, 
ihre Panzer, Schilde u. s. w. 

Es sind wesentlich die zwei Grundformen des schmalklingigen, meist 
zweimal gebogenen Säbels und des breiteren ein-, seltener (so bei Haden- 
doa etc.) zweimal gebogenen Säbeldolches zu erwähnen. Im Nordosten 
tritt die Herkunft um so klarer hervor, als diese Waffen aus Arabien be- 
zogen werden. Im Westen, zumal in Senegambien ist die Einfuhr von 
Marokko aus bemerkenswert Tuarik und andere Wüstenvölker beziehen sie 
zum einen aus dem Norden, tragen sie zum andern nach dem Süden, wo 
sie den Formen der Südachse entsprechend sich verbreitert haben.* 

Es hat sich ein eigener Typus aus dem Bereiche dieser Waffen nicht 
herausgebildet, sie sind im Sudan nicht oder wenigstens nicht wesentlich- 
umgestaltet worden. Ihre Ausdehnung erstreckt sich im Südosten bis zur 
Sansibarküste hinab, wohin sie die Somal tragen; an der Westküste kommen 
sie vereinzelt zum Verkauf und im Sudan führen sie maurische Reiter in 
Adamaua und Baghinni. — Es mag jedoch Erwähnung finden, dafs sogar 
der mittlere Kongo und Gabun mit ihnen Bekanntschaft gemacht haben. 
Hier liegen auch die einzigen einigermafsen selbständig gewordenen Formen 
vor. Doch sind sie so selten, dafs sie kaum in Betracht kommen. 9 

3. Die Stilette und Dolche. Diese Waffen uehmen bei den Nord- 
afrikanern eine sehr verschiedene Stellung ein. Während Staudinger von den 

1) Baaniann: „Massailand", S.221; „ Usamhara", S. 233^234. Siehe auch Stuhl- 
mann und andere. 

2) Belegstück fast in allen wichtigeren Museen für Völkerkunde, besonders in 
Berlin, München, Leipzig. Abbildungen bei Paulitechke, Hartmann, Batzel etc. 

3) Zwei solche Formen sind abgebildet bei Stanley: „Dunkle Weltteil", Bd. IL, 
S. 261, und Ratzel: „Völkerkunde", 1) Bd. I, 8. 582; 2) Bd. H, 8. 326. 



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Haufsa versichert: sie kennen Dolche nicht, auch das Messer gebrauchen 
sie wohl selten als Waffe — beschreibt Nachtigal bei den Wadawi drei 
Formen: zwei Arradolche, einen kleineren, der über dem Ellbogen getragen 
wird und einen anderen am Handgelenk, etwa von der Größe unserer 
Hirschfänger, dazu noch ein langes Handmesser. Die Teda führen den 
Handdolch, welcher die Länge unserer Hirschfänger hat und den sie durch 
einen dreifingerbreiten Lcderring am linken Handgelenk befestigen, so zwar, 
dafs bei herabhängendem Arme dio Spitze nach oben sieht und der Kreuz- 
griff der Innenfläche der Hand anliegt. Seine Form ist stets dieselbe, da 
er ausschließlich aus den heimatlichen Werkstätten Bardalfs hervorgeht; 
höchstens wechselt seine Länge unbedeutend. Der Dolch der Tuarik ist 
vierschneidig, d. h. die Mittelrippe ist bis zur Bildung zweier neuer Schneiden 
entwickelt. Hinten bietet der Griff einen großen Handteller. Den gleichen 
Dolch führen im Süden die Sande. Schwere Dolche sind end- 
lich in Baghirmi (Norden), Borau und endlich dein Westsudan 
bekannt; in Futa Djalon führt ihn fast jeder, nur weuige da- 
gegen den gebogenen Dolch. Im Osten jedoch kommt er aulser 
bei Nubicrn, Abessyniern etc. eigentlich nur im Besitze der 
Galla vor, die ihn nach abessynischcm Vorbilde zum Abschnei len 
der Geschlechtsteile getöteter Feinde benutzen. 1 

Dem Süden zu gehen die Formen , an Schwere , Spitzigkeit 
und Dicke abnehmend, in die einen Formen über, die wir als 
Abkömmlinge der Speerklingen schon kennen gelernt halnm. 
Fig. 40 Eine Grenze ist nicht zu ziehen. Adamaua — Baghirmi wäre 
Spannmesser höchstens als Grenzzone zu erwähnen. 3 

aus Borgu Während aber alle diese Formen nicht Zeugnis von einer 

(Ethnograph, sonderlich selbständigen Entwicklung ablegen, haben wir doch 

. . ' . ' eiuo Ausnahme zu betonen: das Spannmesser der südwestlichen 
m Leiden). 1 

Sudanvölker. Schon Staudinger 3 lernte es bei den nicht- 
mohammedanischen Stämmen des Haufsalnndes zwischen Katill und Mundsclii 
kennen. Es ist ein seheidcnloses Messer. Der Griff wird fest über die 
vier Finger des Handgelenkes geschoben und das Messer dient erstens zum 

1) Staudinger, S. 705/700. Nachtigal, Bd. I, S. 453; Bd. III, S. 253. Paulitsrhke, 
S. 119. Cailliö, Bd. I, S. 161. Abbildungen bei Ratzel: „Völkerkunde*, 1) Bd. I. S. 532; 
2) Bd. II, S. 206, 502, 505. 

2) Abbildungen von Cbergaugsformen bei Nachtigal, Bd. II, S. 006. rassarge, 
S. 443, 471. 

3) Staudinger, S. 706. Abbildungen bei Passarge, S. 353. v. Luchan: „Bei- 
träge", Taf. XXIV, Fig. 17. Vergl. Morgen. In Leiden (ethnographisches Hciubs- 
museum) befinden sich Sammlung 73!) Nr. 148, 790. 708, 709, 817. 834, 841 etc. 
Spannmesser dieser Art aus Borgu und von den Ornoy- Negern I?) im Haursagebiet 



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Sinnen der Bogen und hat zweitens den Zweck, stets eine Waffe nach 
dem Abschiefsen des Pfeiles zur Hand zu haben, um Feinde, welche von 
der Seite oder gar vom Rücken her eindringen, niederstechen zu können. 
Es dient indessen auch als Werkzeug. 

Passarge hat solche Messer in Adamaua erworben, Krause in Borgu; 
es sind mir auch solche aus Mossi bekannt geworden. Ein interessantes 
Beispiel für Handel und Verkehr bietet ein Spanumesser typischer Borgu - 
Form, das am Nil erworben wurde. — Diese Messer bestehen aus einem 
Stück und sind nicht zusammengesetzt (vergl. Fig. 40). 1 Wie gesagt stellt 
es einige der wenigen, selbständigen Sudanmesser vor, deren Entstehung 
ims noch interessieren wird. 2 

Wir hätten hier eigentlich noch eine vierte Messerform zu erörtern: 
das Wurfmesser, ziehen es aber vor, diese Waffe gemeinsam mit den Wurf- 
hölzern zu besprechen und zwar in einem eigenen Abschnitte. 

Abgesehen also von diesem Wurfmesser können wir die Entwicklung 
der Schwerter, Säbel, Dolche und Messer im nördlichen Afrika trotz einer 
regen Zufuhr von ausländischen Formen als eine schwache und unselbständige 
bezeiclmen. Ganz anders werden wir dio Zustände in West -Afrika finden. 

c) Die Messer West- Afrikas. Im Gegensatze zu Ost- und Süd -Afrika 
mit seinen mangelhaften, kümmerlichen, zu Nord- Afrika mit seinen vielen 
fremden und wenigen selbständigen Messerformen treffen wir liier auf eine 
Fülle völlig neuer, beweglicher, in unglaublichen Variationen spielenden 
Grnndgestalten. Der Eindruck des Formreichtums, den die Betrachtung der 
Schilde und der Bogen wach rief, wird durch den üppigen Schatz der 
Messergestalten noch weit übertroffen. Auch ist die Untersuchung liier noch 
schwieriger. Schilde und Bogen boten wenigstens in kleinen Kreisen typische 
Formen. Das fällt bei den Messern ziemlich fort; hier hat jeder Stamm, 
ja jeder Mann so und sovielc verschiedene Messer. Das Launenhafte in 
der Verbreitimg tritt hier fast noch stärker hervor, während die Einheit- 
lichkeit im Gesamtgrundtypus fortfällt. Denn hier erstrockt sich die Variabi- 
lität nicht nur auf einen Ausgangsgegenstand, sondern mehrere. Das bemerkt 
schon der erste Blick. Streng symmetrische Messer mit gerader Grundachse, 
unsymmetrische Messer mit gerader Grundachse und völlig ungleichseitig aus- 

1) Die Ausschmückung derartiger Spannmesser ist häuög eine zierliche und 
eigenartige. Es werdon nämlich auf dem Griff nicht nur die gewöhnlichen Ritzen 
angebracht, sondern Rankenwerk und allerhand Schnörkel in Relief und Vertiefung. 
Unter anderem verweise ich auf dio Loidenor Stücke. 

2) Hier nur so viel, dafe wir fraglos eine zusammengesetzte Waffe in diesem 
Spanumesser erblicken dürfen. Ich bin geueigt, es für eine Eutwicklungsform der notd- 
afrikanischen Schlagringe zu halten, eine Aunahme, die ich noch zu erörtern haben werde. 



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gestaltete Messer mit gebogener Qrundachse zeigen sich hier bald in gewisser 
Ähnlichkeit und aus verschiedenen, weit entfernten Orten, bald völlig ungleich 
aus der gleichen Qegend stammend. 

Aus diesem jrrofsen Formschatze. der grösstenteils dem Kowrobecken 
angehört, greife ich zwei verschiedene Grundformen heraus, eine symmetrische 
und eine unsymmetrische Form. Im dritten Teile dieses Kapitels kommen 
dann noch die Wurfmesser des Kongobeckens zur näheren Betrachtung. 

1. Symmetrische und gerade Messer aus West-Afrika. Die 
naheliegende Annahme, dafs diese Messer des Kongogebietes ebenso wie die 
Süd- und Ost- Afrikas mit dem Blatte der Speere in Beziehung stehen, wird 
nicht nur von Reisenden, 1 sondern auch durch einen Vergleich der Formen 
bewiesen. So zeigen gewisse Lanzen der nordöstlichen Völker, z. B. Sande 
und Mangbattu unter dem spitzeiförmigen Blatte eine Zweiteilung des 
Eisens, die sich jedoch schnell wieder schliefst und nur eine Öhrbildung 
unter dem Blatte zur Folge hat An Messern aus diesem Gebiete sehen 
wir nun eine gleiche Eisenöse zwischen dem Griff und der Klinge. 8 Ferner 
zeigen einfach spitzeiförmige Messerklingen der Bonjo, Afuru, Babangi, 
Ngbirri, vom Sanga, der Bassongo Mino, Baluba etc. eine gleiche Ent- 
stehung bei vollkommener, formaler Übereinstimmung mit Speerklingen der 
gleichen Stamme an. 8 Ein bei Stanley abgebildetes Messer der südlichen 
Walogga hat sogar noch ein ziemlich langes eisernes Schaftstück zwischeu 
Klinge und Griff als Erbteil der Lanze. 4 

Doch sind diese einfachen Formen weniger wichtig wegen ihrer an 
und für sich nicht grofsen, den anderen gegenüber fast verschwindenden 
Anzahl als wegen des Hinweises, den diese Formen auch auf die Entwick- 
lung anderer Messer bieten. Thatsächlich zeigen auch diese anderen, durch 
ihre grofsen breiten Klingen, merkwürdige Gestalt auffallenden Messer zum 
gröfsten Teile Analogieen zu denen der Speerklingen. 

Fassen wir daher die Speerklingeu des näheren in das Auge. Wir 
sahen an den südafrikanischen Messern (Fig. 38) die spitzovalen bis spitz- 
eiförmigen Speerklingen noch an den Messern. Sie wiederholen im weseut- 

1) Wolf schreibt im Reisetagebuch am Unterlauf dos Kassai: „Als Messer dienen 
kleine und große Lanzenspitzen, welche, mit einem Iiolzgriff versehen, trotz der un- 
vollkommenen Bearbeitung ihrem Zweck genügen." Wifsmann-Wolf, S. 37G. 

2) Eine solche Lanzenspitze ist im Berliner Musetun z. B. lIlA b 276: Lanzen- 
spitze der Sande; Messer der Art ebenda III A b 761 < Mangbattu) III A b 1055 (Sande). 
Sammlung Langheld 160, 169 etc.: Messer der Badschua am Kongo. 

3) Abbildungen bei Jean Dybowski, S. 126, 129, 157; ferner bei Coquilhat und 
H. II. Johuston. Berliner Museum: 1110.3351»* Babangi; III C. 4067 Baluba; III C. 
4012 Bassongo Mino; III C. 4078 Lomaini; III C 3062 Tscbuaua. 

4) Stanley: „Dunklo Weltteil", Bd. I, S. 379. 



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liehen nord- und ostafrikanische Formen. Vielleicht 
kann man diese im Durchschnitt als breiter und 
starker bezeichnen. Aufserdem sind viele nordost- 
und nordafrikanische Speere durch Blutrinnen 
charakterisiert, eine Eigenschaft, die an den Messern 
wiederkehrt Ausnahmen von diesen spitzovalen 
Speerklingen zeigen nur Verbreiterung oben oder 
unten, oder Verlängerung oder Vergröfserung der 
Klinge im ganzen, oder aber die Pfeilfonn übt eine 
Einwirkung aus — wie ja die meisten westlichen 
Wurfspeere nicht mit diesen spitz- 
ovalen Speerklingen, sondern mit 
pfeilförmigen ausgerüstet sind — , 
aber sie bieten nichts tiefergehend 
Neues. Anders nun die Speorklingen 
des Kongogebietes, die in den mannig- 
faltigsten Gestalten auftreten. 

In Fig. 41a gebe ich eine der 
wichtigsten Speerformen wieder. Das 
Blatt ist sehr lang und in der Mitte 
von den Seiten leicht eingeschnitten. 
Dem Schaft zu läuft es nicht langsam 
aus, sondern schliefst in Bogenformen 
schnell ab. Diese Speerformen nun, 
die, wie wir sehen werden, einem 
grofsen Teile der westafrikanischen 
Messer die Gestalt verliehen haben, 
müssen verstanden werden, um den 
Messern gerecht werden zu können. 

Es mufs nun auffallen, dafs diese 
Formen nicht nur in Eisen vorkommen, 
sondern auch aus Holz gearbeitet. 
Nicht nur Stanley machte auf dem 
Marsche zur ersten Kongothal fahrt im 
Gebiet zwischen diesem Strome und dem Tanganjika 
Bekanntschaft mit hölzernen Speeren, 1 sondern wir 

l)StuhlmaDO,S.504. Ratzel: „Völkerkunde", 2) Bd. II, 
8. 263 Abbildung. Hölzerne Speero finden sich auch in 
der Sammlung Kollmanu des Leipziger Museums für Völker- 
kunde. Livingstone weife von den W'akonde zu berichten, 



41 a. 41 b. 
Fig. 41a. Speer 

der Basoko. 

(Antwerpen.) 
Fig. 4 lb. Ruder 
der Bonjo (nach 
JeanDybowski). 



Fig. 42. Eisengeld, 
Raderblatt und Speer- 
klingo von den Stanley- 
fällen (SIg. Kongostaat im 

Museum in Leipzig). 



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haben sie auch aus dem Nordosten kennen gelernt. Eine Privatsammlung 
hat midi Beispiele dieser Holzspeere aus Manjema kennen gelehrt. Sie hatten 
die gleiche Blattform. Und diese Form ist auch vielen Rudern aus dem 
gleichen Gebiete eigen (Fig. 41 b). 

Diese Verwandtschaft der Formen ist nicht nur auf eine Zufälligkeit 
ziiruckzufiihren. Riesengrofse Eisenklingen wie Fig. 42 sind heutzutage Geld ; 
bei festlichen Gelegenheiten dienen sie als Speerklingen und sonst als Ruder- 
blätter. Von Stanley ist das bestätigt worden. 
Am Aruwimi lernte er 3 m lange Ruder kennen, 
von denen einige eiserne Spitzen hatten. Da- 
neben fielen die gewaltigen Speere auf. — Dazu 
kommt noch als treffl icher Beweis dio Mitteilung 
Masuis, dars im Kongogebiet sowohl Häuptlinge, 
wie freie Männer, als auch sogar Frauen zier- 
liche Luxusruder gleichsam als Spazierstöcke 
benutzten. 1 

Die Formen der Si>eerblätter, für deren Her- 
vorgehen aus dein Ruder nicht nur die formale 
Verwandtschaft, d. h. 1. die aufserordentliehe 
Entwicklung der Klinge zur Breite und Länge 
und 2. die fundamentale Gleichheit derselben 
und der Ruderblätter, sondern auch ähnliche 
Verwendung und in dieser wechselseitige Be- 
einflussung und Austausch spricht, lassen sich 
auf zwei wichtige Grundformen zurückführen. 
Die Umrandung der einen Blattfblohe — siehe 
Speer Fig. 41a und Ruder Fig. 41 b — bezeichne 
ich als ausgcl>ogen . die Umrandung der zweiton 
als eingebogen. Die Lanze Fig. 43, deren Holz- 
schaft mit zwei Blättern versehen ist und ein 
Produkt der Baschobe* ist, zeigt beide Formen. 
Die obere ist aus-, die untere eingebogen. Der 
Unterschied liegt darin, dafs das erstere Blatt 
bogenförmige, das zweite spitze Vorsprunge zeigt. 
Eingebogene Blätter treten auch an Rüdem vom 
Kongo auf, das beweist Fig. 44. 




■ 




45a, 

Fig. 43 a oberes Blatt, b unteres 
Blatt eines Speeres der Ba- 
schobe. Fig. 44. Ruder (Welt- 
ausstellung in Antwerpen). 
Fig. 45 a. noheitszeichen in 
Ruderform von d. Savage-Insel 
(Mus. f. Völkork. in Leipzig). 



dafs sie wegen Eisenarmut hölzerno Speere benutzen. Liviugstoue, „Last Journals 14 , 
Bd. I, S.89. 

1) Masui, S. 100. 

2) Berliner Museum für Völkerkunde III C 3558. 



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— 03 — 

Die Messer nun zeigen einen Ausgang von den gleichen Formen. 
So mag eine Reihe von Abbildungen, Fig. 45 — 48, dio wesentlichen von 
Natur gebotenen 4 Spielfonnen zeigen. Fig. 45 ist oben und unten gebogen, 
Fig. 46 an der Griffseite (der Abbildung nach oben) gespitzt, unten gebogen. 
Fig. 47 obon gebogen und unten gespitzt und endlich Fig. 48 zeigt auf 
beiden Seiten oben und imten die seitlichen Spitzen. 

Während damit die wesentlichen Grundformen sich wenigstens einiger- 
maßen festlegen lassen, mufs jeder Versuch, die weiteren Gestalten in be- 
stimmte Gruppen zu bringen, an der unendlichen Variabilität scheitern. 1 
Es mufs uns genügen auf einige wesentliche Entwicklungserscheinungen 
hinzuweisen. Eine Beobachtung der durch die Randschwingung gebildeten 




45. 40. 47. 4S. 

Fig. 45. Messer der Bakumu (SIg. 
Langheld, Mus.f.VöIkerk.in Berlin). 
Fig. 46. Messer vom Mongalla (Lei- 
den, ethnogr. Reichs -Mus., S.958, 
Nr. 5). Fig. 47. Messer der Baluba? 
(Mus. f.Völkerk. in Berlin III C. 3957). 
Fig. 48. Messer vom Sanga (Leiden. 
Reichs -Mus., S. 958, Nr. 77). 




49. 50. 



Fig. 49. Messer der Baluba (Berlin 
III C 4065). Fig. 50. Messer vom 
Sankurru (Berlin III 4320). Fig. 51. 
Messer der Wakussu (Leiden, S. 863, 
Nr. 63). Fig. 52. Klinge eines 
Messers aus Bihe, Benguela (Mus. 
in Amsterdam). 



Ausbuchtungen oder Spitzbildungen führt zu einer Entstehung von Lappen. 
Solche mag man an Fig. 50 erkennen. Hier sind sie durch die übermäfsige 
Herausbildung der Biegung am Griffende entstanden. Anders dagegen 
Fig. 49, die eine Verkümmerung jenes bei Fig. 50 höchst entwickelten 



1) Deshalb ist auch ein Versuch, die Beziehungen der Völkor aus der Be- 
ziehung der Messerformen im Kongogebiet heraus zu erklären , wie ich ihn noch 1894 
(Globus Bd. LXV. S. 208) unternommen habe, verfehlt. Der Grund liegt im Besitze 
des Museums für Völkerkunde in Berlin, dessen Kongosammlungnn zumeist aus süd- 
lichen Gegenden stammen. Leiden dagegen, das ich seitdem aufsuchte, ist überreich 
mit Sammlungen des nördlichen Kongobeckens bedacht 



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— 94 — 



Teiles und dabei eine starke Ausbildung der Spitze zeigt. Oder aber die 
dem Griff zuliegenden Ausbuchtungen kommen nicht zur Entwicklung, da 
der Griff bis zur Mitte reicht. (Fig. 51 und 52.) Der Spitzenabschlufs 
schwankt zwischen einem Bogenende (Fig. 46) und einer langgezogenen 
Spitze (Fig. 51). Für andere Erscheinungen bietet diese auch dann Raum, 
wenn die kleine Spitze wie sie sich schon an Fig. 42 zeigt, wichst und 
eine neue Anschwellung zur Folge hat Wird sie sehr stark ausgebildet, 
so ergiebt sich eine Klingenform mit 2 statt 1 Einschnürungen und daher 
3 statt 2 Anschwellungen. Solche Form zeigt Fig. 52. 

Die fast stets sehr sauber aus Holz geschnitzten, mit Kupfer-, Eisen - 
und Messingdraht umwundenen oder Blech beschlagenen Griffe zeigen eine 
grofse Mannigfaltigkeit: Knoten, Teller, Spitzen, Kreuzhölzer. Oft sieht 
am Ende noch die Spitze des eingelassenen Klingeneisens hervor, die dann 
auch wohl zu einer eigenen Spitze ausgearbeitet wird , wie an Fig. 45. 
Keiner der Griffe, deren Entwicklung eine der praktischen Anwendung sehr 
natürlich folgende ist, vermag uns aber so zu interessieren wie die lange, 
hölzerne Spitze, die Fig. 51 besitzt. Woher stammt sie? Ich habe diese 
merkwürdigen Enden nur in zwei , allerdings greisen , aber so entfernt von- 
einander liegenden Gebieten nachzuweisen vermocht, dafs eine lokale Ent- 
wicklung ausgeschlossen ist. Sie sind einmal am Sanga und Ogowe und 
dann im Bassongegebiet zwischen Sankurru und Lualaba anzutreffen. Wir 
werden sogleich auch den Ursprung dieser Eigenschaft kennen lernen. 

Die Verbreitung anbelangend, kann aufser einer allgemeinen Um- 
grenzung des Kongogebietes wenig angegeben werden. Srtüüniann hat ver- 
wandte Formen im Nordostwaldo am oberen Ituri getroffen. Im Norden 
wiegen sie etwa bis zum Uelle-Ubangi über und verschwinden nördlich des 
oberen Ogowe. An der Westküste zeigen seltene Stücke, dafs sie auch hier 
einst eine lebhaftere Entwicklung, in neuerer Zeit ak>r Unterdrückung durch 
das europäische Buschmesser erfahren liaben. Im Süden reicht ihre Ver- 
breitung bis in das Lundagebiet, wo sie einen eigenen Typus (Fig. 52) ge- 
zeitigt liaben, den die portugiesischen Reisenden beim Casemba, Togge 
und Buchner bei den Angolastämmen und Muata Jamwo, Wolf beim Jakka- 
Fürsten Kassongo kennen lernten. Bei Baluba und Kalunda fehlt die üppige 
Entfaltung, sie tritt aber bei den Bas songe stammen zwischen Kassai und 
Lualaba desto lebhafter hervor. Hier kann Neigung zur Verbreiterung als 
allgemeine Tendenz, im nördlichen Kongogebiet dagegen eine solche zur 
Verlängerung hervorgehoben werden. Im mittleren Kongothale treten diese 
Formen gegenüber den im nächsten Absatz zur Besprechung gelangenden 
Messern bedeutend zurück. Nur auf der Strecke zwischen Mongalla und 
Aruwinii ist die Entwicklung einer Form, die zwischen Fig. 41 und 



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— 95 — 



4 



Fig. 52 liegt, für die allgemeine Bewaffnung von grofser Bedeutung ge- 
worden 1 

Wie es früher nicht möglich war in den analogen Fällen, so lafst 
sich auch für diese Messerformen eine Entwicklung in einer geographischen 
Richtung nicht nachweisen. Auch hier wieder müssen wir uns mit den 
Entwicklungsreihen der Formen begnügen und ihre Ureprungsform feststellen, 
wenn wir tiefer in ihre Urgeschichte eindringen wollen. 

Blicken wir nun noch einmal zurück, was uns die Beziehung der 
Formen gelehrt hat. — Wir können die Entwicklung der Speere aus den 
Rudern beobachten. Bis in die Einzel- 
heiten, nämlich den ein- und ausgebogenen 
Rand, stimmen Ruder- und SpeerblÄtter 
überein. Sie wechseln sich in der Ver- 
wendung ab, die eisernen Si>eere werden 
zu Rudern und die hölzernen Ruder dienon 
als Speere. Diesen Blättern entsprechen 
die Messerklingen. Wie jene nehmen sie 
eine zweifache Form der Randbildung an, 
demnach bald Spitzen, bald Bogen an den 
Seiten bildend. In .gewisser Launenhaftig- 
keit erstarren sie bald hier, bald da zu 
konventionellen Formen, ohne dabei irgend 
einem durchaus neuen Typus das Leben 
zu verleihen. 

Diese eisernen Messer sind also in 
letzter Linie aus einem Ruderblatte, also 
einem Holzgeräte hervorgegangen. Da ist 
es uns auch sehr interessant, sie auch als 
Holzwaffen im Kassaigebiete wieder zu 
treffen. Ein wunderschön geschnitztes 
Exemplar besitzt das Berliner Museum für 
Völkerkunde (Fig 53). Es stammt vom 
Kassai oberhalb der Sankurrumündung. Die 
feine Schnitzarbeit, die auf beiden Seiten verschieden ist, lafst Muster er- 
kennen, die auf die Textilindustrie zurück geführt werden müfsen. (Siehe 
das Ornament in der Mitte des Blattes!) Die Kerbmuster des Griffes sind 



V 



i 



Fig. 53. Holzmesser vom Kassai 
( Mus. f. Völkerk. in Berlin HI C.3535). 
Fig. 54. Holzmesser vom Kassai 
(Weltausstellung in Antwerpen). 



1) Abbildungen dieser eigentümlichen Messer bei Baumann: „Beiträge". S. 11. 
Hier mit der Angabe: Babangi. Femer bei Jameson. Berliner Museum für Völker- 
kunde IUC. 2062 , 2083, 2084. 2085. 3949, 4072, alle mit der Angabe Aruwimi; 
IIIC 3037 vom Kongo; HI Q 4071 „MopambaV 



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— 96 — 



die üblichen. Das zweite hier abgebildete Messer (Fig. 54) habe ich auf 
der Weltausstellung in Antwerpen gezeichnet, wo mehrere Exemplare dieser 
Form und einer anderen auslagen und den Vermerk trugen: „Kassai, couteau 
de bois, embleme de paix chez les Bakomos. 1 * Die erste nähert sich dem 
Typus Fig. 49, die zweite dem Fig. 50, sind also im wesentlichen der 
gleichen Entwicklung unterworfen und bieten nichts Neues in der Form. 
Ihr Vorkommen beweist aber wieder, wie nahe hier noch Holz- und Eisen- 
gerate verwandt sind, bringen somit nach dieser Richtung einen neuen 
Beweis fflr die Richtigkeit unserer Annahme: Entstehung dieser eisernen 
Messer aus dem hölzernen Ruderblatte. 

Wenn wir nach alle diesem nun die Frage nach dem Äufsersten 
Quellgebiet der Messerformen aufwerfen, so dürfen wir nicht nach Messern, 
sondern müssen nach Ruderblättern dieser Gestalt Umschau halten. Wir 
sind es schon gewohnt, den Blick von West-Afrika nach Oceanien zu werfen, 
wenn Probleme dieser Art gelöst worden sollen, ein Unternehmen, das auch 
diesmal von Erfolg gekrönt ist. Die vielen Ruderformen Oceaniens bieten 
viele entsprechende Erscheinungen, unter denen uns auch wieder die Ein- 
um! die Ausbiegung als bezeichnend auffallen. Ruder von Hortlock mögen 
für die letztere als Beispiel herangezogen werden. 1 Die Form ist an- 
nähernd die der Fig. 42. — In Oceanien werden die Ruder, wie diese, zum 
Tanzgerät, zur Keule und zum Hoheitszeichen. In Afrika entspricht die 
Entwicklung auch der einen Seite; sie werden zum Zeichen der freien 
Männer, Frauen und der Häuptlinge. — Den zweiten Typus der eingebogenen 
Formen mit Spitzen bietet Fidschi. Dies gleiche Gerät als Waffe und Häupt- 
lingszeichen in der Hälfte der Gröfse der Ruder besitzen auch die Samoanor 
und Savage- Insulaner. Die Abbildung eines solchen Instrumentes (Fig. 45a) 
zeigt uns auch gleich die spitzauslaufende End Verdickung, die an Fig. 51 
auffiel. Das ist sicher eine sehr interessante Parallelerscheinung. 

Es ist nun bei dieser Identität afrikanischer Ruderblatt-, S{>eerspitzen- 
und Messerklingen -Formen und oceanischer Ruderblätter von aufserordent- 
lichem Werte, auch in Oceanien diese Werkzeuge zur Waffe, und zwar 
zur Keule unigewandelt zu sehen. Ja, hölzerne Speerspitzen von Neu- 
Britannien zeigen ebenfalls diese Form, so dafs die Analogie sich noch 
weiter ziehen läl'st und wir noch mehr Berechtigung erhalten, diese afrika- 
nischen Messer auf occanischc, malajonigritisehe Ruder zurückzuführen. 5 

Die anderen symmetrischen und geraden westafrikanischen Messer zeigen 
ein Hervorgehen aus Beilklingen und Pfeilspitzen. Da sie jedoch weit 

1) Belegstücke: „Tanzruder von Mortlock*. Museum für Völkerkunde in Leipzig, 
Sammlung Godefroy. 

2) Belegstück: Sammlung Anderson, Museum für Völkerkunde in Leipzig. 



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— 97 — 




weniger häufig und wichtig sind, darf icli mir wohl ein Eingehen auf sie 
sparen, zumal hier die Thatsachen ganz klar zu Tage liegen. 

2. Asymmetrische und ungerade Messer aus Westafrika. Was 
oben von der Verbreitung der vorigen Messerformen gesagt wurde, gilt im 
allgemeinen auch von der der vor- 
liegenden. Auf eine Abweichung 
werden wir später zurückkommen. 

Um mich möglichst kurz 
fassen zu können, sind diese Messer 
von vornherein in der Reihenfolge 
zur Darstellung gebracht, die ihre 
Formen etwa durchlaufen haben. 
Fig. 55 — 58 zeigen die Formen, 
die noch symmetrisch insofern 
genannt werden können, als hier 
nur die Biegung der Spitze, diese 
allerdings in zunehmendem Mafse, 
nach einer Seite, der rechten oder 
inneren, wie wir sie nennen wollen, 
die Regelmäßigkeit abgebrochen 
hat. Dabei steht Fig. 55 den 
Messern Fig. 5G — 58 
gegenüber. Das Blatt 
der erstoren Waffe ist 
einfach spitzoval mit 
ol>erer Biegung. Die 
anderen drei jedoch 
sind an der Basis ab- 
gesetzt, so dafs beider- 
seits ein Dorn, eine 
Spitze entsteht. Diese 
Erscheinung ist nicht 
allein auf die zu- 
nehmende Breite zu- 
rückzufahren. Frag- 
los liegt hier noch ein 



Messer vom Sanga (Museum im 
zoologischen Garten in Rotterdam). Fig. 56. 
Messer der Mangbattu (städtisches Museum 
iu Frankfurt). Fig. 57. Messer von der West- 
küste (Mus. f. Völkerkunde in Berlin III C. (331). 
Fig. 58. Enthauptungsschwert aus Dahome 
(Museum im Yachtklub in Rotterdam). 




59. 



60. 



61. 



62 



Fig. 59. Messer aus dem nördlichen Kongogebiet (Museum 
in Leiden, S. 484, Nr. 4). Fig. 60. Sceptermesser der 
Pharaonen (nach Hartmann). Fig. 61. Messer vom Sanga 
(Museum tri Leiden, S. 958, Nr. 83). Fig. 62. Messer vom 
Kongoflufs (Museuni im Yachtklub in Rotteidam). 



Einflufs der vorher er- 
örterten Messerfonnen vor, die ja von vornherein eine solche Bildung begünstigen. 

Ebenso verständlich sind die weiteren Vorgang«.'. Durch die Unibiegung 
der Spitze ist eine Schwerpunkts Verschiebung gegeben, die eine verschiedene 

FroKcnius, Afrikanische Kulturen. 7 



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— 98 — 

Ausbildung der beiden Seiten ganz naturgeniäfa zur Folge hat. Die beiden 
Spitzen geraten in Bewegung und mit zunehmender Schwöre der Waffe 
rückt die untere (äiüsere) nach unten (Fig. 58, Cl, C2), wird an Fig. 62 
zu starker Verbreiterung und verschwindet (Fig. G3 — GG). Dabei ist wohl 
l>eiuerkenwert , dafs auf dieser äufseren Seite nun auch (Fig. 64) die Schneide 
wegfällt. Am bekanntesten von allen diesen Waffen wurden durch Schwein- 
furth und Junker die r yataganähnlichen Sftl)elinesf»or tt der Sande, die eine 
Klinge etwas schmaler wie Fig. Gl mit einer kleineren Verbreiterung an 
der Spitze, als sie Fig. G2 besitzt, aufweisen. 1 Als Trninbasche der Maug- 
battu und Momfu sind Messer wie Fig. 5G, 59 2 und G-4 durch Junker und 
Sehweinfurth uns vertraut geworden. Nach dem Wesen der Waffen und 
Erkundigungen sind es jedoch keine Wurfmesser, was aus dieser Bezeich- 
nung geschlossen werden konnte. 
Mit diesen Mangbattu - Messern 
steht die Hypothese ägyptischer 
Ver\vandt>eltaft in Beziehung. 
Wenn man nun ein solches 
ägyptisches Scoptennesser, wie 
es in der Hand der Pharaonen 
zu Knrnak, Medinet, Abu Derr 
und Abu Simbil dargestellt ist 
(Fig. GO nach Hartmann, dem 
eifrigsten Verfechter der Hypo- 
these, dafs die Mangbattukultur 
von der dos alten Kulturlandes 
am Nil abstamme), mit den 
Mangbattuwaffcn vergleicht, so 
wird man eine Beziehung nicht 
abstreiten können. Doch ist sie umgekehrt zu suchen. Dafür logt dreierlei 
Zeugnis ab: 1. Die sämtlichen inner- und westafrikanisehen Säbelmesser zeigen 
eine Mittelachse, die, wenn sie verschoben wird, an den Aulsenrand rückt; 
dadurch wird ja z. B. Fig. G4 zur einschneidigen Waffe. Das Messer der 
Pharaonen zeigt aber die Mittelachse au den Innenrand verschoben (man 



1) Diese Formen wurden als Sande -Säbel abg* lüKIet von Sohweinfurth. Junker, 
Heuglin, Maruo, von Stanley als A-Babua- Messer, von Baumanu als solche der Bnssoko. 
Stucke des Berliner Museunis sind in YainbitiL'a, an der I/omainimündutig (eine Miniatur- 
ausgabe;) und besonders am Aruwimi gesammelt. Jameln bringt ein Mes>er der 
Bassoko gleich Fig. 05. aber ohne den Dorn an der Innenseite zur Darstelluug. 

•_>i Abbildungen bei Junker. Bd. III. S. IL*_\ Katze!: „Völkerkunde-, 1) Bd. 1, 
S. 510. Stuhlmaun, S. r.OG. Sehweinfurth. S. 




G3. 64. «5. GG. 

Fig. <»3. Messer vom Sanga (Museum in Leiden, 
S. 9.">8, Nr. 83). Fig. G-l. Messer vom Kungo 
(Mus. in Leiden, S.4S4, Nr. 10). Fig.G5. Messer 
vom Kougi.»(im Besitze des Verf.). Fig. GG. Messor 
dor Yangere (Slg. Flegel im Borliner Museum). 



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— 99 — 



rekonstruiere an Fig. CO eine Mittellinie, wie sie Fig. 59 bietet), so dafs der 
innere Absatz zu einem auswachsenden Dorn, statt als Dornfortsatz ausgestaltet 
ist. Das deutet also eine seitwärts von der Entwicklungsstrafse vor sich ge- 
gangene, in gewisser Weise dem Mißverständnis seine Entstehimg verdankende 
Neubildung an. 2. zeigt wohl "West- und Innerafrika eine Entwicklungs- 
geschichte der Waffe, nicht aber Ägypten oder Westasien, denn 3. hier steht 
die Form vereinzelt da. Also liegt im ägyptischen Sceptermesser eine Ab- 
zweigung innerafrikanischen Waffenwerkes vor. 

Westafrika bietet im Gegensatz eine reiche Fülle 
von Formen, die in entwicklungsgeschichtlicher Be- 
ziehung stehen. Wir haben nur eine verhältnismäßig 
kleine Anzahl gebracht, weil es weniger der Zweck 
dieser Abhandlungen ist, erschöpfend alle Nuancen der 
Entwicklung zu bieten, als die Entstellung zu verstehen. 
Die einfache Grundform, auf die ziiriickgegriffen werden 
mufs, ist aber fraglos 
in einer Bildung wie 
Fig. 55 zu suchen. 

Dafs auch diese 
eigenartigen Messer 
auf Holzw affen zurück- 
zuführen sind, ist aus 
dem Vergleich von 
Fig. G7, einem Holz- 
messer des oberen 
Tschuapa, mit Fig. 55 
leicht ersichtlich. Bie- 
ten doch diese, im 
Kerne des Kongo- 
lieckens nicht so sehr 
seltenen Holzwaffen 
auch für die Erschei- 
nung des Absetzen* und Dornenbildens an der Basis der Messerklinge, wie 
Fig. 69, eine Holzkeule der Kanioka Belegstücke. Auch finden sieh sonst 
Extreme in der Entwicklung dieser älteren Waffen. Fig. 70 stellt die ent- 
wickeltste Form, Fig. GS die niedrigste dar. 

Nun gilt es aber einen Unterschied zu ziehen bei weiteren Schlüssen. 
Ein gebogener Stab wie Fig. 08 bietet noch nicht die „Blattfläehe*. Die 
gebogenen Stäbe finden sich bei allen Nigritiern, auch bei den Australiern. 
Aber die Blattbildung, also eine Verbreiterung der Hauptfliiehe läfst sieh 

7« 




J 



GS. 61). 70. 
Holzkeulo vom oberen 
Fig. 88. Holzkenle der 
Imballa. Fig. G8. Holzkeule der 
Kanioka (alle drei im Berliner Mus. ). 
Fig. 70. Holzwaffe aus Westafrika 
( Museum in Leiden). 




Fig. 71. 
Keule von den Salo- 
monen (Museum in 
Leipzig, Slg. Godo- 
froy, Nr. 1212). 



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— 100 — 



nur an Keulen der Malajonigritier nachweisen. Ich wenle auf S. 109 hierauf 
zurückkommen. Typische Verwandte der afrikanischen Form (Fig. G7) finden 
sich z. B. auf den Salomonen, von wo wenigstens eine Keule dieser Art, 
allerdings ohne die feine Ornamentierung, die sie schmückt, wiedergegeben 
werden möge (Fig. 71.) 

Die Verbreitung dieser Messer in Afrika ist eine sehr eigenartige. 
Während nämlich die hölzernen Urformen (Fig. G7 — 70) auch im inneren 
und südlichen Kongobecken heimisch sind, fehlen die eisernen Messer hier. 
Diese wurden desto häufiger vom Kongo nordwärts bis in das südliche 
Adamaua (Fig. 6G) und von dem Manbattugebiete bis an die Westküste, 
an dieser hinauf bis zu den Bissagos -Inseln 1 gefunden. Im folgenden 
Teil ül>er die Wurfmesser werden wir die Erklärung für diese merkwürdige 
Verbreitung kennen lernen. 



III. Die afrikanischen Wurfkouleii, Wurfhfllzer, Wurfhiesser. 

Es ist sehr bedauerlich, dafs die Reiselitteratur den Unterschied 
zwischen Wurfholz und Wurfkeule so aufserordentlich selten berücksichtigt. 
Unter Keulen dieser Art haben wir hölzerne Stöcke, die bald länger, kild 
kürzer, bald stark, l»ald wenig verdickt, ImUI gebogen, meist aber gerade 
sind, deren wesentliches Merkmal aber in dem meist kreisrunden, seltener 
(quadratischen Durchschnitt liegt. Die Wurfhölzer dagegen zeichnen sich 
vor allen Dingen durch den streifenförmigen Durchmesser aus. Es sind 
platte Waffen, die in den meisten Fällen nur einfach gekrümmt sind. Be- 
tnichten wir nunmehr die Bedeutung und Verbreitung dieser Waffen im 
afrikanischen Kriegs- und Jagdwesen. 

a) Die afrikanischen Wtirfkculc». Die bekanntesten Wurfkeulen sind 
die des Südens, die gemeiniglich „ Kirri u genannt werden. Bei den Hotten- 
totten führen die Ilolzsehilde diesen Namen. 2 Die Kirri sind häufig als 
die gefährlichsten Waffen der Kaffern bezeichnet worden. Es sind kurze, 

1) Ob das Sccptermesser des Muata Jamvo in diese Gruppe gehört, ist trotz 
Pogges Mitteilung über seine wundersame gebotene Gestalt nicht festzustellen. .Pogge, 
S. 234. Gekrümmte Messer von der Westküste werden erwähnt: Bissagos- Inseln, 
Allg. Bist. d. K., Bd. II. S. 427. 4ÖO. Nord-Guinea, B-sman. S. 226; Allg. Bist d. R., 
Bd. III. 53. 4ÖÜ; Bd. IV. S. 10». Bowdieh, S. 117. Adamaua (Süden), Passarge. S. 436. 

2) Wenigstens in Anmerkung soll auf die linguistische Verwandtschaft afri- 
kanisch -nigritischer und australisch -nigiitischer HolzwaftVn hingewiesen werden. Kirri 
heifsen die Stoekschildc der Hottentotten (Kiurr die der Dinka). sowie die Wurf- 
keulen der Kaffernstämmv. Kerrern oder Gee-am heifsen gewisse Speersclnlde der 
Australier Südostneuhollands. 



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101 — 



rundliche, mit einem dickJaigelförmig angeschwollenen oberen Ende versehene 
StOcke. Holub nennt sie die gefürchtetstc Waffe der Zulu -Rasse, der Matabele-, 
Swazi-, Zulu - u. s. w. Krieger. Am wirksamsten von allen "Waffen in der Hand 
derDamara nennt Ratzel dieKirri, dieses sei Mittelding von "Wurf- oder Schlag- 
stock und Ketde. Im Wurfe toten sie mit grofser Sicherheit damit kleinere 
Tiere. Jeder Daraara führt in seinem Schnurgurte einige dieser Waffen. Am 
genauesten hat sie Fritsch erörtert, der sich folgendermafsen über sie äufsert: 
Bewundernswürdig ist die Gewandtheit der Kaffern mit der Wurfkeule, 
Induku, gewesen. Die Waffe dient sowohl zum Schlag als zum Wurf; ihr 
Gewicht ist daher nicht sehr bedeutend, die Länge wechselt zwischeu 40 
und 70 cm. Die gewöhnlichste Form, welche man beständig in der Hand 
der Kaffern sehen kann, ist aus schwerem Holze von grofser Festigkeit 
(wilde Olive, Stinkholz, Eisenholz) so gewonnen, dafs man Stammchen oder 
einen Ast mit Erhaltung des sich daran anschliessenden knorrigen Teiles 
der Wurzel oder des Stammes herausschneidet, und den letzteren alsdann 
zur Keule abrundet, den Ast selbst aber als Stiel benutzt Seltenerfindet 
man im eigentlichen Kaffernlande Kirris aus dem Horn des Rhinoeeros, 
welches Tier in diesen Gegenden beinahe schon gänzlich ausgerottet ist. 
Der Kirri in seiner gewöhnlichen Gröfse und seinem gewöhnlichen Gewicht 
ist keine sehr furchtbare Waffe, und es gehört schon eine gewisso Ausdauer 
dazu, um den dicken, mit dichtem Haarpolster bedeckten Schädel eines Kaffern 
damit zu durchdringen, wie sich oft genug gezeigt hat; aber als Wurfgesehofs 
leistet er in den Händen der Kaffern wirklich Erstaunliches. Es ist natürlich 
Übertreibung, wenn behauptet wird, kein Feind könne ihm entfliehen, solange 
er seinen Kim bei sich habe; ein Wurf mit einer so leichten Waffe wird, 
unglückliche Zufälle abgerechnet, keinen Menschen im Laufe aufhalten, 
wohl aber kleine Antilopen, Hasen, Klippschiefer, Perlhühner und ähnliche 
kleine Tiere. Nach solchen wirft der Neger den Kirri auf 20 — 30 Schritt 
und trifft dasselbe häufig im vollsten Laufe, obgleich die Geschwindigkeit 
des in der Luft sich drehenden Holzes keine sehr grofse ist; die Kraft des 
Wurfes reicht hin, um kleine Tiere zu betäuben, oder ihnen ein Glied zu 
brechen, worauf die Hunde des Jägers das Werk vollenden. Auch Yögcl 
im Fluge fallen ihrer Geschicklichkeit im Werfen dieser Waffe zur Beute. 
Bei den Ama-Zulu scheint diese Waffe zugleich als Spielzeug zu dienen 
und zwar in ähnlicher Weise wie die kleinen Stöckchen europäischer Stutzer. 
Bei ihnen sind aus der Waffe des Nashorns verfertigte Kirris schon häufig, wenn 
auch anscheinend nicht in dein Mafse wie bei Betschuana und Marutse u. s.w. 1 



1) Fritsch, S. Gß uud 120. Ratzel: „Völkerkunde*. 1) Hd. I, S. 328,320. 
Holub: „Sieben Jahre*, Bd. IT, S. 37Ö; „Kulturskizzo*. S. 110. 



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— 102 — 

Im nördlichen Teile Afrikas tritt die Keule als Wurfwaffe zurück. 
Die Angabe, dafs in Abessynien Wurfkeulen auf der Jagd Verwendung 
finden, dürfte dahin zu modificiereu seiu, dafs es sich um Wurfhölzer handelt. 
— Ein Bericht über die Wurfkeulen in Weida an der Goldküste beschreibt 
diese eine Elle lang und 5 — 6 Zoll dick, sehr rund und eben, an einem 
Ende mit einem Kolben eine Hand breit und drei Finger dick versehen. 
Jeder Krieger soll 5 — G "solche Waffen bei sich führen ; sie sollen feiner 
aus schwerem Holze bestehen und in der Hand eines geübten Mannes 
nicht ungefährlich sein, denn wo sie nur hinfallt, da zerschmettert sie alles 
und zerbricht die Gliedinaisen. Eine Abbildung bei Barbot erweist, dafs 
das, was die Beschreibung des Blattes schon ahnen läfst (eine Hand breit 
und 3 Finger dick), zutrifft; es liandelt sieh hier um ein Wurfholz. 

Auch andere Mitteilungen aus Nordafrika wissen nichts von Wurfwaffen 
dieser Art zu melden. Es wurden stets nur Schlagkeulen erwähnt. Bei 
den Fulbe sind diese eisenbeschwerten Waffen, die zum Teil ihren süd- 
afrikanischen Verwandten, den Kirris, in der Form sehr gleichen, sehr 
wichtig. Sie vertritt bei ihnen gewissermafsen die Streitaxt, sagt Passarge. 
In Wadai hängen diese Keulen am Sattel. 1 Alter auch sonst ist dio Keule 
dem Norden zu in wenig kräftiger Entwicklung begriffen. Den Massai dient 
sie nach Baumann zum Begleiten der Rede durch Gestikulation, im Kongo- 
gebiet wird sio zierlich geschnitzt, mit Menschenbildern und allerhand 
sonstigem Bildwerk versehen und gilt als Scepter und Hoheitszeichen. 

Demnach wäre der Südachse die Wurfkeule und — wie wir sehen 
werden — der Nordachse das Wurfholz zuzuerteilen.* 

b) Die afrikanischen Wurfhölzer. Das Wurf holz, eine gebogene, flache, 
meist gleichbreite, streifen fürin ige Holzwaffe, ist im ganzen Nordafrika nach- 
gewiesen. Die alten Ägypter verwandten es zur Vogeljagd. Solche Waffen 
der Tuarik liegen in London; Marno liat sie bei den Bertat, Hartmann bei 
den Fundj kennen gelernt. Wurfhölzer aus Senegambien sind elienso wie 
solche aus östlich hiervon gelegenen Gebieten nach Europa gelangt. Zumeist 
scheinen sie hier der Jagd auf Hasen, Geflügel und kleine Vierfflfsler zu 
dienen. Jedoch machten auch die Engländer in ihrem unglücklichen Mahdi- 
Feldzug mit ihm Bekanntschaft Auch alte Waffe nlresehreibungen von der 
Goldküste erwähnen ähnliche Geräte. 

Es ist jedoch weniger wesentlich, die Verbreitimg über die Nord- 
achse nachzuweisen, als die Beschränkung auf dieses Gebiet. Es liegt, 

1) Passargo. S. 13(3 (Abb.). S. 87. 119, 123, 258. 2S5r Höhnel, S. 604. Stau- 
dinger, S. 708. Kachtigal. Bd. III. S. 2öS. Clapperton: „Zweite R<ise-, S. 155. 

2» Auch auf der Yeibindun^aehse ist dio Wurfkeule nachzuweisen Dinka 
und Schilluk verstehen sie trefflich zu führen. 



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— 103 — 



soweit meine Kenntnis reicht, kein Zeugnis für ein südliches Vorkommen 
vor. Auch das Kongogebiet liat noch kein Wurf holz geliefert. 

Allerdings besitzen einige südafrikanische Stämme Holzwaffeu, die in 
Betracht gezogen werden müssen. Da sind zunächst die „Wurfstöcke" der 
Mamtso erwähnenswert Es sind das meist 1 — 1 Vs m lange > finger-, doppel- 
fingerdieke, aus liartem Holze hergestellte Stöcke, die am oberen, etwas 
dickeren Ende, bisweilen auch an den beiden Enden mit einem spiralförmig 
gewundenen Eisenbando versohen sind. Diese Stöcke werden meist als 
WurfwafFe auf grössere *\Vasservögel gebraucht, die man in geräuschloser 
Bootsfahrt in den Binsen und längst den Rohrdickichten überrascht oder 
auf sonstiges kleineres Wild und Raubgetier, das man beschleicht. Ein 
solcher Stock ist auch in der Regel ein steter Begleiter eines Unterthanen 
im Marutse- Reiche, wenn er sich auf Reisen begiebt. — Der Rackuin der 
Hottentotten fernerhin ist von Oliven- oder Eisenholz 
geschnitzt, ist etwa einen Daumen dick und nicht 
mehr als einen Schuh lang; an einem Ende ist er zu- 
gespitzt. „Sie gebrauchen ihn wie einen Wurfpfeil 
und bedienen sich seiner auf eine merkliche Weite, 
fast ohne jemalen zu fehlen" — so versichtert der alte 
Kolben. 1 

Es ist klar, dafs dies keine Wurfhölzer in unserem 
Sinne sind. Sie besitzen keine Krümmung und keine 
Schärfe; sie sind im Querschnitt offenbar nmd. Wenn 
wir hier also auch keine der gesuchten Werkzeuge vor 
uns haben, so interessieren dieso Hölzer doch. Denn 
Wurfkeulen sind diese Waffen auch nicht: wir haben 
eine dritte Gruppe von Wurf - Holz waffen vor uns. Das 
erinnert zu sehr an australischen Reichtum an solchem 
Wehrz,eug, um nicht aufzufallen. Und in diesem fehlt 
der Wurfstab auch uicht, ebensowenig wie das schneidige 
Wurfholz und die stumpfe Wurfkeule. Dazu besitzen die Australier den 
gleichen Stockschild. Das ist aber nigritischer Besitz an Holzwaffen. 

Dabei ist für Afrika bezeichnend , dafs jede der drei Holzwaffen kaum 
eine zweite neben sich duldet. Die Hottentotten haben nur den Wurfstab, 
die Südvölker nur die Wurfkeule, die Nord Völker nur das Wurfholz, das 
sich in deren Händen zu einer der merkwürdigsten Waffen entwickelt hat. 

c) Die afrikanischen Warftnesser. Die Wurfmesser der Neger sind von 
H. Schurtz im Internationalen Archiv für Ethnographie 1889 sehr eingehend 




72 b. 

Fig. 72 a. Wurfholz 
aas Darfor (Mus. f. 
Völkerkunde i.Wien). 

Fig. 72b. Alt- 
ägyptisches Wurfholz 
(agyptologiscb.es Mus. 
in Berlin, Nr. 1077). 



1) Holub: .Kulturskizze-, S. 116; .Sieben Jahre", S. 374; Kolben, S. 8G und 87. 



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— 104 — 



besprochen und es ist für die Gründlichkeit dieses Autors und die Richtigkeit 
von dessen Sehlufsfolgerungen selir bezeichnend, dafs, trotzdem seit damals 
einige der wichtigsten Gebiete, über die die Waffe verbreitet ist, erst 
eröffnet sind, nicht viel Neues zu seinen Darlegungen hinzuzufügen ist. Wir 
können uns daher auf seine Arbeit im weitesten Sinne stützen. 

Schultz giebt folgende, alle Formen umfassende Schilderung der Waffe: 
Das Wurfeisen ist eine messerartige, schneidende Wurfwaffe, aus Eisen 
gefertigt, in der Regel mit einer oder mehreren vorspringenden Klingen 
versehen, die mit dem eigentlichen Messer in einer Ebene liegen; ein mehr 
oder minder kunstvoller Griff fehlt fast niemals. Die Waffe wird horizontal 
geschleudert, wobei sie Drehungen um sich selbst beschreibt und, wenn 
sie trifft, durch ihre schneidenden Flächen wirkt. 

Die Verbreitung der Waffe im Norden, Osten und Süden darzustellen, 
ist leicht: im Westen ist ihre Ausdehnung unbekannt, im Norden über- 
schreitet sie das Gebiet der Teda nicht, im Osten erstreckt sie sich 
nicht über Senaar. Die nördlichsten und südlichsten Stämme bevorzugen 
das Wurfmesser am meisten, nämlich die Tu und die Völker zwischen 
Adamaua und Baghinni. Ober seine Südgrenze haben wir uns später klar 
zu werden. W r ie weit im Westen diese Waffe zu den bevorzugteren gehört, 
ist, wie gesagt, nicht ganz sicher; in Borau führte es noch zu Rohlfs 
Zeiten die Fufsarmee. — Ein Messer dieser Art brachte Rüpj»el aus Kordofan 
mit; Hartmann lernte es bei den Fundj kennen. Die Völker Dar-Bandas 
führen „kurze Wurfeisen." 1 

Die grorse Menge der Formen dieses Wehrstückos läfst eine Entwicklung 
recht wohl erkennen. Es handelt sich zumal dämm, Klarheit über das 
, . . . Anwachsen der Klingenzahl zu 

~ 



gewinnen. Eine schematische 
Zeichnung führt ein schnelles 
Verständnis herbei. An dem 
/ einfach gebogenen Eisen entsteht 
auf der Innenseite ein Ausläuferfc, 
der dem Zwecke der Trag- 
erleichterung — das Wurfeisen 
wird gewöhnlich über die Schulter 
gehängt getragen — oder der Schwerpunktsverschiehung dient, wogegen c aus 
der Grundachse des gebogenen Stabes aufwächst Dieses neue Blatt nimmt 
aber im allgemeinen eine dienende Stellung ein und liat seine senkrechte 

1) Xaditigal, Bd. I, S. 452 453; Bd. II. S. 368. 531, 5SU, 605, 650; Bd. III, 
S. 183. Barth, Bd. II, S. 642; Bd. III, 8.178. Ratzel: .Völkerkunde", 2» Bd. II, 
S. 424 und 505. Uartmann, Bd. II, 8. 85. R.-ldfs. IM. II, 8. 5. 




Fig. 73. Die Entwicklung 
der Wurfeisenklingen (nach Schurtz). 



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— 105 — 



Stellung bald eingebüfst. Der Vorsprang d entsteht als kleiner Haken, der 
der Griffbildung durch eine Umschnürung zunächst Halt bietet, sich jedoch 
später sehr frei und kräftiger als selbständige Klinge entwickelt. Der Grund- 
zug der ganzen Entwicklung ist: Streben nach möglichst strotzender Klingen- 
menge. Es mag das darauf zurückzuführen sein, dafs das Wurfeisen in der 
Kichtung dieser Entwicklung eine Drohwaffe wird, die ein möglichst schreck- 
liches Werkzeug dem Feinde scheinen soll. 

Diese Entwicklung vermag man aus der Nebeneinanderstellung von 
Fig. 74 — 77 sehr gut zu ersehen. Nun hat schon Schultz darauf hin- 
gewiesen, dafs das grofso Gebiet der Verbreitung und die grofse Menge der 
Formen in zwei Gruppen geteilt werden können. Schurtz unterscheidet eine 
nördlicho Vcrbreitungszono und eine südliche: Zu der ersteren gehören die 
Wurfmesser der Teda, Bornus, der Marghi, Musgu und Tubori, der Wandala 
und Logone, dann die 
Stämme, die Baghirmi 
im Süden umgrenzen und 
endlich Senaars und Kor- 
dofans, wir können also 
kurz sagen: alle "Wurf- 
messer der Nordachsen- 
völker. Was sie den 
Formen des Südens gegen- 
über vereinigt, ist: Fehlen 
des Vorsprunges d und 
jedweden schmückenden 
Auswuchses, wesentlich 
gleiche Breite der Klinge, 
an allen 1 — 3 Klingen, 
Einfachheit des Griffes (eine Umschnürung mit Strick oder Draht). Es sind 
also einfach praktische Waffen (Fig. 74 — 76). 

Fassen wir nun dem gegenüber die AVurfmesser des Südens in das 
Auge. Fig. 77, das aus dem südlichen Adamaua stammt, ist ein gutes 
Beispiel. Da ist zunächst d hinzugetreton. Die oberen Spitzen a, b und c 
sind wolü noch erhalten, aber es ist an Stelle jener hochehrbaren drei Spitzen 
hier ein lustiges Völkchen möglichster Un Gebundenheit getreten. Der Vor- 
sprung b hat sich aus seiner einsamen Stellung am Unterteile zu den 
Kameraden a und c verfügt. Diese leiden nun blicken nicht mehr mit der 
früheren Geradheit in die Welt, sondern geben heiterer Zaekenbildung (c) 
und fröhlichen Krümmung (a) Raum. Fig. 78 ist etwas gröberer Natur, 
zeigt al>ereine übermäfsige Anschwellung der Glieder an Stelle jener schlanken, 




74. 73. 70. 77. 

Fig. 74 und 76. Wurfmesser der Musgu (nach Barth). 
Fig. 75. Wurfmesser der Fundj (Mus. auf der Chrischona). 
Fig. 77. Wurfmesser aus Adamaua (Slg. Flegel, Mus. 
f. Völkerkunde in Berlin). 



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— 106 — 



gleichmäfsigen Magerkeit, die gute Kriegswaffen (Fig. 74 — 7G) auszeichnen 
soll. Nun, wir haben hier auch keine Kriegssache mehr vor uns, sondern 
„Geld" und für den biederen Rentier ziemt sich solche Leibesbeschaffenheit 
recht wohl. 

Fig. 79 zeigt Verlust von b, eine Eigenschaft, die, wie schon erwähnt, 
fast (Fig. 78 ist die einzige bekannte Ausnahme aus dem Süden) allen 





78. 79. 80. 

Fig. 78. Wurf messer als Geld vom oberen Mongwandi (Museum in Leiden , S. t»4t>. 
Nr. 27). Fig 79. Wurfmesser vom Stanley -Pool (Museum in Amsterdam). 
Fig. 80. Wurfmesser der Fan (Museum für Völkerkunde in Leipzig). Fig. 81. 
Hölzernes Messer vom Kassai (Weltausstellung in Antwerpen». 

Messern südlich von Baghirmi und 
Adamaua eigen ist Auf Fig. 80 ist 
die Verschmelzung der Klingen a und 
c im Werden begriffen. Fig. 81 end- 
lieh, auf das wir noch zurückkommen 
werden, stellt ein hölzernes Messer 
vom mittleren Kassai vor und ist (wie 
Fig. 54) bezeichnet als: „Oouteau de 
bois, embleme de paix, chez les Ba- 
komos". Es zeigt Vorsprung c als 
kleines Restchen in der Verlängerung 
der Grundachse, also wo es ja hin- 
gehört. Auch d ist ziemlich erhalten. 

Ich schliefse, ehe ich die Frage 
beantworte, was diese wunderliehe 
Entwicklungsweise bedeute, noch eine 
Thatsache an. Es ist nämlich noch ein Vorkommen von Wurfmessern zu 
erwähnen und zwar am linken Kassaiufer, nördlich von der Einmündung 
des Sankuru. Diese Messer (Fig. 82 u. 83) haben den lobenswerten Zweck, 




N2. 83. 



84. 



85. 



Fig. 82 u. 83. Messer vom Kassai (Mus. 
f. Völkork. in Berlin LUC. 3325 u. 3323). 
Fig. 84. Messer der Bona Lussambo 
(ebenda III C. 4187). Fig. 85. Axtklinge 
von Chiloango (Mus. in Amsterdam). 



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— 107 — 

gegen die Beine geschleudert zu werden. 1 In formaler Hinsicht haben wir 
hier nichts mit diesen Flundermessern zu thun. In dieser wäre nur zu 
bemerken , dafs sie der Axtklinge (siehe obeu) ihr Dasein verdanken. Fig. 85 
zeigt eine solche und deren unmittelbaren Nachkommen in Fig. 84, von 
denen Fig. 82 und 83 nur insofern abweichen, als sie an der Schneidenseite 
der Axt verkümmert und an deren Grundteil mächtig entwickelt sind. 

Von den Völkern des Kongogebietes ist im übrigen zu merken, dafs 
auf dem Südufer überhaupt Wurfmesser nicht verwendet werden. Ferner 
dafs die nördlichen Kongoansassen sie von den Inlandstämmcn eintauschen 
(siehe Coquilliat) und dafs sie liier weniger als praktische Waffe, als zum 
Drohen benutzt werden. — Versuchen wir es nunmehr, das Problem der 
Verbreitung zu lösen. 

Wir sahen eine klare und ziolbewufste Entwicklung des Wurfmessers 
bei den Stämmen der Nordachse, die den praktischen Zweck nirgends aus dem 
Auge läfst Im Süden sehen wir dagegen alle möglichen Unarten auftauchen. 
Seine Verwendimg als Waffe tritt vom Sudan aus eher zunück als Schultz 
es noch wissen konnte. Seitdem sind viele Expeditionen den Ubangi hinauf 
gezogen und sie trafen das Instrument erst im Norden des Ubangi in 
seinem Heimatland d. h. einem Gebiete, wo es jeder führt und mehrere 
als Waffen bei sich trägt. So berichtet Masui von den Sangos. Dybowski 
fand es auch bei den BuzCtou, aber als Kuriosität: £1 sert d'arme d'apparat 
quo le chef tient ä la main, en guise de seeptres. Aber bei den N'Gapou 
im Norden des Ulmngi- Bogens, da ist es noch Waffe im wichtigen Sinne 
einer volkstümlichen Waffe. 8 Wenn sie zum Kongo- gelangen, dann ver- 
lieren sie diese Bedeutung ganz. Das ist ganz natürlich: die Kriege werden 
hier auf dem Wasser oder im Walde geführt. Der wahrscheinliche Verlust 
an Material ist aber allein schon zu grofs, um als Kriegsgerät auf dem 
Wasser angewendet zu werden. Daher verschwindet es als wahres Wurf- 
gerät — im Walde ist es so wie so nicht von grofseni Nutzen — und 
wird als Schreckmittel dem Feinde vor Augen gehalten. Daher sprofsen 
denn die Zacken und Klingen in flppigster Fülle, und jo schrecklicher die 
Waffe aussieht, desto mehr gewinnt sie für den Kongostrand- und -waldsassen, 
wogegen sie für den praktischen Gebrauch an Zweckdienlichkeit abnimmt. 

Wenn diese Waffe somit auch nicht auf das südliche Kongoufer ge- 
langt ist, so führt doch eine ziemlich direkte Strafse in das südliche Becken: 
der Kassai. Und so treffen wir denn an dessen Mittellaufe den äufsersten 
Ausläufer der Verbreitung. Und in wie charakteristischer Form! Das eine 

1) Kund in der Zeitschrift der (lesellscbaft für Erdkundo in Berlin, Bd. XIII, 
S.322; vergl. auch Wifsmann-Wolf, S. 371. 

2) Dyltowski, S. 3l>4 und 30"). Masui. S. 131. 



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— 108 — 



ist eine Holznachbildung (Fig. 81), die unmöglich verwendbar sein kann. 
Alier das ist auch nicht ihr Zweck, denn das Mordinstrumont, das am Kongo 
Schrecken verbreiten soll, ist hier — „embleme de paix!" Und das andere 
Wurfmesser? Gewifs, es wird auch geworfen, aber es stammt aus einer 
ganz anderen Welt , nicht aus der des vielklingigen Wurfeisens (Fig. 82, 83). 
So liat sich denn Zweck und Form getrennt und lieidc fflhrcn ein be- 
scheidenes, beziehungsloses Dasein. 

Und dann noch ein Merkmal dieser Entwicklungsrichtung. Die Tummok 
im Süden Baghirmis nehmen kein anderes Zahlungsmittel als Wurfmesser. 
Also so wert und gleichzeitig allgemein sind hier diese Gerate, dafs sie als 
Geld kursieren. So pflanzt es sich fort dem Süden zu und wird hier zum 
Gelde, ohne eigentlich noch Waffe zu sein (Fig. 78). 

Dürfen wir unter diesen Umstünden das Wurfmesser noch zu den 
Waffen des westafrikanischen Kulturkreises rechnen? Ich meine: nein. 
Die wichtige Entwicklung der Waffe spielt sich auf der Nordachse ab, bei 
jenen Vulkeni, die auch das Wurfholz benutzen. Die grofse Gruppe der 
Kongowurfeisen aber tragt alle Merkmale des Weiterwuchcrns in der Ab- 
gelegenheit ohne Ziel und Aufsicht. 

Dieses Resultat ist wichtig. Ganz abgesehen davon, dafs wir so einmal 
in den Stand gesetzt sind den Gegensatz der Fonnbildung im westafrikanischen 
Gebiete und in einem tler Achsenlagen zu beobachten — wobei die Fonn- 
freudigkeit im erstcren in die Augen springt — können wir nunmehr be- 
merken, dafs Westafrika dieser Wurfinstrumente bar ist. Der Norden hat 
Wurfeisen und Wurf holz, der Süden die Wurfkeule und der Südwesten den 
Wurfstab, der Westen aber keinen Ersatz. Das ist so schwer nicht zu er- 
klären. Hier liegt der Gegensatz von Plateau- und Steppen - Bewohner 
einerseits und Wald-, Thal-. Nicderungs- Bewohner oder par Stromansasse 
andererseits vor uns. Für solche wird daher die Wurfkeule zum zierlichen 
Schmuck- oder Scepterstab, das Wurfmesser zum grotesken Schreckgespenst, 
in dessen greulicher Ausstattung die Phantasie ein köstliches Tuinmelfeld findet. 

Wir sehen aber auch noch etwas: einen bedeutenden Einflul's des Nordens 
auf das Westgebiet. Die Bewohner zwischen dem Kongo und dem Schari 
leben in doppelten Beziehungen. Sie führen den Korbschild, Messer malajo- 
nigritiseher Abstammung und teilweise auch malajonigritisehe Bogen. 
Andererseits aber haben die Sande das Stilett der Tuarik und alle diese 
Völker das Wurfmosser. Immerhin verleiht die südliche Verwandtschaft 
neben der überzahl an Kulturelementen ihnen auch den Charakter südlicher, 
nialajonigritischer Entwieklungsweise. Dafür legt die lustige Ungebunden- 
heit der Wurfmesser wieder einen wichtigen Beweis ab. 



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— 109 — 



Greifen wir jetzt nochmals zurück auf die oben besprochenen asym- 
metrischen und ungeraden Messer Westafrikas. Wir sahen deren Hervor- 
gehen aus einer Art Blattkeule (Fig. 67 — 70), wie sie sich auch bei den 
Malajonigritiern der Südsee (z. B. in Fig. 71) findet. Ohne mich in eingehende 
Beweisführung einlassen zu können, will ich wenigstens deren Entwicklung 
kurz andeuten. Diese Keulenform findet sich auf den Salomonen, Niua, 
Neukaledonien, Neuseeland etc., also einem grofsen Gebiete, das im Nord- 
osten Neuhollands gelegen ist. In diesem selben Gebiete treten nigritische 
Elemente ziemlich scharf hervor und wir werden auch nicht irren, wenn 
wir diese Blattkeule auf das nigritische Wurfholz, den Bumerang, zurück- 
führen. Sehen wir doch im gleichen Gebiet, auf den Neuhebriden , sogar 
noch das Wurfholz, wenn auch aus Stein, in Gebrauch. 

Demnach hätten wir nicht nur die Blattkeule (Fig. 71) und die afri- 
kanischen Holzwaffen (Fig. 07 — 70) auf das Wurfholz zurück zu verfolgen, 
sondern in letzter Instanz auch die Messer (Fig. 55 — GG), welche demnach 
als afrikanische Ausgestaltungen eines in der malajonigritischen Kultur um- 
gebildeten Gegenstandes nigritischen Ursprunges anzusehen sind. 



Anhang: Die geographische Beziehung der Messer formen. 

Nachdem wir somit auch diese Wurfmesser kennen gelernt haben, 
können wir den wichtigsten Messerformen Afrikas eine kurze Übersicht 
gönnen. Ich will absolut nicht behauptet haben, alle Typen dieser afri- 
kanischen Waffen liier anatomisch zergliedert zu haben, es bleibt vielmehr 
noch vielerlei zu thun übrig. Es ist aber wenigstens ein Bild über die 
allgemeine Entwicklungstendenz gewonnen worden und dieses wollen wir 
uns hier noch einmal vor Augen halten. 

Die Messerformen lassen drei greise und wichtige Hauptgebiete der 
Verbreitung in Afrika erkennen. Im Süden und Osten treten sie nur schwach 
auf. Sie lassen sich besonders im Süden in der Entstehung verfolgen, die 
ein für allemal auf die abgebrochene Speerspitze zurückführt. Der Yer- 
bindungsaebse zu tritt als eine Nebenform die Entstehung aus der verkürzten 
Lanze mehr hervor. Bis in das Nilgebiet, in den toten Winkel zwischen den 
3 Achsen und dem westafrikanischen Kultlirkreis, sowie in schwacher Weise 
auch in das letztgenannte Gebiet lassen sich diese Lanzenspitzeninesser 
verfolgen. 

Dagegen bietet der Norden eine grofse Menge von Gestalten, die sich im 
wesentlichen aber auf asiatische Zuflüsse zurückführen lassen. Grofse Typen- 



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— 110 — 



menge verhältnismäfsig geringer Variabilität ist bezeichnend. Selbständige 
Formen haben sieh nur in sehr geringer, ganz unwesentlicher "Weise heraus- 
gebildet. Als specifisch westasiatisch oder mediterranen Kulturursprunges, 
der sich zum Teil bis in das Mittelmeer verfolgen liefs, traten 3 Gruppen 
hervor: 1. dio Schwertmesser, 2. die Säbelmesser, 3. die Dolche oder 
Stilette, (letzteres eine Sanimell>ozeichnung). 

Im 'Gegensatz zu dem nordlichen Gebiet zeigt der westafrikanische 
Kulturkreis eine überaus grofse Mannigfaltigkeit der Formen, die sich alle 
in langen Entwicklungsreihen aneinanderschliefsen und ebenfalls aus aufsor- 
afrikanischer, nämlich .malajonigritiseher Quelle flielsen. Die Westafrikaner 
haben diese fremden Elemente verartaitet und ihnen einen eigenen Charakter, 
der ihrem formfrondigen Schöpf ungsgeist entspricht, nämlich den der Be- 
weglichkeit verliehen. Wir verfolgten eine Reihe bis zum Speer- Ruder und 
eine andere bis zur Blattkeule zurück, doch mufsten wir uns darauf be- 
schränken, die wesentlichsten Entwicklungszüge hervorzuheben. 

Im Anschlufs hieran wurden die Wurfkeiden, Wurfhölzer und Wurf- 
eisen in Augenschein genommen, die drei nigritische Quellelemente zeigten: 
Wurfstock, Wurfholz, Wurfkeulc. Von ihnen hat jedes einen Bezirk inne. 
Aus dem Wurfstab hatte sich das Wurfmesser in gleicher Gegend, auf der 
Nordachse, ausgebildet. Dabei war nach Süden, in dem westafrikanischen 
Kulturkreis eine Ablagerung vor sich gegangen, die aber wegen der terrestri- 
schen Beschaffenheit ohne bedeutende Einwirkung auf das Waffenwerk in 
dieser Region, die auch keine der hölzernen Wurfwaffen besitzt, geblieben 
zu sein scheint. 



■ 



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— 111 — 



Systematik. 



Entstehung aus der 
Speerspitze. 



A) Die nlgrritta'lieu Holzwurfiraffeii etc.: 

1. Wurfkeule. 

2. Wurfstab. 

3. Wurfholz. 

4. Wurfmesser. 

B) Das afrikanische Messer: 

1. Südafrika 

2. Ostafrika 

3. Nilgebiet 

C) Die asiatischen und Mittelmecrraesser: 

1. Schwertmesser. 

2. Säbelmesser. 

3. Stilette etc. 

D) Die nialajoiilfrritlscheit Messer: 

1. Das Messer aus dein Ruderspeer ent- 
standen. 

2. Das Messer aus der Blattkeiüe im 
Kongogebiet. 

3. Das Messer aus der Blattkeule in Nord- 
guinea. 1 



! 



Sudachse. 
Süd westgebiet. 

Nordachso. 

Sudachse u. toter Winkel. 



Nordachse und Verbin- 
dung mit Asien. 



Westafrikanisches Ab- 
lagerungsgebiet. 



1) Hier hat sich oin eigener Typus, zumal an der Goldkuste, herausgebildet. 



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- 112 — 



IV. Schlafs. 

Es handelt sieh nunmehr darum, durch Ausfüllen der einen oder der 
anderen Lütke das Bild der afrikanischen Waffenkunde nach Möglichkeit 
fertig zu stellen. Erschöpfend hier alles zu behandeln, wo nur der kleinste 
Teil bisher erörtert war, das ist nicht möglich. Wohl aber wird sich noch 
hier und da einiges nachtragen und ergänzen lassen. 

Die Frage nach dem Entwicklungswege der Eisenindustrie beschäftigte 
uns im Anfange des zweiten Teiles dieses Kapitels. Das Eisenhandwerk 
soll von Norden gekommen sein. Dennoch sollte der Sudan bessere' Hand- 
werker besitzen, als das von melanesischer Kultur genährte Kongogebiet. Dem 
widersprach der Thatbestand. Jetzt verstehen wir die Verhältnisse schon 
besser. Allerdings sind auch die Sudanwaffen meistenteils asiatischer Herkunft, 
wie ja die Eisenindustrie. Wie diese Sudaner aber nicht verstanden, diese 
Waffen durch Einverleibung unter die afrikanischen Tyi>en sich ganz zu eigen 
und selbständig zu machen, so vermochte auch die ganze Industrie sich nicht 
so einzubürgern, dafs sie neue Sprossen und neue Thatsachen hervorbrachte, 
es sei denn, dafs sie eine Waffe wie das Wurfmesser schuf. 

Ganz anders der Westafrikaner. Er hat nicht den Quellen zuflufs an 
Eisen Waffenmodellen erfahren, wie der günstiger an der Verkehrsstrafse 
wohnende Nachbar. Aber der Malajouigritier Afrikas verfügt eben über die 
gleiche Gabe seiner Vettern in Oceanien, nämlich das Vorhandene zur höchsten 
Blüte zu bringen. So ergriff er die malajonigritischen Hol/.geräte und bildete 
sie um zu Eisenwaffen. 

Und nun wollen wir noch einigen Waffenbesitz der Afrikaner zer- 
gliedern und sehen, ob dieses Bild uns überall entgegentrete. Wir wollen 
unser Auge über die Streitäxte, die Speere, Pfeile. Schlagringe etc. gleiten lassen. 

Es ist eine alte Behauptung, dafs die Afrikaner nur eine Form von 
Bellen hätten. Ich weifs nicht, wer sie aufgebracht hat. Sie ist jedenfalls 
irrig. Ich will aus der grofsen Zahl der vorkommenden Formen fünf her- 
vorheben und näher in Augenschein nehmen. 

Die eiste Form (Fig. SG) ist die typisch ostafrikanische, nur ist sie 
oben ausnahmsweise mit einem zierenden Köpfehen versehen. Die Streitäxte 
dieser Art stellen einen geraden Stab, der nach oben zu an Dicke ein 
wenig zunimmt, dar, und in den das keilförmige Eisen von sehnig unten 
nach schräg oben hineingetrieben ist. Dieser ostafrikanischen Form 1 steht 

1) Uber ostafrikanische Beilformen: Burton: «Lake Kegions-, Bd. II, S. 23. 
OG, 307. Stanley: .Wie ich Livingstone fand-. Bd. I. S. Hill, 233, 242. Borrmanu in 
„Mitteilungen aus den Deutschen Schutzgebieten-, Bd. VII, S. :>1 (Südafrika). Fiitseh. 
S. 174. Bolub: _Kultur>kizze", S. 1 10 117. 



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— 113 — 



eine vermutlich nordafrikanisehe (Fig. 87) gegenüber. Ein vorn breites, oft 
und meist kunstvoll geschmiedetes Blatt ist in einen nach vorn gebogenen Stab 
eingelassen. Es ist dies Vorkommen, wie gesagt, wesentlich nordafrikanisch. 
Die Horstammung der Form ist leicht zu beobachten: sie ist aus der Erd- 
hacke entstanden, welche auch im südlichen Afrika eine ahnliche Form 
besitzt, aber nicht zur "Waffe umgebildet ist — Die dritte Oestalt, welche 
im Sudan ziemlich häufig ist (Fig. 88), wird nur wiedergegeben, um den 
grufseren Formenreichtum des Sudan 1 hervorzuheben, wogogon Fig. 89 eine 
Axt der Bassongc aus einom anderen Grunde herangezogen wird. Dadurch, 
dafs die Klinge mit Blutrinnon versehen ist, was durch eine Verstärkung 
dos Randes erzielt wird, werden schaftlappcnailige Bildungen hervorgerufen, 




SC. 87. 88. 89. 



Fig. 86. Stroitaxt der Man jema (Berliner Musoum 1IIC. 2082). Fig. 87. Streitaxt 
aus Dahome (Musoum für Völkorkundo in Bremen). Fig. 88. Streitaxt aus 
Mosi (Loidou, Reichsmuseum, S. 739, Nr. 176). Fig. 89. Streitixt der Bassongu 
(Museum für Völkorkundo in Leipzig). 

die ein charakteristisches Zeichen nur dieser Bassonge - Beile im west- 
afrikanisehen Kulturkreise sind und vielleicht eine weit hinaus in das Kongo- 
becken versprengte Eigentümlichkeit der alten Mittelmeerkultur ist. Also haben 
sich anscheinend auch die Reste alter nordafrikanischer und nicht nur die 
malajonigritischcr Kulturejjochen in diesem Ablagerungsgebioto erhalten. 

Fig. 86 stellt die eine Hauptform der afrikanischen Streitäxte dar, 
neben denen die anderen wegen grofsorer Seltenheit und unverhältnis- 

1) Nordafrikanisehe Beile: Barth: „Reisen 0 , Bd. II, S. 473; Bd.V, S. 205, 287. 
Anderen Ortes ist mit „Handbeil* offonbar das Wurfmosser gemeint. Nachtigal, Bd. II, 
S. 430. Passarge, 8. 436. Staudinger, S. 707/708. 

Frobenius, Afrikanische Kulturen. 8 



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» 

— 114 — 

mäfsig geringerer Verbreitung und Selbständigkeit weniger bedeutend sind. 
Dagegen kann eine westafrikanischo Form 1 der ostafrikanischen rocht wohl 
gegenüber gestellt werden. Dieso Beile nun sind durch den stark zurück- 
gebogenen Oberteil des Stabes, in den die Klinge versenkt ist, charakteri- 
siert. Diese Beile sind von der Nigonnündung — eine westlich hiervon 
heimische Form werden wir unten kennen lernen — bis nach Bcnguela 
und zum Sambesi verbreitet, kommen jedoch auch noch südlicher vor. In 
manchen Gegenden seheint der Stab von vornherein, statt hinten, vornüber 
getaugt zu sein. So zumal im Ogowe- Bocken. Ich habe je« loch drei solche 
Axtstiele nebeneinander wiedergegeben , aus denen die langsam vor sich 
gehende Verschiebung aber auch sogar bei stark entgegengesetzter Bieguugs- 




90. 91a. 91b. 91c. 

Fig. 90. Kioke-Boil (Museum in Borliu (III C. J 273). Fig. 91a — c. Dio 
Biegung dreier AxLstielo (im Leipziger Museum für Völiorkuude). 



tendenz 2 (Fig. 9 Ii) noch Beste der Rüekhicgung zu spuren sind (vergl. die 
Richtung der Linie x — y). 

An diesen Beilen fällt aber sonst noch mancherlei auf. Da sind z.B. 
die eigentümlichen Ornamente auf dem Rücken von Fig. 90. Diese erscheinen 

1) Westafrikanische Beile: Dapper, 8. äS2. Bowdieh, 8. 58. Zöller: „Kamerun 44 , 
Bd. I, S. 44. Falkensteil., S. 152, 151. Wilson: „Westafrika" 4 , 8. 224. II. II. Johu- 
ston: „Der Kongo", S. 405. Baumami: „Beitrüge 44 , S. 12. Caineron (deutsche Ausg.), 
Bd. f, S. 280. Uatzel: „Geographische Verbreitung-, S. 239, 240. Wifsmanu - Wolf , 
8.284. Wifsmann-l'ogge, 8. 110. Wifsmann: r Zweitc Durchquerung 44 , 8. 86. Pogge, 
S. 74, 151. Westermann, Heft 303, S. 39(i. 

2) Bio Ursaeho dieser Tendenz zur Vorbiegung ist in der Einwirkung einer 
audoron Waffe dieser Gegend zu suchen: des Wurfmessers. 



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— 115 — 



oftmals wie Reste von Flecht- 
mustern. Die Klingen aber fal- 
len durch ihre Schmalheit sehr 
oft auf (Fig. 92). Es sind ein- 
geschliffene, runde Eisenstabe. 
Diese Eisenstäbc aber können 
auf Steinklingen (Fig. 93), die 
Stei nklingen auf solche aus 
Muschelschalen (Fig. 94) 
zurückgeführt werden. 1 
Nun darf dorn Band- 
ornament auch eine tiefere 




werden. Es läfst also 92 - 
diese Axtform auf ein Stein- 
beil schliefsen, auf dessen 
nach hinten zurückgebogenes 
Ende der Stein aufgebunden 
wurde — das ist die mela- 
nesische Steinaxt. Verwandte 
Holzfornien sind noch in Streit- 
äxten aus dem Hinterlande 
Togos erwähnenswert (Fig. 95), 
ferner ein sehr interessantes 
Kultusgerät oder Waffenstück 
der Bube auf Fernando Po. 
Es ist (Fig. 9G) eine Holznach- 
bildung einer melancsischen 
Steinaxt, die mit Seegras und 
Muscheln umgeben ist. 

Da wir den westafrika- 
nischen verwandte (zurückge- 
bogeue) Streitäxte auch bei den 
Südafrikanern antreffen, so er- 
öffnet Bich uns hier wieder ein 
Bück in die Vergangenheit, in 
jene Zeit, in der die malajo- 



93. 

Fig. 92. Eisonklinge eines Kioko - Beiles. 
Fig. 93. Steinbeilklingo von Nouhannover. 
(Museum in Leipzig.) 




Fig. 94. Instrument zum Schaben der 
Kokosnüsse von Neumecklenburg (Museum 
in Leipzig, Slg. Godeffroy 1908). 




Fig. 95. Drei hölzerno Sehlachtiixte aus Jikuku 
(nach Zeichnung von Hauptmann - Kling). 



1) Dio Schaftlappenbildung an den Bassongo - Heilen kann auch auf eine solche 
tiefgehende Schleifweisc zurückgoführt werden. 

8» 



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— 116 — 



nigritischen Beziehungen und Formen der „Steinzeit - auf beiden Seiten des 
Indischen Meeres gleichartig waren. 

Noch eine andere Thatsache führt einen ahnliehen Rückblick herbei, 
die Verbreitung der Speerformen. Afrika bietet im wesentlichen zwei 
Speerformeii, von denen die eine durch eine in den Schaft eingelassene, 
die andere durch eine den Schaft umspannende Ei anklinge ausgezeichnet 

sind. Das eingelassene Eisen ist den 
südafrikanischen (Südachse), das um- 
fassende Nordafrika und dem west- 
afrikanischen Kulturkreis eigen. So 
sehen wir denn wieder, dafs die West- 
afrikaner nicht nur den melanesischen 
Kulturschatz erhalten haben, sondern 
mancherlei von im Norden eni|>or- 
blflhenden Industrien gelernt halten. 
Die Fomi der Südachso ist die altere, 
sie leitet wahrscheinlich auch auf die 
„Steinzeit - zurück. — Anders ist das 
Bild der Verbreitung von Merkmalen 
an den Pfeilen. 1 Hier treffen wir 
die umfassende Eisenspitze nur im 
Kongogebiet, Die eingelassenen Pfeile 
beherrschen Nord-, Ost- und Süd- 
afrika. Dann wieder wird Afrika mit 
dem Süden verkettet in der Be- 
liederung der Pfeile, die in Nord- 
afrika kaum mehr vorkommt, alter 
von West-, Ost- und Südafrikanern 
angewendet wird. Aus alledem er- 
giebt sich aber ein gewisser Unter- 
schied der nord- und südafrikanischen 
Kultur, von denen beiden der Westen 
bald entgegennimmt, bald ablehnt. 
Das Bild läfst sich noch ergänzen. Der Norden dem Süden gegen- 
ültor ist im Durchschnitt bedeutend reicher Itcdacht. So ist ihm die 
Schleuder eigen. Die Wambugwe im Osten, die Haufsa und Liberianer 

1) Immerhin ist auch daran zu denken, dafs die umfassondon Spitzen an den 
afrikanische» Pfeilen vielleicht auf die Knochenspitzen zurückgeführt werden müssen, 
die an melanesisoho» Pfeilen (Aru - Inseln, Tanimbar, Neuguinea ete.) häufig ange- 
troffen werden. 




Fig. 96. Waffe oder Kultusgeriit der Hube 
aus Holz (Museum in Leipzig). 



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— 117 -- 



im Westen sind dio südlichsten, die Schleudern führen. 1 Hei einer anderen 
Waffe, dem Schlagring beobachten wir da« Gleiche. Von Wakamha und 
Wanika, Galla, Lakka (Adamaua) ist er bekannt. Auch Messer wie Fig. 40 
führe ich auf einen Schlagring zurück. Aber weiter südlich fallen Mit- 
teilungen über solcho Waffen fort. 

Doch nun genug von wildem Kriegsgerdt. Prüfen wir, ob die Künste 
des Friedens dio gleiche Entwicklung zeigen und greifen wir zur afrika- 
nischen Psalter. 

1) Baumann: „Massailand", S. 185. Staudinger, S. 710. Büttikofor, Bd. II. 
S. 279. Und dann noch auf Madagaskar. 



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5. Die afrikanischen Saiten- und andere Musik 

instrumenta 

(Vorgl. Kartenblatt 2, Nr. XVI). 



Uer Begriff: „musikalisch" mag sehr eng aufgefafst werden — etwa 
als eiue Sammelbezeichnung für alle die Eigenschaften, die der wahre 
Musiker besitzen soll, wie Takt, Melodie, Gedächtnis etc. — , man wird 
die Neger Afrikas trotzdem stets als musikalisch l>ezeichnen mflssen. Es 
scheint ja fraglos, dafs der Rhythmus in aller afrikanischen Musik das 
Mafs des melodiösen Schöpfungsvermögens auf ein sehr niedriges Niveau 
heraMrückt , dafs ihm zuliebe der Reichtum an Motiven sich in jedem 
Werke auf eines beschränkt, das immer wiederholt wird. Aber es ist 
falsch, wenn behauptet wird, dafs die Afrikaner gar keine Melodieen hätten. 
Und ebenso unrichtig ist, ihrer Musik nur die Tongewalt, die Stärke alles 
übertönender Laute als Gipfelpunkt musikalischen Iieistcns zuzuschreiben. 
Wenn nichts anderes dies bewiese, so ist es die Untersuchung der Saiten- 
instrumente, die fast durchgehend* eine sehr geringe Tonstärke besitzen. 
So wissen aber die Reisenden sehr wohl zu berichten, wie die Neger 
sich stundenlang an sentimentalem Geklimper ergötzen können, so Junker 
von den Sande, Bowdich von den W.estafri kauern , Fritsch und andere von 
den Stämmen des Südens. Und dafs sie derart still- wehmütige Hingalte 
gar sehr lieben, «las beweist auch die Menge und die Foruifülle an Ton- 
gerät, das durch seine Leistungsfähigkeit von vornherein als solchem Seelen- 
geflüster gewidmet, erachtet werden mufs. 

Die Frage interessiert, weil sie das Sehöpfungsvermögon angeht. 
Künstlerisches und praktisches Schöpfungsvermögen erscheint so sehr als 
zweierlei. Das erstere fehlt nach allgemeiner Ansieht den Negern und ich 
will mit meiner Reliauptung vom musikalischen Sinn der Neger dem nicht 
widersprochen liabcn. Die Afrikaner liaben nur eine grofse Schöpfung auf 
dem Gebiete der Kunst zu verzeichnen: die Pyramide. Sie weist auf 
Massenbewältigung. Die M;issenschöpfung ist aber nicht auf musikalischem 
Boden eine Leistung. Die Tongewalt der afrikanischen Trommelkonzerte, 
die ja im selben Sinne eine Masseu Wirkung bedeutet, ist vollkommen un- 



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— 119 — 



künstlerisch. Das Problem liegt jetloch auf einer anderen Seite. Denn 
musikalische Schöpfung und plastische, malerischo oder architektonische ist 
verschiedener Art. Dio grofsen Künstler, die wir in Konzerten bewundern, 
sind meist durch das künstlerische Nachempfinden ausgezeichnet. Dieses aber 
kenizeichnet nach allen Beobachtungen auch den Neger und es spricht auch 
aus jenen stillen Tonstücken. Das betone ich , weil die Frage des Schöpfungs- 
vermö^ens eine sehr wichtigo in diesen Blättern ist. Wir liaben bis jetzt 
gesehe.1, wie dio Neger Afrikas kaum eine einzige wichtigo Waffe selbst 
geschaffen liaben. Wenn diese Völkor nun auch mehr Saiteninstrumente als 
irgend ein grofsorer Völkerkomplex auf Erden haben , so beweist dies nicht 
etwa ein besonderes musikalisches Schöpfungsvermögen. 

Unsere gröfston Ethnologen, wio Ratzel und Schurtz, liaben in all- 
gemeinen Sätzen die Entstehung der Saiteninstrumente aus dem Bogen an- 
genommen. Wenn auch mit solcher Annahme das Problem nicht ganz richtig 
gelöst zu sein scheint, so weist sie wenigstens auf ein solches hin. Die 
Betrachtung der Formen hat also diese Fragestellung stots im Auge zu 
behalten. 

Die wichtigsten Gestalten der Saiteninstrumente zeigen eine Verbreitung, 
dio ungefähr der anderer Geräte im wesentlichen entspricht. Und das ist 
sehr bedeutungsvoll, denn „hierbei handelt es sich nicht um Dinge der 
Notwendigkeit" (Ratzel). Dio Ungleichartigkeit in der geograpliischen Ver- 
breitung ist nichts anderes wie eine wenig wichtige Lückenhaftigkeit des 
allgemeinen Vorkommens. 

Indem ich nun die Formen in drei Gruppen als dio der Südafrikaner, 
der Nordafrikaner und der Westafrikaner erörtere, kann ich diese Trennung 
nicht vollkommen durchf üliren , sondern mufs das eine und das andere über 
die Grenzen des gröfseren, heimatlichen Kulturkroises hinweg verfolgen. — 
Die Saiteninstrumente der Afrikaner sind neben den Trommeln, wenn man 
sie als solche bezeichnen darf, deren wichtigste Musikinstrumente. Wir 
werden einige der anderen wenigstens im Anliang Israeliten. 

u) Die süd- und ostafrlkantscuen Saiteninstrumente. Ein eigentümliches 
Stück des südafrikanischen Kulturbesitzes ist ein Instrument, das wir kurz- 
weg mit den Zulu als Gubo bezeicluien wollen. Bei diesen besteht es aus 
einem kurzen Bogen, der mit einer Sehne bespannt ist Es stellt also ein 
Monochord dar. Gegen das eine Ende hin trägt es eine kleine Kalabasse 
als Resonanzboden. Gespielt wird die 1 Gubo, indem man die Saite mit 

1) Es dürfte wohl am richtigsten soin, alle Saitoniustruinente „weiblich* zu 
bezeichnen. Die Autoren haben sich verschiedentlich und wonig konsequent in diesem 
Sinne gezeigt. Wir haben im Deutschou die Violine, die Mandoline, die Ouitarre, 
die Zither etc. 



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— 120 



einem Stäbchen schlügt, während die Finger der anderen Hand regulieren 
Die Basuto haben zwei Arten der Gubo. Da ist zunächst die Lesiba oder 
t Gora, deren durchdringende Töne nach Casalis selbst die wenig ncrvöani 
' ' Personen zum Davonlaufen bringen konnte. Eine der Quinte einer Geige 
ziemlich ähnliche Saite ist längs Mier einen leicht gekrümmten Bambus 
gespannt. Diese Saite endigt an einem Ende in einen der Länge nach 
aufgeschlitzten und platten Federkiel. Der Spielende legt das Ende, an 
dem der Kiel befestigt ist, zwischen seine halbgeschlossenen Finger und 
die Handfläche und bläst stark, worauf Federkiel und Schnur vibrieren. 
Es entsteht daraus ein durchdringender und näselnder Ton, ähnlich dem 
einer Klarinette. Die zweite Form der Gubo, die Tumo, ist der Gora 
ziemlich ähnlich, es ist ein kleiner Bogen, der aber mehr gestreckt ist. 
Der Federkiel fehlt. Der Bogenstab ist au einer dicken, durchbohrten 
Kalabasse befestigt. Um diese Tumo zu spieleu, hält man sie an einem 
Ende in der linken Hand, so dafs Daumen und Zeigefinger frei sind und 
nach Belieben die Saite pressen können. Die andere Hand ist mit einem 
leichten Stäbchen versehen , mit «lern man die Saite bewegt. Der Ton 
wird stärker dadurch, dafs ihn die Kalabasse wiedergiebt. Man kann ihn 
variieren lassen, indem man die Saite an verschiedenen Stellen prefst. 

Die Gora, die also nicht wie die Gubo gescldagon, sondern geblasen 
wird, findet sich auch bei den Buschmännern und Hottentotten. Bei letzteren 
fiel sie dem alten Peter Kolbei^ auf. Er nennt sie Gom Gom, was seinem 
an linguistische Aufmerksamkeit noch nicht gewöhnten Ohre zuzusehreiben 
ist. Die hottentottische Gora besteht aus einein Bogen von Oliven -Holz, 
dessen Sehne von wohlgedrehten Schafs -Därmen oder Nerven {!) gesponnen, 
etwa so dick als das A auf einer Violine. An dem einen Ende, da sie 
an den Bogen festgebunden wird, machen sie einen abgeschnitteneu und 
aufgeschlitzten Federkiel fest, welchen sie samt der durchlaufenden Saite 
in den Mund fassen, damit ihnen das Zittern der Saite nicht wehe thue, 
noch dieser der Klang benommen werde, den sie ihr durch das Einholen 
und Wiedervonsichblasen des Odems beibringen. Wollen sie die Gora noch 
mehr perfektionieren, so stecken sie an das obere Ende, ehe die Saito an 
den Bogen gespannt wird, eine wohlgereinigte Cocosnufs- Schale, von welcher 
man vorher etwa den dritten Teil oben absägt und zwei Löcher gerade 
gegen ül»er durchbohret, wodurch die Saite gezogen. Auf diese Weise 
klinget nicht nur das Instrument viel heller, sondern sie können auch durch 
das Hin- und Herschieben der Schale alle Töne verändern, die auf einem 
so simplen Instrumente nur immer mögen ausgedrückt werden. Er crzälüt 
auch von der musikalischen ljcistungsfähigkeit der Hottentotten und dieses 
Instrumentes: Wenn drei oder vier Personen zugleich auf ihrer Gora spielen, 



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— 121 — 



so fand ich in Wahrheit etwas Annehmliches an solcher Musik, zumal 
wenn die Tone tief lauteten; ich fand sie so annehmlich, dafs die zartesten 
Ohren sich damit l>egnügen konnten. Ja, da ich einmal bei stiller Nacht 
dieses Instrument spielen horte, wurde ich von dem lieblichen Klang der- 
malen eingenommen, dafs ich mit allem Fleifse zuhorchte. Anfänglich 
glaubte ich, diese Musici wären einige geschickto Europäer, welche die 
Kenntnis dieses Instrumentes bis auf den höchsten Gipfel der Vollkommen- 
heit getrieben hätten; allein wie sehr erstaunte ich, da ich mich bei meiner 
Annäherung an den Ort, wo die Musik sich hören liefs, befand, dafs es 
zwei Hottentotten waren, die ihren Liebsten ein Ständchen brachten. 



üie GuIjo fand Holub häufig' sudlich vom Samliesi. Sie besteht aus 
einer ziemlich offenen, mit einem aus Hast- oder Grasst rickchen gefloch- 
tenen Kranze an ihrem Boden verschonen und damit an der Aufsenperiphorie 
eines ein oder etwas über ein Meter langen Holz -Rogens senkrecht be- 
festigten Kalabasse. Eine Sehne oder eine feine Grasschnur spannt beide 
Bogenenden. Beim Spielen des Instrumentes wird dieses mit der Linken 
am Bogen unter der Kalabasse gefalst und so gegen die Brust gedrückt, 
dafs die Öffnung des Gefäfses vollkommen geschlossen wird; die Grassaite 




97 a. 97 b. 97 c 



Fig. 97 a. Gora blasender Hottentotte. Fig. 97 b. Gora dor 
Hottentotten (nach Petor Kolbof). Fig. 97c. Saite der Gora 
mit dem Federkiel (nach Wood). 



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— 122 — 



wird wie ein Har f e n s t ran g , mit den Fingen der Rechten geschlagen oder 
man thut dies, was auch häufiger der Fall ist, mittels eines dünnen, 
kurzen Rohrstäbchens. 1 

An der Westküste nach Norden gehend treffen wir verschiedentlich 
Qubo und Gera an. In Angola führt die Gubo nach Falkenstein den Namen 
Ilungo, in Benguela nach Magyar die Bezeichnung Burumbumba. Das 
Instrument ist das gleiche, aber die Handhabung weicht ein wenig ab. 
An einem m langen, k>gonförmig gekrümmten Stab ist die Saite 
bofestigt Ein an seinem unteren Ende angebrachter leerer Kürbis , welcher 
mit der offenen Rundung auf die Magengegend gesetzt wurde, bildete den 



Fig. 98a. Guboschliiger dur Basuto (nach Casalis). Fig. Ü8l>. Hand- 
halteu Im 'im (iulx-s. hlagen dor Bangala (nach Capello und Ivons). 

Resonanzboden , während man mit einem Stäbchen die Saiten in Schwingung 
versetzt. Tains erwähnt Saiten aus starker Pflanzenfaser und auch solche 
aus einem Metalldraht. Der Nagel des Daumens wird bald hier, bald da 
auf die Saite gedrückt, wodurch naturgemäfs die Höhe desselben verändert 
wird. Der Ton soll unbedeutend und schwach sein. Während bisher Gubo 
und Gora die einzigen Musikinstrumente waren, stellen sieh hier im west- 
afrikanisehon Kulturkreise neue Formen daneben ein, die wir später kennen 
lernen werden. Die Haltung der Gubo gegen den Magen weicht von der 



1) Fritsch, S. 133. Kolben, S. 113/114. Uolub: „Kulturskizie«, B. 138/139. 
Casalis, S. 15G/157. 




98 a. 



98 b. 



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— 123 — 

Handhabung im Süden ab; diese scheint jedoch auch noch vorzukommen 1 
(vergl. Fig. 98 b). 

Die Gora ist in der Kamorungegend vorzüglich im Gebrauch. Diese 
„feinklingende Flöte" heifst bei den Bnkwiri „Mundinde". Das Instrument 
ähnelt auch hier einem Bogen, wie er zum Pfeilschiefsen benutzt wird. 
Über einen leicht gekrümmten Stab von etwa einom Moter Länge ist 
cino Schnur von Fell oder Grasern gezogen. Auf diese Saite haucht 
man mit dem Munde, indem man zugleich mit der rechten Hand mittels 
eines Stäbchens auf dieselbe sehlägt. Auf diese Weise erzielt man die 
verschiedenste Modulation in der Stärke wie der Höho der Töne. Dio 
Klangfarbe hat etwas Einschmeichelndes, doch erfordert die Handhabe des 
Instrumentes grofse Fertigkeit Form und Gebrauch der Mundinde, die 
eine Zwischenform von Gora und Gubo ist, entspricht bei den Bube dem ' 
eben von den Bakwiri Berichteton. Das eine Ende des mit einer Bastsehne 
bezogenen Bogens wird gegen den Mund gestemmt; die Rechte schlägt mit 
einem kleinen Stäbchen gegen die Saite, wälirend die Linke einen Messer- 
stiel daran drückt. Durch Verschieben dieses letzteren und mehr oder 
weniger Öffnen des Mundes werden einige Töne hervorgebracht. — Bentwa 
heifst dies Instrument bei den Asclianti. Bowdich beschreibt es folgender- 
mafsen. Der Stab ist mit einem dünnen und gespaltenen Rohre bezogen, 
das der Spieler au einem Ende mit den Lippen hält und mit einem kleinen 
Stäbchen schlägt, während das andere Ende zu gleicher Zeit mit einem 
dickeren Stabe berührt wird. Es werden auf der Bentwa verschiedene 
Lieder gespielt Die verscluedenen Töne werden durch dio Lippen her- 
vorgebracht' 

Im Osten reicht die Verbreitung der Gora- Gubo bis in den Sudan. — 
Burton erwähnt ihrer als einer Form der „Kinanda", unter welchem Namen 
in Ostafrika anscheinend mehrere Saiteninstrumente im Gebrauche sind. Die 
Gubofonn der Kinauda ist eine kleine Bogenguitarre mit einem offenen 
Kürbis an dem einen Teile des Griffes; manchmal geht der Bogen auch 
durch diese Kniahasso. Das Instrument wird in der linken Hand gehalten, 
wälirend der Musiker den einzigen Ton mit einem dünnen, etwa einem 
Fufs langen Stocke hervorbringt, durch Söllingen der Saite. Der Kalabassen- 
resonanzboden ist oft schön verziert. 8 



1) Magyar, Tat VI, Fig. 1. Capello und Ivens, Bd. I, S. 326. Falkeustein, 
8. 195/190. Tanis, S. 110. Monteiro: „Angola", Bd. 11, S. 139/1-10. 

2) Baumann: „Fernando Po u , S. 98/99. Schwarz, S. 1G0. Bowdich, S. 400. 

3) Burton: „Lako Regions", Bd. II, S. 293. Stanley: „"Wie ich Livingstone 
fand-, Bd. U, S. 168, Nr. 13. 



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124 



Auf der Verbindungsichso vonlringond, troffen wir bei den JSongo die 
gleiche Mittelform der Gulm-Gora wie in Kamerun an. Das Monochord 
derselben besteht aus einem kleinen Bambusbogen, auf dessen straugcspannter 
Sehne mit einer feinen Gerte aus Bambus gesehlagen wird, nur dient als 
Resonanzboden nicht eine am Boden befestigte Kalabasse, sondern die Mund- 
hohle des Spielenden selbst und allein, denn vor sie wird das Ende des 
Bogens gehalten. Mit der anderen Hand wird die Sehno reguliert. Oft 
sitzen sie stundenlang vor einein solchen Bogen, den sie in die Erde gesteckt 
f haben und dessen Sehne sie über eine mit Kinde verdeckte Grube 
befestigen, welche sich nebenbei in einem Scliollloche öffnet. Indem sie 
nun die Hand bald an diese, bald an jene Stelle des Bogens legen und 
mit der anderen die Gerte fahren, erzeugen sie eine Menge schwirrender 
und summender, oft ganz hübscher Melodien. Besonders pflegen sich die 
Knaben Itei der Htttung der Ziegen auf solche Weise die Zeit zu vertreiben. 1 
— Dieser Bericht Sehweinfurths lehrt uns die zweite Form des Schall- 
kastens, die Erdhohle, kennen. Ich werde spater auf die Bedeutung des- 
selben zurückzukommen haben. Ich mache hier nur darauf aufmerksam, 
dafs sie sich in einem der „toten AVinkel", einer zwischen den wichtigen 
Hauptachsen gebildeten Ablagorungseoke, in der auch der nigritische 
Stockschild noch in alter Form (des Kuerr »1er Dinka!) nachgewiesen wurde, 
erhalten hat. 

Um die Frage nach der eventuellen aufserafrikanisehen Herkunft 
dieses Instrumentes beantworten zu können, müssen wir noch eine beson- 



X 




deie Form desselben berücksichtigen: die Zeze der O.stafrikanor, die an der 
ganzen Sansibarküste und tief im Inland) ' sich eingebürgert hat. Der 
Kesonanzkasten dieses meist einsaitigen Instrumentes ist ein grofser aus- 
gehöhlter Kürbis, der unten geöffnet, oben oft durch ein geschnitztes Ver- 

1) Kchweiufuith, S. 110. 



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125 - 



bindungsstuck mit dorn geraden Stabe verbunden ist Auf der Oberseite sind 
Saiten befestigt. Das Griffholz oder der Stab ist aus leichtem Holze 
geschnitzt von 18 Zoll bis zu 2 Fufs Uingo. Das äufserste Ende dos 
langen Schenkels hat drei Grififpfosten , gebildet durch Kerben in den 
Zwischenräumen. Demnach bietet die ganze Reihe sechs Töno. Die ein- 
fache, aus der Faser der Raphiapalme gedrehte Saite ist an dem Kopfe resp. 
Knopfe des Holzes befestigt, welcher von dem geschickt gearbeiteten äufsersten 
Oriff hervorspringt Am unteren Ende ist sio Aber eine Brücke, nämlich 
einen gel>ogonon Federkiel (Fig. 99 bei z), geleitet, welche, wenn die Zeze 
gestimmt werden soll, gehoben oder niederged rückt wird und zuletzt ist 
sie an das obere Ende des sehwalbonsehwanzfürmig geschnitzten auslaufenden 
Unterteiles, also am Kurzschenkel jenseits der Kalalusso, befestigt. Manch- 
mal ist, wie bei unserem Instrumente, um den Bafs oder ein gewisses 
Summen hervorzurufen, eine zweite, auch wohl eine dritte Saite gleich- 
artig längs der Armseite befestigt, während die obere Hauptsaite den Dis- 
kant darstellt 1 

Die Zeze ist kaum als afrikanisches 
Instrument anzusehen, denn nicht nur 
von Madagaskar, sondern auch anderen 
Küsten des Indischen Oeeans ist sie be- 
kannt Und ebenso verhält es sich mit 
der Gubo und Gera, Gutartige Saiten- 
instrumente sind von Florida (Salomonen), 
den Marianen, den Philippinen und end- 
lich auch Neu-Pommern bekannt Die 
Tangola der Blanche - Rai auf Neu - 
Pommern besteht aus einem ca. GO bis 
70 cm langen, im Feuer gehärteten, 
etwas gekrümmten Stock, der mit zwei 
Saiten aus Bindfaden bespannt ist, von 
denen die eine durch eine Schlinge mit 
dem Stocke verbunden ist und dadurch 
, straffer und loser gespannt werden kann. 

Die Spielerin setzt den Bogen mit einem Ende an die Lippen, spannt mit 
dem Daumen der Linken die eine Saite und spielt mittels eines kurzen, 
dünnen Stöckchens mit der Rechten auf den Saiten, die nur einen sehr 
leisen Ton, ähnlich einer kleinen Kinderguitarre, hervorbringen (Fig. 100). 



1) Burton: „Uko Regions", Bd. 11, S. '291 — 293. Stanley: „Dunkle Weltteil«. 
Bd. I, S. 249. Ratzel: „ Völkerkunde«, 2) Bd. I, 8. -119; 1) Bd. I, S. 449. 




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— 126 — 



Wir bemerken hier etwas Neues. Suchen wir nämlich die nächsten 
Verwandten der Tangola in Afrika, so müssen wir die westafrikanischen 
Spielformen als diese bezeichnen. Im Süden Afrikas ist die Zweiteilung 
in die geschlagene Gubo und die geblisene Gora vor sieh gegangen. Die 
Westafrikaner, Bube, Bakwiri, Aschanti, Angola, als deren westlichster 
Ausläufer die Oubo-Gora der Bongo auffallt, dagegen liaben das gleiche 
Instrument, das in dieser einheitlichen Form daher als malajonigritisch 
bezeichnet werden kann. 

Ich habe gelegeutlieh der Erörterung der Schilde und Bogen schon 
darauf hingewiesen, wie sich im Osten und Südosten einzelne kleine Reste, 
versprengte Vorkommnisse finden, die den Weg wie Meilensteine anzeigen, 
auf denen die malajonigritische Kultur nach Westafrika gelangt ist Jetzt 
haben wir im weiteren solchen Meilenstein in diesen Saiteninstrumenten 
gefunden. Das Bezeichnende daran ist, dafs dies Instrument sich bei diesen 
Süd- und Ost -Völkern, die den malajonigritischen Kulturbesitz nicht rein 
und voll zu erhalten vermocht haben, auch nicht ganz hat erhalten können. 
Aus dieser Auflösung und Trennung des Tangola in Gubo und Gora spricht 
abermals Verkümmerung. 

Aber noch ein Merkmal weifs von der Verbreitungsgescldchte zu er- 
zählen, ein linguistisches. Tangola und Gola oder Gor« ist das gleiche 
Wort. Auf dem Wege bis Westafrika hat es aber seinen angeborenen 
Namen eingebüfst. 

Wir können demnach drei Formen der einfachen Bogen -Saiteninstru- 
mente nachweisen: 1. Die Tangola der Westafrikaner, 2. a) die Gubo und 
b) die Gora der Südafrikmior, 3. die Zeze der Ostafrikmier. Von diesen 
ist die erstero reiu malajonigritisch, die zweite afrikanisch und die dritte 
ambisch. Dabei betone ich, dafs die Semiten nur die „Zwischenhändler" 
waren, die das wohl anderweitig umgearbeitete Musikinstrument nach Ost- 
afrika gebraelit hal>en. Denn sie sind ja in allen Dingen nicht Schöpfer 
neuer Weite und Formen, sondern nur die durch Handel und Verkehr sie 
Verbreitenden, diese Semiten. 

Hinsichtlich der Tangola der Blanche- Bai wäre noch auf die merk- 
würdige Sj»annung vermittelst eines Ringes aufmerksam zu machen, auf die 
ich noch zurückzukommen habe. 

b) Die nordafrikanlm-hen Saiteninstrumente. Ks ist weniger schwer, 
die Formen und Wesenszügo der nordafrikanischen Saiteninstrumente sowie 
deren Verbreitung festzustellen als ihre Abstammung. Wir sahen schon 
das gerade Schwert hier eingebürgert und kamen zu der Überzeugung, dafs 
wohl die Araber die Überbringer, die Europäer aber die ursprünglichen 



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— 127 — 



Erfinder dieser Waffen gewesen seien. Das Schwierige für die Beurteilung 
der Abstammung afrikanischer Saiteninstrumente hegt in der Geschäftigkeit 
und dem musikalischen Sinn der Neger, die sie schnell dieso Werkzeuge 
des Kuusttriebs annehmen lassen. An verschiedenen Punkten der West- j 
küstc werden heute Violinen hergestellt, die die Neger durch die Euroi>äer ' 
kennen lernten. Man mufs hier europäischen und asiatischen Einflufs mög- 
lichst auseinanderhalten. 

Unter den nordafrikanischen Saiteninstrumenten lassen sich drei mit 
ziemlicher Sicherheit als aus Asien stammend , oder in Asien vielleicht unter 
afrikanischem Einflüsse ausgebildet, nachweisen: 1. die Violine, 2. die 
Guitarre, 3. die Rababa. 

1. Die Violine ist nicht nur in Abcssynien, sondern im gesamten ^ ,' $ 
Sudan da heimisch, wo arabische Spielleute au Höfen oder auf den Plätzen 




Fig. 101. 

Abessynischo Geige (Baseler Missionsmuseum , Slg. Krapf). 



Konzerte veranstalten. Clapporton erwähnt die arabische Geige in Kiama. 
Aber nicht nur Araber handhaben sie, sondern einige Völker haben Nach- 
bildungen in ihren Kulturl>esitz aufgenommen. So mag ein ziemlich be- 
deutsames Beispiel Erwähnung finden, im Bericht von Bowdich über das 
Musikinstrument im Hinterlande von Aschanti — in Aschanti wurde es 
noch nicht beobachtet — , welcher lautet: Die Mosis, Mellowas, Burucos 
und die Bewohner der entfernteren Länder im Innern spielen eine Art 
plumper Violine. Das Gestell ist ein Kürbis, oben ist er mit Rehhaut 
überzogen, worein zwei grofse Löcher geschnitten sind, aus denen der Ton 
hervorkommt. Die Saiten oder vielmehr die Saite ist aus Rindshaaren ge- 
macht und so breit, wie die des Bogens, mit dem sie spielen und der einem 
Violinbogen gleicht. Sic machen dabei Fratzen wie ein italienischer Buffo; 
sie begleiten sich gemeiniglich mit der Stimme und vermehren das Komische 



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— 128 — 



dieser Musik durch einen starken Nasenton. — Eine einsaitige Violine mit 
viereckigem , fellul>erzogenem SchaUkasten, dein die Schalllocher fehlen, ist 
auch die Maseng«'» der Galla und Amharinor. Ähnliche verkümmerte Violinen 
kommen auch in Scuegamhien vor. 1 Man kann aher sagen, dafs alle diese 
Streichinstrumente der Negor sehr schwach entwickelt sind. 

2. Die Guitarie. Dieso Instrumente liat>cn eine ungemeine Ver- 
breitung gefunden. Bezeichnend an ihnen ist: 1. sie besitzen stets mehrere 
Saiten; 2. dieselben sind meist aus Tierfasem hergestellt; 3. sie sind durch 
Wirlnil am Hals befestigt und gespannt; 4. der Schallkastcn ist mit Haut 
fllierzogen und 5. mit einem oder zwei Schall löchern versehen; G. ein Steg 
fehlt. Dieso Instrumente sind im ganzen Sudan und Nordosten heimisch 
und wir wollen die Form1>cschreihung gleich mit den aus letztgenannter 
Gegend stammenden Belegstücken im Baseler ethnographischen Museum be- 
ginnen, wie sie Dr. L. Kfitimeyor besehrieben hat: 

No. 338. „'Ud u , die Ägyptische Laute, mit ölten rechtwinklig ab- 
geknicktem Halse und ovalem, bauchigem Kesonaiizltoden von Tannenholz, 
mit rot und braunen Streifen liemalt Der Hals mit den 11 Wirlteln aus 
Buclienholz, unliemalt. Im olieren Teile der Voixlei-fläche oin sternförmiger, 
ausgesagter Ausschnitt „Sehemesch*. 6 Doppelsjuten von Scliafdarm. Unter 
dem Teile der Saiten, wo gespielt wird, ein bisquitförmiges, dünnes, schwarz 

1) Clapperton: „Zwoito Reiso*, 8. 113. Bowdich, 8. 4M 467. Raulitsehke, 
8. 14H und Taf. XVII, Fig. 59. — Eino Masengo findet sich auch im Baseler Missions- 
mu8t'Uin (alto Katalognummor 695). — Im Katalog des ethnographischen Museums in 
Basel sind zwei Formen der ägyptischen Violine verzeichnet (S. 106), nämlich: Nr. 227 
die „Komcogoh". Der Resonanzboden bestellt aus einer mit kleinen Lochen» durch- 
bohrten, am einen Ende abgeschnittenen Kokosnms, die hier mit Fischhaut (vom Fische 
„Bajar u , einer Silurusart) ti borzogen ist. Hals und Griff der Geige sind cylindriseh 
aus braunem, hartem Holzo, 2 Wirbel mit grofsen Knöpfen von Holz, der Fufs aus 
einem eylindrischou Eisenstab, 2 Saiten aus je 60 em langon, schwarzen Pferdcbaaren, 
die dicht untor dem Schallkörper an einem Metallringo befestigt sind. Iüngo 91 cm, 
nöhe des Schaltkastens 10 cm. — Dazu Nr. 328 „Kos". Der lk>gen besteht aus Eschen- 
holz, die Hotshaare des Bogens sind auf einor Seite durch ein Loch geführt und durch 
oineu Knopf, am anderen Endo aber an einem King befestigt, der durch eine Schnur 
goht und mittels Schnur mit einem zweiten Hinge verbunden ist, wodurch die Rofs- 
haare straffor gespannt werden können. Länge des Bogens 77 cm. — Nr. 329 die 
„Rnbäb-osch-Schaer", Geige des öffentlichen Erzählers, besonders dos Romanos von 
Abu-Zejd, deshalb auch die „Abu-Zejdi -Violine- genannt. Der Resonanzboden be- 
steht aus oinem hölzernen Rahmen, dor oben mit Pergament überzogen ist Hals und 
Griff mit 2 Wirbeln sind aus hartem, braunem Holz; der 31 cm lango Fufe besteht 
aus einem starken eisernen Stabe. 3 Saiten, die an einem Kisenringo untor dem Sohall- 
körper befestigt sind. lüngo 9t cm. — Dazu Nr. 330, der Bogen. Die Rofshaare 
des Bogens sind oben durch ein Loch gezogen, unten an einer durch einen Ring 
gehonden Schnur befestigt. Irrige des Bogen* <!0cm (Dr. Rütimeyer). 



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— 129 — 



bemaltes Stück Holz aufgeleimt. Das 'Ud dient bei Privatkonzerten und 
wird mit einem Piektrum (Geiorfeder) geschlagen , eR wird seit Jahrhunderten 
von den besten arabischen Musikern gebraucht. Länge 80 cm, Höhe 15 cm. 

No. 529. Nubische Guitarre, in der Form ähnlich der Ägyptischen 
Laute 'Ud, mit oben abgeknicktem, mit Wirbeln versehenem Hals. Glien 
geschnitzter Vogelkopf aus Elfenbein. Als Resonanzraum dient ein mit 
schwarzen Zeichnungen von Fischen, Eidechsen versehener halber Kürbis; 
Schallraum überdeckt mit dünnem Tannenholz, in welchem 5 kleine Sehall- 
löcher; um das oberste ringförmige (3 cm Durchmesser) Elfenbeineinfassung. 
Hals der Guitarre und Rand des Resonanzbodens ornamentiert mit ab- 
wechselnden Einsätzen von Elfenbein und braun und schwarzem Holze. 
5 Saiten aus Sehnen mit niedrigem Steg (!) — Nubien. Gesamtlänge 63 cm, 
Breite des Resonanzbodens 18,5 cm, Höhe 10 cm. 

Darfur, Kordofan oder Senaar. No. C16. Negerguitarre. Oben 
an dem mit 5 "Wirbeln versehenen, gekrümmten Halse ein roh geschnitzter 
menschlicher Kopf; dieser ist mit einem kleinen Nasenring und 2 Hals- 
bändern geschmückt, von donen das eine aus kleinen, bunten Glasperlen, 
das andere aus einer Kette von Perlen und etiropäischen Kleiderknöpfcn 
besteht Auf den Wangen je 3 Striche (Stammesabzeichen?) sowie die Haar- 
frisur eingebrannt. Der hölzerne, löffelartigo Resonanzboden mit einer oben 
rot bemalten Tierhaut überzogen, die auf dem Rücken zusammengenäht ist 
und vorn 2 Schallocher hat. Die (5) Saiten fehlen. — Sudan. Länge 
70 cm, Breite 15 cm, Hohe 11 cm. 1 

Es sind damit die wesentlichen Züge der Guitarren beschrieben, die // 
wir im centralen Afrika so aufserordentlieh häufig antreffen. Am bekanntesten 
wurden sie durch Schweinfurths klassisches Work, in dem die Gukarren 
der Sande eingehend besprochen wurden: Ihr Saiteninstrument ist eigentlich ' 
ein Mittelding zwischen Harfe und Mandoline; mit ersterer hat es die in 
Gestalt von Bogensehnen frei ausgespannten Saiten und ihre vertikale Stellung 
gegen die Fläche des Instrumentes, mit letzterer die Form des Resonanz- 
bmlens, den Hals und die zum Anspannen der Saiten dienenden Wirl>el 
gemein. Der nach allen Regeln der Akustik konstruierte Resonanzboden 
ist aus Holz geschnitzt und oberseits mit einem Stück Haut überspannt, 
das zwei Schalllöcher hat. Die Saiten l>estehen aus feinen Bastfäden und 
den dicken drahtartigen Haaren des Giraffensehwanzes. Ein murmelndes, 
näselndes, weinerliches Roeitativ l>egleitet das ewige Einerlei der Akkorde, 
aus welchen sich kaum eine bestimmte Melodie heraushören läfst. — Be- 

1) Dr. L. Itütimeyer in den „Mitteilungen ans der ethnographischen Sammlung 
in Basel", S. 108, 141, 150. Vorgleiche auch Nr. 529, S. 140; Nr. 52S, S. 14r»/14€i; 
Nr. 693, S. 152; Nr. 620 und 621, S. 154. 

Frobonio«. Afrikanisch* Knlturen. 9 



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130 



zeichnend ist bei dieser Musik, wie sie uns Sehweinfurth und Junker 
liosehriebcn haben, die grofse Ausdauer der Spielenden, die sieh stunden- 
lang diesem, der Ausdauer entsprechenden , feinklingenden und nur gefQhl-, 
nie charaktervollen Geklimper hingeben. 

Die Sudgivnze der Verbreitung dies««r Gwitarren liegt jenseits der 
Walegga-Londu-Wousitze. Hei diesen wurden sie am .oberen Aniwimi von 
Stanley und Stuhlmann angetroffen. Eine solche Guitarre 
der I/»>ndu liesteht aus einer Kalabasse, dem Resonanzboden, 
die mit Haut Oberzogen ist. Die Saiten sind aus Tier- 
sehnen verfertigt. Weiterhin ist Uganda als Südostvorposten 
in der Verbreitung zu nennen. Ein solches Musikinstrument 
im leipziger Museum ist mit 10 Wirbeln und unregel- 
mäßig dazwischen am Halse verteilten Ringen aus Ei- 
dechsenhaut geziert. Sie heißen Nanga. In Ussoga werden 
sie am besten hergestellt. Die Saiten sind aus Därmen 
verfertigt. 

Naeh Westen deckt sich die Ausdehnung des Ver- 
breitungsgebietes etwa mit der der Sande-Verwandten. Sie 
erreicht den Kongo anscheinend nicht, lieaehrankt sich also 
auf «las obere Uliangi- Teile -Thal. Hei den Ngapoil fand 
Dybowski eine solche Quitarre mit 5 Wirbeln und Saiten 
aus Rotang. Es ist genau die Form der Sandeguitnrre. 
Der Schallkasten ist ung» fahr wie der der Violine Fig. 101 
gebildet, nur ganz überzogen, mit 2 Schall löchern aus- 
gestattet und Vorder- und Hinterteil gleich stark aus- 
gebaucht. Bei den Gaben, also ein wenig nördlich, lernte 
Nachtigal „vicreaitige Mandolinen" aus Holz oder Kürbis- 
Bchalen kennen. 1 

Weiler nach Westen vordringend begegnen wii im 
Hinterlande von Kamerun mehreren derartigen Instrumenten. 
Sie zeichnen sich durch viele Wirbel ans. Eine „Harfe 
ans Antilopenfell ans Tihati" ».. sitzt 10 Wirtiel. Eine 
flnitarre der Mbum im Süden Adamauas ragt durch Grofse 
hervor. 

In der Südwestecki' der Verbreitung, in Gabun und 
Lounge, erreicht sie die Küste. Schon I'igafotta lieachlicb 



tg. 102. 

t ,-t t ' (juitarre der Wa- 
ganda (Museum f. 
Völkerkunde in 
Leipzig. 



I) Schwetnfartll, B. 24 1 und 244. I\>t.>rtuanns Mitleiltmgen (Kigiiuzungstiand 11), 
Taf. Fig. S. Junker, Casati etc. Stuhlmann, S. 17S, ö:t«i. <*. Peters: Deutsehe 
Kmin Pas« ha- Expedition*, 8. 388. Stanley: „Dunkle Widtt.il-, IM. I, S. 2411. Der- 
selbe: „Dunkelst.' Afrika-, Bd. U. S. 3<;i. .leau DvlK.wski. S. :to:;. Nachtigal, Bd. II, 
S. 024/025. 



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■ 



- 131 — 



solches Musikgerät von <ler Loangoküsto: Der Leib und Hals gleichet einer 
Laute, der Irnich aber, wo die Rose gemeiniglich eingeschnitten ist, ist 
nicht von Holz, sondern von einer Haut, die so dünn wie eine Hlaso ist 
Die Saiten sind starke und undurchsichtige Haare aus einen» Elephanten- 
schwanze oder Fäden von Palmbäumen, die von unten bis an den Hals des 
Instrumentes gehen und an verschiedenen und nebeneinander stehenden 
Hingein, wovon einige höher, andere niedriger sind, befestigt werden. An 
den Ringeln hangen sehr dftnnc Platten von Eisen und SiMmt (?) von ver- 
schiedener Gröfse und von verschiedenen Tönen. Wenn die Saiten gerührt 
werden, so Im* wegen sich die Ringel, welche an die Platten anschlagen und 
i einen verwirrten Gloekenklang 
machen. Diejenigen, die auf 
diesen Instrumenten spielen, 
greifen die Saiten akkordmiifsig 
und reiison sie wie eine Harfe 
mit den Fingern. 

Wichtiger als dies uns 
unbekannt gebliel>ene Instru- 
ment sind die Guitarren vom 
Ogowe M den Fan, nach 

117 *', Lenz „bestehend aus einem 
iv ungefähr 4 Fufs langen Schaft, 
mit 4 aus dünnen Lianen 
verfertigten Saiten und einer 
als Resonanzboden dienenden 
Kalabasse.« Nach Du Chaillu 
sind die Saiten verfertigt „out 
of the dried root of a species 
of treo." Instrumente aus Holz sind liäufiger wie solche mit dem Kasten aus 
Kürbisschalen. Sie zeigen eine von der der Sande etwas abweichende Form. 
Es fallt schon auf, dals bei den Guitarren dieser nördlichen Instnimeute der 
Menschenkopf am Griff des Halses angebracht ist; bei denen vom Ogowe aber 
vidierst «ich, wenn nicht der ganze Schallkasten eine geschnitzte Figur (wie 
»mm Fig. 103) darstellt, der Kopf oUmi an den Schallkasten an. An diesen 
oln-ren Kopffortsatz ist auch «ler Hals angebunden, während er bei den nörd- 
lichen Guitarron durchweg durch den Schallkasten durchgesteckt ist, so dafs 
sein Ende oft unten wieder herauskommt Daher sind bei diesen Guitnnvn, 

. bis auf die vom Ogowe, die Sailen beiderseits am Stabe, aber wo dieser als 
Hals aus dem Kasten heraussieht, durch WirM befestigt; unten, wo er 
durch den Ilaiitfii>er/iig «lern Auge verborgen ist — die Sailen gehen durch 

tr 




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— 132 — 



diese Haut hindurch — sind die Saiten einfach an den Bogen festgebunden. 
Anders nun Ihm den Guitarren vom Ogowe. Hier sind die Saiten auch an 
einer Seite am Hals durch Wirbel befestigt und sie versehwinden unten 
ebenfalls durch den Hautfiberzug. Sie sind aber hier unten nicht am Bogen- 
stabe ^festigt, denn von diesem existiert nur ein halber Schenkel , der mit 
seinem Fufsende am Kopf des Schallkastens angebunden ist. — Daher kann 
man die nördliche Form kurzweg als die altere, echte bezeichnen. Der 
Bogen ist ganz erhalten und der Schallraum ist angefügt. E« wachst al>er 
an der südlichen, jüngeren Ogowe-Form die Saite einerseits aus dem 
Scliallkasten als der Konstruktionsbasis und andererseits ist sie gescannt 
durch das sekundäre Konstruktionsgliod , den Hals. Ich werde auf den 
wichtigen Unterschied späterhin zurückzukommen haben. 1 Hier soll nur 
auf die erste Umgestaltung des nordafrikanischen Saiteninstrumentes im 
westafrikanischen Kulturkreise hingewiesen sein. 

Es kommen nun noch hie und da Notizen ül>or Guitarreu in den 
nordwestlichen Tündern vor, aber sie sind wenig klar. Nur aus Senegambien 
hören wir noch von Harfen, Guitarren oder tauten, deren Sehnen am Hals 
durch Wirbel befestigt seien. 2 Das ist hier entscheidend. Wir haben 
nämlich eine zweite Form der umgebildeten (iuitarre zu berücksichtigen, 
deren Verbreitung von den Haufsaländem an der Küste sich hinziehend bis 
in das südliche Senegambien erstreckt Wir nennen diese Ouitarren nach 
der wichtigsten Form die Asehant i-Form. 

Die Aschanti - Guitarre tritt uns, wie gesagt, im Haufsalande in 
Gestalt der zweisaitigen „moloru u entgegen. Sie ist nur durch eine nach 
einer Skizze von Passarge gefertigten Zeichnung bekannt. Der Stilb reicht 
durch den Schallkasten, er ist ziemlich gerade. Die Saiten sind an ihm 
oben (am Langschenkel) und unten (an einer kurz, vorsehenden Spitze) fest- 
gebunden. Wirbel fehlen nlso. Der SchaUkasten hat eine Öffnung. Merk- 
würdigerweise fehlt in der Zeichnung der Steg, der Ihm" der kaum merk- 
lichen Biegung des Stabes notwendig ist, denn ohne ihn liegen die Saiten 
auf der Unterseite mindestens am Rinde des Schallkastens auf, was die 
Töne anfserordentlieh Itecinflussen niiifs. Vielleicht hat Passarge den Steg 
vergessen oder der Zeichner ihn übersehen. 

Bowdich hat von der Aschanti -Guitarre eingehend l>erichtet Nach 
ihm ist die „Sanko u ein achtsaitiges Musikinstrument mit einem von Kroko- 

1) Morgen, S. 270. Passargn, 8. 470. Du Cliaillu, S. 294. Lenz, R. 80. Piga- 
fetta, S. 152,153. Papper, S. 152/153. — Am < Igowo sind diese Ouitarren so aufser- 
onlentlieh häufig, dafs fast jedes ethnographische Museum und sicher alle größeren 
Belegstücke besitzen. 

2) Gray und Pochani, S. 300 301, Fig. H. ,Allg. Bist. d. R.", Bd. HL S. 202. 



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— 133 — 




(Iiis- oder Antilopenliaut ül>ersponnenen Schallkasten. Ein Steg ist vorhanden. 
Die obere Saite entspricht unserem Tenor -C und die tiefere der darnntor 
liegenden Oktave; zuweilen sind sio allerdings in diatonischer Folge, aber 
nur zu häufig die Zwischensaiten auf das Geratewohl gestimmt, so dafs 
sie Erhöhung und Erniedrigung in jeder chromatischen Verschiedenheit her- 
vorbringen können, obschon die Aschantis nicht geschickt genug sind, dies 
auszunutzen. Die Saiten bestehen aus Baumranken, der Schallkasten ist oft 
aus Holztäfelchen zusammengebunden und mit Brand werk geziert. Alle 
Melodien werden auf diesem Instrument sehr schnell gespielt und es ist 
selbst einem erfahrenen Spieler kaum möglich, ein langsameres Tempo an- 
zunehmen, wobei sie jedoch, so schnell es auch immer sein mag, auf eine 
überraschende Weise stets 
im Takt bleil>en, was be- 
sonders auffällt, da jede 
Melodie mit Verzierungen 
überladen ist. Sie liaben eiue besondere Art, 
die Saiten mit den Fingern zu dämpfen, die 
eine recht angenehme und sauft.- Wirkung 
hervorbringt, pj„ jq^ 

Diese Saiteninstrumente, wie sie zwischen Sanko/'Guitarro der Aschanti 
Benin und Senegambien, also an der Nord- (Brit. Mus. in London). 
Guineaküstc heimisch sind, mögen in Einzel- 
heiten abweiehen, so z. B. statt des Holzkastens einen Hautboden, statt 8 
etwa 4 — 6 Saiten etc. aufweisen — im Princip bleiben sie gleich und das 
Wesentliche ist: schwache Krümmung des Bogenstabes, Fehleu der Wirbel 
und Vorliandensein des Steges. 1 

Es läfst sich also hinsichtlich der Gtutarren feststellen: 1. eine asiatische 
Form im Sudan, auf der Verbindungsachse und auf dem afrikanisch -asiatisehen 
Beziehungsgflrtel ; 2. eine abgewandelte Form im Südwesten des west- 
afrikanisehen Kulturkreises: die Ogowe-Guitarre; 3. eine abgewandelte Form 
im Nordwesten des westafrikanischen Kulturkreises: die Asclianti-Guitarre. 

3. Die Jiababa, ein Instrument, das schon die alten Ägypter besalsen 
und arabische Sänger in ihrem Heimatslando verwenden. Sie ist im Nord- 
westen Afrikas aufscrordentlich häufig. Mehrere Exemplare des Baseler 
Museums werden lolgendermafscn von Rütimcyer beseluieben: 

No. 531. Nubische „Rababa", Resonanzboden besteht aus einer 
hölzernen Schüssel, die. mit Fischhaut als Resonanzboden überzogen ist, 



1) Passarge, S. 47G und 8. 68. Gray und Buchara", 8. 300/301, Fig. 7. Bow- 
dich, 8. 405/406. „A% Hist. d. R.", Bd. IV, 8. 157 ff. Bosmauu, 8. 171/172. 



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— 134 — 



letztere, seitlich mit Schnüren Itefestigt, hat 3 Schalllöehor. In den Reso- 
nanzboden eingesteckt, bilden 2 seitliche Still >c mit einem oberen Verbinduugs- 
8t ab einen rohen, dreieckigen Kähmen, von dem ans 5 Saiten ans Sehnen 
ül>er einen hölzernen Steg filier den Resonanz! >odcn gezogen und an dessen 
Schnüren unten befestigt sind. Der obere Stab des Kähmens mit einigen 
Lumpen umwickelt. Nubien. Höhe 52 cm, Breite 42 cm. Kesonanzraum : 
Durchmesser 23 cm, Höhe 11 cm. 

No. 532. Grofse Laute „Kahalia u eines fahrenden .Sängers aus dem 
Sudan; der greise schüssel form ige Resonanzboden aus Holz mit einer mit 

starken Schnüren befestigten 
Tierhaut überzogen, mit 2 
Schal I löchern ; der hölzerne 
dreieckige Kabinen wie bei 
Nu. 531 — doch viel gröfeer 
— ist umwickelt mit bunten 
Tüchern und Bändern. An 
den oIhmvu aufscren Ecken 
je ein Kiindel von Straufsen- 
federn. Kinzelne kleine 
Täschchen aus Tuch ent- 
hielten Amulette, die bis auf 
ein Stin k Horn vom Inhaber 
der Quttarre, einem Neger, 
beim Verkauf entfernt wur- 
den, ü starke Saiten aus 
Sehnen gehen über einen 
hölzernen Steg zu einem 
Eisen ring am unteren Ende 
des Kesonanzbodens. Höhe 
116 cm, Breite 9G cm. Kesonanzraum: Durchmesser 53 cm, Höhe 20 cm 
(Fig. 105). 

Es ist das die arabische Kerar, wie sie auch dio Abessynier und die 
Galla fQhren, wie sie des weiteren von Schweinfurth l»oi den Mittu Madi 
im Bahr el 0 basal -Gebiet Angetroffen wimle. Nach den Roisenden gleicht 
das Saiteninstrument dieses Völkleins der Kabaha Nubiens wie ein Ei «lern 
anderen. Die 5 Saiten sind ül>er einen Steg gespannt, den die greise 
Schale einer Anodonta- Muschel darstellt Der Resonanzboden ist vierkantig 
und wird v<»n einem mit Haut überspinnten Gestell gebildet. Kunde Schall- 
löcher sind an den Ecken desselben angebracht. Die Raltaba der Bertat 
auf der anderen Seite des Nil entspricht nicht nur diesen Formen, sondern 




. Fig. 105. 
Nubwoh« liabal* (Bthnogr. Mus. in Basel). 



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— 135 — 

i 

auch Saiteninstrumente vom Nianza, nämlich solche der Waganda, Wassoga 
und sogar dor Wangaroine sind vollkommen ebenso gestaltet. 1 

Demnach findet sich die arabische Kerar als Kababa nicht nur in 
Übergangs- oder ßeziehungsstreifen zwischen Afrika und Asien, sondern auf 
der ganzen Verbindungsachse in einer unveränderten Gestalt. 

e) Die wetitarrikaiilHclion Saiteninstrument«. Wir trafen jetzt schon 
mehrmals auf unseren Wegen im westafrikanischen Kulturkreise ein. Die 
südlichen und westlichen Instrumente Gubo und Gora ffdirten uns hierher. 
Alier auch die Guitarron leiteten in dies Gebiet, das umgewandelte Gestalten 
bot. So scheinen denn hier viele, ja die meisten Formen zusammen zu 
kommen. ITnd dieser Schein trügt nicht. That sächlich ist nicht nur die 
Menge und Formffdle der westafrikanischen Saiteninstrumente erstaunlich, 
sondern hier im Westen treten alle Beziehungen zusammen, eine Erscheinung, 
die uns zwar nicht neu ist (vergl. unser Messcrstudium), die aber wieder 
die Aufmerksamkeit straffer anzieht, denn durch dieses Gewirr von Formen, 
in denen sich dem oi-sten Anscheine nach oft die entlegensten und fremd- 
artigsten Elemente vereinigen, Ordnung zu bringen, dazwischen den Faden 
der Entwicklung zu finden, ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. 

Demnach erseheint es am richtigsten, auch hier wieder der lieihe nach 
die wichtigsten Formen äulserlieh zu betrachten, um auf ihren anatomischen 
Hau danach einzugehen. Wir haben folgende llaupttypon zu besprechen: 
l. die Bambuslaute; 2. die Tangola; 3. die Sambi; 4. die Kru- und Man- 
dingo- leinte; 5. die Kinanda'-' und als Anhang die Negerzither etc. 

1. Die Bambuslaute, wol»ei man aber nicht an ein dem mittel- - ' 
alterlichen ähnliches Laub-iiinstrument denken wolle. Die Beschreibung, 
die Zenker von diesem Instrument gegel»en hat, ist jedenfalls noch die 
beste: Ein Instrument, das aus einem Bambusstabe besteht, aus dessen 
Kinde vier Streifen losgetrennt sind, die dann mittels eines mit Ausschnitten 
versehenen Steges in der Mitte auseinander gehalten werden. Eine am 
unteren Ende des Instrumentes befestigte halbe Kürbisschale dieiit als Ke- 
sonanzlKMlen, zum Anziehen der Saiten dienen Hinge, welche je nach Be- 
dürfnis auf- und niedergeschoben werden können. Dieses Instrument dient 
zum Begleiten der Gelegenheitslieder. 3 Es ist sehr zu bedauern, dafs die 

1) L. Kütimeyer in „Mitteil. a. d. Baseler etbn. Mus.-, S. 141 und 146; vergl. 
auch Nr. 615, S. 142; Nr. 699, S. 144 ; Nr. «22, S. 151. Paulitschke. 8. 148. Taf. XVIT, 
Fig. 58. Schweinfurth, 8. 163. Mamo 1874, Taf 7, Nr. 8. Stanley: „Dunkle Welt- 
teil*, Bd. I. S. 24!). C. Peters, 8. 388. Bauinann: „Massailamh, S. 57 und 202. 

2) Daran geblieben sich an: 6) die Ogowo-Guitairo, 7) die Aschantj-Ouitarre. 

3) Zenker in den „Mitteil. a. d. Deutschen Schutzgeh. 1895, Bd. VIII, S. 59; 
vergl. auch Guiral, S. 174 etc. 



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— 130 — 



Mitteilungen über die Musikinstrumente so aufserordentlich sehwach sind. 
Wenn nicht Abbildungen oder musikale Belegstücke zu Hülfe kämen, wäre 
es oft nicht möglich, ein klares Bild zu gewinnen. So kann ich auch ül>er 
die Verbreitung der Bambuslauto wenig sagen. Die Abbildung liei Guiral 
(Fig. lOGa) beweist, dafs dies Instrument bis zum Kongo Verbreitimg ge- 
funden hat und bei den Bateke heimisch ist, eine weitere in Gerlands 
- Völkerkmidenatlas, dafs sie auch bei den IIkj am Niger verwendet wild. 
Meine Belegstücke (Fig. 10Gb u. c) stammen aus Kamerun und zwar nicht 
dem südlichen, wo Zenkers Yaunde herrschen. Man kann zwei Formen 




106a. 106b. 100c. 

Fig. 100a. Ein die Bambuslaute spielender Muteke (nach Uuiral). 
KiL r . 106 b. Bambuslaute ohnu Itesonanzboden (Museum in Ix-ipzig). 
Fitf. lOOo. Bambuxlauto mit Resonanzboden (Musoum in Bremen). 

Beide aus Kamerun. 

unterscheiden. Der eine Typus ist durch einen Stab als Steg und eine 
Kalabasse als vermittelnder — er wird auf die Brust gedruckt — Resonanz- 
boden ausgezeichnet. An diesem Instrument liegen die Saiten in Kerben 
des Stabes übereinander. Der anderen Form dient ein Brettehen als Steg 
und die Saiten liegen nebeneinander. Eine Kalaluisse fehlt ihr. Von den 
Kotangringen ist zu sagen, dafs sie nicht allein zum Anziehen der Saiten 
notwendig sind, sondern dafs sie auch das Absplittern der aus dem Stabe 
geschnittenen Saiten verhindern müssen. Endlich ist Doch hinzuzufügen, 



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— 137 — 



dafe der echte Bambus nicht sehr oft zur Herstellung dicaer Instrumente 
in Afrika dient; meine allerdings schwache botanische Kenntnis läfst mich 
viel häufiger auf Bambuspalme schliefsen. Doch dies nur nebenbei. 

2. Die Tangola wurde schon oben besprochen. Die Verbreitung 
erstreckt sich von Angola bis zur Nord- Guineaküste. Wenn wir hier auf 
sie zurückkommen, so geschieht es, um auf zweierlei aufmerksam zu machen. 
Einmal wird nach Holub im Marutse Mambundagebiet die Gubo mit der 
Kalabasse als dem vermittelnden Resonanzraum ebenso gegen den Leib 
gedrückt wie die Bambuslaute in Kamerun und zum anderen wird die 
eine Saite der Tangola in der Blanche-Bai auf Neu- Pommern in gleicher 
Weise wio die eben besprochene laute durch einen Ring (dort Schlinge 
genannt) gestimmt (Fig. 100). 

3. Die Sambi. Dies In- 
strument ist weitaus am häufigsten 
in der Gabungegend. Seine Ver- 
breitung erstreckt sich vom Niger 
bis in das südliche Kongobecken. 
Am besten sind die Berichte 
Bowdichs über die Sambimusik, denen wir 
hier zunächst folgen. 

Die Musik der Pangwe (am Gabun) ist 
im allgemeinen viel schlechter als die der 
Asclianti. Die Sambi ist ihr einziges eigen- 
tümliches Instrument. Sie gleicht der Mando- 
line, liat aber nur 5 Saiten, die aus den 
Wurzeln des Palmbaumes gemacht sind. Der 
Hals besteht aus 5 Stücken Bambusrohr, an 
welchen die Saiten befestigt sind, die sich 
leicht, aber nicht sicher stimmen lassen. Sie 
spielen dies Instrument mit beiden Händen. Die 
Töno sind sanft, liaben aber nur wenig Kraft 
uud Abwechslung. An mondhellen Abenden 
werden lange Geschichten in Recitativfurm 
zur Sambi erzählt. Eine Lieblingsgeschichte 
ist eine Erzählung der Kunstgriffe, durch 
welche die Sonne die Oberhand über den 
Mond davontrug, der zuerst von ihrem ge- 
meinschaftlichen Vater ihr gleich geschaffen wurde. Im Qegensatz zu dieser 
Musik beschreibt Bowdich die Ton«? der Ogowe-Guitarre „voll, harmonisch 
und tief/ 




Fig. 107. 
Sambi der Mussorongo; 

a clor Stimm ring. 
(Museum in Bremon.) 



■■- • 



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13* 



Und dieser Unterschied ist nicht ol »erfläch lieh aufzufassen, er geht 
tiefer. Dort der mit Haut überspannte Schallkasten , die Saite aus Tierfaser, 
die Stiinmweisc mit Wirbeln. Hier fehlt das „tierische" Material. Der 
Resonanzboden int vollkommen aus Holz oder einer Kalabasse (verhältnis- 
mäfsig selten) verfertigt. Die Saiten aus Pflanzenfasern sind dureh die 
gleichen Ringe (Fig. 107a) gestimmt, wie sie auch die Bambus-Laute und 
die Tangola Ifesitzen. 

Für Nordkamerun liegen verschiedene Belegstücke, für Südkamerun 
der, Berieht Zenkers vor. Durch, umfangreiches Sammlungsmaterial ist das 
Vorkommen der Sambi an der Loangoküste und der Kongomündung erwiesen. 
Nur um ein Beispiel der merkwürdigen Art, wie die Musikinstrumente selbst 
von Musikverständigen beschrieben werden, füg« 1 ich den Berieht Merollas 
über die Sambi an der Loangoküste an: Die Sambi gleicht einer Zither (!), 
sie hat keinen Hals, sondern an dessen Stelle 5 kleine, eiserne (!) Bogen, 
! welche, wenn sie gespielt wird, mehr oder weniger in den J^eib des In- 
strumentes gedrückt werden (!). Die Saiten sind von Palm hau mttldon. Die 
Sambi wird mit beiden Daumen gespielt und hangt dann dem, der darauf 
musiciert, gerade an der Brust 1 

Im Kongogehiet. scheint die Sambi am vollkommensten gespielt zu 
werden. Wenigstens wird die Musik der Bajansi oder richtiger Bahangi 
und der Batcke mehrmals Inland erwähnt. So liei Johnston: Wegen wirk- 
licher Schönheit des Tones berühmt ist die . r > saitige Leier vom Kongo, auf 
welcher die eingeborenen Musiker el»enso seltsame als rührende Melodien 
zu spielen verstehen. Die pentatonische Skala ist allein im Gebranch und 
die Töne der Sambi sind: C DKG A C Das F und H unserer Tonleiter 
fehlen demnach. — „Dies Mittelding zwischen Mandoline und Guitarre* 
wird nach Wolf l>ei den Bnkuba „Lukonde" genannt. Der an einem Ende 
offene Resonanzboden derselben ist gewöhnlich mit zierlichen Schnitzereien 
verseilen. Die Saiten sind feine Fällen aus Bast, Gras, Rotang oder Raphia- 
faser. — Magyar bildet eine dreisaitige Sambi aus dem südlichen Kongo- 
becken ab als Kissumba (Tamtam oder Tamburin -). Tamtam oiler Tamburin 
ist entschieden gut. Aber, wehe heilige Musika! was ist nicht alles Tam- 
tam, Zither .-tc genannt wurden. 

Ol» die Sambi an der Xord -Guineaküste heimisch ist, wird mit Sicher- 
heit erst noch festgestellt werden müssen. Binger erwähnt in Wassaln ein 

1) Bowdich, S. 509 — 571. „Allg. Bist. d. R. 4 -, Bd. IV, 8. 714. Zenker in den 
«Mitteil. a. d. Deutschen Schutzgebieten", Bd. VIII, 1N9.">, S. 5<J. Kalkonstein, S. 193. 
Burton: „Twu Trips to Gorilla Land", Ixindon 187(», Bd. 1 . 8.121. 

2) Johustou: «Der Kongo", S. 403 '4(14. Wilsmann -Wolf , 8. 253/254. Magyar, 
Taf.Vl, Nr. 0. 



■ 



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— 139 — 



hei «Ion Hainham verbreitetes Musikinstrument mit Namen Dian-no. Dieses 
besteht aus einer Kalaliasse, die von drei starken Bambusstäben durchquert 
wird; jeder ist mit einer Darmsaite versehen, Befestigung an einem Holz- 
gestell. Man spielt es wie. eine Harfe. 1 c , /, 

4. Die Mandingo- und Kru-Laute. Wenn die Samhi auch wirk- 
lieh in Oherguinea fehlen sollte, so ist hier doch noch lange kein Mangel 
an Saiteninstrumenten. Vor allem ist hier die Mandingo- und die Kru- 
*.«•,', irfitrte zu erwähnen, zwei Instrumente, die im inneren Wesen sehr viel 
gemeinsam hahen. Die letztere ist die bekanntere, weil diese Kru, wie 




Fig. 108 b. Eine Eni -Laote, in Banana erworben (Museum in Bremen). 



iH'kannt ist, als tüchtige Sehiftsarl>eiter und Strandlotscn an der ganzen 
Westküste hinab bis Benguola ein arbeitsfrohes Lol»en führen. So ist denn 
die taute (Fig. HrHb) in Banana an der Kongomündung erworben. 

Dieses Instrument besteht aus einem Kürbis, der als vermittelnder 
Resonanzboden gegen die Brust gedrückt Wird. Aus diesem Sehallraum 
wachsen" entweder im rechten Winkel sieh trennend zwei Stühe am gleichen 

1) Binger, Bd. I, S. 76. Ganz deutlich ist Binger auch nicht immer. Auf der- j t 
selben Seite beschreibt er ein „F;ibrcsnro u genanntes Instrument. Dieses soll noch 

/ ... 

unerträglicher sein. Ein Kein , au dessen beiden Enden 2 klein»- Kalabassen angebrac ht 
sind, wird wie eine Flöte geblasen. 



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— 140 



Platze heraus oder nur ein Stab, an dem im rechten Winkel oder wagerecht 
zur Seite abstehend ein zweiter liefest igt ist Das Dreieck wird oben ge- 
schlossen, indem ein dritter Stab die Enden der etwa gleich langen Stäbe 
verbindet und ihnen so Halt giebt. Parallel diesem dritten Stabe werden 
nun an den beiden Grundstäben 5 — 10 Saiten so befestigt, dafs sie durch 

* 

Löcher an dem einen gezogen, um den anderen aber gewickelt werden. — 
j Ein Instrument in einer Privatsammlung, das leider nicht abgebildet werden 
kann, zeigt einen wichtigen Unterschied. Die beiden Grundstäbe gehen 
nicht im rechten Winkel, sondern in einem Winkel von etwa 145° aus- 
. einander. Eine dritte Verbindungsstange fehlt, und — was noch wichtiger 
ist — die Spannung der Saiten ist durch Ringe wie an der Sambi er- 
; möglicht, > 

Die zuletzt beschriebene ist nur die fTbergangsform zur Mandingo -Lante. 
Es sind an dieser nicht mehr 2 Stäbe als Saitenträger vorhanden, sondern 
nur noch einer, der getragen ist. Etwa in der Mitte ist an der Peripherie 
die Scliallkalabassc gebunden (Fig. 108a). Betrachten wir die tieiden Formen 
umgekehrt., so ist dies wohl richtiger. Dann erscheint der Dogen als Aus- 
gangsform; die Kru- Laute zeigt nur den zerbrochenen Saitenträger. Dann 
können wir noch weiter zurückgehen und dio Mandingo- Harfe mit der 
Tangola in Beziehung bringen. Diese letztere liat nur eine Saite, die Man- 
dingo- Harfe alier ca. fünf. Andererseits wird uns liier eine Beziehung 
wahrscheinlich nach anderer Richtung. Denn die Form der Mandingo -Harfe 
und der Tangola wird vereinigt in der Hambos- taute, die auch mehrere 
Saiten wie das nördliche Instrument hat. Diese Erkenntnis wird uns später 
von großem Nutzen sein. 

5. Die Kinanda. Den Weg, der zur Klarheit führt, verlassen wir 
anscheinend vollkommen, wenn wir uns jenen schalenförmigen mit vielen 
wagerecht und |ian»llcl laufenden Saiten versehenen Musikinstrumenten zu- 
wenden, die ich unter dem Namen Kinanda zusammenfasse. 

Den verbreitetsten Typus, der auch hier und da in Ostafrika vorkommt, 
beschreibt Burtun folgendei-nudsen: Es ist ein flacher Kasten von einem 
einzigen Stück Holz geschnitten, 13 Zoll lang und 5 oder C Zoll breit und 
ungefähr 2 Zoll tief; 11 oder 12 Saiten sind straff ülicr die Öffnung ge- 
zogen. Das Instrument wird gewöhnlich auf den Schoßt gesetzt und mit 
2 Händen darauf gespielt. Zuweilen wird die Kinanda auf dio Öffnung 
eines grofsen runden Kürbis gesetzt, welcher sodann die Rolle eines Resonanz- 
bodens übernimmt. Eine solche ostafrikanische Kinanda ist in Fig. 112 
abgebildet. Zu diesem Instrument bemerkt der Sammler (Schüler): Der 
Schallboden ist nach vorne zu setzen, während die Spitze des Instrumentes 
an der Brust angesetzt wird, also umgekehrt, wie bei uns. Das Spielen 



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geschieht durch einfaches Anschlagen der Saiten mit beiden Händen, während 
des Haltens. — Die Saiten bestehen aus Tiersehnen. 

Diesem ostafrikanischen Typus 1 der Kinanda 2 stehen die westafrika- 
nischen insofern gegenüber, als sie nicht die Schalenform haben und mit 
zwei Stegen verschen sind. Es sind einfache Bretter mit zwei Leisten dem 
Ende zu, über die die Saiten gezogen sind. Zuweilen, aber durchaus nicht 
immer sind sie mit einem Kflrbis als Resonanzboden versehen (Fig. 111). 
Stanley bildet ein Exemplar (Fig. 109), das von den Walegg a stammt, ab, 
das ein gebogenes Brett 
mit den Randleisten ist. 
Aufser diesen beiden 
Leisten finden sich aber 
kleine Stäk-hen, die nnf- 
recht gestellt sind, als 
Stege. 

Die Verbreitung die- 
ser Kinanda ist eine 
wesentlich westliche. Sie 
erstreckt sich von der 
nördlichen Gninoakfisto 
bis in das südliche Kongo- 
becken und bis in die 
Waldregion am oberen 
Aruwimi. Alle westlichen 
Formen sind schalenartig 
und es mangeln ihnen 
die Stege. Aufserdon) 
zeigen die westliehen 
Kinanden Saiten aus ge- 
drehter Raptuafaser und 
Rolang, die westliehen 
solche aus Tiersehnen. 

Dieser Unterschied beschränkt sich nicht auf die Kinanda. Auch sonst 
sind diese Merkmale für den Gegensatz von .Ost-, Süd-, Nord- und Westafrika 




Fig. 109 und 110. Saiteninstrumente der Walegga 
(nach Stanley). Fig. 111. Saiten instrument von der 
Goldküsto (mich Barbot). Fig. 112. Kinanda aus 
Usangu (Slg. Schüler im Leipziger Museum). 



1) Derselbe findet sich, allerdings den anderen gegenüber, auch im Westen, | \ 
so an der Loangoküste. — Die Belegstücke des Leipziger Museums mögen allerdings 

zum Teil aus dem Osten stammen. Jedoch ist durch zuverlässigeres Museumsmatorial 
■neb die westliche Heimat sichergestellt. 

2) Burton: „Lake Regions", Bd. II. S. 293. Baumann: „Massailand*, S. 202 
und 190. Stuhlmann, S. 558. 



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- 142 - 



bezeichnend. Der Steg bedeutet einen besonderen Wesenszug, vermittelst 
seiner wird das Grundmnterial , und wenn es nur ein Brett wie bei dieser 
Kinanda ist, zum Resonanzboden. 

>•'■•> 

C. Die Ogowe-Gu>tarre. Nunmehr wollen wir die zwei wostafrika- 
nisehen Können der Guitarre, die ursprünglich aus dem Norden slamint, 
auf ihre westafrikanischen Elemente prüfen. Die asiatische Oyüttirre der 
Afrikaner war durch starke Betonung <les Bogens charakteristisch. An ihm 
waren oben (durch Wirbel) und unten (im Schall räum) die Saiten befestigt 
Am Wirbelonde lauft er oft in einen Menschen- oder Tierkopf aus. Im 
Öeg(;nsatz hierzu fanden wir eine starke Verkümmerung dieses Bogens an 
der Ogowe-Guitarre und im Gegensatz eine kräftige Entwicklung des Schall- 
kastens, der nicht nur in Menschenform ausgearbeitet, sondern auf dem 
auch jenes letzte Stück des Bogens, der die Wirbel und die einen Enden 
der Saiten trügt, aufgesetzt ist. 

Vergleichen wir dies mit der Samhi (Fig. 107), so sehen wir sogleich 
eine tiefe Übereinstimmung, die die Ogowe-Guitarre den westafriknnischen 
' c Musikinstrumenten noch näher verwandt erscheinen läfst, als den nord- 
afrikanischen, trotz der Wirbel. Diese Verwandtschaft liegt darin, dafs die 
Saiten einerseits an den dem Sehall kästen angefügten Halse, andererseits 
am Schallkasten seihst liefestigt sind. Wir kennen demnach den Unterschied 
der westafrikanischen und der nordnfriknnischcn Saiteninstrumente dieser 
Art feststellen: Bei den nordafrikanischen Guitarren verwächst die Saite auf 
beiden Seiten mit dem Bogen, bei den westafrikanischen auf der einen Seite 
mit dem Schal Ikastcn, auf der anderen mit dem Rest der übriggcblieltenen 
Hälfte des Bogens. 

Wir werden sehen, wie diese Definition sieh in anderen Vergleiehs- 
fällen verwenden läfst. 

7. Die Asehanti-Guitarre. Das eben Gesagte jalst hier anscheinend 
ganz und gar nicht. Denn die Saiten sind ganz regelrecht an beiden Seiten 
des Stabes befestigt; allerdings ist dieser nicht gelegen oder nur sehr wenig 
(vergl. Fig. 104). Aber andere westafrikanische Merkmale können wir in 
drei Elementen feststellen. 1. Die Saiten sind am Griffende mit Vcrschlingnng 
am Holze befestigt (statt mit \Virl>eln) und zwar so, dafs ein festeres An- 
ziehen dieselU'u spannt. Hierin ist die westafrikanisehe Ringspannung 
wiederzuerkennen. 2. Der Resonanzkasten ist ans Holz gezimmert und die 
Saiten bestehen aus Haunirankeii. Das ist westafrikanisehe Pflanzenfaser- 
Verwendung. 3. Ein Steg ist vorhanden. 

Da mul's denn doch die Frage herausgezogen werden, weshalb dies 
Instrument zu den nnrdafrikanisehen Guitarren bei so viel westafriknnischen 



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— 143 — 



Elementen gerechnet werden müsse? Nun: „weil bei den nordafrikanischen 
Guitarren die Saite auf beiden Seiten mit dem Bogen verbunden ist. a 

Ja ist das denn bei westafrikanischen Saiteninstrumenten nicht der 
Fall? Bietet nicht die Bambuslaute das allerbeste Beispiel hierfür? 

Also haben wir mit diesor Definition den Kern der Sache noch nicht 
getroffen. Und er ist auch nicht zu erkennen, ehe wir nicht die Beziehung 
der westafrikaiiisch.cn Saiteninstrumente unter einander aufgedeckt haben. 
Wir haben aber doch einen Anhaltepunkt, eine Ausgangsstelle aus diesem 
Ijabyrinth gewonnen. Wir brauchen nur noch die letzte der in dieser Reihe 
sich aufdrangenden Fingen yi den Vordergrund zu bringen. Sie lautet: 
Die Konstruktion der Ouitarrc leitet auf den Bogen zurück: die einfache 
Ba rt t hu rtkwte ist eine Bogenkonstruktion verwandter Art. Was ist Wider 
Unterschied? 



Die entwicklungsgeschfchtlichen Beziehungen 
der wcstafrikaiiischen Saiteninstrumente. 

So sind wir denn am Endo der Boschreibung der Formen gelegentlich 
des Dilemmas, zu welcher Grupjx? man diese oder jene Gestalt zu nehmen 
habe, wieder in die Nahe jener Hypothese gelangt, die uns im Anfange 
interessierte, dafs nämlich alle Saiteninstrumente auf den Bogen zurück- [ 
zuleiten seien. Denn wenn ich auf die obige Finge antworte: dio nord- 
afrikanischen Saiteninstrumente sind auf einen Bogen mit Tiersehne zurück- 
zuführen, während die westafrikanischen Bambuslauten ans Pflanzenfasern 
bestehen; so wird man sehr richtig hinzubemerken: das trennt auch die 
Bogenformen Nord- und Westafrikas. Also spricht das für die Annahme, 
dafs die Saiteninstrumente aus dem Bogen hervorgegangen seien. 

Fassen wir die Verhältnisse schärfer in das Auge und betrachten 
die westafrikanischen Saiteninstrumente im engen Kreise. Für sie ist 
folgendes charakteristisch: 

1. Die Saiten. Die Berichte mögen noch so verworren und unver- 
ständig sein, jeder Beschreiher westafrikanischer Saiteninstrumente hebt eine 
Eigentümlichkeit «1er Saiten hervor, dafs sie nämlich aus Pflanzenfasern 
bestehen. Nur an einigen dem nord- oder ostafrikanischen Kulturkreiso 
näher gelegenen Orten werden Schwanzhaare und Tiersehnen erwähnt. 

2. Die Spaunung der Saiten wird nicht durch einen Wirbel erreicht, 
sondern durch Ringe aus Rötung oder Schlingen aus Raphiafäden. Wir 
lernten solche an der Tangola der Südsee, ferner der Bambuslaute , der 



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Sarul»i , der Km- und Mandingolautc (bei letzterer nicht ganz sieher!) und 
etwas Verwandtes bei der Aschanti-Guitarro kennen. 

3. Der Schallkasten. Wir können dreierlei Schallk&sten unter- 
scheiden. Die erste Form des SchaJlkastens bietet das Brett der Kinanda 
und der Stab der BanYhuslauto. Die zweite Form des Schallkastens 
sehen wir in den unten angefügten Kalabissen. Die dritte Form des Schall- 
kastens endlich besitzt die Sambi. Es ist dies der ausgearbeitete Schallkasten. 

4. Der Steg. Das Vorhandensein oder Fehlen des Steges teilt die 
westafrikanischen Saiteninstrumente in zwei Gruppen. Die erste Gruppe 
umfafst die Ramhuslaute, die Kinanda, die Sambi. Die zweite Gruppe 
wird gebildet durch die Tangola, die Kru- und die Mandingolaute. 

Nun mnfs die erste Gruppe schon deswegen als speeifiseh westafrikanisch 
liezeichnot werden, weil sie geographisch als solche gekennzeichnet ist. 
Der Osttypus der Kinanda, die Gora und die Gul>o, sind auch Verwandte 
dieser westafrikani sehen Tangola und Knilaute, al>er sie zeigen Verlust und 
Verkümmerung gleichzeitig mit der externen (aufserhalb des westafrikanischen 
Kulhirkreises) Lage. j 

Wenden wir uns demnach zunächst der ersteren Gruppe zu: Bambus - 
Ijaute, WcKtkinanda, Sambi. Die westliche Verbreitung und das eharak- 



113a. 




113h 



Fip. 113a. Bamltuslautu von Madagaskar. Fig. 113b. Bambuslaute von 
<lon Niknharen (Museum in Iißipzig). 

teristiseho Merkmal strenger Pflanzenverwendung liifst uns schon ahnen, dafs 
hier inalajonigritisehe Geräte vorliegen. Und das ist richtig. So beschreibt 
zum Beispiel Rissler die Musikinstrumente der Insel AVetter: Von einem 
Stück Bambus ist an mehreren Stellen die Schale so sorgsam abgelost, dafs 
sie an beiden Enden am Bambus fest sitzen bleibt. Durch untergescholiene 
Holzpflocke wird dann eine Saite hergestellt, die M der Berührung mit dem 
Finger einen Ton giebt. Die Saiten, bis 10 Stück, liegen oft so dicht neben- 
einander, dafs sie durch ein einziges Stück Holz auf jeder Seite gleichzeitig 
gespannt wenlen können. Das Instrument ist ca. 40 cm lang. 



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— 145 — 



Em Beispiel dieses ersten Typus der Bainbuslauten , die über ganz 
Indonesien verbreitet sind, ist Fig. 113a, ein Instrument von Madagaskar. 
Der zweite ist in Fig. 113b, einer Dangang von den Nikobaren, zur Dar- 
stellung gebracht. Svoboda hat diese Dangang folgendennafsen l>osehrieben : 
Ein Bambus oder hohler Stamm in verschiedenen Grofsen, ist der Länge 
nach mit einer einzigen Pflanzenfaser, einer Rotangsaite oder Rohrfaser V/. .>■'>• 
bespannt, die filier einen Pfalz (Steg) läuft, um gespannt zu bleiben. Der 
Spieler hat nur eine kleine Anzahl Tone und begleitet damit seinen mono- 
tonen, näselnden Gesang. Verschiedene Grossen Verhältnisse schwanken 
zwischen 58 und 107 cm Länge bei 5 — 9 cm Breite. 

Dafs die Bambnslautc Kameruns eine Nachkommin derer Indonesiens ] 
ist, brauche ich wohl nicht erst zu beweisen, auch nicht auseinanderzusetzen, 
dal's das Instrument der NikoUiren ein wichtiges Mittelglied zwischen der 
vom Schall kästen selbst geborenen Bambussaite und der der Sambi an- 
gehefteten Rotangsaite ist. Von hier aus tietrachtet, ist auch die West- 
kinanda verständlich. Statt der Rolle ist ein Brett die Basis des Instru- 
mentes, die Saiten wachsen nicht aus diesem heraus, sondern werden 
ubergehängt. Aber die beiden Stege sind noch vorhanden. Natürlich ist die 
Ostkinanda eine jüngere Form, an der dio beiden Stege durch Aushöhlung 
des Brettes zur Schale ersetzt sind. 

Als dritte Form der ersten Verwandtschaftsgruppo w r ard die Sambi 
genannt. Immerhin ist die Beziehung keine so innige wie zwischen West- 
kinnnda und Bamhuslaute. An ihr wächst die Saite einerseits aus dem 
Schallkasten, von dem sie durch den Steg entfernt gehalten wird. Auf der 
anderen Saite ist sie an Bogenstäben befestigt und wird hier durch Stimm- 
ringe in der Spannung reguliert. 

i. . . 

Die Tangola, die Mandingo- und dio Krulaute bilden die zweite 
Gruppe. Die Tangola ist einsaitig, die anderen beiden sind mehrsaitig. 
Die Krulaute ist nur die Folgeform (mit dem gebrochenen Saitenträger) der 
Mandingokwite (mit dem gebogenen oder Bogen -Saiten träger). Dio letztere 
ist von der afrikanischen Tangola immer dadurch unterschieden , dafs diese 
einsaitig ist und sie fem er auch geblasen und mit einem Stabe geschlagen 
wird. Demnach inufs die konstruktive Beziehung der Tangola zur Bambus- - 
laute vor allen Dingen festgestellt werden. 

Wenn ich anstandslos behaupte, dafs dio Bambuslaute den Ausgang 
auch dieses Instrumentes bilde, so belege ich das 1. damit, dafs die 
Bambuslaute aus einem Stück gearl»eitet ist; sie ist gleichsam ein Produkt 
«ler Beschaffenheit des Materiales, des Bambus; 2. damit, dafs in Oeeanion, 
dem Heimatlande dieser Instrumente und der Dangang der Nikobaren (Fig. 113 h), 
ja lieobaehtot wird, wie auch die rhergangsform zur Tangola noch Saiten - 

Frobonin«, Afrikanische Koltnmn 10 



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— 146 — 



und Schallkasten aus Bambus, also dem gleichen Material bietet; 3. damit, 
dafs die eine Saite der Tangola NeujMunmorns noch mit der Stimmschlinge, 
die im Ursprung ein Konstruktionsglied der Bamhuslautc, nicht al>er der 
Tangola ist, gespannt wird; 4. damit, dafs die Tangola eine bedeutende 
Vermehrung der Konstruktionsglioder zeigt, nämlich einmal den vermittelnden 
oder direkten Schallkosten, eine Kalabasse und zum anderen das Piektrum, 
ein Schallstäbchen. 

Diese Vermehrung bietet uns auch die Möglichkeit festzustellen, unter 
welchem Einflufs die Bambuslaute zur Tangola geworden sei. Die ägyptische 
Laute „'Ud tt wird, wie wir (S. 129) sahen, auch mit einem Piektrum 
geschlagen. Die Beziehung eines Stabes zum Saiteninstrumente liegt auch 
dem Bogen der Violine zu Grunde, wobei ich nicht ohne weiteres beliauptet 
haben will, dafs der Violinbogen aus dem Plektrum entstanden sei. Weiterhin 
mufs es sehr auffallen, dafs aus so alter Zeit, wio der malajonigritischen 
Kulturepoche noch eine linguistische Eigenart sich so klar erhalten habe. 

I Jedenfalls liegt im Plektrum ein Beleg für asiatischo Beziehung, die 

sehr alt sein kann, jünger aber sein dürfte als die Bambuslaute. Ferner 
j giebt die Verwendung des Kürbis einen Fingerzeig. Die allgemeine Ansicht 
neigt dahin, diesen in Indien als seinem Heimatlande aufzusuchen. Und 
mit einem eventuell indirekten Einflufs können wir auch die tierischen 
Saiten der Gubo und der Gora erklären. 

Unwillkürlich sind wir damit in den Wirrwarr occaniseher Probleme 
hineingeraten, die hier ja eigentlich nur dann herflek sieht igt werden sollen, 
wenn afrikanische Kulturfragen es beanspruchen. Deshalb soll dieser Faden 
schleunigst abgerissen und nur das eine Ergebnis im Auge Inhalten werden, 
dafs auch die Saiteninstrumente der Melanesier zweierlei verraten 1. malajo- 
nigritischen Ursprung, 2. asiatische Beeinflussung. Beleg für ersteren ist 
die Bambuslaute, ein solcher fflr letzteren die Tangola. 

Nun Afrikas südliche und westliche Saiteninstrumente in ihrem Ver- 
wandtschaftsverhältnis zu den nördlichen. Wenn wir bedenken, dafs die 
malajonigritischo Bainhuslaute der Ausgangspunkt eigentlich westafrikaniseher 
Saiteninstrumente ist und die Tangola sichere Abwandhing nach asiatischem 
Vorbilde zeigt, dafs die asiatischen Saiteninstrumente in Afrika mit allem 
Reichtum wie Wirbel, Hautkasten, Tiersaiten auftritt, dafs diesen zumeist 
(Violine und Guitarre) die einfache Bogenkonstruktion zu Grunde liegt, 
welche auch die Tangola aufweist, so können wir sagen, dafs diese Tangola, 
Gul»o und Gora die Ausgleichung zwischen malajonigritischen und asiatischen 
Formen darstellt. Und das entspricht den bisherigen Ergebnissen der 
Studien über Schilde Bogen etc. vollkommen. Der afrikanische Bogen mit 



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— 147 — 

der einfachen Krümmung und der tierischen Sohne steht in der Mitte 
zwischen den asiatischen und malajonigritischon Formen. 

Das erinnert wieder an das Problem vom Ursprünge der Saiteninstrumente. 
Sind sie nun alle wirklich vom Bogen ausgegangen? Der Bogen der Tangola 
verdankt seinen Ursprung der Bambuslaute, wie sie etwa die Kameruner 
Form darstellt ; das hat die anatomische Zergliederung vollkommen erwiesen. 
Daher stimmt die Hypothese für die nialajonigritischen Saiteninstrumente 
nicht. 1 Dio Vorgeschichte der Rahalia, Violine und Guitarre, die alle 
fraglos nicht afrikanisch sind, liegt für uns noch im Dunklen. Hier kann 
das entscheidende Wort noch nicht gesprochen werden. 



Übersieht der Saiteninstrumente Afrikas. 

Im Norden treten d/ei Formen vollendet in Afrika ein 1. die Violine, 
2. die Öuitarre, 3. dio Raliaha. Sie haben eine Verbreitung, die der Nord- 
achse, der Verbindungsaohsc und der Ül»ergangszono nach Asien entspricht. 
In diesem Gebiete machen sie keine wesentliche Veränderung durch. Erst 
in der Berührung mit westafrikanischer Kultur gehen zwei neue Formen 
der Guitarre hervor, die bei wesentlich asiatischer Konstruktion , westafrika- 
nischc Elemente zeigen, die Äschanti- und die Ogowe- Guitarre. 

Der Westen bietet eine Gruppe malajonigritischer Formen: Bambus- 
laute, Kiuanda, Sambi, von denen die letztgenannte schon den Einüufs 
einer zweiten Gruppe zeigt: Tangola, Mandingo-, Km letztere 
sind schon in Oceanien unter asiatischem Einflüsse aus der Bambuslaute \ [ 
entstanden. Ihre afrikanische Verbreitung bedeutet: Innehalten der Grenzen 
des westlichen Kulturkreises. 

Im Osten und Süden zeigen sieh einmal Obergangnformen, zum andern 
und vor allem aber eine gewisse AbschwOehnng. Die Ostkinanda ist eine 
solche Abflachung, die Gu1m> und Gera eino Auflösung, die Zeze ein Ül»er- 
gang von der Tangola zur Guitarre (die Griff tasten!). Die Verbreitung deckt 
sich mit der südlichen Haupt- und ihrer westlichen Nebenachse. 

Die Konstruktion der nördlichen Formen weist unbe<lingt auf tierische 
Materialien hin (die Wirbel eine Folge der tierischen Saite! Der Hautkasten), 
die der westlichen auf lediglich pflanzliche. Die südlichen und östlichen 
zeigen Mischung beider. 

1) Die Fragen, dio sich hier aufdrängen, und die Weitorverfolgung dieses Ge- 
dankenfadens werden im Kapitel „Kulturformen und Kulturzeiten" Enirtorung linden. 



10* 



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Iis 



Systematik. 



\) Die afrikanischen Saiteninstrumente: 

(AMlachung malnj« »n ii^ri t i si -hör und asiatischer 
Elemente.) 

1. Osikinanda( N^chkonunederWcstkinaiida). 

1" ^" ,>0 \ (Auflösung der Tangoin). 

3. (jora ) 

4. Zezo (Verbindung vonCmitanv u.Tangola). 

B> Die asiatischen Saiteninstrumente: 

(Tierische Materials, Wirlw l . Ilautk;isten, 
Tiersaite.) 

1. Violine. 

2. Guitarro. 1 

3. Rakaha. 

(') Die nialajonterltlselicn Saiteninstrumente: 

(Pflanzliche Materialien.) 

1. Gruppe (Ursprungsfnnn und direkte Nach- 
kommen; Steg, Stiuiiiischliugc): 

1. ltomhnslaute. 

2. Westkinanda. 

3. Sambi. 

2. Gruppe (Nachkommen der Ruiilnislaute, in 
Oeeanieii entstanden. Fohlen des Steges, 
zuweilen auch Stiininsehlinge): 

1. Tangola. 

2. Maudingo- leinte. 

3. Kru- Lunte. 



Sudachse. 



Verbindung mit Asien, 
Nord- und Vcihindungs- 
aelise. 



Westliches 
gi 'biet. 



A Magern ngs- 



I) Di«' Asrhanti- und O^mve-Unitarrcn, _asiatisrhc Saiteninstrumente mit 
malaj<mii:ntiseheii Merkmalen im westafrikanischon Kultui kreis", sind nicht wichtig, 
«lafs. si«' hier aufjjcfiihrt werden iniifsten. 



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— 149 — 



Auhaus; Uber verschiedene afrikanische Musikinstrumente. 

Aufser diesen Saiteninstrumenten sind als afrikanische Musikinstru- 
inente aufzuführen: Zithern, Blashöraer, Flöten, Pfeifen, Risselstäbe, Rassel- 
körbe, Glucken, Marimba und Trommeln. Die beiden letzteren sind so 
wichtig, dafs ihnen ein eigenes Kapitel gewidmet werden mufs. Die anderen 
bieten im allgemeinen so wenig Abwechslung und ja auch wenig Gelegen- 
heit zu mannigfaltiger Entwicklung, dafs sie für Untersuchungen der vor- 
liegenden Art wenig geeignet sind. Ich will mich daher darauf beschränken, 
das Wesentlichste von dem hervorzuheben, was in Betracht kommt. 

Vor allem müssen die z'Uherartigen Instrumente interessieren, deren 
Beschreibung ich nach Holub (über die Zithern der Marutse Mambunda) gebe. 
Das Instrument besteht a) aus einem länglich viereckigen, am oberen und 
unteren Ende oft mannigfaltig ausgeschnittenen oder geschnitzten, 2 — 4 cm 
starken, 8 — 12 cm breiten und 15 — 20 cm langen, der Länge nach ein- 
seitig ausgehöhlten und an der kurzen unteren Seite offenen, an der Vorder- 
fläche leicht konkav ausgemeifselten Brettstüek; b) aus einem darüber an 
der Vorderfläehe quer gespannten Eisenstäbchen, und mehreren mit diesem 
in ihrem oberen Drittel befestigten, parallel mit der Länge des Brettchens 
laufenden, ebenfalls dünnen, platten Eisenstiften. Auch in der Höhlung 
Huden sich einige Iiängs- und ein Querstäbchen; c) aus einer meist rund- 
lichen, mit einer Öffnung versehenen und dem Brettchen mit einem Riemen 
anhängenden, in der Regel reichlieh mit eingebrannten Zeichnungen ge- 
zierten Kahdmsse von 4 — 15 cm Höhe und 8 — 12 cm Breite. Das In- 
strument wird in der Weise gehandhabt, dafs die Linke die Kalabasse mit 
der Öffnung an die untere Fläche des Instrumentes selbst preist, und zu- 
gleich beide festhält, und dafs die Finger der Rechten abwechselnd die 
freien Enden der an den Querstäbehen der oberen Fläche befestigten Längs- 
stäbchen niederdrücken. Holub erwähnt, dafs die Oberfläche des Brettchens 
seicht -konkav ausgehöhlt ist. 

Summa summarura : wir haben Instrumente vor uns, die etwa Fig. 1 10 bis. 7. 
112 entsprochen, nur fehlen die Saiten und an ihrer Stelle sind kleine } 
Stäbchen angebracht, die über zwei den beiden Stegen bei Fig. 111 ent- ' 
sprechenden Hölzchen liegen und du roh ein drittes, das zwischen diesen 
beiden und parallel mit ihnen liegt, in ihrem Mittelteile so herabgedrückt 
werden, dafs die Enden frei in die Luft stehen. 

In der geographischen Verbreitung ist wesentlich: es giebt zwei 
Gruppen, 1. die westliche ist ein Brettcheu mit oder ohne gezimmertem 
Kästchen (Resonanzl>oden !) darunter; die SUtbchen bestehen aus Holzsplittern. 
2. die östliche und südliche Gruppe ist gekeimzeichnet durch Ausschälung 



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des Brettes, darunter befestigte Kalabasse als Resonanzboden und statt «1er 
Holzstäbchen solche aus Eisen. Die Verbreitung der ersten Gruppe ent- 
spricht etwa dem westafrikanischen Kulturkreis, die der zweiten dem Ein- 

flufsgebiet der Sfldachse. 1 

Ein Vergleich dieser Zither und der Eigenart bei 
'entsprechender Verbreitung lehrt uns, ilafs wir es mit_^ 
Urbildern der Kinanda zu thun haben. Und wenn wir • - 
bedenken, dafs diese Holzstälichen aus liambusartigen 
Stoffen hergestellt werden, so sehen wir ihre Ent- 
stehung aus ganz ähnlichen oeeanischen Bambus- ^ 
instrumenten deutlich vor Augen. 

Unter den Flöten und Pfeifen finden einige nmlajo- 
nigritische Können in Westafrika um so mehr und be- 
rechtigter Aufmerksamkeit, als die afrikanischen Flöten 
im Gegensatz zu den oeeanischen auf der Seite geblasen 
werden. Nur der Westen bietet Ausnahmen. Ich bilde 
hier eine Doppelflöte der Yauudo in Kamerun ab, die 
von oben geblasen wird (Fig. 114). Die Verwandtschaft 
spricht aus der Atdage der Blaseoff nung, der DopjH'l- 
bildung und endlich daraus, dafs in Kamerun auch ^ * 
Haeenflöten lienutzt werden. (Oh dies eine solche ist, 
ist mir unbekannt.) Das sind alles Momente, die 
nach Melanesien, dem berühmten Gebiete der 
Naseidloten , weisen. 

Ferner erwähne ich eine sehr grofso Selten- 
heit: eine Muschel als Blasinstrument von der 
Goldkuste Afrikas. Das ist ein sehr vereinzelter 
malajonigritischer Rest. Paul Steiner hat ein 
solches Stück dem leipziger Museum geschenkt 
Es dient zum Alarmsehlagen in Kriegszeiten etc 
Endlich möge noch eine prächtige afrikanisch- 
melanesische Parallelerseheinung vermerkt wenlen: 
die Blasekugel. Solche wenlen von unseren guten 
Landsleuten auf Noupommorn ganz gerade so her- 
gestellt wie von denen in Kamerun (Fig. 11-ld). 
An der Loangüküste sind sie sogar aus Thon 



Fig. 114. 
Doppelflütod.Yaunde 
(Musoum in Leipzig). 




Fig. 115. 
Blasekugeln, 
a aus einer Fruchtsehalo 
(Neupommeru), b uu<l d aus 
Fruchtsehalen, c aus Thon; 
alle von der Westküste Afrikas 
(Museum in Leipzig). 



1) Diese Zithern sind in unseren Museen (oft und Hilst blieb unter dein Namen 
„Marimba*) so häufig, dafs ich darauf verzichte, sie eingehender zu behaudeln oder 
abzubilden. 



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— 151 — 



nachgebildet (Fig. 115c). Dort sind auch die schönsten Stücke aus Frachten 
zu finden (Fig. 115 1>). Das südlichste Vorkommen dieser Art scheint Angola 
zu bieten. Im Norden beobachtete Baumann dieso Blasekugeln bei den Bube. 1 

Gezahnte Holzstflcko werden auf Neumecklenburg zur Musik verwandt, ^; 
indem man die Zähne in Schwingung versetzt Das erinnert an die afri- 
kanischen Raspelstäbe, Stöcke mit Kerbon, an denen man mit einem Stabe 
hin- und herfährt etc. — Doch genug von diesen Kleinigkeiten, deren Auf- 
zählung ermüdet. Liegt ja auch weiter kein tieferer Wert in solchen ober- 
flächlichen Tabellen von Übereinstimmungen. 

1) Im östlichen Kongobecken, bei den Warna, von Cameron vormerkt. 



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(>. Die afrikanischen Trommeln und Holzpauken. 

(Vergl. Kai-U-nblatt 2, Nr. XVII und XV11I.) 



Kaum irgend ein anderer Gegenstand hat in Afrika eine gleich üppige 
Entwicklung erlebt wie die Trommel. Kaum zwei afrikaniselie Trommeln 
gleichen einander vollkommen. Denmx'h ist es sehr schwer, den allgemeinen 
Entwicklungsgang mit einem klareren Lichte zu beleuchten. Irgend eine 
festere Linie des Werdens können wir auf den ersten Blick sicherlich nicht 
erkennen. Vielleicht würde es leichter sein in die Entwicklungsgeschichte 
der afrikanischen Trommeln einzudringen, wenn die Litferaturberiehte ein- 
gehender oder das Sammlungsmaterial reicher wäre. Die Trommeln sind 
aber meist so schwer, dals ihr Transport grofse Unkosten verursacht. 

Allerdings ist ein wesentlicher Unterschied nicht zu verkennen. Es 
kommen zwei grofse Gmp|>en in Betracht: 1. die fcllhcsnanntcn Trommeln 
und 2. die des Felles baren Holzpauken. An die letzteren schliefst sich 
dann sacldich die aus Holzplatten bestehende Marimba an. Holzpauke und 
Muri m ba bieten schon durch ihre geographische Verleitung ein ausgezeich- 
netes Wesensbild. Die Felltrommeln aber wirbeln ordnungslos durchein- 
ander und es gehört eine energische Hand dazu, Ordnung in das Chaos 
der Formen und Verbreitung zu bringen. 



I. Die Fell trommeln. 

Das Wesentliche der Felltromineln ist 1. die Bcspannungsweiso und 
2. die Trommelgestalt. Wie wenig besonders über den ersten Tunkt die 
Littcratur bietet, mag eine Auslese von Beschreibungen, die auch sonst von 
Nutzen sein kann, bieten. 

A) Berichte über afrikanische Fclltrommeln. 

Die typischen Trommelformen Nordafrikas sind von liütimeyer im 
Baseler Kataloge beschrieben wie folgt: 



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Nr. 339. Trommel, wie sie von den Musikanten bei Brautaufzügen 
und ähnlichen Piwessionen gel »mucht wird. Die Trommel besteht aus 
einem runden Holzrahmen, über den ein Pergament gespinnt ist, und wird 
mit zwei Stäben gesclüagon. Auf der Innenseitc des Rahmens 14 dünne 
Messingdoppelringe befestigt. Durchmesser 35 l /2 

cm, Höhe 0 cm. In Kairo 

erworben. 

Nr. 324. „Tar u , Tamburin, besonders in den Harim der Wohlhaben- 
den vou den Frauen zur Unterhaltung gespielt. Besteht aus einem mit 
Perlmutter und Hein belegten und cingcfalstcu llolzrahmon, auf einer Seite 
mit einer gespannten Seh weinsb läse überzogen. Im Rahmen drei Ausschnitte, 
in denen an einem Draht 10 Paare Scheiben von Messingblech befestigt 
sind, die beim Schlagen des Tamburins klingeln. Das Tar wird mit einer 
Hand am Rande gehalten, mit den Fingern der anderen Hand geschlagen. 
Durchmesser 23 cm, Hoho 6 1 /., cm. In Kairo erworben. 

Nr. 32G. „ Darabukkoh u , eine Trommel in der Form einer umgekehrten 
Flasche, deren Hoden mit Fischhaut überzogen und deren Hals offen ist. 
Aus Holz in abwechselnd gelben und braunroten Streifen gearl>eitet. Wird 
gewöhnlich in den Harim gebraucht zur Unterhaltung der Damen. Wird 
unter dem linken Arm gelullten und mit beiden Händen geschlagen- Höhe 
35 cm, oberer Durchmesser 15 l / 2 ein. — Diese Trommel form, aus Holz 
hergestellt, ist verhältnismäfsig selten, wogegen die gleiehgcstalteten aus 
Thon verhältnismäfsig sehr häutig erwähnt worden, so aus Marokko, Tunis, 
Fezzan, Senegambien, Ägypten, aber auch aus der Sahara (Tuarik) und dem 
Sudan. Doch diese Angabe nur nebenbei und als Ersatz für viele Exeerpte. — 

Nr. 722. Doppelpauke aus Holz, bestehend aus zwei einzelnen Trommeln 
aus Holz in abgestumpfter Kegelform, oben je mit einer starken Tierhaut 
überzogen. Die beiden Trommeln sind miten durch einen Querstab und 
starke Lederriemen, oben durch Lederriemen miteinander verbunden und 
haben einen gemeinsamen Tragriemen. Auch jede einzelne Trommel mit 
starken, das Trommelfell festhaltenden Lederriemen umschnürt. Durchmesser 
27 cm, Höhe 21 cm. Sudan. 

Für Nordostafrika ist des ferneren die Kesselpauke bezeichnend. 
Rütimeyer beschreibt auch ein solches Exemplar: Nr. «23. Ägyptische 
Trommel, bestehend aus einer halbkugelfömiigen Kupferseliale , die in der 
Mitte ilu-er Wölbung eine kleine Öffnung hat. Am oberen Rand dieses 
Resonanzraumes dienen neun 2 cm lange Kupferstifte zur Befestigung des 
aus einer enthaarten Tierhaut bestehenden Trommelfelles. Ein Tragband 
aus Leder dient zum Umliängen der Trommel um den Hals. Die Trommel- 
schläge! fehlen. Diese Trommeln wurden von deu Musikanten bei Umzügen 
geschlagen. Durchmesser 24 cm, Höhe 10 cm. Li Assuan erworben. — 



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• 

Die abessynisehe Nagarit erinnert nicht nur äufserlich an «Hose Form; es 
ist im wesentlichen die gleiche Trommel. Auch fuhren die Völker des 
Osthornes: Schoaner, Galla, Danakil, die Kassel- oder Trommelklingel, ein 
tamburinähuliehes Instrument. 1 

Für die Trommelformen des Sudan ist Schweinfurths Beschreibung 
der Bongotrommeln bezeichnend: sie gleichen den vorderindischen Tamtams, 
es sind die nämlichen wie die der meisten Negervolker in der nördlichen 
Hälfte Afrikas. Aus einem sehr dicken Bauinstamme, am liebsten aus der 
Tamarinde, wird ein konisch cylindrisehes Stück zugehauen und ausgehöhlt; 
l>eide Enden, das hohle wie das solide, werden mit enthaartem Ziegenfell 
überzogen und mit Riemen aneinander geschnürt und zusammengespart 
Dasjenige, welches die Höhlung deckt, dient dann als Trommelfell. — Für 
die südlichen Baghirmi- Länder beschreibt Nachtigal die „ landesübliche u 
Trommel als etwa 1 m lang, mit einem weiteren, offenen und einem kleineren 
15 — 20 cm im Durchmesser haltenden und mit Fell üt>crzogenen Ende. 

Die Trommeln der A-Lur sind von Emin Pascha sehr eingehend be- 
sprochen worden. Den grofsen, die in ihrer Form von den übrigen Neger- 
trommeln nicht abweichen und teils an Seilen um den Hals getragen, teils 
auf der Erde stehend geschlagen werden, sind die kleinen Trommeln der 
Kinder ähnlich. Man verfertigt sie gewöhnlich aus gröfscren Stammstücken 
leichter Hölzer, wie Rubiaceen, die durch Feuer und Auskratzen gehöhlt 
werden. Überspannt werden sie, wenn sie nicht zu grors sind, mit Häuten 
von Varanus, oft aber auch mit dünn geschabten Antilo[>cn- und Ziegen- 
feilen. Um die gespannte Haut vor Feuchtigkeit zu schützen, wird sie 
bisweilen mit Hyänenkot oder verwittertem Feldspat weifs oder rot ge- 
tüncht. Mit den Trommeln werden die üblichen Signale zum Aus- und 
Eintreiben der Herde," zu den Hausversammlungen der Männer und zum 
Kriege gegeben, und zwar wird das Signal vom Hause des Chefs ausge- 
sandt mid von Gehöft zu Gehöft wiederholt. Die Trommclu spielen ferner 
beim Tanz eine grofyc Rolle.* 

Uganda besitzt verschiedene Formen von Trommeln, so röhrenförmige, 
auf einer Seite bezogene, vor allom aber Kesselpauken, die mit Fell be- 
sannt sind. Diese schliefsen sich im wesentlichen an die Trommeln der 
Somal an. Sowohl bei den Waganda als bei den Wanyoro gelten die 
Trommeln als Hoheits- und Feldzeichen, wie l<ei uns die Fahnen. Hir 
Verlust wird für ebenso schlimm wie eine NiedorLige angeschen. Die 

1) l'aulitscbko, S. 148. Kütimover in don „Mitteilungen aus dorn Basolor 
ethnographischen Museum 44 , 8. 103, ICK», 108, 134, 152. 

2) Steinfurth, S. 110. Nachtigal, Bd. II, S. «07 608. Emin Taucha bei 
Stuhlmaon, S. 521/522. 



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— 155 — 

Trommeln des Königs und die Kriegstrommeln werden in ganz besonderer 
Weise gesclilagen und durch sie eine vollkommene Signalsprache geführt. 1 

Die Trommeln der Ostafrikaner zwischen Njansa und Njassa Bind ent- 
weder mit Ochsenhaut oder mit der der Varanus überzogen, sind entweder 
durch geflochtene Lederstricko oder eingeschlagene Holzpflöcke bespannt 
So werden uns röhrenförmige, urnenförmige, mörserförmige und sanduhren- 
förmige bosclirieben. Die kleinen Trommeln der Wanjamwesi sind mit der 
Haut der Vaniei — Spannung vermittelst Stricken — , die grofsen mit Ochsen- 
haut überzogen. Diejenigen der Wadoe (Ostafrikas) dienen den Tanzbe- 
lustigungen und bestehen aus ausgehöhlten Stammstücken, deren eines offenes 
Ende mit einem durch zahllose Pflöcke befestigten Antilopenfell geschlossen 
ist, während die andere Seite offen bleibt. Trommeln, zumal die grofsen 
der Häuptlinge, get»en Signale bei Gefahren und bei Einberufung von Ver- 
sammlungen. Trommeln der Wabondei, sowolü einfach als doppelt bespannt, 
dienen der Begleitung beim Tanz und werden mit Taktfestigkeit gerührt. 
Die Trommeln der Wasegua gleichen jenen der Küstenleute und sind viel- 
fach doppelt bespannt Sie geben einen schönen Klang und werden in 
Vollmondnüehtcn außerordentlich geschickt und taktfest geschlagen. 

Die Chevas werden durch die Imbire-bire genannte Trommel zum 
Kriege gerufen. Diese hat ungefähr die Gestalt eines grofsen Zuckerhutes 
und ist aus einem einzigen Stück Holz verfertigt. Sie ist 6 Fufs lang und 
an der Basis über 2 Fürs breit Das Trommelfell besteht aus einer Ochsen- 
haut oder dem Ohr des Elephantou.'-* 

Von Norden kommend und an der Westküste Afrikas herabfahrend 
treffen wir erst die thönerne Standtrommel im Norden des Senegal (siehe 
weiter oben), in Senegambien Trommeln aus einem hohlen Baumstamme 
von 3 — 5 Fufs Länge, oben mit Bocksfell überzogen, unten offen, bei 
den Jolof: „hohle Baumstämme, mit straffem Schaf- und Zicgenfell über- 
spannt", die manchmal mit den Fingern, doch noch öfter mit zwei Klöppln 
von versclriedener Dicke und mit runden Köpfen gerührt werden. Die 
Trommeln sind aus schwerem Holz hergestellt und liabcn verscluedene 
Dicke und Länge, „um des verschiedenen Schalles." Die Trommeln der 
Mandingo sind nach Moore eine Elle lang, olien 1 Fufs und 20 Zoll im 
Durchmesser, unten weniger stark. Sie werden mit einem Schlägel und 
mit der linken Hand geschlagen. Jobson sagt, dafs sie eine kleine Trommel 
unter dem liukeu Arm zu halten pflegen, dio mit den Fingern von dieser 

1) Stuhlmann, S. 324. Ratzel, 1) Bd. I, S. 4<i5. Tiedomann, S. 238. Stanley: 
„Dunkle Weltteil", Bd. I, S. 249. 

2) Barton: „Lake Regions", Bd. I, S. 294/295. Stuhlmann, S. 90 und 37. Bau- 
uiuan: „Usarabara", S. 137 u. 275. Gamitto in der »Zeitschrift für Erdkundo", 1856, S.299. 



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— 15ü — 

Hand und mit einem krummen Knuste], den sie mit der rechten Hand 
regieren , gerührt wird. An der Sierra- Leone -Küste bestehen einige Trommeln 
aus einein G Kur» langen Stamme eines Baumes, welcher an beiden Enden 
mit einem Schaf- oder Ziegonfell ülM-rzogon ist, auf welches man mit einem 
Stück Holz schlagt, das beinahe wie ein Hammer geformt ist. In Ardrah 
winl der Takt zum Tanze auf langen Trommeln, die an einem Ende spitz 
zugehen, geschlagen. An der Goldküste werden Trommeln aus einem Stück 
Holz gemacht und mit einer Ziegeuhaut bedeckt, teils auf die Erde gesetzt, 
teils an einem Strick um den Hals gehängt. 

In Asehanti sind grolse röhrenförmige, kleine sanduhren förmige und 
mittlere mörserförmigo Trommel» heimisch. Die greisen Trommeln, die ein 
Mann auf dem Kopfe trägt, während zwei andere sc hlagen, sind mit den 
Schenkelknochen der Feinde umgeben und mit deren Schädeln gesclunückt. 
Auf den auf dem Hoden stehenden und mit Leopardenhaut bezogenen Banken 
kratzt man mit nassen Fingern. Kleinere Trommeln hängen an Streifen 
roten Zeuges vom Halse herab. — Ein grofser Ganga des Adolilandos hatte 
mveh Kling eine tonnonförmige, mit Leojiardeiifell überzogene Trommel, die 
zum Unterschietie von den anderen nicht geschlagen, sondern mit dem 
Schlägel gestrichen wurde, was ein eigentümlich schnarrendes Geräusch 
hervorbringt. Loyer bemerkt, dafs die Trommeln derer von Issinie aus 
einem Stück Holz gemocht seien, welches nur an einem Ende ausgehöhlt 
und mit einem dicht über die Öffnung gezogenen Elephantenohro bedeckt 
ist Sie schlagen solches mit zwei Stücken Holz, die wie Hämmer gestaltet 
und mit einem Ziegenfelle überzogen sind. — Zoeller äulsert sich über die 
Trommeln in Westafrika dahin, dafs sie ihm die einzigen wichtigeren Musik- 
instrumente zu sein schienen, deren mannigfaltigste Allen er im Gebrauch 
gesehen habe, wogegen die Saiteninstrumente nur zuweilen zum Verkaufe 
angeboten, die Blasinstrumente aber überhaupt nicht zum Vorschein ge- 
kommen seien. 1 

Nunmehr Südguinca. Die Verbreitung der fellbespannten Trommeln 
ist keine durchgehende. So will Schwarz bei den Dualla keine solchen ge- 
sehen haben, weshalb ihm die langen, mit einem Fell überzogeneu Sjvm- 
fässer auffielen, die er bei den Itakundu kennen lernte. Pauli bemerkt 
allerdings, dafs die Dualla „nebenher" auch andere Trommeln, ausgehöhlte 
Baumstämme mit darüber gespannten Ziegenfellen, besonders bei Spielen 
gebrauchen. Immerhin sind sie seltener als jene Holzpauken, die wir nach- 
her zu besprechen haben werden. 

1) r Al!g. Hist. d. R.*, Bd. III, S. 201, 205. 4o4; Bd. IV, S. 157/158, 430. Kling 
in don „Mitteilungen aus de« Deutschen Schutzgebieten*. Bd. III . S. 47 48. Buwdieh, 
S. 55, 50. Wintorbottom, S. Hüft Banner, S. 350. Zoeller: „Kamorun*, Bd. II, 8. U8. 



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Tin südlichen Kamerun und im Gabun- Gebiet herrscht das gleiche 
Verhältnis. Lenz sah bei den Fan gn>fse und kleine Trommeln überhaupt 
nicht. Und doch finden sieh in unseren Sammlungen „Trommeln der Fan- 
stiimme." Die Aduma und Oscheba haben gewöhnliche Trommeln, die aus 
einem Stück ausgehöhlten Holzes bestehen, das mit Ziegenfell überspannt 
ist. — Bowdich verdanken wir die merkwürdige Nachricht, dafs am Gabun 
der Kautschuk nicht anders Vorwendung finde, als dafs er zum Spielen in 
Kugeln gerollt oder über die Trommeln gezogen wird. 1 

An der Loatigoküstc erwähnt Bastian: Sitz- 
1 1*0111 mein, Stehtrommeln, Balstmmmein , Haud- 
tromineln, Schlagt romim-ln. Schütteltromnieln, 
jede mit einem *'inh* iinis*h*'ii Namen. Alte 
Berichte erwähnen nicht so viele Arten. Da 
winl orst eine Tromm« 1 aus ausgehöhlten 
Stücken Holz lies« hrieben von \ \ ., Ellen Länge 
(Hier auch mehr, l'm den Hals gehängt ivicht 
sie bis zum Boden. Oben und unten ist sie 
mit Tiger- oder undeivr Haut überzngen. Sie 
winl mit der Hand gesehlagen. Eine kleinere 




Fig. 11G. 

Negor mit der Tanztrommel N'dungo:, Loango (nach Photographie). 



Art (ukamki) wird entweder aus der Frucht des Alikondabaumes oder aus 
Holz gemacht. Sie ist auf einer Seite überzogen und winl bei jenen Festen 
und Gelagen angewandt, die den alten Missionaren so verhafst waren. Eine 
weitere Trommel wird ebenfalls aus einem ausgehöhlten Stück Holz ange- 
fertigt und an einem Ende mit Leder oder Tierhaut bedeckt, am anderen 
bleibt eine kleine Öffnung von 2 Finger Breite. 

Falkenstein liesehreibt zumal die N'dungo, eine Langtrommel, bestehend 
aus einem 2 — 5 m langen, konisch verjüngten Holzcylinder von ca. 25 cm 

1) Schwarz, S. 253. Pauli bei Petermann, 1885, S. 10. Lenz, S. 286/287, 86 
Bowdich, 8. 5(i6. 



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Durchmesser am breiteren Ende, das mit einem Fell fllierspannt ist, wühtvnd 
das schmalere unten'» anf zwei kleinen Rädchen ruht (Fig. 110). Die Trommel 
winl geschlagen, indem der Spielende sie wie ein Steeketipfenl zwischen 
den Beinen festgeklammert halt und mit beiden Händen, zuweilen mittels 
eines Tmmraelstockes auf dem Fell herum arbeitet Diese Trommel liefert 
die Musik bei allen Tänzen, bei welchen häufig mehr als eine in Bewegung- 
gesetzt winl. — Derartige Sitztrommeln sind vielfach in Afrika heimisch. 
Die Rädchen sind im speziellen typisch für die I/oangokflsto und die Folge 
europäischen Einflusses. 

Aus Angola beschreibt Tams drei Trommeln, die alle aus einem Stück 
Holz hergestellt waren, die l>eiden kleineren zwischen 2 und 3 Fufs lang, 
an beiden Enden mit Ziegonleder straff uberzogen, während die gn'fste, 
wenigstens gegen 5 Fufs lang, nur an einem Ende fll »erzogen war. Die 
lange wunle zwischen den Beinen, die leiden kleinenm waren unter dem 
linken Arm gehalten und hingen an einem Kiemen. 1 

Das eigentliche Kongobeeken bietet fraglos weniger Felllmmmeln als 
andere Gegenden Afrikas. Wo sie vorkommen, sind es die uns bekannten 
Typen. Vielleicht mufs der Nonlen und der Süden ausgenommen wenlen. 
Bei den Bangala stehen die Trommeln nämlich auf Fflfsen, im Süden da- 
gegen ist eine sonderliare Abart der Sanduhrentrommcln heimisch, die 
später erörtert wenlen soll. — Im allgemeinen ist jedenfalls die Thatsache 
bemerkenswert, dafs oftmals die Trommeln von den Nachkirn gekauft 
wenlen, so von den Waldnegern am obenan Ituri, von den Volkern des 
mittleren Kongo und nach mündlicher Auskunft auch am unteren Kassai. Die 
Trommeln sind sowohl mit Ziegenfell als mit der Haut des Phyton Um- 
spannt, kleinere mit Varneihäuten. Die Spannung ist dmvh Riststricke 
oder auch Rotangstreifen vorgenommen. Fellriemen kommen am ol>ercn 
Kongo (Stanley Falls) vor. 2 

Der Südwest- und Sudrand des Kongo -Beckens bietet wieder eine 
gWifsero Fülle und allgemeine Verluvitung. Im Sambesi - Becken (aber nur 
im nördlichen Teile desselben) ist dann der Höhepunkt im Fonnreichtum 
erre i cht. 

Cavazzi erwähnt zwei Tmmmoln der südwestlichen Kongostämme. 
Die Aganiba oder Ingondw ist grofs, nur an einer Seite mit Fell ülierzogvn 
und winl mit den Fäusten geschlagen. Die Andunga ist kleiner, aber der 
vorigen nicht ungleich. Seltener ist eine kleine Tnunmel, die nur erschallt, 

1) Bastian: „Loanpoküste*, Bd. 1, S. 10'J Ki3. Dapper, S. .720. „Allg. Bist. d. 
R. tt , Bd. IV, S. o77, 710. Falkenstein, S. 1!>'>. Tams, S. 101». 

'2) Baumann: „Beitrüge*, S. 11, 17. v. Francnis: „Tschuapa und Lulongo*, 
S. 17:1. Jainoson, S. L'IT». Cofiuühat, S. 170 und 17:*. Stuhlmarin, S. .T.K) und . r >f»1. 



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wenn der König sich sehen läfst und die nur die Häuptlinge benutzen. 
Sie ist auf einer Seite mit Haut Aberzogen und mit eisernen Reifen umfangen. 

Die Trommeln der Kalunda sind aus einem Baumstämme geschnitzt 
und haben an der Seite ein kleines Loch, das mit Spinnweben bedeckt ist; 
ol>en und unten sind sie mit Antilopenhai it Aberzogen und wenn dioses strafT 
gespannt werden soll, so halten sie die Trommel an das Feuer, das sie 
zusammenzieht. Diese Trommeln werden mit den Fingern geschlagen. — 
Die Kalunda des Cazembe besitzen eine Trommel von etwa 7 Fufs Länge 
und 3 Fufs Breite, welche der Muata Lequeza von dem Hofe des Muata 
Jamwo mitgebracht haben soll, als er zh den Quellen des Kongo gesandt 
wurde, um diese Länder zu verwalten. Die Trommel wird Cliamhancua 
genannt und wurde früher nur in Kriegsfällen benutzt 

Die Trommeln des Marutse-Mambunda- Reiches sind von Holub sehr 
eingehend bcliandelt Drei der Formen mögen hier nach ihm geschildert 
werden, während eine viorte im nächsten Abschnitt Erwähnung finden mag. 

1. Die Langtrommeln sind kegelstutzförmige, an der oberen Öffnung 
mit einem gespannten, ungegerbten Felle geschlossene Rohren; ihr unteres 
Ende verschmälert sich, ist oft fufsartig gefonnt, oft durchbrochen, aus- 
geschnitzt, um während des Gebrauches aufgestellt zu werden. Diese Lang- 
trommeln zeigen folgende Dimensionen: Breite 20 — 35 cm, Länge 70 bis 
150 cm, Stärke 1 — 3 cm. Bei manchen findet sich der gröfste Breiten- 
durchmesser an dem oberen (Trommelfell-) Endo, bei einigen auch am ot>eren 
Drittel und bei anderen in der Mitte. In der Regel sind sie mit Scluiitzereien, 
meist mit erhabenen, ein bis zwei Finger starken Ringen, die bald dicht 
aneinander folgen, l«üd weiter voneinander abstehen, versehen. Die Trommel- 
felle sind aus ungegerbtem I^eder verfertigt und mit breitköpfigen Holzstiften 
an der Holzrohre festgenagelt. Die kleineren Trommeln werden in der Hand, 
die grofsen mittels eines ül>er die Schultern geworfenen Riemens getragen. 

2. Die Reibtrommeln , der Gestalt nach zu den länglichen gehörend. 
Dieses Instrument, das hauptsächlich bei Tänzen Verwendung zu finden 
scheint, ist eine röhrenförmige, ein wenig nach unten beengte, 50 cm lange, 
20 ciu im Durchmesser zählende und 3 cm starke Holzröhre, die durch 
ein in der Mitte durchlöchertes, am breiteren oberen Ende der Röhre ge- 
spanntes Fell zu einer Trommel gestaltet wird. In der Trommelhöhlung 
steckt das eine (obere) Ende eines in dieselbe (bis zu dessen unteren Drittel) 
ragenden rundlichen, fingerdiekon Stabes, der durch ein Querstflckchen un- 
mittelbar unter und über dem Felle befestigt wird. Der Musiker bewaffnet 
seino Hand mit einem Baststöek, in der Regel vom Boalwibbaume, und fährt 
damit an dem Stabe auf und nieder, welche Reibbewegung einen tiefen 
knurrenden Ton erzeugt. 



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1C>0 — 



3. Die Alarm-, Schlacht- und Kriogstrommeln sind lediglich könig- 
liches Eigentum. Es sind stets drei bis vier vorhanden, die im greisen 
Beratungshnus aufbewahrt und nur hei Überfällen der Residenz, beim Aus- 
marsch in den Krieg, bei Ausbruch revolutionärer rmtriebe und ähnliehen, 
plötzlichen Aufruf zu den Waffen erhei sehenden Momenten geschlagen werden. 
Das Exemplar, das Holub abbildet, hat eine l>owlcnfönnige Gestalt. Die 
gröfsto Breite liegt auf dem unteren Drittel. Ein Henkel und drei Füfse 
charakterisieren sie. Der Autor vermutet, dafs diese Trommeln mit ähn- 
lichen Schlägeln wie die Sirimki (Sing. Marimki) oder mit kleinen Kiris 
»«arbeitet werden (siehe unten). Der Holzteil der Trommel ist mit rotem 
Ocker bemalt, die Kurse sind klein, der Henkel gleich der Iicderumreifung 
aus ungegerbten Rindsfellen gearbeitet. Diese Trommeln haben 30 — fiO cm 
im Durchmesser, 40 — 5 5 cm Höhe. 1 

Dem Süden zu ist der Samliesi die Grenze für die Verbreitung der 
Felltrommeln. Am Westrande ist eine einfache nnlzrnh.ro mit Fellbezug am 
olieren Ende, die von den Bergdamara stammt und sich im Berliner Museum 
befindet, eine vereinzelte seltene Erscheinung. Zu den Kelltrommeln rechnete 
ich bis dahin die Topftrommeln nicht, sondern hielt mit deren Beschreibung 
zurück. Diese kommen allerdings auch im Süden, wie wir sehen worden, vor. 

Der Leser wird kaum ein klares Bild aus diesen Besehreibungen ge- 
wonnen halien. Das Bezeichnende ist zu selten, und Grenzen in der Ver- 
breitung der einzelnen Typen nie hervorgehoben. Die Bespannungsweise 
ist sehr mangelhaft geschildert, und gerade sie mufs als niafsgel>end für den 
anatomischen Bau bezeichnet werden. 

Tch mufs demnach von der Betrachtung des Museumsmaterials ausgehen. 

B) Entwicklungsgeschiehtlicho Betrachtung 
der afrikanischen Felltrommeln. 

Scheiden wir zunächst einmal die Können ans, die ohne weitere Be- 
ziehung zu der gröfseren Menge der Trommeln stehen, um uns so einiger- 
mal'sen Luft zu schaffen. Das sind vor allem: 

n) Selinmanentrommel, Kesselpauke, thtfnerne Standtrommel. Wenn ich 
die erste Konn als Schamanentrommel bezeichne, so geschieht es, um 
diesem Typus das Merkmal der au fsorordent liehen Verbreitung auf der Erde 
mitzugeben. Die Schamanentrommel, eine über einen Holzreifen gespannte 
Haut, ist vom Norden her weit nach Amerika hinein, im ganzen Ostasien, 

D Cavazzi: „nistorische Beschreibung", S. MW./107. Livingstonc: „Missions- 
reise", Bd. I, S. 3H2. Oamitto in der Zeitschrift, S. :«:{, 103. Ilolul»: „Stoben Jahre", 
Bd. II, S. 108; „KuHurskizze", S. 139 ff. und S. iL». 



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— 161 — 



in Westasien und in den Mittelmeerl&ndorn vorbreitet Hier im letzt- 
genannten Gebiet ist sie mit klingelnden Blechen bereichert Als Tamburin 
bietet sie den Zigeunern, Griechen, Italienern, Spaniern etc. den Dienst 
fröhlicher Tanzmusik. Die Tamburinform ist es denn auch, die in Afrika 
Einzug gehalten hat und, soweit bekannt ist, wie der muselmanischc Griot, 
also in dem weiten Gebiet der — um mit einer Thatsacho, die allerdings 
nicht damit in Beziehung steht, aber in der Verbreitung ungenihr gleich 
Ist, zu charakterisieren — Füllte Wanderungen. 

Fast die gleiche Ausdehnung hat die Kesselpauke gefunden. Über 
ein metallen«« Bansin ist eine Haut gespannt Rütimoyer hat solche Kessel- 
pauken aus Ägypten beschrieben. Nach Passarge ist sie das musikalische 
Begleitinstrument der Fu11k>. Eine eiserno Trommel mit Fellül»erzug — 
also auch eine Kesselpauke — l>e8itzt das leipziger Museum. Sie stammt 
aus den oberen Nilländorn. — Nachkommen dieser Instrumente besitzen 
vor allem die Waganda. Aber auch eine Pauke der Wakara (siehe Baumann) 
und solche der Somal müssen als Verwandte dieser, wenn nicht der Thon- 
trommel l>ezoiehnet werden. 

Die dritte der über Asien nach Afrika ge- 
langten Trommeln, die thönerne Stand trommcl, 
liesteht aus einer oben sich zu einem Kessel er- 
weiternden Thonröhre, deren obere Öffnung mit 
Haut Aberzogen ist (Fig. 117). Diese Trommeln 
erklingen auf den Märkten Nordafrikas, soweit 
das Bazarwesen reicht Alter sie sind hier nicht 
allein heimisch. Westasien bietet viele solch« 1 
Instrumente. Schliemann liat sie in Troja und 
Ägypten ausgegraben. Auch «lie Perser verwenden 
sie. Prähistorische Funde in Sachsen uml auch 
anderweitig in Deutschland haben si«i uns auch 
hier kennen gelehrt In Afrika reicht ihre Aus- 
dehnnng bis zum Sudan. Ob ein grofser Teil der 
hölzernen Staudt rommcln nicht auf tliost; Form 
zurückgeführt werden mufs, oder ob sie aus 
hölzernen VorbiUlern hervorgegangen ist, mag 
dahingestellt bleiben. 

Jedenfalls sind wir berechtigt, «liese drei Trommeln als asiatischen 
und nuHlitcnnnen Ursprungs zu iM'zeichnen. 

b) Sanduhrentromniel. Einen weiteren Typus können wir ebenfalls 
ausscheiden als ziemlich klar und verstandlich in «1er Entwicklung. Das 

Froboiiiun, Afrikanisch» Kulturen. ^ 




Fig. 117. 

Thönerne Standtrommel aus 
der Stadt Fees, Marokko 
(Berliner Mus. f. V.-lk.'rk.). 



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— 162 — 



sind die Sanduhrentrommeln, deren Hanptformen in folgender geographischer 
Verbreitung hervortreten: 1. ostafrikanische Form, 2. Form des südlichen 
Kongo -Beckens, 3. Form Nordguineas. 

Die ostafrikanische Sauduhrentrommel -wird schon von Burton erwähnt. 
Sie ist von nicht absonderlicher Gröfse, etwa 1 Fufs oder etwas mehr hoch. 
Die mir bekannten Exemplare sind durchweg mit Eidechsenliaut bezogen, 
und zwar ist diese durch Nagel (Holz!) festgestiftet. Sie ist nicht sehr 
hftufig, vor allen Dingen nicht über grofse Flächen verbreitet, vielmehr auf 
kleine Parzellen beschränkt. Meist scheint sie nur auf einer Seite mit Haut 
überzogen zu sein (Fig. 118). 




118. 119. 119a. 120. 



Fig. 118. Trommol der Wabundalc (leipziger Museum). Fig. 119. Trommel 
uicbtmobaininedaniseher Stämme im Haufs:tgebict iliistorist hes Museum in 
Born). Fig. 12t). Trommel der Marutse inacli Holub, ohne dio Ornamente). 

» 

Die zweite Form (Fig. 119) ist von Senegambien bis nach Adamaua 
an der Westküste und in den Ländern am Unterlaufe des Niger heimisch. 
Sie ist mit doppelten Trommelfellen, die durch seitliche Schnüre angespannt 
werden, versehen. Der Künstler hält das Instrument unter dem Arm und 
spannt durch einen Druck mit dem Ellbogen die Schnüre an, wodurch die 
Tonhohe wechselt. Der Schlägel (Fig. 119a, nach Zeichnung von Kling) ist 
hakenförmig gebogen. Ähnlich so wie Passarge, beschreibt Winterbottoiu 
die Handhabe dieser Trommel an der Sierra -Leone- Küste. Dort ist sie zwei 
Fufs lang, auf beiden Seilen hohl und mit Fell ül>crspatmt. In der Mitte 
ist sie verengt. Die Neger tragen sie, wenn sie über Feld gehen, unter 



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— 1G3 — 



dem linken Arm und schlagen mit einem Klöppel darauf. Diese Trommeln 
bewegen sich in einer Höhe von 20 — 60 cm. Sie sind mit Ochsenhaut 
überzogen und die Schnuren aus Sehnen oder Hautstreifen sind gedreht und 
durch den aufgewulsteten Rand der Trommelfelle gezogen. — Die Ver- 
breitung an der Nordguineaküste scheint ununterbrochen zu sein. 

Die dritte Form traf Holub im Marutse-Land. Er beschreibt sie (Fig. 120) 
folgendermafsen : Es sind aus einem Stück Holz gearbeitete, mit Schnitzereien 
ül>or und über l»edeckte, längliche, in der Mitte tief sattelförmig einge- 
schnürte, an beiden Enden mit einem Felle versehene, 80 — 90 cm lange 
Trommeln, welche vier über die sattelförmige Einschnürung ausgespannte 
Ohren, resp. Henkel hat. Mittels eines Riemens trägt der Tambour die 
Trommel in horizontaler Loge und schlagt mit beiden Händen auf die Trommel- 




Fig. 121. Schädoltrominel aus Tibet (ethnographisches Museum in Basel). 



feile ein. Wahrend Ostindien Ähnliche Trommeln aufweist, fand der Reisende 
von Süden kommend diese Species zum ersten Male bei den Mamtse ver- 
treten, und hier als Eigentum des Hofes Sepopo besafs zwei davon. 

Gleiche Trommeln fand Magyar im Lunda- Gebiet, Serpa Pinto bei den 
Ambuella. Wifsmann brachte eine gleiche Trommel der Baluba nach Berlin. 1 

Wir sehen, dafs diese Tremmel im wesentlichen dem westafrikanischen 
Kulturkreis angehört: Denn die sporadischen Vorkommnisse westafrikanischer 
Formen in Ostafrika sind uns geläufig. Wir neigen also dazu , sie als malajo- 
nigritischo zu bezeichnen, zumal sie uns aus Neuguinea und von den 
Marschall etc. bekannt ist. Ich werde später die Gründe zu erörtern haben, 

1) Burton: „Lake Regions», Bd. II, S. 294/290. Bassargo, S. 104/1 0ö, 477. 
Winterbottom, S. 151. „Allg. Rist d. R.", Bd. IV, S. 158. Gray and Dochard, Taf. 
S. 300/301, Nr. 4. Schürt/.: „Einleitung* (Buch der Erfindungen), S. 38 Sep. Holub: 
„Sieben Jahre", Bd. II, S. 193. Magyar (ungar. Ausg.), Tafelabbildung. Serpa Pinto, 
Bd. I, S. :*»S. Ratzel: „Völkerkunde», 2) Bd. II, S. 181. nolub: „Kulturskizze", S. 141. 

11« 



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weshalb diese Trommel nicht als malajonigritische bezeichnet worden darf, 
wenn auch noch so viele Merkmale die intime Verwandtschaft der afrikanischen 
und oeeanischen Sanduhrentrommeln beweisen, als da ist: Ülierzug aus 
Eidechsenhaut, Henkel au den Seiten, Befestigung ohne Lederstreifen, Schmuck 
an Ornamenten etc. 

Wir kennen die Trommel auch aus Asien und zwar aus Ostindien, 
Westindien, Japan, Tibet ete. Ich bringe hier eine bezeichnende Form, 
eine Schädcltrommel aus Tibet (Fig. 121) zur Abbildung, ohne behaupten zu 
wollen, dafs sie das Urbild der Sanduhrentrommeln sei. Die aufserordent- 
liche Übereinstinunung der afrikanischen und der oeeanischen Trommeln 
beweist nur, dafs dieselben Träger hüben und drül>en sie eingebürgert halten. 
Sie selbst scheint asiatisch. 

t) Topftrommel. Wenn die Südafrikaner auch keine eigentlich«' Trommel 
haben, so verfügen sie doch ül>er einen Ersatz, den Kolben folgendennafsen 
schildert. Das zweite musikalische Instrument der Hottentotten ist ein 
irdener Topf, der, gleieh wie ihre anderen Töpfe, einer alten II nie gleich sieht. 
Damit er zum Gebrauch diene, l»edeekeu sie die Öffnung mit einem sehr 
sauber zubereiteten Schafsfelle, das sie mit Sehafsdärnien oder Sehnen fest- 
machen, wie man ein Kalbsfell über eine Trommel spannt (?). Dieses In- 
strument spielen nur die Weilar. Sie schlagen mit den Fingern darauf. — 
Die Hassuto haben als Trommel eine Kalalwsse oder einen Thontopf mit 
stark ausgespannter Haut überzogen. Aus dem Kongogebiet ist mir wenigstens 
eine derartige Trommel bekannt. Dieselbe (Fig. 122) besteht aus einem Topf, 
der mit einem Kotangfleehtwerk umgeben ist , und der das lederne Trommel- 
fell hält. 

Eiu derartiges Instrument aus Weida wird folgend, rmafsen beschrieben : 
Sein Körj>er ist ein irdener Topf, wie ein Hall gestaltet, ungefähr einen Fufs 
im Durchmesser mit einer Mündung von G Zoll Breite, mit einem Kando 
von 1 Zoll Hoho umgehen. Diese Mündung oder diesen Topf bedecken sie 
mit Pergament oder einem wohlgescliabten Felle nud U'festigeu es au einem 
weidenen Keifen, der über dem Hand ist. Nur die Weiber spielen diese 
Trommel. Sie kauern dabei auf die Erde und schlagen mit einem hölzernen 
Stock, der am Ende rund ist, auf die Höhlung. Diesen Stock halten sie mit 
der rechten Hand und zugleich schlag-n sie mit ihrer linken Hand oder 
deren Fingern auf das Fell. Die Bewohner der (toldküste trommeln mit 
der flachen Hand auf einen grofsen Flaschenkürbis, den sie mit einem Fell 
überziehen und um den Hals hängen. Knlahusseiitrummclu traf Caillie mohr- 
fach in den Mandingnlämlcrn, wogegen Topftroiumeln aus Thontöpfen in 
Ostafrika nicht fehlen dürften. Eine „Trommel aus Usimhu", die Stanley 



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abbildet, scheint derartigen Einflute zu zeigen. 1 Dagegen ist ffir den Nord- 
osten Gewifsheit erlangt. Die Galla hängen nämlich leere Hydromoleimer 
sehr gerne in die Wipfel der Bäume, und läuten sie, entweder um Signale 
zu geben oder Schrecken zu verbreiten. Nicht selten geben die Galla -Fürsten 
durch Schläge an diese tonenden Gefäfse ihren Befehlen Ausdruck. Wenn 
damit auch keine Topftrommeln hier nachgewiesen sind, so wirft diese Be- 
merkung doch wenigstens ein Licht auf die Entstehungsgeschichte dieser 
Trommeln. Für die Kalabassen ist etwas Ahnliches nachgewiesen. Wifsmann 
traf im Baluha- Lande, bei den Bena Witanda, Aolsglocken. Kalabassen 
waren an gebogenen Stangen zusammen mit spannlangen Stücken ganz 
trockenen Grases aufgehängt. Wenn der Windhauch sie ancinandersclüug, 
erregte er ein melodisches Geräusch. 2 _ 



Und doch versteh«! wir auch mit Hilfe dieser Mitteilungen die Ent- 
stehung der fragliehen Trommeln nicht ganz. Wir müssen zweierlei an der 
Trommel unterscheiden: 1. das geschlagene Fell und 2. den wiederhallenden 
Resonanzboden. Bei derartiger Unterscheidung erkennen wir sofort die Be- 
deutung und Verwandtschaft, der Kalabasse und des Topfes als Schallkasten. 
Die Kalabasse als Resonanzboden ist uns schon durch die Erörterung der 
Saiteninstrumente bekannt geworden. Den Topf als verwandtes Gerät verstehen 

1) Kolben, 8. 114. Casalis, 8.156. „Allg. Bist. tl. R. tt , Bd. IV, S. 323. Winter- 
bottom, S. 151. Caillic, Bd. I, S. 209, 280. Stanley: „Dunkle Weltteil", Bd. I, S. 219. 

2) Paulitschke, S. 113. Wifsmann: .Zweite Durchquerung", S. 81/82. 




Fig. 122. 

Trommel vom Sankuru. Thontopf mit Fell 
und Kotangspaniiung (Museum in Ixjipzig, 
Slg. des Kougostaates). 



Fig. 123. 
Hölzerne Topftrommel 

der Somal 
(Museum in Leipzig). 



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16G — 



wir als Ersatz leicht Daher wilre die Frage, ob diese Trommelf onn afrikanisch 
ist oder nicht, erst zu entscheiden, wenn die Frage nach dem Ursprung des 
Trommelfelles beantwortet ist 

Ich schliefse hier noch eine Gruppe von Trommeln an , die entschieden 
mit der thöneruen Topftrommel verwandt sind, es sind eigentlich hölzerne 
Topf trommeln. Sie bestehen aus einer hölzernen Schale (Hier Urne, sind 
unten spitz (wie altägyptische und griechische Gofäfse) und sind mit Fell 
derart bespannt, dafs auch das spitze untere Ende mit einem Lederlappcn 
bedeckt ist und die Verbindungsschnure vom Kunde des Trommelfelles bis., 
zu dem unteren Lcderlnjuen und zurück etc. gezogen sind (Fig. 123). Diese 
Trommeln gehören dem nordliehen Afrika im. Das südlichste Vorkommen 
im Westen habe ich bei den Stanley Falls bis jetzt festgestellt. Hier ist 
die Verbindimg statt durch l,cderriemen mit Kotangst reifen erzielt Im Osten 
verläuft die Verbreitung im Zwisohcnseengebiet 

Demnach hatten wir die gleiche Trommel vor uns in dreierlei Spiel- 
form, nämlich drei verschiedene Resonanzboden : 1. der Kalabasse, 2. dem 
Thontopf, 3. dem Holzgefäfs. Die Frage, ob diese Trommeln afrikanisch, 
und zwar dem Ursprünge nach, genannt werden können, erheischt Erörterung 
des Ursprungs des Trommelfelles. Die gleiche Frage werden wir sogleich 
wieder aufzuwerten haben. 

d) Die Morsertrommel. Einige I^eutc erzählen, dafs im Anfange, 
damals, als die Sonne noch nicht ihr Kind geboren hatte, kein Streit zwischen 
Sonne und Mond war. Als das Kind nun das Licht der Welt erblickt hatte, 
rief seine Mutter, die Sonne, den Mond und bat ihn, das Kind zu nehmen 
und zu halten, dieweil sie hinginge, sich zu witschen. Mond nahm die 
Tochter der Sonne in die Arme, war aber nicht im stände sie zu halten, 
denn sie brannte ihn. So liefe Mond das Kind fallen; es stürzte auf die 
Knie, so dafs daselbst die heifso Jahnszeit alles und joden versengte. Als die 
Mutter des Kindes zurückkam, entstand grolse Fehde. — Es mag auch noch 
andere Gründe des Streites geben, wenigstens wissen die Häufst! solche au- 
zugeljcn. So sie aber solchen Kriegszustand am Himmel oder die Not des 
Mondes erblicken, ergreifen sie ihre Mörser, ziehen eine Haut darüber und 
schlagen darauf die Begleitung zu den Gesängen, in denen sie die Sonne 
um eine zartere Umgangsform anflehen. — So berichtete etwa Schöns 
Haufsamann. 

Was die Mythe hier aus dem Haufsalande berichtet, beweisen die 
Thatsachen auch aus anderen Gebieten. So befindet sich im leipziger 
Museum für Völkerkunde eine Trommel der Sonial mit der Aufschrift: 
„Holzmörser als Trommel 1 ' (Fig. 121). Ein Iicdcrstück ist über die Öffnung 



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dieses Gerätes gezogen und durch Umlegen eines gewundenen Zengstreifens 
befestigt.. Wir brauchen uns aber nicht nur diese direkte Aussage zu ver- 
gegenwärtigen, um die Bedeutung des Stampfers für die Trommeln zu er- 
kennen. Dio Formen sprechen oft genug selbst. Diese Trommeln mit einem 
Kurse sind sehr weit verbreitet Sie sind im Sudan überall nachgewiesen, 
wo die Forscher ihr Augenmerk den Dingen dieser Art widmeten. Neben 
anderen Formen bietet sie Nordguinea, Man vergleiche auf der Tafel HT: 
„Musikbande des Häuptlings von Abetifi" die Trommel auf der linken Seite 
im Vordergrund. Es ist ein Stück solchen Ursprunges. In Südguinea sind 
sie nicht sö häufig, doch erreichen sie vom Innern kommend das Gabun- 
gebiet. Vom Kongo sind mir ausgesprochene Morsertrommeln nicht bekannt, 
Dagegen erstreckt sich die Zone ihrer Hernehaft in Ostafrika bis in das 
Livingstone- Gebirge, über den Tanganjika bis in 
das Baluba-, Kalunda- und Marutse- Gebiet. 1 

Demnach deckt sich die Verbreitung dieser 
Trommeln auch ganz sachgemäfs mit dem Vor- 
herrschen der Hirsenahrung. Im Süden nur fehlt 
sie, was ein Herabsickern der Urform von Norden 
odor Osten her andeutet Man könnte demnach 
versucht sein, dio Entwicklungsgeschichte der 
Mörsertrommel mit der Entwicklungsgeschichte 
der Hirse in nahen Zusammenhang zu bringen, 
da hier eine Perspektive sich eröffnet, von wo 
aus dann auf spätere Entwicklung der anderen 
Trommeln zu seldielsen ist, was ein verlockendes 
Ergebnis von vornherein gleich verhelfst Denn 
die thönerno Standtrommel (Kig. 1 1 7) wäre von 
dieser (Fig. 124) niejit allzuschwer abzuleiten und 
von dieser Standtrommel könnte man die Topf- 
trommol abstammen lassen etc., so dafs sich ein 
artiger Stammbaum ergäbe. Solche Ableitungs- 
weise liefso sich aber nicht mit dem Fehlen der Mörsertrommel und dem 
Vorkommen der Topftrommel im Süden in Einklang bringen. Dem wider- 
spricht also die geographische Verbreitung, ganz abgesehen davon, dafs wir 
oben einen anderen Gedankengang fanden, demzufolge das Trommelfell für 
«He Entwicklungsgeschichte aussclüaggebend sein mufs, während die Unter- 




Fig. 124. 
llolzmöreur als Trommel: 
„Dulbau", Soinal. 
(Museum in Loipzig.) 



1) Sehön: „Mangana Haufsa*, Bd. U, S. 122. Gray and Docliard, Taf. S. 300/301, 
Fig. Ii. Cameron (deutsche Ausgabe), Bd. II, S. IG. Baumanu: „Massailand" 4 , S. 226. 
Stanley: „Dunkle Weltteil", Bd. I, 8.249. Stuhlmanu, S. 824. Cameron, Bd. I, S. 159. 
Wilsmann: «Zweite Durohmierung 44 , Taf. S. 40 etc. 



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läge, der Resonanzboden, als da ist: Thontopf, Kalabasse, Holzgefilfs und 
jetzt können wir auch noch Mörser nennen, wechselt 

An dieser Stelle mufs ich auf Karl Buchers treffliches Werk: „Arbeit 
und Rhythmus" verweisen, in dem die Trommel wie die rhythmische 
Trommelmnsik der Naturvölker zumal auf die Mörserarbeit zurückgeführt 
wird (S. 92). Ohne im speziellen gegen die ausgezeichnete Beweisführung 
des Autors polemisieren zu wollen, will ich nur darauf hinweisen, dafs im 
Princip der Gedankengang Büchers fraglos das Richtige getroffen, im spociellen 
aber hinsichtlich der Trommel ein kleiner Irrtum sich eingeschlichen hat, 
auf den ich unten zurückkommen werde. 

e) Abfeilschte Formen, HpannnnffsweW ete. Zwischen jenen klaren 
Formen der Topftrommel (Fig. 123) und der Mörsertrommel (Fig. 124) giebt 
es eine Unzahl von Variationen, deren formales Princip bald zur einen, 
bald zur anderen hinfiborneigt Aber wichtiger als diese Abflachungen ist 
die Umbildung der Sanduhrentrommeln (Fig. 118—120), die die Ein- 
schnürung in der Mitte verlieren und als einfache Röhren nunmehr auftreten. 
Es stammen zumal jeno langen Typen, wie sie l»osondors in Westafrika und 
auch im Kongobecken so häufig sind (vergl. Fig. 110) von solchen Sanduhren- 
trommeln ab. Andererseits wirken nun diese röhrenförmigen Trommeln auf 
die Mörsortrommeln ein, indem deren früher solider Fufs nunmehr durch- 
bohrt wird. 

Weit wichtiger als die eingehende Erörterung dieser abgeflachten Formen 
ist eine Betrachtung der Spannungsweise, von der wir besonders vier Arten 
zu beobachten haben. Die einfachste Form der Bespannung ist die Beziehung 
der Tremmel mit dem nassen Fell, das l>cim Trocknen sich zusammenzieht 
und fest angeschlossen ist. Die thönerneu Staudt nun mein bieten viele Bei- 
spiele, auch die Topftremiueln. Die zweite Methode ist die der Ver- 
schnürung mit l/'dorriemcn (Fig. 1 IG — 119). Sie beherrscht den Norden und 
Westen, tritt aber im Osten und Süden gegen die dritte Art der Fellbe- 
festigung, die Festuagelung vermittelst kleiner Ilolzpflöcke zurück (Fig. 118 
bis 120). 

Die Vorschnürung mit licderricmen entwickelt sich im westafrikanischen 
Kulturkreise, besonders, aber auch schon in Ostafrika in eigenartiger Weise. 
Sio winl not/artig. Büttikofer hat ein gutes Beispiel aus Liberia abgebildet 
Sie neigt in dieser Umbildung schon zu der vierten Sittnnungswcisc, die 
ich oinfachheitshalbor zunächst als die westafrikanische bezeichne. Diese 
Methode ist am klarsten im Ogowe -Gebiet ausgebildet und Vsteht darin, 
dafs über dem aufgewunden Rande des Felles Schnüre hindiiivhgezogen 
wenlcn, die lmton am Fufse der Tremmel um einen Ring geselllagen wenlen. 



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— 1G9 



Dieser Ring winl an dem Hinaufgleiten nicht nur durch den nach ol>en 
sieh erweiternden, resp. im Umfange zunehmenden Trommelkörper, sondern 
auch durch von oben nach unten eingefügte kleine Keile verhindert (Fig. 125). 
Bezeichnend ist es, dafs nicht Ledcrriemen and Lederring zu dieser Ein- 
richtung gewählt werden, sondern meistens Rotangstreifen. 

Die Verbreitung dieser Befestigungsart ist eine merkwürdige. Die 
eben besprochene Originalform findet sieh nur im südlichen Kamerun und 
im Ogowegebiet. Aber eine Bespannung wie die an der Trommel Fig. 122 
ist nicht nur infolge der gleichen Verwendung des Rotang ähnlich, sondern 
es liegt ein tieferer Verwandtschaftszug in der Verflechtung unten und oben. 
Rotangverschnürung findet sich auch an Trommeln vom Kongo (specielle 
Provenienzen: Bangala, Stanley Falls, Balui). „Weiden- 
ruten" dienten dem gleichen Zweck an den Topf- 
trommeln Weidas. 

Aber ich kann noch eine nähere Verwandtschaft 
in Afrika nachweisen und zwar an der Goldküste. Eine 
eingehende Betrachtung der Trommeln auf Taf. III (bis 
auf die rechts im Vordergründe liegende gehören diese 
alle dem Typus an) lehrt: Durch das Trommelfell sind 
Über dessen Randwulst Schnuren gezogen, die nach 
unten gehalten werden und zwar dadurch, dafs sie um 
einen Keil geschlungen sind, der in den Trommelkörper 
eingefügt ist. Jeder derartige Trommelkörper besitzt 
unter dieser Keilreihe ein oder mehrere erhabene Ringe, 
die in feinen Mustern und zwar strickartig geschnitzt 
sind. Die Beziehung zu der westafrikanischen Spannungs- 
weise ist nun nicht schwer zu verstehen. Die nach 
unten laufenden Schnuren sind nicht wie dort um den 
unteren, durch Keile nach unten gezogenen Ring ge- 
schlungen, sondern, da dieser Ring fest aus Holz ge- 
schnitzt ist, sind die Keile in den Trommelkörper ge- 
trielien und dann die Schnuren um die Keile geschlungen. Es liegt ein ganz 
prachtiges Beispiel, wie die Merkmale eines technischen Verfahrens erhalten 
bleiben, auch wenn das Verfahren geändert winl, in dieser Zähigkeit, und 
Ausdauer, mit der der ganz überflüssige untere Ring stets noch strickartig 
geschnitzt wird. 

Es winl Zeit, dafs ich der westafrikanischon Bespannungsart ihren 
richtigen Namen gebe, es ist die indonesische. Es ist nicht nötig dieses 
nachzuweisen, jedes greisere Museum besitzt aus Indonesien oder "West- 
Neuguinea Trommeln, dio dies Merkmal tragen und zwar so vollkommen 




Fig. 125. 
Trommel aus dem 
südlichen Kamerun. 
(Mus. f. Volkerkunde 
in Leipzig.) 



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fibereinstimmend mit der afrikanischen Methode, dafs jeder Skrupel über 
eine Hczieliung im ersten Keimen erstickt werden mufs. — Auch hier wieder 
mufs ich übrigens die Annahme eines malajonigri tischen Helegstückes 
zurückweisen. 

Das Trommelfell besteht von Senegambien bis herab zu den Hotten- 
totten aus Ziegen-, seltener aus Schafshaut. Ebenso im Süden. Von Ost- 
afrika (Waden, AVanjamwesi) reicht bis über den Tanganjika (Cazenibe) eine 
Zone der Verwendung von Rinderfell. Dieselbe Zone, nur ist sie ausge- 
dehnter, bietet Eidechsen- und (seltener) Schlangenhaut als Trommelfell. 
Trommeln vom mittleren Kongo zeigen das gleiche Material. Andere Angaben 
sind selten: Leopardenfell (L<«»ngo, (ioldküste), Antiloi>enfell (Wadoe und 
Kalunda), Elefantcnohr (Chevas und Assini). Die Verwendung von Fellen 
dürfte nach Asien weisen, wogegen die der Varncihantu auch auf Oceanieu 
weisen konnte. Solche Beziehung konnte auch aus der Darstellung von 
Eidechsen und Menschen an westafrikanisehen Trommeln zu lesen sein. Doch 
will ich das Problem des Trommelfells noch nicht verlassen. 

f) Das Trommelfell und der Ursprung der afrikanischen Trommel. Ich 

betonte oben mehrfach, dafs die Frage nach dem Ursprünge «ler afrikanischen 
Trommel lediglich mit Kenntnis der Eigenart und des Wesens des Trommel- 
felles beantwortet werden könne. Da wir nunmehr filier eine ziemlich ein- 
gehende Kenntnis der Trommeln verfugen und gesehen haben, wie schwankend 
und deshalb entwicklungsgeschiehtlieh verhältnismälsig unwesentlich die 
(icstalt des Trommelkörpers, alias des Resonanzbodens, ist. so wenden wir 
uns mit bedeutendem Interesse dem Trommelfell selber zu und zwar be- 
trachten wir einmal die Herstellung der Felle. 

Die Kürschner der Hottentotten nehmen die frischen und noch rauchen- 
den Häute, reiben sie stark mit Fett, bis es recht eingedrungen ist. 
Darauf ergreifen sie zu zweien die Haut gleichwie zwei Dienstmädchen einen 
staubigen Teppich und klopfen sie vermittelst starker Stocke und mit grofser 
Stärke etc. Die Marutse schliefsen den lWers der Feinbearbeitung, nachdem 
mit dem Schabbeilehen oder anderen Werkzeugen die Fleischrestchen, Sehnen- 
fasern etc. entfernt, das Fell beiderseits mit öligen oder fettigen Substanzen 
gut eingeriel>eii ist, damit, dafs 2— G Männer in hockender Stellung im 
Takte und unter Gesang das Fell mit ihren Händen pressen, Stelle an Stelle 
aneinanderreihen, bis sich das Fell trocken und geschmeidig anfühlt. — 
Die sehr umständliche und mühevolle lYoeedur des l'i-äparierens der Felle 
verstehen nach Fritsch die Betsehuana besser als irgend ein anderer Stamm 
in Südafrika; sie wird, obwohl dabei auch heftige Körperbewegung unver- 
meidlich ist, doch mit einem Eifer und einer Energie ausgeführt, die den 



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Eingeborenen bei keiner anderen Gelegenheit eigen zu sein pflegen. Die 
anstrengende Arbeit, an der sieh bei gröfseren Hauten mehrere Personen, zu 
beteiligen pflegen, wird ihnen zu einem geselligen Vergnügen, und das 
taktmäfsigo "Walken mittels der Hände oder Füfse begleiten sie mit einem 
eigentümlichen , einförmigen Summen, wodurch das Vergnügen noch wesent- 
lich erhöht zu werden scheint. 

Dieselben Betschuancn , denen das taktmäfsige Walken mit Händen und 
Füfsen in der Geselligkeit zum Vergnügen wird, wissen bei deu Bagnerra- 
festen (Mannbarkeitsceremonicn) die Trommel dadurch zu ersetzen, dafs 
ihrer mehrere eine Ochsenhaut gespannt halten und mit Stötten gehörig 
beart»eiten. Dazu erklingt wieder dasselbe Summen. Und gehen wir auf 
unserem Wege nach Norden noch weiter, 80 troffen wir bei den Trommcl- 
ceremonien der Warna einen Rückfall in die Arbeitsweise. Cameron be- 
obachtete nämlich die Hochzeit eines Häuptlings. Ein wichtiger Teil der 
Ceremonie bestand darin , dafs einen Tag lang ein Dutaend Männer unter 
Pfeifen, begleitet von Beifallsrufen und Klatschen der Menge um cino , 
Trommel herum tanzten, just so wie jene Betschuancn im Kreise ihr Fell ' 
bearbeiten. 1 

So ist denn ohne Schwierigkeit die afrikanische Trommel in ihrem 
Aufwachsen aus der Fellfabrikation zu beobachten. Bücher hat recht, sie 
verdankt der Fronde der rhythmischen Arbeit ihr Dasein, nicht aber allein 
beim Kornstampfen , sondern vor allem bei der Lederwalkerei. 

Ks lassen sich noch oinige Reste aus dieser „Vorgeschichte der Trommel 1 ' 
nachweisen, nämlich einmal deutet der hakenförmige Trommelknüpi>el auf 
das Lederkratzinstruinont zurück, dann ist nur ein Trommelknüppel vor- 
handen, — der Kürschner bearbeitet sein Fell ja auch nur mit einem Werk- 
zeug — und endlich weiden einigen Ortes die Trommeln nicht geschlagen, ' 
sondern gekratzt. 

Damit wird die Mannigfaltigkeit der Formen der Trommel körper in 
dem Sinne erklärt, der oben schon angedeutet wurde. Das Wesentliche der 
Entwicklung liegt im Trommelfell. Die Wald des Scliallkörpers ist will- 
kürlich. Topf, Kalabasse, llolznapf, Mörser mögen eins wie das andere 
dienen. Es liegt kein sonderlicher Zug in ihrer Bevorzugung und geographischen 
Verbreitung. 

Was nun aber die Verwendung des Ledere oder die Herstellung des- 
selben anbelangt, so wollen wir uns hüten einen voreiligen Schlufs zu ziehen. 
Es soll nicht radikal mit Hinweis auf asiatischen Ursprung der Viehzucht 



1) Holub: „Kulturskizze", S. 125/12«). Fritsch, S. 185. Kolbon, S. 17"» und 
Taf. XIX. Cameron (deutscho Ausgabe), Bd. II, S. 105/101). 



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— Haustiere liefern zun» gröfston Teil das Material zu den Trommelfellen — 
jede Erörterung abgebrochen werden. Wir kennen ja die asiatisch-afrikanischen 
Beziehungen bis jetzt nur sehr wenig. Jedenfalls müssen wir alle Merkmale 
zusammenfassen, wenn ein sicheres Resultat der Forsehlingen über die 
afrikanischen Felltrommeln gewonnen werden soll. 

C) Überblick der Formen der Felltrommeln. 

Versuchen wir es nunmehr, ein klares Bild der Verbreitung der wesent- 
lichen Merkmale der afrikanischen Trommeln zu gewinnen, vor. allem ihre 
Beziehungen zu den Achsen festzustellen. 

Der Vergleich mit den Thatsachen der Verbreitung der Fellsehilde ist 
von entschiedenem Vorteile. Im Süden ward der Fellmantel am Griff des 
Stoekschildes zum Zulusehilde. So wächst hier auch aus der Fellliearbeitung 
die Fei blecke als Trommel hervor. Dem Norden zu mehren sich asiatische 
Merkmale. Als Resonanzboden tivten Mörser, Kalabasse, Topf, llolzgefafs auf. 

Wo im Norden der asiatische Rundsehild hervortrat, erscheinen die 
asiatische Kesselpauke, Tamburin und thönerno Standtrommel. Sie werden 
dem Süden zu abgeflacht, der Eisen- oder Kupferkessel der Pauke wird 
durch die Hol/schale ersetzt. Die Mörsertrommel ist durchbohrt Gleich 
wie der ostafrikanische Schild die Mitte halt zwischen dem asiatischen Vor- 
bild und den schwachen Schöpfungen der Afrikaner, so lernen wir in den 
Trommeln Pliergangsgehilde keimen. 

Kesseljuuike, Tamburin und thönerne Stand trommel weisen nach Ost- 
asien und dem Mittelmcer, die Sandiihrentroinmeln nach Südasien. Die 
westafrikanisehe Mörsertrommel mit dem Bilde der Eidechse, dem Fell aus 
Varnoihaut, «Ion Mensehenligiiren als plastischen Sehmuek (Baluki-Ix)ango) 
den Schädeln und Menschenopfern (Goldküstc: Schadelschmuck, Bangala: 
Fell aus Mcnscheuhaiit, Marutse: Amulette von Menschenopfern im Innern), 
der Spannung mit Rotangst reifen, vor allem aber der indonesischen Sjvannungs- 
weiso weist auf eine Beziehung mit Südasien, der in gleicher Weise Oeeanien 
ausgesetzt gewesen sein mul's. 

Also dreierlei Quellen im wesentlichen: 1. westasiatiseh- mediterrane, 
2. südasiatiseh- indonesische, 'S. afrikanische. Von ihnen nmfs die afrika- 
nische nicht nur als die schwächste an Entwickluugskmft, sondern auch als 
eine sekuiuliiro angesehen werden. Wie der afrikanische Bogen und der 
afrikanische Fellschild die Ansicht nahelegen, dals infolge asiatischer An- 
regung die Afrikaner hier zur Schöpfung vcranlafst worden seien, so gemahnt 
auch der Fellmantel als Trommel und der Mörser danin, dafs der llirse- 
bau und die Viehzucht asiatischen Ursprungs sind. 



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"Wir wollen ein« nicht vergessen. Auch die Südostaustralier trommeln 
auf der ausgespannten Haut des 0]>ossum. Immerhin wäre es falsch, hieraus 
auf nigritisehe Verwandtschaftszfige zu schliefsen. Vielmehr dürfte die reiche 
Beeinflussung, die Australien fraglos empfangen hat, ebensogut und in der- 
selben Richtung zur Schöpfung geführt haben, wie in Afrika. 

Die als „ südasiatisch " liezeichnete Gruppe der Trommeln, die teilweise 
frappierende Analogieen zur indonesischen Formenwelt aufweist, verrät mancherlei 
Merkmal der Mischung mit malajonigritisehen Zügen. Ein solches Hegt vor 
allem in der Verwendung der Rotangstroifon. Wir dürfen al>er hier nicht 
übersehen, dafs einmal diese Trommeln in Afrika in einom, wenn auch in 
mancher Hinsicht abgeschwächten malajonigritisehen Kulturkreiso heimisch 
sind und dafs sie zum andern, wenn sie aus Südasien, wio es die "Wahr- 
scheinlichkeit ist, kommen, aus der Zone des malajonigritisehen Einflusses 
stammen. Das Problem ist deshalb so sehr interessant, als hier zum ersten 
Malo eine zweit«? Beziehung mit jenen jenseits des indischen Oceans 
gelegenen Kultuiquellländern bemerklwr wird. Auch die erste, ältere, die 
malajonigritische Beziehung liat Formen nach Afrika gebracht und diese 
werden wir nunmehr kennen lernen. 



II. Die Holzpauke. 

Die Holzpaiiken gehören ausschließlich dem westafrikanischen Kultur- 
kreise an. Ihnen fehlt «las Fell. Sie werden stets mit zwei Schlägeln ge- 
schlagen. — Die Litteratur ist an Berichten und zwar guten Berichten über sie 
reicher als ülior die Fell trommeln. Das mag darin seinen Grund haben, 
dafs die Formen auffallender und, weil auf den westafrikanischen Kulturkreis 
beschränkt, seltener sind. Das ist aber von hohem Werte, denn bei dem 
fast vollkommenen Mangel an Museumsmaterial sind wir auf diese Berichte 
und die Illustrationen der Reisewerke angewiesen. 

a) Bericht« Ober die afrikanischen Holzpauken. Im südlichen Kongo - 
Bwken beginnend, finden wir Erwähnung eines „Schl.iginstrumentes, in 
Gestalt eines hohlen Bauines, welches l>ei dem Beschncidungsfest der Um bei Ja 
eine Rolle spielt", l*«i Schmcltz. 

Die Wifsmannsche Expedition lernte eine im Besitze oiner Rangala - 
Karawane, die aus der Mussumlu kam, sich befindende Schinguwo kennen, 
ein eigenartiges Musikinstrument, welches sonst nur bei den Kahm da 
und den Kioke vorkommt, und dessen Besitz hier als ein ausschliefsliches 



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Vorrecht der Unterhäuptlinge angesehen wird. Das Instrument hatte die 
Form eines Keiles von 2K cm Breite, 50 cm Hoho und 85 cm TAnge an 
Boiner Schmalseite, an der ein 4 cm breiter Spalt den inneren vollkommen 
hohlen Kaum mit der freien Luft verbindet Der Ton wird durch pauken- 
artiges Bearlx'iten der Seitenwinde erzeugt und kann durch Auflegen von 
Gummistücken der Liehhal>erei des Besitzers entsprechend reguliert werden. 
Der Abbildung nach wurde diese Schinguwo in folgender Stellung geschlagen : 
Statt sie auf die Breitseite des Keiles zu setzen, so dafs die Schmalseite mit 
dem Keil nach oben sieht, wird sie etwas gekippt, sodafs sie auf der sehmalen 
Kante am einen Ende der Breitseite ruht und durch den kniccndcn Scldäger 
gestutzt wird (Fig. 12G). 

Ttn Kerngebiet der Lundaländcr. in der Mussumki heifst das Instrument 
nach Pogge Ginguva, nach Buchner Kinguvu. Ki ist hier Vergrosserungs- 
oder Roflexionspräfix , da diese Trommel auch hier Eigentum der Herrscher 
ist. Poggo beschreibt sie als einen, an der oberen Seite offenen, viereckigen 
Holzkasten. Der Künstler sehlägt dieses Instrument an den beiden Seiten- 
flächen, ähnlich wie eine Pauke geschlagen wird mit zwei an ihrem einen 
Ende mit Kautschuk bewickelten Trommel stocken. Die Töne sind laut und 
erinnern an die der europäischen Pauke. 

Auch die weit nach Osten zum Lualaha gewanderte Kolonie der 
Kalunda unter dem Cazembo ist im Besitze der „Chincufo", wie Ganiitto sie 
nennt. Sie ist aus einein Stuck Holz gemacht und hat eine uuregelmäfsige, 
würfelförmige Gestalt. An seiner oberen längsten und schmälsten Seite 
befindet sich eine lange Öffnung von 1 Zoll Breite. Das Instrument ist 
2 Fufs 8 Zoll hoch, 3 Fürs 1 Zoll breit und etwa 2 Zoll dick, unten nur 
1 Fufs breit, aber 8 Zoll dick. Es wird hier an einer Schnur um den Hals 
getragen und als Bafs zur Begleitung anderer Instrumente vennittelst zweier 
Stäbchen gespielt. 1 

Die Manjeiua, die Stuhlmann am lturi traf, führten ebensolche In- 
strumente neben anderen Formen mit sich. Zwei zeigten prismatische Formen 
mit trapezförmigem Querschnitt. In der schmalen oberen Fläche befand sich 
ein langer Spalt, von dem aus das ganze (b'bilde ausgehöhlt worden war. 
Es wird mittels eines Halsbandes getragen und zwar ruht die Kopfseite 
des Prismas am Körper des Trägers. Diese Trommel ist also schinguwo - 
artig. Die dritte Trommel war cvlindrisch und hatte oben zwei durch 
einen Spalt verbundene Löcher. Sie ruht quer vor dem Leibe des Trommlers, 
wird aber durch einen Holzbügel von ihm abgehalten. Beide Arten werden 

1) Sehineltz im „Intern. Ar- h. f. Ethnogr.", Bd. I, S. 2:!0. Wifsmann-Wolf, 
S. 54. Pogge, S. 211. (ifiinitto in der .Zeitschrift 1 *, lS'.li, S. 3ST. :N<i. r O Muata 
Cazembo", Taf. 8. "J7H. Valdez, IM. II, S. 22\ ; 222. 



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mit jo zwei Trommelstöcken bearbeitet, deren Enden mit Kautschuk Über- 
zogen sind. Als Kriegszeichen sind diese Instrumente den Leuten heilig; 
sie weigerton sich eine davon zu verkaufen. 

Auch die zweite der von Stnhlmann beschriebenen Formen ist von 
Gamitto beim ('azembe angetroffen worden. Die „Mondo" , wie die Trommel 
hier heifst, ist ein Instrument von eylindrischer Form. Sie besteht aus 
«•ineni einzigen Stücke sehr harten, ausgehöhlten Holzes, welches eine ein- 
zige, der Länge nach gehende Öffnung von 1 Zoll Breite hat, die sich nach 
jeder Seite hin bis zu 2 Zoll quadratisch erweitert. Dieses Instrument 
wird an einer Hautschnur um den Hals gehangt und mit zwei Stilbchen 




126. 1_'7. 



Fig. 126. Schingnwo-Sehlüger der Wcstkaliinda (nach Wifsmann). Fig. 127. Schin- 
gmvo aus dem Katangiigebiet (in einer Privatsammlung); a die Olterseite des- 
selben Instrumentes. 

von Kautschuk gespi.dt. Man hört die Töne derselben sehr weit. Sic dient 
dazu, Signale zu geben, welche al>er nur die der Campoc'do- Sprache Kundigen 
▼erstehen. (VergL Fig. 12U). Diese rund«' Trommelform hat Cameron ab- 
gebildet als von den Baluha stammend. (Fig. 141). Wir treffen sie am 
Kongo wieder. 1 

Nördlich der Baluka-Kalunda führen im Westen die Bjikuba, im Osten 
die Manjema, Wakussu, Wabujwe ete. ähnlich«! Trommeln. Die Trommel der 

1) Stuhlmann. S. 591. (Ein kleiner Irrtum ist die IVutung des Namens „Mundo" 
als Städt«>bezeicbnang.) Gamitto in der „Zeits« hrift", S. !W5. „0 Muata Cazembo", 
S. 285, Taf. S. 276, Nr. 4. Valdez, Bd. II, S. 221. Cameron, Taf. in Bd. II. 



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Fig. 128. Trommel vom Kongo (Privat - 
Sammlung). Fig. 129. Trommel der 
Kalunda Cazembes (na« Ii (iamifto). 
Fig. 130. Trommel der Dnalla (im 
Besitze des Verl). Fig. 131. Trommel 
von der Loangoküsto (nach Photo- 
graphie). Fig. 132. Trommel dor 
Wabujwo (nach Caineron). Fig. 133. 
Trommel vom unteren Ubangi (nach 
Dybowski). Fig. 134. Trommel der 
Sando (nach Sch\v<-infurth). 



Bokuba bestellt aus einem etwa 1 m laugen 
und 0,5 m im Umfange messenden, aus- 
gehöhlten Stück harten Holzes mit einem 
3 — 5 cm breiten Längsschnitt Die un- 
gleich dicken Wandungen wurden mit 
2 Schlägeln geschlagen und konnten so- 
i mit verschiedene Tone hervorbringen. Nur 
der Häuptling hat das Recht, sich dieser 
Trommel zu taUcnen und die Trommel 
steht daher unmittellwir neben seiner Woh- 
nung. — Die Holztrommoln der Warna - 
Halulia sind zum Teil grofso Atisgaben 
der Schinguwo, die der Wabujwe sind 
t rogartige Gebilde (Fig. 132). 

Die Trommeln, die Stanley und so 
vielen nach ihm an den Stanleyfallen 
so sehr auf Helen, sind viereckige Kisten, 
die auf 4 Füfsen oder auf Baumstämmen 
als Rollen ruhen. An der Seite ltesitzen 
sie FortBfttze, ähnlich wie die Sande- 
trommeln (Fig. 134). Die Wagenia führen 
jedoch auch die Schinguwo. 1 

Am mittleren Kongo, also unterhalb 
der Stanlcyfälle, sind verschiedene Können 
heimisch, von denen Stanley die 2 m 
langen, halb so tiefen und s / 4 m breiten, 
auf starken Beinen aufgestellten und aus 
einem einzigen Holzblock hergestellten 
erwähnt. Auf seiner Kongofahrt traf Bau- 
mann die Trommeln wohl überall. Die 
Bosoko haben schwarze und rote Holz- 
trommoln, im Durchmesser 1 m haltend, 
deren Klang weit über den Strom er- 
schallt. Die Araber behaupten, dafs l>ei 
diesen Lukeren-Umten eine vollständig 

1) Wifsmann-Wolf, S. 228/221». Came- 
ron, deutsche Ausgabe, Bd. I, S. 284; Bd. II, 
S. 80 u. 81; englische Ausgabe, Bd. I, S. 329. 
Stanley: .Dunkle Weltteil", Bd. II, B. 221, 
271, 314. Abbildung der Wagonia -Trommeln. 



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entwickelte Trommolspraohe bestehe. Vor dorn Versammlungshauso Upotos 
war dio milcht ige Holztrommel aus Rotholz aufgestellt, donm Signale weithin 
tönen. Bei den Monungiri waren «lic pankenformigen Trommeln in greiser 
Zahl zu sehen. Die grüTsten Trommeln sind jedoch mächtige Schal Itrommoln 
aus Holz mit einem Spalte. Die Signale, dio die Bewohner verschiedener 
Dörfer in der Not miteinander wechseln, und die übereinstimmende Be- 
wegung veranlassten, machten es zweifellos, dafs durch taktmärsiges Rühren 
dieser Trommel eine Verständigung auf weite Dimensionen ermöglicht werde. 
Bei ben Babaugi bemerkte Baumann diese Holztrommeln zum ersten Male. 

Bei &]uateurville lernte Co^uilhat eine Trommel kennen, die der 
Fig. 132 nur insofern nicht gleicht, als sie noch mit 4 Beinen versehen ist. 
Das ist der eine Typus. Der andere stellt eine runde Walze dar, die 
(Fig. 128) nur an der 01>erseite der Lange nach aufgeschlitzt und von hier aus 
ausgehöhlt ist. 1 

Im Norden des Kongo treffen wir im Gebiet des unteren Ubangi bei 
den Banziri eine Holzpauke ohne Fufse (Fig. 133), bei Sande und Mang- 
battu dann aber die durch Schweiufurth und Junker so bekannt gewordenen 
Signalpauken. — In kirnst reicher Weise ausgehöhlt, zeigt ein solches In- 
strument der Sande auf der Oberseite einen langen schmalen Spalt; die 
Aushöhlung ist in der Weise angebracht, dafs die beiden Hälften ungleich 
dicke Wilnde darstellen, so dafs sie beim Anschlagen zwei verschiedene Töne 
von sich geben. Mit diesen zwei Tönen werden, je nachdem man sie 
wiederholt oder im richtigen Takte wechseln läfst, dreierlei Signale gegeben, 
1. zum Kriege, 2. zur Jagd, 3. zur Festversammlung (Fig. 134). Diese 
grofsen hölzernen Signalpauken der Sande fehlen auch in keinem Mangbattu- 
dorfe. Aus einem Stuck gehauen werden sie hier von 4 oder auch von 
2 Füfsen gestützt. Daneben kommen hier noch glockenförmige Trommeln vor, 
die nachher erörtert werden. — Die Momfu besitzen solche Trommeln nicht 8 

Nun die Westküste. Südlich vom Kongo tritt die Holzpauke erst 
hinter dem eigentlichen Küstenstrich auf, im Süden bei Umbella — siehe 
oben — im Norden bei den Muschikongo westlich von San -Salvador, am 
Quiln. Hier nämlich traf der von der Küste in das Innere marschierende 
Willy Wolff eine solche, der Kameruner (Fig. 130) ähnliche Trommel. 
Dieselbe wurde von dem Dache eines Hauses aus von einem Neger geschlagen. 
Der Trommler teilte wahrscheinlich seinem Nachbar die Ankunft des Reisenden 

1) Stanley: „Dunkle Weltteil«, 13.1. II, 8. 2S7. Baumann: „Beitrage", S. 12, 
17, 20, 21. Coquilhat, S. 170 und 173. Jamoson: „Dunkelste Afrika", S. 341 (Bartelot 
auf dor Trommel). Congo lllustn';, IM. I, S. 15.") (Abb.). 

2) Sehweinfurth, S. 240. 21>7 29S. Junker, IM. III, S. IG. 42, r,S,r>9, 173. 
Jean Dybowski, S. 150. 

Friiheniiis, Afrikanixrhc Kulturen. 12 



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mit, denn nach einiger Zeit kamen von verschiedenen Seiten Eingel>orene, 
den merkwürdigen Fremdling zu schauen. 

Erst nördlich der Kongomündung erreicht die Verbreitung der Holz- 
pauken den Küstensaum und Seestrand. Da ist schon in Loango „die Koko 
(Konko) genannte Holztrommel mit Schlitz; sie wird in den Händen zweier 
Träger gehalten oder liegt auf Holzblocken (zur Resonanz) als Signaltrommel 
dienend. 44 (Bastian.) Falkensteiu hat die Ukonko (Fig. 131) näher beschneien. 
Er sagt, sie gliche einem kleinen Kauoe. Wenn man sich solches bis auf 
einen länglichen schmalen Schlitz oben geschlossen denkt, so erhält man 
die richtige Vorstellung davon. Diese Trommel wird auf eine hölzerne 
Tntcrlage gesetzt und mit einem Holzklöppol angeschlagen. Ihr Schall 
reicht sehr weit, weshalb sie auch ausseid iofslioh zu Signalzwecken dient 
Am häufigsten wird sie benutzt, um alle Dörfer weit in der Runde zum 
nächtlichen Tanz zusammenzurufen, oder auch um Gefahr zu signalisieren. 
Sie giebt zwei verschiedene Töne an, je nachdem sie auf der einen oder 
\ anderen Seite des Schlitzes angeschlagen wird. Die Eingeborenen nennen 
den tieferen Ton: Mann, den höheren: Frau; dieselben Namen bedeuten 
auch rechts und links. 

Eine „halbmondförmige Trommel", die im Njoinl>o-Kultus eine Rolle 
spielt hat vielleicht die gleiche Gestalt. Die Sammlung Soyaux im leipziger 
Mussum bietet eine schwere Holztrommel , die, ans Rotholz hergestellt, 
ziemlich roh gearbeitet die Mitte zwischen der Trommel «1er Dualla (Fig. 130) 
und der Mondo der Kaluuda Cazombos (Fig. 129) in der Form hält. Das 
Hamburger Museum besitzt „eine Signaltrommel (ausgehöhlter Haumstamm) 
der Bafans u . Es dürfte die gleiche Form sein. Der Troinmeltolograph der 
Yaunde, eines nördlichen Fanstammes im südlichen Kamerun, besteht aus 
einem ausgehöhlten Baumstamm mit einer länglichen, schmalen Öffnung an 
der oberen Seite; er wird mittels zweier Holzstöcko geschlagen. Durch 
die zwei verschiedenen Töne, die mit der Trommel erzeugt werden, indem 
der eine Wandteil an der Öffnung dünner als der andere ist, und durch 
vei-schiedene Art des Trommeln« entstehen die den betreffenden Landes- 
sprachen ähnlichen Lutte. 1 ' 

Bei den Dualla ltoircirnon wir den ..schwoinotrogähnliehon Klötzen" 
(Fig. 131» und 1 .'»fi), auf die wir später zurückkommen werden. Im Gebiet 
der Abo sah l'auli zwei grofse Kriegst romnieln v<»r dem Hause des Häuptlings 
liegen, die zu schlagen man ihn verhinderte, weil sie nur im Kriegsfalle 

1) Willy Wölfl": „Ymi Bauana zum Kiamwo u . S. l'»!t. Bastian: ..Loangoküsto", 
Bd. I, S. KL'. Falkensteiu, S. 1 !».*>. Wilson: „WVstafrika", S. L'!C». Katalog des II am- 
Imrger Museums, S. 14, Nr. li'J."». Morgen, S. ."»:t. 



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gerührt werden. Dieselben waren 2 1 / 2 ra lang und hatten 2 m im Umfange. 
Nach Schwoinfurth findet man ähnliehe Instrumente auch am Niger. 

In Nord- Guinea fehlen diese aus einem Stuck geschnitzten Holzpauken. 
Dagegen finden sich mannigfache Formen, die auf Entstehung aus verwandten 
Quellformen schliefsen lassen. Sie scheinen in diesem abgelegenen Gebiete 
doppelt interessant Winterbottom schildert eine solche Form von der 
Sierra- Leone -Küste. Diese Art Trommel wird aus einem Baumstamm ver- 
fertigt, den man zwar aushöhlt, aber an beiden Seiten mit Holz verschliefst, 
und auf der Seite der Länge nach aufschlitzt. Man schlägt wechselweise 
mit zwei Stöcken darauf und sie giebt einen kläglichen Ton von sich, den 
man in weiter Entfernung hört. Die Mandingo scheinen hier und da gleiche 
Instrumente zu besitzen. Nach Moore haben sie in jeder Stadt etwas — 
und zwar kann es sich um die Felltroinmeln, die vorher beschrieben sind, 
nicht handeln, — das einer Trommel ähnlich ist, mit Namen Tongtong, 
welche nur bei der Ankunft eines Feindes oder bei anderen aufserordent- 
lichen Gelegenheiten geschlagen wird, um die benachbarten Dorfschaften 
zu Hilfe zu rufen. Ein solcher Tontong kann in der Nachtruhe C — 7 Meilen 
weit gehört werden. Aus der Weise der Verwendung und der Betonung 
des weithinschallenden Klanges glaube ich auf eine Holzpauke schliefsen 
zu dürfen. — Wie die Sierra -Leone- Trommel sind die Trommeln Weidas 
auf einer Seite, nachdem sie ganz ausgehöhlt sind, wieder mit Holz ver- , 
schlössen, auf der anderen allerdings mit Ziegen- oder Schafsfell bedeckt 1 ' 

. Zum Schlnfe möge noch ein vereinzeltes Vorkommen erwähnt werden. 
Nel>en den thönemen Hydromeleeimern sind bei den Galla ausgehöhlte 
Baumstämme, die ebenfalls zu ihrem Hausrate zählen, die sogenannten 
Bideru, dem akustischen Signaldienst gewidmet und neben den Eimern 
aufgehängt. 2 

b) Die Trommelgprache. In Verbindung mit den Holzpauken Afrikas 
mnfs etwas Eigenartiges genannt werden: die Trommelsprache. Die besten 
Berichte über sie verdanken wir clen deutschen Reisenden ans Kamerun 
und der ausführlichste von ihnen ist der Max Buchners , den ich hier wiedergel>e : 

Etwas ganz Exquisites, ja ich glaube Einziges ist die Tremmelsprache 
der Dualla. Durch sie vermag sich ein Mann kilometerweit mit einem 
anderen zu unterhalten und zwar über alles Mögliche, ihn um irgend etwas 
zu fragen, ihm irgend eine Geschichte zu erzählen, ihn zu rufen, zu 
höhnen, zu schimpfen. Es handelt sich dabei nicht etwa um ein Signal- 

1) Schwarz, S. 253. Pauli bei Potermann, 1880, S. 19. Schweinfurth, S. 297 298. 
Wintorbottom, 8. 150/151. „Allg. Bist. d. K. u . Bd. IV, S. 322/323. Moore, S. 109. 

2) Paulitschke, S. 143. 

12* 



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— ISO — 



System, sondern um eine richtige Wortspraeho, auch nicht um eine rhyth- 
mische Cl>ertragung von Dnalla-Worten , sondern um ein eigenes, für sich 
zu erlernendes Idiom. 

Das Instrument ist ein horizontal zu legendes, cylindrisches Stück 
eines sehr harten, intensiv roten Holzes, etwa l L m lang, i / i m dick (vergl. 
Fig. 130 und 135). In einer Ij&ngslinie der Cylinder befinden sich zwei 20 cm 
lange Schlitze, von denen aus das Innere ausgehöhlt ist. Die beiden Schlitze 
sind von Wülsten eingefafst, die mit zwei Schlagein angeschlagen werden, was 




Kg. 135. 

Dualla bei der Trommel -Unterhaltung {nach Photographie). 



entsprechend einer verschiedenen Dicke des Cylinders an diesen Stellen 
zwei verschieden hohe Töne ergieht. Das ist «ler ganze Apparat. 

Dessen Handhabung zu erlernen und die All der Wortbildung mittels 
desselben zu erforschen, wäre ungeheuer sehwierig und ohne übeigrofsen 
Aufwand an Zeit und Mühe mülste man auf jede Idee eines Verständnisses 
verzichten, wenn nicht noch eine Eigentümlichkeit der Trommelsprache 
bestände, durch welche sie leichter falsbar wird. Das Getrommelte oder 
das zu Trommelnde läfst sich nämlich auch mit dem Munde wiedergeben, 



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— 181 — 



wozu ganz bestimmte Si Uten gebraucht werden, und bildet so eine Art 
Geheimsprache, deivn sieh die Eiiigeborneu oft bedienen, um von einem des 
Dualla kundigen Weifsen nieht verstanden zu werden. Hie und da pfeifen 
sie getrommelt Gedachtes, oder sie trommeln es sich leise bei geöffnetem 
Munde auf die Wange. 

„Wasser, Kluis'* heilst in der Duallasprache: „r... /!iba", in der münd- 
lichen Trommolsprache: „tökoloulökolouko", etc. Getror.-nielt bestehen diese 
Worte aus ebonsovielen Schlügen als sie gesprochene Gilten liaben, wobei 
die Zweitönigkeit des Instrumentes nur einen ornamentalen Wert zu besitzen 
seheint Auch von den Kingebornen sind der Trommelsprache nur die Vor- 
nehmen mächtig. - Mir war diese merkwürdige. Fertigkeit vollkommen neu, 
doch glaube ich jetzt auch liuditnonte davon schon 1879 in Lunda gehört 
(Sehingnwo!), alter wegen ihrer rudimentären rndeutüchkeit unbeachtet ge- 
lassen zu halten. 

Mb die Zweitönigkeit wirklieh, wie Büchner meint, nur ornamentalen 
Wert hat, will ich dahin gestellt sein lassen, jedenfalls mnfs es auffallen, 
dals auch Sande und Loangoneger sowie andere Stämme (z. B. am Kongo) 
dies.- Eigenschaft an ihren Instrumenten stets wahren. Büchners Angaben 
werden mehrfach bestätigt. Noch eigentümlicher ist es, sagt Zoeller, dafs 
die Trommelsprache auch vollkommen verständlich mit dem Munde nach- 
geahmt werden und sozusagen gesprochen werden kann — eine Silben- 
sprache wie das Chinesische — die mit dem landläufigen Dualla- Idiom auch 
nicht ein Wort gemeinsam hat. Nach Morgen verstehen bei den Yaunde 
alle, sogar auch nur halbwüchsige Jungen die Sprache und Sprachkunst 

l'nd nicht nur in Kamerun ist die Trommelsprache heimisch. Stanley 
weifs mehrfach zu erzählen, wie Botschaften von einem Orte zum andern, 
von einem Her des Kongo zum andern auf diese Weise schnell und klar 
befördert worden sind, wie die Wenja solches Vermögen wohl auszunutzen 
verstehen bei der gefahrvollen Fischerei an den Fällen. Reisende vom Kongo 
erzählen, wie bezeichnend und bedeutungsvoll die Trommel spräche für das 
Dorfleben sei, wie das ewige Üoklapper geradezu typisch wäre, die Trommel- 
konzerte oft tagelang währten. Als der Gouverneur Five einst spät Abends 
auf der Rückkehr zu seinem Lager in Basoko die Mitteilung auf dem 
Trommeltolegraphcn aufgegeben hatte, man möchte ihm sein Abendessen 
aufbewahren und er nach einigen Stunden anlangte, traf er die gedeckten 
Tische. Die Nachricht: „Abend, Hula Matadi ankommen, nicht alles auf- 
essen" war schon lange vor seiner Ankunft, kurze Zeit nach der Aufgabe 
des „Telegrammcs" angelangt. — Im Süden ist die Trommelsprache bei 
den Haknba durch Wolf festgestellt Die Mitteilungen Wilhelm Junkers 
lassen es unklar, ob hei den Sande die Sprache so ausgebildet ist, wie 



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— 182 .— 



im Westen und Süden, inachen es aber wahrscheinlich, 1 wie man ja aus 
vielem der oben wiedorgegel>oncn Berichte auf ihre Verwendung und Kenntnis 
auch anderen Ortes schlicfsen kann.* Jedenfalls ist diese Holztrummel im 
allgemeinen kein Musikinstrument, sondern, wo sie vorkommt und wirklich 
heimisch ist, ein ernstes und wertvolles Kommunikationsmittel. Der Tanz- 
begleitung scheint sie nie oder nur selten zu dienen. 

Eine sehr wichtige Bemerkung Büchners ist es, dafs man dio Trommel- 
sprache auch pfeifen könne. Das erinnert an Berichte aus Aschanti und 
von der Goldkflste. So Bowdich über die Aschantiflöte: diese wird aus 
einem langen, hohlen Rohr gemacht und hat nur drei Löcher. Die Einge- 
borenen behaupten, sie könnten durch ihre Flöten sich miteinander unter- 
halten, und ein alter Resident zu Accra versicherte mir, er habe solche 
Gcspracho gehört und jeder Satz sei ihm erklärt worden. Auch hat jeder 
Obere des Staates, jeder Häuptling und der Fürst sein Motto (vergl. An- 
merkung 2) das nicht nur getrommelt, sondern vor allem geblasen wird. 
Des Aschantikönigs Hörner blasen: „Ich übertreffe alle Könige in der Welt!" 
Das Motto des Chef der Stadtpolizei lautet: „Bobie schlaft nicht, er wacht 
für den Reichserhalter, in der Hand des Reichserhalters wacht was' 4 etc. 
Ob auch hier die Sprache der Flöte und die des Alltages verschiedene sind, 
ist uns leider nicht mitgeteilt Jedenfalls ist die Flötensprache auch bei 
den Bali von Zintgraff nachgewiesen. Ob die Flötenunterhaltung der Bube 
als selbständige Sprache angesehen werden darf, ist von Baumann nicht 
festgestellt worden. Flötensignale kommen auch sonst vor. 3 

Die Mitteilung Büchners bringt diese Flötenkonversation mit der 
Trommelsprache in Beziehung und wir können demnach feststellen, dafs 
diese Trommelsprache zwar eine Begleiterscheinung der Holzpauke, diese 
aber ebensogut eine Folgeerscheinung der TrommelBprache genannt werden 
kann. Es liegt hier keine Äufserlichkeit vor, sondern ein tief einschnei- 
dendes Stück des Kulturbesitzes. Der Bau dieser Sprache weicht, da sie 
Silbensprache ist, offenbar von den afrikanischen Idiomen vollkommen ab. 
Es ist gar nicht anzunehmen, wie es vielfach ohne Skrupel geschehen ist, 

1) Buchner: „Kamerun*, S. 37 .'38. Morgen, S. 52 53. Zöllor: „ Kamerun *, Bd. I, 
S. 189. Stanloy: „Der Kongo*, Bd. I, S. 119; Bd. II, S. 1(50. Wifsmaun-Wolf, 8. 228 etc. 
Junker, Bd. II, S. 177. 

2» An der Tangaküste hat jodor Geist seinen eigenen Trommelschlag. Baumann: 
„Usambara 14 , S. 58: „Die Trommeln und Blasinstrumente jedes Grofsen in Aschanti 
haben ihre besondere Weise, die durch ein Motto gekennzeiehnet ist.* Amankwas 
Troinmel.signal lautet: „Drauf und dran! u Boakjo Tenk-ngs dagegen: ,Die Donko 
höhnen mich, was soll das bedeuten V* etc. Kamsayer und Kühne, S. 275. 

3) Bowdich, S. 401/402, 4<i4/4ij5. Ranisayer und Kühne, 8. 275. Zintgran*, 
S. 313. Baumann: .Fernando Po^, S. 98; „Massailaud", S. 202. 



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— 183 — 

daf8 aus den einfachen Signalen diese Sprache emjiorgcwachsen sei, sich 
lokal entwickelt habe. Die Trommelspraehe gehört zu den ganz grofsen 
Besitztümern der Kultur, deren Entwicklung mit dem physiologischen Hau 
derselben auf das engste verbunden sein mufs. Daher ist die Frage ilirer 
Herkunft eine hoch bedeutungsvolle. 

Die Annahme, dafs diese Sprache sich an der Seite der Flöte aus- 
gebildet habe, ist nicht wahrscheinlich, weil deren Schall nicht weit reicht. 
In Verbindung mit dem Blasinstrument ist sie nur erhalten worden. Sie 
mufs sich entwickelt haben mit jenem einzigen Instrument, dessen Klang 
über Thäler und Flüsse reicht, mit der Holztrominel. Und als Begleiterin 
eines Holzinstrumentes lernen wir sie auch sonst kennen. 

c) Die Slrlmba. (Sing. Marimba). Die Afrikaner l>esitzen noch ein 
wichtiges Schlaginstrument aus Holz, das sich an die Holzpaukcn in seinen 
gröbsten, unentwickelten Formen anschliefst. Diese primitiveren Gestalten 
sehen wir allerdings am Ostrande Afrikas, wenn die Marimba selbst auch 
im grofsen und ganzen dem westafrikanischen Kulturkreise angehört. Jeden- 
falls verdient diese Marimba schon wegen ihrer Eigenart eine eingehendere 
Erörterung, noch mehr aber, weil wir von dem Berichterstatter über ihre 
primitive Urform hören, dafs diese auch eine Trägerin der ausgebildeten 
Tromraelsprache ist. Baumann beschreibt diesen ostafrikanischen, hier 
übrigens sehr seltenen Sprechapparat folgendermafsen : 

Von den Musikinstrumenten ist jedenfalls die sogenannte „Vilangwe" 
am merkwürdigsten, die nicht nur in Bondei, sondern auch in Ost-Usam- 
bara verbreitet ist, wo sich flbcrliaupt viele Anklänge ftn Bondei -Sitten 
finden. Sie befindet sich stets am Dorfthore und besteht aus zwei ginnen 
Bananenstämmen , die parallel auf den Boden gelegt werden. Daniber legt 
man flach abgerundete Holzscheite; die Zwischenräume werden durch 
kleine Pflöcke festgehalten. Auf diesem primitiven Cymluil pflegen halb- 
wüchsige Jungen mit Schlägeln erstaunlich geschickt zu trommeln. Durch 
Versehieben und Vertauschen wird das Instrument gestimmt, worauf ein 
Junge, sich niederkauernd, das Spiel beginnt und ein anderer, ihm gegen- 
übersitzender mit ganz wunderkarer Taktfertigkeit und Präeision einfüllt. 
Das Instrument klingt sehr angenehm und läl'st sich am ehesten dem Cymbal 
der Zigeunerinusikeii vergleichen. Besonders von ferne gehört, erinnert es 
auch lebliaft an die Holztrommeln, die in Kamerun und am oberen Kongo 
einer ausgebildeten Trommelspraehe dienen. Dieser Anklang, sowie der 
Umstand, dafs die Wabondei ihre Vilangwe zu Zeiten zu rühren pflegen, 
wo man sonst nicht gerade zu erheiternden Spielen aufgelegt ist, brachte 
mich auf den Gedanken, dafs es sich auch hier wenigstens teilweise um 



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184 — 



etwas Ähnlich» 1 * handeln könne. Dies wurde auch liestätigt, und zwar 
nicht nur durch mündliche Aussigen, sondern auch durch die Erfahrung. 
So ergriff z. H. der Häuptling Hungura von Maramki beim Nahen meiner 
Karawane die Flucht und liefs nur seinen Sohn mit einigen Leuten zurück. 
Als dieser unsere friedlichen Absichten erkannt hatte, erklärte er, er wollte 
den alten Häuptling rufen; dies geschah mit der Vilangwe, die von einem 
andeivu Dorfe aus beantwortet wurde, worauf sieh Hungura einstellte und 
mir ausdrücklich bestätigte, dafs er durch die Vilangwe verständigt worden 
sei. Die Verwendung der Vilangwe zu solchen Zwecken ist im Erlöschen 
begriffen und in Bondei nur noch sehr wenigen, in Ost-lsambara auch 
nur einzelnen lauten geläutig, während sehr viele es als ein Musikinstru- 
ment zum Vergnügen zu spielen vei-stehen. -- Die ans leichten Holzplatten 
hergestellte Holzhannonika, die Stuhlmanu in den lugum- Bergen kennen 
lernte, dürfte als Vilangwe gedeutet werden. 1 

Auf die verwandtschaftliche Beziehung zwischen Holzj>auke und Vilangwe 
brauche ich nicht erst hinzuweisen. Die Vilangwe, die hier im abgoehlol'sonen 
]>äudchon allein noch ein kümmerliches Dasein fristet, ist aber die Stamm- 
mutter einer l T nzahl von wenig unterschiedlichen Instrumenten, die ich unter 
deren verbreitetsten Namen als Sirimba (Sing. .Marimba) zusammenfasse. Die 
Marimba ist eigentlich nichts anderes als eine tragUire Vilangwe, deren 
jede Taste mit einem Besonan/.bodon (auch wohl zweien) versehen ist. Der 
Resonanzboden besteht aus einer KalaUisse. Eine eingehende Beschreibung 
der Marimba möge hier folgen. 

Die Marimba besteht aus einem länglich viereckigen Rahmcuwcrk, 
welches oben zwei litten trügt, die der Ulnge nach aufgelegt sind und 
auf denen über die Breitseite die KJanghöl/.er befestigt sind. Diese Klang- 
hölzer sind des verschiedenen Tones wegen von verschiedener I^änge gear- 
beitet. An ihrer Unterseite sind eine oder zwei Kalabassen als Resonanz- 
böden angebracht. Ein hölzernes Uogenstück (siehe die Beschreibung der 
Manjema- Trommel von Stuhlmann) hält d;is Instrument; wenn es getragen 
wird, vom Leibe ab. Es hängt an einem Gurte um den Nacken des 
Schlägers. Zuweilen wird es auf der Erle liegend gochlagen, zuweilen 
von zweien, meist aber von einem. Zwei Trommelschläge!, im Süden am 
Ende mit einem Gununiballe versehen, gehören dazu (Fig. l'.JG). 

Die Verbreitung der Marimba deckt sich im wesentlichen mit der 
Ausdehnung des westafrikanischeu Kulturkreises. Sie läl'st sich z. B. nach- 
weisen: in Senegambien, bei den Maudingo (Name: Balalo), in Liberia, an 
der Goldküste, in Adamaua bei den Mbum, bei den Fan (Name: Handja), 
Sunde, Quadda, Batekc, Bajansi, im Fürstentum Ssongo. in MaLmge. bei 

1) Baumanu: „Usambara", S. i:J»>/137. 8tiiülniann , S. 37. 



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— 185 — 



westlichen, östlichen und centralen Kalunda, Raluba (Bona Bainbue) Wabujwe 
(Name: Kurandu) Warna, Marutse-Mambunda und endlich an dem Unter- 
laufe des Sambesi. 1 Nach Ratzel soll sie auch in Uganda, hier aber ohne 
K u rl » i sse vo r kom men . 

Was hei dieser Verbreitung am meisten auffällt, ist, dafs die Ver- 
breitung der Vilangwe die einzige Enklave im Osten des Kulturkreises 



einnimmt, dafs die entwickelten Formen fast duivhgehends, ja ausschliefslich 
dem Westen angehören, da wir annehmen dflrfen, dafs die Vorkommnisse 

1) Gray aud Doohard, S. 300/301, Fig. 1. „Allg. Bist. d. R", Bd. II, S. 313 
(Abb. auf Taf. 25). Serurier im [ntern. Aich. f. Ethnogr., Bd. 1, S. 155. Hüttikufer 
erwähnt diu Marimba in Liberia nicht. Pasaargo, 8. 283 und 477. Du Chaillu, S. 87. 
Junker, Bd. III, S. 14, 15/1«, 342. Sehweinfuith erwähnt dio Marimba bei den Sande 
nicht und betoot nur das Fehlen bei den Mangbattu, S. 301. Dybowski, S. 361. 
II. B. Johnston : „Der Kongo-, S. 403. Wilsmann- Poggo, 8. 137. Wifsmaun-Wolf, 
S. 14, 297. Poggo, S. 241. Buchner bei Ratzel: „Völkerkunde^, 2) Bd. II, 8.228. 
Cameron, Bd. I, S. 288; Bd. II, S. 80. Cavazzi. S. 107. Oamitto in der Zeitschrift, 
S. 401. Bolub: „Siebon Jahro", Bd. II, 8. 198; „Kulturskizze*. S. 135-137. Ratzel, 
2) Bd. U,S.20. 




Fig. 130. 

Marimba spielender Neger aus Salaga (nach Photographie). 



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— 186 — 

an der Samliesimündung durch eijie jüngere Verschiebung an den Ufern des 
Stromes hinab hervorgerufen sind. 

d) Die Entwicklung und Verwandtschaft der afrikanischen Holzpauken. 

So nahe verwandt diese Holzpauke und die Vilangwe auch sein mögen, 
so Bind sie doch durch ein wesentliches Merkmal getrennt; die Holzpauke 
basirt auf dem Princip der Klangröhre, die Vilangwe auf dem des Klangstabes. 

Klangstabe benutzen z. B. die A Bongoj sie schlagen zwei Hölzer an- 
einander, wozu sie Gesänge improvisieren. Auch an der Goldküste fanden 
sich früher rundo Stecken mit verschiedenen Lochern, welche, wenn sie an- 
einander geschlagen wurden, „einen wunderbaren Klang" gaben. Die Bateke 




Fig. 137. 

Angaramutschläger von der Blancho-Bai auf Neupommern (nach Finscb). 

verwenden zur Begleitung ihrer Gesänge ein einfaches Instrument, liestohond 
aus zwei hohlen Stalten, die ancinandcrgcschlagcu ein gefühlvolles Geräusch 
hervorbringen. 1 Da ist schon ein Übergang zur Klangröhre erreicht 

Der Klangstab ist ein nigritisches Besitztum. Die Australier schlagen 
zwei trockene Stäbe gegeneinander, oder mit einem Stock gegen den Wurf- 
stock und es ist Ehrensache dies vollendet zu können. Schallstäbe besitzen 
viele Stämme Oceaniens aufscrdein, doch ist die Verbreitung sehr spontan. 
Wir können aber in den Insolgobiotcn jene Entwicklung k>ol»achten, die zu 
dem afrikanischen Vilangwe geführt hat. Ich erinnere vor allem an die 
Angramut genannten Schlaghölzer von Ncupominem. Diese bestehen aus 

1) Lenz, S. 110 111. „AUg. Bist. d. K. u , Bd. IV, 8. IÖ7. Baumana: .Beiträge*, 
S. 10. Ollirai, S. 174. 



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zwei 75 cm bis 1 in langen und ca. 15 cm breiten, flachen, seitlich sanft 
abgerundeten Stücken Hartholz, die an den Enden im Feuer gehärtet und 
ungleich lang sind, weshalb sie verscliieden tönen. Der Angaramutschläger 
(Fig. 137) macht zunächst ein Loch in den Sand, über welches er sich mit 
ausgespreizten Beinen setzt, wodurch in sinnreicher Weise Resonanz entsteht; 
er legt dann die beiden Schlaghölzer quer über seine Schenkel und bear- 
beitet sie mit zwei kurzen, runden, hölzernen Schlägern. Die formale und 
wesentliche Übereinstimmung mit der Vilangwe brauche ich nicht mehr 
hervorzuheben. Noch klarer tritt die Beziehung hervor, wenn die hinter- 
indischen Holzinstrumente (Fig. 138) mit der Marimba verglichen werden. 
Kurz und gut, wir sind berechtigt, die Vilangwe malajonigritisch und die 
Marimba eine afrikanische Variante der malajonigritischen Vilangwe zu nennen. 




Fig. 138. 

Holzinstrumeut vod Hinterindion , Burma (Museum für Völkerkunde in Leipzig). 

Für das Klangrohr bietet Ostafrika ebenfalls einen Übergang, nämlich 
in dem Natioualinstrument der Wasegeju, welches als Begleitung beim Tanze 
dient und nichts anderes ist, als ein oben offenes, unten geschlossenes 
Bambusrohr, das auf den Boden gestofsen einen je nach der Dicke des 
Rohres verschiedenen Ton giebt. Auch die Wakamba benutzen Pauken aus 
Bambusrohr vom Kenia und bei den Wapare sieht man ebenfalls hier und 
da das Bambusrohr der Wasegeju. 1 Diese Bambustrommeln unterscheiden 
sich allerdings sehr beträchtlich von den westlichen Holzpauken. Sie sind 
nicht aufgeschlitzt, sondern auf einer Seite offen; sie werden nicht liegend 
mit Klöppeln bearbeitet, sondern senkrecht auf den Boden gestofsen. Aber 
sie sind einfacher, ursprünglicher als die Holzpauken, denn das Material 
ist von Natur hohl. Die Entstehung der Holzpauken wird uns verständlich, 

1) Baumann: „Usambara", S. 53, 243. Hartinann: „Die Ostküsto u , Bd.l, 8.233. 



wen» wir annehmen, dafs sie aus dein gleichen Material wie diese west- 
liche» Stampftroinmeln, aus dein Barnims entstanden seien. Die westlieliste 
Form der Holzjiauke lilfst uns das vermuten. Wi'nterbottorn schildert, wie 
eine Holzröhre hergestellt, diese auf beiden Seiten geschlossen und dann 
oben der Schlitz angebracht wurde. Diese Holzröhre dürfte die Nachahmung 
einer Bambusröhre sein. 

Also: 1. Wesentlich westafrikanische Verbreitung. 2. Vermutliches 
Hervorgehen aus dem Bambus. 3. Verwandtschaft mit dem malajonigritischen 
Vilangwo — sollte da diese Ilolziauke nicht auch malajonigritischen Ur- 
sprunges sein? 

Die Oecanier besitzen drei Arten oder sogar vier von Bamhtisiviuken. 
1. Typus: In einen Bambusabschnitt wird der Lange mich ein Schlitz 
gemacht; die Seiten sind durch die Xodicn- Verbindung geschlossen; die 
Trommel wird auf den Boden gelegt und mit zwei Schlagein l>earbeitet (in 
Neuguinea). 2. Typus: Ein Bambusrohr wird auf einer Seite geschlossen 
und dann die geschlossene Seite auf den Böhlen gestani].ft; meist vereinigen 
sieh mehrere zu gemeinsamem Koncertstampfen. in welchem Kalle die 
Trommeln abgestimmt sind (auf Tonga, Samoa, Tahiti). 3. Typus: Mehrere 
überspannte Bambusrohren werden wie ein»: I'ansflöte untereinander ver- 
bunden und dann geschlagen (auf Samoa). 1 

1) In Anmerkung wenigstens möchte ich noch auf einige Einzelheiten eingehen ; 
Erschöpfendes kann erst in dem Bande üImt die oeeanisehen Kulturen geboten werden. 

Die oceanischc Bainbustrommel ist als solche auch vcrhältnismäfsig nur noch 
selten, wogegen die* hölzernen Nachbildungen sich einer gewaltigen Ausdehnung er- 
freuen und auf einer von Malakka bis zu den Her\e\ inselu reichenden Zono heimisch 
geworden sind. Die Fläche der Verbreitung scheint allerdings und zwar zumal in 
Indonesien grofso Lücken aufzuweisen. Aber auch auf Malakka ist es eino „ Signal - 
trommel*. Heute haben dieso Trommeln eine eigene liedeutung angenommen, sie 
dienen hier und da an Stelle von K irc henglocken. 

Aufser den stehenden und liegenden Trommeln diesor Art müssen vor allem 
die hängenden erwähnt werden. Sie gehören vorzüglich Indonesien an; aber auch 
dio Palm der Neuseeländer war eine hängende und von einem unter ihr Kauernden 
wie eine, Glocke- von innen geschlagene Holzlrommel. Diese Palm erinnert an eiu 
afrikanisches Gerät, «las auch vorzüglich dem westafrikanischen Kulturkreiso angehört: 
dio hölzeine Hundeglocke. Die Verbreitung derselben ist sehr bezeichnend: Kamerun, 
Jturi (oberer Aruwimi) und Lunda. dazwischen l/>ango-Uguwe, Kongo und Angola, 
Vielleicht stammt dieso wunderliche llolzglocko von einem Gerät wio die Pahu der 
Maori Neuseelands ab. Eiu Bindeglied bietet jedenfalls eine neben der grofsen Kasten- 
form vorkommend'' Holztrommel der Mangbattu, dio z. B. bei Hatzel: „Völkerkunde*, 
2) Bd. H, S. 312 abgebildet ist. Auch dies ist eine Glockenform, die dem Hänge- 
motiv zuneigt, wie der Einschnitt am oberen Bande andeutet. 

Was dio vilangwe- artigen Instrumente anbelangt, so ist aufser der Garamut 
der Papua Neupommerns auf ähnliche Instrumente in Indonesien hinzuweisen. Auch 



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— 180 — 



Von diesen Trommeln haben wir die zweite weitverbreitete an der 
Ostkiiste Afrikas kennen gelernt Wie diese Bambusinstrumente wird die 
Trommel der Sierra -Leone -Küste an beiden Enden mit Holz verschlossen. 
Wir sahen aber, dafs die Weidaer Trommel mir an einer Seite mit Holz 
verstopft war. — Die dritte Trommelform nähert sich der Vilangwe. Wir 
hal>en aber auch sonst Verwandtes, wie beistehende Fig. 139 darlegen mag. 

Die Trommeln sind allerdings nicht anders verbunden, als dafs sie 
der Trommler zwischen die Beine quetscht. Aber sie sind hier wie auf 




Fig. 139. Trommlor aus Pare 
(nach Bau man u). 



Samoa abgestimmt. — Der erste Typus, die seitlich geschlitzte Bambus- 
trommel fehlt in Afrika. 

Neben diesen Bambustrommeln besitzen die Oeeanier auch Holzpaukon, 
«leren eine Form ich hier nach Parkinson schildere: Die Garamut Neu- 
pommerns ist eine grofse Trommel, bestehend aus einem mittels glühender 
Steinchen hohlgebrannten Baumstamm mit einem schmalen Sj>alt, der sich 
an den beiden Enden zu einer handgrofsen Öffnung verbreitert. Sie hat 
Handhaben an den Seiten und ist häufig roh verziert durch eingeschnittene 
Ornamente oder durch Bemalung mit Kalk und roter Erde. Der Sehall ist 
weithin vernehmbar, besonders wenn das Holz recht trocken ist. Die 

ist hier der merkwürdige Resonanzboden, dio Erdhöhle, erwiesen. Wir lernten 
ihn schon boi den Saiteninstrumenten kennen (S. 124). Dieso Erdhöhle als Resonanz- 
boden kehrt wieder auf den Salomonen, den Neuhebriden und den Fidschi -Inseln. 
Also ist dio Verbreitung hier eine sehr bedeutende. Keineswegs soll damit aber be- 
hauptet sein, dafs dieso Resonanzboden ein malajonigritisches Kulturmerkmal ist. 



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— 190 



Goramut steht vor der Wohnung des Häuptlings; sie verkündet durch ver- 
schiedene Signale Krieg, die Zerstückelung und Verspeisung eines erschlagenen 
Feindes, eingetretene Todesfalle und sonstige Familieuereignisse, sie begleitet 
die Einlage neuer Summen von Muschelgeld in das Dewarrahaus und 
trommelt die Teilnehmer liei grofsen Festlichkeiten zusammen. Finsch sagt: 
Die Qaramut dient zu den Signalen der verschiedensten Art, ruft die 
Männer zu Festlichkeiten oder zum Kampfe, verkündet Todesfälle, dient 
hauptsächlich zu Totenklagen und ist in der Stille der Nacht sehr weit 
hörbar. — Diese Trommeln sind in der Sudsee weit verbreitet, von Neu- 
guinea bis zu den Hervey, von den Tokelau bis Neuseeland. Sie weichen 
in verwandten Stücken in der Form voneinander ab, sind bald gn'fser 
und gewaltig an Dimensionen, bald klein und zierlich, aber im Princip 
sind sie einander alle gleich. Die groTsten Trommeln sind wohl die der 
Neuhebriden, es sind gewaltige Baumstämme, die senkrecht in die Erde 



vergraben werden, al»er auch sie zeigen den Schlitz mit der Verbreiterung 
an den Enden (vergl. umstehende Tafel). 

Diese Holztroinmeln , deren Hervorgehen aus «lern ersten Typus der 
Bambustrommeln zu selbstverständlich • ist, um noeh eingehender erörtert 
werden zu müssen, sind die echten und rechten Schwestern der afrikanischen 
Holzpauken. Vergleichen wir nämlich die Oaramut (Fig. 140) mit der 
afrikanischen llolztrommel der Baluha (Fig. 141), so sehen wir nur Über- 
einstimmendes bis ins Detail, die Handgriffe, die Umrandung des gleich- 
geformten Schlitzes etc. Wir sahen, wie die Form des Schlitzes von den 
runden in eckige Schnitte an den Enden übergeht (Fig. 129 und 130.) 
Nun, auch Oceanien bietet diese Erscheinung, wie das prächtige und sehr 
seltene Stück des Leipziger Museums von den Herveyinseln uns lehrt 
(Fig. 142.) Und diese Neigung zum eckigen, statt rundlichen Gebilde 
charakterisiert ja gerade die afrikanische Plastik. So bedarf es denn keines 
anderen Beweises mehr, die formale Übereinstimmung ist zu frappierend, 
um nicht ohne weiteres anerkannt zu werden. Wir haben also den Ursprung 
der afrikanischen Jlnlzpauke aus der oceani sehen Bambustroinmel nachge- 
wiesen und dürfen sie als malajonigritisch ltezeichnen. 




Fig. 140. 

Ilolzpauke von Neupommera 
(nach Parkinson). 



Fig. 141. 

Ilolzpauko der Baluha 
(nach Cameron). 



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— 191 — 



Aber noch eine Erkenntnis eröffnet sich uns hier. Finsch und Parkinson 
haben von den Trommelsignalen gesprochen. Nach anderen Berichten sind 
sie noch nicht weit geniig gegangen, es scheint sich auch um eine Trommel- 
sprache zu handeln. Mehrere Thatsachen unterstützen diese Vermutung. 
Auf vielen Inseln (so auf Samoa etc.) sind die Trommeln abgestimmt Das 
läfst auf eine feine Schulung des Ohres schliefson. Jede Insel hat nämlich *\ . 
ihren Ton. Das einzige Instrument, das ich untersucht habe, zeigt den 
gleichen Zweiklang der Trommelwände wie die afrikanischen Trommeln. 




Fig. 142. 

Holzpauke von den Hervcy (Museum für Völkerkunde in Leipzig). 

So ist zum mindesten damit nachgewiesen, dnfs die afrikanische Trommel- 
sprache aus Rudimenten emporgewachsen ist, die auch den Malajonigritiern 
der Sildsee eigen sind. 

Alles in allem sind also die afrikanischen hölzernen und zwar ent- 
wickelteren Schlaginstrumente als malajonigritisch , die primitiven Klangstäbe 
al>er als nigritiseh zu bezeichnen. Wir können die Verbreitung vor- 
zuglieh westafrikanisch nennen. Die Formen, die der Osten bietet: Vilangwe 
und Bambusti-ommel sind beide interessante Übergangsformen aus dem 
oceanischen in den afrikani sehen Formenschat», als welche sie allein schon 
diese östliche verkümmerte Existenz kennzeichnet 



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An Formen unter «Ion in Frap> kommenden Instrumenten sind zu 
unterscheiden: 1. ilie nigritisehen Klangstahe. 2. Die malajonigritisch'*i» 
Itambustrommeln. 3. Di*» nwlajonigritisehcn Holz|vnukon , unter denen ich 
drei Gruppen unterscheide: a) die runde Warenform mit verbreitertem Schlitz, 
die Oberall im wostafrikanisehon Kulturkreise heimiseh ist (Fig. 129 Kalunda, 
Fig. 141 Raluba, Fig. 131 Loango, Fig. 130 Dualla, Fig. 128 Kongo. Im 
Text erwähnt von Umbella und der Sierra -I>?one- Küste), b) die Kastenform 
mit den Beinen, die hauptsächlich im nördlichen Kongobecken heimisch ist, 
(Fig. 134 Sande, erwähnt von den Itangala, llasoko, Manglöttu), c) die 
Keilform, die dem südlichen Kongobecken angehört (Fig. 127 und 121 
heimisch bei den West-. Central-, Ost-Kalunda, Manjema und Wakussu). 
4. Die Marimba, von der zwei wichtige Tvp«n in Frage kommen, nämlich 
a) die Vilangwe und b) die eipntliehe Marimba. 

Demnach entrollt sich dieses Bild ganz besonders klar. Wir sehen 
die Formen aus dem fernen Osten stammen, auf der Wanderung am Ost- 
rande Afrikas Reste zurücklassen und emilich im Westen zur fröhlichen 
Entwicklung sich ansiedeln. 



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— 193 — 



Systematik. 



A) Die nlgritischen Schlaginstrumente: 

Die Klangstabe. 

B) Die afrikanischen Schlaginstrumente: 

1. Die Felldecke. 

2. Die Felltrommel mit Fellspannung. 

a) Topf als Resonanzboden, 

b) Kalabasse als Resonanzboden, 

c) Holzgefäfs „ n 

d) Mörser „ „ 

e) abgeflachte Röhrentrommel. 

C) Die asiatischen und mediterranen Schlag- 
Instrumente: 

I. Jüngere Formen. 

1. Thönerne Standtrommel. 

2. Eiserne Kesselpauke. 

3. Tamburin (Scham -Tr.). 
II. Altere Formen. 

1. Mörsertrommel mit indones. 
Spannung (Rotang); Varneihaut; 
Menschenkopf etc. 

2. Sanduhrentrommel. 

a) Ostform, 

b) Südform, 

c) Westform. 

D) Die malajonlgrl tischen Schlaginstrumente: 

1. Die Rambustrommel. 

2. Die Holzpauken. 

a) Cylinderform, 

b) Kastenform, 

c) Keilform. 

3. Die Marimba. 

a) Vilangwe, 

b) Marimba. 



) Westliches Ablagerungs- 
) gebiet. 

Südachse. 
\ Südachse imd westliches 
/ Gebiet. 

Nordachse und Zone 
zwischen Nord- und 
Südafrika. 



Nordachse und Verbin- 
dung mit Asien. 



Westliches Ablagerungs- 
gebiet mit Resten im 
Osten. 



Frobenius, Afrikanische Kulturen. 



13 



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7. Die afrikanischen Hütten und verschiedene Geräte. 

(Vergl. Kartenblatt 1, Nr. VIII und 3, Nr. XXI.) 



Auf dem Haupte des armen Ethnologen haben bis dato alle Wissen- 
schaften ihren „prähistorischen' 4 Schutt abgeladen. Eine kulturgeschicht- 
liche Abhandlung fängt selten an ohne Sätze wie: „Schon die alten Germanen 
etc. a ; „Bekanntlich wufsten schon die alten Griechen etc." Nicht etwa, 
als wolle der Autor nunmehr mit zartem Finger den Wirrwarr von Gegen- 
ständen, Strömungen, alten Nachrichten auflösen, aus dem ihm jener einzelne 
Stein des „Schon die 41 entgegengerollt ist und zwar meist zufällig, auf dem 
Schulwege oder in irgend einem Kolleg — nein, daran denkt er nicht; 
ihm ist nur dieses als Einleitung passend erschienen; es weiter zu unter- 
suchen, dazu ist ja der Ethnologe da; also wird ein Steinchen mehr zum 
Schutt goworfen. 

Was sich so im Laufe der Zeit aufgespeichert hat, ist ganz unglaub- 
lich. Wir sind ja auch merkwürdige Menschen, die ohne Murren diesen Ab- 
lagerungen zusehen und nunmehr vor Bergen von ungelösten Problemen stehen, 
die Kulturgeschichte, Religionsgeschiehte, Kunstgeschichte etc. aufgetürmt 
haben. Daher heilst 's für den Ethnologen heute Keramik, morgen Rechts- 
wissenschaft, übermorgen Religionsphilosophie etc. etc. studieren. Es ist 
also kein Wunder, wenn der Schreiber dieses von Herzen dankbar dafür 
ist, aus der Menge der Stoffe und Probleme, die in diesem Werke be- 
handelt werden sollen, eines auf die Schultern eines speciellen Fachmannes 
abladen zu können, und dadurch von der Notwendigkeit befreit zu werden, 
auch noch Baukunst studieren zu müssen. 

Die Schwierigkeit der anatomischen Zergliederung der Hüttenformen 
liegt nicht in der Auffassungs-, sondern in der Klarlegungsweise des Stoffes. 
Wenn wir lauter gute Berichte über den afrikanischen Hüttenbau hätten, wäre 
die Untersuchung der Verwandtschaft der Typen nicht schwer, so al)er, 
wo nur schlechte Abbildungen und noch mangelhaftere Mitteilungen Zeugnis 
ablegen, gehört ein geschulter und gewandter Blick dazu, durch die äufsere 
Gleichförmigkeit in das innere Konstruktionsweseu einzudringen. 



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— 195 — 



I. Beschreibend -anatomische Betrachtung der Hütten. 

Von H. Frobenius. 

Bei der grofsen Menge verschiedener Formen der Wohngebäude, welche 
uns Afrika bietet, scheint es dem oberflächlichen Beobachter eine unfrucht- 
bare Arbeit, Ordnung und System hineinzubringen, zumal sich häufig Bau- 
werke von ganz verschiedenem Äufseren auf kleinstem Raum bunt gemischt 
zusammendrängen. Ich erinnere an die Gegend nördlich des Albert -Edwards- 
Sees oder gar — denn hier sind ja viele Bruchstücke verschiedenster 
Stämme und Völker durcheinander gemischt — an den einen Stamm der 
Bassonge , die zwei verschiedene Formen — oder an die Wasehamba (in Usam- 
bara), welche gar deren drei nebeneinander haben. Man vergifst dabei 
eins — und leider haben es unsere Reisenden mei9t zu wenig beachtet, 
— dafs die Form, sei es rund oder viereckig im Gmndrifs, spitz oder 
rundbogig im Aufbau, das charakteristisch Unterschiedliche eines Bauwerkes 
niemals ausmacht, sondern lediglich die Konstruktion, d. h. die Verbindung 
der einzelnen technischen Glieder zum Raumbau. Deshalb sind Grenzbe- 
stimmungen, wie sie von manchen Seiten versucht wurden, zwischen Ge- 
bieten viereckiger und runder Hütten, oder zwischen denen rechteckigei 
Schrägdach- und runder Konushütten ohne allen wissenschaftlichen Wert; 
und ebenso würde eine Unterscheidung nach dem verwendeten Material 
schon deshalb unrichtig sein, weil dieses zwar im Geburtslande eines Bau- 
stiles auf sein Gefüge von Einflufs gewesen ist, bei der Wanderung in 
andere Länder ihn aber nicht begleiten kann; und dann hat er seine Lebens- 
fähigkeit in einem anderen Material zu bewähren und wird ein anderes 
Gesicht annehmen, wenn auch das Wesentliche, das Konstruktionsprincip 
sich gleich bleiben nmfs. 

Wir werden also bei einer Betrachtung der afrikanischen Bauten uns 
nicht an Form und Material binden dürfen, sondern jenen Kern, das Kon- 
struktionsprincip herauszufinden suchen, um in das Chaos der Formen einige 
Ordnung zu bringen. Es empfiehlt sich zu dem Zweck, zuerst die Bau- 
stile des südlichen, dann die des nördlichen Afrika zu betrachten, da sie 
sich an den extremsten Stellen am charakteristischsten voneinander unter- 
scheiden, und dann sie in ihrer Entwicklung bis zum Zusammenflufs im 
centralen Afrika zu verfolgen. 

A) Die Baustile Südafrikas. 

Bei den Zwergvölkern und Buschmännern findet man den einfachsten 
Bau eines Wohn- oder Lager -Raumes — denn die noch primitivere Form 
der Höhle, wie sie den Troglodyten im südöstlichen Kongo-B e cken noch 

13» 



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— 196 — 



zur Zeit als Wohnraum dient, ist ja kein menschliches Bauwerk — mau findet 
ihn in Gestalt der aus Zweigen zusammengebogenen Kugelhütte. Halten 
wir das Konstruktionsprincip fest: rings um die Bodenfläche werden bieg- 
same Hölzer in dem Erdboden befestigt, die gegenüberstehenden zusammen- 
gebogen und verbunden, das giebt das Gerüst. Die Vervollständigung zum 
Raumbau verlangt eine Ausfüllung der Zwischenräume in zweiter Linie. 
Dies kann je nach dem vorliandenen Material geschehen, entweder durch 
Verflechten des Gerüstes mit anderen Ruten, oder durch Zwischenstellen 
zahlreicher dünner Stocke oder Schilfbüschel oder starrer Grasstengel oder 
endlich durch Bedecken mit einer Decke, sei es ein Fell, eine Matte oder Gras- 
büschel. In der Herstellung des Raumabschlusses wird manches Charakteristische 
liegen können; es ist aber leicht ersichtlich, dafs das tektonische Gerüst, 
die Hauptsache ist. 

Es ergiebt sich ohne weiteres die Kugelhütte der Hottentotten, 
Kaffern, Zulu und Herero (Fig. 143) als eine verbesserte Ausführung 




143a. 143b. 
Fig. 143n und b. Hütte der Zulu. 



der Batua -Hütte. Die Hottentotten, ursprünglich ein Nomadenvolk, ent- 
wickelten aus der improvisierten Busch -Hütte eine transportable, deren 
Gerüst, halbkreisförmig gebogene Stäbe, schnell im Boden befestigt und 
mit Binsenmatten bedeckt werden konnte. Zum Wohnungswechsel braucht 
man nur diese zusammenzurollen, die Bänder zu lösen, welche die Stäl>e 
zusammenhalten, diese selbst aus der Erde zu ziehen und alles auf einem 
Packochsen zu verladen. Auf die Herstellung eines festen und glatten Bodens 
der Hütte wird bereits Wert gelegt; Thon oder Lehm fand sich ja leicht, 
um eine Art Estrich herzustellen und auch die innere Wandung soll in 
früheren, besseren Zeiten mit diesem Material gedichtet und verschönert 
worden seien. 

Es ist in dieser primitiven Lagerhütte bei aller Einfachheit bereits 
das Streben nach besserer Wohnlichkeit, nach einem gewissen Komfort und 
Schmuck zu erkennen und die beiden Elemente, die diesem Zweck dienen, 
sind Fufshodcn- und Wandbekleidung mit fetter Erde. Ks sind zwei 
charakteristisch e Zugaben zu dem tektonischen Gerüst der südafrikanischen 
Baustile. 



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— 197 — 



Eine dritte tritt bei den Zulu -Hütten hinzu, -wie sie auch von Kaffern 
und Herero benutzt wird, nämlich eine Stütze oder auch mehrere im Innern 
der ganz nach dem Vorbild der Hottentottenhütte, aber meist in bedeutend 
gröfserem Umfange hergestellten Kugelhütte. Die Höhe wuchs nicht über 
2 m, offenbar mit Rücksicht auf die Bauausführung: man hätte bei gröfserer 
Höhe nicht zu den Enden der Stangen hinaufreichen können, die man im 
Kreuzungspunkt zusammenbinden mufste. Da bei dem gröfseren Umfange 
eine gedrücktere Form entstand, die eine geringere Trägfähigkeit und 
Festigkeit des ganzen Gerüstes mit sich führte, mufste man je nach der 
Gröfse eine Stütze (in der Mitte) oder mehrere (auf den Raum verteilt) an- 
bringen, damit die Last des Deckmaterials, nämlich Schilfgras, nicht den 
ganzen Bau zusammendrückte. Hieraus ergiebt sich ganz folgerichtig die 
Art der Stütze: eingegraben in die Erde, um nicht umzufallen, und stumpf 
gegen die Wölbung gestofsen, also unverbunden mit dieser, lediglich 
tragend. 

Aus diesen wenigen charakteristischen Elementen haben sich alle 
südafrikanischen Bauformeu entwickelt , und es wird nun zu verfolgen sein , was 
die Geschicklichkeit und der Geschmack der Naturvölker unter verschiedenen 
Verhältnissen daraus zu bilden verstanden. 

Zunächst sei nochmals betont: das tektonische Gerüst besteht aus 
einer Reihe den Raum umgebender, in den Erdboden gesteckter, biegsamer 
Hölzer, welche das Gerippe zu Wand- und Deckenbildung abgeben ; als 
Stützen dienen eingegrabene, ohne oberen Verltand tragende Säulen; der 
Fufsboden und die inneren Flächen der aus irgend einem Deckmaterial 
hergestellten Wände werden mit einem Putz fetter Erde gedichtet und verziert. 

Betrachten wir zunächst die Wandlungen der Hüttenkonstruktion, 
welche die ursprüngliche kugelige Gestalt annähernd beibehielten. 

1. Die Kugelhütte. 

Da finden wir zunächst bei den Barotse in den Nebenhänsern der 
Königinnen einen kugeligen Bau mit einem Vorraum (die weitere Aus- 
gestaltung des kleinen Vorraumes der Zulu- Hütte), welcher aber bei 3 m 
Höhe und 3,0 — 4,0 m Kreisdurchmesser aus der Halbkugel etwas schlank 
herauswächst. Eine Stütze bedurfte der hierdurch steifere und in seinen 
Abmessungen beschränkte Bau nicht (Fig. 144). 

Die Kugelhütte wanderte aber aus dem Becken des Sambesi und 
über die Wasserscheide des Kongo hinweg, eroberte das Gebiet, welches 
die Lunda- Völker in Besitz nahmen, schob sich östlich am Moero- und 
Tanganjika entlang, zwischen letzterem und Albert -Ed ward -See hindurch 
bis zum Viktoria- und Albert- Seo und erreichte mit seinen westlichsten 



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Ausläufern bei den Songo den Kuanza. Das sind die Gebiete des Lunda-. 
des Uganda- und des Songo -Typus. Während der letzte Fig. 145 nur 
in dürftigen Verhältnissen sich erhielt, entsprechend der Rolle, •welche 
die Songo spielen, ward er von den benachbarten Tupende in eigentümlicher 
Weise umgestaltet und in der neuen Form sowohl den sie verdrängenden 
Bangala übermittelt , als auch bei der Nord Wanderung nach dem Mittellauf 
des Loango mit geführt. Der Tnpende-Stil verdient eine spätere Betrachtung. 

In dem Reiche der mächtigen Herrscher der Lunda konnte die kleine 
Kugelhütte dem Stolz und Repräsentationsbedürfnis nicht mehr genügen. 




144 a. 144 b. 

Fig. 144a und b. Hütte der Barotse (nach Uolub). 



Man verlangte nach mächtigen umfangreichen Bauten für den Muata Jamwo 
und seine Größten. Aber die barbarische Machtentfaltung vermochte auch 
nur in barbarischer roher Weise dem zu genügen. Die Form ward unver- 




145 a. 145 b. 

Fig. 145a und b. Hütte der MaBSODgO (nach Poggc). 



• 

ändert beibehalten, aber ins Ungeheure (G — 8 ra Hohe und 20 m Durch- 
messer) vergröfsert; eine grofse Zahl innerer Stutzen ward ein unabweis- 
bares Bedürfnis, und die (niedrig gehaltenen) Zwischenwände gewährten 
eine Art Verstrebung der Säulen. Der einzige Schmuck bestand aber in 
Btrohtürmchen von etwa 1 ra Höhe, welche man dem Rücken der Schild- 
kröte unvermittelt und zwecklos aufsetzte. Die Thür selmimpfte zu einem 
Loch zusammen, durch das nur kriechend wie ein Tier der mächtige Fürst 
seine Gemächer erreichen konnte (Fig. 14Ga und b). 

Nicht viel anders scheint auf den ersten Blick der Uganda- Typus, 
welcher in den grölsten Bauwerken d.»s König Mtesa immerhin die Grofse 
von 24 m Durchmesser und 9 — 10 m Höhe erreicht haben mag. Und 



- 199 — 



doch ist er wesentlich verschieden. Die äufsere Form zeichnet sich aller- 
dings nur durch besseres Verhältnis von Höhe und Breite aus, zeigt aber 
in dem eigenartig, zu einer weiten Veranda gestalteten, Licht und Luft 
sich öffnenden und einen tiefen Blick in das reich geschmückte Innere ge- 
währenden Eingang einen aufserordentlichen Fortschritt (Fig. 147). Hinzu 
kommt die peinliche Sorgfalt der Bauausführung, welche diesen plumpen 




146 b. 

Fig. 146a und b. ilütte der Kalunda (nach Pogge). 



Bau bei näherer Betrachtung als ein Kunstwerk des Gewerbes erscheinen 
lälst. Die einzelnen Konstruktionsteile entsprechen dabei durchaus den Ele- 
menten der einfachen Kugelhütte. Die gebogenen Hölzer des Gerippes 
sind natürlich hier aus Stücken stärkeren Materials zusammengesetzt; sie 
müssen durch zahlreiche Saiden gestützt werden, welche durch einen aus- 
gebildeteren ästhetischen Sinn in regelmäßigen Reihen geordnet wurden, 
und hierdurch ward ein Mittelglied zwischen der stumpf tragenden Sanle 
und den Bogenrippen notwendig, nämlich ein horizontales Trageholz, ein 



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— 200 — 



dem kreisförmigen Grundriß sich ansehliefsondos Rahmstück. Ob dieses 
der Erfindungsgabe der südlichen Einwanderer seine Entstehung verdankt, 
oder ob dieses neue Konstruktionsglied, welches ganz wesentlich zur Er- 
möglichung dieser Bauwerke beitrug, durch die einem anderen Kulturkreise 
(Zwischenachse!) angehörenden Wahuma beigefügt und durch diese üt>er- 
haupt der Stil bis zu seiner jetzigen Vollkommenheit entwickelt wurde, 
wird sich kaum feststellen lassen. Nur spricht dafür, dafs allerdings dieses 
Rahmstück — den südafrikanischen Bauten sonst ganz fremd — bei den 
nordafrikanischen des Nilgebietes überall einen wesentlichen Bestandteil bildet. 

Die Hütten der Unterthanen halten sich selbst verständlich in kleineren 
Verhältnissen und seilen dem südafrikanischen Vorbild um vieles älmlicher. 
Sie entbehren des Rahmstückes der Wahuma- Bauten, haben aber von ihnen 




Fig. 147. Hütte der Wu^anda (nach Speke). 



die konstruktive Betonung und Ausschmückung des Einganges übernommen 
(Fig. 148a und b). Von grofsem Wert für die Beurteilung der Herkunft 
eines Baustiles ist stets die Art seiner Herstellung, denn die von den Eltern 
überkommene handwerksmäßige Ausbildung hangt mit der Konstruktion 
eng zusammen und wird oft selbst beibehalten, wenn Formen anderen Ur- 
sprunges nachgeahmt werden. Sie repräsentiert den Standpunkt des tech- 
nischen Könnens, der nicht plötzlich verändert werden kann, wie die Form 
des Gebäudes. 

Stuhlmann besehreibt den Bau eines (kleineren) Wagandahauses ( tt Hit 
Emin Pascha" S. 179): (Der Bin) geht in der Weise vor sich, dafs an einem 
kleinen Kranz von Ruten oder Rohr Rohrstäbe, die radien- und trichterförmig 
zur Mitte laufen, befestigt werden. Dem ersten folgen andere, immer gröfser 
werdende koncentrische Ringe, bis ein grofser Trichter entsteht. Diesen 
stützt man zunächst durch einen in der Mitte aufgestellten Bananenstamm ; 
sodann wird ein Kreis von starken Ruten im Abstand von etwa l / t in in die 



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Erde gepflanzt, die den Umfang des zukünftigen Hauses bezeichnen. Der 
Trichter wird durch Stützen in die geeignete Höhe gehoben und mit dem 
Gertenkreis verflochten, so dafs schlieislich ein grofses bienenkorbartiges 
Gestell entsteht, das man, von unten beginnend, mit Gras eindeckt. Zu- 
letzt wird gleichfalls durch Gerten imd Rohr die Thürwölbung hergestellt. 
— Man sieht daraus, dafs die Schwierigkeit, bei grösserer Höhe des Ge- 
bäudes nicht hinanreichen zu können, um die Stäbe im Mittelpunkt mitein- 
ander fest zu verbinden, dadurch überwunden wird, dafs man mit diesem 
schwierigsten Teil anfängt, indem man auf der Erde die Verbindung her- 
stellt; der anderen, hieraus sich ergebenden Schwierigkeit, die in der Mitte 
verbundenen Ruten mit den unteren Enden in die Erde zu bringen, be- 
gegnet man durch Gliederung in zwei Teile, die man nachträglich fest mit- 
einander verbindet Man nähert sich hierdurch der Korbflechterei in grofsem 
Mafsstabe. ^ SS===SS! ^ 



Und dafs ein so hergestelltes Gebäude auch wie ein grofser Korb, 
fest in sich gefügt und verbinden, gehandhabt werden kann, ergiebt sich 
aus des Grafen von Götzen Schilderung des Hausbaues in der entstehenden 
neuen Residenz des Ruanda -Fürsten 1 : die Hütten wurden jeweils an den 
Stellen, wo sich Schilf oder Holz fand, gleich geflochten und so, in fertigem 
Zustande, von 20 — 50 Mann, die von innen und aufsen gleichzeitig an- 
fafsten, auf den Berg hinaufgeschafft. — Diese Hütten werden nach des Haupt- 
mann Ramsay Mitteilung nicht durch einen untergestellten Mittelpfahl gestützt. 

Ich möchte an dieser Stelle gleich darauf hinweisen, wie einfach sich 
bei dieser Bauweise der Übergang von der Kugelhütte zur konischen mit 
cylindrischer Wand ergiebt. Wenn man die im Kreis aufgestellten Pfähle, 
welche bei der Kugel hiltte gewissermafsen die losgetrennten Fufsenden der 
gebogenen Stangen repräsentieren, unter sich zur Wand fest verbindet, kann 
man den fertig geflochtenen oberen Teil (das Dach) auf Mittelpfalü und 




1) Graf von Götzen: „Durch Afrika von Ost nach West", S. 181. 



uigitizeo uy VjOO 



— 202 — 

Wand einfach aufstülpen, ohne eines weiteren Verbandes zu bedürfen. 
Behalten wir dies im Auge (und es wird später darauf zurückzukommen 
sein), so ist es gar nicht wunderbar, dafs im Norden des Seegebietes beide 
Formen in buntem Wechsel auftreten, dafs z. B. die Wawira, je nachdem 
sie im Wald- oder im Grasland wohnen 1 , die Kegel- oder Kugelform an- 
wenden. Die Veranlassuug liegt im Material und ist wohl ohne weiteres 
verständlich, 

Aufserorden tlich wichtig ist eine veränderte Gestalt der Kugelhütte, 
welche gewissermafsen wie ein si>äterer Eruptionsstrom sich zwischen die 
Gebiete der soeben geschilderten typischen Rundhütten hineinschiebt und 
welche ich nach dem als Hauptträger ihr dienenden Volksstamm die Baluba- 
Hütte nennen möchte. Sie herrscht am westliehen Gestade des Tangaujika 
bis zu den Manjema, schiebt sich hier westlich am 5. und C. Breitengrad 
bis zum Kassai und steigt in einzelnen Bruchstücken diesen Strom hinab 
bis zu seiner Mündung in den Kongo. Das Charakteristische der Baluba- 
Hfltte ist ihr quadratischer Grundrifs, der aber meist mit einer offenbaren 
Absichtlichkeit änfserlich verborgen wird durch die Abruudung der dick 
aufgelegten GrasbeUeckung. Der Cbergang aus dem runden in den quadra- 
tischen Grundrifs mag durch irgend welche äufserliehe Gründe der be- 
quemeren Anordnung, der besseren Ausnutzung eines bestimmten Materials 
oder dgl. veranlafst sein; er kann auch auf konstruktiver Basis vor sich 
gegangen sein. Wir finden nämlich bei diesem Bau zuerst einen Zwischen- 
boden zwischen dem unteren Wohn- und einem oberen Dach- oder Boden- 
raum auftreten und, wenn man den Gedanken gefafst hatte, bei einer 
höheren Anlage (wie sie bei dein erwähnten Barotse-Bau bemerkbar -wird) 
den Raum unter dem Dach auszunutzen, so m,ufste dieses notgedrungen 
zum quadratischen Grundrifs führen, solange man eine einfache Unterstützung 
durch die Wände erstrebte. Es mag aber auch sein, dafs sieh die Kon- 
struktion der Zwischendecke als eine Folge des quadratischen Grundrisses 
ergab. Über dic>e selbst giebt Pogge, der mit so grofser Gewissenhaftig- 
keit beobachtete und notierte, in seinem (nicht veröffentlichten) Tagebuch einen 
sehr wertvollen Aufsehlufs. 

Die Hütten wechseln in der äu teeren Form und Gröfse, bald sind sie 
von der Form einer Gilka- Flasche, b;dd von der einer Granate des gezogenen 
Geschützes und endlich auch mit hohem spitzen Zeltdach. Das hat Ver- 
anlassung gegeben, dafs man z. B. bei den Bassonge (und Bassange) zwei 
ganz verschiedene Typen nebeneinander zu sehen meinte, dafs man sie als 
bienenkorbartig, byzantinische Kuppeln, kugelartig, spitzdacliig, als rund 



1) Stuhlmann: .Mit Emiti Pascha ins Herz von Afrika*, S. 384 und 388. 



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— 203 — 



und als viereckig bezeichnet hat. Und doch haben sie sämtlich dieselbe 
Konstruktion. 

Die den quadratischen Grundrifs (es kommen sogar rechteckige mit 
ungleichen Seitenlängen vor) umgebenden langen Ruten werden im unteren 
Teile durch Pfähle verstärkt (bisweilen an diese angebunden) und oberhalb 
der hierdurch gebildeten senkrechten Wände entweder einfach zusammen- 
gebogen (das giebt die Granatenform), Fig. 149, oder eingeknickt und gerad- 
linig zur Spitze verbunden (die Pyramidenform). Wenn man die oberen 
Enden einknickt und zusammenbiegt, erhält man die Flaschenform, indem 
der Hals durch einen Strohaufsatz gebildet wird. Das tektonische Gerüst 
bleibt demnach genau das südafrikanische. Eine Slittelstütze ist nicht not- 
wendig, weil die Wände einen festen Halt geben und die hoch geführten 
Ruten grofse Steifigkeit haben. Der 
Lehmestrich des Fufsbodens wird viel- 
fach zu einem förmlichen Unterbau 
verstärkt, an den inneren Wandflächen 
oft durch Matten ersetzt. Eine be- 
sondere Ausgestaltung erfährt die Thür, 
indem sie hoch, mit einem Thürpfosten 
und vorspringender Verdachung (aus 
Stroh) versehen und sogar von einzelnen 
besonders geschickten Bauherren mit 

verzierten Flügelthüren versehen wird. 1 xig. iw. 

~. „ P „ju L.w-n Hutto dor Baluba (nach Cameron). 

Die äufsere Bedeckung besteht in Gras 

und wird in meist abgerundeter Form bis nahe zum Fufsboden hinabgeführt. 

Um die Zwischendecke zu tragen, werden zwischen die Pfähle, welche 
der Wand ihre Festigkeit geben, einzelne Gabelstützen eingeschaltet. Diese 
tragen zwei Rahmstücke, auf welchen die aus Stangen gebildete Decke aufliegt. 
Es ist dieses der erste Fall, dafs wir die Gabelstütze finden. Sie ist aber 
lediglich zur Lagerung eines horizontal liegenden Holzes benutzt, und nur 
in dieser Verwendung finden wir sie bei den Südafrikanern. Westlich vom 
Lomami ward die Zwischendecke noch nicht beobachtet. Es ist überhaupt 
auffallend, dafs sich nur hier und weiter östlich der Baluba-Stil zu be- 
sonderer Vollkommenheit entwickelt hat. Pogge liat Gebäude bis zu 9 m 
Höhe und 4 7 2 ni Quadratseite gesehen. 

Eigentümlich und völlig verschieden von der Art der Bedeckung, wie 
sie bei den Nordafrikanern Üblich ist, fand Pogge die Weise, wie das hierzu 
dienende Kampinegras verwendet wurde. Auf die als Sparren dienenden 

1) Kifuma s. Cameron: «Querdurch Afrika", Bd. II, 27 28; Pogge fand sie bei 
den Bene Kalebue, beide bei 6° s. Br. 




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— 204 — 



Ruten wurde nämlich zuerst eine horizontale Lage, von Rute zu Rute 
reichend, aufgebracht und geschickt befestigt. Es lagen doppelte Horizon- 
tallatten, eine Aber, eino unter den Sparren, so dafs man dünne Ruten 
dazwischen stecken konnte, welche die Querlage des Grases festhielten. 
Auf diese innere wurde erst die äufsere senkrecht liegende Lage des Deck- 
materials aufgebracht. 

Es wird noch ein Blick auf die Bauten der Tupende zu werfen 
sein: auch bei ihnen venoll ständigen Pogges Notizen in willkommenster 
Weise die Angaben Wifsmauns. 1 Auch die Tupende sind zum «juadratischeu 
Gnuidrifs ubergegangen, aber entschieden auf anderem Wege, als die Baluba. 

Ihre Hütte ist nicht aus 
der Form der Barot.se 
ohne Mittelunterstützung, 
sondern aus derderHerero 
mit Mittelunterstützung 
entwickelt (Fig. 150). Sie 
haben den Mittelpfahl bei- 
behalten, bilden um ihn 
die 4 Wände aus dünnen 
Pfählen und Verkleidung 
mit Baumrinde und stül- 
pen das aus gespaltenen 
Palraripi>en geflochtene 
Dach einfach darül>er. Die 
Tupende sind geschickte 
Holzschnitzer und deshalb 
sind die Häuser derHäupt- 
linge alle mit geschnitzten 

Figuren auf der Dachspitze und vielfach mit ebensolchen Thüren verziert. 

Die eigentümliche Form des Tupendehausos weist uns rückwärts auf 
Gebiete, denen sie früher näher wohnten und mit denen sie möglicherweise 
in noch früherer Zeit in engerer Beziehung gestanden haben, auf die der 
Lobale, Ambuella und Bihe, und hiermit betreten wir das Gebiet der Um- 
wandlung des rund- konischen Hauses in das quadratisch- pyramidische. Es 
ist demnach ersteres zunächst zu erörtern. 




Fig. 15il 

ITütto der Tupende (nach Wifsmannl. 



2. Die Kegelhütte. 

In welch einfacher Weise sich aus der Kugelhütte die kegelförmige 
mit cylindriseher Wand entwickelt, wurde bereits erwähnt. Die Art der 



1) Wifsrnann: , Unter deutscher Flagge quer durch Afrika", S. 62. 



)gle 



— 205 — 



Bauausführung mufste ganz von selbst dazu veranlassen. So finden wir 
denn auch bei den Barotse, wo die Kugelhütte den Übergang aus der ge- 
drückten und reinen Halbkugelform zum überhöhten Knppclraum durch- 
machte, auch den Fortschritt zur cylindro- konischen Form in einfachster 
Weise ausgeführt. Diese hat dieselben Abmessungen der Kuppelhütte, aus 
der sie entstand, zunächst beibehalten, besteht aus einer ca. 3 m hohen 
"Wand aus Schilfrohr, mit Sand und Thon abgeputzt, 3 — 4 m im Durch- 
messer, darauf gestülpt wie ein Deckel und ohne Verbindung das flach - 
konische Dach (Fig. 151). 




151c. 

Fig. 151a bis c. Hütte dor Barotse (nach Holuly). 



In dieser einfachen Gestalt, deren Merkmale die kleinen Abmessungen, 
die hieraus sich ergebende Entbehrlichkeit einer Mittelstütze, der nur um 
wemges überstehende Band des einfach aufgestülpten Daches sind, fand 
die Kegelhütte eine weite Verbreitung. Wie bei den benachbarten Maschuku- 
lumbe (mit etwas steilerom Dach) treffen wir sie einerseits zwischen Bang- 
weolo und Njassa-See (z. B. bei den Wakonde), jenseit des letzten am Rowuma 
(bei den Adjuwa) und in den östlichen Teilen Deutsch -Ostafrikas; anderer- 
seits hat sie ihren Weg durch das Iiand der Lobale und Bihe genommen 
auf der südlichen Begrenzung des Kongobeckens. Sie ist überall aus dem 
leichtesten Material, meist Schilf oder Bambus, hergestellt, der zur Dichtung 
der Wand verwendete Thon als innerer oder äufserer Bewurf benutzt oder 



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— 206 — 



auch, wie bei den Wakonde, als Füllmittel der aus Bambus gebildeten 
Doppel wand (Fig. 152). Er ist überall notwendig als Ersatz der wärmenden 
Bedeckung mit Gras, welche bei der Trennung von Wand und Dach bei 
der ersten wegfiel. Der Fufsboden wird mit Thonestrich belegt und 
meist zum Schutz gegen eindringendes Regenwasser etwas erhöht 

Mehr als bei der Kugelhütte wurde man bei der Kegelhütte auf Be- 
nutzung der fetten Erde zur Herstellung einer dichten und gegen Witte- 
rung schützenden Wandung hingewiesen und so entwickelte sich naturgemäfg 
die Fertigkeit, aus Pflanzenmaterial in Verbindung mit Thon oder Lehm 
— aber niemals aus letzterem allein — den Raumabschlufs zu bilden. 
Dieses führte zu einer ganz eigentümlichen Umformung der Kegelhütte, 
auf welche Oskar Baumann zuerst aufmerksam gemacht hat. Es ist der 
Tembe-Bau. Der genannte Forscher schildert den Vorgang, der aufser- 
ordentlich wahrscheinlich ist, in folgender Weise 1 : „Dort (bei den Wakuafi 

in üsegua) sind heute noch drei Woh- 
nungstypen im Gebrauch: Rundhütte mit 
cylindriseher Lehmwand (d. h. mit Lehm- 
bewurf) und Blätterdach, geschlossene 
Tembe und Erdstall. Bei flüchtiger Be- 
trachtung könnte man annehmen, dafs 
der Erdstall, dieses Urbild einer primi- 

Hütte der Kunde (Vach Wangemann). Uven hier die ursprüngliche 

Form darstelle, und dafs aus dieser sich 
Tembe und Rundhütte entwickelt haben. Thatsächlich ist der Gang jedoch 
ein umgekehrter. Ursprünglich bewohnte man die Rundhütte, bis feindliche 
Einfälle, besonders der Massai, das Blätterdach als zu feuergefährlich er- 
scheinen liefsen. Man gab der Hütte ein I/ehradach. Thatsächlich habe ich 
im südlichen Ikoma, wo der Urawandlungsprocefs eben im Gange ist, Rund- 
hütten mit flachem Lehmdach gesehen. Es ist jedoch begreiflich, dafs 
diese Form sich nicht lange halten kann, die Auswahl ungleich langer 
Stangen für das Dach ist zu unbequem, als dafs nicht bald »1er Gedanke 
auftauchen sollte, «lern Unterbau statt einer cylindrischen eine viereckige 
Form zu geben — und der Tembe ist fertig. Doch auch dieser erscheint 
zu exponiert, man baut ihn immer niedriger, man tieft den Boden, wenn 
seine Beschaffenheit dazu günstig, immer mehr ein, um gebückt stehen 
zu können; man macht schliefslich die Decke dem Erdboden gleich — 
und der Erd stall ist gegeben.' 4 

Diese Umwandlung, welche zum rechteckigen Grundrifs führt, liefs 



1) Oskar Baumann: , Durch Massai Land zur NilqueUV, S. 175 76. 




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— 207 — 



langgestreckte Bauwerke entstehen, da sie ja auf der Anwendung des flachen 
Daches basierte. Es zeigte sich bald, wie günstig dieser Raumbau mit 
einer verteidigungsfähigen Einschliefsung des dem Vieh als Schutzort 
dienenden Raumes sich vereinigen liefs und so entstanden die Hoftemben 
in ünjamwesi in Anschlufs an die Tembebauten der sefshaften Völker des 
abflufslosen Gebietes zwischen dem 35. und 37. Längengrad. Ursprünglich 
nur zur Verteidigung benutzt, machten sie mehr und mehr dio im Hof 
erbauten Rundhütten, welche den Wanjamwesi ursprünglich eigen sind, 
entbehrlich, da sie auch als Wohnräume Verwertung fanden (Fig. 153). 




Fig. 153. 
Tembe (nach Stuhlmann). 

Auf andoren Ursachen beruht der Übergang der Kegelhütte zur recht- 
eckigen Form im westlichen Gebiet. Hier scheint es die Notwendigkeit 
gewesen zu sein, in den sumpfigen Quellgebieten der südlich fliefsenden 
Gewässer die Wohngebäude erhöht, also als Pfahlbauten, anzulegen, welche 
auf der nicht wohl anders als rechteckig herzustellenden Plattform des 
Unterbaues auch nur rechteckige Bauwerke entstehen liefe (Fig. 154). Da 
man aber hier das geneigte Dach beibehielt, mufste man naturgemäfs zum 
quadratischen Grundrifs greifen, dem man den Dachdeckel als Pyramide 
aufstülpen konnte. So hat sich bei den Lobale und Bihe neben der Kegel- 
hütte die quadratische mit Zeltdach eingebürgert (Fig. 155 und 156). 



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— 208 — 



Wir finden hier wieder einen Fall, dafs die Gabelstütze zur An- 
wendung gelangt, ähnlich bei Herstellung der Unterbauten (wie bei dem 
Httbnerhaus der Luehatse und den Pfahlbauhausorn der Ambuella). Sie dient 
aber auch hier lediglieh zur Aufnahme der horizontalen Tragehölzer der 
Plattform, also in demselben Sinne wie bei der Balubahütte denen der 
Zwischendecke, niemals aber tils Stütze der Dachkonstruktion. 




Tig. 154. 

Hütte der Amhuella (nach Scrna Pinto). 




Fig. 155. Hütte der Hihi« (nach Cameron). (nach Pinto). 

Ich nehme keinen Anstand, die Hütten der Tupende mit denen der 
Lobale und Bihe in direkte Beziehung zu bringen; sie unterscheiden sich 
nur durch die — der grüfseren Breitendimensionen wegen — im Mittel- 
punkte angebrachte Stütze, ein bereits bei den Kugelhütten Im 'kanntos Element. 

So einfach sieh der Übergang von der Kngelhütte zur Kegelhütte 
mit senkrechter Wand ergab, so einfach ist auch das Vorkommen der wand- 



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209 — 



losen KegelhOtte zu erklären. Man brauchte ja nur den konischen Dach- 
deckel auf der Erde stehen zu lassen, anstatt ihn mühsam auf die ring- 
förmige Wand hinaufzuheben. Man konnte ihn dann auch umfangreicher 
machen, da man die Last nicht mehr zu heben brauchte, natürlich auch 
steiler, um mehr Raum im Innern zu gewinnen. So kommen allerorten 
derartige hohe Zuckerhuthäuser ohne "Wandung zwischen den cylindro- 
konischen Hütten vor und so sind auch die Hütten des grofsen Wahehe - 
Fürsten Kuivenga, welche Freiherr v. Scheie 1 zur Kenntnis brachte, zu ver- 
stehen. Sie haben sich freilich zum Teil zu gewaltiger Gröfse — 20 m 
Durchmesser und 12 m Höhe — ausgewachsen und bedurften deshalb 
einer kräftigen Unterstützung im Innern, die aber — mit Vermeidung der 
Mittelstütze — aus einer ringförmigen Wand besteht. 

Es mag dahingestellt bleiben, ob diese Hüttenform von den durch 
die Wahehe unterworfenen früheren Bewohnern des Landes (runde und 
quadratische Hütten aus Pfahlwänden mit Lohmputz, und hohes Grasdach) 
entlehnt oder als eine Familienüberlieferung der Zulu -Fürsten zu betrach- 
ten ist Die Tembebauten, welche den Wahehe jetzt eigentümlich sind, 
haben sie zweifelsohne aus ihrer südlichen Heimat nicht mitgebracht. 

Es bleibt uns noch eine andere Ausgestaltung der Kegelhütte zu 
betrachten, welche gleichfalls weite Verbreitimg gefunden hat und die Eigen- 
tümlichkeiten der südafrikanischen Bauweise in charakteristischer Schärfe 
hervortreten läfst. Während bei kleinem Durchmesser die Wände haltbar 
genug waren, um den Druck des leichten Daches auszuhalten, mufste bei 
etwas gröfseren Abmessungen eine Mittelstütze angebracht werden, weil 
der Schub auf die Wände bei deren leichter Bauart ein Auseinanderdrücken 
herbeiführen konnte, sobald die nicht unterstützte Dachspitze sich zu senken 
begann. Da man aber ferner die Beobachtung machte, dafs ein weit über- 
stehendes Dach manche Annelimlichkeit bot, so liefs man es weiter aus- 
laden, mufste aber durch Unterstellung einer Reihe vou Pfählen wiederum 
das schwach gebaute Dach unterstützen. So entstand eine ringsumlaufende 
Veranda und im ganzen ein in koncentrischen Ringen gegliederter Bau, 
am konsequentesten und vollkommensten durchgeführt von den Barotso 
(Fig. 157a bis c). 

Die Bauausführung, welche im allgemeinen den Frauen anheim fällt, 
ist folgende: Eine Kreisfläche von 3 m Durchmesser wird mit Thonestrich 
belegt, in einem ringsumlaufenden schmalen Graben eine ringförmige Wand 
aus starkem über 4 m hohem Rohr eingelassen und mit Palmblattstücken 



1) Mitteilungen von ForschungsroLsenden etc. aus den deutschen Schutzgebieten, 
Bd. IX, Heft 2. 

Frobeniu«, Afrikanische Kulturen. 14 



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210 



horizontal durchflochten und hierbei fest angezogen, so dafe sich infolge 
der nach oben sich verjüngenden Starke der Rohrstengel eine konische 
Form der Wand ergiebt Oben glatt abgeschnitten, wird diese nun aufsen 
verputzt und ein kleines flaches Kegeldach, das die Manner währenddem 
geflochten haben, aufgestülpt und von aufsen glatt verputzt So ist eine 
dicke, sich verjüngende Säule entstanden, welche dem Dach als Mittel- 
stütze dienen soll, deren Innenraum aber durch Einschneiden einer Thür 
zugänglich und benutzbar gemacht wird. • — • - 




157 c. 

Fig. 157 a bis c. Hütte der Barotse (nach Holub). 



Für die eigentliche Umfassungswand dos Gebäudes wird ein Graben 
im koncentrischen Kreis mit 6 m Durchmesser ausgehoben, und in diesen 
zahlreiche Pfähle mit höchstens 0,5 m Abstand, zwischen ihnen eine Wand 
von Rohrbüscheln eingesetzt, und durch Stricke verflochten. Beiderseits 
geputzt und oben glatt abgeschnitten, mit einer Thflröffnung versehen, ist 
die Mauer fertig; der innere Ring des Fufsbodens wird nun auch mit Estrich 
belegt und währenddem flechten die Männer auf dem Erdboden das Ge- 
rippe des Daches mit 10 — 11 m Durchmesser und rammen im Kreise mit 
9 — 10 m Durchmesser Pfähle rings um die Hütte ein, welche als Yeranda- 
stützen dienen sollen. Der Fufsboden der Veranda wird erhöht imd mit 
Estrich versehen, um das Eindringen von Regenwasser zu verhindern. 



— 211 - 



Nachdem also der ganze Bau bis auf das Dach fertig ist, alle Stützen auch 
die der Dachneigung entsprechende Höhe erhalten haben, wird das Riesen- 
dach von etwa 60 Männern mit Hilfe von Stangen so hoch gehoben, dafs 
man seinen Rand auf die Mittelstatze hinaufschieben kann. Dann läfst man 
es langsam in seine richtige Lage hinabgleiten; die unregelmäßig Über- 
stehenden Rohrsparren werden abgeschnitten und die Frauen klettern hinauf, 
um das Gerippe mit Gras zu bedecken. Zur Befestigung der 15 — 20 cm 
starken Graslage dient eine netzartige Überspannung mit Fächerpalmstricken. 




158 a. 





158 c. 
158 b. 

Fig. 158 a bis o. Hütte der Betschuana (nach Fritach). 

Wie ersichtlich, ist dieses genau dieselbe Herstellungsweise, wie sie 
bei den Rundhütten der Waganda und bei den quadrati sehen der Tupende 
beobachtet wurde und fehlt auch hier jeglicher Verband zwischen der Wand 
und dem Dach. Letzteres erscheint als das zum Konus umgeformte Geflecht 
von im Mittelpunkt sich kreuzenden und in koncentrischen Ringen mit ihnen 
verbundener Ruten bew. Rohrstengel, wie es auch die Kugelhütte bildet 
und als einheitliches Stück transportiert werden kann. Während aber das 
kugelförmige Geflecht direkt auf die Erde gestellt bezw. mit eingesteckten 
Pfählen verbunden werden kann (Ruanda, Uganda), bedarf das konische 
Geflecht meist des eylindrischeu Unterbaues, um einen wohnlichen Raum 
einzuschliefsen. Auf diesen wird es einfach aufgestülpt. 



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— 212 — 



Diese Form der Kegelhütte findet ihre Vertreter einerseits in den 
Hütten der Betschuana, 1 also iu Südafrika, Fig. 158, andererseits wanderte sie 
•weit nach Norden hinauf und findet sich vielfach zwischen den einfacheren 
Hütten ohne Mittelunterstützung in Ostafrika (Kasembe, Wasukuma, Wasa- 
ramo). Sie wanderte bis ins Handei- Gebirge mit den Wadschamba und 
machte hier eine Wandlung durch, ganz ähnlich der Baluba- Hütte. Bau- 
mann fand bei ihnen, ebenso wie Meyer bei den Wadschagga am Kilima- 
ndscharo neben den Kegelhütten auch heuBchober- oder bienenkorbähnliche, 
alle aber mit einer Mittelunterstützung. Da erstere aber immer in der 
warmen Ebene bezw. in den Thälern, letztere in der bedeutend kälteren 
Höhenlage sich finden, ist es leicht erklärlich, dafs eine Rückbildung hier 
Platz griff, um mittels der bis zum Fufsboden herabgezogenen dicken Be- 
deckung des Daches einen besseren Schutz gegen die Kälte zu gewinnen. 
Dabei wurde — was dieser Herleitung zum Beweise dient — die aus 
Flechtwerk und Lehm hergestellte Mauer beibehalten und nur durch das 
lang herunterhängende Gras des Daches verstärkt. 

Ii) Die Baustile Xordnfrikas. 

Auf gänzlich abweichender Grundlage entstanden die Bauformen des 
nördlichen Afrika. Nicht so einfach sind sie auf einen einzigen Trtypus 
zurückzuführen, da hier die klimatischen und geograplüsehen Verhältnisse 
— die grofse "Wüste — der Sudan — und die Küstenländer — von vorn- 
herein verschiedene Lebensbedingungen schufen und durch Darreichung hier 
äufserst knapp, dort reichlich bemessener Hilfsmittel eine sehr grofse Formen- 
verschiedenheit bedingten. Trotzdem giebt es einen Umstand, welcher die 
meisten afrikanischen Bauten (mit Ausnahme der Fulbe- Hütten, welche auf 
einen anderen Ursprung deuten) in gleicher Weise cliarakterisiert, das ist 
die grundsätzliche Verwendung der Eitle als Baumaterial. Wir finden sie 
ja auch in Südafrika verwendet, aber lediglich als Dichtungsmittel für 
Wand und Decke, als Glättuugsmittel des Fufsbodens. Die konstruktiven 
Glieder gehören durchaus der Pflanzenwelt an. Anders in Nordafrika. Hier 
dient dio Erde — in Gestalt von Lehm und Thon — mehr oder weniger 
überall zur Herstellung der Konstruktionsteile, der Wände und sogar viel- 
fach der Decke. Es erscheint deshalb richtig, zunächst diejenigen Bauwerke 
ins Auge zu fassen, bei denen die Erde als liauptsacldichstes Material ver- 

1) Holubsagt: „Die Baharutse sind der eigentliche von Xordon, dem centralen 
Nordufer des Sambesi, herabgekommene Urstamm der Betsehuaneu, und von ihnen 
stammen alle die anderen Botschuanenstämme ab, die sieh nach und nach von dessen 
Hauptstamm unter der Fuhrung einzelner Prinzen aus dem königlichen Geblüt los- 
lösten. 14 

• 



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— 213 — 



wendet wird und danach diejenigen, bei denen sie erst in zweiter Linie 
zur Geltung kommt. 

L Die Erdbauten. 

An anderer Stelle 1 habe ich den Nachweis zu führen gesucht, dafs 
der Erdbau in seinen verschiedenen Formen den Sudan -Völkern ureigen- 
tflmlich ist, und dafs sich die Reste der alten den Erdbaustil kultivierenden 
Urbevölkerung ungefähr auf dem 11. nördlichen Breitengrad durch den 
ganzen Sudan — nachweisbar vom 4. westlichen bis zum 15. östlichen 
Meridian — noch heute vorfinden. 




Fig. 159. 
Hütte der Bobofing (nach Bingor). 




; fr F 



Fig. 160. 
Hütte der Dohasie (nach Binger). 




Fig. 161. 

Hütte der Bobo-Diula (nach Binger). 




Fig. 162. 

Hütte der Bammana (nach Binger). 



Im Westen entstand das Erdgebäude aus der in den Erdboden ein- 
gegrabenen Kellerwohnung, aus dem „Erdstall", in umgekehrter Weise, als 
Baumann diesen in Ost -Afrika aus der Rundhütte und aus dem auf Holz- 
konstruktion beruhenden Tembenbau entstehen läfst. Deshalb beruht auch 
das Gebäude im westlichen Sudan nicht auf der Holz-, sondern auf der 
Erdkonstruktion. Die Bobo und ihre Stammesverwandten bezw. -Nachbarn 
erbauten über ihren alten Kellerwohnungen (die heute noch benutzt werden) 
luftigere und gesundere Schlafstellen in verschiedenen, vielleicht von anderen 
gelernten Formen, meist Kegelhütten mit lehmgeputzten Flechtwänden. 



1) „Die Erdgebfiude im Sudan. " 



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214 — 




Fig. 163.* 
Moschee in Lokhignile (nach Binger). 



Gleichzeitig können beide Geschosse nicht entstanden sein, das beweist 
ihre voneinander ganz unabhängige Konstruktion; die Kellerräume waren 
rechtwinklig mit Holzdecke und Bodenbeschattung in gleicher Höhe mit 
dem Unterterrain (Fig. 159). 

Als sie nun, fortschreitend in der Fertigkeit des Bauens und inne 
geworden der Vorzüge oberirdischer Wohnungen, begannen, ihre Gebäude 
mehr und mehr aus der Erde herauszuheben, behielten sie die darauf 

stehenden Obergeschosse 
% Btet* bei und schufen hier- 
durch die eigenartigsten 
Bauwerke (Fig. 160). Erst 
als das Gebäude ganz aus 
dem Boden herausgewach- 
sen war und als flach- 
gedeckter Bau mit starken 
Erdwänden sich erhob, 
ward man — wahrschein- 
lich unter Beeinflussung 
durch Mande - Herkömm- 
linge — auf die Vorteile 
einer zweigeschossigen Bau- 
weise mit durchgehenden 
Aufsenmauern aufmerksam. Es 
entstanden die langgestreckten 
Gebäude mit breiterem Unter- 
und schmalerem Obergeschofs, 
so dafs sich vor diesem eine 
Veranda und eine offene Terrasse 
herstellen läfst (Fig. 161). 

Der den Mande (Mandingo) 
angehörende Stamm der Bani- 
mana usurpierte diesen Baustil, 
der deshalb von mir als Bobo-Bammana-Stil bezeichnet wurde, und 
verbreitete ihn weiter im westlichen Sudan (Fig. 162). Er übernahm in 
dem von den Bobo erfundenen rechteckigen Luftziegel das Mittel, lotrechte 
Mauern herzustellen, und, soweit er seine Wanderungen als zerstückter 
Stamm ausdehnte, dort entstanden anstatt der den Mande ursprünglich 
eigenen Kegelhütten mit Wänden aus Flechtwerk und Ixihmbewurf einzel- 
stehende, rechteckige, flachgedeckte Häuser mit massiven Enlmauern, lot- 
rechten Wandungen und Thüren. Das obere Geschofs liefsen sie fallen 




Fig. 164. 

Moschee in Sorobango (nach Binger). 



)gle 



— 215 — 



(dieses wanderte dafür nach Timbuktu), entwickelten aber einen eigentüm- 
lichen Kunstsinn, indem sie begannen, ihre Bauten, namentlich die Moscheen, 
mit Türmen und Ornamenten zu schmücken, wobei infolge der dem Natur- 
menschen eigenen Neigung zur Spielerei und zum Übermafs die abenteuer- 
lichsten Gebilde entstanden 1 (Fig. 163 u. 164). 

Über das Ursprungsgebiet im Quellgebiet des Comoß und Volta hinaus 
gewann der Bobo- Bammana -Stil das Land zwischen den beiden Niger - 
armen, vom Deboö-Seo aufwärts bis zum Bagoö, und das Gebiet dieses 
Flusses, wie des Koba Diela, ferner den Bammana- Bezirk von Daba und 
im Südosten inselartig zwischen die Satteldachhäuser des Küstenstils hinein- 
geschoben, das Gebiet von Kong und den Comoe bis Bentuku. 

Den Baustil von Timbuktu 
und Djenne halte ich für einen 
marokkanischen Eindringling auf 
dem Wege über Arauan. Daher 
stammt die vom Bammana -Stil 
ganz abweichende Form des Hof- 
baues und der nicht rechteckige, 
sondern runde Luftziegel. Das 
obere Geschofs aber ist Bobo- 
Ureprungs, ward zuerst in Djenne 
und danach erst in Timbuktu dem 
Unterbau aufgesetzt (Fig. 165). 

Zwischen dem ersten und 
zweiten östlichen Meridian traf 
Dr. Gruner in gleicher Breite 
mit den Bobo -Völkern bei den 




9 l 



I 



I 1 ) 



m 



Fig. 165. 

Haus iu Timbuktu (Dach H. Barth). 



Ketere-Ketere kastellartige Wohnungen, 
welche aus mehreren mehrgeschossigen, also turaiartigen Kegelhütten, ver- 
bindenden Umfassungsmauern und horizontaler Überdeckung des einge- 
schlossenen Raumes sich zusammensetzten. Die Entstehung dieser Bau- 
werke ist leicht nachzuweisen, da die Bedrängung durch die umgebenden 
mohammedanischen Fürsten diesen vereinsamten heidnischen Stamm, den 
Überrest eines alten Volkes, zwang, einen Komplex ihrer Kegelhütten auf 
die angedeutete Art zum verteidigungsfähigen und sturmfreien Kastell um- 
zugestalten (Fig. 166 und 167). Eine Vorbedingung aber war hierbei, näm- 
lich die Vertrautheit mit dem Erdbau, sonst wäre es ihnen unmöglich ge- 
wesen, dreistöckige Türme und 4 m hohe Mauern in massivem Lehm her- 



1) Vergl. H. Frobenius: ,.Die Moscheebauton im Sudan* in Afrika, Organ des 
evangelischen Afrika -Vereins, 1896. 



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— 216 — 



zustellen und für Zwischendecken haltbar zu gestalten. Das Baumaterial 
formen sie in naturwüchsiger Weise zu Klumpen, bringen dieselben nals 
aufeinander und verputzen die Wan<lfläehen, so dafs man keinen Stein und 
keine Fuge mehr erkennnen kann. Ks ist bemerkenswert, dafs diese Bau- 
weise mit Ausnahme der Bobo- Bammana bei allen Erd- Massivbauten im 
ganzen westlichen und centralen Sudan gebräuchlich ist. Wir finden ihren 
Ursprung bei den Resten der Urbevölkerung am 11. Breitengrad. Eine 
Folge dieser Bauweise ist die schräge Führung der Aufsenflächen der Mauern, 

unten stärker als oben, da es 
mit dem formlosen Material sehr 
schwierig ist, lotrechte Flächen 
herzustellen. 

Man kann aber leicht sehen, 
dafs sich aus dem Kastell der 
Ketere-Ketere mit der Zeit ein 
ähnlicher Flachdachbau ent- 
wickeln konnte, wie die Häuser 
der BolK) und Bammana, aber 
aus ganz verschiedenen Anfängen 
und durch ganz verschie- 
dene Zwischen formen hin- 
durch. Dort der Höhlen - 
oder Kellerbau als Aus- 
gangspunkt, daraus das 
w# L rechteckige Erdgeschofs 
™^ entwickelt, auf dem die 
Räume des oberen Stock- 
Bau der Ketere-Ketere (nach Angabe von Gruner). wcrks ohne Zusammen- 
hang mit Form und Kon- 
struktion des Unterbaues aufstehen; hier die konische Hütte als Element, 
welche sich dem überdachten Hofe zuliebe in einen Turmbau auswächst, 
das obere dem unteren Oeschofs aber durch direkte Erhöhung der Mauern 
hinzugefügt. Die Treppenhaustürme , welche bei einigen Bobo -Häusern ge- 
funden werden, geben den Berührungspunkt, wo beide Baustile beginnen, 
konstruktiv sich einander zu nähern. So kann aus den verschiedensten An- 
fängen durch Vervollkommnung nach Zwcckmäfsigkeitsrücksichten Gleiches 
oder Ahnliches entstehen und Rückschlüsse auf die Entstehungsweise sind 
beim Mangel von Zwischengliedern oft trügerisch. 

Im Osten vom Niger, also in den Haufsa - Staaten , wurde von den 
nach Süden gehenden Reisenden erst beim 11. Breitengrade eine zuneh- 




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— 217 — 



mende Geschicklichkeit im Lehmbau beobachtet. Hier waren es die Heiden- 
stämme der Yesko und Korro, wo sie Staudinger, die der Kado- und 
Kedje- Neger, wo sie Rohlfs besonders bemerkte (alle beim 8. Meridian, 
zwischen dem 9. und 11. Breitengrad). Sie haben Rundhütten mit Lehm- 
mauern; aber auch hier hat die Not der Bedrängnis zu ähnlichen Formen 
geführt, wie die Ketere-Ketere entwickelt haben. Staudinger erwähnt Ver- 
bindungsmauern zwischen den näher bei einander angeordneten Hütten und 
Rohlfs einen zwischen zwei Kegelhütten hergestellten geschlossenen Ver- 
bindungsgang. 

Wichtiger für die Entwicklung des Erdbaustils sind die Bewohner 
von Yauri, deren Hausbau man auf Grund der von Flegel mitgeteilten 
Typen nur als einen auf jahrhundertelang geübter Fertigkeit beruhenden 
Stil bezeichnen kann. Sie bauen meist in quadratischem Grundrifs und 
stülpen auf den turmartigen 31assivbau ein steiles, oben abgestumpftes, 




Fig. 168. Haus in Jauri Haus in Djega 

Haus in Jauri (nach Flegel). (nach Flegel). (nach Flegel). 

jedenfalls geflochtenes Pyramidendach (Fig. 168). Neben dem reichen Orna- 
mentschmuck, mit dem die Wände bedeckt sind, ist aber das Auffallendste 
das Vorkommen von Kuppelgewölben zum oberen Abschlufs auf den mit 
kreisförmigem Grundrifs aufgeführten Bauwerken (zum Schutz gegen Witte- 
rung mit der Strohkappe darüber), Fig. 169. Der Bau des Kuppelgewölbes 
ist in weiteren Gebieten bekannt oder bekannt gewesen, das beweisen die 
von Flegel in Djega und von Staudinger in Dogondatschi (beide bei Gando) 
sowie in Kaschia (10 0 nördl. 7 8 / 4 0 östlich) vorgefundenen ganz ähnlichen 
Konstruktionen (Fig. 170). 

Es führen uns diese aber noch weiter nach Osten zu den Massa- 
Stämmen, mit deren zum Teil gewölbten Bauten die der Yauri eine grofse 
Ähnlichkeit haben. Auch diese Stämme, welche südlich des Tsad-Sees 
sitzen, waren noch verhältnismäfsig lange Heiden, sind es zum Teil sogar 
noch jetzt und stammen vom mittleren Sehari. Nach ihren Hauptvertretern, 



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— 218 — 



den Makari, habe ich ihren Baustil benannt. Sie bauen lediglich aus 
Erde, haben nach Barths Ansicht früher überhaupt alle leichteren Baustoffe, 
wie Rohr und Stroh vermieden, und da wir bei einzelneu Stämmen, wie 
den Mussgu, zur Zeit Rundhütten mit konischem Strohdach finden, so liegt 
der Schlufs nahe, dafs entweder diese Hütte von anderer Seite eingeführt 
oder, wenn der Rundbau ihnen ureigen ist, dafs er früher mit einem 
Gewölbe geschlossen war, über welchem man sich das Strohdach zunächst 
als schützenden Deckel denken kann. Und für diese Annahme liegen aller- 
dings Anlialtepunkte vor. Mag meine Vermutung, dafs die mächtigen Ter- 
mitenbauten zur Nachahmung angeregt haben, richtig sein oder nicht, die 
von Barth nachgewiesenen Kuppelbauten (Fig. 171 u. 172) legen den Ver- 
gleich sehr nahe imd bringen jedenfalls den Beweis, dafs der Gewölbebau 
früher bekannt und geübt war. Um einen Raum von 2,5 m Durchmesser 
mit einem Lehmgewölbe zu schliefsen, wie Barth es gefunden, dazu gehört 



eine von alters her geübte Kunstfertigkeit, die vielleicht neuerdings ver- 
loren worden sein mag, wie manche Errungenschaft früherer Kulturperioden 
in dem Hin- und Herwogen der Völker Afrikas. 

Nach dem uns bekannt gewordenen Material liegt die Vermutung 
nahe, dafs die nationale Bauweise der Mussgu früher in einer Trennung 
der Winter- und Sommerwohnung bestand, erstere überwölbte starkwandige 
Erdgebäude, deren Durchmesser in der technischen Ausführbarkeit eine 
Grenze fand; letztere unbedeckte, ummauerte Räume, in denen man durch 
Schattendächer sich Sonnenschutz verschaffte. Das Bedürfnis geräumigerer 
Unterkunft zu jeder Jahreszeit, die Schwierigkeit, diese mit Gewölben zu 
überspannen, sowie dio Erfahrung, dafs die Erdgewölbe, je gröfser die 
Räume, desto öfter unter der Einwirkung der Witterung einstürzten, mochten 
mit der Zeit dazu führen, die stets in bescheidenen Dimensionen erbauten 
Jjehmcylinder der Wohnungen mit einem geflochtenen Deckel als Regenschutz 
zu versehen, das innerlialb der Sommerwohnung angebrachte Schattendach 
aber Über den ganzen Raum auszubreiten und diesem dann die praktischere 
viereckige Form zu geben, welche das Schattendach naturgemäfs von Anfang 





Fig. 171. 
Hütte der Mussgu (nach Barth). 



Fig. 172. 
Hütte der Mussgu (nach Barth). 



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— 219 — 

an haben mufste. So entstanden runde Erdhütten mit konischem Strohdach 
und die rechteckigen Bauwerke mit Flachdach, wie die nördlichen Ver- 
wandten der Mussgu sie alle besitzen. Die auch hier vorkommenden, 
häufig auf die terrassenartigen Untergeschosse aufgesetzten Rundhütten 
haben sich die dem Gewölbe nachgeahmte völlig halbkugelige Gestalt der 
Dächer bewahrt und selbst die viereckigen Häuser kleinerer Grundrifs- und 
turmartiger Höhenabmessung, wie sie z. B. in Karnak-Logon vielfach mit 
einem Strohdach vorkommen, haben für dieses die halbkugelige Form bei- 
behalten. 

Die nachdachigen Erdgebäude des Makari- Stils (Fig. 173) zeigen eine 
tiefgehende Verschiedenheit von denen der Bobo und Bammana, Die auf 
den Gewölbedruck ursprünglich berechnete Mauer mufste nach dem Fufs 
zu sich verstärken, und das Prinzip der schräg ansteigenden Wandung 
wurde sogar auf die Thüröffnung übertragen, welche oben breiter als unten 




Fig. 173. 

Häuser der Makari (nach Nachtigal). 



ist (entgegengesetzt den nach oben sich verjüngenden Thüren, wie sie bei 
allen auf Steinkonstruktion basierten Stilarten naturgemäfs sich ergeben haben). 
Diese Verstärkimg der Mauern nach unten mufste um so notwendiger 
werden, als die Massa -Völker den flachkantigen Ziegel der Bobo nicht 
kennen, sondern mit runden Lehmklösen bauen. 

Auf dies flachdachige Untergeschofs wird nun ein Obergeschofs — 
nicht durch den Aufbau kleinerer Gebäude, — sondern ganz regelrecht 
durch Erhöhung der Umfassungsmauern über die Decke hinauf und durch 
Übereinanderstellung gleich grofser Räume aufgebaut, und da dies nicht 
durch eine Thür Licht erhalten kann, werden Halbkreisfenster angebracht, 
was wiederum auf den Gewölbebau hinweist. 

Die Gebäudekomplexe, welche sich die Fürsten mit diesen Mitteln 
herstellten, zeugen von einem solchen Geschick in der konstruktiven Zu- 
sammensetzung, dafs Barth ebenso wie Nachtigal und Denham unverhohlen 
ihre Überraschung aussprechen, hervorgerufen durch diese Baugeschicklich- 



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— 220 — 



keit bei einem sonst wenig kultivierten Volke. Dies steht hiermit hoch 
über den ihm in vielen anderen Dingen überlegenen Völkern der grofsen 
Sudan -Reiche, Bomu, Baghirmi etc. Wir müssen darin durchaus eine 
autochthon entwickelte gewerbliche Fähigkeit erblicken. 

Auch bei den Moschee- und Palastbauten der Fulbe- Fürsten in den 
Haufsa- Staaten hat sicher die Geschicklichkeit der Ureingeborenen eine 
Rolle gespielt. Es wäre den aller Wahrscheinlichkeit nach aus Ägypten 
herangezogenen Baumeistern, welchen diese Bauten zuzuschreiben sind, 
unmöglich gewesen, bei ihnen gewölbte Räume, wie sie verschiedenenortes 
festgestellt wurden, herzustellen, wenn die Arbeiter hierin nicht eine Ge- 
schicklichkeit gehabt hätten. Bei der Überspannung gröfserer Räume wurden 
Holzrippen eingebaut, um einen gröfseren Halt zu gewinnen. Diese Bau- 
werke können aber immerhin als autochthone nicht bezeichnet werden. Ich 
halte die flachgedeckten Häuser, die pylonartigen hochthürigeu Eingangs- 
bauten, die labyrinthischen Zusammenstellungen von grofsen und kleinen 
Gebäuden, Höfen, Korridoren nebst ihrem Säulen- und Kuppelschmuck, 
wie sie in den Residenzen der Haufsa- Staaten sich vorfinden, für eine 
Mischung des Berber- Stils (in ihren Kastellbauten der Sahara) und der 
mohammedanischen Bauten Ägyptens. 1 

Aus der Sahara stammt aber noch ein anderer Baustil und hat eine 
eigene Entwicklung in den Händen der Sudaner gefunden, das ist der in 
Bornu gebräuchliche Flachdach -Stil, der Tebu-Kanuri-Stil. Die Kanuri 
haben in ihrer Heimat, Kanem, Mattenhütten gebaut. Eine Tebu -Einwan- 
derung (die Siäfu) brachte ihnen mit einem Herrscherstamm auch eine 
neue Bauweise, und letztere entwickelte sich aus der rechteckigen Wüsten- 
hütte, wie sio in leichtestem Material von den nomadisierenden Tedft (Tebu) 
noch heutigen Tages, wie sie in Kyklopenmauerwerk von den sefshaften 
Tebu in Borku und Tibesti gebaut wird. Anstatt des mangelnden Stein- 
materials mufsten die in Kanem eingewanderten Tebu sich mit Erdklösen 
begnügen und bauten nun die Mauern ihrer kleinen stets vereinzelten Häuser 
aus diesen, behielten aber die dem Steinbau entsprechende nach oben ver- 
jüngte Thür bei und bedeckten den Raum mit Holzbalken und Erde. Neben 
der den Ureinwohnern gewohnten runden Mattenhütte bürgerte sich so in 
Bornu — aber nur von der herrschenden Rasse benutzt — der flach- 
gedeckte Erdbau ein, obgleich er bei dem mangelhaften Material und dem 
ungünstigen Klima nur wenig haltbare Bauwerke zu Tage fördert. In ihrer 
dürftigen Form unterscheiden sie sich auffallend von den Bauten des Makari- 
Stils und der Haufsa-Länder. Die Fertigkeit wurde hier niemals erreicht, 



1) Vergl. II. Frobonius: „Die Moscheebauteu im Sudan" in Afrika, 1896. 



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— 221 — 



wie sie sich bei den autochthonen Baustilen der Bobo- Bammana, der 
Ketere-Ketere, bei den Heidenstämmen am 8. Längengrad , bei den Bewohnern 
von Yauri und den Massa- Stämmen durch uralte Übung im Erdbau ent- 
wickelt hat 

2. Die Kegelhütten. 

Die nationale Bauform aller im Sudan als herrschende auftretenden 
Rassen ist — mit alleiniger Ausnahme der Fulbe — die Kegelhüttc. Sie 
hat dereinst vollständig geherrscht von den Ufern des Senegal bis zu denen 
des Nil. Über ihre Entstehungsweise fehlt jeder Anhaltepunkt Das haupt- 
sächlichste Baumaterial lieferte im Sudan ebenso wie in Südafrika die Pflanzen- 
welt, nur zur Dichtung der Wände und zur Befestigung des Fursbodens 
ward die fette Erde benutzt. Sie gewann aber in vielen Gebieten doch 
eine andere wichtigere Bedeutung, da der reine Erdbau der südlicheren 
Völkerscliaften, auf welche die Mando, die Shonrai, die Haufsa und 
Borau -Leute stiefsen, die Anregung gab, auch bei der Kegelhütte dieses 
Material in erhöhtem Mafse zur Anwendung zu bringen. Es ist zwar 
aufserordentlich schwierig selbst für den aufmerksamen Beobachter, zu ent- 
scheiden, ob eine als reiner Lehmbau erscheinende Mauer nicht einen höl- 
zernen, etwa aus Flechtwerk bestehenden, Kern enthält, und es ist deslialb 
zweifelhaft, ob die massive Lehmraauer nördlich des 11. Breitengrades 
wirklich bei den Rundhütten (aufserlialb der bereits erwähnten Beispiele 
autochthonen Baustils) irgendwo vorkommt. AVenn dieses aber der Fall ist, 
so ist sie jedenfalls von jenen in massivem Lehm bauenden Völkerschaften 
übernommen worden. 

Anders ist es 9üdlich des 11. Breitengrades. Hier machen sich 
zweierlei Einflüsse geltend, die Giebeldächer der Küstenvölker und die 
eingeborene reine Erdbautechnik. Infolgedessen finden sich hier viele 
Bauwerke runden , auch oblongen Grundrisses mit Kegeldach und unzweifel- 
haft massiven Wänden, dazwischen mischen sich, je weiter man nach 
Süden vorschreitet, Übergänge aus dem runden in den rechteckigen Grundrifs 
(der oblonge, wie ihn Flegel in Nupe fand, ist als solcher zu betrachten). 
Da die Lehmmauern nur bei kleineren Dimensionen des Bauwerkes das 
Dach zu tragen vermögen, wird bei gröfseren Anlagen eine Mittelstütze not- 
wendig. Mit deren Hilfe werden dann allerdings Gebäude von recht bedeu- 
tenden Abmessungen hergestellt, wie die von Rohlfs geschilderte Audienzhalle 
in Keffi, deren cylindrische Umfassungsmauern G l / 2 m, deren Dachspitzo 
annähernd 20 m Höhe, deren Durchmesser an 33 m erreichte. Neben 
den runden Fonnen treten aber hier wie in Nupe beim 9. Breitengrad schon 
Satteldachformen auf. 



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Nicht andere im Hinterlande der Gold- und Sklavenküste, wo überall 
der massive Lehmbau vorherrecht und bei den Kegelhütten, wie bei den 
rechteckigen der südlichen Gebiete gleichmäfsig zur Anwendung kommt. 
Das alte Salaga bot eine bunte Musterkarte der verschiedenen von den 
Händlern der verschiedensten Rassen hierher verpflanzten Baustile. Bei 
allen aber baute man die Mauern aus Lehm, den man mit Sand, Kies 
und Wasser zu einem dicken Schlamm vermengte, um dann grofse Kugeln 
zu formen und diese aufeinander zu klatschen. Es ist also die Bauweise, 
wie sie im ganzen Sudan, mit Ausnahme der Bobo- Bammana, geübt wird. 

Weiter westlich ist der Lehmbau in H&nden der herrechenden Mandß- 
Stämme überall zur Einführung gekommen und auch in Senegambien — 
wahrscheinlich infolge der vielfach geübten Anwendung zu Befestigungs- 
anlagen — allgemeiner gebräuchlich geworden. 

Nach diesem Überblick über das westliche Nordafrika südlich der 
Sahara verlohnt es sich, noch einen Blick auf den östlichen Teil zu werfen, 

wo die Niloten sich vom Bahr-el-Ghasal bis 
zum Nilquellengebiet ausgedehnt haben. Sie 
haben alle Kegelhütten und zwar sind diese 
in der äufseren Form oft den südostafrikanischen 
aufserordentlich ähnlich. Ihre Betrachtung ist 
desto notwendiger, weil sich hier wichtige 
Konstruktionsunterschiede finden, welche dar- 
auf hinweisen, dafs die nordischen eines ganz 
anderen Ursprunges sind, als ihre südlichen 
Ebenbilder. Es kommt mir zu gute, dafs für 
die Bauweise der Niloten -Hütte ebenso genaue 
und zuverlässige Berichte vorliegen, wie für die südafrikanische. 

Junker beschreibt den Bau einer in grofsen Abmessungen erbauten 
Hütte. 1 Um den Mittelpunkt wurden zwei koncentrische Kreise gezogen 
und sodann die Stützen eingegraben, im Mittelpunkte ein (etwa 6 bis 7m 
hoher) schenkeldicker Baumstamm, in den beiden Kreisen von innen nach 
aufsen niedrigere Pfähle, aber sämtlich mit Gabeln am oberen Ende, und 
diese alle radial gestellt Hierauf ward ein beinstarker Kranz aus langen 
biegsamen Ruten zusammengeflochten, welcher dem Durchmesser des 
inneren Kreises entsprach und, in die Gabeln der Stützen gelegt, mit 
diesen zusammengebunden wurde. Er bildet also das runde Rahmstück 
auf den Säulen, gegen welches die Sparren des Daches sich stützen sollen 
und welches gleichzeitig deren obere Enden dem Sparrenschub gegenüber 




Fig. 174. 
Gerüst einer A- Sande - Hütte 
(nach Junker). 



1) Junkers Belsen in Afrika, Bd. II, S. 1T9 ff. 



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fest miteinander verbindet und ein Herausdrücken der Wand verhindert 
Die Befestigung der Sparrstangen erfolgt nun in ebenso einfacher als 
zweckentsprechender Weise. Sie werden nämlich mit den unteren zu- 
gespitzten Enden in das Gefüge des Kranzes hineingetrieben und mit den 
oberen dünnen Enden in die Gabel der Mittelstütze gelegt 

Zur Vervollständigung des Dachgerüstes wurde nun eine Anzahl nach 
oben zu sioh verkleinernder dünnerer Ringe, die man auf der Erde her- 
stellte und dann emporhob, einer nach dem anderen, an alle Sparrstangen 
fest angebunden. So wurde es ermöglicht, allmählich bis zur Spitze die 
Arbeit fortzusetzen ohne irgend ein Hilfsgerüst. Die Zwischenräume der 
stärkeren Sparrstangen wurden nun mit dünneren Stangen in der Art aus- 
gefüllt, dafs diese nach der Spitze zu nicht dick aufeinander lagen, sondern 
nach Bedarf abgeschnitten wurden, nach unten aber bis über den äuferen 
Stangenkreis hinausragten. Auch dieser erhielt einen Rahm- Kranz, an 
welchem das überstehende Daoh befestigt wurde und zum Schlufs die dem 
Mittelpunkt zustrebende Lage von Hölzern eine Querverbindimg und Ver- 
netzung mit Lianen und Ranken. Die über die Gabel der Mittelstütze 
hinausragenden Sparren wurden zum Teil abgeschnitten, zum Teil eingekerbt 
und zu einer Spitze fest zusammengebogen und umwunden. 

Die Hüttenwand ward durch Umgebung des inneren Stützenkreises 
von aufsen und innen mit einem ähnlichen Gitterwerk, wie es das Dach 
bildete, hergestellt und durch Ausfüllung und Bewurf mit breiigem Lehm 
vollständig gedichtet Es fehlte noch die Dachbedeckung. Hierfür wurden 
Festons aus Grashalmen hergestellt, indem immer deren drei bis sechs in 
kleinen Bündchen am Stammende miteinander dicht verknüpft wurden. 
Hiermit bedeckte man das Dachgerüst von unten nach oben , indem man die 
zusammengerollten Festons so auf der Dachfläche abrollte und befestigte, 
dafs die Halmenden glatt nach unten fielen und bei der spiraligen Ab- 
wicklung eine Lage die andere immer um ein Drittel der Halmlänge über- 
deckte. Diese dünne Graslage gewährt einen ungehemmten schnellen Ab- 
flufs des Regenwassers und gestattet andererseits der Luit den Zutritt und 
dem Rauch den Austritt, ist deshalb um vieles dem mit hoher Grasschicht 
belegten Dach der Südafrikaner vorzuziehen. 

Dies ist aber nicht der einzige Unterschied. Die Herstellung der 
Wand aus Stützen , Flechtwerk (oder Schilfbüschel) und Lehmdichtung ist eine 
ziemlich gleiche, ebenso finden wir eine Mittelstütze und einen Kreis Veranda- 
stützen. Aber in der Verbindung des Oberbaues, des Daches, mit dem Unter- 
bau, d.h. mit allen stützenden Gliedern, ist das Bauwerk gänzlich verschieden. 
Ein wesentliches Zwischenglied wird eingeschoben, der Kranz -Rahmen; uud 
um ihn zu halten, müssen die Stützen oben gegabelt sein. Das Dach 



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erhält durch die feste Verbindung der Sparren mit dem Rahmen auch eine 
solche feste FDgung, dafs man es mit diesem aus deu Gabeln lösen und 
forttragen kann (wie Junker es einmal bei den Dinka erlebte); andererseits 
aber, an die Gabeln angebunden, eine so innige Vereinigung mit Wand 
und Stützen, dafs der ganze Bau viel solider ist, als der südafrikanische, 
dessen Dach nur lose aufliegt auf den stumpfen Stützen, wie ein Deckel. 
Es ist mithin die sachgemäße Verwendung der Gabelstütze und die Ein- 
fügung des Rahm -Kranzes, welche die Kegelhütten der Niloten von denen 
der Südafrikaner ganz wesentlich unterscheidet 

Junker baute seine Hütte bei den A- Sande, aber die Bauweise war 
die der Niloten, wie mir Professor Schweinfurth durch genaue Schilderung 
der im ganzen Gebiet der Dinka, Schilluk etc. von ihm beoliachteten Bauten 
persönlich den Beweis erbracht hat Die A- Sande haben sie von den 
Niloten angenommen. 

Die Bauweise der Galla, welche Pauli tschke 1 mitteilt, weicht wieder 
von der der Niloten ab. Die Wand wird durch dicht nebeneinander ein- 
getriebene Baumstämme gebildet, denen man je einen Ast beläfst, um ihn, 
nach dem Mittelpfahl gerichtet, mit diesem zu verbinden. Auf diese Weise 
erliält man ein mit den Stützen unwandelbar, weil von Natur, verbundenes 
Sparrensystsin. Das Dach wird nun eigentümlicherweise noch besonders 
hergestollt, erhält seine durch Kränze miteinander verbundenen radialen 
Stangen und wird mit einer (20 bis 30 cm) dicken Schicht Heu oder Dur- 
rahstroh belegt. Daun hebt man es erst, fix und fertig, auf das Gebäude 
und läfst den Mittelpfahl ein Loch durch das Dach stofsen, was zu einer 
sehr kunstreichen und doch selten gegen Eindringen von Regenwasser völlig 
schützenden Dichtung der Spitzo zwingt 

Man kann hieraus ersehen, welch verschiedene Konstruktionsweisen 
zu so aufserordentlich ähnlichen Bauformen geführt haben. 

Es sei hier noch eine kurze Bemerkung über die Nomadenhütten 
der Somali und Massai angeknüpft. Sie sind des gleichen Ursprungs 
und bestellen aus einem Gerippe mit den Spitzen verbundener und künstlich 
zum Halbkreis gebogener Stangen, über welches Matten oder Felle gedeckt 
werden. Anstatt einer halbkugeligen entsteht aber meist eine gestreckte 
abgerundete Form im Interesse des Raumgewinnes. So zeigen alle diese 
Nomadenhütten, seien es die der Südafrikaner, der Ostafrikaner oder der 
Bewohner der Sahara eine gewisse leicht erklärliche konstruktive Zusammen- 
gehörigkeit. Auch die Hütten der Fulbe und der Tebu sind in dieses 
System einzusehliefsen. 



1) Paulitschke: „Ethnographie Nordost- Afrikas-, S. 128 ff. 



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C) Die Glebeldachhtltten Westafrikas. 

Von der Westküste schiebt sich zwischen die Bautypen Nord- und 
Südafrikas ein ganz neues, auf wesentlich anderen Grundlagen beruhendes 
konstruktives System, das der Satteldachhütten. Es verdankt seine Ent- 
stehung dem tropischen Pflanzenwuchs, ist nur in dessen Bereich in seiner 
Urform zu erhalten und kann bei Anwendung anderen Materials zwar die 
äüfsero Gestalt — rechteckiger Grundrifs mit zwei sich schneidenden 
Dachflächen — beibehalten, nicht aber die Eigenart der Zusammensetzung 
aus Tafeln. 




Fig. 175. 

Hütte der Mangbattu (nach Schweinfurth). 




Fig. 176. 

Hallo der Mangbattu in 1 : 500 (nach Schweinfurth). 



Hierin beruht bei dem Urtypu.s das Charakteristische. Der ganze 
Raumbau wird durch sechs Tafeln gebildet, deren vier die senkrechten 
Wände, zwei die Daeliflüchen bilden. Man stellt diese Tafeln einzeln aus 
leichtem Flechtwerk her, Raphiablattschäfte mit verschiedenen Flecht- und 
Füllmitteln, wie sie gerade zur Hand sind, durch Binden, Flechten oder 
Nähen einheitlich verbunden, stellt sie auf die geebnete, vielfach mit einem 
Estrich versehene Bodenilüche und verknüpft ihre Kanten. Da sie nicht, 
wie alle mit einem tektonisehen Gerüst versehenen Bauwerke, durch Ein- 
graben mit dem Bauplatze fest verbunden werden, kann man diese Bau- 
werke leicht auseinander nehmen und an anderem Orte wieder aufstellen. 

Frobonius, Afrikanische Kulturen. 15 



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Den Beweis lieferte der Mangbattufürst Münsa, als er Sehweinfurth ein 
solches Hans zum Geschenk machte und ihm vor die Thflr setzen liefs. 
An dem Haus dieses Volkes ist die einfachste typische Form am deutlichsten 
zu sehen und die Geschicklichkeit der Erbauer zu bewundern (Fig. 175). 
Sie entwickelten sie zu den ungeheuren Dimensionen grofser Hallenbauten 
von 50 m Länge, 25 m Breite und 17 m Hohe, wobei natürlich die ein- 
fachen sechs Tafeln nicht mehr zu brauchen waren, um einen lialtbaren 
Bau herzustellen. Die Dachtafeln müssen durch starke, sparren- und 
fettenartige Hölzer verstärkt und mittels eines ganzen Systems senkrechter 
Stützen getragen werden (Fig. 176). Auch die A- Sande, die im allgemeinen 




Fig. 177. 

Hütte der Bakongo (nach dem Congo Illustre). 




Fig. 178. Fig. 179. 

Hütte der Bakongo (nach Baumann). Halle der Marundseha (nach Baumann). 



bei ihrer Zerstreuung» über die weiten, von ihnen eroberten Landflächen 
den Baustil der Niloten angenommen haben (sie liefsen sich wahrscheinlich 
durch die Unterworfenen ihre Wohnungen erbauen), behielten den aus ihren 
alten Sitzen näher der Küste mitgebrachten Stil der Giebeldächer in ihren 
Versammlungshallen bei, welche völlig denen der Mangliattu gleichen. 

Nächst den Mangbattu bewahrte die westliche, der Küste nächste 
Völkergruppe den Tafel -Baustil am reinsten. Auch hier wurden nallen- 
bauten wie bei jenen in den fürstlichen Residenzen (nach Wolf bei Lukengo, 
nach Büttner bei Muene Putu) aufgeführt, natürlich auch der Urtypus in 
mancher Weise, dem verschiedenen Geschmack und Bedürfnis entsprechend, 
modifiziert. Eine vielfach angetroffene Abweichung besteht in der Zufügung 
von festen Stützen, aber nicht zur Festigung der Wände, deren Steifigkeit 



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dem Druck des leichten Daches bei den kleinen Dimensionen Stand hält, 
sondern zur Unterstützung des behufs Schattengewinnes (Iber Giebel und 
Längswändo weit überragenden Daches. Es sind deshalb meist nur je zwei 
Stützen vor den Giebeln angeordnet (Fig. 177, 178); weiterhin tritt wohl 
auch eine ganze Reihe Verandastützen vor der Längswand hinzu (Fig. 179). 

Eine wesentlichere Veränderung erleidet das Giebelhaus bei den 
Baschilange. Dem Baluba- Stamm, welchem wir in ihnen begegnen, war die 
früher erwähnte ans der Kugelhütte entwickelte Hüttenform mit quadratischem 
Grundrifs eigen; sie ist auch noch stark vertreten. Dazwischen treten aber, 
namentlich im Norden und südlicher am Kassai und Lulua, viele Giebel- 
häuser auf. Pogge meint, die Kioko, welche solche bauen, hätten sie ein- 
geführt. Wahrscheinlicher ist, dafs sie den nachahmungssüchtigon Baschi- 
lange von den nördlichen Nachbarn, die sämtlich diese Form haben, über- 
kommen sind. Merkwürdig ist es immerhin, dafs die Kioko, ursprünglich 
Nachbarn der Lobale und Bihe, wo sie in den nördlicheren Breiten auf- 
treten, nach Pogges nicht zu bezweifelnder Angabe Giebeldachhäuser bauen. 1 




Fig. 180. 

Hütte der Baschilange; 
zwei Wände im Holzgerüst ohne 
Borken- und I/jhmbekleidung 

(nach Pogges Tagebuch). 




Fig. 181. 

Hütto der Bali ohne Grasdeckung des 
Daches und J/jhmbewurf der Wände 
(nach Zintgraffs Schilderung). 



Die Häuser der Baschilange haben den Tafel -Baustil bereits verlassen. 
Die Wände werden nämlich entweder aus gelenkdicken Holzstäben, welche 
in den Boden gerammt werden, und aus Rindebekleidung, oder aus dicht 
zusammengesetzten Kampincgras- oder Schilfbüscheln, welche natürlich im 
Boden ltefestigt werden müssen, also aus verschiedenstem Material, gebildet 
und meist mit Lehm beworfen. Sie sind nicht im stände, das Dach zu 
tragen und deshalb sind an den Giebelseiten Gabelstützen eingegraben, 
welche eine First fette und bisweilen auch ihr parallele Dachfetten tragen. 
Das Haus ist also hier fest in den Boden gegründet, hat zum Teil ein 
tektonisches Gerüst erhalten und weicht auch dtirch den Putz mit fetter 



1) Pogge spricht zwar in seinem Werko: „Im Reiche des Muata Yamvo* S. 47 
von „Pultdächern u , versteht aber darunter, wio aus verschiedenen durch Skizzen er- 
läuterten Stellen seiner Tagebücher sich unzweifelhaft ergiebt, immer «Satteldächer*. 

15* 



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Erde von dem Stil ab, welcher im Norden und Westen gebräuchlich ist 
Ferner wird unter dem Dach häufig eine Zwischendecke von Palmschaften 
eingeschoben — das ist von der Balubahürte übernommen — , und das 
Dach, fertig geflochten, von den Männern auf den Unterhau aufgelegt. Es 
liegt hier offenbar eine Mischung des südafrikanischen mit dem Giebeldach - 
Stil vor (Fig. 180). 

Eine Parallele hierzu liefern die Stämme, bei denen der Westküsteu- 
stil mit dorn der Nordafrikaner, welcher, wie oben erörtert, in den Be- 
rührungsgebieten viel Lehm verwendet, in Beziehung tritt. In Kamerun 
tritt auf der Wasserscheide des Mungo und Mbia der allmälüiche Wechsel 
eiu. Die bis dahin aus Matten hergestellten Tafel -Häuschen erhalten mit 
Lehm beworfene Wände. Bei den Bali, welche ganz in der Art des West- 
küstenstils auf die im Quadrat zusammengestellten vier Wandtafeln aus 
Bambus vier dreieckige Dachtafeln aufbringen und zur Pyramide miteinander 
verbinden (hier also ein Übergang zum quadratischen Grundrifs), werden 
die Wände mit Lehm beworfen (Fig. 181). 

Die Ranyang unterstützen den Firstbalken ihres Satteldaches durch 
starke Stämme, bilden die Wände ganz als Bambusgitter, bewerfen sie 
aber dann beiderseits mit Ix'hm und bilden aus demselben Material, ganz 
von den Haufsa entlehnt, Sitzbänke mit Armlehnen, die sie schön zu 
polieren und in Farben zu verzieren verstehen. 

Ein Schritt weiter nach Osten führt zu den runden Lehmhütten der 
Sudaner. 

Die östliche Gruppe der Volkerschaften des Kongo -Gebietes, welche 
den Satteldaehstil benutzen, hat ihn weiter umgestaltet, indem sie, mehr 
und mehr aus dem Gebiete der Kaphiapalme heraustretend, den Lehm zur 
Herstellung der Wände benutzte. Es ist zwar noch nicht nachgewiesen, 
ob sie zum Massivbau übergegangen sind oder nur ein tragendes Holz- 
geripjw der Wand mit einem starken beiderseitig* !! Lehmputz versehen, 
wie die Banyang, al.»er der Umstand, dafs sogar auf den Dachflächen bis- 
weilen eiu Lehmbeschlag hergestellt wird, spricht für eine starke Anwen- 
dung dieses Baumaterials. Auch werden die Daehräumo diu-ch Anordnung 
von Zwischendecken vielfach nutzbar gemacht, was auf einen Einflufs der 
Baluba sehücfsen lälst 

Den geographischen Verhältnissen entsprechend ist dieser Baustil, im 
Osten gehemmt durch den grolsen centralen Urwald, nur in dessen süd- 
lichem, lichterem Teile bis etwa lialbwegs zwischen Kongo und Tanganjika 
vorgedrungen, während er im Norden, dem Aruwimi folgend, l»einahe den 
Albortsee erreicht hat, in nördlicher Richtung aber in den Mangbattu seine 
vorzüglichsten Vertreter findet Er erscheint wie ein fremder Eindringling 



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zwischen die nord- und südafrikanischen Baustile hineingeschoben, denen 
er nach Natur seines ursprünglichen und bedingenden Baumaterials ebenso 
fremd gegenübersteht, wie nach der Eigenart seiner Konstruktion. Nur wo 
die Raphiapalme ihm ihr leichtes, geschmeidiges Baumaterial lieferte, konnte 
er sich festnisten, wo er die Grenzen des Palmenwuchses überschreitet, 
artet er aus und greift zur Erde, wie die Nachbarn, um das ungeschicktere 
Gebilde der unfügsameren und plumperen Baumittel zu verbergen. Er ver- 
liert dadurch die Grazie des Ungobundenseins und wird schwerfällig an den 
Bauort gefesselt. 



II. Verbreitung und Verwandtschaft der Hütten. 

Die Darlegung des Architekten scheint mir auch für den ein klares 
Bild zu entrollen, der sich nie vorher mit derartigen Problemen beschäftigt 
hat. Ich wage es, die entscheidenden Momente und Ergebnisse von 
H. Frobenius' Studien hier kurz zu wiederholen, um einen Versuch zu 
machen, die Resultate des Tektonikers von meinem Gesichtspunkte aus dem 
anatomischen Verwandtschaftsproblem noch zugänglicher zu machen. 

Afrika bietet, vor allem vier Elemente der Hüttenbauten. 1. Das 
Emporwachsen der Höhlenbauten. 2. Die aus Baumchen oder Buschwerk 
erbaute Rundhütte. 3. Die von einem Mittelpfahl ausgehende Kegelhütte. 
4. Die aus ungewolbten Flächen zusammengefügte Giebelhütte. — Es gilt 
nun, deren Beziehungen untereinander mit der geographischen Verbreitung 
in Einklang zu bringen. 

Die Erdbauten in ihrer ursj »dinglichen Form sind schwach erhalten. 
H. Frobenius bezeichnet sie als autochthon und die Verbreitung spricht in 
gewissem Sinne dafür, jedenfalls aber für Rückgang und Einschränkung 
einstiger Flächen Verbreitung auf sporadische Enklaven im weiten Gebiete 
eines jüngeren herrschenden Baustiles. Beobachten wir scharf, so erkennen 
wir zwei Extreme, die nicht vollkommen dem Anfang und Ende einer 
lediglich afrikanischen Entwicklungsreihe entsprechen. Am Ende der Ent- 
Wicklung steht der Ziegelbau, und ein Vergleichen des oben Dargestellten 
mit nordafrikanischen (mediterranen) und westasiatischen Elementen läfst 
wohl kaum bezweifeln, dafs die einfachen Erdbauten und die einfache Ma- 
terialanwendung sich unter einem regen äufseren Einflufs emporgeschwungen 
haben, wofür ja vor allem das Eingreifen marokkanischer und ägyptischer 
Baumeister in die innerafrikanischo Kunst bezeichnend ist. 

Aber auch das Aufwachsen des Erdbaues ist kein Geheimnis für 
den emsig Forschenden. Ich glaube nicht, dafs die natürliche Hohle .der 



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— 23Ö — 



nordafrikanischen (Teda etc.) und innerafrikanischen (am oberen Lualaba) 
Troglodyten so bedeutungsvoll für die ersten Höhlenbauten ist wie ein 
Verfahren, welches wir schon in der Tierwelt beobachten können, sich 
nämlich im warmen Sando zu betten. Theopliil Hahn schildert, wie der 
wandernde Buschmann ein Feuer auf dem trockenen Sande entzündet und, 
wenn derselbe eine angenehme Warme angenommen hat, eine Höhlung 
hineingräbt, in die er sieh, mit dem Sande wieder deckend , einbettet. Das 
ist eine nigritische Methode, die zum piimitiven Höhleubau leitet und auch 
dem Australier bekannt ist. Dieser gräbt eine ähnliche Höhle, streckt sich 
darin aus und sucht Deckung hinter einem einfachen Wetterschirme. 

Diesem Entwicklungsgange entspricht die Verbreitung vollkommen. 
Enklavenliafte Reste auf der Nordachse im Gebiet westasiatischen Einflusses 
und dementsprechend entwickeltere Typen. Im Süden bei jenen Völker- 
fragmenten, die so manche nigritische Eigenart bewahrt haben, letzte Spuren 
der ursprünglichsten Form. 

Zum zweiten die aus Bäumchen oder in die Erde gegrabene Stangen, 
die oben vereinigt und verflochten werden, gebildete Rundhütte. Auch 
deren Entstehung vermögen wir bei den Buschmännern zu belauschen, wie 
der treffliche Bericht Fritschs, den ich hier folgen lasse, beweist: Der 
Buschmann begnügt sich auf Wanderungen mit der sehr einfachen Vor- 
richtung, welche auch von anderen Südafrikanern als Notbehelf angewendet 
und in kolonialer Bezeichnung „Seherin" genannt wird. Man wählt einen 
dichten Busch als Schutz, entfernt die überflüssigen Äste, verflieht nach 
der Wetterseite zu die übrigen, zieht sie herunter und verstopft die Zwischen- 
räume mit Reisig, so dafe ein niedriges, überhängendes Schutzdach entsteht, 
unter dem man sicli behaglich zusammenrollen kann; besonders geeignet 
sind dazu die Büsche des Tarchonanthus. 

Der „Seherm" ist derart sehr wohl als Ursprungsgestalt der einfachen 
Kugelhütte aufzufassen. Denn die Kugelhütte ist auch weiter nichts als 
eine Vereinigung einiger im Kreise aufgepflanzten Stangen. Damit stehen 
wir also wiederum einem nigritischen Element im Hüttenbau gegenüber, 
denn der Australier verfährt nicht nur ganz ebenso wie der Busehmann, 
auch hat er nicht nur die gleiche baekofenförmigo Hütte, sondern auch im 
weiten Umkreise der Inselkulturen lassen sich in der Nähe Australiens noch 
viele Spuren dieses Hüttenbaues nachweisen. Denn, wenn wir das Bezeich- 
nende an ihnen heraussuchen, so ist es «las Herauswachsen der Flächen 
aus dem Boden, das Zusammenwachsen in der Mitte, die keines Stützbalkens 
bedarf. Wenn wir bei den südafrikanischen Kegelhütten diese Stütze der 
Mitte doch finden, nun, so hat H. Frobenius uns schon darauf aufmerksam 
gemacht, dass er hier eine andere Rollo spielt wie im Norden, wo er das 



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Leitmotiv der Konstruktion ist, wogegen er hier nur als geeignetes Aus- 
hilfsmittel bei grösseren Bauten dient 

Die dritte Form, die nordafrikanische Kegelhütte, basiert also auf dem 
Mittelpfahle. "Wie ist sie zu verstehen? 

Vergessen wir nicht ihre Verbreitung, auch nicht, daßs ihre Aus- 
breitung auf der Nordachse eine verhältnismäfsig junge ist, denn autochthon 
ist hier der Erdbau; wohl mag dieser die Kegelform beeinflufst haben, was 
aus den Lehmmauern zu schlie£sen ist, aber sonst ist die Kegelhütte ein 
Fremdling, der mit dem eingeborenen Stil nur im Yerhältms angeheirateter 
Verwandtschaft steht. Aber als Fremdling steht er unter seinesgleichen 
nicht allein, denn im Norden ist eine echte asiatische Wohnungsform er- 
kennbar: das Zelt. Vergleichen wir die beiden, so tritt das konstruktive 
Glied des Mittelpfahles als Leitmotiv der Entstehung sogleich hervor. Die 
Verwandtschaft erscheint noch inniger bei Hütten am Ostende dor Nord- 
achse, wo sie mit Fellen oder härenen Decken, dem Lieblingsmaterial des 
Noraaden, bedeckt sind. 

Thatsächlich fallt durch diese Betrachtung ein sehr klares Licht auf 
alle diese Hüttenformen , es zeigt sich eine vorzügliche Entwicklungsreihe. 
Da ist erst ein Nordsaum, auf dem das alte Zelt des Nomaden steht, die 
Urform der Kegelhütte. Daran scldiefst sich die weite Nordachsenverbreitung 
an. Der Mittelpfahl wird das Element einer eigenen Hüttenform. Sein 
Einflufs auf die Südachse emilich macht sich erkennbar in der Verwendimg 
als Hillsmittel. Das ist die Geschichte des MittelpfaMes imd der Kegel- 
hütten, die ich in ihrer nordafrikanischen Hauptform als asiatisch demnach 
erklären kann; dagegen zeigt der Mittelpfahl an der Kugelhütte einen, wenn 
auch abgeschwächten, asiatischen Eiuflufs an. 

Die Übereinstimmung dieser Thatsachen mit den bisher an das Tages- 
licht geförderten ist prächtig. Der asiatische Rundschild und Bogen, das 
Zelt im Norden, der nigritische Stockschild, Erdhöhle mit Kugelhütte im 
Süden entsprechen einander. Nil-, Haufsa-, Somal- Bogen sind die afrika- 
nischen Nachkömmlinge des asiatischen Gerätes. Die Kegelhütte ist eine 
gleiche Erscheinung. Und die Abschwächung asiatischer Merkmale auf der 
Südachse tritt nicht nur an dem Kegeltypus der südafrikanischen Kugelhütte 
hervor, sondern auch am Bogen, am Schilde, in der Trommel etc. So 
stimmen Norden , Süden und Osten sehr gut auf allen Seiten überein. Sollte 
man also im Westen nicht auch die Analogie finden? Ist die Giebelhütte 
Westafrikas malajonigritischen Ursprunges? 

Der vierte Typus, die aus ungewölbten Flächen gebildete Giebelhütte, 
hat mehrere Formen in Westafrika. H. Frobenius hat uns das Wichtigste 
mitgeteilt, aus dem sicher hervorgeht, dafs es sich mn zwei Hauptfonnen 



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handelt: 1. einfache Kartenhauser ohne tektonisches Gerüst; 2. Giebelhäuser 
mit teutonischem Gerippe. Für erstere Form mag Fig. 175, für letztere 
Fig. 180 bezeichnend genannt werden. 

Eine nähere Betrachtung der Gerüste des zweiten Typus ergiebt eine 
sehr einfache Konstruktion. Die Hauptsache ist der von zwei oben ge- 
gabelten Giebelstützen getragene Firstbalken. Dem entsprechen auf jeder 
Seite zwei parallel diesem laufende, niedrigere und ebenso gestützte Balken, 
auf denen der Rand des Daches ruht (vergl. Fig. 182). Hierauf lagert das 
Dach. Auf der Abbildung ist im speciellen noch der Sclüafraum, ein Ver- 
schlag, der die eine Hälfte des Hauses in Anspruch nimmt, angedeutet 
Auf den ersten Blick mag diese Konstruktion als eine der Kartenhausbildung, 
deren Wesen im gegenseitigen Schub und Druck der Flachen beruht, ganz 



von Flechtwerk. Das ist die einfachste Fonn dos Mattenhauses. Daran 
schliefsen sich die Canoesehuppen und verschiedenen Hütten 'Ostmelanesiens 
an. Dio zweite Gestalt ist in Oceanien entwickelter und ausgearbeiteter als 
in Westafrika. Das Dach des Howa- Hauses ruht sowohl bei den Lehm- wie 
bei den Holzbauten nicht auf den Hauswänden, sondern wird liauptsächlich 
von drei hohen Pfosten getragen, die tief in die Erde gegraben sind und 
als Stützen für die Dachfirste dienen. Der eine dieser Pfosten steht in der 
Mitte, die beiden anderen dicht an den Seitenwänden, aber auch im Innern 
des Hauses. Auf Samoa weiden l>eim Hausbau zunächst drei Pfeiler senk- 
recht errichtet, jeder ungefähr 1 m vom anderen entfernt. Auf ihnen ruht 
ein Querbalken, der den First des Daches bildet. Das ist das tektonische 
Gerüst des zweiten westafrikanischen Hüttenstiles. 




fremde erscheinen. Wir verstehen 
diese Entwicklung und Beziehung 
in Afrika nicht, sondern müssen 
uns dahin wenden, wo wir ge- 
wohnt sind, das Verständnis für 
die westafrikanischen Formen zu 
finden, nach Oceanien, im sjieciellen 
nach Melanesien. 



Fig. 182. 

Giebelschnitt einer Balnihütte (nach Dybowski); 
a das tektonische Gerippe dieses Stielos. 



Zunächst möchte ich fest- 
stellen, dafs wir neben anderen 
Typen die beiden westafrikanischen 
Hütteiiformen in Oceanien wieder- 
finden. Ich erinnere an die Feld- 
hütten Neukaledoniens, die nichts 
weiter sind als zwei an der First- 
kante zusammengebundene Platten 



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— 233 — 



Dio zwei Elemente dieser Hüttenformen sind nicht schwer in der 
Entwicklung und Entstehimg zu beobachten. Die einfacheu Platten des 
Kartenhauses dienen bei den ceremoniellen Maskenfesten auf Neubritannien 
und den Inseln der Torresstrafse als Hintergrund Das tektonisehe Gerüst 
ist aber auf die einfachen Plattformen zurückzuführen , die vielfach vor den 
Häusern oder in der Mitto der Dörfer stehen (Dubu und Barla auf Neu- 
guinea), auf denen sich auch oftmals die Hütte erhebt Es sind das mehr 
oder weniger hohe Gerüste, die durch in die Eitle gerammte Pfahle mit 
oberen Gabelenden, in denen die Querbalken liegen, die die Bohlen- oder 
Stangendiele tragen, hergestellt sind. Das ist die Basis der Pfahlhäuser, 
die für das westliche Oceanien so bezeichnend sind. Das Gerüst solcher 
Unterbauten ist mit dem Gesamtbau später verwachsen und haben wir dem- 
nach die zweite Form der beiden fraglichen Hüttenformen auf eine Ver- 
bindung von Barla (der Plattform) imd Wau (der einfachen Mattenwand) 
zurückzuführen. 

Wir können Reste des 
gleichen Entwicklungsganges 
auch im- westafrikanischen 
Kulturkreiso nachweisen. 
Die Plattformen Neuguineas 
— ich nenne sie mit dem 
Worte der Papua „Barla" — 
finden sich im Quellgebiet 
des Kongo (vergl. Fig. 183). 
In mancherlei anderen Ver- 
bindungen, als Steifen der 
Fensterthüren und Unterbau 
der Pfahlbauten lassen sie 

sich herausschälen. Fensterthür und Pfahlbau, echt malajonigritische Kon- 
struktionen, werde ich später zu erörtern haben (vergl. Kap. 9). 

Aber auch sonst beten die malajonigritisehen Parallelen uns in Fülle 
entgegen. Da sind zunächst die runden kleinen Hüttchen, in denen die 
jungen Mädchen, abgeschlossen von der Welt, von der Zeit des Mannbar- 
werdens bis zur Verehelichung ein trauriges Dasein fristen (Neu -Irland und 
Ix>angoküste). Ich verweise ferner auf die Dorfanlage in langen, geraden 
Strafsen, die sowolü im Kongogebiet (auch am Ogowe) wie in Neuguinea 
häufig beobachtet wurde (Fig. 184). Bemerkenswert sind auch die Hallen 
und Hütten in der Mitte westafrikanischer Dörfer, die sowolü den Be- 
ratungen der Männer, als auch als Gasthäuser dienen. Sie erinnern an 
die melanesischen „Klubhäuser" (Fig. 185). 




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— 234 — 



Somit haben wir im westafrikanischen Kulturkroise die malajonigritischen 
Elemente wieder als die typischen und herrschenden erkannt. Das Bild 
der Baustile ist nun vollständig. Von Norden kam das Zelt, das in der 
Kegelhütte des Sudan eine feste, afrikanische Gestalt annahm. Den Bauten 
der SQdachse schenkte es den Mittelpfahl. Vom einfachen Erdlager aus 




Fig. 181. 

Dorfanlage der Manjema (nach Cameruni. 




Fig. 185. 

Dorf der Haseln lange mit Fremden- und Beratungshallc (nach Wilsmann). 



entwickelte sieh der Erdhau, der unter nordischem und nordöstlichem Ein- 
flui's eine merkwürdige Ausgestaltung erfuhr. Erdlager und „Scherm" resp. 
KugelhOtte sind nigritisch. Die Kugelhütte ist in Afrika bedeutend aus- 
gebaut, erweitert und unter asiatischem resp. asiat< »afrikanischem Einflüsse 
mit einem Mittelpfahle versehen worden. Der westafrikanische Kultlirkreis 
bietet die zwei Haupttypen d«>s melanesischen oder malajonigritischen Haus- 
baues: das einfache Mattenhaus und das mit einem tektonischen Gerüst ver- 
s.'hene Satteldachhaus, daneben noch Klubliaus, Pfahlhau, Fensterthür etc. 



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— 235 - 



Systematik. 



A) Die nigrritisehen Httttenformen: 

1. das primitive Erdlager, 

2. der einfache Wetterschirm, 

3. die Kugelhfltte. 



zumal Südaehse. 



B) Die afrikanischen Iliittenformen: 

1. die Kegelhütte des Südens, 

2. die Balubahütte, 

3. die Tembebauten, 

4. die Massai- Gallabauten. 

C) Die asiatischen Hüttenformen: 

1. die Zelte, 

2. die Zelt- oder Kegelhütte des Sudan, 

3. die Somalihütte (Lederdecke), 

4. der entwickelte Ziegel-, Lehm- und Steinbau. 

D) Die malftjonigritlHchen Hütten formen: 

1. das Matten haus, 

2. das Giebelhaus mit Gerüst, 

3. der Pfahlbau (Fensterthürcn). 

Anmerkung: Klubhauser und Barlo. 



Südachse. 



Nordachse. 



Westgebiet. 



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— 236 — 



III. Anhang Uber verschiedene afrikanische Geräte. 

Die Geräte im Innern der afrikanischen Hutten bieten mancherlei wich- 
tiges Merkmal. Ich beschränke mich darauf, das Wichtigste hervorzuheben. 

Unter den Stühlen und Kopf- oder Nackenstützen finden sich 
bemerkenswerte Erscheinungen. Das Wesentliche in der Verbreitung dieser 
Möbel liegt in dem Überwiegen der Sessel und Bänke im Norden, im 
häufigeren Vorkommen der Nackenstützen im Süden. Nackenstütze und 
Sessel mögen meist gleich hoch sein; sie sind aber unterschieden durch 
das Oberteil, das bei dem ersteren Gerät schmal und. lang (dem Zwischen- 
räume zwischen Kopf und Rücken entsprechend), bei dem letzteren aber als 
Fläche ausgebildet ist. Es giebt alle möglichen Übergangsetufen zwischen 
der stützenden Nackenleiste und dem breiten Sesselsitz, aber selbst aus den 
kompliciertesten Zusammensetzungen lassen sich an diesem Merkmale die 
Elemente oft erkennen. 

Ferner kommt die Zahl und Form der tragenden Füfse in Betracht. 
Dem Norden ist der runde Einfufs eigen, dem Süden vor allem Formen 
mit 4 und 2, aber auch mit 3 Beinen. Diese Füfse stehen im Süden da- 
gegen meist noch auf einem Brett, im Norden, wenn es mehrere sind, direkt 
auf dem Boden. Diese Eigenschaft ist sehr wichtig. Denn sie wirft ein 
Licht auf die Entstehungsgeschichte, die ich hier nicht weiter verfolgen 
will, weil wir zu weit ausgreifen müfsten. Ich beschränke mich daher auf 
einige Notizen, denen im nächsten Bande eine eingehende Erörterung folgen mag. 

Unter all den verschiedenen Formen lassen sich bestimmte Leittypen 
erkennen, die ein beredtes Zeugnis für die Abstammung tragen. Auf der 
Nordachse sind die Lehmbänke, die runden Sessel, die zusammengesetzten, 
aus versclmürten Stäben Iwstehenden Sitze (Stuhlformen teils mit, teils ohne 
Leime) etc. asiatischer Herkunft. Im westafrikanisehen Kultlirkreise finden 
sich kunstvoll geschnitzte Nackenstützen und Sessel mit Menschen dar- 
stellenden Filfsen. Auch Tiergestalten sind bemerkbar. Nicht (Las allein 
deutet auf die Verwandtschaft mit malajonigritisehen Elementen (Nacken- 
stützen Neuguineas, Santacruz' etc.), sondern auch das Brett, auf dem die 
Gestalten stehen. Malajonigritischer Verwandtschaft sind aber auch die 
dreibeinigen, mit Aststumpfen versehenen Baumstüekc der Innerafrikaner, 
die als Nacken- und Rückenstützen dienen. In Neuguinea sind gleiche 
Möbel nicht selten. 

Die Südachso zeigt eigene Formen, die malajonigritischen Elementen 
entstammen und teilweise in der Entwicklung den afrikanisch -asiatischen 
Einflufs der Nordachse verraten. Demnächst läfst sich auch hierin der 
Entwicklung!» faden verfolgen, den wir nun schon so oft gefunden haben. 



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— 237 — 



Ferner bietet die Gefäfsindustrie einige wichtige Anhaltepunkte. 
Der Norden nnd Nordosten, in abgeschwächtem Mafse auch der Süden bieten 
Lederschläuche, Fellsäcke etc. Das ist natürlich im Zusammenhange mit 
dem "Wanderzuge der Viehzucht bemerkenswert. 

In der Thonindustrie weisen verschiedene Merkmale (feinere Arten der 
Glasur, Brennverfahren etc.) ebenfalls in diese Entwicklungsrichtung. Die 
Töpferei besitzt im Norden nicht nur reichere Formen, sie ist auch lebens- 
kräftiger. Es giebt für dio Herstellung der Formen mehrere Methoden, von 
denen die westafrikanischen auch nach Melanesien deuten. 

Vor allem aber will 
ich auf einige Thatsachen 
der Flecht- Industrie hin- 
weisen. Es giebt neben 
mancherlei anderer Technik 
zumal zweierlei Flechtweise 
der afrikanischen Körbe. 
Vor allem ist die Flecht- 
weise, die auch den alten 
Ägyptern die geläufige war, 
zu 1 erwähnen (Fig. 186). In umwundenen Ringen oder vielmehr aus einem 
langen umwundenen, in Ringe spiralförmig gelegten Bande ist der Aufbau 
vorgenommen. Nord-, ost- und auch südafrikanische Körbe sind in dieser 




Korb der Baschilange (Museum für Volkerkunde in Leipzig, Slg. Kongostaat): 
a Flechtmuster, b oberer runder Rand, c der viereckige Boden. 

Weise hergestellt. Auch bietet Westafrika einige Formen dieser Art Doch 
treten sie zurück gegenüber anderen Typen, deren Konstruktion aus Fig. 187 
ersichtlich ist. Es ist das gleiche Flechtwerk, das auch in der Südsee 
heimisch ist. Noch auffälliger wird die Ähnlichkeit dadurch, dafs in West- 
afrika und in Oceanien der Boden viereckig, die Öffnung aber rund ist 
Ich möchte die Methode auf die Mattenflechterei zurückführen. Und das 
ist wiederum ein wichtiges Merkmal, demi welche Bedeutung im Hauslialte 




Ägyptischer Korb aus dem neuen Reiche 
(flgypt Museum in Berlin). 



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— 238 — 



der Malajonigriticr Afrikas und Oceaniens die Matten spielen oder in alter 
Zeit gespielt haben, geht daraus hervor, dafs sowohl Westafrika als das Öst- 
liche Melanesien die Analogie des Mattengeldes bietet. 

Auch auf eine Parallele unter den Holzgefäfsen will ich hinweisen. Die 
so oft und so vielen schon aufgefallenen Hölzbecher des Kassaigebietes , die 

teils einen Mensehenkopf, teils feingegliederte 
Ornamentik bieten, dürfen auch als malajo- 
nigritisehen Ursprungs bezeichnet werden, denn 
gewisse Becher Oceaniens, welche die Tätto- 
wierungsfMssigkeit enthalten, bieten bei gleicher 
Form die gleiche Ornamentik, die vorzüglich 
auf Flechtwerk zurückzuführen ist (Fig. 188). 

Zum Schlüsse noch eine molajoni gritische 
Parallele: die Bambusgefäfse, die aus einem 
Holzgefäfs Von dTn Salomonen Stück Bamb « srohr ^stehen, welches oben und 
(nach Edge Pardington). unten d,,roh eine Scheibe aus Kürbisschale 

geschlossen ist. 

Endlich wollen wir noch einen Blick auf das afrikanische Rauch- 
gerät werfen. Es ist eines der merkwürdigsten Probleme, ob die Afri- 
kaner die Bekanntschaft mit der Tabakspfeife den Euroiväern verdanken oller 
nicht, denn es zeigt uns, wie schwer es bisher fiel, in dem Sittengemälde 
im Gesamtbilde der Kultur die Perspektive zu erkennen, die in ihm liegt 
Vielleicht vermag uns eine Untersuchung der Rauchgeräte, der Pfeifen, mehr 
zu verkünden als der Afrikaner selbst erzählen kann. 

Zunächst ein Fall, der auf das Erfindungstalent der Schwarzen ein 
Licht wirft. Einst pilgerte Glave mit seiner Expedition durch die Gefilde 
um Lukolela. Tabak war in Fülle geboten, aber die Leute hatten ihre 
Pfeifen vergessen. Dem grofsen Yerdrufs darob machte ein erfinderischer 
Jüngling endlich ein Ende, indem er in den Pul verbehält er des Flinten- 
rohres Tabak stopfte, diesen anzündete und den Rauch durch die Öffnung 
am anderen Ende desselben einsog (Fig. 189). Das ist eine erbt moderne 
und ebenso echt afrikanische Erfindung, die niemals im wahrhaftigen, sondern 
vielmelir im Umgestalten nach praktischen Grundsätzen beruht. 

Im übrigen möchte ich die afrikanischen Pfeifen in vier Gruppen ein- 
teilen, von denen die eine sofort als asiatisch, eine zweite sogleich als 
afrikanisch gedeutet werden mufs. Asiatisch ist nämlich fraglos die Wasser- 
pfeife, die sich fast überall im Osten und auch im Korden findet. Eine 
Kalabasse oder ein Antilopen- resp. Ochsenhorn enthält das Wasser. Ein 
Mundstück ist auf der Seite eingefügt; der Tabak ruht in einem meist oben 
aufgesetzten Trichter. Die Verbreitung dieser Geräte geht, wie gesagt, 




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— 239 — 



von der Ostseite des Erdteiles aus, reicht aber weit nach Westen und 
Süden. 

Afrikanisch dagegen ist das Erdrauchen, welches in Südafrika weit 
verbreitet ist. Der Raucher knetet auf dem flachen Boden Lehm zu einer 




Fig. 189. 

Neger, aus der Flinte rauchend (nach Glave). 



Form, die einem Backofen im kleinen nicht unähnlich ist. Wo bei einem 
solchen der Schornstein liegt, befindet sich hier eine kleine Höhlung zur 
Aufnahme des Krautes, von welcher ein Kanal durch die Lehmmasse zur 




Fig. 190. 

Aus dem Erdhaufen rauchender Südafrikaner (nach Emil Holub). 



anderen Seite führt. An diese Öffnung (der Thür des Backofens ent- 
sprechend) legt der Raucher, sich flach auf den Bauch niederwerfend, den 
Mund und saugt den Qualm ein (Fig. 190). Diese Methode ist afrikanisch; 
ob es eine primäre Form ist, die mit der Entstehung der Sitte überhaupt 



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— 240 — 



191. C 



102. C 




in Zusammenhang steht, oder ob diese Methode mit der Erfindung der 
Flintenpfeife auf eine Stufe 211 bringen ist, werde ich später zu erörtern haben. 

Von den zwei übrigen Gruppen der Tabakspfeifen mufs besonders eine 
unser besonderes Interesse in Anspruch nehmen. Schweinfurth und Stulü- 
mann haben darüber eingehend berichtet. Die Manghat tu rauchen den Tabak 
aus einem Apparate höchst primitiver Art; die lange Mittelrippe eines 
Bananenblattes dient als Rohr, nachdem sie der Dinge nach vermittelst eines 

Stockes durchstofsen worden 
ist; kurz vor dem unteren 
dickeren Ende derselben wird 
dann ein kleiner Einschnitt 
gemacht, welcher das durch- 
bohrte Innere freilegt. In 
diesen Einschnitt steckt man 
eine mit Tal»ak angefüllte 
Tüte, aus dem Blatte der- 
selben Pflanze geschnitten, 
und wechselt beim jedes- 
maligen Gebrauch mit dem 
Tabak zugleich auch die Tüte 
(Fig. 193). Derartige Pfeifen- 
rohre sind bei den Mangbattu 
so beliebt, dafs Vornehme 
dieselben sogar aus Eisen und 
Kupfer nachformen lassen, 
der Tabakstute aber immer 
den Vorzug vor einem soliden 
Pfeifenkopfe geben. Die letz- 
tere Mitteilung ist wichtig. 
Aus ihr erkennen wir schon 
den Anfang der Nachbildung, 
die in Holz und Thon 
(Fig. 194 und 195) erfolgt. 
Pfeifen dieser Art finden sich 
im ganzen westafrikanischon 
Kulturkreise. Man erkennt 
die Abstammung an vielen 




194. p: 




19"). 



X 



Fig. 191. Bambuspfeife (Baubau) von Neuguinea 
(nach Schmeltz). Fig. 192. Baubau mit Thoneinsatz 
(nach Chalmors und Gill). Fig. 193. Tabakspfeife 
aus einor Bananeurippe dor Waldvölker am Ituri 
(nach Stuhlmann). Fig. 194. Holzpfeif c vom Njassa 
(Leipziger Museum). Fig. 195. Tabakspfeife mit 
Thonkopf vom oberen Ituri (nach .Stanley). 



Dingen, zumal daran, dafs der Kopf nicht ganz am Endo angebracht ist, dafs 
das Ende des Pfeifenrohres auch durchbohrt ist (Bali, Pougwe, Sande etc.) 
und an anderen Merkmalen. Schon die Verbreitung deutet darauf hin, dafs 



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— 241 — 



diese Pfeife aus der Bananenrippe malajonigritisch und oine Verwandte der 
„Baubau 44 genannten Bambuspfeife Neuguineas ist. Diese bestellt aus einem 
Bambusrolire, welches kurz vor dem Ende eine Öffnung trügt In diese 
wird eine gleiche Tüte (Fig. 191) oder ein den Tabak tragender Thontrichter 
(Fig. 192) eingefügt. Also vollkommene Identität. Nebenbei bemerke ich, 
dafs diese den Tabak enthaltende Tute wahrscheinlich die Mutter der Cigarre 
ist, so dafs man im Streben nach deutschen statt fremden Worten diese 
vielleicht als ,, Rauchtüte u bezeichnen kann. 

Die vierte Gruppe der meist thönernen Pfeifenköpfe ist von der vorigen 
dadurch unterschieden, dafs der Kopf wie das trichterförmig erweiterte Ende 
des Kohres ausgebildet ist, welcher umgebogen allerdings nicht senkrecht 
sich auf dem Rohre erhebt, sondern in abweichenden Winkeln. Wahr- 
scheinlich ist die gröfsere Menge der Formen dieser Art auf asiatische, eine 
kleinere (die südafrikanischen zumal) auf europäische Einwirkung zurück- 
zufahren. 

Wir sehen jedenfalls, dafs wir auch lüerin alle Elemente der afri- 
kanischen Kultur aufdecken können, dafs das Tabakrauchen oder vielmehr 
das Rauchen Aberhaupt — denn der Tabak braucht absolut nicht gleichzeitig 
mit der Pfeife eingebürgert oder die Pfeife als Behälter gerade dieses Rauch- 
krautes entstanden zu sein — in Afrika länger heimisch ist als dio euro- 
päische Kultur. Denn die westafrikanischen Pfeifen sind zumeist malajo- 
nigritischen Ursprunges. 



Fr oben tu?. Afrikanische Kulturen. 16 



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m. 

Physiologische Untersuchung des afrikanischen 

Kulturbesitees. 



16* 



8. Die Ergebnisse der anatomischen Untersuchung. 

(Vergl. Kartenblatt 1, Nr. X; 2, Xr. XV und XX.) 



Der morphologische Bau der afrikanischen Kulturen, wie ihn Geschichte, 
Staat engebildo und Gesamthabitus erscheinen lassen, ist oben folgendor- 
mafscn dargelegt worden. Der Nord-, Nordost- und Ostrand des Erdteiles 
sind die Verbindungszonen, die den Übergang der mediterranen, wcst- und 
südasiatischen Kulturen zu den afrikanischen darstellen. Zwei Hauptachsen 
bedingen die Kulturentwicklung der Afrikaner: die Nordachse, die den Nil 
mit Senegambien verbindet und die Südachse, die die Strafse zwischen Süd- 
spitze und Nilquellgebiet darstellt. Von der Südspitze aus mündet ein 
Nebenarm der Völkerströmung in das obere Sambesi- und südliche Kongo- 
gebiet. Des weiteren ist noch eine Verbindungslinie, eine Achse zweiten 
Grades an Bedeutung zwischen dem Ostgebiet der Konlachse und den nörd- 
lichen Auslaufern der Südachse zu verzeichnen. Die Westküste ist als Rand 
der alten Ökumene ein Ablagerungsgebiot, zu dem auch das ganze Kongo- 
becken zu rechnen ist. Dies Gebiet ist in drei Provinzen zu zergliedern: 
Nonlguinea, das Kongogebiet mit der Siidguineaküste bis Benguela und 
Sud westafrika. Ersteres ist durch Beziehung mit der Nordachse, das zweite 
durch grofsen Reichtum und Beziehung mit beiden Achsen, das dritte durch 
Armut und Beziehung zur Südachse gekennzeichnet (vergl. Fig. 2). 

In welchem Verhältnis steht nun der anatomische zu dem so skizzierten 
morphologischen Bau? 

Wir haben im anatomischen Teile die Schilde, Bogen, llolzwaffen, 

* 

Messer, Beile, Saiteninstrumente, Trommeln, Holzpauken, Hütten, Sessel, 
Nackenstützen, Gefäfse und Tabakspfeifen mehr oder weniger eingehend 
erörtert und wollen die Ergebnisse der Untersuchung hier kurz wiederholen, 
um mit dem Vergleich der äufseren (morphologischen) und inneren (ana- 
tomischen) Gestaltung ein Fundament für die Prüfung der Lebensformen, 
des physiologischen Baues der Kulturen zu gewinnen. 

Die Schilde boten drei Elemente: 1. den nigritischen Stockschild, 
2. den asiatischen Rundschild und 3. den malajonigritischen Korb -Holzschild. 
Der eigentlich afrikanische Fellschild ist nichts anderes als eine Fort- 



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— 246 — 



entwicklung dos Stockschildes in der Richtung zum asiatischen Rundschilde. 
Dieser dagegen nimmt einen lockereren und abgewandelten Typus an, je 
weiter wir uns von der Verbindungszone mit Asien aus auf den Achsen 
entfernen. Während der nigritische Stoekschild ein knüppelhaftes Dasein 
in toten Winkeln, abgelegenen Gegenden fristet, lebt der allerdings eben- 
falls bis auf das westliehe Ablagerungsgebiet zurückgedrängte Korb -Holzschild 
in fröhlicher Entwieklung. 

Die Bogen boten zwei Elemente: 1. den asiatischen zweischenkligen 
Bogen mit der tierischen und 2. den malajonigritischen einfachen Bogen 
mit der pflanzlichen Sehne. Der asiatische Bogen beherrscht die Nord- und 
Verbind ungsachse. Je weiter er sich vom Norden entfernt, desto einfacher 
wird er. Mit Verlust bestimmter Merkmale stellen sich festere Typen ein, 

i 

die im Kranze das eigentliche Gebiet der asiatischen Bogen umlagern und 
den Übergang zum ost- und südafrikanischen Typus bildon, der in letzter 
Instanz als stark abgeflachter asiatischer Bogen zu bezeichnen ist Dagegen 
blüht das malajonigritische Element im westlichen Gebiet Der Formen- 
reichtum ist ein aufserordentlicher. Die Verbreitung der Typen ist eine 
fast willkürliche in diesem Gebiet. 

Die Holz waffen boten das farbenreichste Bild. Sie sind sehr ver- 
schiedener Natur. Zuerst die Wurfgeräte: Wurfkeule, Wurfstab und Wurf- 
holz. Jedes hat sein eigenes Verbreitungsgebiet, keines duldet anscheinend 
ein zweites in gleichwertiger Stellung neben sich. Die ersten beiden gehören 
dem Süden, das Wurfholz (Bumerang) zumal dem Norden an. Das Wurfholz 
hat sieh auf der Nordachse nicht nur erhalten, sondern auch einen Nach- 
kommen gezeitigt: das Wurfeisen. Dasselbe gehört als praktische Waffe nur dem 
Norden an, je weiter es sich nach Süden bewegt, desto mehr nimmt seine 
primäre Bedeutung ab. 

Die Messer zeigten eine reiche, aber übersichtliche Formfülle. Ein 
Teil ist echt asiatisch oder auch mediterran: Schwert. Stilett, Säbel. Sie 
werden auf der Nordaehse und natürlich der Verbindungszone mit Asien 
geführt. Das eigentlich afrikanische Messer dagegen ist nichts als eine 
abgebrochene Speerspitze. Dagegen entstammen die wunderlichen Fonnen 
Westafrikas zwei Holzwaffen, der Ruderkeule (resp. Ruders]>eer) und dor 
gebogenen Blattkeule. Beide sind malajonigritischen Ursprungs. Nigritisch 
von allen diesen Waffen sind nur Wurfkeiüe, Wurfholz und Wurfstab. 

Die Beile Nordafrikas sind auf ein asiatisches Gerät zurückzuf ühren : 
dio Hacke. Das westafrikanische Beil ist malajonigritischen Ursprungs. 
Es ist aus dem mit aufgebundener Muschel- oder Steinklinge versehenen 
„Steinbeil** hervorgegangen. Die ost- und südafrikanische Axt ist walir- 
scheinlich der Nachkomme eines nigritischen Gerätes (Fig. 86.) 



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— 247 — 

• 

Die Saiteninstrumente zeigen Verwandtschaft mit dem Bogen. Die 
asiatischen (Violine, Guitarre) zeichnen sich durch tierische Saiten und einen 
Fellkasten, dazu Wirbel und Fehlen des Steges aus. Die Verbreitung der- 
selben ist wesentlich nordafrikanisch. Die malajonigritischen Saiteninstrumente 
sind durch die pflanzlichen Stoffe gekennzeichnet. Die Bambuslaute ist ein 
Ausgangstypus, Ganze Reihen von Formen schliefsen sich an sie an, unter 
denen die Tangola abermals der Knotenpunkt neuer Verzweigungen geworden 
ist. Sie alle gehören aber dem westafrikanischen Kulturkreise an, mit 
Ausnahme abgeflachter Typen: Gubo und Gora, das sind Süd- und Ost- 
afrikaner. Andere Instrumento, wie die Negerzither, entspringen ebenfalls 
malajonigritischen Elementen: dem gesplitterten Bambus. Im westafrikanischen 
Kulturkreise ist das schwirrende Stäbchen noch aus Pflanzenmaterial, im 
Osten und Süden aus Eisen gebildet. 

Die Trommeln können in Afrika in der Entstehung beobachtet 
werden. Ihre ürsprungsgeschichto beginnt in der Fellbearbeitung, deren 
gleichmäfsigo und gemeinsam unternommene Schlagthätigkeit die Freudo am 
Rhythmus wach ruft. Wir sehen diese einfachen Felltrommeln ohne Re- 
sonanzboden im Süden. Dem Norden zu mehren sich Arten der Schallkörper, 
die zuerst Kalabasso, Topf und Mörser sind. Dieser Zunahme nach Norden 
entspricht die Abnahme asiatischer Trommelformen, die auf der Nordachse 
eingebürgert sind (thönerne Standtrommel, Kesselpauke, Tamburin oder 
Schamanentrommel), dem Süden zu. Man wird in Zukunft jüngere und 
ältere oder west- resp. ostasiatische Formen aufserdem unterscheiden müssen. 

Die Holzpauken führen uns zurück bis auf ein nigritisches Element, 
den Klangstab. Seine Verbreitung in Afrika ist keine einheitliche. Nur 
liier und da ist er anzutreffen. Die Malajonigritier haben dies einfache 
Element durch Nebeneinanderbinden verschieden abgestimmter Hölzer zu 
einem vollendeteren Instrument erhoben, das sich unter dem Namen Marimba 
zumal im westafrikanischen Kultlirkreise eingebürgert hat. Auch die in 
gleichem Gebiete heimische Holzpauke ist malajonigritisch. Sie entstammt 
der Bambustrommel. 

Die Hütten bieten ein besonders klares Bild der Entwicklungsgeschichte. 
Im Norden der Nordachse sind das Zelt mit Decke aus Kamolshaaren und 
der Stein- sowie Ziegelbau asiatisch und mediterran. Das Zelt ruft auf 
der Nordachse die Zelt- oder Kegelhütte hervor, deren wichtigstes Kon- 
stniktionselement, der Mittelpfalil auch von den Völkern der Südachse, aller- 
dings als Konstniktionsglied an Bedeutung zweiten Grades übernommen 
worden ist. Die Südafrikaner dagegen bauen zunächst eine Hütte nigri tischen 
Ursprunges: die Kugelhütte. Auch das hier zuweilen angetroffene Erdlagor 
ist nigritisch. Eine ausgearbeitete Form desselben im Sudan dürfte unter 



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— 248 — 



nordöstlichem Einflüsse entstanden sein: der Erdbau. Der westafrikanische 
Kulturkreis bietet inalajonigritische Hflttenstile. L)a ist zuerst die Matten- 
hütte, dann die unter Einflufs der Daria (Plattformen) entstandenen Giebel- 
hütten mit tektonisehem Gerüst und Pfahlbauten. 

Stühle und Sessel dringen von Norden, Nackenstützen von Süd- 
westen vor. Erstere haben, oben meist breite Platten und 1 oder 4 Fiifse, 
letztere 2, 3 und 4, dazu eine Platte unter und ülier sich häufiger 
schmale und lang»? als flächenartige Auflagen. Im westafrikanischen Kultur- 
kreise treten die malajonigritischen Elemente besonders hervor. Tiere und 
Menschen sind in ihnen häufig dargestellt. 

Unter den Gefäfsen weisen die Ledersäcke des Osthornes und der 
Nordachse, vielleicht auch der Südafrikaner nach Asien, die geflochtenen 
der AVestafrikaner zum Teil nach Oeeanien. Auch die Holzbeeher mit Flecht- 
ornament und Menscliengesicht. sind malajonigritisch. Sie finden siel» im 
Kerngebiet der westlichen Ablagerungszone. 

Die Tabakspfeifen lassen sich im wesentlichen auf vier Elemente 
zurückführen: 1. den Erdofen, der von Völkern der Südachse angewendet 
wird; 2. die Wasserpfeife, die fraglos asiatischen Ursprungs ist und sich 
von der Ostküste aus verbreitet hat; 3. die Thonpfeife, die auf die am 
Kopfstikk trichterförmig verbreitete und umgebogene Thonröhre und ihrer 
zumal nöi-d liehen und östlichen Verbreitung wegen auf asiatischen Einflufs 
z»irüekzuführen ist; 4. die aus einer Bananenrippe hergestellte Pfeife ohne 
Kopf, die mit dem Tütenkopf versehen winl. Diese ist vorzuglich west- 
afrikanisch, hat hier viele Nachbildungen in Holz, Thon und sogar Metall 
hervorgerufen und ist ein malajonigritisehes Element. Ihr Vorfahr ist die 
Bambuspfeife, der Baubau auf Neuguinea. 



Diese Verbreitung lehrt uns vor allem das kennen, was allein als 
Basis der ganzen Kulturlehre dienen kann: 

Die Verbreitung der einzelnen Elemente gemeinsamer Ver- 
wandtschaft ist keine willkürliche, sondern es liegt ihr eine be- 
stimmte Gesetzmäßigkeit zu Grunde. 

In nachstehender Tabelle l (auf Seite 2f)0 und Seite 2f>l) sind die 
wichtigsten Züge des anatomischen Baues des untersuchten afrikanischen 
Kulturbesitzos zusammengestellt. Es handelt sich um nigritische, malajo- 
nigritische und asiatische Abstammung, sowie um eigentlich afiikanische 
Schöpfungen. Als nigritisch sind jene Reste einer älteren oder vielmehr 
sehr alten Kulturepoehc bezeichnet, die sich vor allem auch in Australien 
und den Gebieten Oeeaniens finden, die einen Rest Instand der alten 



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— 249 — 



Kultur vor der malajonigritischen und malajopolyncsischen etc. Wanderung 
aufweisen. Das Merkmal ist die ärgste Verkümmerung. Als malajonigritischen 
Kulturbesitz bezeichne ich jene Elemente, die vor allem Melanesien so gut 
bewahrt hat und die auch im Besitze jüngerer oceanischer Kulturen noch 
als zum grüfsten Teil zurückgedrängte Elemente mit gefunden werden. Ich 
kann erst in dem Oceanien gewidmeten Bande eingehend die Unterschiede 
nigritischen, malajonigritischen und malatschen Kulturbesitzes erörtern. 

„Asiatisch" ist ein zunächst sehr weiter Bogriff. Dafs unter dieser 
Flagge in dem vorliegenden Bande noch eine Reihe verschiedener Kultur- 
verwandter segelt, ist nicht zu leugnen. Nur einmal ist darauf hingewiesen 
worden, nämlich gelegentlich der Entwicklung der Trommeln. "Wir unter- 
schieden da süd- und westasiatische Formen. Auch das ist provisorisch. 
Es wird schwer sein, zu unterscheiden, was indischen, was babylonischen, 
inner- und ostasiatischen Ursprungs ist, aber nicht unmöglich. Zuletzt 
ist wohl auch dieses alles auf zwei Kulturformen zurückzuführen, die 
eigentlich asiatische und die indisch - chinesische. Aber erst später kann 
die Trennung durchgeführt werden. — Am einfachsten gestaltet sich noch 
die Erklärung des „Afrikanisch 11 , wie sich sogleich ergeben wird. 

Bemerkenswert und von sehr grofser Bedeutung für die Frage nach 
dem Alter der Kulturen ist vor allen Dingen, dafs sich bei den einen kräftige 
Entwicklung, bei den anderen Stillstand und Verkümmerung erkennen läl'st. 
Nämlich die nigri tische und malajonigritische Kultur haben nicht das aus- 
schlaggebende Merkmal einer bestimmten Richtung der Entwicklung gleich- 
zeitig im Wesen und der Verbreitung. Das zeichnet nur die asiatischen 
und afrikanischen Kulturen aus. Wir sehen von Norden und Nordosten 
das Zelt, den asiatischen Bogen, den Rundschild in heimatlicher Gestalt 
(asiatisch!) heranziehen, im Süden sich abschwächen, einbürgern und im 
afrikanischen Besitze aufgehen. Dieser aber hat im Zulu -Schild, und in der 
Zulu- (Süd-) Kegelhütte Merkmale des selbständigen Auf Wachsens, das, je 
weiter sie nach Norden dringen, die asiatische Anregung verrät. Also 
Regelmäfsigkeit, Gesetzmäßigkeit und bestimmtes Verhältnis zwischen geo- 
graphischer Verbreitung und anatomischem Bau. Demgegenüber bezeichnete 
ich den malajonigritischen Kulturbesitz „charakterisiert durch üppige Form- 
fülle bei Ungeset/mäfsigkeit iu der Verbreitung 11 , nämlich im Kreise des 
Ablagerungsgebietes. 

Und die Frage, ob sich die äufsere, morphologische, und innere, ana- 
tomische Gestaltung entsprechen"? 

Wir können sie vollkommen bejahen. Dem asiatischen Kulrurbesit/.e 
der Nordachse entsprechen die Reiche Nordafrikas, dem afrikanischen die der 
Südachse. Das Gebiet der Ablagerung, der westafrikanische Kulturkreis, ist 



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— 250 — 

Die afrikanischen 



Lebensform 


Lage 


1. Nigritische Kultur 


L Verkümmerung und Still- 
stand in Wesen und Ver- 
breitung (Holz- und Bam- 
buskultnren). 

Anmerkung: Entwicklung 
der Formen ohno Beziehung zur 
geographischen Verbreitung. 




A) Sporadisch verteilte Reste 
ohne bestimmte Verbrei- 
tungstendenz. 


1. Stockschild. 
3. Wurfkoule, Wurfstab. 
Wurfholz. 

5. Klangstab. 

6. Wetterschinn, Kugel- 
hütte, Erdlager. 


4 

B) Verbreitung über das 
westliche Ablagerungs- 
gebiet. Belanglose Beste 
an der Ostküste. 




II. Kräftige Entwicklung in 
Wesen und Verbreitung 
(Leder- u. Fellknlturen). 

Anmerkung: Entwicklung 
dor Formen <<ntspr<>dH>n>l dor geo- 
graphischen Verbreitung. 




A) Verbreitung über die 
Nurdnchse. 




B) Verbreitung über die 

Südachse. 





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— 251 — 



Kulturen. fTabelle L 



2. Malajonigritische 
Kultur 


3. Asiatische Kultur 


4. Afrikanische Kultur 




• 

• 




1. Korbschild. 

2. Bambusbogen. 

3. Bambusmesser, Blatt- 
keulenmesser, Ruder- 
RDBfir Rtidormpsspr 

4. Bambuslaute etc., Tan- 
gola etc. 

5. Bambustrommel, Holz- 
pauke, Marimba. 

6. Mattenhütte. Pfahlbau. 
Ad hang: Bananenanbau, 

Mattentracht, Bambuspfeif o, 
Schilfpfeil etc. 









1. Loder -Rundschild. 

2. Ledorbogen. 

3. Schwert, Säbel, Stilett 

4. Violine, Guitarre. 

5. Thönerne Standtrommel, 
eiserne Kesselpauke, Tam- 
burin etc. 

6. Zelt, Zelthütte, Ziegel- 
und Steinbau. 

A n h a n g : Hi reebau, Pflug, 
Rind Viehzucht, Ledertracht, 
Lederpfeil etc. 


3. Wurfeisen. 






1. Fellschild.- 

2. Abgeflachter Bogen. 

3. Speerspitzenmesser. 

4. Gubo, Gora. 

5. Felldecke als Trommel; 
Mörser-, Topftrommel. 

6. Südliche Kegelhütte. 

• 



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ausgezeichnet durch das Fehlen der gröfseren Staatenbildungen und den 
entschieden malajonigri tischen Bau. In Pctcrmanns geographischen Mit- 
teilungen ist in der kartographischen Methode (die Überdeckkarten, vergl. 
Kartenblatt X, XV, XX) gezeigt, wie weit der anatomische Bau einheitlich 
malajonigritisch ist. 

Mit dieser Übereinstimmung des Entwicklungswesens und der Ver- 
breitung, der morphologischen und anatomischen Gestaltung ist die Klnrlegung 
des physiologischen Baues, der Lebensformen erreioht. Denn: 

Ich ging von dem Hinweis riarauf aus, dafs die Kulturen in vielen 
Dingen den organischen Lelieweseu glichen, dafs sie nämlich eine Geburt, 
ein Heranreifen, eine Blütezeit, ein Greisenalter und ein Hinscheiden er- 
führen. Und alles das hinge ab von den Lebensbedingungen. Es Hefa» 
sich sagen, so wurde behauptet, dafs die Kulturen einer Kulturverbindung 
ihr Leben verdankten. Und nun haben wir vier Kulturen kennen gelernt, 
die uns zeigen, wio das zu verstehen sei. Wir sehen eine greise Kultur, 
die uigritische, im Zusammenbruche, nicht mehr lebenskraftig. sondern 
entnervt. Mit der Kraft des Mannesalters bricht die asiatische Kultur 
von Norden herein und da, wo sie noch das uigritische Lel*m antrifft, im 
Süden, vereinigen sich beide und geben der eigentlich afrikanischen Kultur 
das Leben (Schild der Zulu und südafrikanische Kegelhütte !). So offenbart 
sich dieses Kleeblatt vollkommen. Viel schwerer ist es. die malajonigritische 
Kultur in ihrer Entwicklungsgeschichte klar zu erfassen. Ihre Lebens- 
bedingungen sind ganz andere, ihre Entstehung liegt aufserhalb Afrikas. 
Das geht aus dem Fehlen der ge« .graphischen Entwicklungstendenz hervor. 
Wir können aus dem anatomischen Bau den Schlüte der ozeanischen Ver- 
wandtschaft ziehen. Und die Übereinstimmung wird bedeutungsvoll durch 
die sporadisch verteilten Trümmer des in jüngerer Zeit von der afrikanischen 
Kultur überfluteten Ostens (Bambustrommel! Pareschild! Sambesibogen! etc.). 
Denn diese Trümmer und der Charakter der Einschnürung des west- 
afrikanischen Kulturkreises weisen auf eine alte Wanderstrafse, die einer 
schwer aus dem anatomischen Gerüst zu schlielsenden Verbindung zwischen 
Westafrika und Melanesien entspricht. 

Während uns nun die Jugend der afrikanischen und der im Anwachsen 
begriffenen asiatischen Kulturen keinerlei Rätsel über Kraft und Elast ici tat 
bieten, lageit ein tiefes Dunkel über der Vergangenheit der nigritisehen 
Kulturen. Es ist unsere wichtige zweite Aufgabe dieses Bandes, über die 
Lebensform der malajonigritischen Kultur schon festzustellen, was sich 
hier am Westrande der alten Ökumene über sie erkennen läfst Wir werden 
dabei den Blick des öfteren nach der Metropole dieser Kultur, auf die Kultur- 
pflanze in Oceanien, werfen müssen. Das grofse Problem liegt nämlich 



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— 253 — 



darin, dafs hier auf dem Kontinente ein Nachkomme der insularen Mutter- 
kultur existiert. Deshalb fasse ich den Gegensatz so, dafs die ursprünglich 
kontinentale auf kontinentalem Boden fortgepflanzte asiatische Kultur der 
ursprünglich insularen auf kontinentalem Boden fortgepflanzten raalajonigritischen 
Kultur gegenübergestellt wird. In dem den oceanischen Kulturen gewidmeten 
Bande wird der umgekehrte Fall zu beobachten sein, nämlich das Gegen- 
überstehen einer ursprünglich kontinentalen in insulare Verhältnisse und 
einer ursprünglich insularen in wiederum insulare Verhältnisse verpflanzten 
Kultur. 

Es wurde oben (Kap. 1, S. 7/8) Übertragung nnd Verpflanzung unter- 
schieden. Jotzt ist es möglich beider Erscheinungen Wesenszug festzustellen. 
Übertragen ist die asiatische Kultur in Afrika. Das Centrum des voll- 
erhaltenen Kulturbesitzes ist von einer Zone von abgeschwächten Formen 
umgeben. Merkmale sind der Riesenrundschild , der seine wesentliche 
Eigenschaft der Wölbungselasticität infolge der übermäfsigen Vergröfserung 
aufgegeben hat (Fig. 9); dann die noch stärker degenerierten Formen wie 
Massai-, Schuli-, Dinka- Schild, d. s. nigritische Formen mit asiatischen 
Merkmalen. Die Bogen /.eigen gleiche Erscheinungen, im Centrura echte 
asiatische Typen, in der Umgebungszone abgeschwächte Formen und endlich 
wieder im dritten Kreis vollkommen degenerierte Gestalt des afrikanischen 
Bogens (Fig. 25). Die Hütten bieten zuerst eine centrale Form, das asiatische 
Zelt, dann einen peripheren Typus, die afrikanische Zelthütte, endlich ein 
Glied statt der Konstruktion in dem Mittelpfahl der südafrikanischen Zelt- 
hütte, die ursprünglich nigritisch und eine Kugelhütte ist. Wir sehen also 
stufenweise Abschwächung. Es ist das Merkmal der Übertragung, dieses 
Anwachsen der lntensivität dem „Innern u zu. 

Die malajonigritische Kultur dagegen bietet ein anderes Bild. Hier 
ist keine langsame Entwicklung, Bewegung zu beobachten. Die Formen 
wachsen nebeneinander auf, nicht nacheinander. Da ist kein Anschwellen 
im Reichtum, auch kein Ausklingen bemerkbar, es sei denn an den Grenzen, 
und hier ist der Grund der verschiedenen Fülle an malajonigritischen Elementen 
die Einschnürung durch die anwachsende Übermacht der asiatischen und 
afrikanischen Kulturen. Und dieses Merkmal der Unregelmäßigkeit ist das 
Zeichen des Alters nicht nur, denn dafür /.engt mehr die Einschnürung, 
als vielmehr der Verpflanzung. Es ist keine allmählich vor sich gehende 
Einbürgerung, keine langsam heranziehende Invasion, deren Bedeutung 
weniger in der Wucht des Ansturmes als in dem Verwachsen mit dem 
Boden beruht, sondern sturmflutartiges Hereinbrechen einer ausgebildeten 
Kultur im Mannesalter, die die Zeit jugendlicher Entwicklung hinter sich 
und einen wohlgcoitlneten Besitz und Fonnsehatz als Gerüst hat. Und 



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weniger durch die Verhältnisse des Bodens als die Launen des Geschickes 
ist es bedingt, ob hier die trogförmigc, dort die cylindrische und da die 
keilförmige Trommel sich einbürgert, ob hier der Rotang- und dort der 
Holzknauf am Bogen zur Ausgestaltung gelangt, welche Form des Schildes 
bevorzugt wird, wo mehrere ausgebildete Typen zur Auswahl vorliegen. 
Dabei spielt manche Beziehung hinein, die derartige Wahl beeinfhüst; so 
ist der Sandeschild eine Folgo des Wurfeisens. Aber das sind sekundäre 
Gründe, keine primären Gesetze, die die Lebensform bedingen. 

Während nun die Cbertragungsform eben durch den oben beschriebenen 
Bau der Kiütur bediugt und gegeben ist und sich in stufenweisem An- 
wachsen bis zum Kerne dio Reihen der Entwicklung von selbst ergeben, 
ist die Verpflanzung schwieriger zu erkennen. Die Ausgangsformen des 
malajonigritischen Besitzes in Afrika und Oceanien müssen die gleichen sein, 
die Endformen sind verschiedene. Aber gerade sie sind uns nur erhalten. 
Daher bedarf die afrikanische Form des asiatischen Kulturbesitzes keines 
weiteren Verwandtschaftsbeweises. Dagegen ist für die westafrikanische 
Kultur der physiologischo Verwandtschaftsbeweis noch zu erbringen. Dem 
sind die folgenden Kapitel gewidmet. Er ist anzulegen in dem oben an- 
gedeuteten Sinne. Der Boden der Entstehung und das Material aus dem 
die Besitztümer entstanden sind, mufs hier ausschlaggebend sein. Auf dio 
Lebensform der malajonigritischen Kultur in der Heimat und die Entwicklungs- < 
und Ursprungsgeschichte wichtiger Elemente des Besitzes mufs also ein- 
gegangen werden. 

Auch hier wieder wird knappe Form geboten und nur Klarliegendes 
heranzuziehen sein. Ich gehe in den beiden folgenden diesem physiologischen 
Verwandtschaftsbeweise gewidmeten Kapiteln einmal vom Boden aus, dann 
vom Material. 



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9. Die physiologische Bedeutung des Bodens. 



Es wurde in der Einleitung als charakteristisch fflr den physiologischen 
Bau bezeichnet: 

a) Ernährung infolge Bodenbeschaffenheit. 

b) Formen und materialgerechte Entwicklung der Formen, bedingt 
durch den Materialreichtum des Wohnsitzes. 

c) Luxusapparat, dem Material des Wohnsitzes entsprechend. 

Es liegen als vorzüglicher Gegensatz die kontinentale Kultur Asiens 
und die insulare Oceaniens vor. Es ist verhältnismäfsig belanglos, ob letztere 
von Hinterindien stammt oder ob sie von Melanesien oder Indonesien ausgeht. 
Ihr Merkmal ist jedenfalls die insulare Grundform. Worin gipfelt nun der 
Unterschied der kontinentalen und insularen Kulturen? 

Wir wollen versuchen, in der morphologischen Gestaltung schon eine 
Antwort zu finden. Ein Vergleich der griedüschen und persischen (um 
zwei klassischo Beispiele herauszuziehen^ Kulturen ist schon lehrreich. Für 
Griechenland ist die koloniale Verbreitung auf weitem Räume, für Persien 
die begrenzte kontinentale Ausdehnimg bezeichnend. Hier Ungebundenheit, 
Freiheit im Staatsleben, dort strenge Organisation. Hier viele selbständige 
Staatengebilde, dort ein Körper. Also ist dies Bild der Wiederhall des 
Kulturbwiens. Und so in allen äufseren Dingen. Schwerfällig wälzten sich die 
Heereszüge der Perserkönige dahin, leichtbeschwingt eilten die Flotten der 
Griechen durch die Wogen. Aber nicht nur im Staatsleben und im Verkehr 
ist dieser Gegensatz ausgebildet. Die mythologischen Ausarbeitungen , die 
Schulen der Philosophen, die Künste und Wissenschaften Griechenlands, 
alles zeigt Vielfältigkeit. Wie plump dagegen Persiens Kunst, Religion, 
Wissenschaft, plump und einförmig. Es ist fraglos, dafs diese Teilung der 
insularen Kulturen nicht nur die Variabilität im morphologischen, sondern 
vor allem im anatomischen Ausbau begünstigt. Denn jedes dieser kleinen 
Gebilde ist eino selbständige Form, ein eigener Typus. Sie befruchten sich 
untereinander. Kreuzungen vereinigen sieh mit Kreuzungen. Das bunte 
Gemisch wird immer bunter, bis endlich entweder die Fortpflanzungskraft 



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— 258 — 



und Hühner kommen für die Volksernährung wenig in Betracht (vergL 
Kartenblatt 4, Nr. XXV). So ist es denn sehr wichtig, dafs die Westafrikaner 
fast Vegetarianer sind. Vielo Speisegebote schränken die Nahrung dazu noch 
auf pflanzliche Speisen ein. Das ist oftmals verkannt worden, geht aber 
auch dann aus dem Durchschnitt der Nachrichten hervor, wenn berichtet 
wird, dafs diese Neger leidenschaftliche Fleischesser sind. Gewifs lieben 
sie es, aber solche Nahrung ist selten. Wie hoch den Westafrikanern ihre 
Pflanzennahrung steht, geht aus den feierlichen Erntefesten hervor, der 
Weihe der ersten Früchte, die den Nord-, Ost- und Süd-Völkern fast fehlt, 
aber den oceanisehen Feierlichkeiten entspricht. 

Was aber noch mehr hervortritt ist die ausgeprägte Fischerei der 
Westvölker. Fischerei und Schiffahrt sind die beiden Hauptmerkmale der 
insularen Kultur. Thatsächlich ist die westafrikanische Fischerei sehr aus- 
gedehnt Dabei sind es die gleichen Körbe, Reusen, Ruten, die gleichen 
Fischspeere. Ob die Harpune zum malajonigritischen Kulturbesitz gehört, 
ist noch nicht klargelegt. Wahrscheinlich nicht. Dagegen ist die Anwendung 
der Schwimmer hüben und drüben die gleiche. Eine merkwürdige Angel, 
deren Strick durch einen, der Länge nach durchbohrten Stab gezogen ist, 
kehrt am Viktoria und in Melanesien wieder (Abbildung bei Baumann). Die 
Fische werden geräuchert und auf Stangen gespiefst aufbewahrt Fischgifte 
finden in Westafrika und in Oceanien häufig Anwendimg. t 

Neben diesen gemeinsamen, mehr äufserlichen Merkmalen sind tief ein- 
gewurzelte von höherer Bedeutung. Netz und Angel, das wichtige Werkzeug 
des Fischers, haben eine vielfache Ausnutzung erfahren. Bestimmte Arten 
der Filet- und Häkelarbeiten sind auf die Netzknüpferei nach Angabe er- 
fahrener Damen zurückzuführen. Zu solchen Arbeiten gehören vor allen 
Dingen die in den Sammlungen häufigen Netzbeutel Neuguineas. Sie keliren 
im westafrikanischen Besitze wieder, l>ei Völkern Kameruns und des Ogowe. 
Stuhlmann traf sie am oberen Ituri z. B. bei dem Wambnba: Häufig sieht 
man sauber gestrickte Netze, die unten dichter geflochten sind und spitz 
verlaufen. Sie dienen dazu, in den Hutten oder auf dem Marsche Gegen- 
stände aufzubewahren. Die Bateke nennen selche Beutel pouka. Sie tragen 
sie über die Schlüter geworfen. Eine Menge kleiner Sachen sind darin 
geborgen, Pfeife, Tabak, Amulett, Toilette-Artikel etc. Ferner dienen die 
grofsen Netze nicht nur dem Fischfang. Auch bei Tjandjagden finden sie * 
Anwendung. Die Manjema fangen in ihren Maschen den Gorilla. 

Als Tragbeutel neigt das Netz schon ziun Übergang in die Tracht 
Das Leipziger Museum besitzt ein Frauengewand, das ein langes Netz ist 
Eine Analogie hierzu sind die Netztrachten der Maskierten in Afrika. Berlin 
und Hamburg Mierbergen solche. Die Marutse lassen die Kischitänzer, die 



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Ssongo und Minungo die Akisch sieh in solche hallen. Sie sind aber auch 
in dem Ogowe- Gebiet, in Kamerun, bei den Nkosi und Ibo üblich. 

Eine wichtige Rolle spielt das Netz ferner in dem Kultus und der 
Mythologie der Oeeanier, die dem praktischen Gebrauche entspricht. Die 
Bewohner von Nias erzählen, der Regenbogen sei ein Netz, das Nadaaja 
auswerfe, »im Menschen zu fangen. Auf Mangaja und Rarotonga fängt der 
Gott der Unterwelt die Seelen in einem Netz. Tangaroa hält auf Aitutaki 
ein Netz in den Händen, mit dem er die Seelen der Menschen fängt, nach- 
dem sie den Körper verlassen haben. Ähnliche wichtige Angaben finden 
sich in der Afrika -Litteratur. Wenn z. B. der Geist eines Verstorbenen, 
dessen Leichnam nicht erreichbar war, einen Kranken plagte, so spannte 
der Ganga (Priester) der Jaga Netze im Hause des Kranken auf. auch im 
Walde, wo noch Speisen niedergelegt wurden. So ward der Geist in die 
Falle gelockt und im Netze gefangen. 

Und in gleicher Weise ward die Angel verwendet, wofür ein Beleg 
ein Amulett von der Goldküste Nordguineas ist. Sein Name in Tschi ist 
Mmara. Es ist eine lange Schnur, deren Ende mit einem kleinen Angel- 
haken versehen ist. Wenn der Besitzer jemand hafst und diesem etwas 
anthun möchte, so hat dieses Amulett die Macht, den Betreffenden verrückt 
zu machen. Ruft er dagegen den geliafsten Namen und fährt mit der Angel 
durch die Luft, so fängt er dessen Herz und dadurch wird er ein Kind des 
Todes und nicht lange danach wird er sterben. 

Auf einen gleichen Idoengang möehte ich ein interessantes Gerät, 
das Schwirrholz zurückführen. Das Schwirrholz ist ein fischförmiges Holz- 
blatt, an dessen eines Ende ein Strick gebunden ist. Zuweilen wird es so 
geschwungen, dafs der Mann das freie Ende des Strickes ergreift, um es 
im Kreise herumwirbeln zu lassen, zuweilen ist das loso Endo des Strickes 
an einen Stab gebunden, der mit den Händen erfafst wird. Die smnmenden 
Laute, die das wirbelnde Brett hervorbringt, haben mancherlei Bedeutung 
gewonnen. In der Hand der Kinder Neupommerns ist das Schwirrholz zum 
Spielzeug geworden, in Australien imd Neuguinea meint man aus seinen 
Tönen die Stimmen der Geister zu vernehmen. Auf den Inseln der Torres- 
ßtrafse dient es den Ceremonieen liei der Schild krötenjagd. Wie gesagt, ich 
möchte* dieses Gerät auf dio Angel zurückführen. Was diese Meinung be- 
stärkt, ist eine Ceremonie, die Sehcllong in Deutsch -Neuguinea beobachtete. 

Die Knaben der Melanesier müssen die „Yergeistigungsceremonieen u 
einmal im Leben durchmachen. Erst dann werden sie in den Kreis der 
Männer aufgenommen. Das Barlumfest endet diesen Festcyklus, der damit 
beginnt, dafs die . Jünglinge beschnitten werden. Darauf werden sie von 
der Mitwelt abgeschlossen. Sie machen eine lange Zeit der Einsamkeit und 

17» 



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— 2C0 - 



schweren Entbehrungen durch. Dabei magern sie ab, werden arg geschwächt 
am Körper und tief deprimiert. Nach dieser Zeit der Enthaltungen werden 
sie feierlich der Welt zurückgegeben. Der Eintritt in die Gemeinde ist 
durch das Barlumfest verherrlicht Zu diesem werden sie, die schon durch 
das harte Jüchen und schwache Beköstigung zurückgekommen sind, angemalt 
wie Tote. So l>enehmen sie sich auch. Sio wanken oder werden geschoben 
und gestützt. Die Augen sind geschlossen. Auf dem Festplatze werden sie 
zum Leben gleichsam zurückgerufen, doch wird dies so dargestellt , als sei 
es nicht sogleich zu erreichen. 

Diese ganze Ceremonie, auf die später noch näher einzugehen ist 
(vergl. Kap. 12), versinnbildlicht das Hinscheiden und die Wiedererweckung. 
Es mufs gleichsam eine neuo Seele den Körper beleben. 

Bei allen den mit der Sitte verbundenen Ceremonieen spielt das Barium, 
das Schwirrholz, eine grofsc Rolle. Wenn die Knaben zur Beschneidung 
ziehen, gehen sie unter den gekreuzten Stäben des Barium hindurch. Dazu 
ertönt das feierliche Brummen des Instrumentes. Am wichtigsten ist aber 
eine Gruppe des letzten Barlumfestzuges am Tage der Aufnahme in den 
Stamm. Diesen hat Schellong folgendennafsen geschildert: 

Den Zug in das Dorf eröffnete ein etwa nur fünf Jahre alter Ssagu 
(Beschnittener), welcher seinem Paten rittlings auf den Schultern safs. Dann 
folgten die übrigen Ssagu, einer hinter dem andern, ein jeder von dem ihm 
zur linken Seite schreitenden Paten geleitet. Sie alle liatten die Augen fest 
geschlossen, den Kopf in den Nacken zurückgelegt, die Arme über dem 
vorn herabhängenden Net/.beutel gekreuzt und wandelten Schritt vor Schritt 
vorwärts wie im Traume. 

Als dio Ssagu darauf an dem alten, kahlhäuptigen Lakka voriiber- 
schritten, erteilte er ihnen eine Art Segen, indem er eines jeden Kinn und 
Stirn mit dem lanzettförmigen Schwirrholz des Barium l>erührte; es konnte 
kein Priester dabei wohlwollender und freundlicher dreinschauen als es dieser 
von der Natur sonst so wenig vorteilhaft ausgestattete Dorfhänptling tliat. 

Die Erinnerung an das Barium trat auch in anderer Weise hervor: 
in dem Zuge nämlich befand sich ein Mann, welcher eine lange, ganz nach 
dem Muster der Barlumstangeii gefertigte, rot und weifs bemalte Kute trug, 
einem Peitschenstock vergleichbar, deren Schnur am äufsersten Ende diesmal 
aber nicht das lanzettförmige Holzstück, sondern ein i*iar runde Schweins- 
hauer trug: diese letzteren waren sehr komischer Weise einem kleinen, auf 
den Schultern eines Mannes reitenden Ssagu in den Mund gegeben worden, 
so dafs dieser gewissermafsen angebissen hatte, wie ein Fisch am Angelhaken. 

Mit der letzten Bemerkung scheint mir Schellong das Richtige ge- 
troffen zu haben. Der Vergleich liegt zu nahe. Damit erklärt sich das 



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— 261 - 



Schwirrholz sehr gilt Den summenden Laut kennt jeder, der einmal eine 
Angelleine, an der ein Fiseh angebissen hat, aus dem Wasser ^gerissen" hat 
Demnach wäre das Schwirrholz auf den Fisch zurückzuführen, der Knabe 
als ein aus dem Bereiche der Fische emporgezogener Vergeistigter zu er- 
klären. Der sich so aufdrängende Gedankengang findet in manchem anderen 
eine Bestätigimg. 




Fig. 190. 

Gruppe aus dem Barlumzuge (rekonstruiert nach Schellong). 

Der Toteraismus hat in Oceanien mehrfach zu entsprechenden An- 
schauungen Bezug. Auf den Salomonen führen die einzelnen Familien 
Fischnamen. Die Verstorbenen nehmen die Gestalt dieser Fische an. Genau 
das Gleiche kehrt an der Goldküste Afrikas wieder. Schon Romer hat 
diese Organisation in Fischgeschlechter l>etont. Werden in diesem Sinne die 
Seelen zu Fischen, so werden andererseits , wie eben berichtet, Netz und 



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— 262 — 



19; 



198. 



Angel zum Jagdgerät auf Geister. Damit wird also vorstandlich, wie jene 
die Gedanken verbinden. Der Vergeistigte mufs gestorben sein, mit dem 
Hachereigerät ist sein Körper ans Tageslicht gebracht 

Damit, dafs die Toten zu Fischen werden und das Schwirrholz aus 
dem geschwungenen Fisch hervorgeht, verstehen wir es, dafs aus dem Surren 
, des Gerätes die Stimmen der Geister vernommen werden, die der Alten, 
, wenn der Ton tief ist, die der Jungen, wenn hoch. So berichtet Bastian 
von der Nigermündung. Bei der Totentrauer spielt das Schwirrholz in 
Melanesien eine hervorragende Rolle. 

Eine wichtige Bedeutung im Kulturl>esitze des Insel- und Fischer- 
volkes nimmt natürlich auch die Muschel ein. Die Tritonsmuschel ist das 

weithinschallende Blasinstrument aller 
Oceanier. Aus Afrika waren solche 
bislang nicht bekannt. In der Samm- 
lung Paul Steiners im Museum für 
Völkerkunde in Leipzig findet sich 
aber eine Tritonsmuschel, die zu 
solchem Zwecke hergerichtet ist, mit 
der Bemerkung, sie diene den Aschanti 
in Kriegsfällen etc. als Alarmiustru- 
ment. Ferner wird die Muschel zu 
Klingen an Beilen und Meifseln um- 
gearbeitet. Es wurde oben ausge- 
führt, dafs der westafrikanische Typus 
der Äxte auf die melanesisehe Form 
des Beiles und eine Form der Axt- 
klingen Westafrikas auf die mela- 
nesisehe Muschelklinge zurückzuführen 
sei (S. 115). 

Am häufigsten findet aber die 
Muschel zu Schmuck Verwendung. 
Und auch hierin gleichen sich west- 
afrikanischer und oceanischer Besitz. 
Nur sind solche Dinge im malajonigritisehen Schatze Afrikas Pretiosen und 
Seltenheiten, in dem Oeeaniens dagegen häutige Erscheinungen. Bei den 
Wawira am oberen Ituri entdeckte Stuhlmann einen eigenartigen Schmuck. 
In die durchbohrten Ohrläppchen wurde ein etwa 5 cm langer und 8 / 4 cm 
dicker Pflock eingelegt, der an beiden Enden festgebunden eine Kauris- 
echnecke trägt und mit Bast flbersponnen ist, der jedoch durch das Ein- 
schmieron mit roter Pomade unsichtbar wird. Stuhlmann bemerkt dazu, 




199. 200. 

Fig. 197. Innerafrikanisi'her Brust- und 
ührschmuck (nach Stuhlmann). Fig. 198. 
Brustschmuck von Neuguinea ( nach Finsch ). 
Fig. 199. Muscholschmuck der Kalunda 
(nach Livmgstone). Fig. 200. Muschel- 
schmuck von Neuguinea (nach Schmeltz). 



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— 263 — 



dafs Buchner aus dorn Lundareiche genau ebensolchen Pflock mitgebracht 
habe, dafs diese aber von den Kalunda nicht als Ohrpflock, sondern hori- 
zontal an einer Schnur am Halse und zwar ziemlich häufig getragen werde. 
Beide Stücke seien so identisch, dafs sie aus gemeinsamer Quelle stammen 
müfsten (Fig. 197). — Gewifs stammen sie aus gemeinsamer Quelle. Die 
Gestalt imd Zusammensetzung dieser Muschelstabe entspricht vollkommen 
einem auf Neuguinea häufigen Brustschmuck (Fig. 198). — Andere Ana- 
logieen bilden die von Kalunda und Melanesien gleichartig verarbeiteten 
BasisstOcke der Conusschnecken (Fig. 199 und 200). 

Aus der Achatina monetaria schleifen die Oceanier kleine runde 
Plattchen, die durchbohrt und auf einen Faden aufgezogen als Schmuck und 
dann auch als Geld Verwendung finden. Die Inlandstämme von Novo 
Redondo und die Mundombes tragen Strange von geschliffenen Muschel- 
perlen, die nach Manteiro ebenfalls aus der Achatina monetaria hergestellt 
werden. Am Kongo sind sie ebenfalls sehr häufig. In Angola haben sie 
die Bedeutung des Geldes. Die Bube auf Fernando Po haben einen Schmuck 
aus kreisrund geschliffenen, durchbohrten Muschelperlen, unregelmäfsiger 
als in Angola, aber im Princip dasselbe. Er ist wertvoll und vertritt oft 
geradezu die Stelle des Geldes. — Dieses malajonigritische Muschelperl- 
geld ist in Afrika und Oceanien so gleich, dafs der Unterschied lodiglich 
im Material des Fadens liegt 

Nicht für malajonigritische, sondern südasiatische Beziehung legt die 
gewaltige Verbreitung der Kaurischnecken in Afrika einen Beleg ab. Wichtig 
als Zeichen malajonigritischen Besitzes sind aber die „symbolischen Briefe", 
die Aroko der Nupe und Yoruba, d. s. Fäden, an die in bestimmter 
Stellung bestimmte Zahlen von solchen Kauri gebunden sind. Stellung und 
Zahl ergeben den Sinn. 

Soweit die Materiale, die dem Fischervolke besonders eigentümlich 
sind. Nun noch einiges über seine Verkehrsmittel und Wohnungen. Die 
Boote der Malajonigritier scheinen in Afrika nicht mehr im Gebrauche zu 
sein. Nur ein tiefer furchendes Studium findet noch Reste; ich lasse es 
dahingestellt, ob die Auslegerboote der Sansibarküste ein Rest aus alter 
Zeit oder eine jüngere Form sind. v. Louchan hat ein solches abgebildet. 
Aber der Westen hat auch noch eine malajonigritische Form, das Doppel- 
boot, welches südlich des Kongo an der Küste gebräuchlich ist. Die Form 
ist allerdings stark degeneriert. 

Beachtenswerter sind die Merkmale, die die Ruder besitzen. Sowohl an 
der Westküste Afrikas als auf dem Tanganjika sowie den Aru- und anderen 
Inseln der Oceanier finden sich in ganz gleicher Weise hergestellte Ruder: 
durchbohrte Platten, die an einen Holzstiel festgebunden sind. Noch wert- 



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— 264 - 

• 

voller ist aber ein Resultat der Untersuchung der Messer Afrikas. Diese 
habe ich zum Teil auf das Ruder zurückgeführt. Wesentlich dabei ist 
weniger dieser Ausläufer als die Zwischenglieder. Im Kongogebiet ist der 
Speer, ich will nicht sagen aus dem Ruder hervorgegangen , al»er durch es 
beeinflufst. Die Gestalt des Blattes und die Thatsache der Holzspeere mit 
breiten Blättern beweisen das. Daraus spricht die hohe Bedeutung der 
Schiffahrt und der Ruder. Aber auch daraus, dafs die Kongoansassen 
zierlicho Ruder als Hoheits- und Freihoitszeichen tragen. Das ist identisch 
mit dem ozeanischen Führen der Ruder (vergl. Kap. 4). 

Nim die Behausungen, die oben schon besprochen wurden. Das 
malajonigritische Haus ist nicht nur durch die Kartenhaus - Matten- 
konstruktion ausgezeichnet. Ein zweites 
Element, die Plattform oder Barla, ist von 
gleicher Bedeutung. Auf sie will ich hier 
näher eingehen. In Fig. 20 1 ist ein typischer 
Pfahlbau Neuguineas abgebildet. Zumal die 
breite Plattform vor dem Eingange fällt auf. 
Hier halten Bich die Eingeborenen zumeist 
auf. Auf die Plattform führt eine Leiter. 
Das Haus selbst ist seiner Konstruktion 
nach nichts anderes als ein vom und hinten | 
geschlossenes, auf diese Plattform gesetztes 
Satteldach. Von dem freien Teile, der 
Barla, gelangt man wiederum auf einer 
Leiter in das Innere, denn die Thür liegt 
fensterartig hoch. Diese fensterartige Thür, 
die Fensterthür, wie ich sie kurz nenne, ist auf die Barla -Konstruktion, die 
Gewolmheit zu klettern, zurückzuführen. Die Fensterthüren der Oeeanier 
sind eine weit verbreitete Eigentümlichkeit der Oeeanier. Auch auf Mada- 
gaskar sind sie heimisch geworden. 

Es läfst sich kaum ein bezeichnenderes Merkmal für die Fischer- 
und Inselvolker der Malajonigritier feststellen als diese Barla. Nur das 
Wasser ist dem Seevolke vollkommen vertraut. Auf dem iAnde fühlt es 
sich gefesselt, zu sehr gekettet. Daher das Wohnen auf Pfahlwerk, über 
dem Wasser. Es liegt dem Baustile der Malajonigritier also weniger Angst- * 
lichkeit vor dem feuchten Elemente als die Liebe für dasselbe, mehr 
Scheu vor dem konstauten Landbau als Mangel an Mut überhaupt zu Grunde. 
Es mag und mufs sich diese Grundlage der Lebensanschauung geändert 
haben, aber gerade darin sehe ich ein wertvolles Element für die physio- 
logi sehe Be weis föhrui) g. 



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— 265 — 



Dafs sich die Barla auch bei den Malajonigritiern Afrikas findet, ward 
oben erwähnt (Fig. 183). Aber auch die Fensterthür ist hier nachge- 
wiesen. Sie wird bei einer Reihe versprengter Völkerreste beobachtet, die 
den Mittellauf des Kongo, die Unterläufe des Kassai, Lulongo, Tschuapa 
und Ubangi bowohnen und zwar teils auf den Gestaden, teils auf den 
Inseln. Es sind das, wie gesagt, zumeist versprengte, schwache, von kräf- 
tigen und kriegerischen Nachbarn bedrängte Völkchen und die eigenartige 
Thürkonstruktion trägt den Stempel des Schutzmittels. Batcraan versichert, 
dafs die Thüranlage auf ein sefshaftes Volk schliefsen lasse, welches eines 
Schutzes gegen feindliche Überraschungen und räuberische Einfälle bedürfe. 
Diese Ansicht liegt, wenn es auch unklar ausgedrückt ist, einer Mitteilung 
Wifsmanns über die Fensterthüren der Kassaistämme, im speciellen der 

Wabuma - Bangula und Bangodi (Fig. 202 
und 203) zu Grunde. Die Hütten dieser 
Stämme hatten eine „bank- und tischartige 
Erhöhung 54 , um das Ein- und Ausschlüpfen 
EU erleichtern. Männer und Weiber hatten 






Fig. 202. 
Hütte der Wabuma -Bangula 
(nach Bateman). 



Fig. 203. 



Hütte der Bangodi 
(nach Wifsmann-Wolf). 



eine grofse Gewandtheit erreicht, sogar im vollen Laufe, indem sie erst mit 
dem einen Arme und Fufse in die Öffnung glitten und den übrigen Teil 
des Körpers nachzogen, blitzschnell in die Hütte zu springen. Als nun 
Wifsmanns kloine Flotte sich den Banguladörfern nähorte, sehlüpften die 
Frauen eilig in die Behausung, die Männer kamen aber an das Stromufer, 
führten Kriegstanze auf und zeigten überhaupt ein feindliches Gebahren. — 
Die Thür liegt bei den Bangodi 2 m über der Erde, bei den Bangula 
10 englische Fufs. Es gehört daher eine ungemeine Gewandtheit und ein 
starker Impuls dazu, das Kunststüek des Hinauf- und Hindurchspringens 
schnell auszuführen. 

Auf dem Lande hat also die Fensterthür durchaus das Gepräge des 
Schutzmittels; die Plattform vor derselben erseheint wie entstanden als 
Verkehrserleichterung. So ist es ge%vorden. Wie es entstanden, haben 
wir gesehen. Beides zusammengenommen, die Übereinstimmung der Kon- 



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— 266 — 



struktion in Afrika und Oceanien , zeigt einen Wesensziig des Wandels der 
Lebensform einer Kultur, die dem flüssigen Element zunächst befreundet 
und, auf den Kontinent versetzt, ihr entfremdet ist Es ist ein ganz 
prächtiges Belegstück für die Verwandtschaften und Umwandlung, diese 
Barla, die in Oceanien der Aufenthaltsort der Familie, in Afrika eine Thflr- 
schwelle und ein Schutzmittel ist. 

Aber nicht nur Fensterthür und Barla, sondern auch der richtige 
Pfahlbau ist in Afrika nachweisbar. Die Formen, die zu beobachten sind, 
lehren gleiche oder ähnliche Thatsachen wie die Fensterthttren. 




Fig. 204. 

Bütten der Ambuella (nach Sorpa Pinto). 



Behalten wir die Entstehungsgeschichte des Pfahll>aues Oceaniens im 
Auge. Er entspringt dem Wunsche, dem vertrauten Elemente möglichst 
nahe zu wohnen. Aber schon auf Neuguinea wird er auf das feste Land 
verlegt. Aber auf Borneo liegt das Motiv noch Idarer zu Tage. Hier schwimmen 
die Hütten auf dem Wasser und die Dajak stofsen ihr Dorf auf dem 
Flusse weiter, so sie die Gegend verlassen wollen. 

In Afrika werden die Pfahll>autoii zum Teil durch nichts weniger 
als Liebe und Vertrauen zum Wasser bedingt. Die Ambuella in den oberen 
Thälcrn der Kuango - Zuflüsse erheben ihre Wohnungen vermittelst eines 
auf vier Gabelstützen angebrachten Gerüstes so hoch über den Erdboden, 
dafs dieselben den Einwirkungen des Hochwassers entzogen werden (Fig. 204). 
Also Schutz gegen die Hochwasser. Die Baluba des Morhya- (Fig. 205) 



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und Kikondscha-Sees loben vollkommen auf dem See. Hier ist der Grund 
das Bestreben, sich gegen räuberische Überfälle zu sichern. Nach Ward 
und v. Franeois ziehen die von den Kongopiraten arg heimgesuchten Stämme 
des oberen Lulongo nur der personlichen Sicherheit halber das Leben auf 
den wandlosen Pfahlbauten dem in festen Häusern vor (Fig. 206). Die 
Liebe zu dem die Bewegungsfähigkeit erhöhenden Elemente mag nur die 
Stämme am Mongalla und vor allem am Sanga zu der Benutzung der 
Pfahldörfer führen. Thatsächlich scheint das Leben der Sangastämme dem 
Leben der Papua Neuguineas in dieser Hinsicht vollständig zu entsprechen. 
Wir vermögen in diesen Gegenden noch eine Erfahrung mitzuteilen. Die 
weit den Strom hinauf- und hinabgleitenden Kongo -Kauffahrer übernachten 
auf ihren Booten. Zwei Matten bilden das Dach über der Schlafstätte, 
es ist oft mannshoch. Das sind die gleichen schwimmenden Behausungen 



wie sie Melanesien bietet. Auch entsprechen sie denen der Dajak; nur 
sind diese mehr beständiger Natur. Worauf ich aber mehr Gewicht legen 
möchte, das ist das Princip dieser Bootshütten. Es ist hier das Kon- 
struktionsmotiv des Matten -Kartenhauses von vornherein geboten. Mangel 
an Raum und Material auf den Booten zwingt zu einer derartig einfachen 
Herstell imgs weise. Es ist der Gedanke, dafs die Giebelhäuser der Oceanier 
alle in letzter Linie auf diese Boots -Hütten zurückzuführen seien, nicht 
ohne weiteres von der Hand zu weisen. Dann tritt das malajonigritische 
Satteldachhaus noch klarer als Zeichen der Inselkultur hervor und der 
Barla, der Plattform, die das Haus des die Meere beherrschenden Seefahrers 
trägt, würdig zur Seite. 

Zum Schlüsse will ich noch eines Geräthes erwähnen, das auf die 
Inselkultur zurückzuführen sein dürfte: die Stelzen. Um Untiefen zu durch- 
waten, von einer Plattform zur anderen zu gelangen, überschwemmte 
Gebiete zu überschreiten, scheinen sie besonders geeignet. Aufser in 




Fig. 206. 
Pfahlhütte am oberen Lulongo 
(nach von Franeois). 



Fig. 205. 

Pfahlhütte im See Monrya (nach Cameron). 



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Melanesien (z. B. Neubritannien) wurden sie auf Nukahiva, Neuseeland, 
Mangaja, in Afrika bei Kioko, Baluba. Mangbattu und im Ogowegebiet 
beobachtet. 

Fassen wir das alles zusammen. Es läfst sich sagen, dafs eine ganze 
Reihe von Merkmalen des ursprünglichen insularen Besitzes sich auch in 
der malajonigritischen Kultur Afrikas findet, dafs diese aber, der kontinen- 
talen Lebensform entsprechend, zum Teil stark umgebildet und anderen 
Gesetzen — sie dienen einem anderen Zwecke! — unterworfen sind. Wir 
haben hier zu den im Anfange des Kapitels aufgestellten Punkten a und c 
Belegmaterial beigebracht. Im folgenden Kapitel wird der Punkt b beson- 
dere Berücksichtigung finden. 



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10. Die physiologische Bedeutung des Materials 
Kulturformen und Kulturzeiten. 

(Vgl. Kartenblatt 1, Nr. VI und 2, Nr. XIV.) 



„Formen und materialgerechte Entwicklung der Formen, bedingt durch 
den Materialreichtum des Wohnsitzes", wurde als zweiter Grundzug der den 
Typus bedingenden und die Abstammung verratenden Kulturmerkmale oben 
angeführt. Da dieses Kapitel diesem Thema gewidmet ist, mufs vorerst 
festgestellt werden, was dieser Satz bedeute. Es ist ein sehr wichtiges 
Thema. 

Es ist schou oftmals — Semper trat dem Problem zuerst wirklich 
nahe — gefragt und darauf geantwortet worden, was den „Stil" auszeichne. 
Heute neigt man mehr als je dazu, das Wesen des Materials als ausschlag- 
gebend für die Stilform und seine Entwicklung zu bezeichnen. Dabei mag 
hier und da noch zu viel Gewicht auf die „Zweckmässigkeit" gelegt werden, 
aber im allgemeinen geht der Weg des Stil -Studiums auf dem verheifsungs- 
vollon Wege der Materialprüfung. Diejenigen, die noch mcht ganz gelernt 
haben, das Wort „ materialgerecht tt vollkommen zu würdigen, sind wir, die 
Ethnologen; und doch sollte es auch ein Leitfaden unserer Untersuchungen 
sein. Denn es ist fraglos: so lange der Instinkt allein an der Ausarbeitung 
des Kulturbesitzes thätig ist. wird kein Fehler gegen dies Hauptgesetz, 
gegen die Forderung der Materialgerechtigkeit begangen. Kein Naturvolk 
sündigt gegen ihre Forderungen. Nie wird ein Ornament der Flechtindustrie 
ohne Umarbeitung nach den Ansprüchen des Materials in Holz nachgebildet 
oder umgekehrt. Was hier Bänder sind, wird dort in Kerben, Kehlen etc. 
umgesetzt! Und das erstreckt sich nicht allein auf die Kunst, die au sich 
nur ein äufserer Teil des Gewerbes ist, den man nicht schroff vom Hand- 
werk trennen kann, sondern auf alles, was die Industrie hervorbringt. Das 
Ornament ist eine Begleiterscheinung, die Konstruktion eines Gerätes der 
Wesenszug in der Entwicklung des materiellen Kulturbesitzes. Und die 
Geräte folgen in der äufseren Ausgestaltung wie im inneren Wesen dem- 
selben Gesetze. 



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Das ist von aufserordentlicher Wichtigkeit deswegen, weil unB diese 
Thatsache ein Hilfsmittel — es klärt die einzigen untrügerischen Merk- 
male auf — in die Hand giebt, wenn die Frage, herantritt, wie eine 
Sache entstanden sei; wie und wo. Denn gar manches Mal deutet das Ur- 
sprungsmaterial auf eine bestimmte Gegend, die allein das Material bietet. 
Daher: wofern es gelingen soll, den Ursprung eines Gegenstandes aufzu- 
klären, mnfs vor allen Dingen festgestellt werden, aus welchem Materiale 
er zuerst gebildet ward. 

Wo über den Ursprung der Geräte oder Waffen gesprochen wird, mufs 
aber noch etwas betont, der Begriff des Wortes „niaterialgerecht" noch ver- 
tieft werden. Gar leicht verfallt der nach der Entstehungsgescliichte 
fahndende Forscher in den Fehler, den Entdeckungsmoment oder den 
Erfindergeist zu hoch anzuschlagen, beiden eine zu grofse Rolle zuzu- 
schreiben. 

In Wahrheit scheinen mir Moment und Individuum verhältnismäfsig 
nichtssagende Faktoren zu sein. Gerade in diesem Abschnitte wollen wir 
nicht vergessen, dafs die Kiüturen als selbständige Lebewesen sich uns 
erschlossen haben, dafs wir den Menschen nur als Träger, nicht als wollenden 
Schöpfer und Lenker bis jetzt schätzen gelernt haben. Und was das Ganze, 
die Einheitlichkeit der Kulturen, gezeigt hat, das darf nicht vergessen 
werden, wenn Einzelheiten herangezogen werden. Wie die Kulturen auf- 
wachsen, so wachsen auch die Geräte auf, wie sie dem Boden entsprossen, 
so sprossen die Dinge des materiellen Kulturbesitzes aus dem Materiale auf. 

Ich stelle daher das physiologische Hauptgesetz fest, dafs nämlich 
jedes Gerät aus dem Wesen dos Materials herauswächst. Das 
heifst, dafs es und seine Handhabung sich von selbst ergeben. Die Funktion 
des Wachsens stellt dabei die Thätigkeit des Menschen dar, die eine wich- 
tige oder eine nebensäclüiche sein, die zunächst nach einer anderen Rich- 
tung, unter dem Einflufs des betreffenden Objektes erst auf seine Nutz- 
anwendung zielen mag. 

Ein ganz vortreffliches Belegstück hat ja die Untersuchung der Fell- 
trommeln geliefert. Die Bearbeitung der Felle, das taktmäfeige Walken und 
Söllingen stellte den Ausgangspunkt dar. Die Freude an der taktmäfsigen 
Arbeit war zunächst eine sekundäre Triebkraft, denn das Werk wird ein- 
geleitet in dein Bestreben, die Felle brauchbar zu gestalten. Aber die 
sekundäre Arbeitstriebkraft wird zur primären Schöpferin der Trommel. 
Das meine ich damit, wenn ich sage, dafs die Thätigkeit des Menschen 
zunächst nach einer anderen Richtung, unter dem Einflufs des betreffenden 
Objektes selbst (in diesem Falle des Trommel feiles) erst auf dessen Nutz- 
anwendung zielen m."ge. Das Objekt beherrscht dann den Menschen. Das 



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beweist auch das Trommelfell, dessen zauberliafte Anziehungskraft den 
Menschen zu mühsamer Tätigkeit zwingt. Der Clan tritt wieder zusammen, 
das Fell zu schlagen, aber nicht mehr, um es zuzurichten zum Gewände, 
sondern um sich an der Regelmäßigkeit der Schläge zu erfreuen. Und 
dann wächst die Trommel auf, wobei wieder die Thätigkeit des Menschen 
den Wachstumsprocess darstellt. Mörser, Topf, Kalabasse dienen dem 
Trommelfelle als Unterlage. 

Derartiges Entstehen oder Aufwachsen mag noch mehrmals verfolgt 
werden, um die Grundlage für die Beurteilung des Materialreichtums der 
Kulturformen Afrikas zu gewinnen. Ziehen wir zunächst eines der lehr- 
reichsten Beispiele heran, das schon oftmals, meist mit sehr irrigen Voraus- 
setzungen, besprochen worden ist: den Ursprung des Feuers. 

Die Afrikaner haben dreierlei Methode, 
Feuer zu gewinnen. Die erste besteht darin, 
dafs ein Stäbchen in der Vertiefung eines 
Holzes gequirlt wird. Es bildet sich in 
der Mulde ein feines Holzmehl, welches 
in Hitze und Glut beim Anblasen und durch 
Hinzufügen von trockenem Grase in Brand 
gerät. Ich bezeichne diese Art der Feuer- 
gewinnimg als Bohrmethode (Fig. 207). 
Die zweite beruht darauf, dafs ein Holzstab 
in der Rinne eines Klotzes oder Astes hin 
und her gerieben wird. Es bildet sich 
wieder das feine Mehl etc. (Fig. 208). Ich 
nenne diese Art der Feuergewinnung die Fig. 207— 209. Die droi Arten der 
Schleifmethode. Die dritte endlich be- Feuerzeuge def Afrikaner (nach 
steht darin, dafs ein Stück starken Rohres Originalskizze von J. Rose). 

oder Bambus mit Mark leicht vollgestopft Fi S- 207 ' Di(i Bohnnetbode. 

, „,,.,,. Fig. 208. Die Schleifmethodo. 

und dieses mit einem Holzplattchen durch- Fig ^ Die Sägemetho<le 

gesägt wird. So wie das Mark von der 

Schnittfläche des Holztäfelchens erreicht wird, beginnt es zu glühen (Fig. 209). 
Ich bezeiohne diese Art der Feuergewinnung als Sägemethode. 

Von diesen drei Feuerzeugen ist das erste (Fig. 207) in Afrika als 
das weitaus verbreitetste zu bezeichnen. Es ist im gesamten Süd-, Ost- 
und Nordafrika heimisch, soweit nicht Stahl und Zunder, sowie Streichhölzer 
es verdrängt haben. Schon die zweite Methode ist weitaus seltener. Die 
Litteratur (z. B. Masiii) erwähnt solche Feuerzeuge nur aus dem Kongogebiet. 
Die dritte endlich ward vou J. Ros6 bei einem Arbeiter aus — wenn ich 
nicht irre — dem Katangagebict beobachtet Doch giebt es Mitteilungen 




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zweideutiger Natur, welche beweisen, dafs verwandte Gebräuche noch hier 
und da ein kümmerliches Dasein fristen. Der alte Kolben erzählt: der 
Zunder der Hottentotten ist ein kleines, dflnnes Bohr, das ebenso bald Feuer 
fängt als unsere beste geschabte Leinwand. Die Kongobewohner führen 
nach einem Berichterstatter des Congo Hlusrrö das Feuer in der Fmcht des 
Boabab bei sich. Dieses enthält ein feines Mark wie unser Holunder, welches 
langsam wie Feuerschwamm glimmt 

Die Verbreitung dieser Feuerzeuge weist schon nach verschiedenen 
Gegenden: die Bohrmethode nach Norden, die beiden andern nach Osten, 
6ie finden sich nämlich auch bei den Ooeaniern. Zumal die Schleifmethode 
ist eine bei Polynesiern aufserordentlich verbreitete. Die dritte Methode 
ist vorzüglich indonesisch. Zum Feuerreiben werden auf den ineisten Inseln 
des ostindischen Archipels nach Pleyte zwei Stück Bambus gebraucht. Man 
sucht dazu ein vollkommen trockenes Stück aus und spaltet es der Iiänge 
nach in zwei Hälften, schabt aus dem Innern die silberglänzende, weifse 
Haut und das weiche Holz so fein wie möglich heraus und rollt das Ge- 
schabsei zu einer losen Kugel zusammen, die auf den Boden gelegt und 
mit der einen Hälfte des Rohres bedeckt wird, so dafs sie oben gegen die 
Wölbung drückt. Von der anderen Hälfte spaltet man dann noch einen 
lattonförmigen Streifen zurecht, dessen eine Seite zugeschärft wird. Mit 
dieser Seite sägt oder geigt der Feuermacher nun wie mit einem Bogen 
auf dem Bambus, der von einem Begleiter oder einem Pflocke festgehalten 
wird, gerade über der Stelle, wo das feine Geschabscl liegt, hin und her, 
indem er allmählich den Druck und die Geschwindigkeit steigert. Es ent- 
steht ein Einschnitt <juer durch die Uingsfasern, die Wärme wächst bei der 
starken Reibung sehr schnell und in dem Augenblicke, wo das Gewölbe 
durchschnitten ist, entzündet sich das verkohlte Holzpidver zu Funken, die 
in den darunter liegenden Faserballen fallen und durch vorsichtiges Blasen 
allmählich zu einem Flämmchen genährt werden. — Es ist das genau unsere 
Sägemethode aus Katanga, nur dafs in Oceanien ein halbierter Bambus, in 
Afrika eine ganze Bambusrohre, dafs hier ein Bambussplitter, dort ein Holz- 
täfelchcn benutzt wird. 

Dieso drei Methoden, Feuer zu gewinnen, sind fraglos auf industrielle 
Thätigkeit zurückzuführen. Ich habe das schon in den drei Namen an- 
gedeutet: die Bohr-, Schleif- und Sägemethode. Dafs das Lochbohren mehr 
von nördlichen Völkern angewendet wird, ist kein Beleg für die nördliche 
Herkunft. Das Schleifen der nolzepitzen an Speeren, Pfeilen und allerhand 
Werkzeug ist sicherlich eine häufige Beschäftigung der Menschen der Holz- 
zeit. Das dritte Feuerzeug aber ist uns sehr wichtig. Das Bambussägen 
darf als eine sehr bedeutsame Handlung der Völker Hinterindiens und Indo- 



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nesiens bezeichnet werden, bedeutsam, weil der Bambus hier das notwendige 
Material zu den meisten Arbeiten liefert Es ist mir wichtig, diese Methode 
der „Barabuskultur" in Afrika nachweisen zu können. 

Jedenfalls sehen wir auf diese Weise die Feuerzeuge aus der in- 
dustriellen Thätigkeit der Menschen herauswachsen. Je umfangreicher deren 
Materiale werden, desto zahlreicher auch die Arten der Feuerzeuge. So 
finden wir bei Völkern, die den Feuerstein verwenden, ihn zu allerliand 
Werkzeug verarbeiten , das steinerno Feuerzeug im Gebrauch. Wenn das 
Eisen die Reihe der menschlichen Hilfsmateriale vermehrt, tritt das bekannte 
Feuerzeug: Stahl und Stein (Indonesien!) hinzu. 

Weiterhin wollen wir die Frage zu beantworten suchen: Wie kommt 
der Mensch dazu, zu rauchen? Oder: Wie ist die Tabakspfeife entstanden? 
Die Frage nach dem Ursprünge des Rauchens scheint mir deshalb eine sehr 
beachtenswerte, weil diese Sitte dem menschlichen Organismns durchaus 
unnatürlich und a priori unsympathisch ist Ein jeder Raucher weifs, dafs 
er als Jüngling oder noch früher erst sich hat daran gewöhnen müssen, 
dafs in den seltensten Fällen diese Lehre ohne peinliche Nebenerscheinungen, 
in denen sich die gekränkte Natur äufsert, verdaut worden ist, dafs wohl 
aber jeden mehr der Ehrgeiz, es anderen gleich zu thun, als wirkliches 
Behagen an der Suche zum Raucher gemacht hat Also hat noch heute 
jeder eine Zeit des Ekels zu überwinden, ehe er den köstlichen Duft einer 
Habanna zu schätzen lernt Ich weifs aus Erfahrung, dafs es ganz gleich- 
gültig ist, ob man dem rauchbegierigen Jüngling eine gute Henry Clay 
oder eine Pfeife mit Kartoffelblättern reicht Demnach kann ich getrost 
sagen, dafs die ganze Menschheit erst den Ekel überwinden niufsto, ehe 
sie am Rauchen Genufs fand. Und gerade deshalb ist die Frage wichtig: 
wie kam der Mensch dazu, den ersten Abscheu zu überwinden, wo doch 
niemand ihm den kostlichen Genufs einer Rauchtüte oder einer Pfeife 
vorhersagen konnte? 

Aus der Arbeit wächst das fröhliche Instrument Afrikas, die Trommel 
empor. Sollte es mit der Pfeife eine ähnliche Bewandtnis haben? Sollte 
hier auch die Gewohnheit einen wunderliehen Ausläufer gezeitigt haben? 
Es scheint in der Tliat so. Büttikofer und andere haben es häufig beobachtet, 
dafs die Neger in Ermangelung des Tabaks eine glühende Holzkohle 
in ihren Pfoifenkopf steckten, um wenigstens etwas Rauch unter die 
Nase zu bekommen und sich so am Kohlendanipf berauschten. Das spricht 
klarer als Dutzende von geistreichen Schlüssen. Ich nenne das eine 
atavistische Form. Und die Urgeschichte des Rauchens ist sehr einfach: 
Der Qualm des nüttenfeuers hat den Menschen mit dem Rauche befreundet 
Das notgedrungene Atemholen beim Anblasen des Feuers brachte ein Ein- 

Frobenius, Afrikanische» Kulturen. 18 



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274 — 



ziehen des Dampfes mit sich. Man denke sich deu Zulujüngling (Fig. 190) 
in seinen Ofen blasend, statt aus ihm saugend. 

Auch die primitive Pfeife rückt so unserem Verständnisse näher. Ich 
schilderte oben die mit Glimmstoff gefüllte Boababfrucht als Feuerhalter. 
Dem entspricht eine einfache Pfeife, die ebenfalls am Kongo gebräuchlich 
und nichts als eine an beiden Enden geöffnete Kalabasse ist. Sie Ist mit 
Tabak gefüllt. An der einen Seite glimmt der Inhalt, an der anderen 
saugt der Raucher. Das mag zuerst geübt sein, um die Glut rege zu er- 
halten, später ward es zum Vergnügen. Auch ist der Feuerbewahrer im 
ostindisehen Archipel weder die Frucht des Boabab noch eine Kalabasse, 
sondern ein Bambusabschnitt. Und jenes Loch, in das später die Rauch- 
tüte eingefügt ist, ist wold die Stelle, an der das Feuer (Fig. 209) „ange- 
sägt" ist (vergl. Fig. 191). 

Also aus dem Feueranblasen, dem gezwungenen Qualmeinatmen ist 
das Rauchen entstanden. Eine interessante Thatsache. Deim abermals sehen 
wir aus der Arbeit, der nüchternen Thätigkeit, einen eigenen vergnüglichen 
Brauch emporwachsen, der bald den Menschen gar sehr beherrscht — wie 
unsere Damen zu klagen wissen. Wo bleibt da der wollende Erfinder? Die 
Leute, die zuerst rauchten, wufsten von keinem Sehnen nach Habanna- 
und Brasiltabak, denn in ilirem Lande wächst keiner. Wir Raucher aber ahnen 
nicht, dafs wir mit jeder Cigarre der Kultur unseren demütigen Tribut 
darbringen, mit dem wir aufs neue belegen, dafs des Menschen Wille wenig 
Eiuflufs auf sie hat, dafs sie ein ihre Tiäger beherrschender Organismus 
ist Schon lange wird das Feuer nicht mehr angeblasen, aber geraucht 
wird immer noch. 

Mit dem Bambus hängt das Feuersägen zusammen. Aus dem Bambus- 
beliälter mit Glimmstoff ward die Pfeife. Bleiben wir beim Bambus. Ich 
hal>e oben (Kap. G) nachgewiesen, dafs auch die malajonigri tische llolzpauke 
auf den Bambus zurückzuführen ist. Ratzel bildet (2. Aufl. Bd. I, S. 418) 
ein Musikinstrument der Hova ab, das eine anscheinend nicht seltene Form 
Indonesiens wiederholt. Das Ende eines Bambus ist mehrfach aufgeschlitzt, 
so dafs Zinken entstehen. Wir können solch ein Gerät mit Leichtigkeit 
auf ••in abgebrochenes Bambnsstumpl'stück zurückführen, dessen splittriges 
Ende, durch den Windstofs erregt, zu klappern beginnt. In Afrika ist daraus 
die Neger/.ither geworden. Auf einfache Bambusrohren sind die Pfeifen 
zurückzuführen (Fig. 114). Und ebenso ungezwungen ergiebt sich ein 
Saiteninstrument wie Fig. 113a, später Fig. 106 und 113b. Was hier in 4 
allerliand Musikinstrument endet, das beginnt alles in «1er Bearbeitung, 
in der täglichen Thätigkeit der Völker der indonesischen Bambusregion zu 
keimen. Deim Bambus wird zu allen Dingen gebraucht. Aus Bambus sind 



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die Gofäfse und Behälter verfertigt. Bambusstangen tragen die Hütte. Aus 
Bambus bestehen Flöfse. Bambusstreifen sind das Bindematerial etc. Und 
nicht nur unter den Händen der Menschen beginnt es zu klingen. In den 
trockouon Bambusdickichten klirrt, rauscht, raschelt und tönt es schon, 
wenn der Wind durch die zitternden Halme fährt. 

Aber bleiben wir bei unserer Bambuslaute (Fig. 113 und 106). Seine 
Entstehung ist naheliegend. Um Streifen zum Binden zu erlangen, wird 
das Messer zwischen die Splitter geschoben. Das ist ein natürlicher Steg. 
Die Finger lassen den Streifen fahren; die Saite erklingt Was uns hier 
das direkte Entstehen beweist, ist die Einheit des Stückes. Das ist es, 
was ich Herauswachsen aus dem Material nenne. Wenn das hier besonders 
betont wird, so geschieht es, weil damit einerseits der Ausgangspunkt 
einer, wie oben gezeigt, aufserordentlich reichen Entwicklung und anderer- 
seits ein wichtiger Beweis dagegen, dafs alle Saiteninstrumente aus dem 
Bogen entstanden seien, gewonnen ist. 

Haben wir somit der Bambuslaute die selbständige Entstehung zuge- 
sichert, so wollen wir nunmehr auch der Frage nach dem Ursprünge des 
malajonigritischen Bogens nicht mehr aus dem Wege gehen. 



Wie sollen wir uns die Entstehung eines so komplicierten Gebildes, 
wie es fraglos der Bogen ist, vorstellen? Wohl liegt das Hervorwachsen 
der konstruktiven Beschaffenheit aus dorn Material nach allem, was die 
anatomische Untersuchung ergeben hat, nahe. Die grofse Frage ist aber 
diesmal die: Der Bogen tritt als vollendetes Ganzes auf. Keine Übergänge, 
keine Einleitung in natürlicher Arbeit. Wie sollen wir das unmittelbare 
Verständnis des Bogenschützen für dio zwiefach federnde Kraft verstehen? 

Verfolgen wir die primitiven Waffen bis zu ihren Anfängen, den ein- 
fachen, primitiven Keimen zurück. Der Mensch braucht an natürlichen 
Waffen den Knüppel zum Schlagen und Werfen und den Stein als Geschofs. 

Aus dem groben Knüppel ist eine Menge verschiedenartigen Gerätes 
hervorgegangen. Dasselbe ist zumal nigri tisch. Die Keule als Schlag- 
instrument kehrt in Australien und Afrika wieder. Die Fidschiinsulaner 
und Südafrikaner werfen sie. Ebenso die Abessynier. Verfeinerte, aus- 
gebildete Formen der Wurfkeule sind : Wurf holz und Wurfstock. Das Wurf- 
holz der Völker auf der Nordachse Afrikas und der Bumerang entsprechen 
einander. Die Afrikaner schufen daraus das Wurfeisen. Der Wurfstock, 
ein im Wurfe sich um sich selbst drehender, an beiden Seiten zugespitzter 
und mit der Spitze einschlagender Stab aus hartem Holze ist nicht nur in 
Australien und Südafrika (Hottentotten und Marutse), sondern auch auf nörd- 

18* 



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liehen Inseln Oceaniens heimisch. Als Schutzwaffe bildete sich in der 
uralten Zeit der Knüppelherrschaft der Stockschild heraus, ein Besitztum 
fast überall da, wo auch sonst nigritische Spuren erhalten sind. Erst 
unter dem Einflufs des Speeres und vielleicht des Pfeiles wird aus dem 
schützenden Stock ein Brett Die Entstehung des Speeres, auch ein Stock, 
bildete einen Wendepunkt in der Waffenindustrie, den Kriegen der Mensch- 
heit, der sicherlich von ebenso grofser Bedeutung war, wio die Ent- 
stehung des Bogens. An Gerät will ich für die Epoche des Knüppels den 
Grabstock (Australien, Südafrika, Philippinen und auch andere Teile Oceaniens) 
sowie den Klangstab erwähnen. 

Der Stein ward geworfen. Wurfsteine fanden noch viele Forscher im 
Gebrauch. Nicht immer stand damit die Sclileuder in Beziehung. Nur 
nebenbei und der Vollständigkeit halber sei der Verbindung des Steines 
mit dem Stocke erwähnt Daraus ist zweierlei hervorgegangen , einmal 
die Besch wemng des Grabstockes mit einem durchl>olirten Kugel- oder Ring- 
stein (Südafrika, Australien [?], Neuguinea, Bismarckarehipel), woraus sich eine 
SchlagwafTe bildet, dann die Einfügung eines Steines in das obere Endo 
des Schlagstockes (Australien, Melanesien), worauf in letzter Linie die Beil- 
form Fig. 86 zurückzuführen ist, und endlich das Aufbinden des Steines resp. 
der Muschelklinge auf ein Knieholz, Meiches Stück für Afrika Stammvater 
der Axtform Fig. 90 ward. Aber über diese Beziehungen soll Ausführliches 
in einem späteren Bande folgen. 

Den Höhepunkt der Entwicklung als Waffe — wohlgemerkt: Waffe! 
die Steinaxt ist zunächst als Gerät wichtig; — gewinnt der Stein aber 
orst, wenn er mit dem Strick zusammentritt. Zunächst wird der Stein an 
den Strick gebunden. Die bolaähnlichen Waffen entstehen. Finsch fand 
auf den Gilberts noch ein solehes Gerät: Schlag- oder Schleuderstein, 
eiförmig aus Tridacna gescliliffen, an der Basis mit einem Bohrloch ver- 
sehen, in welches eine 18 cm lange Sclinur aus Kokosnufsfaser geknüpft 
ist, welche in eine Schlinge endet, weit genug, um die Hand durchzu- 
stecken. Wahrscheinlich diente diese Waffe nach Art unserer Totseldäger 
im Handgemenge zum Schlagen, wurde vielleicht aber auch geworfen. Als 
Bola zum Vogelfange sind diese Steine zu schwer. Bolaailiges Gerät be- 
safsen auch die alten Ägypter. — Aber noch wichtiger wird die Beziehung 
zwischen Stein und Leine, wenn das Festbinden aufgegeben, der Stein 
locker auf eine Verbreiterung der Schlinge gelegt wird, kurz, wenn die 
Schleuder entsteht. Auf sie hal)e ich weiter unten einzugehen. 

Aber dio Leine ist nicht niu' Begleiterin des Steines, sondern auch 
anderer Waffen; und sie erringt auch hier eine selbständige Bedeutung. 
Oftmals sind an Wurfkeulen Stricke angebunden, die wold nicht allein dem 



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Zwecke dienen, ein Gehänge zu gewinnen. Die hölzernen Schlagwaffen 
von Samoa, Savage- und anderen Inseln sowie die Wurfwaffen Afrikas, zu- 
mal das Wurfeisen, zeigt eine Umwicklung mit Strickwerk an der Basis, 
die ich auf eine Art Schleuderriemen zurückführen möchte. Was hier un- 
deutlich, ist anderen Ortes klarer erkennbar. Zumal im westliehen Afrika 
und auf dem Viktoria ist ein Fischereigerät häufig, das aus einer langen 
Leine besteht, an deren einem Ende ein eiserner Haken, an deren anderem 
ein Schwimmer aus Korkholz befestigt ist. Die Leine ist hier sehr ver- 
ständlich. Daran reiht sich die Harpune an, die einen Speer darstellt, 
dessen vonlerer Teil die sich abrollende Leine mit dem leicht aufgesetzten 
Haken trägt. Die Beziehung der einfachen Wurflcine oder Verbindungsleine 
mit dem Fischhaken und der Harpune wird noch durch eines bestätigt, den 
Schwimmer, der sich am Griffende des Speeres findet. In dieser Richtung 




Fig. 210. Wurfbrett aus Deutsch -Neuguinea (Mus. f.Völkerk. in Leipzig). 



ist das letzte Glied eine Speerart vom unteren Ubangi und mittleren Kongo, 
die eine Verbindungsschnur zwischen Speereisen und Speerstab besitzen. 
Solcho Harpunenspeere sind gleichzeitig bei Eberjagden und in Kriegen 
gebräuchlich. 

So tritt die Leine als dienendes Glied auf, ziun herrschenden wird 
sie, wenn der Speer in die Schlinge des Wurftaues gelegt wird. Das ist 




Fig. 211. Handhabung des Wurf brettes (nach v. Luchan). 



eine Art Schleuder, die aber nicht dem Stein , sondern dem Speer gewidmet 
ist Solche Wurfleinen wurden auf Neukaledonien , nach Forster auch auf 
den Neuhebriden und, wenn auch vereinzelt, nach Bastian auf Neuseeland 
benutzt. Einen Ausläufer dieser Speerschleuderstricke sieht Ratzel in den 
„rotbraunen Zottelknopfornamenten " an den Speeren der Admiralitätsinseln. 

Der Speerschleuderstrick hat noch einen Ausläufer in Oceanien gefunden, 
der uns wegen dos Materials interessiert. Es ist dies das sogenannte Wurf- 
brett, das allerdings im vorliegenden Falle kein Brett, sondern mehr ein 
Stab ist, für den wir aber diene gute Bezeichnung beibehalten wollen (Fig210). 
Seine Handhabung erläutert Fig. 211. Das Speerende wird in die Kcrbo des 



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Bambus eingefügt. Auf der einen Seite lagert der Speerstab an dem 
geschnitzten und eingefügten Holzstflck (a), gegen das ihn noch der Daumen 
drückt, so dafs er eine feste Stellung erhält. Der Schleuderer holt nach 
hinten weit aus und wirft den Speer im Bogen. Es entspricht das Ver- 
fahren der Handhabung der Schleuder vollkommen. Dafs das Schleudertau 
besonders praktisch für das Werfen der Speere sei, kann kaum behauptet 
werden. Der gekerbte Bambus mit der Rinne bot ein natürliches Ersatz- 
mittel. In Holz nachgebildet, findet das Wurfholz in Australien eine weite 
Verbreitung. In Viktoria besteht es noch aus einem Stück; ein Zahn ist 
an der Stelle am Endo der Kerbe des Bambusgerütcs stehen geblieben. 
Die neuesten australischen Formen zeigen aber einen aufgeklebten Zahn. 
Entstanden ist das Gerät aber in den Bambusländern, wo das Material einen 
natürlichen, zwanglosen Entstohungsprocefs ermöglicht. 

Eine kleine Abschweifung sei mir erlaubt. Das Wurf holz aus Bambus 
erinnert an eine andere Bambuswaffe, das Blasrohr. Es ist in Indonesien 
und auf Madagaskar gebräuchlich. Vielleicht hat das Anblasen des Feuer- 
trägers oder die Bambuspfeife vermittelnd gewirkt Wie dem auch sei, das 
Blasrohr aus Bambus ist im Lande der Bambuskultur eine so natürliche 
Erscheinung, dafs weitere Spekulationen unnötig sind. In Melanesien und 
an der Sierra Leone -Küste sind eigenartige Ausläufer der Waffe bemerkbar, 
und zwar im Kultus. Durch ein Rohr wird nämlich die Krankheit in den 
Feind geblasen. Es erinnert dies an dio Ausläufer anderer Merkmale des 
Fischerkultus, die wir ebenfalls im Kultus aufsuchen mufsten. Was dabei 
am meisten interessiert, ist die Nachwirkung des Materials auf weite Ent- 
fernungen. 

Doch nunmehr zurück zu der Schleuder. Afrika bietet zwei Formen, 
eino des Nordens, die aus einem in der Mitte verbreiterten Lederstreifen 
besteht und für welche als Beispiel die Schleudern der Abessynier und 
Wambugwe genannt werden mögen, und eine des Westens. Diese ist 
ein Geflecht von Fäden (z. B. Liberia). Die Südsee bietet natürlich nur 
Schleudern aus Pflanzenfasern. Uns interessiert besonders die Schleuder von 
Dschalut. Das Polster, auf welches der Stein gelegt wird, besteht aus 
einem viereckigen Stückchen Mattengeflecht aus Pandanus- Blattfaser, an 
welches zwei Stricke befestigt sind. Diese Form führt nach Hinterindien, 
wo eine der merkwürdigsten an südamerikanische Tliatsachen erinnernde 
Sclüeuder im Gebrauch ist 

Dio Steinschleuder in Birma etc. ist ein Bogen, dessen Sehne aus zwei 
Schnüren besteht, die an den Enden, an der Einhängestelle, vereint, in 
der Mitte aber durch zwei Stäbchen getrennt sind. Derart ist der Raum 
zwischen den Bogenenden in drei fast gleiche Abschnitte geteilt: Sehnen- 



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ende -Trennstäbchen , Trennstäbehen - Trennstäbchen , Trennstäbchen - Sehnen- 
ende. Etwa in der Mitte des mittleren Abschnittes ist das fast quadratische 
Baum woilge webe angebracht, welches das Steinlager darstellt. "Was vermag 
diese Verbindung von Bogen und Schleuder nun über den Ursprung des 
Bogens zu sagen? 

Ganz ungezwungen sind wir so bei der Verfolgung der Entwicklung 
der drei Waffenelemente Stock, Stein, Strick zu dem Bogen gelangt. Und 




Fig. 212. 

Speerwerfer aus dem Kongogebiet (rekonstruiert nach Junker und Angaben von'Rose). ' 



sein erstes Auftreten leitet auf zwei einfache Motive, den Schleuderstrick 
und den Sehleuderstein, zurück. Und das. ist sicherlich nicht von neben- 
säclüicher Bedeutimg, denn der Bogen Birmas steht vielleicht als Stein- 
schleuder sehr vereinzelt (?), nicht aber so in seinem Konstruktionswesen 
in unserem nächsten Interessengebiet da. Auch vorderindisehe Bogen haben 
die durch Stäbchen geteilte Sehne. Sie ist aber nicht aus Schnüren ge- 
bildet, sondern aus einem gespaltenen Bambusstreifen. Und das führt zu 



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früheren Ergebnissen zurück, erinnert an den Bogen Taf. II und Fig. 32, 
vor allem an die Angabe Jobsons, dafs auch die Sehnen der Jolof- Bogen aus 
dem gleichen Holze hergestellt seien wie der Bogenstab. Aber lassen wir 
zunächst noch die Materialfrage und treten von einer anderen Seite dem 
Problem näher. 

Aus dem gescldeuderten Wurfstock ward der Speer. Aber auch zur 
Stofswaffe ward er. Das einfache Werfen der Lanze unterscheidet sich 
vom Schleudern des Wurfstockes, dafs letzterer am Ende, erstere etwa in 
der Mitte erfafst wird. Die erstere Waffe wird so geschleudert, dafs sie 
sich überschlägt — der Schwerpunkt liegt in der Vorderspitze — , die 
andere dagegen in horizontaler Linie fortgestofsen. Dabei giebt es einige 
kleine Handgriffe, die sehr wichtig sind. Die Kongovölker benutzen ihre 
kurzen Speere in der Weise, dafs das hintere Ende in die rechte Holdhand 
gestemmt und das vordere Ende von der linken Hand gelialten wird. Die 
rechte Hohlhand schnellt den Speer Über die linke Hand nach vorne. 
Junker hat das Verfahren bei den Momfu kennen gelernt. Nach verschie- 
denen Mitteilungen ist es aber auch sonst im Kongogebiet gebräuchlich. 
Die Holzknoten, Kugeln und anderen Verdickungen an den Speeren der 
Baluba und Bassonge sind auf solche Methode zurückzuführen. Die rechte 
Hohlhand ergreift diese Kugel wie einen Stein, den sie schlendern will. 
Wir sehen also in dieser Methode die Vereinigung von Stein- und Knüppel- 
wurf. Der Steinwurf ergab die Bewegung auf einer horizontalen Fläche; 
aus dem Knüppel entstand das Speerholz selbst. Nun, diese Methode den 
Speer zu werfen (Fig. 212), entspricht der Handhabung des Bogens voll- 
kommen. Die linke Hand trägt den Speer, wie das Bogenholz den Pfeil. 
Die Funktion dor zurückschnellenden Sehne verrichtet die rechte Hand. 
Die Übereinstimmung ist eine vollkommene. 

Demnach wäre der Pfeil aus dem Wurfspeere hervorgegangen. Wenn 
wir aus der Form des Pfeiles einen Schluß auf die ursprüngliche Gestalt 
des Bogens ziehen wollen, so müssen wir ihn noch näher kennen lernen. 
Welche unter allen Pfeilfonnen Afrikas und Oceaniens nun kann Anspruch 
darauf erheben, gleichzeitig mit dem malajonigritischen Bogen aufgewachsen 
zu sein? Es giebt gar viele Arten und von ihnen müssen sogleich allo 
ausgeschlossen werden, die mit fremden Materialien verbessert sind, mit 
Federn am Ende, mit Knochen- oder Steinspitzen. Der dem Material am 
ungezwungensten entwachsende Pfeil ist ein Typus, der auf den Am und 
Salomonen häutig ist. Es ist (Fig. 213) ein einfacher Schilf stengel, an dem 
unten zwei Streifen der Blattfläche als Befiederung g< lassen sind. Diese 
ursprüngliche Form mag selten sein. Nachkommen, Folgeformen sind beson- 
ders im westafrikanischen Kulturkreise keine Seltenheiten. Schon auf Ugi 



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und Biu bei Sanchristoval benutzt man Pfeile, die am 
unteren Schafte Palmblattstreifen tragen. Die afrikanische 
Form (Fig. 214) zeigt einen aufgeschlitzten Stab, in den ein 
dreieckiges Blattstück eingefügt ist. Diese von der Blatt- 
flache des Schilfpfeiles abstammende Befiederung ward be- 
obachtet bei Akka und Waldvölkern des Ituri , bei den Fan, 
am Lomami und am Sankurru. 

Dieser malajonigritische Pfeil verrat eine Eigenschaft 
des zugehörigen Bogens: Schwache. 

Sind wir einerseits von der Schleuder aus dem Bogen 
nähor gekommen, andererseits desgleichen von der "Wurf- 
lanze aus, so wollen wir nunmehr auch im Bogen selbst 
Eigenscliaften aufsuchen, die Kunde von seinem Aufwachsen 
geben. Denn gerade in ihnen mufs, wenn überhaupt, etwas 
über die Urgeschichte der Waffe zu lesen sein. 

Die wichtigsten Eigenschaften des malajonigritischen 
Bogens sind (vergl. Kap. 4, S. 78): Herstellung nur aus 
Pflanzenstoffen; Befestigung der Sohne mit Knotenschlinge 
oder mit geflochtener Schlinge; Holz schwach gebogen, 
innen mit einer Rinne resp. Abflachung, an den Enden mit 
Knoten. Das Oesetz von der materialgerechten Entstehung 
und Entwicklung mufs uns sagen, dafs die Bogenform Fig. 32 
und noch mehr Taf. II dem Ursprünge am nächsten liegen. 
Denn aus ihnen beiden verstehen wir den wichtigen Satz 
von Jobson: Stab und Sehne des Bogens sind aus einem 
Holze gemacht. Das kann für Oceanien nur das Material 
des Bogens 32 sein, nämlich Bambus. Ein Bambus ist der 
Stab, ein Bambussplitter mit den Resten zweier Nodien oder 
Knoten ist die Sehne. Und das Gesetz von der material- 
gerechten Entstehung, dem Emporwachsen der Geräte aus 
der Eigenschaft des Materials sagt nicht nur, dafs die Form 
dann dem Ursprünge am nächsten liege, wenn alles aus 
gleichem Materiale bestehe, sondern auch, dafs das Ganze, 
das Konstruktionswesen, alle Teile aus einein Teile empor- 
gewachsen sein müfsten. Was das Gesetz ahnen läfst, be- 
stätigt die formale Eigenschaft Die innere Rinne ent- 
spricht der Sehne. 

Vergegenwärtigen wir uns nunmehr das Verhältnis 
des ursprünglichen Bambusbogens zu einer heute noch er- 




213. 214. 

Fig. 213. Schilf- 
pfeil von den 

Salomonen. 
Fig. 214. Pft il 
vom Lomami (im 



haltencn Form wie etwa Fig. 32 oder Taf. II, so kann fest- Besitze d.Verf.). 



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gestellt werden: es mufs das gleiche Verhältnis sein wie zwischen den 
Saiteninstrumenten Fig. 113a und 113b. Dio Bambuslaute der Sakalava ist 
noch ein Stück, die der Nikobaren besteht aus zwei Teilen: der Sehne und 
dem Schallkörper. Die Ähnlichkeit geht so weit, dafs sich an Fig. 113b 
nicht nur die innere Rinne als Abflachung, sondern auch an den beiden 
Enden der Saiten Verdickungen resp. Verbreiterungen entsprechend den 
Knotenenden an den Sehnen finden. 

Wäre also der Bogen auf ein Stack Bambus zurückzuführen, von 
dessen äuf serer Wandung ein Streifen als Sehne losgelöst ist, so dafs eine 
Rinne entsteht Das wird durch eine sehr wichtige Thatsache bestätigt. 
Schmeltz betont, dafs an allen Bambusbogen die Innenseite des Bambus nach 
aufsen gekehrt ist. Die Thatsache ist richtig. Unsere Fig. 37 ist eine vereinzelte 
Ausnahme. Damit tritt die Verwandtschaft des Musikinstrumentes und des 
Bogens schon hervor; noch klarer wird sie uns, wenn wir eine Mitteilung 
de Clerqs ins Auge fassen, dafs nämlich die Papua Kasuarklauen und 
andere Schallkörperchcn an den Bogen binden, weil das einen ihrem Ohre 
angenehmen Laut hervorbringt. Auf das gleiche Motiv und einen sowohl 
wesentlichen als konstruktiven Verwandtschaftszug zwischen Bogen und 
Bainbuslaute möchte ich auch die Pseudosehnen zurückführen. Die Rotang- 
ringe kehren an dem Musikinstrument und am Bogen wieder. Nur ist der 
Zweck am Bogen ein anderer geworden, an der Laute aber der gleiche 
geblieben. Die Holzknoten etc. am Bogenende, dio die Sehne tragen, sind 
auf die Nodialvcrdickungen zurückzuführen. — Das anscheinend Trennende 
ist leicht zu verstehen und nicht schwer zu ersetzen. Das Saiteninstrument 
ist ein leichtes imd schwaches Spielzeug, der Bogen eine starke Waffe. 
Wir sahen oben aus der Eigenschaft der malajonigritischen Pfeile, dafs 
auch der ursprüngliche Bambusbogen ein schwaches Produkt gewesen 
sein mufs. 

Somit sehen wir den Bogen selbst herauswachsen aus dem Bambus 
als Verwandten des Saiteninstrumentes. Das Princip der Handhabung der 
Waffe lernten wir schon kennen im Spoerschleudera. Zuerst trat der Bogen 
uns aber als vervollkommnete Schleuder entgegen, ein Zug, der noch um 
ein kleines bedeutender erscheint, wenn der Sitte gedacht wird, dafs die 
Oceanier die Schleuder, die Malajonigritier Afrikas eine Resorvesehne um 
den Kopf gewunden tragen. 

Nach älterem Muster müfste ich nun noch eine Lobpreisung des 
eigentlichen Bogenentdeekers anfügen! Aber hat es denn einen solchen 
gegeben? 

Die eigentliche Erfindung des Wesenszuges des Bogens lehrt jeden 
eine tägliche Erfalirung, dafs nilmlich jeder schnellenden Bewegung ein 



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♦ 



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Ausholen vorangeht, denn die Kraft der Kontraktion des Muskels wächst 
bis zu einem gewissen Grade mit der vorhergehenden Dehnung. Wer einen 
Stein schleudern will, holt möglichst weit aus, wer einen Sprung auf der 
Stelle ausüben will, geht vorher in die Kniebeuge über. Und das lehrt 
nicht nur die Physik und der Stubengelehrte. Das kennt der Naturmensch 
aus eigener Erfahrung. Und was ihn beim Speerwerfen der eigeno Körper 
lehrt, das weifs er in allerhand Wildfallen und sonstigen Vorrichtungen aus- 
zunutzen. Zur näheren Erläuterung und als Beispiel diene die beifolgende 
Tafel V, die die Enthauptung eines Opfers darstellt. Der niedergebogene 
Ast, der an den Kopf des armen Teufels gebunden ist, schleudert diesen 
weit fort, wenn das Richtmesser Haupt und Rumpf getrennt hat. Hier ist 
etwas ausgenutzt, was der Waldläufer wohl täglich mit Mißbehagen be- 
merkt, dafs nämlich die von vor ihm Gehenden zur Seite gebogenen Zweige 
ihm kräftig ins Gosicht peitschen. 

Der Bogenschuß aber ist dem Princip des Steinwurfes folgend ent- 
standen. Bogenschufs und Schleuderwurf sind durch den Speerwurf ver- 
bunden. Der malajonigritische Bogen selbst aber verdankt dem Bambus 
sein Dasein. 



Was wir bis jetzt erfahren haben über Material und Entstehungs- 
geschichte, bezog sich fast alles auf einen Kulturkreis, den westafrikanischen. 
Und dennoch dürfen die Ergebnisse als hinreichend bezeichnet werden, 
um Schlüsse aus den gewonnenen Erfahrungen zu ziehen. Allerdings kann ich 
nicht leugnen, dafs meine Anschauungen andere sind als die althergebrachten. 
Aber der Materialschatz, der durchforscht worden ist, giebt mir die Be- 
rechtigung, frei nach den neuen Gesichtspunkten zu urteilen. 

Ich gebe den bisherigen Weg nunmehr auf und schlage einen neuen 
ein. Es ist genug vom Ursprünge und der Entwicklungsgeschichte ge- 
sprochen worden; es mag jetzt das Seiende dem Gewordensein gegenüber 
in sein Recht treten. Die neue Frage ist: Woraus bestehen die Dinge? 
Sie ist weniger eine eigene als eine fortgeführte Form der vorigen: 
woraus sind sie entstanden? Das wollen wir im Auge behalten. 

Der veränderte Standpunkt bedingt eine andersartige Betrachtung des 
Begriffes: Material. Zumal an zusammengesetzten und entwickelteren Formen 
der Geräte ist die verschiedene konstruktive Bedeutung bemerkbar. Am 
Hauso tritt das am klarsten hervor. Dasselbe hat ein tektonisches Gerüst, 
das aus verschiedenen Stützen besteht, und dazu Dach und Wände, das sind 
Füllungen. Die natürliche Einteilung der Stoffo eines Hauses Ist daher: 
1. Stütz- und Steif Stoffe; 2. Wandungs.stoffe ; 3. Bindestoffe. Stütz- und 



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Steif stoffe sind die Balken und Stangen des Gerüstes; Bindestoffe die 
Stricke, mit denen sie untereinander befestigt sind; Wandungsstoffe das 
Stroh auf dem Dache, die Matten, Lederdecken oder Lehmziegel der Wände. 
Es ist noch ein anderer Ausgangspunkt möglich, der für einfachere Geräte 
höherer Entwicklung wertvoll ist, die Einteilung in Haupt- oder Leit- und 
Hilfsstoffe. Am Speer, der aus der Holzstange entstanden ist, ist der Holz- 
stab Leitstoff, die Stein- oder Eisenspitze dagegen der Hilfsstoff. 

Es ist ganz selbstverständlich, dafs die ganze physiologische Unter- 
suchungsweise mich zum vollständigen Bruch mit der althergebrachten Ein- 
teilung in Stein- und Eisenzeit zwingt. Es mufs das betont werden, weil 
ja aus der Beziehung der Herstellungs- und Nachbildungsstoffe und des 
Wesens der Geräte ja auf die Beziehung der Kidturformen geschlossen 
werden soll. Es liegt der Einteilung in Stein-, Bronze- und Eisenzeit 
oder auch Holz-, Knochen- und Muschelzeit (nach Bastian für Oceauien) 
ein doppelter Irrtum zu Grunde. Von Zeiten ist nämlich einmal gar nicht 
die Rede, sondern von Kidturformen. Und zum andern sind Stein, Bronze, 
Eisen, Knochen, Muschel viel zu unwesentlich, um gleichsam als „Leit- 
fossile tt aufgeführt zu werden. Von einer Eiseukultur kann man vielleicht 
und höchstens als von unsrer eignen Kulturform reden, in der eiserne Träger 
Stützstoffe, Wellblech und Metall platten Wandungsstoffe, Nägel, Bänder etc. 
Bindestoffe sind, in der allerdings eine grofse und an wichtigen Dingen 
reiche Reihe von Geraten das Metall als Leit- und Ursprungssl off bietet. 

Aber ist es denn überhaupt von Wert, die Kulturformen in dieser 
Weise einzuteilen? Und wenn, was ist dann ausschlaggebend? Nun, eine 
derartig»? Untersuchung ist sicherlich eine berechtigte, wenn ihre Ergebnisse 
ein Licht auf das Verwandtschaftsproblem werfen. Wenu durch die Be- 
rührung zweier Kulturen einer dritten das Leben gegeben wird, so tritt 
sie reicher ausgestattet in die Welt. Die anschwellende Bereicherung stellt 
das etappenmäfsige Anwachsen der Gesamtkultur dar. Dabei ist es wenig 
von Belang, ob hier die Speere Eisenspitzen, dort Knochenspitzen tragen. 
Das kann ich noch nicht Merkmale der Eisen- oder Knochenkultur nennen. 
Das eben angeführte Beispiel unserer Zeit, in der das Eisen eine Umformimg 
der ganzen Kultur auf Grund der Ausnutzung der Metalle hervorbringt, mag 
nochmals herangezogen wenlen. Erst wir besitzen die Eisen- oder Metall- 
kultur und nicht der Afrikaner, der eine Pfeilspitze, das Blatt der Hacke, 
ein wenig Schmuck etc. aus Eisen herstellt. Und die Steinkultur wird erst 
da lobendig, wo das Haus aus dem Felsen wächst, die Götterstatuo dem 
Granit- oder Marmorblock entsprol'st etc., angenommen nämlich, dafs man 
überhaupt von der Steinkultur sprechen darf, was ich noch sehr in Frage 
setzen möchte. 



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Also ist es nicht tief genug und unwesentlich, wenn so nach äufseren, 
auffalligen üntersclüeden geurteilt wird Wir werden sogleich sehen, dafs 
die afrikanischen Kulturen ganz andere Unterschiede in ihrer stofflichen 
Ausgestaltung bieten. 

Die Untersuchung mag mit den Hütten beginnen. Im Norden das 
Zelt. Die Stangen sind mit Lederriemen verbunden. Lederdeeken oder 
Kamelhaardecken stellen die Wandungsstoffe dar. Dieser Hütte kann das 
Giebelhaus Afrikas gegenübergestellt werden. H. Frobeuius hat früher ein- 
mal gesagt: Die eigenartige Konstruktion des Karten-Matten-Hauses kann 
nur im Lande tropischen Pflanzen wuchses, im Lande der Raphiapalme und 
Banane entstanden sein. Es ist das vielleicht zu modificieren. Im wesent- 
lichen trifft der Satz das Richtige. Das gerüstlose Matten- oder besser Tafel- 
haus besteht aus Rahmen (Steifstoffe!), die mit Flochtwerk gefüllt (Wandungs- 
stoffe !) und untereinander vermittelst Rotang oder gedrehten Fäden (Binde- 
stoffe!) verbunden sind. In Oceanien bietet der Bambus die Steifstoffe, 
Schilf und Blattwerk das Wandungsmaterial. Finseh sagt vom melanesischen 
Hause: Sparrenwerk, Dach, überhaupt alle Teile des Hauses sind mittels 
gespaltenen Bambus, Rotang, Bast oder Lianen verbunden oder befestigt. 
Aus Bambus wird auch oftmals das Gerüst der entwickelteren Haustypen 
zusammengefügt Vielleicht tritt aber das Holz in gleicher Bedeutung da- 
neben, da die Barla aus Holz entstanden sein dürfte. Drittens ist der 
Lehmbau der Afrikaner zu erwähnen. Zunächst Bindestoff (Verdichtung 
der Wandmaschen) und Wandungsmaterial (Ausfüllung des Gerüstes), wird 
der Lehm zuletzt sogar Steif- und Stützstoff. 

Derart aufgelost , tritt eine Dreiteilung der angewandten Stoffe hervor: 
Pflanzenstoffe, Tierstoffe und Erdstoffe. Wir werden diese Gruppierung im 
Auge zu behalten haben, wenn wir sie auch nicht immer betonen. 

Die Trachten der Afrikaner bilden ein buntes Bild der Verbreitung; 
sie ist aber nicht gesetzlos. Sehurtz hat das zuerst erkannt und in treff- 
licher Weise den Zusammenhang des Trachtenmaterials und des Klimas 
gezeigt. Die Kleidung der Naturvölker stellt zunächst Wandungsstoffe dar, 
wobei der Körper als Stiltzstoff dient. Das gilt im speciellen von dem 
Lendenschur/.. Wie die Karte (Kartenblatt 1, Nr. VI) lehrt, herrscht im 
Norden, Osten und Süden die Fell- und Ledcrtraeht. Ein weiter Ring 
umgiebt den westafrikanisehen Kulturkreis. Hier sind die Rindenstoffe, die 
durch Klopfen der Baumrinde erzeugten Schurze und Gewänder heimisch. 
Im westlichen Ablagerungsgebiet sind die Pa Im fasers toffe gebräueldich. 
Diese sind gewebt. Die Baiuuwollgcwänder dringen von Norden und Nord- 
osten vor. Das Baum woll gebiet des Südens darf als sehr jung bezeichnet 
werden. lassen wir es aufser acht. Vor allem stehen sieh Pflanzen stoffe 



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und Lederstoffe gegenüber. Nicht nur in der Gewandung, sondern auch 
im Schmuck. Geflochtene Ringe aus Stroh und Rotang zieren Arme und 
Beine. Das erinnert an ozeanische Thatsachen, besonders wenn diese Flecht- 
werke mit Muscheln verziert sind. Den Kopf schmückt ein geflochtener 
Cylinder ohne Deckel und Rand. Solche „Hüte" der Sande und Kongo- 
völker gemahnen an gleichen Hauptschmuck bei den Malajonigritiern Oceaniens 
(Papua Neuguineas und Ncukaledoniens). Dagegen verwenden die Nord-, 
Ost- und Südafrikaner zumal Lederringe als Arm- und Beinzierde, Leder- 
kappen, Mützen aus Tier- 
faser mit Straufsenfedern 
etc. als Kopfschmuck. 
Das Vorrücken der Eisen- 
industrie wird markiert 
durch Londenschurze aus 
Eisenperlen, Eisenringe 
an allen Gliedern, zumal 
im Nilgebiet und im 
Norden Ostafrikas. 

Aber nicht nur mit 
dem Klima, sondern auch 
mit der Nahrung steht 
die Tracht in Beziehung. 
Denn die viehzüehtenden 
Völker sind vor allem 
die Fellträger. Auch sind 
es die, bei denen das 
Ernährung bildet. Amiers in Westafrika, 




Fig. 215. 

Armband aus Geflecht mit Muschel - und Perlenschmuck, 
stark mit roter Farbe eingerieben ; vom Sankurru. 
(Leipziger Museum, Slg. Kongostaat. ) 



Fleisch die natürliche Basis dt 
wo es die Mahlzeiten der Feiertage ausmacht. 

Zu den Waffen ütargehend, reiht sich der Tracht am ungezwungensten 
der Panzer an. Die Nordafrikaner haben neben den vom Standpunkte der 
Materialforschung wenig bedeutungsvollen Wattenpanzern Hemden aus Eisen- 
ringen. Auf dein Haupte prangt der Stahlhelm, am Schilde Eisenbuckel 
«ind Metallbeschläge. Daneben treten die Lederkoller auf. Ein bestimmter 
Typus hat sich im südlichen Sudan entwickelt. Die Lederpanzer sind, wie 
im 3. Kapitel dargestellt, einem Streifen im Norden des Ke-ngogohietes eigen. 
An sie leihen sieh im Süden die geflochtenen Harnische an. Panzer aus 
dickem Strohgoflecht und eine entsprechende Kopfbedeckung aus demselben 
Material lernte Nachtigal l»ei den südlichen Stämmen Baghirmis kennen. 
Die Bangala benutzen eine dem Lederpanzer in der Form gleichende Leib- 
binde en über vcggtal chef d'ceuvre de tissage als Panzer. Als Schutzwaffe 



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der Stämme am oberen Ituri dienen neben den Lederpanzern häufig trapez- 
förmige, aus Rohr geflochtene Platten von etwa 40 cm Länge, die auf dem 
Bücken an einer um den Hals laufenden Schnur liängen und durch einen 
dicken Rand und kreuzweise über sie weglaufende Stäbe die nötige Festig- 
keit erhalten, als Schutzwaffen. Diese pflanzlichen Panzer und Rückenschilde 
sind Analogieen zu gleichen Thatsachen der Südsee (vergl. z. B. Finsch: 
„Samoafahrten tt Abbildung S. 37) sowohl in Mela-, als Mikro- imd 
Polynesien. 

Wo die Westafrikaner Köcher benutzen, sind dieselben aus Flecht- 
werk oder Bambus, oder auch aus Rinde verfertigt. Diejenigen aus Flecht- 
werk sind bald korb- bald sackartig. Neben wenigen Köchern aus Bambus 
und Holz benutzen die Ost- und Nordafrikaner solche aus Leder. Köcher 
der Ovambo und Herero sind aus Rinde hergestellt, aber mit Leder über- 
zogen. Die schönsten Pfeilgefäfse finden sich aber im Sudan. Sie bestehen 
durchgehends aus sehr feinem Leder, sind mit Quasten und einem Deckel, 
sowie mit einem breiten Gehänge versehen, kurz, gleichen den asiatischen 
Vettern wie ein Ei dem andern. Asiatisch ist auch die Tasche, in der der 
Bogen getragen wird, der Bogenköcher. Die Analogieen zu dem west- 
afrikanischen Köcher aus Pflanzenstoffen sind in Oceanien aufzusuchen. 

Die Schilde der Nordafrikaner bestehen aus Leder, die der Ostvölker 
aus Leder und Fell und die Südafrikas aus Fell. Kein besseres Beispiel 
giebt es für die Beobachtung, wie tlie Bearbeitung der tierischen Stoffe 
dem Norden zu an Feinheit zunimmt. Leitet das Leder nach Asien, so 
bietet der PflanzenstofT in Westafrika wiederum eine reiche Auswahl malajo- 
nigritischer Tliatsaehen. Es giebt im westlichen Kiüturkreise fein geflochtene 
und roh gearbeitete Rolir- und Weidenschilde. Zuweilen dient Holz oder ein 
lcichtei-es Material wie der Ambatsch als Unterlage. Das Holz selbst aber 
giebt dem primitiven Stockschild das Leben, dessen Wesen zuweilen noch 
aus dem malajonigritischen Korbsclüld nachklingen mag, dessen höchste 
Entwicklung aber nur von verdrängten Völkern noch erhalten ist, wie in 
toten Winkeln Afrikas und in Australien. Es ist eine alte Waffe; sie ist 
nigritisch. 

Afrika birgt zwei Bogenformcn. Die nördliche jst durch tierische 
Stoffe ausgezeichnet. Die Sehne ist eine Tiersehne oder ein Lederstreifen. 
Der Bogenstab ist mit Leder umwickelt oder mit Fell geziert. Von Norden 
nach Süden blickend, entdecken wir stufenweise Abflachimg. In Südafrika 
tritt sie am klarsten hervor. Und doch zeigt sogar der Bogen der Ovambo 
und Nachbarn neben der tierischen Sehne ein Zeichen asiatischer Verwandt- 
schaft: die äufsere Abflachung. Der malajonigritische Bogen der West- 
afrikauer ist dagen aus dem Pflanzenstoffe hervorgegangen , in diesem Materiale 



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— 288 — 



auch nur wahrhaft lebensfähig. Nur, wo die asiatische Kultur einflufsreicher 
eingreift, wie vom Norden zum Kongo, da ist auch Fellschmuck bemerkbar. 
Sonst ist der Bogenstab aus Holz oder Bambus , die Seime aus Rotang oder 
Faserschnur, der Endknoten der Sehneneinhängung aus Stroh, Rotang oder 
Holz und der Ringschrauck wiederum aus Rotang gefertigt Das Eisen 
wird im Norden insofern bemerkenswerter, als der Dinkabogen mit Eisen- 
bändern umwickelt ist. — Die Schleuder besteht im Westen aus Pflanzen- 
faser (Stricke!), im Norden aus Leder. 

Der Pfeil Nordafrikas besteht aus Rohr oder Holz. Wo Befiederung 
vorkommt, sind Federn verwendet. Sie sind mit Sehnen befestigt; mit 
Sehnen sind auch oft die Eiseuspitzen angebracht. Die Rohr- oder Holz- 
pfeile mit Blattstreifen als Befiederung, mit eingelassenen Holzspitzen und 
Rotang oder sonstiger Pflanzenfaser als Bofestigungsmatcrial sind zumal 
westafrikanisch und Zeichen malajonigritischer Verwandtschaft. An der Süd- 
grenze nördlichen Einflusses, am Rande des westafrikanischen Kulturkreises 
findet sich die eigenartige Lederbefiederung. — Die Speere Westafrikas 
sind häufig mit Rotang, die Ostafrikas mit Tiersehnen, die der nördlichen 
Gegenden mit Eisendraht umwickelt. Ganz aus Eisen bestehendo Speere 
mit Fellschmuck gehören dem Süden an. Dom Norden zu tritt Leder an 
die Stelle des Felles. 

An Schlag- und Schneidewaffen besitzt Nordafrika vorzüglich Eisen- 
gerät: Schwert, Stilett, Dolch, Wurfeisen. Auch die Keulen sind hier mit 
Eisen beschwert. Dem Süden zu werden diese Waffen schwächer, besonders 
im Osten und Süden. Das einfache Speereisenmesser ist eine jämmerliche 
Waffe. Die Streitbeile mit Eisenklingen sind ihnen bedeutend überlegen. — 
Westafrika ist verhältnismäfsig reich an wunderlichen au Malajonigritisches 
in Oceanien erinnernden Holzwaffen. In Eisen umgebildet, sind eigenartige, 
formreiche Gebilde entstanden. Das Bambusmesser und der geschliffene 
Holzsplitter, die bei der Beschneidung Yenvendung finden, sind nicht zu 
vergessen. — Primitive Holzwaflen sind über Nord-, Ost- und Südafrika 
verstreut. Holzkeule, Schlagstock, Wurfstock, Wurfkeulo sind nigritisch. 
Die höchstentwickelte unter ihnen, das Wurfholz, führt in abgelegenen 
Gegenden ein kümmerliches Dasein. — An die Lederbefiederung an der 
Grenze des Nil- und Kongobeckens erinnert eine Bemerkung Masuis: Luxus- 
waffen der Sango am oberen Ubangi bestellen aus Leder. 

Unter den Geräten Westafrikas tritt die Matte hervor. Sie nimmt 
sogar die Bedeutung des Geldes an wie in Melanesien. Dagegen gewinnt 
im Norden die Lederdecke einen breiteren Raum im Haushalte. Den 
Körben, Rindenschachteln, Kalabassen, Tragkörben, Tragnetzen, Bambus- 
büchsen Westafrikas entspricht der Ledersack und die Ilornbüchse Nord-, 



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Ost- und Südafrikas. Dazu tritt im Norden hier und da der Eisentopf. Der 
Fächer Westafrikas besteht wie der Oceaniens aus Geflecht, der Nordafrikas 
aus Leder. Der Blasebalg ist nur im westafrikanischen Kulturkreise mit 
einem Stoff aus geklopfter Bananenfaser als Trichter versehen (Stuhlmann 
und Schweinfurth). Sonst ist es ein Ledersack oder Fellmantel. Unter 
den Rauchgeräten fallen im Interesse der Materialforschung drei Thatsachen 
auf: Pfeifen aus Holz und Bananenrippen im Westen, Pfeifen aus Leder, 
allerdings mit Thonkopf, im Süden des Sudan und Pfeifen aus Eisen und 
Messing ebenda. Dem im Süden erlialtenen einfachen nigritischen Grabstock 
entspricht der Pflug im Norden, die Eisenhacke als Bindeglied in der 
Verbreitung. 



Die Trommeln zeigen eine reiche Entwicklung, dabei aufserordentlich 
bezeichnende Merkmale. Fein bearbeitete Haut über der Standtrommel aus 
Thon im Norden, im Süden Entstehimg der Felltrommel aus der primitiven 
Fellbearbeitung. In der Mitte eine grofse Fülle von Bindegliedern. Den 
Entwicklungsgang der Eisenindustrie deutet die Kesselpauke der Nord- 
afrikaner und eine vereinzelte eiserne Trommel bei den Nilstämmen an. 
Die Bambustrommel gab den westafrikanischen Holzpauken das Leben. Das 
ist ein malajonigritisches „Leitfossil". Bis zur primitiven, nigritischen 
Kulturform leitet der Klangstab zurück, der unter den Händen der Malajo- 
nigritier zu kompliciorten Instrumenten geführt hat, wie z. B. die Mariniba 
der Westafrikaner. — Der Holztroramel gliedern sich Rasseln aus Frucht- 
schalen, Holzglocken und geflochtene Klappern an, der Kesselpauke Eisen- 
glocken und Schellen. 

Zum Schlufs die Saiteninstrumente. Die eine Gruppo wächst aus 
dem Bambus hervor, das ist zumal die Bambuslaute. Sie wird im west- 
afrikanischen Kulturbesitzo zum Ausgangspunkt einer reichen Entwicklung. 
Aber schon am Orte der Entstehung ist sie mehrfach umgebildet. Und die 
Umbildungen sind zum Teil als vollendete Thatsachen nach Afrika gekommen. 
Was die ganze Gruppe der malajonigritischen Saiteninstrumente Westafrikas 
auszeichnet, sind etwa folgende Merkmale: Saiten aus Pflanzenfasern 
(Rotang, Grashalme, Bambusstreifen, Wurzelfasern etc.), statt des Wirbels 
Spannungsverfahren vermittelst der meist aus Rotang hergestellten Spann- 
schleifen, ein oder mehrere Stege, Schallkasten aus Holz, Bambus etc. 
oder Kürbisschale. Also Vorwalten und fast durchgehends Alleinherrscheu 
pflanzlicher Bestandteile. Aus dem Norden kommen vor allem die Geige 
und Guitarre. Deren Merkmale sind: Saiten aus Tierfascr (Sehnen oder 
Haare), Fehlen des Steges, Spannimg iler Saiten vermittelst Wirbel, Be- 
deckung des Sehallkastens mit Haut, Leder oder Fell. An der Grenze der 
nordafrikanisch -asiatischen und westafrikanisch -malajonigritischen Kultur- 

Frobi'nius, Afrikanischo Kulturen. 19 




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kreise sind mehrere Mischungen hervorgetreten, deren W dem 
Material spricht. Abflachung ist wieder für den Süden bemerkenswert. — 
Für die Geschichte der Eisenindustrie wichtig ist der Schmuck der Saiten- 
instrumente mit Blechplattchen und Eisenringen, die beim Schlagen der 
Saiten mitklingen. Das wurde im Sudan und einem Streifen, der ihn 
umgiebt, boobachtet 

Was ist nun das Charakteristische des sich derart entrollenden 
Panoramas? 



Ich meine, aus dieser Materialsondierung leuchteten bestimmte und 
klare Züge der Lebensformen unserer Kulturen. Um die Übersichtlichkeit 
noch zu fördern, ward das Resultat auf der nebenstehenden Tabelle II 
zusammengefaßt Wir fahndeten oben nach Leitfossilen, Eigenschaften von 
Stoffen, die der ganzen Kulturform ihren Stempel aufdrücken. Aus der 
Aufstellung spricht der grofse und schwerwiegende Satz: Hie Pflanzen- 
faser! Hie Tierfaser! Gowifs ist ein Unterschied zwischen den beiden 
Gruppen der Kulturformen in Afrika festzustellen, zwischen den Kulturen 
der Pflanzenfaser und denen der Tierfaser. Es ist der schon oben betonte, 
dafs einerseits die Pflanzenkultur als ein vollendetes, abgeschlossenes Ent- 
wicklungswesen, die Lederkulturen dagegen als Werdende in Afrika auf- 
traten. Die westafrikanisehen Kulturschatze zeigen völliges Beherrschen 
des Stoffes, vielleicht Degeneration hier und höchste Ausbildung da, aber 
die Unterschiede stellen nur Schwankungen über oder unter das Niveau 
einer ausgereiften Kulturform dar. Dagegen wird die Lederkultur von 
Norden nach Süden schwächer. Im Norden die Gerbstoffe, aufserordentlicli 
feine Lederbearbeitung, bunte Leder. Im Süden dieses Kreises ein 
Schwemmgürtel , der durch die Verbreitung von Dingen markiert ist, die 
wie ein Jubeln über die neue Erwerbung des Materiales und seiner Fähig- 
keiten klingt: die Lederwaffen, die lederne Tabakspfeife, die Lederbefiede- 
rung an den Pfeilen. Der übermäisig massive Lederpanzer mag dazu ge- 
rechnet worden. Die Südgrenze diese« Randgebietes liegt am Kongo. Und 
im Süden die rohe Fellverarbeitung. Wie bezeichnend ist hier das rohe 
Aufwachsen der Felltronimel aus der Fellindustrie. 

Was ist leichter verständlich als der UntersVhied der zwei Kultur- 
formen Süd- und Xordafrikas! Er liegt in dein Worte: Fell und Leder. 
Mit einem Follstreifen schmückt auch der Australier den Stockschild, aus 
Leder ist nur der des N< »rdafrikaners. Das trägt zur Aufklärung viel bei. 
Denn die Analogie erinnert daran, dafs eino gleiche Beziehung zwischen 
Fell und Leder und zwischen Jagd und Viehzucht besteht. Und in der 
That bietet diese Parallele einen weiteren Ausblick. Von Norden, von Asien 



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Lbersieht der Verwendung der verschiedenen Stoffe. [Tab. it.] 


Materiale 
zu: 


1. Aus dem Pflanzenreich 


2. Aus dem Tierreich 


3. Aus dem Erdreich 


"Wohnung 
und Tracht: 


Mattenhütte. Kugelhütte. 

Riadenston", Palmfaserstoff, 
Bastgehänge, Schmuck aus 
Rotaug, Stroh, Rinde. 


Lederzelt. 

Felltracht und Lederstreifen- 
schmuck. 


Lehm - und Steinbau. 

Rahat und Schmuck 
aus Eisenperlen. 


Waffen: 


Kürafs aus Rotanggeflecht. 
Schilde aus Holz und Rohr. 
Rückenschild aus Rotang. 
Köcher aus Bambus, Rotang, 

Rinde, Holz. 
r Bambus bogen" aus Holz 
oder Bambus mit Pflanzen- 
fasersehne, Rotangschmuck, 
Rotang- oder Holzknoten. 

Pfeil aus Rohr oder Holz mit 
Blatt befiederung (Schilf- 
pfeil), Holzspitze. Um- 
wicklung mit Bast oder 
Rotang. — Speer ebenso 
umwickelt. 

Wurfholz, Wurfstab, Wurf- 
keule, Keule, Wurfbrett, 
Bambusmesser, Schleuder 
aus Rotanggeflecht 


Kürafs aus Leder oder Fell. 
Schilde aus Leder und Fell. 

Köcher aus Leder. 

„Lederbogon" mit Leder- 
sehne, Lederumwioklung, 
Lederringschmuck. Leder- 
köcher für den Bogen. 

Am Pfeil : «Lederbefiederung* 
oder Federn. Befestigung 
der Spitze mit Lederriemen, 
Sehnen otc. Spitze aus 
Knochen oder Horn. — 
Speer mit Leder umwickelt. 

Schleuder aus Lederriemen. 
Luxuswaffen aus Leder. 


Eisenhelm , Ketten- 
panzer, am Schild 
Eisenkuppel. 

Elsenumwicklung des 
Bogens. 

Am Pfeil und Speer 
Stein- oder Eisen- 
spitze. 

Messerklingen ete. aus 
Stein und Eisen. 
Schleudereteine. 
Wurfeisen, Schwert 


Geräten: 


Matten. — Mattengeld. 

Trngkorb, Netzsack, Baum- 
riudengefiüse, Holz-, Kür- 
bis-, Bambusgefäfse. Ro- 
tangkörbe etc. 

Fächer aus Flechtwerk. — 
Am Blasebalg Trichter aus 
Bananen faser. — Pfeifen 
aus Holz und Bambus oder 
Bauanenrippon. 

Feuerboliror, Feuerschleifer, 
Feuersage. 

Grabstock. 


Lederdecke, Decken aus 
Kamolsbaaren. 

Ledersack, Büchsen aus 
Horn. 

Fächer aus Leder. — Am 
Blasebalg der Trichter aus 
Ledor. — Pfeifen aus 
Leder. 


— Eisengeld. 
Topf aus Thon. 

— Pfeifen aus Eisen 
und Thon. 

Stahl und Stein. 

Pflug und Hacke. 


Musikinstru- 
menten: 


Saiteninstrumente aus Bam- 
bus und Holz mit Saiten 

1 All 4 T^tfl Hfl 7f*t\f A£f>r ICiirKiH 
nun i iidiiAcuittnii . xvui uia 

als Resonanzboden. Ro- 
tangspannung. 

Trommeln aus Bambus, Holz. 
Klangstab. Marimba. Ro- 
tangspannung. 

Klappern a.Geflec:.t, Friu.Lt- 
schalent'tc. Blasinstrumente 
1 aus Früchten, Flöten etc. 


Saiteninstrumente mit Leder- 
resonanzboden, Darm-, 

II aal eil. ocuicll. 

Felldecko. Trommel mit 
Hautbcspannung mit Lo- 
derriemen. 

Blasinstrumente aus Horn 
und Elfenbein. 


Klappern und Glocken 
aus Eisen. 

• 



19* 



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— 292 — 



zog die Rindviehzucht nach Afrika, Das Rind drang bis zum Südkap vor, 
die Lederindustrie aber nur mit wenigen Vorläufern bis über den mittleren 
Osten. Aber wenn der schwere Trofs der asiatischen Kultur, die Leder- 
kultur, auch nicht weiter als über die Nord- und Verbindungsachse vor- 
drang, der Osten und Süden Afrikas steht doch schon unter seinem Einflufs. 
Der Bogen und viele kleinere Beispiele zeigen das. 

In diesem Bande ist die anatomische Beschaffenheit des asiatischen 
Kulturbezirkes in Afrika untersucht, aber seine Entwicklungsgeschichte nicht 
bis zum Ursprünge verfolgt. Das bleibt vorbehalten. Aber wir ahnen, dafs 
eine sehr beträchtliche Menge der Besitztümer auf die Eigenschaft des Materials 
zurückzuführen ist. 

Als Holzkultur mag die malajonigritische und auch die nigri tische 
benannt werden. Beide sind charakterisiert durch das fast völlige Felden 
der tierischen Stoffe. Aber sind diese Kulturen schlechtweg als einheitlich 
zu bezeichnen? Durchaus nicht! Die malajonigritische Kultur ist aufser- 
ordentlich viel reicher. Und der Fortschritt von der nigritischen zur malajo- 
nigritischen Kultur ist nicht nur eine Bereicherung im Sinne der Aus- 
gestaltung, sondern auch eine Vermehrung. Die malajonigritische Kultur 
übernimmt von der nigritischen das Holz als Stütz- und Steifstoff, aber 
sie fügt den Bambus oder, in Afrika, den Wedel der Raphia vinifera hinzu. 
Aber die Raphia bietet nur den Ersatz für den Bambus. Weder der Bogen 
noch die Bambus -Holzpauke hätten aus ihr hervorgehen können. Wir haben 
ja gesehen, welch grofse Anzahl von Geräten dem Wesen des Bambus ihr 
Dasein verdankt: Feuersäge, Bambuslaute, Bambustrommel, Bambusflöte, 
Blasrohr, Wurfbrett, Bogen etc. etc. Gerade diese Geräte sind in Afrika 
ersetzt oder verloren. Denn die jiaar Bambusstauden, die in Afrika wachsen, 
vermögen nicht eine Kulturform von so ausgeprägtem Charakter zu erhalten, 
geschweige denn sie hervorzubringen. Diese malajonigritische Kultur mufs 
in einem Lande aufgewachsen sein, das den Bambus überall bietet. Aber 
wir verstehen, wie sich dio malajonigritische Kultur gerade in Westafrika 
hat erhalten können, nicht aber im Osten. Denn die Vinifera fehlt im 
Osten. Obendrein ist die Ostseite Afrikas eine Strafse, auf der dio Kultur 
von Norden nach Süden pilgert. 

Der Baum liefert aber auch anderes Material als den Stock und das 
Blatt, nämlich die Rinde. Der Nigritior wufste auch sie auszunützen und 
in Australien ist die Hütte mit ihr gedeckt, das Boot und Schachteln aus 
ihr hergestellt und die Körper mit Rinderistreifen geschmückt. Das alles 
wiedeiholt sich in Afrika. Hütten der Tupende sind mit Rindenplatten 
benäht. Den Namen des Flusses Tsckikapa wellte Livingstone darauf zurück- 
führen, dafs die Boote auf ihm Rindenkähne sind. Schachteln aus Rinde 



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werden am Yiktoria besonders, aber auch in Baghirrai und Westafrika her- 
gestellt. Auch der Rindenringschmuck fehlt im Westen nicht. Doch das 
nur zur näheren Erläuterung der nigritischen Kultur. 

Wie sehr neben diesen beiden ausschlaggebenden Stoffen, den Pflanzen - 
und Tierstoffen, die des Erdreiches: Stein und Eisen, zurücktreten, mag 
aus der vorstehenden Tabelle IT hervorgehen. Es sind nirgends und in nichts 
Hauptstoffe, es sind durchweg Hilfsstoffe. Wichtig ist dabei doch, dals das 
Eisen vom Norden nach Süden zu an Bedeutung abnimmt. 

Also Holz- und Lederkultur, wobei die erstere in Afrika alt aus- 
gebaut, die andere in kräftiger Entwicklung begriffen ist» Und ein feinerer 
Unterschied dazu , zwischen nigritischcr und malajonigritischer Kultur Fehlen 
oder hohe Bedeutung des Bambus. Ich glaube nichts mehr hinzufügen zu 
müssen als ein Schlufswort über den Weg, auf dem die malajonigri tische 
Kultur in Afrika gewandert ist. Sie mufste im Osten aus den zwei Gründen 
des Mangels an Material und der Übermacht jüngerer Kulturströmungen 
weichen. Aber wenn sie Belbst auch hier unterging, so hat 6ie doch neben 
mehreren Merksteinen an der Küste ein Zeichen in der Mythologie hinter- 
lassen. Ich meine die Rohrursprungsmythe , deren kosmogonischer Sinn 
uns hier wenig interessieren kann. Aber die Mitteilung über den Ursprung 
der Menschen birgt in der äufseren Form eine Andeutung über den Ursprung 
der Kultur, für die der Bambus und das Rohr von so hoher Bedeutung 
sind. In diesem Sinne also ist die folgende Reihe von Mythen uns 
wertvoll. 



Die Rohrursprungsmytke. 

1. Indonesien. Nach der Anschauung der Tagalen auf den Phi- 
lippinen entstand die Menschheit aus einem grofsen Rohr mit zwei Gelenken, 
welches auf den Wassern umhertrieb, bis es endlich, von den Wellen ans 
Ufer just vor die Fülse des Hühnergeiers geworfen wurde, der gerade am 
Strande stand und das Rohr mit dem Schnabel aufpickte. Da kam aus 
dem einen Gelenk der erste Mann, aus dem anderen die erste Frau. — 
Auf Cclebes wird Bata Guru von seinem Vater Pitutu in ein hohles Bambus- 
rolir geschlossen und zur Erde hinabgelassen. Auf derselben angelangt, 
bricht er die Hülle und geht als erster Mensch hervor. 

2. Mikronesieu. Vier Männer aus Ngargeukel, eiuem Dorfe auf der 
Insel Piülu (Palau- Gruppe), entschlossen sich einstmals, der Sonne einen 
Besuch abzustatten. Das Haus der Sonne befindet sich im Westen unter 
der See, da wo ein Dengesbaum am Gestade dichte Wälder bildet. Die 



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vier Männer ruderten also hinter der Sonne her und erreichten besagten 
Baum gerade, als sie untergehen wollte. Als die Sonne von ihrem Vor- 
haben hörte, hiefs sie die Leute, die Kanoes treiben zu lassen und ihr 
rasch zu folgen. Das thaten sie und fanden sich bald in einem neuen 
Lande in einem guten Hause, wo sie von der Sonne trefflich bewirtet 
wurden. Die dargebrachten Speisen waren winzig klein bemessen, nahmen 
aber trotz des häufigen Zulangens nicht ab. Als die Männer nun heim- 
kehren wollten, waren ihre Kähne fortgetrieben. Da schlofs sie die Sonne 
in ein dickes Bambusrohr, welches in Palau noch unbekannt war. In dem- 
selben trieben sie an das Ufer ihrer Heimat. Darauf wurden die vier zu 
den ersten Häuptlingen erhoben. 

3. Polynesien. Als nach samoanischer und tonganischer Mythe 
die Erde geschaffen war, sprofste die heilige Schlingpflanze (die Fue) auf 
und diese brachte die Würmer hervor, aus denen Kiji-Kiji (Maui-Kiji- 
Kiji) als Vogel die ersten Menschen herauspickte. Auch wird gesagt, 
Tangaloa der Schöpfer habe Tangaloa den Boten oder auch Turi, den 
Vogelgott, herabgesandt, damit dieser die Fue -Schlingpflanze, die Stamm- 
mutter der Menschheit, herabbringe. — Als Wakea und Papa auf den 
Köpfchen des Seegrases zeugten, entstand das Land. Das erinnert an 
eine indonesische Version: Das Mädchen, das nach battakischer Mythe am 
selbstgesponnenen Faden vom Himmel herabklomm, fand unten nichts als 
Wasser und kein trockenes Land, auf das es den Fufs hätte setzen können, 
bis es endlich nach langem Suchen eine Blume fand, die aus den Gewässern 
emporragte und in deren Kelch es sich niederliefs. — Pflanzenstengel, 
Seegras, Schlammwasser sind die Vertreter des Rohres in Polynesien. Der 
Sohn Wakeas und Papas, der diesen folgte, hiefs Halva, d. h. Pflanzen- 
stengel. Der erste Mensch entsteht aus dem Schlammwasser genannten 
Alii-Baum, oder — wie auf Rapa-nui — aus anderen Pflanzen. — Wie 
im solaren Bata-Guru- Mythos Indonesiens, felüt auch in der solaren 
Maiu-Mytho Neuseelands der Zug nicht: Dio Mutter warf den Maui nach 
seiner Geburt in das Meer; „Seegras umschlang den Kleinen." 

4. Melanesien. Nach einer Sage auf den Inseln der Torresstrafse 
ging eine Frau in den Garton zur Arbeit. Sie hing ihr Kind, ein Baby 
Namens Upi, in einem Korbe in dem Thürrahmen auf. Der Korb ward 
von dem Südostwinde ergriffen und herabgeworfen. Die heimkehrende Frau 
fand ihr Kind nicht mehr und fing an zu weinen. Inzwischen war ein 
Mann mit seinem Weibe vorbeigekommen. Die hatten den Korb mitgenommen. 
Sie waren kinderlos und beschlossen , das Kind an Stelle eines eigenen an- 
zunehmen. Sie legten Upi im Busche nieder und erzählten den Männern 
des Dorfes, dafs sie ein Kind gefunden hätten und der Mann holte es, um 



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es zu zeigen. Zwei berühmte Krieger, Manalboa und Sasalkadzi, sagten: 
„Gut, wir sehen, Ihr nehmt es. tt Später sagten sie: „Wir gehen spielen." 
Sie steckten zwei Pfähle etwa einen Fufs voneinander in den Boden. 
Darauf erklärten sie dem Adoptivvater, sie wollten den Knaben jetzt Speeren. 
Der Vater weigerte sich im Anfange. Da erwiderten die Männer, wenn 
sie den Knaben nicht erhielten, würden sie mit ihm selbst fechten. So 
ward der Mann gezwungen, den Knaben aufzugeben. Er und seine Frau 
baten jedoch, nur auf Arme und Beine, nicht auf den Rumpf und die Augen 
zu zielen. Die Männer befestigten Upi an die Pfähle. Nachdem sie ihn 
mit Speeren beworfen hatten, begaben sie sich in den Busch zum Mahle. 
Am Abend übten sie sich wieder im Speerwerfen auf den unglücklichen 
üpi. Der Knabe blieb den ganzen Tag und während der Nacht an den 
Pfählen festgebunden. Er gedieh jedoch trotz dieser Behandlung trefflich 
und wuchs wunderbar schnell. Am nächsten Tage gingen die Männer in 
den Busch und ergriffen bei ihrer Rückkehr am Nachmittage die Wurfspiefse 
und Wurfbretter und unterhielten sich abermals, indem sie Upi als Ziel- 
scheibe benutzten. Die Pflegeeltern baten die Männer, nicht lange, sondern 
kurze Speere zu benutzen. Der Knabe schrie. In der Nacht nahmen der 
Mann und die Frau Upi fort, um ihn zu waschen und zu füttern. Darauf 
banden sie ihn wieder fest. Am nächsten Morgen spielten die Männer 
abermals und warfen ihre Speere auf Upi. Zur Mittagszeit gingen sie in 
den Busch, aber am Abend warfen sie wieder die Speere auf den Knaben. 
Nachher kam der Pflegevater, um einen Blick auf den Jungen zu werfen, 
der zu. dieser Zeit zu einem starken Knaben aufgewachsen war und ihn 
bat, wenn er schlafen ginge, die Stricke zu entfernen. Der Mann that 
also und als alle Leute schliefen, lief er von dannen. Als Upi so durch 
die Büsche lief, kam er an einem kleinen Hause vorbei und entdeckte beim 
Eintreten in demselben zwei Leichname. Er ergriff deren Schädel, wusch 
sie und steckte Büsche daran. Er legte sie zusammen und sprach zu ihnen : 
„Alle Männer Speeren mich; gebt Ihr zwei mir guten Weg!" Sie rieten 
ihm, in einer bestimmten Richtung zu wandern, wo er eine bestimmte Art 
Bambus, den „upi u (!), finden würde. Er ging dahin und trat mit den 
Füfsen die Unterenden des Bambus nieder, so dafs er splitterte und ging 
in den Bambus „and by-and-bye upi sory for you.« Upi replied: »all right, 
you two finish telling me? I go now — « 'him, he go'. u Alles geschah, 
wie es die Schädel vorhergesagt hatten und nachdem Upi in den Bambus ge- 
krochen war, kam er wieder heraus und machte dicht dabei ein Feuer. Die 
Männer des Dorfes blickten am nächsten Tage umher, fanden aber Upi nicht 
Sie warfen den Pflegeeltern vor, dafs sie den Knaben entfernt hätten. Sie 
aber beteuerten, er sei selbständig entwichen. Die Männer ergriffen darauf 



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ihre Bogen und Pfeile und machten sich auf, im Busche nach Upi zu suchen. 
Sie fanden seine Spuren , denn er hatte auf dem Wege zu dem kleineu Häus- 
chen viel Blut verloren. Sie sahen in die Hütte hinein und sahen, dafs 
Upi die Schädel zur Divination benutzt hatte. Sie nahmen die Spuren 
wieder auf und fanden endlich Cpis Aufenthaltsort. Manalboa und Sasal- 
kadzi sagten zu Upi: „Du siehst uns, wir wollen Dich jetzt töten. 44 
„Gut 44 , erwiderte der Knabe, „Ihr zwei tötet mich. u Alle Mänuer kamen 
herbei. Upi Struck the bamboo, went inside, and it closed up. The cane 
then jumped about, and its bares »foughU all the meri and killed them; 
no man went home. Der Knabe Upi verhielt sich driunen vollständig passiv. 
Der Bambus upi vollbrachte alles. Als die feindlichen Männer getötet 
waren, ordnete der Bambus den Platz; das Blut ward gesammelt, die 
Köpfe abgeschnitten etc. Als der Rest der Männer von dem Dorfe kam. 
geschah ihnen das Gleiche; abermals blieb Upi im Rohre, der Bambus 
focht, die Männer, dazu die Doigai (kleine, mißgestaltete Kobolde) wurden 
erschlagen etc. Upi holte sich darauf von den Schädeln weiteren Rat, 
Sie meinten, er solle allen Bambus abschneiden etc. Er suchte seine 
Mutter auf. Die Weiber der getöteten Männer verteilte er unter die Männer 
seines Stammes. Die jungen behielt er für sich. — In den Sonnenmythen 
der westlichen Melanesier kehren Züge der Rohrursprungsmythe häufig 
wieder. Durch ein Schilfrohr bläst Quat den in einer Kiste ruhenden 
Gliedern der Brüder wieder neues Leben ein. In den Hauspfosten des 
feindlichen Quasavarra (Nacht !) verbringen die solaren Quatbrüder die Nächte. 
In der Morgenstunde entsteigen sie ihnen. 

5. Australien. Die Australier berichten, der erste Mensch sei 
aus dem Knoten eines Baumastes hervorgegangen. 

G. Afrika. Die Ovaherero erzählen über den Ursprung der Menschen: 
Mukuru haute die Mensehen aus dem Omnmborombongn- Baume. Auch bei 
den Musehikongo sind die Menschen aus dem Baume hervorgegangen. Aber 
letztere Mythe ist degeneriert. Denn nur der Omumborombonga ist innen 
hohl. Also ist im Süden der Pixxvss morphologisch zu deuten. — Die 
Ama-Zulu erzählen: Unkuhinkulu habe den Mensehen aus dem „hohlen* 4 
Stamme des U-hlanga geschalt U-hlanga ist der Bambus oder das Schilf- 
rohr. Die Basuto berichten, die Menschen seien dem Mohlaka entstiegen. 
Mohlaka kann sowohl „Sumpf 44 als „Röhricht 44 heifsen, so dafs mir Me- 
renskys Übersetzung mit „Niederung 44 nicht ganz treffend zu sein scheint. — 
In der zweiten Mythe ist aber nicht nur eine ausgezeichnete Form unseres 
Motivs gefunden, sondern sie bietet die Handhabe, das Verlaufen der Mythe 
dem Norden zu zu beobachten. Bei Sulu und Betschuanon beginnt ein 
Verlust der Idee. Bei ersteren ist Uhlunga der Gott des Donnere und 



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Blitzes, bei letzteren Uhlanga oder Thlanga der Name eines alten Königs, 
vor dem die Betschuanen einen grofsen Respekt liaben und bei dem sie 
schwören. — Der Styx in der Unterwelt der Basuto heilst Tlatlana. 
Maji Kalunga ist das Geisterwasser der Basehilangc. Eine sekundäre 
Mythe, die einem Gewässer in der Nähe Ambasses, im alten Königreiche 
Kongo gewidmet ist, ist wichtig: Nach dieser Sage entstanden die Sümpfe 
nämlich aus den Thränen des Gottes Ungha über die Verwüstungen der 
Jaga. Andere erzählen allerdings, dafs bei der Annäherung der Mordbanden 
die Götter des Landes erschreckt in das Wasser flohen. 

Also tritt iu der Verwendung des Wortes der Begriff des Rohres dem 
des Sumpfes oder Wassers gegenül>er im Norden zurück. Vielleicht leitet 
das Wort selbst bis Oceanien hinüber. Denn Maui wird von Talanga in 
Polynesien, wie der Mensch von Thlanga in Afrika geboren. Doch kann 
hierin nur ein sehr eingehendes Studium entscheiden. Es genügt uns die 
Thatsache des Vorhandenseins von Spuren der Rohrurspruugsmythe in Afrika. 
Und diese werden deshalb von Wichtigkeit, weil wir aus ihrer Verbreitung 
ersehen, dafs sie einen neuen Beweis dafür erbringen: die malajonigritische 
Kultur mit der vorzüglichen Bambusindustrie ist auf dem Wege- von Osten 
durch den Erdteil nach Westen gepilgert und liat sich liier eingebürgert. 
Der kosmogonische Sinn der Mythen ist für unsere Probleme und die Unter- 
suchung der Materiale dem gegenüber unwesentlich. 



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11. Vom Ursprünge der afrikanischen Kulturen. 



Quod erat demonstrandum! — Ich glaube, ich darf mit diesem 
stolzen Satze der Mathematik das letzte Kapitel der physiologischen Unter- 
suchung einleiten. Denn als festgegliederte Organismen zeigten sich die 
Kulturen Afrikas, wo immer wir sie auch untersuchten. Ich habe es 
gewagt, vollkommen naturwissenschaftlich zu verfahren auf die Gefahr hin, 
an irgend einer Stelle in die Brüche zu geraten. Aber die Kulturen 
haben jedem Versuche bieder stand gehalten, sie haben sich als brave, 
gesetzesliebende Kulturen erwiesen, die weder den Morphologen, noch den 
Anatomen, noch den Physiologen hintergingen. 

War es nicht richtig, wenn ich oben behauptete, dafs die Kulturen 
in allen Teilen des materiellen Körpers Nachwirkungen des Brdreiches 
zeigten, auf dem sie aufgewachsen sind, auch noch in fernen Generationen 
auf fremder Scholle? Wie jämmerlich unbedeutend erscheint der Mensch, 
ja erscheinen selbst die Völker gegenüber dieser ehernen Gesetzmässigkeit ! 
That8ächlich ! der Ilomo sapiens ist nur der Träger einer sehr grofsen Sache. 
Sie selbst aber, die Kulturen, sind die gewaltigen, selbständigen Organismen, 
deren Wesen zu erforschen mir eine der edelsten Aufgaben des Menschen 
scheint 

Wio flach ist der Afrikaner selbst! Das haben uns so viele geschil- 
dert: Eine merkwürdige Rasse, diese Neger. Ohne aktive Energie, ohne 
positive Schaffenskraft, von allen Völkern, mit denen sie zusammentreffen, 
geknechtet und zu Sklaven gemacht, rächen sie sich an ihren Unterdrückern 
durch ihre unglaubliche körperliche und geistige Passivität. Wehe dem 
Volke, das sich mit Negern vermischt! Sobald das Blut dieser dominiert, 
geht es rettungslos unter in dem trägen, unfruchtbaren Morast, der Neger- 
rasse heilst — Und diese Worte Passarges sind keinem individuellen Reise- 
eindnick entflossen. So Italien uns fast alle den Neger geschildert. Ob im 
Norden , ob im Süden , die Neger scheinen gleich. Es sind als junge Völker 
brutale Gesellen, als alte feige, grausame Burschen. Es mag viel gute 
Eigenschaft in ihnen stecken, aber eins fehlt und das können wir Europäer 
ihnen nicht vergeben: der Stolz. Und wie selten hören wir von einer 



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— 299 — 

großen Leidenschaft! wie oft von häfslicher und niedriger Leidenschaft- 
lichkeit! 

Und dieses fast einförmige Volkselement als Kulturträger. Sie mögen 
unsympathisch sein; aber sie haben sich als ebenso gute Kulturträger heraus- 
gestellt wie irgend eine andere Rasse der Erde. Und dafs gerade sie das 
Gleiche leisteten, was alle Völker gesetzmäfsig zu tragen haben, nämlich 
den bestimmten, ausgeprägten Typus einer Kultur, das zeigt, dafs unsere 
Hoffnung, aus diesem Bereiche das Material zur Geschichte der Menschheit 
zu gewinnen, keine eitele ist. 

Und was sind es denn nun für Wesen, diese afrikanischen Kulturen? 

Soll die Frage gleichbedeutend mit der Frage nach der Abstammimg 
sein, so ist zu antworten: Sie stammen ab von der nigritischen, der malajo- 
nigritischen und den asiatischen Kulturen. Soll aber bezeichnet werden, 
wie sie heute beschaffen sind, so mufs ich entgegnen: Sie stellen im 
wesentlichen drei Typen dar, den nordafrikanischen, den westafrikanischen 
und den südafrikanischen. Sie gehen aber überall ineinander über und 
daher thun wir am besten, einer Frage im Sinne der zweiten aus dem 
Wege zu gehen. 

Der wichtigste Wesenszug der afrikanischen Kulturen ist eine Zwei- 
teilung. Wir können scharf unterscheiden einen Typus der Holzkultur und 
einen solchen der Lederkultur. Was beide trennt, ist nicht nur das Zeichen 
der abweichenden Material Verwendung, auch nicht nur das verschiedener 
Ernährungsweise — wenn das auch schon tiefer gegriffen ist — , sondern 
das der verschiedenen Fortpflanzungsform, verschiedenen Alters, verschiedener 
Art der Variabilität Die asiatische Kultur ist jung. Sic entwickelt sich 
vom Norden zum Süden und die eigentliche afrikanische, die Kultur der 
Südachse, ist auch nur ein afrikanisches Echo der asiatischen Melodie. 
Allerdings ist es schwächer wie das des Nordens. Die langsam fort- 
schreitende Bewegung auf dem Kontinente hat beständig Verbindung fremder 
Elemente zur Folge. Das ist die kontinentale Fortpflanzung, die Übertragung. 
Die malajonigritische Kultur trägt das Geprägo zurückgedrängt zu sein. 
Ihr fehlt die fröhlicho Entwicklungskraft der Jugend, dafür zeichnet greisen- 
hafte Bescheidenheit und Einschränkung sie aus. Das Merkmal der Ent- 
wicklung auf geographischen Bahnen fehlt ihr aber nicht nur wegen des 
Alters. Es ist ein Anzeichen der zweiten Art der Fortpflanzung, der in- 
sularen, die eine beständig sich erneuernde Befruchtung des eigenen Bodens 
bedeutet. Oceanien bietet ein in mehr als einer Beziehung gleiches Bild. 
Daher sind die Formen nicht nach bestimmten Linien verteilt, sondern sie 
schwirren durcheinander, bald hier verkümmernd, bald dort in üppiger 
Weise Stämme gebärend. 



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— 300 — 



Das ist die wichtige Zweiteilung vom Standpunkte des Heutigen. Die 
„Urgeschichte" zeigt noch eine Quelle, eine nur noch trag und spärlich 
fliefsende. Das ist die nigritische Kultur. 

Ich mochte gerade hier davor warnen, die Art der Menschen mit 
dem Wesen ihrer Kultur zu verwechseln. Es liegt ungemein nahe, die 
uralte nigritische Kultur mit den greisen Völklein der Buschmänner in 
Zusammenhang zu bringen. Vielleicht ist es berechtigt, aber man vergesse 
nie, dafs sie selbst nicht die Träger der nigritischen Kultur sind. Es 
sind überall Parasiten. Sie fahren den Bogen und die Pfeile der ihnen 
zunächst wohnenden Stämme; sie bauen deren Hütten. Fast nirgends aber 
höre ich, dafs sie wahrhaft nigritisches Gerät benutzen wie etwa den Stock- 
schild oder das Wurfholz. Nur Kunst und Weltanschauung haben sie mit 
anderen „Nigritiern tt gemeinsam. Wahrhaft nigritische Kulturelemente finden 
sich verstreut in den Händen ganz echter Durchschnittsafrikaner. Gerade 
das verstreute Vorkommen charakterisiert sie. 1 
| Auf dem Boden sollen die Kulturen wachsen und nicht auf dem 

Menschen. Ich meine, wir hätten das l*>stätigt gefunden. Das beste 
Beispiel bietet die malajonigritisehe Kultur. Im Bambuslande als Fischer- 
und Inselkultur kam sie zur Welt. Wohl nahm sie in Afrika ein afrika- 
nisches Gepräge an, ward kontinental, machte Wandlungen in allen mög- 
lichen Ausdrucksformen durch, aber der anatomische Bau zeigt immer noch 
ganz unverkennbar die Abstammung. Auch wenn es umgebildet und einem 
anderen Material angepafst wird, kann ein aus dem Bambus stammendes 
Gerät seine Abstammung nicht verleugnen. Und wo der materielle Aus- 
druck, ein körperliches Glied ausstirbt, da zeigt noch die Mythe und die 
Legende die Stelle, wo es einst safs. 

Dies Werk hat sich vornehmlich mit dem materiellen Kulturbesitze 
zu beschäftigen. Aber wohl mufs hier und da ein weniger haltbarer Stoff 
berücksichtigt werden. Wir sahen ja prächtige Beispiele: Wie die Merk- 
male der Fischerkultur im Kultus sich erhielten, wie die Kohrurspnings- 
mythe einen Beleg für die Bewegung einer Knlturform abgiobt Soleherlei 
beweglichen Stoff zog ich nebenbei heran. Aber wir wollen nicht vergessen, 
dafs es grofse und weite, just wie der materielle Kulturbesitz nach be- 
stimmten Gesetzen entstandene Gebilde sind, diese Weltanselmuungen und 
ebenso die Künste und die Staatsorganisationen. Die strenge Beweisführung, 
die nicht vernachlässigt werden darf, zwingt mich, diese sicher nicht minder 
interessanten Seiten der Kultur selbständig im Anhange zu behandeln. 

1) Trotzdem habe ich in der „Afrika" (N\»uhaMensIeU>n 1898) den Versuch 
gemacht, die Übereinstimmung der Busehvölker und nigritischen Kultur in Verbreitung 
und Wesen nachzuweisen. 



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— 301 — 



Diesem Bande ist ein Kapitel über Weltanschauung und Kxinst angefügt. 
Was auch hier wieder entgegenleuchtet, ist der merkwürdige Untersclüed 
zwischen asiatisch -kontinentaler und malajonigritisch- insularer Kultur. 



Ich möchte mit einem Hinweise auf die Entwicklungsgeschichte des 
wissenschaftlichen Apparates, der der Ethnologie zu Gebote steht, schliefsen. 

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind ein Triumph der Museums- 
wissenschaft ( — lassen wir mich, den Verfasser, ganz ans dem Spiele!), 
denn nur mit Hilfe der in den Museen aufgespeicherten Schätze ist es ge- 
lungen, die Kulturorganismen zu verstehen. Damit ist die Berechtigung 
der musealen Bestrebungen in glänzender Weise erwiesen. Wenn sie in 
wissenschaftlichen Bahnen sich bewegen, sind die Museen für Völkerkunde 
nicht nur Kuriositätenkabinette und Trophäen der Eitelkeit, sei es der Er- 
bauer oder der Sammler und Donatoren. Allerdings ist nicht zu leugnen, 
dafs die Gefahr solchen wenig angenehmen Entwicklungsganges nahe liegt, 
wenn immer nur gesammelt und gesammelt, aber nie verarbeitet wird. 
Daher bedeutet dieses Werk für die Museumsdirektoren und alle, die für 
das Wesen dieser Institutionen verantwortlich sind, eine Mahnung. Allen 
deutschen Museen ist eine Eigentümlichkeit eigen: Mangel an wissenschaft- 
lichen Kräften, dem gegenüber der Mangel an Subsidien weniger in Be- 
tracht kommt. Denn wenn das wissenschaftliche Material nicht beizeiten 
gehörig festgelegt (und das heifst mehr als „in die Schränke gelegt tt ) wird, 
dann haben wir Trümmerstätten, in denen man nach wenig Jahren schon 
mit Sclimerzen weilt, weil hier „beinahe" ein prächtiges Material gesichert 
wäre. Das ist dann schmerzlicher, als wenn gar nichts da ist 

Ich füge das deswegen hier an, weil seit Jahren viel zu viel vom 
Sammeln und ebensoviel zu wenig vom wissenschaftlichen Verwenden und 
Sichern der Sammlungen gesprochen ist. Vieles, das im Momente des Ein- 
laufens noch in den Katalogen durch Nachfrage ergänzt werden kann, ist 
nach ganz kurzer Zeit überhaupt nicht mehr zu erfragen. Ich glaube zu 
dieser Mahnung berechtigt zu sein, denn ich bin jahrelang von einem Mu- 
seum zum andern gepilgert, und was ich da erfahren liabe, war sehr traurig. 
Die meisten und selbst einige von den ganz grofsen Museen besitzen über- 
haupt keine Kataloge. Wie oft ist es mir vorgekommen, dafs ich irgend 
einen hochwichtigen Gegenstand vorfand und mit pochendem Herzen fragte: 
„ Woher stammt der? u Dann kraute sich der Herr Direktor oder Konser- 
vator verlegen in den Haaren, meinte, er habe es «loch noch vor einigen 
Jahren gewütet, es werde ihm schon wieder einfallen. Dann wurden einige 
zerrissene Papierfetzen herbeigeholt, die den hohen Titel „Akten" führten, 



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- 302 — 



und darin herumgeblättert. Meist konnten die Akten keinen Beseheid er- 
teilen, denn der betreffende Brief war „verlegt". Wohl deutete eine vom 
Donator angeheftete Nummer auf das einstige Vorhandensein eines Berichtes, 
in dem auch diese Reliquie verzeichnet war. Aber welcher Bericht war es? 
AVer war der Donator? Und dem Herrn Direktor fiel meist nichts wieder 
ein. Wie oft habe ich solche schmerzliche Erfahningen gemacht! Unter 
wie manchem Gegenstande in meinen Skizzenbüchern steht ein Frage- 
zeichen ! 

Welche Freude dagegen, wenn der Forscher eine gut geleitete Samm- 
lung durcheilen kann! Aber sie wird ihm selten zu teil/ Es ist schon 
viel, sehr viel Material vollkommen entwertet, weil die kleinen Summen, 
die zur Anstel lung eines Fachmannes nötig gewesen wären, gespart wurden. 
Es war und ist ein sehr thörichtes Sparen, denn die wenigen Tausende, 
die gespart wurden, brachten den Verlust von Hunderttausenden mit sich. 
Man darf nie vergessen, dafs Dinge, die heute für ganz geringe Summen 
zu erstehen sind, in kurzer Zeit Kapitalien repräsentieren. In dieser Zeit 
der Zukunft wird aber der Mafsstab an die wissenschaftliche Sicherheit ge- 
legt und alles Unbestimmte auf den Schutthaufen geworfen werden müssen. 
Denn auch unsere Wissenschaft wird streng werden und die Kritik wird 
grausam über die Versäumnis richten. 

Was aber mit gutem ethnologischen Material geleistet werden kann, 
das wissen wir jetzt. Es birgt die Geschichte der Mensc hheit. Was Ritzel 
gesagt hat, ist richtig gewesen: denn im Kulturbesitze, wenn irgendwo, 
muPs zu lesen sein, aus welchen Elementen und auf welchen Wegen die 
heutige Menschheit geworden, was sie ist. — Die Afrikaner kennen wir 
jetzt so ziemlich. Noch ist allerdings gai manches zu erörtern, was asiatische 
Kultur heifse, die Vorgeschichte der Nigritier und Malajonigritier und auch 
sonst noch einiges. Aber das sind alles Fragen, die außerhalb Afrikas ge- 
löst werden müssen. Ich alicr bin guter Hoffnung, dafs auch diese Probleme 
der eingehenden Forschung keinen Widerstand zu leisten vermögen, und 
dafs der Tag nicht ferne ist, an dem wir eine „Beschreibung der Kultur- 
formen 1 ' gehen können, wie die Zoologie eine solche der Tiere, die Botanik 
eine solche der Pflanzen. 

Denn das Wichtige ist: der Weg, auf dem die Forschung siegreich 
fortschreiten kann, ist klargelegt. Es sind el>en fest gegliederte, gesetzmäfsig 
aufgewachsene und bestehende Organismen, die wir aufgedekt haben. Und 
deshalb sL'hliel'se ich mit dem Satze: 

Qwod erat demonstrandum! 



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12. Weltanschauung und Kunst 

( Vergl. Kartenblatt 2, Nr. XI und 5, Nr. XXYI.) 



Die Weltanschauung und die Kunst der Afrikaner bieten ein so Ober- 
mächtiges Geraenge von Einzelheiten, dafs wir uns in Anbetracht des engen 
Raumes, auf dem deren Thatsachen kurz erwähnt werden sollen, erst den 
allgemeinen Gang der Entwicklung dieser beiden Kreiso vergegenwärtigen 
müssen. Wir mögen da einschalten oder herausgreifen, was besonders nahe 
liegt. Dabei mufs ich mich naturlich damit begnügen, die allerwichtigsten 
Momente herauszuheben, kann erschöpfender Beweisführung nicht Raum 
bieten, sondern mufs darauf verweisen, was anderen Ortes niedergelegt ist. 

Es hat zu allen Zeiten zwischen der Weltanschauung und der Kunst 
ein enger Zusammenliang bestanden. Nicht allein das Symptom der „reli- 
giösen Kunst 1 ' meine ich, nein, den Charakter. Zeiten des Aufschwunges 
der Kunst bedeuteten stets Zeiten der Befreiung, eines frischen Vorwärts- 
sc hauen s. Das alte Griechenland und das junge Italien bieten die besten 
Belege. Aber was fast noch wesentlicher ist, ist der in beiden gleichmäfsig 
sich äufsernde Volkscharakter. Man stelle gegenüber den semitischen Volks- 
charakter und die semitische Dichtung dem griechischen Volkstypus und der 
griechischen Plastik. Aber nicht nur in der Ausdrucksweise erweisen sich 
Weltanschauung und Kunst als Geschwister, sondern auch in der ganzen 
Entwicklungsgeschichte bis hinab zu ihrem Aufstreben aus der Nebelwelt 
der menschlichen Instinkte. 

Die „Primitivsten" existieren nicht mehr. Denn es giebt auf der 
ganzen Eitle kein Volk ohne künstliches Obdach, Waffen, Feuer. Aber es 
giebt noch eine Reihe von tiefstehenden Völkern, die einen Schilds auf 
das, was vor ihnen in den niedrigsten Stufen war, gestatten. Dabei ist es 
nicht gleichgültig, ob sie zu dieser Stufe von einer höheren herabgestiegen 
sind oder noch nie eine höhere erklommen hatten. Aber deunoch bieten 
die primitiven Jägervölker in Australien, Amerika und Afrika ein gutes 
Material. 

Die Weltanschauung dieser primitiven Jägerstämme zeigt ein hoch- 
bedeutsames Merkmal : das Fehlen des Bewnfsteeins vom Unterschied zwischen 

Frobonius, Afrikwuscho Kulturen. -0 



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— 300 — 



Tier und Mensch. Die Buschmänner meinen, wenn ein Büffel einen solchen 
besäfse, vermöge er mit dem Bogen just so gut zu schiefsen wie sie selbst. 
Dazu legen sio ihre Fähigkeiten auch allen anderen Wesen bei, sind jederzeit 
bereit, allen Gestirnen und Dingen ein lieben und jede Fähigkeit zuzu- 
schreiben. Ihre Mythen sind daher ein krauses Durcheinander von aller- 
hand Unsinnlichkeiten , denen ein festes System, soweit es nicht von aufsen 
(Nachharstämmen !) lüneingetragen ist, fehlt. Dabei macht diese Mythologie 
den Eindruck einer unglaublichen geistigen Ungebundenheit Nur der Typus 
ist Volkseigentum, jede Fabel individuelle Schöpfung. Kein logisches Denken 
scheint da zu regieren, alles Produkt zügelloser Geistesblitze. Eine solche 
Weltanschauung bozeichne ich als die naive. 

Die grofse Menge der Naturvölker des Durchschnitts bietet auf den 
ersten Blick ein beträchtliches Durcheinander von Anschauungen und Ge- 
bräuchen. Die Naivität ist verloren. Wir bemerken wohl Zusammenhänge, 
aber die grofsen Züge sind schwer erkennbar. Bestimmte Linien müssen 
ins Auge gofafst und hartherzig der Weg auf ihnen verfolgt werden; hart- 
herzig, denn überall führen verlockende Nebenpfade in andere Regionen. 
Solch scharfem Suchen offenbaren sich zwei Wege. 

Der eine führt von dor Naturbetrachtung jener Primitivsten abwärts. 
Der Wesenszug dieser Eutwicklungsriehtung ist die ständige Wiederholung, 
das Erstarken einzelner Mythen. Sio beschäftigen sich mit der Natur, er- 
zählen erst von den Tieren, dann dem Monde, vor allem endlich von der 
Sonne. Darin scliafft sich der Mensc h die eigene Welt. Er sieht die Dinge 
nicht an wie sie sind, sondern wie sie ihm wertvoll sein können. Dabei 
erweitert sieh wohl sein Gesichtskreis. Aber er verliert den Faden natür- 
licher Entwicklung. Wenn er früher vom Tiere sprach, lag dem viel 
Treffendes, das Ergebnis sehr feiner Beoluchtung zu Grunde. Man kann 
sagen, die Fabel sei aus der wahren Natur geUren. Ist er aber am Ende, 
am Höhepunkte der Entwicklungslinie angekommen, so schildert er Schick- 
sale der Sonne, die als Werke der Kunst grofsartig sind, die ein grofses 
•Gefühl für die gewaltige Natur anzeigen, die aber das völlige Fehlen einer 
klaren nüchternen Anschauung beweisen. So entsteht die Zeit der hohen 
Mythologie. 

Der andere Weg führt dagegen der Kidturansehauung entgegen. Er 
beginnt mit der Frage nach den Ursachen, die den alltaglichen Gang der 
Dinge unterbrechen. Und die merkwürdigste Unterbrechung des natür- 
lichen Seins ist für diese Völker der Abbruch desselben, der Tod ohne 
merkliche Ursache, ohne Pfeilschufs. ohne tedlii hen Bifs der Schlange oder 
die trügerischen Gewässer. Da beginnt das Antworten mit dem Hinweise 
auf Zauber. Aber gleichzeitig keimt du» Frage nach dem lieben im körper- 



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— 307 — 



liehen Dasein nach dem Tode. Der Mensch sucht die irdischen Erfahrungen 
zusammen , was er von seiuer Geschichte oder dem Geschicke der Tiere um 
ihn weifs und schweifst aus solchem Stoff ein Bild der Existenz im Jenseits. 
Und je weiter er den Horizont in der Naturanschauung erweitert, desto 
mehr bildet er dies aus. Wenn er die Variationen des Mondbildes und 
deren rhythmische Wiederkehr entdeckt hat, dann läfst er den Menschen 
mit dem abnehmenden Monde sterben und mit dem zunehmenden wieder- 
erstehen. Hat er sich zur Beobachtung der Sonne aufgeschwungen, so läfst 
er den Sterbenden mit dem Glutballe untergehen und mit dem aufsteigenden 
Gestirne geboren werden. Wir sehen, hier setzt die erste klarere Idee von 
der Schöpfung des Daseins ein. Auch wird so aus der Analogie ersichtlich, 
dafs der Mensch sterben müsse. So ist er von der Beobachtung der Aus- 
nahmegesetze ausgegangen und bei der Entdeckung der Gesetzmässigkeit an- 
gelangt. Aber hat so diese manistische Seite der solaren Weltanschauung 
sich unter den Einflüssen der animalistischen (Betonimg der Tiermythen!), 
lunaren (Betonung der Mondesmythen!) und solaren (Betonung der Sonnen- 
mythen) entwickelt, so ist auch umgekehrt jene Naturanschauung jederzeit 
durch die manistische Mythologie umgeformt, ja deren Wesen bedingt worden. 
Menschlich wurden Tiere, menschlich der Mond und menschenähnlich die 
Sonne behandelt 

Schon bei den Naturvölkern zeigt sich das Auslaufen der beiden 
Hauptströmungen der Weltanschauung. Während zunächst die sinkende 
Naturanschauung — sinkend, weil der nüchterne, klare Blick verloren geht, 
— in der hohen Mythologie endet, entspringt doch gleichzeitig mit diesem 
poetischen Ausklingen in der Gewohnheit, die Natur mit Interesse zu 
beachten, unter dem Einflufs reger Schaffenskraft (Ackerbau!) der Anfang 
der wissenschaftlichen Weltanschauung. Er liegt in den Kalendern, ferner 
(bei Seevölkern) in der Beobachtung der Sterne oder (bei Kontinentalvölkern) 
in der Abmessung der Jahreszeiten. Besondere das alte Ägypten hat ein 
gutes Bild dieses Entstehens wissenscliaftlicher Beobachtung geboten. An- 
dererseits wird die Lehre vom Leben der Ahnen und der Menschen nach 
dem Tode zur Quelle der eigentlichen Religion. Die Kosmogonie gebiert 
die griechische Kosmologie, die manistische Tradition die Morallehre. Und 
in der ferneren Entwicklung sehen wir zunächst die Wissenschaft unter 
dem Einflufs der Religion , in der späteren die Religion unter dem Einflufs 
der Wissenschaft sieh entwickeln. 

Nunmehr die Kunst! Abermals sind es die Buschmänner, die die 
primitivste Stufe vertreten. Was schon die Buschmannsfabel zeigte, tritt 
in der Buschmannszeichnung noch deutlicher hervor: scharfe Naturbeobach- 
tung (vergl. nebenstehende Tafel: Buschmannsgemälde, nach Andree). Was 

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auf diesem Bilde dargestellt ist, wird niemand unverständlich sein. Die 
Buschmänner haben den Kaffern eine Rinderherde gestohlen und werden 
nunmehr von diesen verfolgt. Es ist also eine Erzählung, der die naive 
Darstellungsweise vollkommen entspricht. Und so sind alle ihre Schildereien, 
mit denen sie Hahlen- und Felsen wände bedecken. Zumeist bilden sie 
Tiere ab, und diese sind da so naturgetreu, dafs der Zoologe sie be- 
stimmen kann. 

In dor folgenden Entwicklung der Kunst, wie sie von dem Durch- 
schnitt der Afrikaner geleistet wird, tritt diese naive Auffassung zurück. 
Die Wiederholung wirkt zersetzend. Das Naive der ersten Kunstepoche lag 
darin, dafs kein Vorbild als die Natur selbst gewählt ward. Das Zarte, 
das Jungfräuliche, das Anmutige, Natürliche, der Reiz seh wand, sowie der 
eine dem andern etwas nachbildete. Sie schulen nicht mehr aus sich selbst, 
aus der Natur, die Kopisten der Naturkunst; sie ahmten sich selbst nach, 
schlugen durch Wiederholung der eigenen Werke den Weg zum Stile ein. 
Ist das Cliarakteristische der Naturkunst das Fehlen der sich wiederholenden 
Motive, so ist das Bezeichnende der Kunst des Cberganges das Vorbei rschen 
derselben. In dieser zweiten Ejioehe der Kunst — es ist die breite der 
eigentlichen Naturvölker — lassen sich zwei Linien der Entwicklung er- 
kennen, die nebeneinander herlaufen: die sinkende Naturkunst und die 
steigende Kulturkunst Es bestellt nämlich in der Kunst dieser Völker 
ein interessantes Verhältnis zwischen Gehalt und Form. Steigt das eine, 
so sinkt das ander»'. 

Die sinkende Naturkunst geht von der naiven Darstellung der Natur- 
fonnen aus. Durch ständige Wiederholung degenerieren die Formen und 
es gehört das traditionelle Bewufstscin zu ihnen. Ein Fremder vermag 
keinen Sinn in diesen Figuren zu sehen. Nur der Wissende weifs diese 
Ornamente zu deuten. So wird die Eidechse zum Kreuz. Das ist kein 
sinnliches Motiv mehr, sondern ein geistiges. Demnach sinkt in der sinken- 
den Naturkunst die Form tief hinab, wogegen der Gehalt steigt. So mündet 
dieser Entwicklungsstrom in der Wissenschaft, denn die geometrischen Or- 
namente mit einem Sinn (Chamkterornamentc) stellen die Rudimente der 
Schrift dar (Bilderschrift !). 

Die steigende Kulturkunst ist die Entwicklung in einer umgekehrten 
Richtung. Morsten wir dort die Malerei verfolgeu, so gilt es. hier die Plastik 
ins Auge zu fassen. Ein Baumast wird auf das Grab gepflanzt. In ihm 
haust der Geist der Gestorbenen. Aus diesem Aste wird die Ahnenfigur. 
Zuerst setzt man den Schädel auf den Stab. Denn auch der Schädel ist die 
Wohnstatte des menschliehen Geistes. Der einfache sieh hieraus entwickelnde 
Ahnenpfahl ist ein Stab, an dessen Oberteil ein paar Kerben angebracht 



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— 309 — 



sind. Das sollen Mund und Augen sein. Andere Kerben, die ringförmig 
den Pfahl zieren, deuten die Zalü der vom Verstorbenen im Kampfe Er- 
schlagenen an. Nunmehr taucht hier und da der Versuch auf, das Geschlecht 
anzudeuten; darauf markieren einige Linien die Arme und Beine. Kurz und 
gut, wir sehen das Menschenbildnis entstehen. Es ist das eine langsame 
und kaum merkliche Umbildung. Vom Willen der Künstler (!) ist dabei 
wenig zu merken. Die Natur zwingt den Menschen durch den täglichen 
Anblick der Mitmenschen zur Nachbildung des Körpers. — Auch hier be- 
deutet die Entwicklung die Verkümmerung einer Seite zu Gunsten der anderen. 
Im Anfange herrscht das geistige Motiv, die Schöpfung des Menschen, d. i. der 
Gedanke, dafs der Geist im Baumast wohne. Zum Schlufs deckt sich die Idee 
mit der Form, denn der Mensch wird als Mensch dargestellt. Das ist Aufgabe 
der selbständigen Anschauungsweise. Nun mag die Figur Spielzeug werden! 

Es bestehen in dieser Hinsicht also zwei Linien nebeneinander, ein- 
mal der Entwicklungsgang der geistigen Motive (Entwicklung der Schrift), 
dann der der sinnlichen Motive (Entwicklung der Kulturkunst). Rs wäre 
einseitig, das verwandtschaftliche Verhältnis der Natur- zur Kulturkunst 
leugnen zu wollen, ebenso irrig wäre es aber, die Entwicklung beider in 
einer ununterbrochenen Linie zu zeichnen. In der fallenden Richtung der 
Naturkunst konnte die Quelle bezeiclinet werden, während das Ende ver- 
läuft. In der steigenden Linie der Kulturkunst ist das Verhältnis um- 
gekehrt Der Strom der Entwicklung mündet in die griechischo Kunst 
Ja, wir können sogar Namen nennen. Polyklet, Myron und Phidias haben 
die letzten Fesseln der Form, des Stilisierens, die Frontallinie aufgelöst. 
Beide Richtungen haben in Afrika bei demselben Volke die höchste Blüte 
erfahren, nämlich bei den Ägyptern. 

Vergleichen wir nunmehr den Entwicklungsgang der Weltanschauung 
und Religion. Ich habe den Versuch gemacht, die Wesenszüge derselben 
tabellarisch zusammenzufassen (vergl. nachstehende Tabelle HD. Gerade hier 
mufs betont werden, dafs eine solche Tabelle immer nur ein Hilfsmittel ist, 
dessen schlimme Seite nicht vergessen werden darf. Sie drängt einem 
Stoffe Grenzen auf, die ihm ursprünglich fehlen und es ist eigentlich nicht 
richtig, von festen Linien da zu sprechen, wo es sich um eine so flüssige 
Materie wie die Kunst handelt; thun wir es doch, so folgen wir nur dem 
Zwange. 

Sinnliche Weltanschauung und sinnliche Kunst! Ohne eine andere 
Welt als die der Natur zu kennen, oline starken Einfhifs untereinander, 
schaffen die Primitivsten Schildereien der Natur in Gemälde und Fabel. 
Leichtflüssig ist der Stoff, beweglich und ohne System. So leben sie ja 
auch: Ununterbrochenes Wanderleben, Pantogamie, Fehlen regelmäßiger Arbeit. 



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Die Weltanschauung und Kunst des Überganges, im wesentlichen der 
Naturvölker stellt vor allem die Schaffung einer zweiten Welt dar. Die 
Primitivsten lebten in der Welt als Teile derselben , die nicht meinten höher 
zu stehen, mehr zu vermögen oder mehr zu sein als Bäume, Tiere, Mond etc. 
Die Wildlinge waren aufsässig gegen die Fesseln der Natur. Sie schlössen 
sich aneinander. Und aus der Vereinigung sprofste die höhere Kultur auf, 
ward die zweite Welt, die Kulturwelt geboren. Diese Menschen nun leben 
in der Welt ihrer Schöpfungen. Zwischen beiden Welten bestehen unzählige 
feine Beziehungen, denn der Mensch nahm die Stoffe zu der seinen aus 
der Naturwelt Sein Bestreben war, die ihm überall schwankend, beweg- 
lich, gesetzlos erscheinende Natur — denn er beobachtet ja nur die Aus- 
nahmen und die unverständlichen Abnormitäten — seiner Macht zu unter- 
werfen. Er schreibt die Gesetze vor. Und das System dieser Gesetze ist 
die Kulturwelt So entspricht der Wesenszug dieser Entwicklung der Ge- 
walt, die er auf die Natur ausübt durch Säen und Ernten, durch die Grün- 
dimg der Ehe, die Errichtung eines Hauses, durch Schaffung von Waffen, 
mit denen er Gewalten, die ihm an natürlicher Begabung überlegen sind, 
überwindet. Diese Abwendung von der Natur äufsert sich in der ani- 
malistischen, lunaren und solaren Weltanschauung, in der sinkenden Kultur- 
kunst. Und die Schöpfung der Kultur hat als Merkmale die raanistische 
Anschauung, in der er seinem Leben den Halt bietet, wo die Natur schweigt, 
in der steigenden Kulturkunst, in der zunächst eine Belebung der natür- 
lichen Masse, dann die subjektive Auffassung der natürlichen Welt das 
Bezeichnende ist 

Und derartigem Entwicklungsgange in der Zeit des Überganges ent- 
sprechen auch dio Fortsetzungen in der Epoche der hohen Kulturen. Die 
sinkende Naturanschauung endet in der Wissenschaft und ebenso die sinkende 
Kulturkunst. Vom naiven Betrachten ausgehend, endet der Strom in der 
Gelehrsamkeit. So ward die Basis aller Kultur in letzter Instanz von der 
Natur geboten. Aus dem SchOfse der Kultur aber wuchs die Religion 
einerseits, die Kunst andererseits empor. Also hat nicht die Naturwelt, 
sondern die eigene Welt des Menschen, die Kulturwelt, sie geboren. Und 
die Merkmale ihrer Abstammung werden alle drei, Wissenschaft, Religion 
und Kunst, in aller Zeit bewahren. 



An der Hand dieser Darstellung wollen wir es nunmehr versuchen 
ein Bild der afrikanischen Weltanschauung» - und Kunstformen wenigstens 
soweit zu gewinnen, als es uns Aufschlug über Dinge der Verwandtschafts- 
problemo zu erteilen vermag. Dabei bemerke ich einerseits, dafs von 



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vornherein der mohammedanische Norden für die Weltanschauungsformen 
nicht in Betracht kommt, dafs der Osten und Süden Afrikas bei weitem 
weniger Material bietet als der Westen und dafs endlich auch, die Welt- 
anschauung der Nigritier so ziemlich in Wegfall kommt, weil noch nicht 
genügend wissenschaftlich durchforscht. 

Wie gesagt, der Westen bildet das farbigste Bild. Der Osten und 
Süden erscheint flach. Das mag zum gröfsten Teile die Folge der histo- 
rischen Entwicklung der Völker, also in letzter Linie eine Nachwirkung 
der Lage sein. Denn die kriegerischen Völker der Südachse haben wenig 
Mufse zu Grübeleien. Ihr Interesse nimmt der Staat in Anspruch. Wo 
Bich aber Reste bestimmter Anschauungen finden, da sind dies den west- 
lichen verwandte Züge. Wir sahen schon einen derartigen Zug in der 
Rohrursprungsmythe. 

Die westafrikanische Weltanschauung trägt im Gegensatze hierzu das 
Gepräge des Alters. Dafs die grofsen Staatsorganisationen hier fehlen, 
oder wenn sie vorhanden sind, doch unter dem Einflufs einer Priester- 
gesellscliaft (Ganga) stehen, das mag dies erläutern. Aber die westafrika- 
nische Weltanschauung hat noch ein wichtiges Merkmal: das Vorherrschen 
der dienenden Motive, Überwiegen der niederen Mythologie. Das heifst, 
ob fehlt ein Leitfaden der Weltanschauung, wie ihn etwa die solare j>oly- 
nesische Mythologie besitzt. Es siud Reste aller möglichen Überlieferungen 
vorlianden, die weiten Anschauungsbäume selbst aber brachen zusammen 
unter dorn Einflufs eines tibermächtig aufwuchernden Unterholzes. Es ist 
die häßlichste Form der inanistischen Weltanschauung, die hier vollkommen 
dominiert Die Fragen nach dem Grunde dieser und jener Erscheinung 
des alltäglichen Lebens, haben die Fragen nach dem Zusammenhang der 
Dinge stets zurückgedrängt. Ein Todesfall, eine Erkrankung, ein Blitzstrahl, 
ein Diebstalil setzen das ganze Leben, alle Triebkraft in Aufregung. Schlaue 
Ganga beherrschen die Situation. Die nervöse Aufregung, die jeder kleine 
Vorfall hervorbringt, läfst nie jene behagliche Ruhe und Mufse aufkommen, 
die dem Menschen allein die Möglichkeit giebt, weiter hinaus zu blicken, 
Ausschau zu halten nach Dingen, die weiter liegen, als die unmittelbare 
Tage8frage. 

Es ist kaum denkbar, dafs in diesem Gewirr und Rumoren der nie- 
deren Mythologie eine höhere Anschauung wie etwa die solare sich habe 
entwickeln können. Finden wir sie dennoch, so dürfen wir annehmen, dafs 
sie von aufsen .stamme. Und in dieser Meinimg werden wir noch bestärkt, 
wenn sie lediglich fragmentarisch, umgebildet, nur verstanden ist — Mit 
diesen Vorbetrachtungen ausgeröstet, wird es nicht schwer sein, das Bild 
der afrikanischen Weltanschauung wenigstens in seinen Hauptzügen zu ver- 



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stehen. Ich beschränke mich darauf, die wesentlichen Thatsachen hervor- 
zuheben. Betont sei nochmals, dafs zumal der Westen das Untersuchungs- 
material bietet, wogegen Osten, Norden und Süden weniger in Betracht 
kommen. Nur einige Stellen der Ost- und Südostküste sind reicher be- 
dacht. Ich werde es jederzeit betonen, wenn eine Sitte oder Anschauung 
der Völker aufserhalb des westafrikanischen Kulturkreises herangezogen wird 

Je mehr es gelingt, in die afrikanische Weltanschauung einzudringen, 
desto klarer wird das Überwiegen der manistischen Ideen. Noch neigen 
allerdings in Afrika einzelne Stämme animalistischer Anschauung zu. Weiter- 
hin fehlt es auch nicht an lunaren imd solaren Mythen, aber sie treten als 
dem Manismus dienende Motive auf. 

Der Manismus setzt in der Frage nach der Ursache des Todes ein. 
Das Wissen: „Der Mensch mufs sterben", ist bis jetzt von den unberührten 
Afrikanern ebensowenig erworben, oder wenigstens als unumstößliche That- 
sache anerkannt, wie von den Australiern. Viele Reisende haben das mit 
Erstaunen erfahren. In Fragen nach dem Grunde des Todes des Mit- 
menschen und nach dein Wesen des geistigen Fortbestehens setzt die 
mythenbildende, Anschauungen scliaffende Schöpferkraft ein. Zunächst bleibt 
die Frage zu erörtern , wieso der Mensch gestorben sei. Wird er beim Fischen und 
Umschlagen des Bootes vom Meere verschlungen, oder wird er vom Raub- 
tiere zerfleischt, vom Speere des Feindes ermordet, so ist der Grund klar. 
Aber wie der kräftige Mensch krank werden kann, ist ein Problem. Es 
ist die Frage, auf dio mit der Schöpfung der Zauberkräfte geantwortet wird. 

Von den Naturgesetzen, mit denen der moderne Naturforscher so 
gerne operiert, weifs der Wildling noch nichts. Er ist geneigt überall 
willkürliche Gebundenheit und Freiheit anzunehmen. Er weifs noch nichts 
von der Struktur der Naturmaschinerie. Was wir als Zauberkräfte auslegen 
sehen, also als etwas Unnatürliches und Unmögliches belachen, ist für ihn 
schwerer Ernst. Er weifs nicht, warum ein Nebenmensch nicht nächtlicher 
Weile den Körper soll verlassen können, um ungesehen im Nachbarhause 
unheimliche Dinge zu verrichten. Er sieht nicht, dafs zwischen bestimmten 
Erscheinungen der ihn umgebenden Natur eine feste Beziehung besteht. 
Er entdeckt nur, dafs sie unregelmäfsig,. nie gleichartig wirkt, oft plötzlich 
das alltägliche Erschoinungsleben zu seinem Unglück durchbricht. 

Krankheit und Tod gehören zu den schauerlichsten Ausnah meerschei- 
nungen, die ihm begegnen. Den Grund sieht er in feindlichen Elementen, 
die er meistenteils unter den Stammesgenossen antrifft. Doch wer unter 
ihnen war der uuheiraliche Mordgeselle? Die animalistischen, die manistischen 
und fatalistischen Anschauungen lassen ihn einen Modus finden, der ihm aus 
dem Dilemma hilft. Er greift zu den Orakeln. 



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Die manistischen Anschauungen können die Wünsche des Negers in- 
sofern unterstützen, als der Primitive ein Fortbestehen der Gestorbenen, 
wenn es auch andersartig als die irdische Existenz ist, für ganz selbstver- 
ständlich hält. In welcher Gestalt der Tote fortbesteht, kommt weniger 
in Betracht, als mit welchen Kräften er ausgestattet ist. Und man stellt 
den Toten sich als an solchen aufserordentlich reich vor. Deshalb kann er 
auch sehr wohl durch den eigenen Leichnam sich äufsern. Auf diese An- 
schauung gründet sich die Sitte, den Leichnam auf eine Bahre zu legen 
und ihn von mehreren Männern im Dorfe herumtragen zu lassen. Wo der 
Tote die Träger zum Stehenbleiben zwingt, da ist nach dem zu suchen, 
der das Hinscheiden herbeigeführt hat. 

Wie gesagt, den Fähigkeiten der Geister wird ungemein viel zugetraut. 
Sie müssen als unsichtbare Wächter die Thore bewachen, sie müssen für 
Regen und für den Wohlstand der Icker sorgen, sie sind im Frieden Be- 
rater, im Kriege Vorkämpfer. Die häufig den Ahnen dargebrachten Opfer 
sind verständlich, da man ihnen Bosheit, Eifersucht, Rache, — zumal wenn 
lange Zeit das Opfer ausbleibt, — Mifsgunst zutraut. Töpfchen und 
Näpfchen auf dem Grabe werden mit Speise und Trank gefüllt. Speise- 
opfer werden den Ahnenfiguren in das Gesicht gespieen, ja es giebt sogar 
hohle Ahnenfiguren, in die die Opfergaben gegossen werden. Grofse Opfer- 
feste werden den Toten gefeiert. 

Es ist ein einfacher und natürlicher Wunsch der Afrikaner, selbst 
in den Besitz der Geisterkräfte zu kommen , ohne zu sterben. Der Leib der 
Toten ist nichts mehr, das sieht man sehr wohl. Auch verlieren die den 
Geistern ausgesetzten Speisen nicht an Umfang. Es wird angenommen, 
dafs die Toten sich mit dem geistigen Teile der Nalimng beköstigen. Will 
der Mensch nun den Kraftbestand des Geistes erwerben, so mufs er in 
gleicher Weise die Nahrung vernachlässigen. Je weniger ein Mensch ge- 
niefst an Speise und an Komfort, resp. je mehr Enthaltungsgebote er auf 
sich nimmt, desto stärker wächst das geistige Vermögen und die Mythe 
erzählt, die in diesem Sinne erzogenen Jünglinge müfsten die Enthaltungs- 
geboto bis zum Tode durchführen , worauf erst mit Wiedereinkörperung des 
frei gewordenen Geistes die höchste Stufe der Geistergewalt erreicht wird. 

Verehrung geniefst alles, worin der Tote weilen kann, alle Orte, in 
denen sein Geist haust. So entsprofst Schädeldienst, Baumdienst, Wasser- 
dienst. Wir hören von heiligen Steinen, Wäldern, Seen etc. Vor allem 
aber wichtig wird die Tierverehrung, der Animalismus. 

Wie oben auseinandergesetzt, entwickelt sich der Animalismus aus 
der einfachen Naturansohauung, jener naiven Betrachtungsart, die noch den 
Buschmännern eigen ist und darin gipfelt, dafs den Tieren die menschlichen 



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Fälligkeiten zugeschrieben werden. Die umgekehrte Anschauung, die natur- 
gemäß ist, dafs die Menschen tierische Eigenschaften und Vermögen be- 
säfsen, hat eben dem Animalismus das Leben gegeben. 

Hier gilt es vor allem festzustellen, dafs bei primitiven Völkern die 
Schärfe des Denkens nicht so weit geht, dafs sie die Schwierigkeiten 
resp. das Problem erkennen, das darin liegt, dafs eine Seele einmal ins 
Geisterland vertrieben sei, dann aber wieder im Stab, im Schädel, im 
Vogel, in der Eidechse, im Toten etc. wohnhaft geglaubt werde. Kulturell 
höher stehende Völker haben sich mit den animalistischen Traditionen aus 
alter Zeit so abgefunden^ dafs ein geregelter Formen Wechsel, ein "Wandern 
durch mehrere Tiergestalten eingesetzt wurde. Das ist aber nur ein Ausweg 
logisch meditierender Menschen, deren konventionelle Sinnesart es verbot, 
die scheinbaren oder offenbaren Widersprüche in der Weltanschauung durch 
Aufhebung und Streichung eines Teiles der Motive zu heben (Malaien In- 
donesiens etc.); diese Stufe haben aber die Afrikaner noch nicht erreicht. 

Zunächst gehört der Totemismus in den Bereich des Animalismus. 
Der Totemismus ist eine Stammeseinteilung auf Grund meist matriarchalischer 
Familientrennung, verbunden mit Exogamie. Ein Stamm mag z. B. in vier 
Familien zergliedert sein, von denen die eine den Namen des Bären, die 
zweite den des Adlers, die dritte den des Wolfes, die vierte den des 
Raben führt (Nordwestamerika). Ein Jüngling der Bärenfamilie darf kein 
Mädchen der Bärenfamilie, sondern nur eines der Wolf-, Raben- oder Adler- 
familie heiraten etc. Totemistische Gebilde im Rahmen der Stammesbe- 
nennung, der Speiseverbote persönlicher und erblicher Art, Stammesein- 
teilung etc. lassen sich in Süd-, zumal aber in Westafrika nachweisen. 
Hier finden sich in verschiedenen Stämmen zerstreut gleiche Familiennamen. 
Oberguinea liefert die trefflichsten Beispiele: Hunde-, Büffel-, Leoparden-, 
Schlangen-, Katzen-, Affen- etc. Familien sind vertreten bei zum Teil in 
grofser Entfernung wohnenden Stämmen. Die Goldküste bot in alter Zeit 
den ausgeprägtesten Typus. Alle Familien trugen Fischnamen. Die Mit- 
glieder des gleichen Totems, wenn auch nicht des gleichen Stammes, be- 
trachten sich als verwandt und dürfen auch hier nicht heiraten. Die auf- 
fallende Erscheinung, dafs das Tier, dessen Namen eine Familie trägt, 
nicht von den Mitgliedern derselben verzehrt werden darf, wird den Weg 
weisen, auf dem der sonderbare Brauch entstanden ist. Die Thatsache, dafs 
Tiere in dieser intensiven Weise das sociale Leben beeinflussen, deutet in 
die Zeit des Animalismus, die Ausbildung in die Zeit des herrschenden 
Manismus. 

Die gleiche Erfahrung machen wir bei Betrachtung der Einzelbildungen. 
Ich erwähne die Fananymythe. Fault der Kadaver, so treten Würmer au 



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verschiedenen Stellen auf. Eine leicht verständliche Ideenverbindung hat 
zu der Ansicht geführt, dafs diese einzigen Lebewesen in dem toten Körper 
die Träger des Lebens derselben, d. h. die Inkorporationsform sein müfsten. 
Der madagassische Glaube, der auch in Westafrika seine Analogieen hat, 
dem zufolge diese Maden zu Eidechsen aufwachsen , erinnert zu sehr an 
die Auffassungsweise der animalistischen Epoche, die Metamorphosen jeder- 
zeit annimmt, um nicht in letzter Linie bis in diese Anschauungsform 
zurückgehend angesehen zu werden. Ähnliche Metamorphosen tauchen vieler- 
orts auf. Leoparden betrachtet man allgemein argwöhnisch. Es herrscht 
der Glaube, das seien Mensehon, die zeitweilig den Körper verlassen hätten, 
um in dieser Gestalt Gewaltakte an Befeindeten auszuführen. Den Gliedern 
gewisser Familien schreibt man das Vermögen zu, sich in Krokodile ver- 
wandeln zu können, um dergestalt Feinden nachzustellen. 

Wenn ich die Ausbildung derartiger Ideen in Speise verboten auf den 
Manismus zurückführe, so lege ich dem die Erkenntnis zu Grunde, wie sie 
oben angedeutet wurde. Nämlich Leopard und Krokodil werden gerade des- 
halb mit Sorgfalt getötet, weil sie Zauberer, d. h. die Geister Lebender ent- 
halten, die Eidechse aber geschont, da der Geist eines Verstorbeneu sie 
belebt. So mufs denn auch das totemistische Speiseverbot auf Beziehungen 
zur Totenwelt hinweisen. Die Loangoküste liefert die ausgedehnteste Reihe 
derartiger Verpflichtungen. Zu dem totemistischen Speiseverbot tritt nicht 
nur das persönliche, bei der Geburt vom Ganga verliehene, sondern der 
Mann, der von Krankheit, die als Einwirkung seitens unzufriedener Ver- 
storbener gedeutet wird, befallen ist, nimmt noch ein weiteres in solchem 
Falle auf sich. Auf diese persönlichen möchte ich, ehe eine bessere Deu- 
tung gofunden ist, die totemistischen Verpflichtungen, die im unklaren 
Gebräu des Animalismus aufstiegen und erst der festeren socialen Gliede- 
rung jüngerer Zeiten ihre heutige Gestalt verdanken, zurückführen. 

Die verschiedenen Kreise von Anschauungen des Animalismus sind 
Variationongruppen einzelner Motive. Die merkwürdige Auffassung von 
den räuberischen Leoparden und Krokodilen wird durch deren verderben- 
bringende Gelüste und Mordanfälle erklärt, das Vermeiden des Fleisches 
verschiedener Affenarten durch die beunruliigende Menschenähnlichkeit, der 
zufolge diese als gestürzte Menschen oder als Vorfahren angesehen werden. 
Unter die Tiere, deren höhere Bedeutung für das Geistesleben in ihrer 
Eigenschaft als Opfer beginnt, gehört vor allen Dingen das Schwein, dann 
auch das Huhn. Die Tiere, die beim Totenfeste verzehrt werden, sind 
Eigentum des Verstorbenen, denen das Fleisch als Totenmitgift zu teil 
wird. Die Schädel werden aufbewahrt. Sie nehmen eine Bedeutimg an, 
die der Beziehung zum Toten entspricht. Die Schädelbeine werden Amulett, 



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Kommunikationsmittel der Geister, und so gleitet ein Reflexlicht von dieser 
Opferbeziehung in das alltägliche Leben; das Opfertier geniefst eine ge- 
wisse Achtung. 

Die hohe Bedeutung des Huhnes in dem Kultus der Afrikaner ist 
nur in einer Beziehung auf seine Bedeutung als Opfertier zurückzuführen. 
Es haben sich in ihm alle Bahnen der Vogelmythe vereinigt. Die Ent- 
stehung derselben, deren primärer Sinn ist: der Vogel trägt die Seele nach 
dem Tode der Sonne nach in das Jenseits — , ist nicht schwer verständlich. 
Diese Tiere, die mit anscheinend übernatürlichen Kräften sich nicht nur in 
die Lüfte schwingen, sondorn, zur Sonne emporsteigend, verschwindend, 
müssen dem Auge des Wildlings auffallen. — Dem primären Sinn der 
Vogelmythe entsprechend, wird dem Toten ein Huhn auf die Brust ge- 
bunden oder das Blut eines Hahnes auf sein Grab gesprengt, „auf dafs er 
den Verschiedenen in die Welt der Toten geleite". Die Abwandlungen 
dieser Mythe endigen in unzählbaren Variationen. Zunächst wird dem Vogel, 
der die Seele fortträgt, auch die Macht zugeschrieben, den Geist wieder 
zur Erde zu führen. Man besprengt ein Ahnenbild mit Hühnerblut oder 
wirft ein geopfertes Huhn in das Innere eines solchen, um den Geist in 
das Holzbildnis herabzurufen. Dann kann der so mit manistischer Anschauung 
ausgestattete Vogel das Orakel künden. Die Wirkung verschluckter Hühner- 
haut zeigt den Schuldigen an. Oder dem Huhne wird ein Trank verabfolgt. 
Ob es diesen von sich giebt oder ob es verscheidet, zeigt den glücklichen 
oder unglücklichen Ausgang eines Unternehmens oder einer Begebenheit an. 

Mit dem Lichte sind die Vögel in mehreren Anschauungen in Be- 
ziehung getreten. Da ist vor allem die Mythe vom Gewittervogel zu er- 
wähnen. Mit den mächtig ausgedehnten Schwingen verursacht er den 
Donner, mit dem Schnabel schlendert er den Blitz. Ist der am Tage, im 
Sonnen schein aufsteigende Vogel der die Seele ins Jenseits führende, so 
bringt der scheue Nachtvogel sie aus dem Seelenlande zurück. Die Ver- 
allgemeinerungs- und Abflachungslust hat daraus gemacht, dafs Tagvögel 
(Hühner, Geier, Störche) Inkorporationsformen der Seelen seien ; Nachtvögel sind 
die übelwollender und unzufriedener Angehöriger. Da der Hahn ein Tag- 
vogel — der den Tagesanbruch verkündende — ist, darf er des Nachts 
nicht krähen. Er wird, wenn er so gegen das Wesen seiner Art handelt, 
vernichtet. 

Als Omen wird allerorts Vogelschrei und Vogelflug gedeutet. 

Ein eigenes Keieh der afrikanischen Anschauungen bewohnt die Schlange. 
Sie bietet eine Todcsmythe. Die Gottheit frug: Wer will nicht sterben? 
Alles scldief aufser der Schlinge. Die antwortete: Ich! Daher mufs alles 
sterben bis auf die Selüange, die die Haut wechselt und weiterlebt. Sie 



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ist daher die ewig junge. Sie ist in der Natur das Merkmal des Werdens 
und Entstehens. In den raanistischen Anschauungen ist sie die Inkorpora- 
tionsform der Ahnen. Sie teilt diese Bedeutung mit den in gleicher Weise 
wie sie über die Hüttendächer hinhuschenden Eidechsen. Die Zutraulich- 
keit gewisser Schlangenarten, die sich sogar füttern lassen, die Fähigkeit, 
sich ohne Füfse fortzubewegen, und das Wechseln der Haut hat ihnen eine 
hohe Stelle verschafft Vielerorts wird Eingehendes über einen umfang- 
reichen Schlangenkultus berichtet. 

Mit dem Übergang zur lunaren und solaren Weltanschauung 
betreten wir das Gebiet der hohen Anschauungen, das Feld der Ideen, die 
weiter reichen als zu der Beobachtung einzelner und Deutung einmaliger 
Ereignisse. Die hohe Weltanschauung generalisiert, fafst zusammen, be- 
schäftigt sich mit der Gruppe der Erscheinungen ßtatt mit dem einzelnen 
Falle. Die niedere Anschauimg liefert die Antworten auf die Fragen, die 
beim Schicksale des Individuums sich aufdrängen. Die hohe Anschauung 
weifs von Institutionen der Natur zu berichten. 

Die erste Etappe der höheren Mythologie hat sich noch nicht über 
den Manismus erhoben, sie sucht nur erst nach den Beziehtingen des 
Menschen zur Natur. In der Todesmythe verknüpft sie das Schicksal des 
Menschen mit dem des Mondes. Die Formen der Mythe, wie sie in Süd- 
afrika melirfach wiederkehren t dürften in jüngerer Zeit nicht unwesentlich 
beeinflufst und umgebildet sein. — Auch das Einsetzen der lunaren An- 
schauungen wird verständlicher und klarer werden, wenn die Mythologie 
der Buschvölker unserem Verständnis näher gerückt ist. Das Hauptmotiv 
derselben aber, dafs, wie der Mond, auch das Menschenleben ab- und zu- 
nimmt, kehrt immer wieder. Später, in den Zeiten der solaren Dichtungen, 
treffen wir, wenn auch seltener in Afrika (Huisi in der Sehangomythe 
diene als Beispiel, siehe unten!) als in Oceanien und Amerika, die letzte Spur 
dieser Mythen in den Figuren, die als lehensfeindlich, als Gegner der 
Leben spendenden Sonnenhelden, dem Lichte nachstellen und Tod bringen; 
das sind die ausklingenden Melodieen der lunaren Weltanscliauung. 

Zu den solaren Anscliauungen leitet uns der Cyklus der Liebesmythen 
herüber. Sonne und Mond sind ein Liebespaar, das in der Finsternis in 
Liebeslust versinkt. Die Sterne sind ihre Kinder. 

Die Samenkörner der solaren Anschauungsweise fielen in das Erd- 
reich des Manismus. Wie im primitivsten Stadium der Mensch sein Wesen 
und das der Tiere identificierte, in späterer Zeit sein Schicksal an den Mond 
kettete, so gab er, als er sein Augenmerk der Sonne zuwandte, seinen 
Toten das Schicksal, das der Sonne widerfährt. Er begann die Erweiterung 
der Weltanscliauung mit der Einschaltung der solaren Erscheinungen in den 



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Manismus. Indem so das Schicksal der Sterbenden mit dem Untergange 
der Sonne in Zusammenhang gebracht wurde, enstand naturgemäß die An- 
schauung, dafs die Seele des Sterbenden der Sonne beim Untergange folge. 
Der Verstorbene wandelt auf der Sonnenbahn. In alten Berichten wird 
von Benin erzählt: nach dem Glauben der Eingeborenen lebten die Ver- 
storbenen in der Sonne. Wadell teilt aus Alt-Ealabar das Gleiche mit 
Die Seele eines Kranken liefs sich nicht mehr zurückhalten, sondern flog 
auf zur Sonne. 

Die Brücke nun, über die die Sonne am Himmel entlang eilt, ist 
auch der Pfad der Verstorbenen- Der ausgeprägteste Sonnenheld Westafrikas 
steigt, wie wir später sehen werden, an einer Kette in die Tiefe. Auch 
in anderen Sonnenmythen kehrt diese Bahn wieder, wenngleich in veränderter 
Gestalt und verändertem Sinne. Zum Beispiel stellen sich viele Ewe die 
scheinbare Bewegung der Sonne als einen fortgesetzten Kampf um den 
Besitz der Wärme und Licht Spendenden eines starken Volkes im Westen 
mit einem schwächeren im Osten, welches dieselbe an daran befestigtem 
Seile zu sich zu ziehen sucht, vor. Da die Leute im Westen solange 
wachend stets gewinnen, aber wenn sie ermüdet nachts schlafen, die im 
Osten die Sonne wieder zu sich ziehen, so wiederholt sich täglich die 
Procedur von neuem. Der Strick, an dem die Sonne hin und her gezerrt 
wird, ist eine fast unkenntlich gewordene Sonnenbahn. — Die Madagassen 
erzählen von silbernen Fäden, an denen die Toten zur Sonne emporsteigen. 
Eine Leichenklage der Basuto lautet: Wenn ein Seil vom Himmel hernieder- 
hinge, würde ich hinaufklimmen, würde ich steigen' und dort wohnen. Daran 
schliefsen sich dann die Sagen von den Seilen an, an denen im Anfange 
oder in alten Zeiten die Menschen himmelan und himmelnb klettern konnten. 

Der solare Animalismus läfst die Seele nicht nur an den Stricken zur 
Sonne emporgelangen, sondern diese Verbindungsmittel dienen ihm auch, 
wenn er die Seele wieder herabziehen will. Will der Ganga einon Geist 
befragen, so begiebt er sich in seine Hütte, von deren Dachspitze eine Kette 
herabhängt. An dieser rüttelt er, bis sich der Geist herabläfst, worauf er 
sich mit ihm unterredet. Es giebt ferner eine gewisse Art Schnüre, die 
die Eigenschaft haben, den Träger mit den Verstorbenen in Beziehung zu 
bringen. Eine weirse Korallenkette, die der Ganga um den Hals trägt, 
dient dem Zwecke, dafs die Gottheit an ilir herabsteige. Damit ist ein 
aufserordentlich wichtiges Bindemittel gewonnen. Weithin über Afrika, aber 
zumal im Westen verbreitet, ist es Sitte, als Zeichen der Trauer einen Strick zu 
tragen. Unschwer erkennen wir in demselben die Sonnenbahn wieder, auf 
der der Tote ins Jenseits, aus dem Jenseits zurück in das Diesseits und 
zu seinen sich nach ihm sehnenden Hinterbliebenen gelangt. 



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Aber nicht nur im Trauerstrick können wir die „stilisierte" Sonnenbahn 
erkennen. In Dahome sind diese Stränge, an denen die Gottheit Bich in 
den Priester hinabläfst, zu Abzeichen geworden. Die Priester der einzelnen 
Götter zeichnen sich durch die verschiedene Zusammensetzung der Schnüre 
untereinander aus. Ferner sind Schnüre und Ringe auch Hoheitszeichen 
weltlicher Art geworden. Eine aurserordentliehe, kaum zusammenzuhaltende 
Fülle von „ Strickamuletten u steht in inniger Beziehung zu diesem An- 
schauungskreise. Irgend eine Kraft soll herab- oder fortgeleitet oder auch 
festgebunden werden. 

Unter den anderen zahlreichen Erscheinungen, aus denen der Einflufs 
der solaren auf die manistische Anschauung hervorgeht, betone ich be- 
sonders die Schicksale nach dem Tode. Es ist der Ansatzpunkt, dio Quelle 
des Solarismus. Bas Versinken des Sonnenballes ist stets von einem reichen 
Mythenkranze umwoben. Hier hat sie einen Kampf zu bestehen. Rot lohen 
die Flammen der wütenden Streite am Horizonte empor. Die nachfolgenden 
Seelen kämpfen in gleicher Weise mit Thor- und Höhlenwächtero. Eine 
zweite Auffassung läfst die Sonne am Horizonte verschlungen werden. Auch 
die Seelen werden von den Gottheiten der Unterwelt verschlungen. Sehr 
interessant ist der Übergang dieser Anschauung in den Bereich der Vor- 
zauber nngsmythen. Als ein Häuptling der Nkosie nach dem Einrücken der 
Baseler Missionare in ihren Hauptort starb, ward dem Missionar Autenrieth 
der Vorwurf gemacht, er habe die Seele des Häuptlings „gegessen". 

Da die Sonne weifs ist, werden auch die derselben folgenden Seelen 
als weifs gedacht. Mit dieser Erkenntnis mag ein altes Problem gelöst sein. 
Europäer wurden wegen ihrer weifsen Haut als Geister Verstorbener, ebenso 
die hellfarbigen Albino als geisterartig angesehen. Die Thatsache ermöglicht 
es auch, den Ursprung einer weit durch Afrika verbreiteten Mythe auf- 
zufinden; ich meine die Mythe von den schwarzen und weirsen Menschen. 
Folgende Lesart stammt von den Ufern des Njassa: Die ältesten Menschen 
safsen im Mittelpunkte der Erde. Sie waren sämtlich schwarzhäutig. Als 
sie auseinandergingen, mufsten sie zunächst durch einen Flufs waten, um 
sich zu waschon. Zum Unglück waren die Voreltern der Neger dem Schlafe 
sehr ergeben, eilten daher nicht sogleich zum Flufs und zum Ort ihrer 
Bestimmung, sondern schliefen weiter. Beim Erwachen sahen sie, dafs alle 
übrigen sich schon jenseits des Flusses befanden und von dem Wasser weifs 
und rein geworden waren. Nun eilten auch sie zum Strome, gewahrten 
jedoch zu ihrem Schrecken, dafs sein Bett bereits ausgetrocknet war und 
kaum noch einige Pfützen enthielt. In der Hast stolperten sie und fielen 
in die Lachen, infolgedessen ihre Hände und Fußsohlen benetzt und da- 
durch etwas gebleicht wurden. — Im geschlossenen Raum, im Mittelpunkte 



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Frobeninn, Afrikanische Kulturen. 



Tafel 17/. 




Tempel des Schan^o ans Voruha. 



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der Erde, mit der Schwärze, also mit der Nacht beginnt die Mythe. Weifs 
steigt die Sonne empor, wenn die Menschen auf der Wanderung im Strome 
sich weifs waschen. Dem hellen Tage folgt die dunkle Nacht, so den 
hellen die langsehläfrigen schwarzen Menschen. — Ich erwähne diese Mythe, 
deren vollkommene Losung uns an der Hand mehrerer Versionen gelungen 
ist, nur, um zu zeigen, wie die Afrikaner infolge des ständigen Betonens 
der manistischen Beziehungen alle Motive der hohen in die niedere Mytho- 
logie herabgezogen haben. Diesen sekundären Mythen gegenüber ist die 
Zahl der primären Sonnensagen in Afrika sehr gering. 

Betnichten wir einige der besten solaren und kosmogonischen 
Mythen Afrikas. 

Der besterhaltene Sonnenheld der Afrikaner ist Schango (vergl. auch 
Tafel VII), der Blitz- und Donnergott der Yoruba. Er hat drei Frauen, 
Flüsse, unter denen Oya, der Niger, die erste ist, Sie folgen ihm stets. 
Sein Sklave, Biri, die Finsternis, geht in seinem Gefolge. Man erzählt, 
bevor er Gott geworden sei, sei Schango ein Konig unter den Sterblichen 
gewesen. Da liabe er einen Palast von Messing und viele hurtige Pferde 
besessen. Er zeichnete sich als Herrscher durch gewaltige Grausamkeit 
aus. Deshalb beschlossen seine G reisen, ihn zu vertreiben. Auf der Flucht 
trennte er sich in einem grofsen Walde von dem letzton ihm treu gebliebenen 
Sklaven. Nach einer Weile suchte ihn der Sklave, konnte ihn aber nicht 
finden. Dio Nachrieht drang in die Stadt, woraufhin sich die Beamten des 
Herrschers aufmachten, nach dem Verschwundenen zu fahnden. Sie fanden 
ihn aber nicht mehr, wohl aber eine tiefe Grube, aus der das Ende einer 
Eisenkette hervorragte. Sie konnten, lauschend, Schangos Stimme in der 
Tiefe vernehmen. Da hauten sie an der Stelle einen kleinen Tempel und 
liefsen zum Dienste dos neuen Gottes einen Priester zurück. In die Stadt 
zurückgekehrt, sagten sie: „Scliango ist nicht tot Schango ist ein Orischa 
(Gott) geworden. Er ist unter die Erde gegangen und lebt bei den Toten, 
mit denen wir ihn sprechen hörten". Als aber die Zweifler und Spötter 
sagten: „Schango ist tot, Schango hat sich selbst erhängt", da kam der 
Gott in einem Gewittersturm selbst und erschlug viele der Ungläubigen, 
um seine Macht zu zeigen. — In dieser Mythe wiegt die manistische Auf- 
fassung über. In den folgenden erst wird Scliango zum wahren Sonnenhelden. 

Nach der zweiten Auffassung ist Schango der Enkel von Aganju 
(„der Wüste oder des Firmamentes* 4 ), ein Nachkomme von Okikische. Als 
sein Vater wird entweder OUatalla, der Himmelsgott, oder Orungan, der 
Mittag, genannt. Seine Mutter ist Yemaja, die Mutter der Fische, (bis Meer, 
sein ältester Bruder Dada, die Natur, sein jüngerer ein Flufs, sein Freund 
und Bundesgenosse Orischako, Gott der Farmen. Der Diener Schangos ist 

Frubenius, Afrikanische Kultun-n. -1 



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Osehumare, der Regenbogen, der in den Wolken Wasser von der Erde in 
seineu Palast tragen mufs. Ora, das Donnergrollen, ist sein Bote, den er 
mit großem Geräusche aussendet. Ein kleiner Vogel ist ihm heilig und 
scino Verehrer verstehen den Ruf desselben. Seine drei Frauen und gleich- 
zeitig Schwestern, die drei Hauptströme dos Landes, folgen ihrem Gemahl 
beständig. Sein Sklave ist Biri, die Dunkelheit, sein Prister Magba, der 
Empfänger. 

Dieser Gott Sehango nun also wohnte zuerst als Herrscher von 
Yoruba in Oyo. Einst empfing er von seinem Vater Obatalla ein mächtiges 
Zaubermittel. Der davon Geniefsende ward in den Stand gesetzt, jedes 
Hindernis zu überwinden. Sehango verzehrte den gröfsten Teil und gab 
den Rest seiner Frau mit dem Auftrage, ihn zu verwahren. Als er sich 
aber abgewandt hatte, verzehrte sie den Rest selbst. Wie immer ver- 
sammelten sich am nächsten Morgen die Edlen und Häuptlinge zum Rat- 
sprecheu und Ratsclüagen. Alle sprachen nacheinander. Als aber Sehango 
zu sprechen begann, schlugen Flammen aus seinem Munde und es befiel 
alle ein gewaltiger Schrecken. Ebenso lohten aus dem Munde der Oya, die 
die Mädchen und Frauen des Palastes schelten wollte, Flammen, so dafs 
alles entsetzt von dannen lief und der Palast bald ganz verlassen war. 
Da sah Scliango, dafs er als Gott niemand untergeordnet sei und berief 
seine drei Frauen. Er nahm eine lange Eisenkette in den Mund, stampfte 
mit den Füfsen auf die Erde, die sich sogleich unter ihm fiffuete und stieg 
mit seinen Frauen in die Tiefe. Die Erde schlofs sieh wieder, aber das 
Ende der Kette blieb am Tageslicht. 

Seit Sehango mit seinen drei Frauen in die Erde gestiegen war, kam 
er oftmals zur Welt zurück. Eines Tages, als er unten in der Tiefe die 
Oya gescholten hatte, weil sie von seiner „Medizin* 4 gestohlen liatte, und 
sie, erschreckt durch seine Gewaltsamkeit, von dannen geflohen war, suchte 
sie Zuflucht bei ihrem Bruder, dem Seegott Olokun. Als Sehango von 
ihrem Aufenthaltsorte gehurt hatte, that er einen heiligen Schwur, sie so 
zu schlagen, dafs sie seine Streiche nie vergessen solle. Am nächsten Morgen 
stieg er mit der Sonne empor, folgte ihr den ganzen Tag auf 
ihrer Bahn und erreichte mit ihr am Abend den Platz, wo Himmel 
und Erde sich berühren. Er stieg hinab in das Land ihres Bruders 
Olokun. Die Sonne hatte nicht die Absicht gehabt, Sehango den Weg ül>er 
den Himmel in Olokuns Palast zu zeigen und Sehango war es schwer ge- 
fallen, ihr zu folgen, ohne gesellen zu werden und sich zu verbergen, 
wenn die Sonne sieh umwand. Als Sehango Olokuns Palast orreichte, und 
daselbst Oya sah, machte er ein greises Geschrei und viel Bewegung. Er 
stürzte vorwärts, um sie zu ergreifen; doch Olokun hielt ihn fest. Wie 



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nun die zwei miteinander kämpften, lief Oya mit ihrer Schwester Olosa 
(der Lagune) von danneu. Als Oloknn sah, dafs Oya entschlüpft sei, liefs 
er Scliango frei, der nun, grimmiger denn vorher, drohend und fluchend 
hinter seiner Frau herlief. In seiner Wut rifs er Bäume rechts und links 
vom Wege mit den Wurzeln aus. Oya sah vom Hause ihrer Schwester 
aus, wie Schango über die Bänke der Lagune daherkam. Wohl wissend, 
dafs Olosa sie nicht zu schützen vermöge, beganu sie die Flucht von neuem 
und eilte an den Ufern entlang zu dem Platze, wo die Soune unter- 
geht. Als sie so rannte und Schango heulend und brüllend hinter ihr 
her hetzte, stürzte sie sich in ein Haus, das am Wege stand und flehte 
den Mann, der darin war, um seinen Schutz an. Sie bat ihn, — er hiefs 
Huisi, — sie zu verteidigen. Huisi fragte, was er, der Mensch, gegen 
Schango ausrichten könne. Da gab ihm Oya von der Medizin, die sie ihrem 
Manne gestolden hatte, zu essen. Darauf ward Huisi ein Orischa und 
versprach, sie zu schützen. Als Schango näher kam, rannte Hmsi zu den 
Bänken der I^agune und zog einen mächtigen Baum mit den Wurzeln heraus, 
ihn gegen Schango in der Luft schwingend. Da kein weiterer Baum in 
der Nähe stand, ergriff Schango das Bot des Huisi und schwang es in der 
Luft gleich einer Keule. Als die beiden Waffen gegeneinander sausten, 
zerbrachen sie in Splitter. Dann rangen die beiden Orischa miteinander. 
Flammen schlugen aus ihrem Mimde und die Füfse traten klaffende Spalten 
in den Boden, als sie sich so hin und her schleuderten. Der Kampf währte 
eine Zeitlang, ohne dafs der eine des anderen Herr zu werden wufste, bis 
zuletzt Schango wuterfüllt einsah, dafs er hintergangen sei und fühlend, 
dafs seine Kräfte nachließen, auf die Erde stampfte, worauf sich die Erde 
aufthat. Er fuhr hinab, Huisi mit in die Tiefe ziehend. 

Scliango ist ein echter und rechter Sonnenheld. Er wolint in einem 
Palaste aus blinkendem Metall, das ist die Sonne. Er ist geboren von 
Himmel (Obatalla) und Meer (Yemaja). Sein Bundesgenosse ist Gott der 
Farmen, denn die Sonno ist das Gestirn der Fruchtbarkeit. Dir folgt die 
Finsternis, das ist der Sklave Bin. Die Kette, die aus der Grube ragt, an 
der der Gott hinabsteigt, ist die Sonnenbahn, auf der auch die Verstorbenen 
in das Jenseits eilen. Und Schango, der Sounengott, ist auch der Herrscher 
der Toten. Wir sahen schon, wie der Manismus unter solarem Einflüsse 
den Satz gezeitigt hat: die Seele folgt der Sonne. 

Es ist hier nicht der Platz, auf alle Einzelheiten und Parallelen in 
der afrikanischen, noch wenig bekannten Mythologie liinzuweisen. Ich 
betone nur, dafs die Medizin und das Zauberinittel dem Feuer in den 
Feuerdiel »stahl -Mythen anderer Völker entspricht. Sie gewährt die Kraft, 
alle Hindernisse zu überwinden und nach dem Genüsse flammt die Lohe 

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aus dem Mumie. Das ist die Glut der auf- und untergehenden Sonne. In 
den drei hier wiedergegebenen Mythen sind vor allem Bilder des Sonnen- 
unterganges gellten. Schango fährt in die Tiefe. Die dritte ist die schönste 
Mythe. Sie stellt die ganze Sonnenfahrt eines Tages dar. Sie beginnt 
mit dem Diebstahl der Medizin respektive des Feuei-s da, wo die Sonne 
aufgeht. Der Gott folgt dem Sonnenhall bis zum Altend. An dem Platze, 
wo sieh Himmel und Knie berühren, am Horizonte also, entspinnt sich im 
Momente des Sonnenunterganges ein wilder Kampf. Schango wird besiegt, 
er stampft auf die Erde und versinkt in die Tiefe. — Die Sonne ist er- 
müdet, sie geht unter. 

Schango ist nicht der einzige aus Afrika bekannte Sonnenheld, wenn 
auch der am klagten ausgebildete oder erhaltene. Es sind Fragmente solarer 
Gestalten auch sonst aus West- und Südafrika bekannt. Mit wenigen 
Linien mag ein solches Bruchstück aus Südafrika hier skizziert werden. — 
Von einem gewissen Hulteane erzählen die Bassuto, ein Betschuanenstamm, 
folgendes: Ein ungeheures Tier, Kammapa mit Namen, verschlang einst 
alle Menschen. Nur eine Frau blieb übrig. Sie verbarg sich sorgfältig vor 
dein Menschenmörder und brachte in der Verborgenheit ein Knäblein zur 
Welt, das war wunderbarerweise mit einem küstlichen Halsschmuck schon 
bei der Geburt geziert. Sie trat vor die Thür der ärmlichen Hütte, um 
ein wenig Stroh zusammenzusuchen. Als sie wieder zurückkam, erschrak 
sie arg, denn das Kind Hubeane war sehen zum ausgewachsenen Manne 
emporgewachsen. Hubeane zog mit einem Messer aus, Kammapa zu töten, 
ward aber von dem Ungeheuer "verschlungen. Mit dem Messer bohrte er 
aber ein Loch in Kammapas Magen, worauf alle Menschen mit ihm wieder 
an das Tageslicht durch die Öffnung herauskamen. — 

Das plötzliche Aufwachsen ist das Merkmal vieler Sonnenhelden. Die 
Sonne steigt schnell am Morgen empor. Die Sonne wird abends von «1er 
Erde oder der Finsternis verschlungen, so auch Hubeane. Am Morgen aber 
bolirt der Sonnenheld ein Loch in den Magen des Ungetümes, durch das 
er herausschlüpft. Der Anschlufs an den Manismus ist auch hier geboten. 
Wie die Sonne abends verschlungen wird, so auch die Seelen der Verstorbenen 
und in der Mythe alle Menschen. 

Aus dem Kreise der solaren Anschauungen geht auch die Sehöpfungs- 
mythe hervor. Die Losart der Yoruba lautet: Die beiden Gottheiten des 
Himmels und der Erde lagen im Anfange in einer Kalabasse dicht auf- 
einander geprefst. Es entspann sich ein Streit, wobei der Himmelsgott der 
Göttin ein Auge ausrifs. Da sprangen die Kalahassendeokel auseinander. — 
Die Ursprungsmytho ein einmalig geschildertes und vergröfsertes Ereignis, 
ein in die Vergangenheit versetztes Bild des täglichen Sonnenaufganges. In 



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der Nacht liegen Himmel und Erde aufeinandergepreßt. Wenn nun der 
Erdgöttin im Kampfe das Auge ausgerissen und es Tag wird , so lieifst das, 
dafs die Sonne sich im Aufgange emporringt. In gleicher "Weise wird 
auch das Untergangsmotiv der solaren Mythen in die Kosmogonie eingeschaltet. 
Vielerorts wird erzählt: Vor langen Zeiten lebten schon einmal Menschen 
auf der Erde. Da ward der Himmel herabgestürzt, worauf alle Menschen 
erschlagen wurden. Das ist das tagliche Niedersinken des Himmels auf die 
Erde, wenn die Sonne untergeht. Zum Schlüsse dieses Abschnittes sei 
darauf hingewiesen , dafs die Umkehrung der solaren Untergangsmythe auch 
eine Sage der Menschenenstehung gegeben hat. Im Tode vorsinkt nämlich 
die Seele mit dem Tagesgestirn im Felsen der Sonnenhöhle. Im Anfange 
aber gingen die Menschen aus einem Stein oder einer Höhle hervor. 

Überblicken wir die ganze Reihe der aus Afrika bekannten solaren 
Anschauungen und Mythen, so können wir sagen, dafs nur in manistischen 
Formen aufgelöste Bruchstücke einst vollendeterer, klarerer Gebilde allge- 
mein sind, dafs die walirhaft hohe Mythologie auf ein sehr geringes Mafs 
von Ülwrresten zurückgedrängt ist, dafs wir mit einem Worte in Afrika 
nur noch die Fragmente einer höheren Weltanschauung aufzufinden vermögen. 



Dieses Bild der afrikanischen Weltanschauung soll uns nun also im 
wesentlichen als Basis der Darstellung einiger Verwandtschaftsprobleme 
dienen. Es ist naheliegend bei der fast völlig westlichen Verschiebung der 
afrikanischen entfalteteren Mythologie an malajonigritiseho Beziehungen zu 
denken. Ist doch aufserdem im Verlaufe der Betrachtung der materieHen 
Kultur schon mancher Lichtstrahl als Fingerweis nach dieser Richtung ge- 
fallen. Wir hörten vom Summen des Schwirrholzes und dem Geisternetz 
und der Geisterangel als Ausläufer malajonigritischer Fischerkultur, hörten 
von den Aualogieen des Fisch -Totemismus imd sehen die Rohrursprungs- 
mythe in Afrika einziehen und zwar an der Südostküste. Wir sahen sie 
hier einziehen und dem Inneren zu verklingen. Ob dabei nicht ein Echo im 
Kongogebiet erfolgt ist, mufs dahingestellt bleiben. Von der Weltanschauung 
der eigentlichen Kongovölker wissen wir nichts. Wir müssen also Umschau 
halten nach einem besseren Material der Weltanschauung oder Kunst, wenn 
wir das Bild der Bewegungen dieser beiden Äufserungsformen oder Trieb- 
kräfte der Kultur in Afrika feststellen wollen. Das ist das geographische 
Problem. 

Das zweite Problem wäre das rein sachliche, wesentliche, die Frage, 
wie die Weltanschauung in Oceanien denn beschaffen sei und ob hier ein 
speeifisch malajonigritischer Typus sieh herausschälen Lasse. Dafs die Kunst 



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— und es soll sich hier nur um die steinende Kultuskunst handeln — der 
Religion sich parallel oder gleich wertig, d. h. gleich an Gehalt und analog 
im Ausdruck, entwickelt, geht aus der obigen Ausführung hervor (vergL 
Tabelle III). Wir müssen demnach in Oeeanien feststellen, ob es eine Form 
der Weltanschauung und Kunst giebt, die der westafrikanisehen Entwicklung 
im Charakter und im Gehalt (Motive und Verbindung der Motive) entspricht. 

In dem Werke über die Weltanschauung der Naturvölker ist ent- 
wickelt worden, wie bedeutungsvoll der Unterschied Melanesiens und Poly- 
nesiens dadurch erscheint, dafe in ersterem der Manismus alle höheren 
Mythen zum allgemein Menschlichen herabdrückt, in letzterem dagegen der 
Manismus durch die gewaltig ausgebildete Kosmogonie die Betonung der 
solaren Mythen fast gänzlich vermischt erscheint. Also zeigt Melanesien 
gleich Westafrika das Ülierwiegen der aufsteigenden Ivulturanschauung. 
Und es bietet, so will ich hier hinzufügen, auch in der Kunst eine gleiche 
Entwicklungstendenz. 

Für uns, die wir den Bau der Kulturen studieren, ist die weitere 
Frage von Wichtigkeit, wie der Unterschied der beiden Anschauungs- und 
Kunstformen Ozeaniens zu verstehen sei. Ist es eine Folge der fremden 
Einflüsse oder eine Folge der Geschichte? Sollte es als eine durch den Boden 
gebotene Eigenart zu erklären sein? Nim, vor allen Dingen liegt doch 
wohl der Grund im Wesenszuge der ganzen Kidturform. Die Polynesier 
sind gut orgauisierte, dabei einheitlich ausgebildete Typen. Die Spracho 
der Stamme zeigt wenig Unterschied. Und so die Mythologie ebenfalls. 
Die polynesische ist eine Volksanschauung. Sie wird in heiligen Gesängen, 
in ganz bestimmt geformten Mythen aufbewahrt. Eben weil sie diese Ein- 
heitlichkeit im Wissen besitzen, hat man ja geglaubt, statt mit Mythen es 
mit Erinnerungen an historische Begebnisse zu thun zu haben. Demgegen- 
über verfügt Melanesien auf kleinem Räume über grol'se Sprachdifforenzen. 
Die Völker zerfallen in viele kleine Gemeinden mit eigener Obrigkeit. Und 
in der Weltanschauung und Kuust liat jeder seine Meinung im speciellen. 
Keiner erzählt eine Sache wie der ändert- und es würde ihnen wahrschein- 
lich viel Vergnügen bereiten, wenn sie wfifsten, wie diese ihre ausgebildete 
Individualität in der Anscliauung in Europa die Gemüter erregt; denn 
die Reisenden fuhren sich in ihren Berichten schon gar manches Mal in 
die Haare, weil jeder meinte, die Sache richtiger erfahren zu haben, weil 
sein Papua ihm die Angelegenheit nach der eigenen Anschauung mitgeteilt 
hatte, die mit der des Berichterstatters eines anderen Reisenden nicht 
übereinstimmte. 

Die Kunst bietet ganz die gleichen Unterschiede. Der Polynesier 
schnitzt fast stets die Kerbreifen des Nachbars, der Melancsicr malt fast nio 



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das gleiche Ornament zweimal. Dabei ist natürlich eine bestimmte Ver- 
armung auf der einen Seite, eine gewisse Überladung an Motiven auf der 
anderen Seite das Ziel beider Entwicklungen. Es ist das der Unterschied, 
der ja auch die west- und ostafrikanische Kunst charakterisiert. Und die 
Parallelität zwischen Ostafrika und Polynesien einerseits und Melanesien 
und Westafrika andererseits läfst sich bis in die äufsersten Glieder der 
Entwicklungsreihen nachweisen. Ich kann aber hier nicht weitergehen, 
der Weg führt zu weit ab. Es mufs uns genügen, hier festgestellt zu 
haben, dafs Kunst imd Weltanscliauung der Melanesier und Westafrikaner 
die gleiche Richtung im Gegensätze zu den Polynesiern bevorzugen, wes- 
halb das Stichwort „malajonigritisch" für don auimalistischen und solaren 
Manismus, wie wir ihn in Afrika geschildert haben, angewendet werden 
darf. Aufserdem haben wir auf Probleme hingewiesen, die bei Wiederauf- 
nahme des Stoffes im occanischen Kulturgebict näher erörtert werden können. 
Nunmehr soll aber an der Hand einiger Beispiele das Bild malajonigritischer 
Kunst und Weltanscliauung in Afrika vertieft werden. Dabei mag als 
Ergänzung zu der obigen Darlegimg jetzt die Kunst und zwar solches 
Material bevorzugt werden, welches einen Anhaitcpunkt für die Prüfung 
der geographischen Entwicklung und Verbreitung dient. Ich ziehe deshalb 
heran drei Arten von Schnitzwerken: die Ahnenflguren , die Masken und 
endlich den Kameruner Schiffsschnabel. 

Die Vorgeschichte der Menschen figur liegt im Bereiche der Natur- 
anschauung. Sie beginnt da, wo in Oceanien und Afrika die Mumien liegen. 
Von der Mumienbewahrung bis zum Schädeldicnst ist ein ähnlicher Weg 
wie von dem Buschmannsgcmäldo bis zum Augenornament. Verkümmerung 
des Einzelnen und gleichzeitig Anhäufung dieser Teile äst bezeichnend. 
Denn erst ward die Mumie vereint. In ihr wohnte ein bestimmter Mann 
der Vergangenheit, der meistens ein grofser Mann gewesen war. Dann 
ward nur noch der Schädel bewahrt. Hier war schon nach einigen Gene- 
rationen das Bewulstsein, um wen es sich handele, verloren und damit dem 
Schädel ein Durchschnittswert gegeben. Nun lag der Wert nicht mehr in 
der Macht des Individiuums und als treuer Wertmesser stellte sich die 
Summe der Scliädel ein. Wir können diesen Anfang und Ausgang des 
Sehädeldiensb's sowohl in Afrika als in Oceanien sehr leicht beobachten. 
Im Beginn liegt die Sitte, die Schädel der Eltern, der Kinder oder des 
Gatten an einer Schnur stets mit sich zu tragen. Am Ende dagegen ent- 
rollt sich das schauerliche Bild der Schadeljagd. Der Dajak und auch 
inelanesische „Kecken" lauern im Busche dem Feinde auf, erschlagen ihn 
und bringen ihn im Triumphe heim als Bereicherang des Schädelscliatzes. 
Wer mehr hat, ist der Geehrten*. Am Kongo schlachtet der Wohlhabende 



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iit 



von Zeit zu Zeit einen Sklaven und die Köpfe, die auf Stangen rings um 
das Gehöft aufgepflanzt sind, bieten den Mafsstab für die Achtung, die ihm 
die Nachbarn gewahren. Das ist sehr „landlieh, sittlich." 

So fliefst die Sitte, den Schädel nicht mit zu bestatten, aus der Natur- 
anschauung. Er erlullt einen bestimmten Wohnort in einem Topfe, einer 
Kiste, einem Korbe oder auch einem holden Baume. Am Ogowo wird dem 

Leichnam des Häuptlings der Kopf abge- 
schlagen und dieser gründlich geräuchert. 
Les Adoumaa gardent les tetes de leurs 
chefs morts dans des juniers sorvant d'urnes 
fun.'raires et surmontös de l'idole api*#e 
Mboueti. Mboueti ist ein roher Holzblock 
mit einem Gesicht. In Oeeanien schnitzt 
man ein rohes ITolzbildnis, dessen unver- 
hälruismäfsig groteer Kopf hohl ist. In die 
Höhlung wird der Schädel eingefügt. Und 
damit ist das Ahnenbild in drastischer Weise 
als Träger des Geistes eines bestimmten 
Menschen bezeichnet. In Westafrika findet 
sich eine grofse Menge von Parallelen. 
Einmal sind klein»' Holzfiguren, deren hohler 
Kupf eine mysteriöse Sali*» oder sonst etwas 
„Heiliges' 4 trägt, nicht selten. Dann wird 
das Ahnenbild al>er auch dadurch erst „be- 
lebt", dafs ein Wh in den Kopf gebohrt 
wird, ein Kräutlein vom Grabe des Toten 
oder ein den Geist hineintragendes Huhn 
eingefügt wird. Die Öffnung wird ver- 
schlossen. 

Ich will schon hier auf sehr wichtige 
Beziehungen zwischen Menschen- und Tier- 
bild in der malajonigritisehen Kunst hin- 
weisen. In Oeeanien stehen die Ahnenbilder 
nicht selten auf Tiergestalten. Man hat 
dies wohl mit Kocht als ein Zeichen des 
Totemismus angesehen. Derartige totemistisohe Bildungen kommen auch an 
der Westküste Afrikas vor. Da ist z. B. Fig. 216 ein sehr altes Stuck, das 
wahrscheinlich aus Jornba stammt ('Augenbildung! etc.). Das Weib steht auf 
einem schwalbensehwanzartigon IVdestal, das dem Kopfputz des Schango 
(siehe die Tafel I) sehr ähnlich ist. Dieser Schwalbenschwanz trägt das 




Fig. 216. 
Menschenhgur von Oberguinca, 
wahrscheinlich .Joruba oder Niger- 
mündung (Missiunsinus. in Basel). 



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Bildnis eines Tieres. Auf den mit Figurenwerk reich beladenen Elfenbein- 
zähnen aus Benin sind auch Menschen figuren mit derart anscheinend tote- 
mistischen Zeichen unter den Beinen vertreten. 

Ein zweites wichtiges Motiv der ozeanischen manistischen Schnitzerei 
bietet die Verbindung dos Menschen- mit dem Vogelbildnis. Ich habe 
darauf unten noch zurückzukommen. So hängen in den Tempeln auf Neu- 
meckleuburg Bretter, auf denen Vogelköpfe mit riesigen Schwingen darge- 
stellt sind. Oft auch sind es Menschenköpfe, denen die gewaltigen Flügel 
angefügt wurden. Ein ganz gleiches Brett ist in Fig. 217 abgebildet Es 
hat eine Länge von 67 cm. In der Mitte findet sich ein Menschenkopf. 

An beiden Seiten desselben zwei der I>ängsachse 
nach durchschnittene Ovale, daneben am Rande je 
drei Halbovalbildungen. Die letzteren sind sym- 
metrische Ergänzungsstücke. Die Ovalbildungen sind 
aber Rester von Flügclgestalten. Als Fig. 217a ist 
ein Vogel abgebildet, der wie viele seinesgleichen 
zeigt, dafs in dieser Gegend die Flügel so blattförmig 




Fig. 217. 

Brett mit Schnitzerei („ Fetisch der Bangala", Slg. Schutt im Borlinor Museum 
für Völkerkunde III C. 125G); a ein Vogelbild. Kiokeschnitzerei (Dresden). 



wie in Neumecklenburg hergestellt werden. Und auf solche blattförmigen 
Flügel führe ich auch die Ovale neben dem Kopfe auf dem heiligen Brette 
der Bangala zurück. 

Weitere wichtige Parallelen bieten die AVaffenpfahlbildungen, die Ahnen- 
reihen. Sie sind zurückzuführen auf ein sehr einfaches Verfahren : Um irgend 
eine Zahl, sei es die der erschlagenen Feinde, der Ahnen oder bestimmter 
Ereignisse, anzugeben, werden an den Ästen und Pfählen, die die Gräber 
schmücken und in denen der Geist der Toten weilt, entsprechende Reihen 
von Kerbschnitten angebracht. Nun nimmt der Giebelpfahl des malajoni- 
glitischen Hauses eine bestimmte Rolle im Anschauungsleben ein. Er wird 
in Oceanien über einem Menschenopfer errichtet und ist der Platz, an dem 




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die Sonne verehrt wird. An ihm 'hängen die Schädel der erschlagenen 
Feinde, auch dio Unterkiefer der geopferten Schweine. An ihm buchen die 
Malajonigritier Afrikas und Oceaniens die wichtigsten Ereignisse. Er trägt 
die Tierbilder des totemistischen Clans und so treten übereinander gestellt 
auch die Ahnenreihen an diesem Giebelpfciler in Oceanien und Afrika 
(Fig. 218) auf. Es ist das ein wichtiges Merkmal der malajonigritischen 
Kultur. 




Fig. 218. 

Tempel hei Banana (nach Originalphotographie). 



AufTaf. VII ist ein sehr seltenes Stück abgebildet, ein kleiner Tempel 
des Sonnenhelden Sehango. Solche Tempel werden von den Völkern der 
Guineaküste teils an den Hausthüreu, teils in den heiligen Hainen auf- 
gestellt. „Es ist der Gott Schango, seine Frau Oya und ihre Familie. 
Die Figuren sind mit Amuletten bedeckt und von den Attributen Schangos, 
des Dontiergottes, umgeben, unter anderen eine Eisenlanze in Schlangenform, 



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welche den Blitz repräsentiert, und Kultusglockcn aus Kupfer und Eisen." 
Das ist eine schwache Auskunft, denn von den vielen Dingen, die uns hier 
entgegentreten, ist fast nichts erklärt Die grofse Figur mit dem Barte ist 
offenbar Schango, die Frau daneben Oya. An ihnen fällt vor allen Dingen 
die Augeubildung auf. Die Querachse der linken Augen beider ist hori- 
zontal, die der rechten schräg gelegt. Die rechten Augen sind dabei gröfser 
und mit je drei Augensternen versehen. Auch sehen wir, dafs dio Augen 
aller anderen Figuren anders gebildet sind, nämlich mit einem runden statt 
des ovalen Augapfels, dem aufsei dem die Sterne fehlen. 

Mit das Merkwürdigste ist der auf die Erde golegte Kopf. Ist es 
das Bild der untergehenden Sonne? Vielleicht! Aber andererseits tritt eine 
Sitte als beachteuswerth hervor. Stuhlmann traf am oberen Ituri vor einer 
Ilntte den Schädel eines angeblichen Wambuba- Zauberers zur Hälfte ein- 
gegraben; er hatte in jener Hütte gewohnt. Nach Yogel werden die Toten 
der Tangale in sitzender Stellung bis an den Kopf eingegraben. Die Bube 
bestatten ihre Toten in sitzender Stellung und zwar so, dafs der Kopf 
aus der Erde herausschaut. Odentes, eines verkümmerten Sonnengottes der 
Goldküste, Wohnort wird so hergestellt, dafs ein Knabe getötet wird. 
Er wird stehend bestattet, so dafs der Kopf hervorsieht. > Er wird mit 
einem Topfe bedeckt, über dem Topfe aber der Lehmhügel errichtet, der 
die Untergangshöhle der Sonne darstellt, in die ihr die Seelen der Ver- 
schiedenen folgen. 

Nun Oceanien. Auf Anietyum wurden die Vornehmen in der Erde 
begraben, so dafs nur der Kopf herausstak. Auf den Gilbertinseln herrseht 
der gleiche Brauch. Dio Battak auf Sumatra üben ein schauerliches Ver- 
fahren, um die Lebenskraft für ihre Ahnenstäbe zu gewinnen. Ein Knabe 
von 9 — 11 Jahren wird so begraben, dafs niu- der Kopf über der Erde 
bleibt. Scliarfe Gewürze werden ihm hierauf in den Mund geschüttet, so 
dab in der furchtbaren Sonnenhitze ein schauerlicher Brand entsteht. Man 
sichert dem Flehenden einen kühlenden Trank zu, wenn er verspräche, 
nach dem Tode die Lebenden zu schützen. Sowie er das Versprechen 
gegeben liat, wird ihm glühendes Blei in den Hals gegossen. Aus seinem 
Kopfe wird darauf etwas von der Gehirnmasse genommen und diese in 
die Ahnenstäbe gefüllt, so dafs sie Leben erhalten. In der Mythe der 
Gilbertinsulaner ward der Sonnenball als ein Kopf ohne Rumpf und Glieder 
geboren. Tangatta zerschellte diesen im Zorne. In der Nacht fanden sich 
jedoch die Teile des Kopfes wieder zusammen. Das geschah mehrmals, 
bis zwei Frauen vorbeikamen und den Kopf mitnahmen. Als sie den Kopf 
auf die Erde legten, begann diese sofort zu brennen. Das Feuer verbreitete 
sich über alle Inseln etc. 



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Wir sehen in der letzten Mythe eine Darstellung des Unterganges 
und des Aufganges der Sonne. Der manistische Zusammenhang ist klar. 
Dieselben Gilbertinsulaner, die die Sonne als Menschenkopf ohne Rumpf 
und Glied feiern, bestatten ihre Toten so, dafs nur der Kopf aus der Erde 
schaut. Und die Negerstämnie der Goldküste graben einen Menschen ebenso 
in die Höhle ihres alten Sonnengottes ein. — Also dürfen wir in dem 
Kopfe des Sonnentem]>els vielleicht die untergehende resp. aufgehende Sonne 
erblicken. 

Die drei knieenden Figuren vor Schango und Oya sind nicht erklärt. 
Wir haben es hier wohl mit Gestalten aus dem Gefolge Sehangos zu thun. 
Der Frau vor Schango fehlen die Brüste, der Figur vor Oya ein Arm und 
anscheinend das membrum virile. Mit am meisten vermag aber die Reihe 
der Figuren, die den „Götterkreis" umgeben, zu interessieren. Hier sind 
zwei Krokodile abgebildet, die auf eine liegende Menschen tigur zueilen. Ist 
das der Horizont oder eine Untorgangsdarstellung? — In Joruba, Benin, 
Kalabar und am Unterlaufe des Niger liegen noch immer die köstlichsten 
Schlitze ungehoben. Hier haben sogar anscheinend die geometrischen Muster 
noch Namen figürlicher Dinge. Hier giebt es Kosniogonicen und allerhand 
Schnitzwerk wie diesen Schangotempol , die nicht anders als die Ausdrucks- 
formen einer noch mehr als halbwegs bewufsten Mythologie erscheinen. 
Aber wahrend die Afrikareisenden in Parforcemäi-schen den geographischen 
Problemen nachstreben, die doch unverändert bleiben, verkümmert hier 
alles unter dem unheilvollen Einflufs des Mohainmedanismus imd des Christen- 
tums. Unheilvoll für uns Ethnologen, die mit Trauer dem Laufe der 
Dinge, ohne eingreifen zu können, zuzusehen gezwungen sind. Für solche 
Dinge ist das Sammeln materieller Schütze weniger wesentlich als die 
Sicherung zugehöriger Texte. Wird hier niemand die von Ellis so glänzend 
begonnene Arbeit wieder aufnehmen? Schwerlich. Ich fürchte, die Rei- 
senden werden nach der Trümmerstätto, dem alten Benin, strömen und 
das jetzt noch Bestellende erst dann schätzen lernen, wenn es auch zer- 
fallen ist. 

Das geographische Problem findet in der Verbreitung derartiger 
Schnitzwerke ein wertvolles Hilfsmittel (vergl. Karten XI und XXVI). Die 
Ahnenbilder gehören vornehmlich dem westafrikanisehen Kulturkreise an. 
Wenig kommt in Betracht, was außerhalb desselben gefunden wurde. Eine 
eingehende Durchforschung der Formen wird ein gleich wertvolles Material 
und Beweismittel für die Völker- und Kulturströmungen bieten wie die 
Untersuchung der Masken und Geheimbünde, die in einem selbständigen 
Werke vorgenommen ist. Sie hat gezeigt, wie die Maske aus dem Süd- 
osten stammt und bis zum Xigerdelta vorgedrungen ist, wie von hier eine 



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— 333 — 



Rückströmung in das Kongogebiet, dann aber auch eine neue Ausstrahlung 
bis nach Senegainbien hin erfolgt ist (vergl. Kartenblatt 5, Nr. XXVI). 

Die Maske selbst tritt aus drei Elementen hervor: der Hüttennmske, der 
Schädelmaske und der Tiermaske. Die erste ist das Entwicklungsprodukt der 
Geisterhütten , in denen die Verstorbenen wohnen. In solchen Behausungen 
verbringen auch die die Vergeistigung Durchmachenden (vergl. Kap. 9, S. 259 ff.) 
die Zeit der Enthaltungsgebote. Wenn sie sie verlassen, sind sie selbst 
geistergleich und bezeugen dies dadurch äufserlich, dafs sie in dieser 
Geistorwohnstadt einhcrwandeln. Das ist ein echt malajonigritisches Motiv, 
das auch in Oceanien beobachtet werden kann. 

Die Schädelmaske entsprofst dem Schädeldienste, wie er oben dar- 
gestellt wurde. Im Schädel des Toten wohnt dessen Geist. Der Neu- 
pommer und auch andero Melanesier tnigeu noch vor wenig Dccennien 
Schädelbeine eines Verstorbenen als Maske vor dem Antlitz, wenn sie von 
den Ahnen ergriffen oder besessen werden wollten. Der Westafrikaner 
aber fängt die aus dem abgeschlagenen Kopfe der Iläuptlingsleiche heraus- 
fliefsende Geliirnflüssigkeit auf, um die eigene Stirn damit einzureiben, 
wenn er mit dem grofsen Toten in Beziehimg treten will. Aus der 
Schädelmaske sind die gekleisterten Kalk- und Wachsmasken mit einem Holz- 
oder Rohrgestell als Unterlage offenbar hervorgegangen. Ihnen folgen die 
Holzmasken. 

Die Tiermasken schliefsen sich dem Totemismus an. Aber es mögen 
auch andere Ideen der auinuilistisch-manistischen Anschauung in solchen 
einen Ausdruck finden. So die Vogelmythe. Bezeichnend ist es, wenn auf 
der Stirn westafri kailischer Masken ebensowohl Eidechsen auftreten wie auf 
solchen Melanesiens. 

Mit den Masken gemeinsam müssen die Geheimbünde genannt werfen. 
Sie gehen aus den Gruppen der gemeinsam den Vergeistigungstod Gestor- 
benen hervor. Sie nehmen in fernerer Entwicklung Stellung zu socialen 
Fragen, sind hier Richter der Frauen, dort die Wahrer des Kriegsrechtes 
und in Kalabar die Beschützer eines nach afrikanischer Art ersprießlichen 
Handels. Bis in die äußersten Feinheiten läfst sich die analoge Bildung 
westafrikanischer und melanesischer Geheimbundinstitutionen nachweisen. 

Kaum ein afrikanisches Schnitzwerk bietet aber so viele Probleme, 
wie der einsame Kameruner Schiffsschnabel. Es ist eine Figiirendarstellung, 
wie sie in Afrika ungemein selten ist. An sich ist die afrikanische Kirnst 
schon trocken. Wie selten unternimmt sie Kompositionen gleich den aus 
Melanesien noch immer ununterbrochen fliefsemlen. Nach Angal>e eines 
Negers waren früher auch am unteren Niger ähnliche Schiftszierrate ge- 
bräuchlich. Aber heute scheint es keine solchen mehr zu geben, aufser in 



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— 334 — 



Kamerun. Hier spielen sie aber eine grofse Rolle im Volksleben. Wenn 
die Häuptlinge zu Wettfahrten ausziehen, ziert ein solches Sehnitz werk den 
Bug. Betrachten wir die Zusammensetzung eines solchen näher (Fig. 220). 

Abgesehen von allem schmückenden Nebenwerk kommt vor allem 
1. der Mittelstab, auf dem die Figuren stehen und welcher vorn in eine 
Rundung ausläuft, 2. eine Mensehenfigtir, neben der je ein Tier steht, 
welche er erfafst, 3. an der Spitze ein Vogel, der eine Schlange mit dem 
Schnabel erfafst hat, in Betracht. Es wurde in dem Hauptwerke über den 




Fig. 219. Kujalan der Dfljak (Museum für Völkerkunde in Wien). 
Fig. 220. Schiffsschnabel aus Kamerun (Museum für Völkerkunde in Hamburg). 



Kameruner SchüftBchnabel der Versuch gemacht , die Beziehimg dieser Ge- 
stalten zu einander in der Weise zu erklären , dafe es sich um die merk- 
.wüidigo Erhaltung eines nmlajonigritischen Sehnitzwerkes des Totenschiffes 
in ihnen handele. Ein solches (vergl. Fig. 2 1 9) stellt einen Vogel dar, und 
zwar in diesem Falle einen Nashornvogel, auf dessen Schwanz ein Mensch 
resp. Geist steht, der mit jeder Hand ein totemistisches Tier hält. Der 
Vogel trägt diesen Toten so der Sonne nach in das Jenseits. Eine An- 
deutung des Verstorbenen findet sich übrigens noch neben der figürlichen 
Darstellung und zwar in dem Kern resp. Ilolzstück, welches der Vogel in 
der Spitze des ungeheuren Selmabels hält. 



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— 335 — 



Es wurde also der Versuch gemacht, den Schiffsschnabel von dorn 
Toten schiff abzuleiten. Die Seele mit den beiden Tieren stimmte. Vom 
wurde aufserdem als nie fehlend ein Vogel mit einer Schlange mit dem 
Toten vogel des Knjalan identificiert, der auf neumecklenburgischen Dar- 
stellungen des Totenschiffes ebenfalls eine Schlange statt des Kernes als 
Seele im Schnabel trägt. Blieb also noch der Tragstab, auf dem die 
Figuren stehen, zu erklären übrig. Auch mit ihm konnte man sich ab- 
finden, indem man ihn als Verkflmmerungsform des grofsen Nashornvogels 
auffafste, für den, da er nicht nielir verstanden wurde, der kleine Vogel ' 
an der Spitze angefügt wurde. Es lielsen sich sogar Spiralbildungen auf 
der Oberseite als Reste vom Horn (des Nashornvogels) und Flügel am 
Knjalan nachweisen. Der Kopf des Vogels wäre in der spiralförmigen 
Stelle am Vorderende der Tragstange wieder zu erkennen. Wichtig war 
es dabei vor allen Dingen, nachzuweisen, dafs die Vogelmythe in Oceanien 
und Afrika die gleiche sei. 

Seit dem Abschlüsse jener Arbeit 
ist mancherlei Beitrag eingelaufen und 
mit zu dem wichtigsten Belegstück ge- 
hört der sehr verworrene Schiffsschnabel 
des Dannstädter Museums (Tafel VIII, 
Fig. 1). Er zeigt auch den Mittelstab. Kameruner Schiffsschnabel (ethnogr. 
Dieser läuft aber nicht in eine Spiral- Mus. im Trocadero in Paris, Nr. 12 547). 
bildung aus, sondern ganz sachgemäfs 

in einen Vogelkopf, der allerdings nach oben gewendet ist. So kann die 
formale Entwicklungsgescluchte eines malajonigritischen Schnitzwerkes in 
Afrika nachgewiesen werden. Und das ist von hohem "Werte, von um so 
höherem, als die heutige Bedeutung der Gebilde eine ganz andere ist als 
die des oceanischen Totenschiffes. 

Schon die formale Entwicklung beweist eine Degeneration der Idee. 
Man sehe wie sogar ziemlich klar erlialtene Formen umgebildet sind, 
z.B. Fig. 221. Das eine Bein des Mannes ward zur Schlange. Der eino | 
totemistischo Vogel ward zum Seelenträger. Aber wehe! wenn es jemand 
unternehmen wollte, die Umbildung eines Schiffsschnabels wie etwa Taf. VIII, 
Fig. 1 zu deuten! Das purzelt und wimmelt durcheinander als sei es ein 
Spottlied auf alle Ordnungsliebe. Auch Fig. 2 auf der gleichen Tafel ist 
arg verquickt. Aus dem Manne mit zwei totemistisehen Fischen ward eine 
Glocke an zwei Delphinen, auf der ein Mann mit baumelnden Beinen sitzt, 
der die Schlange, die in ganz polizeiwidriger Weise von der Spitze so 
weit nach hinten geraten ist, stützt etc. An Fig. 3 ist der Nashorn- 
schnabol parallel der Vogelkopftragstange ausgebildet. Der Vogel mit der 




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— 33G — 



Schlange sitzt an seinem Platze. Aber die „Soden" selbst, die doch 
eigentlich bei so emstcr Fahrt ins Jenseits etwas mehr Bekümmernis an 
den Tag legen sollten, üben sieh in der Kuietieuge und schauen den 
Tierlein zu, die ganz pflichtvergessen sich Beschäftigungen hingeben, die 
sich auf einer Reise in das Totenland absolut nicht schicken. Ähnlich 
diesem ist Fig. 4 gestaltet (vgl. das Nashorn!). Es ist vielleicht klarer 
und steht der Ausgangsfonn etwas naher, aber der Bescliauer gewiunt in 
Anbetracht dieser Akrobaten künste auch nicht den Eindruck eines ehrwür- 
digen Sinnes solcher Schnitzwerke. 1 

Und thatsäehlich weifs der heutige Kameruner von dein einstigen 
Sinn seiner Schnitzwerke, der bei der vollkommenen Übereinstimmung aller 
fundamental wichtigen Elemente ziendich sicher ist, nichts mehr. Es ist 
vielleicht von Wichtigkeit, zu hören, was ein so trefflicher Kenner wie 
Bohner von den Tauge (Schiffsschnäbeln) der Kameruner berichtet: 

Die Tange (sprich Tang-ge) der Kanu werden heute von gewissen 
Naturkünstlern zum Teil auf Vorrat gemacht und dann von Besitzern von 

1) Für spätere Specialforschung wird es von Wert sein, die eingeborenen Namen 
der einzelnen Teile zu kennon. Gelegentlieh der Aufnahmen in Kamerun wurde dafür 
Sorgo getragen, möglichst Genaues hierüber in Krfahruiig zu bringen. Die beifolgende 
Ijste von Namen verdanke ich Herrn Kaak. Die Nummern entsprechen den auf dem 
Überdeckblatt der Taf. VIII sich findenden. 




Tange 4 auf Taf.VllI. 



1. Ekabuma. 

2. Mbengo a tange. 

3. lnon. 

4. Mpese ma tange. 

5. Jongu ya tange. 

6. Moto. 

7. Wambo. 

8. Sue. 

0. Ebweko. 

10. Ndeligu. 

11. Nyama bwaba. 



12. Ebongo ma tange. 



13. Esoke. 

14. Ngen. 
lf». Manjua. 



16. Monjo miudene. 

17. Ebambu ma ngen. 

18. Jöngö. 
10. Ngokobi. 



20. Nyiuna. 

21. Mbeugo. 



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PrabflalBf , Afrikanische Kulturen. 




I.ii lit'lnu'k von Gebr. Plcttnor, Hille n. S. 

Kameruner S 



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Taf. VUL 




Vorlag von GW*. Ilorntrao^r , Berlin. 

gthifftochitlbcl. 



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— 337 — 



Luxus -Kanu käuflich erworben. Sie enthalten bildliche Darstellungen des 
Volkslebens, die dann jedermann sich nach seiuem Belieben aussucht. 
Vogel und Schlange gelten heute als das Bild der Schnelligkeit, die letztere 
hauptsächlich in Bezug auf die Feinde. Der Elefant ist das Sinnbild der 
Gröfse und des Elfenbeins wegen das des Reichtums. Andere Gegenstände 
zeigen an, dafs der Besitzer des Kanu sie hat. Die ganze Darstellung kenn- 
zeichnet viel mehr den Charakter des Besitzers, als das Kanu selbst Diese 
Luxus -Kanu mit ihren Tange werden nur bei Spielen, Wettfahrten und 
Kriegszügen gebraucht Der mittlere Teil des Tange (der Tragstab) heilst 
wie der Boden des Kanu Mongo, d. i. Rückgrat. Zur Erläuterung von 
Fig. 1, 2, 3 und 6 der Tafel I des „Kameruner Schiffsschnabel" gaben die 
Eingeborenen an: 

Nr. 1 (unsere Fig. 220) stellt die Schnelligkeit des Kanu dar, in 
welcher ja vielfach, besonders beim Wettrennen, der Triumph liegt. Diese 
wird dargestellt durch den vorderen Vogel, welcher die Schlange an 
Schnelligkeit übertrifft imd sie tötet, wenn sie ihm Gefahr droht Infolge 
dieser Schnelligkeit fühlt sich der in der Mitte der Figuren dargestellte 
Besitzer desselben stark und mächtig, so dafs er sich nicht fürchtet, auch 
wenn er von zwei Feinden zur Rechten und zur Linken sollte angegriffen 
werden, was durch die beiden Tierfiguren angezeigt ist Hilft aber alles 
nichts, so besitzt er, wie die Figur zeigt, eine Kanone, seine Feinde nieder- 
zuschmettern, beziehungsweise seinen Triumph zu verkünden. Sollte er 
aber je in Gefahr kommen, so besitzt er einen Sohn, der ihm beistehen 
und ihn retten bczw. ihn rächen kann. Dieses letztere zeigt der kleine 
Vogel lünter dem grofsen an der Spitze an. 

Nr. 2 stellt den Reichtum des Kanubesitzers dar. Er besitzt euro- 
päische Lampen, kostbare Geräte und Schmucksachen in Fülle, vor allem 
aber selu* viel Elfenbein, was durch die beiden Elefanten angezeigt ist. 
Sein Reichtum dünkt ihm wertvoller als die Schnelligkeit des Kanu, was 
durch den Elefanten, der den Vogel verschlingen will, angedeutet ist. 
Auch ist er so stolz darauf, dafs er ihn durch einen Herold ver- 
künden läfst. 

Nr. 3 ist das Abbild der Pracht und des Wohllebens. Die grofsen 
Prachtschirme und vielen anderen Schmuckgegenstände, wie der in der 
Mitte stehende Bänkelsänger und andere Musikanten weisen darauf hin, 
dafs in der Umgebung des Mannes oder der Genossenschaft, welcher das 
Kanu gehört, Pracht und Wohlleben herrscht. Bei Wettfahrten dieser Art 
steht dann immer der geschmückte Bänkelsänger singend und tanzend in 
der Mitte, während ein zweiter das Horn bläst, ein dritter trommelt und 
ein vierter vielleicht noch mit einem andern Instrumente lArm macht. 

Frobenius, Afrikanische Kaltaron. 22 



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— 338 — 



Nr. 6 ist das Abbild der Tapferkeit. Der Raubvogel an der Spitze wirft 
alles vor sieh nieder. Verschiedene Sclüangen und andere Tiere hat er 
schon erhascht und hinter sich geworfen. Soeben ergreift er die gröfste 
Schlango. Der Eigentümer steht als Feldherr in der Mitte und feuert zum 
Kampfe an. Er wirft dio Feinde mit starkem Arme darnieder. Seine stolze 
Kriegsstandarte befindet sich hinter ihm. 

Auf Deutsch ist der ursprüngliche Sinn verloren gegangen. Jeder 
sucht die Sache zu erklären und daraus ergiebt sich allmählich eine neue 
Losart. Wahrscheinlich wird sich auch der historische Grund des Mifsver- 
ständnisses noch aufklären lassen. Die Dualla stammen nämlich aus dem In- 




222. 223. 
Fig. 222 und 223. Tättowierto Baschilauge (nach M. Buchner). 



land und haben $686 Schnitz werke, wie' manches andere von den Altan- 
sassen übernommen. 

Und nicht nur diese Seiten des Kulturbesitzes zeigen die reichere 
Ausbildung im Westen, auch ganz einfach«' Dinge des alltäglichen Lebens 
verraten den Unterschied des Fundamentes der Weltanschauung und Kunst. 
Man denke au die Tracht. Form- und Farbfreude treten im Westen überall 
in den Vordergrund. Aber nicht nur das. Es finden sich die augenschein- 
lichsten malajonigritisehen Parallelen zum eceanischeu Besitz. Ich erinnere 
au die merkwürdigen Trauergewänder der Aschanti, die merkwürdigerweise 
noch so wenig Aufsehen erregt haben. Auf Tai. LX ist die Herstellung 
solcher bei den Aschanti wiedergegeben. Dieses Trauergewand „Adenka" 



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— 339 — 



ward früher aus geklopftem Rindenstoffe, heute aus Baumwollengewebe an- 
gefertigt. Der helle Stoff wird auf dem Boden ausgespannt und mittels 
Schablonen und einer aus Pflanzensaft gewonnenen Schwärze mit allerhand 




Fig. 224 und 225. Tupai Kupa (ein Neuseeländer) und seine Tättowierung. 
Letztere nach seiner eigenen Zeichnung. 



— 340 — 



Zeichnungen bemalt. Ist es nicht eine völlige Parallele zum Tnpa (Rinden- 
stoff) der Oceanier, welches ebenfalls mit Mustern imd zwar Ornamenten 
mit bestimmten Bedeutungen bedeckt war? — 

Und nun gar die Tättowicrung ! Bei Petermann versuchte ich den 
Unterschied der ost- und westafrikanischen Tättowierung festzustellen. Die 
westliche (vergl. Fig. 222 und 223) ist malajonigritisch. Sie ist z. B. der 
der Neuseeländer (vergl. 224 und 225) aufserordentlich ähnlich. Aber in 
der einzelnen Linie liegt der Unterschied zwischen der östlichen und west- 
lichen Methode nicht Die Westafrikaner sehen einen Sinn in den Linien. 
Der Sande tättowiert sein Weib aus Liebe jahrelang, just wie der Markesaner. 
Bestimmte Formen erinnern an bestimmte Geschicke. Auch liegt eine Ge- 
mahnung an diese oder jene Ccnnonie und den Kultus darin. Und das 
ist ja eben der Unterschied: Im Gegensatz zum Ostafrikaner besitzt der 
Westafrikaner eben Entwicklung, Sinn, Geist in seiner Weltanschauung und 
Kunst. Und das ist malajonigritisch. 



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Anmerkung zn den Karten. 



Die Kartenblätter 1 und 2 stellen die Verbreitung vor allen Dingen 
malajonigritischer Kulturmerkniale dar (III; IV; VII — IX; XI — XIV; XVI 
bis XIX). Die Summierung dieser malajonigritischen Elemeute, die Über- 
deckkarten (X; XV; XX), sollen das dichtere oder duftigere Auftreten der- 
selben zur Anschauung bringen. Es handelt sich hier um das geographische 
Problem, wie es bei Petermann ausführlicher beliandelt ist. 

Einen etwas anderen Sinn haben die Karten V, VI, XXI, deren "Wert 
in der Darstellung aller Formen desselben Gegenstandes liegt (Schilde, 
Trachten, Hütten). Diese mögen eine besonders angenehme Illustration des 
anatomischen Teiles, zumal der Tal>clle auf S. 250 und 251 bilden. Die 
Karte XXV ist vor allem von physiologischem Interesse. Wir sehen hier 
durch Rot und Blau den Gegensatz nicht nur des Bananen- (Garten-) und 
Hirse- (eigentlichen Acker-) Baues angedeutet, sondern auch die Beziehung 
der Viehzucht zum Ackerbau und mit der Viehzucht der Lederindustrie. 
Also ist es der Gegensatz der vorwiegenden Verwendung der Pflanzenfaser 
einerseits, der der Tierfaser andererseits. 

Die Karten XXII und XXIII sind in XXIV 1 zusammengesetzt. Die 
letztere stellt die Abbildung der Ursprungsgeschichte der afrikanischen Kul- 
turen dar. Die roten Stiiclüagen sind die Merkmale der asiatischen Kultur 
auf der Nordachse. Es sind die ganz jungen, siegreich vorrflekendon Strö- 
mungen. Das Braun markiert die indische, d. h. ältere „asiatische" Kultur, 
die die Eisenindustrie, den Hirsebau und die Viehzucht brachte. Ich will 
die altere (braune, indische) und die jüngere (rote, semitische) nicht als 
vollkommen verschiedenartige Kulturen hierdurch bezeichnen. Ich will damit 
nur andeuten, dafs die älteren jener asiatischen Ströme, unter deren Ein- 
flufs Afrika stand, mehr aus dem Süden (Indien), dio jüngeren dagegen 
melir aus dem Innern und Westen (via Arabien) stammen. Wir sehen 
demnach, wenn man dieses zu den Ausführungen im Texte nimmt, die 



1) Mit gütiger Erlaubnis der Redaktion d»«r .Zeitschrift für Erdkunde" ent- 
nommen. 



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— 342 — 

Quellen der auf Afrika wirkenden Kräfte immer mehr sieh nach Westen 
verschieben: 1. Malajonigritier (Hinterindiens), 2. Asiaten Indiens, 3. Asiaten 
Westindiens. Und noch vor 1 liegt die nigritisclie Kultur mit der Ver- 
wandtschaft in Australien. 

Die letzte der hier wiedergegebeneu Karten (XXVI auf Kartenblatt 5) 
ist mir sehr lieb. Vielleicht ist es mehr ein persönliches Interesse, weil 
ich jahrelang daran gearbeitet habe. Aber sie scheint doch wichtig. In 
der Entwicklung eines Gegenstandes (der ja die so Weier anderer entspricht, 
wodurch sie erst Wert gewinnt) sehen wir hier die Geschichte der malajo- 
nigritisehen Kultur versinnbildliclit, wie sie von Südosten kommend am 
Südrande der Nordzone eine Barriere findend einen Schwemmgürtel bildet, 
wie dieser im Nigerdelta sich zum Ausgangsgebiet einer neuen Strömung 
entwickelt, die in Senegambien sich bricht. (Das sind die zwei blauen 
Schwcmingürtel.) Und beide Sehwemragürtel wirken rückwärts, wie die 
Woge beim Anprall an den Felsen zurückschlagen mag, und schwanken 
zurück (rote Strömungen). Ich habe versucht, das in einer minutiös genauen 
Arbeit darzulegen (vergL „Die Masken und Geheimbünde Afrikas", Leipzig 
1898), die ich hier nicht wiederholen kann. Also das Beispiel erscheint 
mir lehrreich. 



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Sach- und Namens Verzeichnis. 



ä. 

A-Habaa (Völkerstamme zwischen dem 
mittleren Ubangi und dem Aru- 
wimi) Messer 98. 

A-Bannbo (Volksstamm in dem Winkel 
zwischen üelle und dessen süd- 
lichem Nebenstrome Bomokandi) 
Schilde 47. 

Abessynien (Staat im nordöstlichen 
Afrika) Schilde 30, 31 — Dolch 88 

— Rababa 134 — Tromm ein 154. 

Abetlfl (Hauptort von Okwawn, west- 
lich vom Togogebiet gelegene 
Landschaft) Schild 39 — Trom- 
meln 167. 

Abo (kleiner Stamm unweit der Küste 
im nördlichen Kamerun) IIolz- 
pauken 178. 

A-Bongo (Bat na- Stamm [siehe Busch- 
völker] im Qgowegebiet) Klang- 
stab 186. 

Achsen siehe Nordaehse, Südachse, 
Yerbindungsachse, westliches Ab- 
lagerungsgebiet, Übergangsgebiete 
vor allem S. 1 4 und Fig. 2 — ta- 
bellarische Darstellung des Kultur- 
besitzes auf den Achsen 250/251 

— Schilde auf den Achsen 53 bis 
56 — Bogen auf den Achsen 78 
bis SO — Holzwaffen und Messer 
auf den Achsen 109 bis 1 1 1 — Beil- 
formen 112 ff. — Speere 116 — 
Pfeile 1 1 G — Schleudern 1 1 Gl 1 7 

— Schlagring 117 — Saiten- 
instrumente 147/148 — Trom- 



meln 172/173 — Holzpauken 192 

— Mariinba 184/185 — Hütten 
229 ff., 235 — Stühle, Nacken- 
oder Kopfstützen* 236 — Rauch- 
gerate 238 bis 241 — Materiale 
285 ff., 290 ff. 

Ackerbau 5, 17/18 — in der insularen 
und kontinentalen Kultur 257/258. 

Adamaua (Staat südlich des Oberlaufs 
des Benue im nördlichen Teile 
der deutschen Kolonie Kamerun) 
Schilde 30, 40 — Schwert 85, 
86 — Säbel 87 — Dolch 88 — 
Spannmesser 89 — Messer 100 

— Wurfmesser 104 ff. — Schlag- 
ring 117 — Guitarren 130 — 
Trommeln 162 ff. — Marimba 184. 

Adjawa oder Adjawa (Stamm am oberen 
Rowuma westlich des Njassa) 
Hütten 205. 

Xgrypten Ausdehnung der alten und 
neuen Staaten 14 — Sceptermesser 
der Pharaonen 97, 98/99 — Wurf- 
holz 103 — Violine 128 Anna. 

— Guitarre 1 28 — Rababa 133 ff. 

— Trommeln 153 ff., 160 ff. — 
Korb 237. 

Afrika Lage 1 2 — Achsen Afrikas 14 ff. 

Afrikaner Arbeit, Leistungskraft etc. 
18 — Schöpfungsvermögen 18, 
118/119 — Reichtum an Kultur- 
besitz 18 — musikalische Anlage 
118/119 — Charakter 298/299. 

Afrikanisch (die Bezeichnung für eine 
Kulturform und deren Bestandteil, 



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— 344 — 



die sich in Afrika als Mischprodukt 
der ni griti sehen , mala j on i gri t ischon 
und vor allem asiatischen Kultur 
ausgebildet hat) die Verbreitung 
und das Wesen des afrikanischen 
Kulturbesitzes 249 ff. — tabella- 
rische Übersicht 250/251 — die 
Lebensform des afrikanischen 
Kulturbesitzes 252 ff. — Materiale 
des afrikanischen Kulturbesitzes 
285 ff., 290 ff. — der afrikanische 
Fellschild 23 ff., 53, 56 — der 
afrikanische Bogen GO bis 63, 78 
bis 80 — das afrikanische Messer 
82 bis 84, 109 bis 111 — das 
afrikanische Wurfmesser 103 bis 
108, 1 10/1 1 1 — die afrikanischen 
Saiteninstrumente 119 ff., 147 bis 
149 — die afrikanischen Trom- 
meln etc. 170 ff. und vorher, 
1 72 /1 73, 193 — die afrikanischen 
üfttten 204 ff., 235 — die afrika- 
nischen Rauchmethoden 238/239. 

Aiurn (Babangi- Stamm am nördlichen 
Ufer des Kongo westlich der Telle- 
mündung) Messer 90. 

Ahnenbüder 327 ff., 332. 

Akka( Busch Völker im Mangbattugebiet) 
Pfeile 281. 

A-Lur (Stamm nordwestlich des Albert - 
Sees am Nil) Sehilde 28 — Leder- 
panzer 37 — Rindshaut als Schild 
39 — Bogen 65 — Messer 84 
— Trommel 154. 

A-Madl (Volksstamm an den Quellen 
des Teile- Kibali und denen seines 
südlichen Nebenstromes Bomo- 
kandi) Schilde 47. 

Ambuelln (Völkerschaft im Quellgebiet 
des Quanza an der Angola -Küste) 
Trommeln 163 — Holzpanken 173 
Hütten 208 ff. — Pfahlbau 266. 

Anatomie siehe Knlturanatomie. 

Anatomische Untersuchung- 5 G — die 
Ergebnissedei\anatnnuschenTnter- 
suchung 246 fl". — die Darstellung 



des anatomischen Baues der afri- 
kanischen Kulturen in Tabelle I 

250/251. 

Angaramut (Holz - Schlaginstrument 
der Neupomraerancr; vielleicht ist 
der Name falsch und durch Timbuk 
zu ersetzen) 186 ff. 

Angeln in Oceanien und Westafrika 
258 — im Kultus 259. 

Angola (portugiesische Kolonie an der 
Westküste im Süden des Kongo) 
Bogen 59, 64, 66 — Messer 94 
— Saiteninstrumente 122 — 
Blasekugel 151 — Trommeln 
158 ff. — hölzerne Hundeglocke 
188 — Muschelgcld und Muschel- 
schmuck 263. 

Anlmalisttohe Weltanschauung 305 ff., 
310, 314 ff. 

AnthropoecogTaphle (Lehre von den 
Beziehungen zwischen den Formen 
der Erdoberfläche und den Lebens- 
formen der Menschen) 5. 

Anthropologie (Lehre von den Körper- 
formen der Menschen) 3. 

Aroho symbolische Briefe 263. 

Aruwiml (nördlicher Nebenstrom des 
Kongo, der westlich vom Albert - 
See als .Thum und Ituri entspringt) 
Schilde 42 — Ruder 92 — Messer 
94, 98 — hölzerne Hundeglocke 
188 — Rauchpfeifen 240 — 
Netzbeutel 258 — Pfeile 281. 

A" Sande (sehr grofse Völkergruppe, 
deren östliche Vertreter im Becken 
des Teile- Makua wohnhaft, als 
deren westliche wahrscheinlich die 
im Ogowe- Gebiet einheimischen 
Fan -Stamme anzusehen sind; zer- 
fallen in mehrere Völker; im all- 
gemeinen verstehe ich unterSande- 
Stammen die im oberen Teile - 
Becken ansässigen Völkerschaften) 
Schilde 38, 41/42, 48 — Dolch 
88 — Messer 90 ff. — Guitarre 
130 — Holzpauken 176 ff. — 



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— 345 — 



Marimba 184 — Hütten 222 ff., 
224 — Pfeifen 240. 

Asbln (Tuarekstanim iu der nordwest- 
lich vom Tsade-See gelegenen 
Oase Air oder Asben, in der aber 
die Haufsasprache herrscht und 
welche Sokoto tributär ist) Schwert 
86. 

Asehanti (Staat im Hinterlande der 
Oberguineaküste, westlich vom 
Togogebiet. Sprachgruppe : Tschi) 
Saiteninstrumente 123 siehe auch 
Asehanti -Guitarre — Trommeln 
15Gff. — Flötensprache 182. 

Asehanti -Guitarre (Guitarrenform) 
132 ff., 143 ff., 147/148. 

Ashinirint (Volk ostlich vom Niger am 
11.° n. Br.) Spracho 17. 

Asiatisch (Bezeichnung für eine Kultur- 
form und deren Bestandteile, die 
durch jugendliche kräftigeEntwick- 
lung, durch ausgiebige Verwen- 
dung von Leder und durch ener- 
gisches Vorrücken in Afrika aus- 
gezeichnet ist. Ihre Heimat wird 
man im inneren und westlichen 
Asien zu suchen haben. In Afrika 
erscheinen heute die Semiten als 
deren einflufsreichste Träger) die 
Verbreitung und das Wesen des 
asiatischen Kulturbesitzes 240 ff. 

— tabellarische Obersicht 250/51. 

— die Lebensform des asiat. Kul- 
turbesitzes 252 ff. — Fortpflan- 
zungsfonn 253 ff. — Materiale des 
asiat. Kulturbesitzes 285 ff. 290 ff. 

— der asiatische Rundschild 30ff, 
54, 50 — der asiatische Bogen 
00 bis 03, 7« bis 80 — die 
asiat. Messer, Schwerter, Säbel, 
Stilette 84 bis 89, 109 bis 111 

— die asiat. Saiteninstrumente 
126 bis 135, 147/148 — die 
asiat. Trommeln IGOff.. 172/173, 
193 — die asiatischen Hütten 
231 ff.. 221 ff. etc, 235 — die 
asiatischen Stühl« etc. 230 — 



die asiatischen Rauchgeräte 238 

— der asiatische Ackerbau und 
die asiat. Viehzucht 257. 

Assagale 57. 

Atavismus (Rückfall in eine frühere 
Entwicklungsform) 273. 

Australier (worunter nur die Bcwoliner 
Neuhollands verstanden sind) Ar- 
mut 18 — Stockschild 38, 49 — 
Wurfholz 103 — Holzwaffen 103 

— Klangstab 186 — Waffen und 
Geräte 275/76 — Rohrursprungs- 
mythe 296. 

B. 

Babanirl (Völkerstämme am Nordost- 
ufer des Kongo und am unteren 
Ubangi, daher dieser Flufsname. 
Es sind die emsigsten Händler des 
Kongo, weshalb sie von den an- 
deren Stämmen den Namen Bajansi 
= Flöhe erhalten liaben) Schilde 
42 — Messer 90 ff. — Saiten- 
instrument 138 — Holzpauken 177 

— Marimba 184. 

Babusesse (Stamm im Quellgebiet und 
am Oberlauf des Aruwimi-Ituri) 
Schilde 48/49. 

Bafirml oder Baghinni (Staat im Süden 
des Tsade-Sees) Schilde 32, 35, 
40 — Bogen 61 — Säbel 87 - 
Dolch S8 — Wurfmesser 104 ff. 

— Trommel 154. 

Baja (Stämmo im Hinterlande Kame- 
runs an den Quellen des Sannaga 
und Sangha) Schilde 41. 

Bajansl siehe Babangi. 

Bakomo (Stamm am unteren Kassai; 
Wohnsitz des Näheren unbekannt) 
Holzwaffen 95/96, 106/107. 

Bakonpro (Stämme am Kongo, ober- 
halb des Mündungsgebietes) Hütten 
220. 

Bakuba (Völkerschaft in dem nach 
Südosten offenen Bogen zwischen 



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< 



— 346 — 



Kassai und Sankurru) Bogen 60, 

72 — Holzpauken 175 — Trom- 
melsprache 181 — Hütten 226. 

Baknmn (Völkerstämme in dem nach 
Südosten offenen Bogen zwischen 
dem Kongo und dem Aruwimi) 
Bogen 66 — Messer 93. 

Bakwlrl (Volksstamm im Hinterlande 
Kameruns nordwestlich des Kame- 
run- Pick) Saiteninstrumente 123. 

Bali (Volk nördl. des 6.° nördl. Breite 
nordwestlich dos Kamerungebir- 
ges) Flötensprache 182 — Hütten 
227/228 — Pfeifen 240. 

Balol oder Balui (Stamm am Unter- 
lauf und im Mündungsgebiet des 
Ubangi - Uelle in deu Kongo) 
Schilde 42 — Trommeln 169 — 
Hütte 232. 

Balolo (grofse Völkergrupi)e am süd- 
liehen Kongobecken am Lomaini, 
Tsehuapa und Lulongo) Leder- 
lenzer 37 — Schilde 42 — 
Bogen 66 — Holzwaffen 99 — 
Holzpauken 177 — Fensterthüren 
265 — Pfahlbauten 267. 

Baliiha (grofse Völkergruppe des süd- 
liehen, zumal südöstlichen Kongo- 
beckens. Auch Warna genannt 
Gründer des jüngeren Jamwo- 
Staates der Kalunda) 14 — Schilde 
45/56, 47 Beuren 66, 67, 70, 

73 — Messer 9<>fT. — BJasekugel 
150 — Trommeln 103. 165, 167 
— Holzpauken 170 ff. — Marimba 
ist — Hütten 202 ff., 2271T. — 
Pfahlbau 266/267 — Stolzen 208. 

Bumbarn (Mandingozweig am oberen 
Niger, im Hinterlaudc Senetram- 
biens) Saiteninstrument 138/139. 

Bammana (Mandintr<»stamm zwischen 
dem 11.° und 13.° nördl. Breite an 
dem Unterlauf des Niger und de>sen 
Qucllströmen) Bauwerke 213 ff. 

Bambusbogen 28 1 bis 2S3. 

Banbuftkultnr 274/275. 



BauibuslaateinalajonigritischesSaiten- 
instrument 135 ff., 144 ff., 147 
bis 149, 279. 

Barn buspfeife 240/241. 

Bambussag«« 272/273. 

Bainbustrommel Afrikas 187/8, 274 ff. 

-— Oceaniens 188 ff., 274 ff. 
Banane 18, 251, 257. 

Bandu (Sandeverwandte in der Land- 
schaft Dar Banda im westlichen 
Quellgebiet des Mbomu, nördl. 
Zufluß des Uelle) Wurfmesser 104. 

Baiirijla (Sandeverwandte in dem Win- 
kel zwischen Ubangi und Mbomu) 
Bogen aus dem Gebiet derselben 
(von Station ßafai) 64, 69. 

Baneala (l. Stamm, am mittleren 
Kongo östlich der Uelle -Mündung 
sclsliaft) Sehilde 42 — Trommeln 
158, 169. 

Bangala (2. Stamm, im Hinterlande 
Angolas ansässig. Lundaverwandte. 
Eigentlicher Name: Ba Ngola 
[Ngola ~ Fürstentitel]) Bogen 67, < 
70 — Saiteninstrument 122 — 
Holzpauken 173. 

Bangodi (Stamm am Unterlaufe des 
Kassai) Fensterthüren 265. 

Bangula (Stamm am Unterlaufe des 
Kassai) Fensterthüren 265. 

Hunjanjr oder Banyang (Volk auf dem 
6.° nördl. Breite, nordöstlich des 
Kamerungebirges) Hütten 22S. 

Bantu« Völker (Vereinigung eiuer gre- 
isen Reihe von Völkern, die von 
Südafrika [— die Hottentotten 
geliören nicht zu dieser Sprach» 
familie — | bis zum Sudan wohnen, 
eine Vereinigung, die aber nur , 
auf Gemeinsamkeit der Sprache 
begründet ist. Von einer „Bantu- 
Rasse u darf man nicht sprechen. 
Das Wort hat grofse Verwirrung 
angerichtet und wird am besten 
vermieden) Sprache 17. 



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— 347 — 



Banziti (Volksstamm am Unterlaufe 
des Ubangi) Holzi»uken 177. 

Bupoto (kleiner Stamm am mittleren 
Kongo westl. der Ainiwiinimün- 
iUrng) Schilde 43 — Holzpauken 
177. 

Burla (Plattform) 233 — Bedeutimg 
im Leben der Oceanicr 264 — 
in Afrika 264 ff. 

Barolong (Betschuanastamm) Schilde 
24. 

Barotse oder Barutse gleich Marutse, 
siehe dort. 

Baseuilange (Volksstamm zwischen 
dem Kassai und Sankurru auf dem 
6.° südl. Br., Mischung von Baluba 
und Kalunda u. Batua etc.) Schilde 
47 — Hutten 227 — Korb 237 
— Rohrursprungsmythe 297. 

Basoko oder Bassoko (Stamm im Mün- 
dungsgebiet des Aruwimi in den 
Kongo) Schilde 30, 44 — Speer 
91 — Messer 98 — Holzpauken 
176. 

Bassansre ( Bassong« «stamm nördl. der 
Baluba) siehe Bassonge. 

Bassonge (Völkergruppe im südlichen 
Kongol>ecken am Oberläufe der 
Saukurruzuflüsse. Die Bassonge 
zeichnen sich durch eine aufser- 
ordcntliche Geschicklichkeit in vie- 
len Industriezweigen aus) Schilde 
25 — Fellkragen 37 — Messer 
94 — Beile 113, 115— Hütten 
202. 

Bassonsro MIuo (Völkergruppe am Un- 
terlaufe des Kassai südlich der 
Sankurrumündung) Messer 90. 

Basnto (»der Bassuto (Bctschuana- 
stamin in Trausvaal, auch Ost- 
Betschuana genannt) Schilde 24 — 
Saiteninstrumente 120 — Trom- 
meln 1 64 — Rohrurspnmgsmvthe 
296/297. 

Bateke (Stämme zwischen dem oberen 
Ogowe und dem Stanley -Pool am 



Kongo wohnhaft) Schilde 40 — 
Bogen 66 — Saiteninstrumente 
136, 138 — Klangstab 186 — 
Netzbeutel 258. 

BatlapI (Bet8chuanastamm) Schilde 24. 

Batua siehe Buschvölker. 

Baubau Rauchgerät 241. 

Bell 57, 112 bis 116. 

BeilkUjige Umgestaltung zum Messer 
106/107. 

Bena Lussambo (kleiner Bassonge- 
stamm am Sankurru) Schilde 47 
— Messer 106. 

Benguela oder Benguella (Landseliaft 
im Süden Angolas) Beil 114 — 
Saiteninstrument 122. 

Benin (früher ein aufserordentlich ein- 
flufsreicher, jetzt zusammen geh ro- 
chener Staat westlich der Niger- 
raündung) Schüde 39 — Schnitze- 
reien 332. 

Berta oder Bertat (am oberen Bahr 
el Asrak, westl. von Abessynien 
östlich der Dinka ansässiges Volk) 
Wurfholz 102 — Rababa 134. ' 

Betscuuana- Völker (grofse Völker- 
gruppe südlich des Sambesi. Auch 
die Basuto gehören zu dieser 
Gruppe, die in eine Reihe von 
verschiedenen Stämmen zerfällt) 
Schilde 24, 38 — Messer 83 — 
Wurfkeulen 101 — Fellbearbei- 
tung 170/171 — rauchender Bet- 
schuane 239 — Rohrurspnmgs- 
myüie 296/297. 

Bewegung der Kultur 7/8. 

Bewegung der VMker 7/8. 

Bihe (Stamm im Hinterlande Ben- 
guelas) Messer 93 — Hütten 205, 
207 ff. 

Bissagos- oder Los- Inseln (an der 
Südwestecke Oberguineas südl. des 
Gambia) Messer 100. 

Blasekugel (ausgehöhlte Frucht als 
Musikinstrument) 150/151. 



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■ 



- 348 — 



Blaserohr 273. 

Bobo- Fing (Bobostamm zwischen dem 
12.° und 10.° nurdl. Breite) siehe 
Bobo- Stämme. 

Bnbo-Dloula (Bobostamm zwischen 
dem 12. c und 10.° nönil. Breite) 
siehe Bobo- Stämme. 

Bobo- Oii lö (Bobostamm zwischen dem 
14.° und 12.° nurdl. Breite siehe 
Bobo -Stämme. 

Bobo -Stämme (Vfilkergruppc zwischen 
dem 14.° und 10.° nördl. Breite, 
zwischen dem oberen Niger und 
den Quellflüssen des Volta und 
Comoe, zwei Strömen der Gold- 
küste) Bauwerke 213 ff. 

Bogen Kapitel 4 Seite 58 bis 80 — 
Verbreitung 57, 78 bis 80 — 
asiatische Bogen 60 bis 63, 78 
bis 80 — afrikanische Bogen 58 
bis 66, 78 bis 80 — malajoni- 
gritischer Bogen 63 bis 80 — 
Systematik 80 — Ergebnisse der 
anatomischen Untersuchung 246 

— tabellarische Übersicht 250/51 

— Material 287/288, 291. 

Bola -ähnliche Geräte 276. 
Komma (Landscluift und Ort im Mün- 
dungsgebiet des Kongo) Bogen 66. 

Kondel (Landschaft an der deutsch - 
ostafrikanischen Küste) siehe Wa- 
bondei. 

ßongo (Hier Der (Stamm im Djur- 
und Waugebiet südlich der Balir- 
el-Oasal und der Diuka) Saiten- 
instrumente 1 24 — Trommeln 1 54. 

Bonjo (Stämme oberhalb und unterhalb 
des grofsen IVlle-rhangi- Bogens) 
Lederjwoizer 37 - - Schilde 41 — 
Messer 00 — Ruder 91 — Wurf- 

lliesser 107. 

Boote und Bootsl. l.en 203, 207. 

Borgu (l^and schnft im weltlichen Su- 
dan, westlich des Niirer) Schilde 
33 — S|tannme»er 89. 



Born u (Reich im westlichen Tsade- 
becken) 14 — Dolch 88 — Wurf- 
messer 104 ff. — Bauwerke 220. 

Bua (Stamm im Süden Bagirmis) 
Schilde 30 — Lederpanzer 37. 

Bube (Stamm auf Fernando Po) Sehilde 

30 — Streitaxt oder Kultusgerät ^ 
115 — Saiteninstrumente 123 — 
Blasekugel 151 — Signale 182 
— Muschelgeld 263. 

Buhn (Stamm am Uclle, oberhalb 
dessen Bogen) Schilde 41. 

Bukobn (Ortschaft am westlichen Vik- 
toria. Deutsche Station) Schilde 
54. 

Bulloni (Völkerschaft an der Küste 
Oberguineas, an der Sierra Leone- 
küste) Sprache 17. 

ßu Hieran g gleich Wurfholz siehe dort. 

Bunkela Ort in Katanga. Trophäe in 
B. 233. 

Bnrkencdftrhl (Stamm östlich des Ru- 
dolf-Sees, südlich von Abessynien < 
und den Galla - Ländern) Schilde 29. 

BuschmHnner siehe Buschvölker. 

ButM*hTöiker (grolse G nippe kleiner 
versprengter Jägervölker unstäter 
Lebensweise, die im Süden dichter 
gedrängt, dem Norden zu immer 
sporadischer auftreten, bis ihr Vor- 
kommen im Sudan ausklingt. In 
der Litteratur sind sie oft als 
Pygmäen «»der Zwergvölker be- 
zeichnet. Vermutlich sind es die 
einstigen Träger «1er nigritisehen 
Kultur. Vergl. meine Abhandlung: 
„Die Buschvölker 44 in der Zeit- 
schrift: „Afrika 44 , Neuhaidensleben 
1S9S. Im Süden heifsen sie Busch- < 
männer, im Norden fast durch- 
gehend Batua, al>er auch Obongo 
oder i) Bongo im Ogowegebiet 
Akka [im Manghattugebiet], Ewe 
[am Ituri] etc.) Ernährung, Waffen, 
Geräte etc. 18 — Kunst 19 — 



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— 349 — 



Bogen 58, C5 — Saiteninstru- 
mente 120 ff. — Klangstab 186 

— Hütten und Bauten 195 ff., 
229 ff., 235 — Pfeile 281. 

Bussa oder Busgang (Landschaft im 
westlichen Sudan, westlich des 
Niger, im Hinterland von Yoruba 
und Togo) Schwert 86. 

Butenibo (Stamm im Walde zwischen 
dem Kivusee, nördlich des Tan- 
ganjika und dem Waleggavolk) 
Schilde 47 — Bogen 65/66. 

ltu/öra ( Bon jo stamm am unteren 
Ubangi) Wurfmesser 107. 

c. 

Casembe oder Kasembe siehe Kalunda. 

Chlloango oder Tschiloango (an der 

Loangoküste) Streitaxt 106. 
Cl gurre Ursprung der C. 241, 274. 

D. 

Duhome (Reich im Hintcrlande der 
Oberguineaküste östlich des Togo- 
gebietes. Dies Volk gehört zur 
Sprachgruppe derEwe) Messer 97 

— Beü 13. 

Damara oder Herero siehe dort. 

Dar-Banda siehe Banda. 

Darfor (Land westlich des Nil, süd- 
westlich von Kordofan) Schilde 28 

— Bogen 61 — Schwert 85 — 
Wurf holz 103 — Guitarre 129. 

Djabir (Station im Bandjagebirge nördl. 
des Uclle- Ubangi, östlich vom 
Einflufs des Mbomu) Bogen 69. 

Bjenne (Stadt am Bagoe [—Niger] 
auf dem 14.° nördl. Breite) Bau- 
werke 215. 

IHnka (grofsc Völkergruppe am oberen 
Nil und Bahr-el-Gasal) Schilde 
28 — Stocksehilde 33/34 — 
Bogen 62 — Hütten 224. 



Dokhosle oderDoliasie (Stamm an den 
Quellen des Comoe, südlich der 
Bobostämme) Bauwerke 2 1 3 ff. 

Dolebe siehe Stilette. 

Dualla (Stamm an der Kamerunküste) 
Trommeln 154 — Holzpauken 
176 ff. — Trommelsprache 179 ff. 

Durru (Stamm in Adamaua) Schwert 
86. 

E. 

Eisenindustrie 12, 19 — in Afrika 
und Oeeanien 81/82, 112, 291 
— Eisenschmuck 286 — Eisen- 
panzer etc. 286 — Eisenbuckel 
am Schild 287 — Eisen am Bogen 
287/288 — Eisenwaffen 288 — 
Eiscnkessel 289 — Kesselpauke 
289 — Eisenglocken etc. 

Entwicklungsgeschichte 3 — d. Schilde 
53/54 — der Bogen 78/79 — 
der Wurfmesser 104 bis 109 — 
der Messer 89 bis 100, 109. 
106/107, 109/110 — der Beile 
113, 114/115 — der Saiten- 
instrumente 143 bis 147 — der 
Felltrommeln 170 ff., 270 — der 
Marimba 186 ff. — der Holz- 
Bambuspauke 187 ff. — der Hütten 
228 ff., 263 ff. — des Schwirr- 
holzes 259 ff. — der Feuerzeuge 

273 ff. — der Musikinstrumente 

274 ff. — der Waffen 275 ff. 

Erdbauten des Sudan 213 ff. 

Equateurrilie (Station des Kongo - 
Staates am Kongo an der Tschuapa- 
mündung im Balologebiet) Holz- 
pauken 177. 

Ergebnisse der anatomischen Unter- 
suchung 245 bis 248 — tabel- 
larische Darstellung 250/251. 

P. 

Fan (Völkergruppe im Hinterlande 
Kameruns und im Ogowegebiet. 
Sandeverwandte) Schilde 30, 40 



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— 350 — 



— Schwertmesser 85 bis 88 — 
Wurfmesser 105 — Saiteninstru- 
mente. 131 — Sambi 137 — 
Trommeln 157 ff. — Marimba 1 84 

— Pfeifen 240 — Pfeile 281. 

Fellbearbeitung 170/171 — Fellver- 
wendung 275 ff. — Felltracht 
und Schmuck 285/286 — Fell- 
panzer 280 — Fellschildo 287 

— Felltrommel 289 ff. 

Fensterthilr 233, 264 ff. 

Fernando Po die Eingeborenen heifsen 
Bube siehe dort. 

Feuerzeuge 271 — Ursprung der 
Feuerzeuge 272/273. 

Fischerei in der Inselkultur 258 — 
Fischereigerät 258 ff. — Fisch- 
totemismus [siehe auch Totemis- 
mus] 261 — das Schwirrholz 
als Gerät der Fischerkultur 259 ff. 

— die Musehein in der Fischer- 
kultur 262 ff. — Ruder, Ruder- 
speer und Rudermesser etc. in der 
Fischerkultur 263/264 — der 
Hausbau der Fischerkultur 264. 

Flechtkunst 12, 237. 
Flöte 150. 

Fltftensprachc 182/183. 

Fortpflanzung der Kultur, siehe Über- 
tragung und Verpflanzung der 
asiatischen und inalajonigritisehen 
Kultur 253, 255 ff. 

Fulbe (nomadisierende Yölkergruppe 
des Sudan, in Parzellen verteilt 
über das Gebiet zwischen Wadai 
und Senegambien) 14 — Sprache 
17 — Schilde 29 — Bogen 05, 
72 — Keulen 102 — Trommeln 
161 — Hütten 224. 

FundJ (Stämme in Sennar im Gebiet 
d.-s Bahr-el-Arab) Sehilde 28 — 
Schwerter 85 — Wurfholz 102 

— Wurfmesser 104 ff. 

Futn DJulon (Fulb. staat im westl. Su- 
dan, südl.Sonegambiens) Dolch 88. 



0. 

Gaberi (Stamm südlich des Tsade 
zwischen Schari und Logone) 
Saiteninstrumente 130. 

Gabun Säbel 87 — Guitarre 130/131 
— Sambi 137 — Trommeln 1 5 7 ff . 

Galla (grofse G nippe von Völkern im 
Süden von Abessynien) Schilde 30, 
31 — Bogen 63 — Dolch 88 — 
Schlagring 117 — Violine 128 — 
Rababa 134 — Trommel 154, 165 
Holzpauke 179 — Hütten 224 — 
Verschmähen der Pflanzennahrung 
257. 

Gando (Haufsastaat am mittleren Niger 
mit der östl. desselben zwischen 
dem 12.° und 13.° nördl. Breite 
gelegenen Hauptstadt gleichen Na- 
mens) Bauwerke 217. 

Ganguella oder Gangella (Stamm an 
den Quellen des Quanza und des 
Sambesi, nördlich der Ambuella) 
Hütten 20S. 

Gefäße 237/238. * 

Geld aus Musehelperlen 9, 263 — 
Eisengeld, Ruderblatt, Speerklinge 
91 — Mattengeld 237/238. 

Gesang 19. 

Geschichte 3 — Afrikas 13. 

Gesetze 7 — das Hauptgesetz der 
Kulturlehre 248 — das Material- 
gesetz 270. 

Giebeldachhutten der Westafrikaner 
[und Oeeanier] 225 ff., 231 ff., 
235, 264 ff. 

Goldkttste Schilde 39 — Bogen 65, 
68 — Wurfholz, Wm-fkeule 102 

— Muscheltrompete 150, 262 — 
Trommeln 156 ff., 164 ff., 169 — < 
Flötensprache 18 2 — Marimba 184 

— Klangstab 186 — Totemismus 
261. 

Gora (afrikanisches Saiteninstrument) 

120 ff., 147/148. 
Grabstock 276. 



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— 351 — 



Grebo siehe Kru. 

(iubo (afrikanisches Saiteninstrument) 
119fT., 147/148. 

ftnitarre (asiatisches Saiteninstrument) 
128 ff., 147/8. 

IL 

Harpnne 277 ff. 

Hadendoa (Araberstamm an der Küste 
des Roten Meeres und am Atbara, 
also nördlich von Massaua) Säbel- 
messer 87. 

Hnufsa (Völkergruppe im centralen 
Sudan, südlich des Bornureicb.es 
im Nigerbecken ; ihre Staaten unter 
Herrschaft der Fulbe sind dem Zu- 
sammenbruch nahe) 14 — Schilde 
30, 33, 40 — Bogen 61, 63, 70, 
73 — Sichelmesser 84 — Schwert 
86 — Fehlen der Dolche 87/88 — 
Spannmesser 88/89 — Schleuder 
116 — Saiteninstrumente 132 — 
Trommeln 162 ff., 166 ff. — Bau- 
werke 216 ff., 220. 

Herero (Stamm im nördlichen Teile des 
Südwestgebietes heifsen eigentlich 
Ova- Herero, auch Damara) Bogen 
58|, 70 — Wurfkeule 101 — 
Hütten 196 ff. — .Rohrursprungs- 
mythe 296. 

Hirsebau 17/18 — asiatisch 257. 
Höhlen, natürliche 195 — Erdlager 
und Höhlenbau 213 ff., 229, 235. 
Holzbeil 116. 

HMzerneHnndegloeke 1 88/189 Anmkg. 

Holzgefftfee 238. 

Holzindustrie 19, 290 ff.. 291. 

Holzmesser respect. -Keulen 99/100, 
106/107. 

Holzschilde 46 ff. 

HolzHpeere 91/92. 

Holzpauke 173 ff. — Entwicklungsge- 
schichte 186 ff. — Holzpauke in 
Oceanien 189 ff, 188 Anmkg. — 



Ergebnissederanatomischen Unter- 
suchung 247 — tabellarische 
Übersicht 250/251. 

Holz« äffen Ergebnis der anatomischen 
Zergliederung 246 — tabellarische 
Übersicht 250/251. 

Hottentotten (Hauptvölkerschaft des 
Südwestgebietes) Sprachen 17 — 
Viehzucht 17/18 — Armut an 
Kulturbesitz 18 — Stockschild 34, 
100 — Wurfstock 103 — Gora 
(Saiteninstrument) 120/121 ff. — 
Trommeln 164 ff. — Fellbearbei- 
tung 170 — Hütten 196 ff. — 
Feuerzeug 272. 

Horn 13. 

Hütten Kugelhütte Südafrika 197 ff. — 
Kegelhütte Südafrika 204 ff. — 
Tembebau 206 ff. — Erdbau der 
Sudan 213 ff. — Kegelhütte der 
Sudan 221 ff. — Giebeldachhütte 
Westafrikas 225 ff. — Verbreitung 
und Verwandtschaft der Hütten- 
formen 229 bis 234 — Systema- 
tik 235 — Ergebnisse der anato- 
mischen Zergliederung 247/248 — 
tabellarische übersieht 250/251 — 
Hütten der Inselvölker etc. 264 ff. 
— Material 285, 291. 

I 

Ibo (Stamm am unteren Niger, nahe 
der Mündung) Saiteninstrumente 
136 — Netztrachten 259. 

Ilorin (Hauptstadt von Nupc) Schwert 
86. 

Imballa (Balolostamra am oberen 
Tschuapa, linksseitigen Nebenstro- 
mes des Kongo) Holzmesser 99. 

Indische Sparen in Afrika 13, vor allem 
341/342 — Bogen 77 — imlisch© 
Kultur 341. 

Indonesische Trommelspannnng 169. 

Insulare Kultur; Fortpflanzung oder 
ungeschlechtliche Verpflanzung 
255 — Ackerbau und Viehzucht 



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— 352 — 



257/258 — Fischerei 2üHff. — 
Ruder, Ruderspeer und Ruder- 
messer etc. 263/264 — Bootsleben 
und Bootsbau 263. 267 — Haus- 
bau, Pfahlbau, Barla, Fensterthür 
2Mff. — Stelzen 267/268. 
Islam In Nordafrika 13j 11 — Be- 
deutung in Afrika 2JL 

Ituri Quellflufs des Aruwimi, siehe 
dort. 

J. 

Jaga (die heutigen Bangala oder Ban- 
gola im Hinterlande Angolas stellen 
den Rest einer Völkermeuge dar, 
die im Mittelalter alle südlich des 
Kongo gelegenen Länder [bis Ben- 
guella] in den Kreis ihrer Ver- 
wüstungen zogen, die sich gegen 
alle Gesetze der Familien- und 
Staatengründungen auf warfen und 
deren Ausgangspunkte wahrschein- 
lich in den Mitgliedern einer ver- 
triebenen Dynastie des Lunda- 
reiches zu suchen ist Sie bil- 
deten nie eine Nationalitat, sondern 
rekrutierten sich aus den jungen 
Leuten der unterworfenen Stämme. 
Die Dschagga oder Wadschagga 
am Kilima Ndscharo haben nichts 
mit ihnen zu thun) Bogen üA — 
Netz im Kultus 259. 

Japd 5_, 1B — Netzjagden 25JL 
Jakka oder Majakalla rospect. Majakka 
( Volk am Kuango, süd lichem Neben- 
flufs des Kassai. Ein Stamm der 
Kalundaverwandtschaft unter Herr- 
schaft des Muene Putu Kassongo, 
deren Balubadynastie im 1& Jahr- 
hundert von den Jaga [siehe dort] 
gestürzt ward und welches seit- 
dem den heutigen Namen führt) 
Bogen Gü. 72, 1A — Hütten 2211 

Jaunde (Fanstamm im südliehen Teile 
der deutschen Kolonie Kamerun) 
Schilde 30, 4Ü — Saiteninstru- 



mente IM. — Flöte IM — Holz- 
pauken HS — Tromnielsprache 
1£L 

Jaurl (Provinz der Haufsastaaten öst- 
lich des Niger auf dem 1 1 0 nördl. 
Breite) Bauwerke 2JJL 

Jesko (Stamm im Haufsagebiet , Pro- 
vinz Saria auf dem nördl. 
Breite) Bauwerke 217. 

Jlkuku (im Hinterlande Togos) Streit- 
äxte 1 15. 

Jolof siehe Wolof. 

K. 

Kado oderKadarro (Stamm im Haufsa- 
gebiet, Provinz Sana auf dem 10 ° 
nördl. Breite) Bauwerke 2 1 7. 

KaffernTÖlker (Umfassende Bezeich- 
nung der Völker des südlichen 
Afrika in Kaffraria, Zululand und 
Natal) Bogen 5_S — Messer 82/83 
Kirri, Wurfkeule lilü — Hütten 
IM ff. 

Knl und« (Völkergruppe im südlichen 
Kongo -Becken; drei Hauptgebiete: 
L centrale Kalunda des Jamwo- 
reiches; 2, östliche Kalunda des 
Casembereiches; 3^ westliche Ka- 
lundastämme, z. T. ohne staat- 
liche Organisation; im Norden das 
Reich der Muene Putu Kassongo 
am Quango) 14 — Schilde 4ü — 
Messer 24 — Trommeln 1 59, 
1£3 ff. — Holzpauken 173 ff. — 
Trommelsprache 181 — Mari in ba 
185 — hölzerne Hundeglocke 188 
— Hütten lÄIff. — Muschel- 
schmuck 262/263. 

Kalabar (Landscliaft östlich der Niger- 
mündung, zerfällt in Alt- und 
Neu -Kalabar) Schilde 32, 

Kalabasse (trockene, gereinigte Kürbis- 
schale) als Resonanzboden 136/137, 
146, U9, lü4.ff., IM. 

Kalaliari 13. 



— 353 — 



Kamerun Bogen ßü bis ZU — Schwert- 
messer 85. — Saiteninstrumente 
IM — Flöte IM — Blasekugel 
150 — Trommeln Ihl ff. — 
Pauken 178 — Trommelsprache 
IIS ff. — hölzerne Hundeglocke 
188 — Hütten 22H — Netztrach- 
ten 2Ü2 — Netzbeutel 258. 

Kameruner Sehlflbsehnabel 333 ff. 

Kauern (Landschaft am nordwestlichen 
Tsade-See), siehe Kanembu und 
Kanuri. 

Kauembu (Bewohner der Landschaft 
Kanem am nordwestlichen Tsade- 
See) Schilde 4iL 

Kanuri (Bewohner Boraus. Mischung 
aus mehreren Quellen , unter denen 
die aus Kanem wohl besonders 
stark flofs) Hütten 22& 

Kanioka (Balubastamm zwischen San- 
kurru und Lulua südöstlich der 
Baschilange) Holzwaffe 99. 

Knrague (Völkerschaft am Westrande 
des Tanganjika) Schilde 4ü — 
Bogen Qh — Sichelmesser 8A 

Kasembe oder Casembe", siohe Kalunda. 

Kassal (gröfster südlicher Nebenstrom 
des Kongo) „Kassai- Bogen" am 
Unterlaufe 66,69 Anmkg. 70^ 72j 
12. — Messer 9Jl — Holzmesser 
95/96 — Wurfmesser 106/107 
— Holzwaffe 106/107 — Fenster- 
thüren 2£L 

Katanga (Balubastaat zwischen den 
Quellströmen des Lualaba- Kongo 
mit der Wanjamwesi - Dynastie 
Msiris) Holzpauken 1 75 — Schä- 
deltrophäe in Bunkeia 222 — 
Feuerzeug 271 . 

Katnena (Stadt im Haufsa-Fulbestaat 
Sokoto, nordwestlich von Kano) 
Schilde 29_, 3JL 

Kaurisehneeken 203. 

Kegelhütte des Sudan 221 ff., 229. ff., 

23IL 

Frobonius, Afrikanischo Kulturen. 



Ketrellitltte Südafrikas 2Mff, 223 ff., 

Kesselpauke (eiserne) 153, 160, 193. 

Ketere - Ketere ( Völkerschaft im Hinter- 
lande Togos auf dem 11° nördl. 
Breite zwischen dem ersten und 
zweiten östlichen [Greenwich] 
Meridian) Bauwerke 21h ff. 

Kctje (Stamm im Haufsagebiet , Prov. 
Sana) Bauwerke 217. 

Klangstab 186 ff, 193_, 27JL 
Kinamla (afrikanisches Saiteninstru- 
ment 123 ff., Uüff., 147/8. 
Kintu; Sprache der Bantu -Völker. 
Siehe dort. 

Kloke oder Kioko (Lundastamm der 
Westgruppe, im Hinterlande An- 
golas. Ein pilgernder, in kräftiger 
Entwicklung begriffener Stamm, 
der die Baluba- Dynastie des Lun- 
dareiches gestürzt hat). Eisen- 
industrie 82 — Streitäxte 114/1 lü 

— Hütten 222 — Stelzen 2ü& 

Ktrri 1) Stockschild der Hottentotten 
34, 30, LÜH — 2) Wurfkeule der 
Betschuana, Zulu etc., IM etc. 

Kongo (zerfallener, zumal durch den 
katholischen Klerus vernichteter 
Staat des unteren Kongogebietes) 
1A — Rohrursprungsmythe 297. 

Kongo, am mittleren Kongo Säbel- 
messer £2 — Messer Iii ff. — 
Trommel 169 — Holzpauken 1 Iß ff. 

— hölzerne Hundeglocke 188 — 
Muschelschmuck 2G3 — Ruder 
als Ehrenzeichen etc. 92_, 2QA — 
Bootsleben und Bootshütte 267 — 
Fensterthür 2ßh — Feuerzeuge 
271/272 — Speerwerfen 280. 

Kongo-Becken Eisenindustrie 02. — 

Hütten im westlichen 22JL 
Kongoniederung LL 

Kongo- Völker (Stämme im Mündungs- 
gebiet des Kongo, zumal südlich 
davon im Bezirk des alten Staates 

2d 



— 354 — 



Kongo. Zerfallen in viele Stämme : 
Muschikongo, Mussorongo, Ba- 
kongo etc. , die unter dem Namen 
Bafiote als Teilhaber eines Dialektes 
zusammengefaßt werden) Sehilde 
25 26 — Keulen 102 — Trommeln 
1 58 ff. 

Kontinentale Kultur; Fortpflanzung 
oder geschlechtliche Übertragung 
254 ff. — Ackerbau und Vieh- 
zucht 257/258. 

Kopfstützen 23JL 

Kordofnn (I^andschaft westlich des Nil 
nordöstlich von Darfor) Vurf- 
messer 104 — Guitarre 120. 

Korro (Stamm im Haufsagebiet, Prov. 
Sana südl. dos HL 0 nördl. Breite) 
Hauwerke 217. 

KosinogoniHche Mythen 391 ff. 

Kru (eigentlich „Grebo*, ein Stamm 
des südöstlichen Liberia, der sich 
durch seine Arbeitsamkeit aus- 
zeichnet) Saiteninstrumente, siehe 
Kru-I>aute. 

Kru -Laute (westafrikanisches Suiten- 
instrument) LÜ1 ff., 14 3ff., 147 148. 

Kuerr Stockschild der Dinka 33/4 ff, 
100 

Kugelliutte Südafrika* ULI ff. , 2211 ff., 
23A 

Kultur: Gesamtkultur und Kinzelkultur 
4/5 — die Kultur als organisches 
Lebewesen fi Kulturverwandt- 
schaft 4. ff. — Ernährungder Kultur 
Ö. — morphologischer, anatomi- 
scher, physiologischer Bau der 
Kultur 5 ff. 

Kulturanatuinic (eigentlich verglei- 
chende Anatomie der Kulturen. 
Lehre von dem inneren Bau der 
Kulturformen) 5_. L ^ 
S. 2ü bis 212. — Ergebnisse der 
anatomischen Untersuchung 21 5 ff. 
— ta bell; irische übersieht 250 251 . 

KulturanM'hauuuer 300 ff., 310- 



Kulturboden 5, 0^ 255 ff. 
Kulturformen statt Kulturzeiten 5_j 29JL 
Kulturkunst 3Ü3ff, 3JiL 
Kulturlehre 3 ff. 

Kulturmorpbologie Lehre vom äufseren 
Bau der Kulturen 2 — Afrikas 
13. bis 20, 245, 2ÜL 

Kultnrphysioloprie Lehre von denLebens- 
fonnen der Kulturen 1 — • Be- 
deutung des anatomischen Baues 
für den Begriff und die Klarlegung 
der Lebensform 252. ff. — die Be- 
deutung des Materials für die 
Lebensform 209 ff, 2911 ff., rJfll. 

Knlturursprunp 1 1. 

Kulturverwandteehaft siehe Verwandt- 
schaft der Kultur. 

Kulturzelten (siehe Kulturformen!) 
Stein-, Bronze-, Eisenzeit 5, 290 ff. 

Kultus siehe Kap. 12. 

Kunst 19 — künstlerische Begabung 
IIS 119 — allgemeine Entwick- 
lungsgeschichte 305, 307 ff. — 
tabellarische ( bersicht 310 — 
die afrikanische 320 ff. — Men- 
schenfigur 327 ff. — Ahnenreihen 
32Ü ff. Masken 322 ff . - - Ka- 
meruner Schiffsschnabel 333 ff. 

L. 

Lukka (Völkerschaft in Adamaua) 
Schlagring 1 1 7. 

f, an pro (Stamm der Schilluk- Sehuli - 
Gruppe am nördlichen Nilufer nonl- 
östlich des Albert- Sees) Schilde 
31/32. 

Latuka (kleiner inmitten der Sehuli 
östlich de;- Nil südöstlich von Lado 
wohnender Stamm) Schilde 2iL 

Lebensformen der afrikanischen Kul- 
turen 2^2. ff. 

Lederindustrie ML 2iLl — Leder- 
hütten 2S5 — Ijodertracht und 
- Schmuck 2S5 2sii — Lederköcher 



— 355 — 



287 — Lederschilde 2Ä2 — Leder- 
bogen 287/288 — „ Lederpfeil iC 
2j£S — Lederd ecken, Ledergefäfse 
288/289 etc. 

Ledersehilde äÜ bis 23, 

Lendn (Stämme zwischen dem Albert - 
See und Aruwimi-Ituri) Leder- 
panzer 'dl — Bogen tili — Gui- 
tarre 130. 

Liberia (Land an der Obergnineaküste, 
von verschiedenen Stämmen be- 
wohnt) Bogen 05. — Schwertmesser 
85 — Schleuder HC — Marimba 
184. 

Linguistik siehe Sprachforschung. 

Loango( Landschaft nördlich der Kongo- 
mundung) Saiteninstrumente 130, 
138 — Blasekugel IM — Trom- 
meln 151 ff. — Holzpauken 176 ff. 
— hölzerne Hundeglocke 188. 

Logrone (Volksstamm im Süden des 
Tsade am Flusse und in der Land- 
schaft gleichen Namens) 105. 

Lomami (südlicher grofser Nebenstrom 
des Kongo, südwestlich vom Aru- 
wimi mündend) Messer 9_S — 
Hütten 2Ü3 — Pfeile 2SL. 

LoraH» (Land zwischen denQuellflfissen 
des Sambesi, denen des Kassai 
und denen des Quanza) Hütten 
205, 2112 ff. 

Luehatse oder Luchase (Stamm an den 
Quellen des Quanza und Sambesi 
westlich von Lovale) Hühnerhaus 
208. 

Luina (am Oberlauf des Sambesi) 
Schilde 2JL 

Lukengo (Herrscher der Bakuba) siehe 
Bakuba. 

Lukereu (Sammelbegriff, den eine Reihe 
von Stämmen am oberen Kongo 
in der Nähe der Aruwimimün- 
dung erhalten haben) Schilde 12 
llolzpauken 17G ff. 



Lulongo (nördlichster der südlichen 
resp. südöstlichen Nebenströme 
des mittleren Kongo. Anwohner 
gröfstenteils Balolo) Fensterthüren 
205 — Pfahlbauten 2 f. 7. 

Lunare Mythen MI ff., 310, 3_L3 ff. 

Lunda siehe Kalunda. 

Lussake (Stamm der Balolo -Gruppe am 
Oberlauf des Tschuapa) Schilde ML 

M. 

Madagaskar La — Schilde 32 — Schleu- 
der 117 — Saiteninstrument 144 
und 145 — Fensterthür 2JÜ. 

Main IK 

Makaraka (nordöstlicher Stamm der 
Sande) Schilde 

Makari (Massastamm zwischen Logone 
und Kotoko südlich des Tsade - 
Sees) Bauwerke 218 ff. 

Malaien in Afrika 12, 

31alajonigritlseh (Bezeichnung für eine 
Kulturform und deren Bestand- 
teile , die gewissen dunklen Völkern 
Afrikas und Oceaniens gemeinsam, 
durch ihren ausgeprägt insularen 
Typus, die Verwendung von 
Pflanzenstoffen, ferner durch Reife, 
aber andererseits Alter und Zurück- 
gedrängtheit ausgezeichnet und 
deren Heimat vermutlich im süd- 
östlichen Asien auf der Hinter- 
indischen Halbinsel zu suchen ist). 
Die Verbreitung und das Wesen 
des malajonigritischen Kulturbe- 
sitzes 249 ff. — tabellarische Über- 
sicht 250 251 — die Lebensform 
des malajonigritischen Kulturbe- 
sitzes 25 2 ff. — Fortpflanzungs- 
form 253 ff. — Materiale des mala- 
jonigritischen Kulturbesitzes2S5ff., 
290 ff. — der malajonigritisrhe 
Rohrschild 38 ff., 54^ ä£ — der 
malajonigritische Bogen GJ1 bis f^Q 
— die Messer malajonigritischen 



— 356 — 



Ursprunges 8H bis 100, 109, 
1 1 0 / 111 — die malajonigritißchen 
Saiteninstrumente 1 35 bis 148 — 
die malajonigritischen Holzpauken, 
Holzinstrumen tc etc. 173 ff., 18 Off., 
193 — die roalajonigritischen 
Hütten 23_L ff.. 225 ff.. 235, 264 ff. 

— die malajonigritischen Nacken- 
stützen 236 — das malajonigri- 
tische Mattengeld 237/238 — die 
malajonigritischen Kauchgeräte 
240/241 — der malajonigritische 
Feldbau 257 258 — die malajo- 
nigritische Fischerei 258 ff. — die 
malajonigritische Muschelverwen- 
dung 2fi2ff. — die malajonigri- 
tischen Feuerzeuge 271 ff. 

MalnjoitigritlM-he Enklaven im ostafrl- 
kaniM-ben Gebiet 126^ 2M — 
Schild 4 8 — Bogen 02 — Vilangwe 

185/186. 

Malange (Stadt in der Kolonie Angola am 
t^uanza) Bogen Gl — Marimbal84. 

Mandiugo oder blande (Volkergruppen 
im •westlichen Sudan; wichtige 
Staatengründer) 1.4 — Bogen 61^ 
03 — Saiteninstrument siehe Kru- 
I^aute — Trommeln 101 ff. — 
Holzpauken IIS ff.— Marimba 181 

— Bauwerke [Bammana- Stamm] 
211 ff., 222. 

31 andingo- Laute oder Harfe (westafri- 
kanisches Saiteninstrument) L33 ff., 
113 ff., 147/148. 

Mangbattu ( Volkergruppe am Oberlauf 
des Teile- Ubangi, welche sich 
durc h ungemeine Geschicklichkeit 
in vielen Industriezweigen aus- 
zeichnen. Heute sind sie fast ver- 
nichtet. In ihrer Blüte war die 
Kultur der Mangbattu eine der ent- 
wickeltsten der Afrikaner. Ihr wis- 
senschaftlicher Entdecker Schwein- 
furth nannte sie Monbuttu) Schilde 
4t? 47 - Bogen Oü — Messer 
aiff. — IIolzpauken LH ff. — 
Felden der Marimba 185 — glocken- 



förmige Holzpauke lfifi — Hütten 
255 ff. — Pfeifen 210 — Stelzen 
20& 

Mamrungo (Schillukverwandte südlich 
des Nil, östlich dos Albert -Sees) 
Schilde 22. 

Maniok L£L 

ManlKtlhche Weltanschauung u. Mythen 

306 ff., 310j 313 ff. 

Manjoma (verhältnismäfsig kleine Völ- 
kerschaft nordöstlich Nyangwes 
am oberen Kongo. Der eigent- 
liche Name des kleinen Volkes 
ist nie bekannt geworden. Maniema 
heiTst dasselbe wie Niamniam. 
Siehe dort. Der Name kommt 
von Niama Fleisch und der Lieb- 
haberei für Menschenfleisch. Da 
dieses Volk im Anschlufs an die 
Araber sich weit über das Kongo- 
becken ausgedehnt hat, und von 
ihnen oftmals Ethnographie» er- 
worben werden, so kursieren in 
unseren Sammlungen sehr viele 
Sachen fälschlich unter der Pro- 
venienzangabe „ Manjema") Schildo 
46/47 — Holzspeore 02 — Beile 
LL3. — Holzpauken LH ff. — 
Hütten 202 — Netzjagden 25Ä 

Marghl (nichtmohammedanisch. Stamm 
im Staate Borau, nördlich des Ober- 
laufes des Benue) Sehilde 29_, 10. 

— Wurfmesser 1 05 ff. 

Marimba (Holz-Schlaginstrument. Plur. 
Sirimba) 1 Sit ff. — Entwicklungs- 
gesehich te 1 86 ff. — Verbrei- 
tung et«-. 103 

Marokko Säbel S2 — Trommel 1 53 

— Baumeister 239 etc. 

Marundseha (Handelsvolk am mittleren 
Kongo. Wohnhaft schräg gegen- 
über der Mündung des Mongaila) 
Hütten 'i20. 

Marntse -Mambnnda (Staat nördlich des 
oberen , grofsen Sambesibeckens, 
der eine Reihe verschiedener 



— 357 — 



Stämme vereinigt) 14 — Schilde 
21 — Stockschild 31 — Messer 
83 - Sichelmesser 84 — Wurf- 
keule iül — Wurfstab 1Ü3 — 
Negerzither 149 — Trommeln 
159/160, 1£2 ff. — Marimba 135. 

— Hütten Uli ff., 205 ff., 2M ff. 

— Netz trachten 2"jS. 

Masehaknlitmbe (Stamm südlich der 
Quellen des Lualaba- Kongo, nörd- 
lich der Marutse - Marabunda) 
Hütten 2Ü5. 

Masken 332 ff. 

Massa (Völkergruppe südlich des Tsade- 
Sees) Bauwerke 212 ff. 

Massal (weit ausgedehntes Volk im 
Oston des Viktoria -Sees) Schilde 
21 — Bogen 63, 13 — Keule 
102 — Hütten [Tembe] 2Mff, 
224 — Verschmähen der Pflanzen- 
nahrung 257. 

Massongo (Kalunda- Stamm der West- 
gruppe östlich von Malange und 
dem Quanza) Hütten 198 — Netz- 
trachten 259. 

Matabele (Volk der Zulu- Gruppe, 
welches am Sambesi südöstlich 
von dessen grofsem Bogen ein 
Reich gegründet hat) Messer 83 

— Wurfkeule IÜL 

Material gerechte Entwicklung 2ᚠff. 

Matorialuntersuehung tabellarische Dar- 
stellung 29J — Hütten 285 — 
Trachten und Schmuck 28G — 
Waffen 2M bis 288 — Geräte 
272/273 — Trommeln 28J1 — 
Saiteninstrumente 289/290. 

Matten 231. 

Matteugeld 237 238. 

MHdje (Mangl>attnstainm am mittleren 
Bomokandi, südlichen Nebenstro- 
mes des Uelle-Ubangi) Bogen fLL 

Mbnm (Stamm im südlichen Adamaua 
mit dem Hauptort Ngaundere) 
Guitarre 1 30 — Marimba IM. 



Molll (zusammengebrochener Staat im 
westlichen Sudan) 14* 

Messer bl — Speerspitzenmesser 82 ff. 
— Sichelmesser 84 — Schwert 
85 bis 88, 111 — Säbel und Säbel- 
messer 87_j 111 — Stilette und 
Dolche 81 bis 89, 111 — Spann- 
messer 88/9 — Messer malajoni- 
gritischen Ursprunges 89 bis 100. 
109, 110, 111 — Verbreitung 
der Messerformen 109 bis 111 — 
Wurfmesser 1Ü3 bis 108, 1 10 bis 
III — Ergebnis der anatomischen 
Zergliederung 246 — tabellarische 
Übersicht 250/251. 

Mittu-Madi (Stamm zwischen Röhl 
und Tondj, zwei südlichen Neben- 
flüssen des Bahr-el-Gasal) Rababa 
134. 

Momfa (Völkerschaft zwischen dem 
Jhuru- Amwimi und dem Bomo- 
kandi -Uclle) Schilde 42 — Messer 
fiS — Fehlen der Pauken III — 
Speerwerfen 279/280. 

Monbuttu siehe Mangbattu. 

Mondu (kleiner Stamm im Quellgebiet 
des Röhl , Zuflufs des Bahr - el - Gasal 
und des Kibali, Quellflufs des 
Uelle-Ubangi) Stockschild 3JL 

Monfralla (nördlicher Nebenstrom des 
Kongo, östlich der Ubangi- Mün- 
dung) Messer Ü3 — Pfahlbauten 
2K7. 

Mongwandi (nördlicher Nebenstrom des 
mittleren Kongo westlich desAru- 
wimi) Wurfmesser 100. 

Monnngiri (kleiner Stamm am mitt- 
leren Kongo östlich der Bangala) 
Schilde 42 — Holzpauken 177. 

Morphologie siehe Kidtunnorphologie. 

.Mörsertrommel lfififf., 1Ü3, 

Moscheebanten Im Sudan 214 215. 

Mossl oder Mosi (Reich im westlichen 
Sudan und zwar im Centrum des 



— 358 — 



grofsen Nigerbogens) Spannmesser 
SÜ — Beile L3 — Guitarre 127. 

Muata Jannvo oder Yamvo, Herrscher 
der centralen Kalunda. Nur ein 
Titel. Früher Baluba-, jetzt Kioke- 
Dynastic. Sieho Kalunda. 

Muene Putn Kasuongo. Herrscher der 
nordwestlichsten Kalunda respect. 
Jakka oder Majakalla am Kuango. 
Sieho Jakka. Hütte 22JL 

Muschel heil ©ceanlens in Afrika 114 

bis 1HL. 2Ü2, 
Musehelireld 2üi 
Muschelscbmuck 262/263. 

Musehcltrompete In »estafrika 150, 

26? 

Muschikongo (Volk südlich der Kongo- 
mündung) Holzpauken 1 77. 

Musjru oder Mussgu (Volk zwischen 
der Quelle des Benue und dem 
Schari) Fellpanzer 3JZ — Schilde 
Hl — Wurfmesser lüä ff. — Bau- 
werke 21a ff. 

Musikalische Anlage der Afrikaner 

Iis 119. 

Mussorongo (Stamm an der südlichen 
Guineaküste, südlich der Mündung 
des Kongo) Sambi 137 — Ma- 
li mba 1 S4. 

Mussumbn (Hauptstadt des Muata Jamvo, 
Herrscher des Kalunda -Reiches 
südlieh des S, 0 südlicher Breito 
zwischen Lulua und Sankurra) 
Holzpauke 1 73 ff. 

Mythen Kap. ü 

N. 

Nackenstützen 23(i. 

Naive Woltanscliaiiiinic 3üü ff., 31 0 ff- 

Naive Kunst 2üi ff. , 310- 

Natu ranschau nng 300 ff., 310. 

Naturkmist 3"s ff.. 3 1 0. 

Nejrerzither siehe Zither. 



Netze in der Ftecherkultnr 258/259 — 

bei Landjagden 258 — Netzbeutel 
25 S — Netztrachten 2L& — im 
Kultus [vorgl. auch: „Die Masken 
und Geheimbünde Afrikas 44 S. 112] 
250. 

Ngapou oderN'Gaj>ou (Stamm zwischen 
Schari und dem grofsen Uelle- 
Bogen) Schilde 11 — Wurfmesser 
106 — Guitarre 130. 

Ntrhlrrl (kleiner Volksstamm östlich 
der Uelle- Mündung) Messer 9JL 

Marn ii lam (Name, den die sie um- 
gebenden Völker den Sande - 
Stämmen wegen ihrer Vorliebe 
für das Menschenfleisch gegeben 
haben). Siehe auch Manjema 12, 

Nlfpritlsch (Bezeichnung für eine Kultur- 
form und deren Bestandteile, die 
gewissen dunklen Völkern Afrikas, 
Neuhollands, Südasiens und Ocea- 
niens gemeinsam und durch Alter. 
Einfachheit und Zurückgedrängt- 
heit charakterisiert ist). Die Ver- 
breitung und das Wesen des ni- 
gri tischen Kulturbesitzes 249 ff. — 
tabellarische Übersicht 250 251 
— die Lebensform des nigri tischen 
Kulturbesitzes 252 ff. — Materialo 
des nigri tischen Kulturbesitzes 
2H5 ff. , 2M ff. — der nigritische 
Stockschild 33^ 53^ 5Ji — die 
nigritischen Holzwurfwaffen 100 
bis 103_, 109^ 110/111 — der 
nigritische Klangstab 186, 1 93 — 
die nigritischen Hütten 229 ff., 
lüäff., 235 - - die nigritischen 
Waffen und Geräte 275 276. 

Niloten siehe Nilvölker. 

Nilvölker (Völker des Nordwest toi les 
der Verbindungsachse am Nil. 
Dinka, Schilluk. Schuli, Fundj, 
die Stämme in Darfor etc.) Bogen 
Trommel lÜL — Hütten 
200. 222 ff. 



— 359 — 



Xkosie oder Nkosi (kleiner Stamm 
nordöstlich des Kamerungebirges) 
Schild 411 — Netzgewand 25S — 
solare Anschauung 32IL 

Nomndenhütten 224. — Nomadenzelt 
•231. 

Nomadismus 

Nordaefase Afrikas; kartographische 
Darstellung Fig. 2 S. Iii — tabella- 
rische Darstellung der Verbreitung 
des Kulturbesitzes auf d. Nordachse 
250/251 — Ackerbau und Vieh- 
zucht 11 — Schild auf der Nord- 
achse 54j 5£ — Bogen fU — 
Säbel, Schwert. Stilett — Wurfholz 
1112 bis 103^ 105h 110/111 — 
Wurfmesser 1113 bis Ins, 110/111, 
Beile 113 — Speere, Pfeile 1111 

— Saiteninstrumente 138, 148 — 
Trommeln 172^ 1£3_ — Hütten 
2J_2ff., 2Ü5 — Stühle etc. 23JL 

\ub!er (Völker des Unterlaufs des 
Nil bis Ägypten, zu den Berbern 
gerechnet) Schilde 30, 31 — Dolch 
M — Guitarre 120. 

Xuer (Stamm der Dinka- Gruppe am 
Nil im Mündungsgebiet des Bahr- 
el-Gasal) Schilde 2& 

>'upe (Land nordöstlich von Yoruba, 
südwestlich der Haufsastaaten am 
Niger auf dorn 8J? bis Uli nördl. 
Breite) Häuser 221 — symbo- 
lische Briefe, Aroko 2fi3. 

o. 

Oceanien Schilde 51 ff . — Bogen 74 ff. 
Eisenindustrie 81/82 — Ruder 
und Ruderkeulen 911 — Holzwaffen, 
Keulen 99/100. IM — Entwick- 
lungsreichtum 1 1 2 — Muschel - 
Steinbeil 115 — Saiten instru- 
mente (siehe auch Tangola) 125 ff. 

— Trommeln 103/104 — Klang- 
stab 1 80 — Bambustrommeln und 
Holzpauken 1SS ff. , Hütten 2ü2 ff. 

— Nackenstützen >-? Hfi — Topferei 



23Z— Mattenflechterei und Matten- 
geld 237/238 — Rauchgerät; 
Baubau 240/241 — Feldbau 2hl 

— Fischereigerät 258 — Schwirr- 
holz2a9ff. — Fensterthür, Barla, 
Pfahlbau, Bootsleben 2ß4 ff . — 
Stelzen 267/268 — Feuerzeuge 
272 — Holzwaffen 21h ff. — 
Schleudern , Schleuderrieraen, 
Wurfbrett etc. 211 ff. — Bola 21ß 

— Blaserohr 22S — Pfeilo 28Ü 

— Bogen 282 — Saiten- und 
andere Musikinstrumente 274/275 

— Materiale d. oceanischen Kultur- 
besitzes 21111 ff. — Rohrursprungs- 
mythe 293 ff. — Weltanschauung 
und Kunst 325 ff. 

Ogowe-Völker Schilde 411 — Messer 
94, 91 Fig. 52 — Beile 114 — 
Saiteninstrumente 131 ff. (siehe 
auch Ogowe- Guitarre) Trommeln 
151 ff., lliS ff. — Holzpauken IIS 
- — hölzerne Hundeglocke 188 — 
Rauchgerät 2AD — Netzbeutel 
2hS — Netztrachten 2üil — 
Stelzen 2ß& 

Ogowe-Gultarre (Guitarrenform) 130 ff., 
143 ff., 147/148. 

OTaherero siehe Herero. 

Orambo (Stamm im nördlichen Teile 
des Südwestgebietes) Bogen 4S — 
Messer 8JL 

P. 

Pangwe, Name der Fan am Gabun, 

siehe Fan. 
Pare siehe Wapare. 
Pfahlbau 233, 2M ff. 
Pfeifen siehe Rauchgerät. 

Pfeilformen Afrikas 116, 280/281, 
2M — Lederbefiederung etc. 2 SS. 
■ 2111 — Schiifpfeile 280/2*1, 2&L 

Pflanzenfaser 290. 2Ü1 — in : Hütten- 
bau 28n — Tracht und Schmuck 
285 ,286 — Schutzwaffen 286/2 8 7 



— 3C0 — 



— Schilden 2E2 — Bogen 287/88 

— anderen Waffen 2SS — Geräten 
288/289 — Trommeln 2M — 
Saiteninstrumenten 289/290. 

Physiologie siehe Kulturphysiologic. 

Plattform siehe Barla. 

Pongwe, Naiue der Fan. 

Prähistorie 1_L 

Pseudoselme nm oeeanlseheii Bogen 76. 

2H2. 

Pygmäen siehe Buschvölker. 

Q. 

Quadda (Stamm am Uellebogen) Schilde 
41 — Marimba 1 84. 

B. 

Rahiiba (afrikanisch -asiatisches Saiten- 
instrument) 133. ff., 147/148. 

Rafal (Station im Bandjagebiet im 
Becken des Mt>omu, nördlichen 
Nebenstromes des Uelle-Ubangi) 
Bogen 64j 

Raspelstabe 151. 

Ra neh gerat; Verbreitung der verschie- 
denen Pfeifen etc. 238 bis 241j 
273. 

KauehtUte oder Cigarre 21 1 . 274. 
Religion 3112 fr., 3JJI 
Rindenstoffe 1JL 285^ 2ÜL 
Rlndvlehzueht 17/18, 257/258. 
Rohrsehilde Mtl, 4ü ff . 
Rohrursprungsmythe 203 ff. 
Rotang siehe Pflanzenfaser. 
Ruanda (Land nördlich des Tanganjika) 
siehe Warna nda. 

Rader und Speer 91 92 — Ruder- 

m.-ssor 96^ 2i)3/2ü4 — Kuder- 
forinen 2fi3 — linder als Elucn- 
zeielien t.-te. .?tU 

Rundsehllde üÜ lös 33. 



S. 

SHbel und Säbelmesser 87, III. 
Sahara als Trenn nngsgttrtel 13 — 

HQtten in der S. 22A. 

Saiteninstrumente die sfid- und ost- 
afrikan. Saiteninstrumente 1 1 9 ff. 

— Gubo llüff. — Gora 120 ff. 

— Zeze 124 ff. — Tangola 125 ff., 
1 37 — die nnrdafrikan. Saiten- 
instrumente 12fiff. — Violine 
122 ff. — Guitane 12£ff. — 
Ogowe-Guitarre 131 ff.. L42 — 
Aschanti-Guitarre 132 ff., 142 — 
Rababa 133 — die westafrika- 
nischen Saiteninstrumente 135. ff. 

— Bambuslaute 13 5 ff. — Sambi 
137 ff — Mandingo- und Kru- 
laute 13Öff. — Kinanda 140ff. — 
Ent w icklungsgesehichtliche Bezie- 
hungen der westafrikan. Saiten- 
instrumente 1 43 ff. — die Ver- 
breitung der verschiedenen Formen 
112 — Systematik 1Ü5 — Er- 
gebnisse der anatomischen Unter- 
suchung 2J2 — tabellarische Über- 
sicht 250/51 — Material 288/89, 
201 

Sakalara (Völkergruppe auf der West- 
seite Madagaskars) Saiteninstru- 
ment Fig. 113a S. 144^, 2ßZ 

Saiaga (wiehtige Stadt im inneren 

Togogt-biet ) Bogen 03^ G5 — 

Baustile 222. 
Sambesi Bogen am unteren ü9 — 

Trommeln sfldlieli vom Sambesi 

IM — Marimha L&L 
Sambi (westafrikanisches Saiteninstru- 
ment) 137 ff., 143 ff., 147/148. 

Sande siehe A- Sande. 

Sanduhren •Trommel liilff.. 1 03. 

Sangha oder Santfa (grofser Neben- 
strom des Kongo, der im llinter- 
landu von Kamerun entspringt) 
Lederpanzer vom Sangha 32 — 
Messer 90, 03, 94^ 92 — Pfahlbau 
2fi7. 



— 361 — 



Sango (Stamm am Uelle, oberhalb 
dessen Knie) Schilde 41 — Wurf- 
messer 1 07. 

Sankurru (gröfster östlicher Neben- 
strom des Kassai) Messer 03 — 
Pfeile 2R1 — Trommel lüi 

Sansibarkttste Säbel 8JL 

Schamanen - Trommel IM ff. , IM ff., 

193. 

Schilde Kapitel 3 S. 23 bis 5_£ — 
Fellschilde 23 bis 33, 35 ff . — 
Stockschilde 33 bis 35_, 35 ff. — 
Rolirschilde 3fi bis 46^ 4ß ff. — 
Holzschilde 4fi bis 48^ 48 ff. — 
Entwicklungsgeschichte d. Schilde 
53 bis 55 — Systematik 5ü — 
Rundschilde (Ledersehilde) 3H bis 
33 — Ergebnis der anatomischen 
Untersuchung 245/246 — tabel- 
larische Übersicht 250/251 — 
Material 287, 231 " 

Sehllink (grofse Yölkergruppe am 
oberen Nil) Schilde 27^28 — 
Wurfkoulen 1112 — Hütten 224. 

Schlagringe 117. 

Schlendern der Afrikaner 116/117 — 
und Oceanier 27fl ff. 

Schull (Stamm der Schill uk -Gruppe, 
nordöstl. des Albert -Sees) Schilde 
27, 2JL 

Schwert und Schwertmesser 85, 111. 

Schwirrholz und seine Entstehungs- 
geschichte 252 ff. 

Semitische Kultur (westasiatischen Ur- 
sprunges, deren Träger die Araber 
sind) 21L 

Seiisar (Landschaft am unteren Bahr- 
el-Asrak) Wurfmesser 1115 ff. — 
Guitarre 129. 

Senegambien (Gebiet an der Nord- 
westküste Oberguineas, zwischen 
Senegal und Gambia) Sprache 12 
— Bogen GUj 03 — SaWlmesser 
S_2 _ Wurfholz 1Ü2 — Violine 
12& — Saiteninstrumente 132 — 



Trommel L53ff., Hü — Marimba 
184 — Bauwerke 221, 222. 

Siehelmesser 84. 

Sierra Leonek liste Bogen G5_ — Trom- 
meln 156, 1112 ff. — Holzpauken 
179. " 

Slrimba siehe Marimba. 

Sokoto Staat und Hauptstadt gleichen 
Namens am Niger in den Haufsa- 
ländern) Bogen ß_L 

Solare Mythologie 307ff., 310, 318 ff. 

Somal (Völkerschaft auf der Södost- 
seite des Osthorns von Afrika) 
Schilde 30. 31 — Bogen 62. 13 

— Schwert 81 — Säbel 81 — 
Trommel 154ff., 161 ff., 165,1111 

— Hutten 224. 

Songo siehe Massongo. 

Sonrhal oder Songhai (grofse Völker- 
gruppe im oberen Nigergebiet, 
also Westsudan) Schilde 3JL 

Spannmesser 88/89. 

Speerformen Afrikas 1 G. 

Speerklinge als Messer S2ff., 91) ff . 

Speer und Ruder 91/92. 

Sprachen Afrikas H!j LL 

Sprachforschang 3, 

Ssonjro (ehemaliger Staat südlich der 
Kongomündung) Stamm der Mus- 
sorongo siehe dort. 

Staatsorganisationen 2_LL 

Stand-Trommel (thönerne) 153, 160 ff., 
103. 

Stanley - Falle (zwischen dem mittleren 
und oberen Kongo) Eisengeld, 
Ruderblatt, Speerklinge 91/92 — 
Trommeln 158^ 166^ IM — 
Holzpauken 1 7(i ff. 

Stanley Pool (zwischen dem mittleren 
und unteren Kongo) Wurfmesser 
liilL 

Stein als Waffe 225 ff. 
Steinzeit siehe Kulturzeiten. 



— 3G2 — 



Stellen 207/268 [auch in Akkra ge- 
bräuchlich] - 
Stilett« 81 hie 89^ III. 
StoekseUld 22 ff. 
Streitaxt siehe Beil. 
Stühle 22fL 

Sndan (eigentlich Beled- es -Sudan d.h. 
Land der Schwarzen ist die ur- 
sprüngliche arabische Bezeichnung 
der Länder südlich der Sahara. 
Heute verstellt man unter Sudan 
ungefilhr das Gebiet der Nordachse, 
siehe Fig. 2 S. 1& Wir teilen den 
Sudan ein in den centralen Sudan, 
etwa das Tsadebecken, den west- 
lichen, das westlich von diesem 
bisSenegambien reichende, und den 
ostliehen Sudan, das vom Tsade- 
becken bis zum Nil sich er- 
streckende Gebiet) Sprachen des 
Sudan LI — Sehilde 29_, 32/33 

— Bogen Ql — Eisenindustrie 
81 , S2 — Sehwert 85. bis 83 — 
Wurfmesser lQäbis 1QS — Waffen 
112 — Saiteninstrumente 123. 
126 ff.. IM ff. — Trommeln 153 ff. 

— Moseheebauten 214 215 — 
Stühle etc. 230. 

Stldachse Afrikas; kartographische Dar- 
stellung Fig. 2 S. lü — tabella- 
rische Darstellung der Verbreitung 
des Kulturbesitzes auf der Südachse 
250/251 — Ackerlau und Vieh- 
zucht L8 — Schilde auf der Süd- 
achse 54^ 5ü — Bogen 58 59, 
SÜ ~- Eisenindustrie 81/82 — 
Speerspitzenmesser 82 ff., 1 10/1 1 1 

— Wurfkeule, Wurfstab~LiiO_ bis 
103, 110/111 — Speere, Pfeile 



Beile 115/110 



Saiten- 
LAß bis 1AÜ 
170. 172, 



2001. 235, 



Hü 

instrumente LLüff., 
— Trommeln 1C4, 
193 — Hütten 19 5 ff. 
22il ff. — Nackenstützen 2M — 
Kaiuhgerät 239/240. 

Siidwestsobiet (entspricht ungefajir der 
deutschen Kolonie Südwestafrika 



etwa westlich der Kalahari und 
südlich des Kunene: ist bewohnt 
durch die Hottentotten und Hotten- 
tottenverwandteu, Koikoin, Na- 
raaqua,Damara,Herero,Ovamboetc. 
Die Kultur dieses Gebietes zeichnet 
sich durch Armut aus) Iii — 
Schilde 53, äii — Bogen 59, 13, 
79, 80 — Messer £3 — Wurf- 
stab 103^ LLL — Saiteninstru- 
ment l_2üff, 147/148 — Trom- 
meln L0J_ff. — Hütten 1 95 ff 

Sirazi (Zulustamm südlich des Lim- 
popo nördlich von Zululand) Wurf- 
keulen 101. 

Systematik der Schilde 5ü — der 
Bogen 8fJ — der Messer III — 
der Holz waffen Lll — der Saiten- 
instrumente Ufi — der Trommeln. 
Holzpauken, Marimba etc. L9Ü — 
der Hütten 23A 



T. 

Tabakrauehen siehe Ranchgerät. 

Tabelle I der Verbreitung und des 
anatomischen Baues der afrika- 
nischen Kulturen 250/251 . 

Tabelle II der Verwendung der ver- 
schiedenen Stoffe aus d. Pflanzen-, 
Tier- und Erdreich 201 

Tabelle III der Entwicklung der Welt- 
anschauung und Kunst 310. 
THttowlerun* 338. 339, 3JJL 
Tamburin siehe Schamanentrommel. 

Tangrola (malajonigritisches resp. in- 
disches Saiteninstrument 125. ff, 
liüff.. 147 148. 

' 

Teda (Völkerschaft in der Sahara 
nördlich des Tsadesees, mehr 
neger- als „herber" artig) Schwert 
SU — Deich fiä — Wurfmesser 
lüiff. — Wohnungen 220, 22i 

Te mbebunten 2ilß ff 



— 303 — 



Thonfndustrie 12^ 12 — thönerne 
Standtromm 3l 19JL IM ff-, 1Ü3 
— Töpfe und Töpferei 237, 22L 

Tibati (Reich im Süden Adamauas 
nördlic-li der Wute) Guitarre 1 30. 

Tibba siehe Teda. 

Tibestf siehe Teda (land derselben, 
auch Tu genannt). 

Tlmbnktu (Stadt im westlichen Sudan 
am oberen Nigerbogen ; früher die 
Heimstätte arabischer Gelehrsam- 
keit) 1A — Bauwerke 2Ul 

Togogebiet (etwa der deutschen Ko- 
lonie Togo entsprechend, aber 
etwas umfassender) Schilde 33 — 
Holzäxte 1 1 5. 

Tokbo (Stamm zwischen Schari und 
Uellebogon) Schilde 41. 

Topftrommel IM ff., 123, 

Totemlsmus (Stammeseinteilung in Tier- 
famüien , verbimden mit Exogamio, 
d. h. die Stämme zerfallen in Fa- 
milien, die Tiernamen führen, 
ihren Ursprung von diesen ab- 
leiten und deren Fleisch ver- 
meiden. Kein Glied darf ein 
Gemahl aus dem gleichen Clan 
ehelichen, sondern muls seine 
"Wahl in einer anderen Familie 
treffen) 261^ 3ÜL 

Troglodyteu , Höhlenbewohner siehe 
Höhlen. 

Trommel Thönerne Standtrommel 153, 
160, 1 03 — Sehamanentrommcl 
oder Tamburin 153, 100, 123 — 
Kesselj>auke 153, 1C0_, IM — 
Topftrommel IM ff., 193 — Sand- 
uhrentrommel IUI ff., 103 — 
Mörsertromniel lßüff., 1113 — 
abgeflachte Formen lG8ff., 193 

— Entstehungsgeschichte 110 ff. 

— Systematik 133. — Ergebnisse 
der anatomischen Untersuchung 
94.7 — tabellarische Übersieht 
250/251 — Material 289, 2HL 



Trommelspraehe IIS ff. 

Trumbaseh (aus Senaar stammende 
Bezeichnung für "Wurfmesser, die 
aber bei Mangbattu etc. auch für 
die Sceptermesser z. B. Fig. 5J1 
S. 21 angewandt wiitl) 98, 

Tschuapa (grofser südlicher Xebon- 
strom des Kongo) Schilde AI — 
Holzmesser 02 — Feusterthüren 
265. 

Tu gleich Tibesti siehe Teda. 

Toarlk (Stämme in der Sahara, zu 
den „Berbern" gerechnet) Schilde 
22 — Schwert M — Säbel &I 
Dolch 8Jä — Wurfholz 122. — 
Trommel 1 53. 

Tuborl oder Tuburi (Stamm im Quell- 
gebiet westlich des Logone) "Wurf- 
messer 1 05. 

Tummok (Volk im Süden Bagirmis 
zwischen Schari und Logono) 
Wurfmesser 108. 

Topende (Stamm nördlich derKalunda- 
völker, östlich des Kuango und 
Saie und westlich des Kassai) 
Hütten 2JU1T., 21L 

Turkana oder Turkanj (Stämme westl. 
des Rudolfsees südöstlich derGalla- 
länder) Schilde 29_, 32 — Stock- 
schild 3_5_ 

II. 

Ubangi (nördlicher gröfsterNebenstrom 
des mittleren Kongo) Bogen tili — 
Wurfniesser 106, IUI — Saiten- 
instrumente 132 — Holzpauken 
170 ff. 

T bergan gsgeblete zwischen Afrika und 
Asien: kartographische Darstel- 
lung Fig. 2 S. 16, 13 — Vieh- 
zucht II — Saiteninstrumente 
133 etc. 

Cbertragune der Kultur; geschlecht- 
liche Fortpflanzung 7/8, 255 bis 
9.57 — der asiatischen Kultur 
253/254. 255 ff. 



Udjidji (wichtige Ortschaft, deutsche 
Station am Tanganjika und zwar 
an der nördlichen Ostküste) Sichel- 
messer 

Uelle (Hier Ubangi siehe dort. 
Ulungu siehe Warungu. 
Uinbella siehe Ambuella. 

Unjamwesl (Land, in dem mehrere 
Stämme unter dem Namen Wan- 
jamwesi wohnen) siehe Waniam- 
wesi. 

Urtrewhleht« 1 1 . 

Ursprung der afrikanischen Kulturen 
2ÜDff. — der Bambus- Holzpauken 
186 ff. — der Bogen 2filff. und 
vorher — der Cigarre 241 — der 
Fellschilder 35 ff. — d. Felltroinniel 
170 ff., 270 — der Feuerzeuge 
272/273 — der Kultur II — 
der Menschheit II — der Netz- 
gewänder und Netzbeutel 258/59 

— des Pfeiles 280/281 — des 
Bauchens 273 — der Saiteninstru- 
mente 274/275 — des Sehwirr- 
holzes 251» ff. 

Urundi (I>and am Nordende des Tan- 
ganjika) siehe Warundi. 

Usafarn siehe "Wasagara. 

Usegun (l^andschaft an der Deutsch - 
ostafrikanisch* n Kilsto gegenüber 
Sansibar) Hütten 2Ü1L 

U»indja (Land am Südwestteile des 
Viktoria, am Enün Pascha -Golf) 
siehe Wasindja. 

V. 

»rblndnnpsaelise Afrikas: kartogra- 
phische Darstellung Fig. 2 S. 16, 
ü - Sehilde 24, 54, 5_fl - 
Bogen 50^ 73. bis ££> — Eisen- 
industrie 8_L — Wurfkeulo 1112 

— Messcrfonnen 1 1 1 — Saiten- 
instrumente 133 — Trommeln 
ÜÜ — Hütten 2JÜL 



Yenrefctiiriiiiir (Um „geistergleich", d. h. 
den Geistern in allen Kräften und 
Eigenschaften gleich zu werden, 
mufs man es diesen auch in Ent- 
haltungen und Entbehrungen gleich 
thun, d. h. also verzichten auf allen 
materiellen Komfort Die Jüng- 
linge d. malajonigritischen Kultur- 
zone, und nicht nur diese, machen 
diese Vergeistigungszeit einmal 
durch) Ceremonien 25J}ff., 333. 

Verbreitung der Schilde 5Ü bis 5ii — 
der Bogen 12 bis fiü — der Eisen- 
industrie 81/82 — der Messer 
1 0fl bis Hl — derllolzwurfwaffen 
1 00 bis 1 1 1 — der Wurfmesser 
107/108, IM bis III — der Beile 
112 bis Ilfi — der Speere LLü — 
der Pfeile 116 — der Schlendern 
116/117 — der Schlagringe 112 
— der Saiteninstrumente 126, 133, 
135, 147/148 — der Trommeln 
IM ff., 17 2/173, 103 — der Holz- 
pauken 173 ff., 192J 1Ü3 — der 
Klangstäbe 186_, IM — der Ma- 
rimba 1£3 ff., 1Ü3 — der Trommel- 
sprache 181/182, IUI — d. Hütten 
229 ff. — der Stühle, Kopf- oder 
Nackenstützen 2M — der Gefälse 
237/238 — des Rauchgerätes 2M 
211. 

Vererbung ^ 

Verpflanzung oder ungeschlechtliche 
Fortpflanzung der Kultur 6_, 7, 8j 
255 bis 257 — der malajonigri- 
tischen Kultur 253/254, 255 ff. 

Verwandtschaft der Kultur 4 — der 

Völker und Rissen iL 

Yerwandtschaitsprobletn 3 ff. 
Viehzucht 257 

Vilangwe ( Holz - Schlaginstrument ) 
IM ff. 

Violine (asiatisches Saiteninstrument) 
mff., 148 149. 

Völkeriredanke 1LL 



— 385 — 



w. 

Wabondei (Stamm an der Deutsch - 
o.stafrikanischen Küste am Pangani 
südwestlich von Usambara) Stock- 
gefechte 35 — Trommeln 155 — 
Vilangwe ISA ff. 

Wabujwe (Stamm zwischen Tangan- 
jika und Nyangwe am Kongo) 
Schilde 45/40, AI — Holzpauken 
175 ff. — Mariinba 1 S5. 

Wabuma (Stamm am Kongo in der 
Gegend der Kassai- Mündung und 
an dessen Unterlauf. Handelsvolk. 
Verwandte der Babangi) Fenster- 
thüren 2tiü 

AViidal (Reich derWadawa, ostlich des 
Tsadebeckens) LL 

Wadawa (im Staate Wadai Östlich des 
Tsade) Schilde 2D ~ Dolche SB 
— Keulen 1112. 

WadoJf (Stamm an der ostafrikanischen 
Küste gegenüber von Sansibar) 
Schilde 2J1 — Trommeln lüiL 

Wadfcfhupnra (Stamm am Kilima 
Ndscharo) Sehilde 27. 22 — 
Hütten 212. 

Wadst'hamba oderWaschambaa (Stamm 
im Usambara- Gebirge)Hütten 212. 

Waflomie (Stamm östlich Unjamwesis 
südwestlich des Mangara-Sees) 
Schilde 32. 

Waganda (Stamm am Nordufer des 
Viktoria) Schilde 44, 45, 13 — 
Messer 33 — Guitarre 13Ü — 
Rababa 135. — Trommeln IM ff., 
Hü ff. — Marimba 1Ü5 ~ Hütten 
U1B ff., 2TL 

Wagvoia ( Fisc herstamm an den Stanley- 
Fällen) Holzpauken HÜ ff. — 
Trommelsprache 1 H1 . 

Wagopro (Stamm in der Mitte der 
Deutsch - < »stafrikanischen Kolonie) 
Schilde 2IL 

Wahehe (Zulustamm nordöstlich der 
Niassa) Schilde 2fi — Hütten 20fl 



Wahuma (nomadisierendes Hirtenvolk 
an den "West- und Nordufern des 
Viktoria- Sees, nordöstliche Ab- 
stammung) Sollilde 45. — Hütten 
2Mff. 

Wakamba (Völkerschaft zwischen Kili- 
ma Ndscharo und Kenia) Schlag- 
ring 117 — Bambustrommel 1 S7. 

Wakarra oder Wakara (Bewohner der 
Insel Ukara oder Ukarra nördlich 
der Insel Ukerewe und des Speke- 
Golfes im Viktoria) Schilde 13 — 
Trommeln 161. 

Wakawlrondo (am Nordostrande des 
Viktoria wohnhafte Völkerschaft) 
Schilde 45, 43. 

Wakerwe (Bewohner der grofsen Insel 
Ukerewe am Speke-Golf auf dem 
Viktoria- See, nach der dieser See 
auch seinen Namen erhalten hat) 
Schilde 4Gj AB. — Sichelmesser 31. 

Wakikqju (Stamm östlich des Massai. 
südlich des Kenia - Gebirges) 
Schilde 2L 

Wakonde (Volksstamm am Nordwest- 
gestade des Niassa) Hütten 205, 

Wakondjo (Stamm am Albert Edward - 
See) Schilde A4, 

Wakuafl (Massaiverwandte des nord- 
östlich. Deutsch -Ostafrika) Hütten 
[Teinbe] 2Ü£L 

Wakussu (Bassongestamm zwischen 
Nyangwe und Lomami) Schilde 
AI — Messer ä3 — Holzpauken 
115. ff. 

Walejrjra (Völkergruppe im Urwalde 
östlich des Kongo, westlich des 
Albert- Seo vom Aruwimi bis fast 
Nyangwe) Lederpanzer 31 — 
Bogen 65/06 — Messer QIL 

Wambuba-Wahoko (Stamme südlich 
und westlich des Albert- Sees) 
Schilde 43 — Messer 81 — Notz- 
beutel 2^3. 



— 360 — 



Wambugrwe (Stamm östlich des Wan- 
jamwesi) Schilde 21 — Schleudern 
UiL 

Wambnndale (Stamm im Niassa- Gebiet) 
Trommel 102. 

Wandala (Stamm südlich des Tsade, 
westlich des Logon, nordlich des 
Benue- Quellgebietes) Wurfmesser 
JJÜL 

Wangoni (Stamm im westlichen Zwi- 
schenseengebiet) Schilde 2iL 

Wangroroinc (kleiner Stamm im nörd- 
lichen Waschaschi- Gebiet am Sud- 
ostrand des Viktoria) Stockgefechto 
Üü — Rababa 1 35 

Wanika (Völkerschaft nördlich von 
Usambnra, südwestlich von Moin- 
bassa) Schlagring 1 1 7. 

Wanjamwesl (Sammelbegriff mehrerer 
Stämme östlich des nördlichen 
Tanganjika) Schilde '21 — Messer 
Ü3_ — Hütten [Tembe] 207. 

Wauvaturu (Stamm östlich der Wan- 
jamwesi) Schilde 27^ ä2 — Stock- 
schilde 3JL 

Wanyoro (Stamm südöstlich des Albert- 
Sees) Schilde 2ü, 32, 45, 48 — 
Trommeln IM ff. 

Wnpare (Stamm südöstlich des Kilima 
Ndscharo) Schild 27_, 1£ — 
Schwert üii — Bambustrommel 

Warna (die östlichen Stämme der Ba- 
Julm- Völker am Tanganjika und 
oberen Kongo siehe Bai u ha) Blase- 
kugel Lül — Trommeltanz 171 
— Holzpauken Hü ff . — Ma- 
ri mba 1 85. 

Waruauda (Stamm nördlich des Tan- 
ganjika) Schilde 22. — Siehel- 
messer — Schwert 80 87 — 
Hütten 201, >1 1 

Burundi (Stamm am Nordeude des 
Tanganjika) Schilde 11 — Siehel- 
messer ü_L 



Waranjru (Stamm am Südende des 
Tanganjika) Schilde 2JL 

Wasagara (Stamm an der ostafrikani- 
schen Küste, südlich von Sansibar) 
Schilde 20. 

Wasaramo (Stamm an der deutsch - 
ostafrikanischen Küste südwestlich 
von Sansibar) Hütten 212. 

Wa*ehaschl (Stamm am Viktoria- See 
nordöstlichdes Speke - Golf) Schilde 
21 — Stockgefechto 35. 

Wasiba (auf westlichen Inseln des Vik- 
toria ansässiger Stamm) Schilde 
45. 48. 

Wasltnalunpro (Stamm zwischen Tan- 
ganjika und Nyangwe am Kongo) 
Schilde 45/40*, IL 

Wasindja Stamm am Emin Pascha -Golf, 
also an der Südwestseite des Vik- 
toria) Sichelmesser Mi.— Messer JLL 

Wasseirejuj Volksstamm an der deutsch- 
ostafrikanischen Küste zwischen 
Wanga und Mtangata in einzelnen 
Kolonien und in Buiti am Nord- 
ostabfallo U sambaras) Bambus- 
trommel 187. 

Wasserpfeife 238/239. 

TVasM»pa (Stamm nördlich des Viktoria- 
Sees östlich der Waganda) Schilde 
45^ 4M — Guitarre IM — Ka- 
baba 1 35. 

Wassonirora (Stamm westlich des 
Albert -Sees) Kückenschilde 4J1 — 
Bogen 05. 

Wasukutua (Stamm südöstlich vom 
Spcke-Golf am Viktoria -See) 
Hütten 2_LL 

Matal aru (Bewohner der Landschaft 
Tum östlich Unjamwesis, süd- 
we>tlich des Mangara- Sees) Schilde 
3JL 

AVawamba (Stamm im Semilikithale, 
südlich des Albert-Sees) Bogen 05. 

Wawinza (Stamm östlich des nörd- 
lichen Tanganjika) Schilde HL 



— 367 — 



Wawlra (Völkergruppe im Quellgebiet 
des Aruwimi westlich des Albert- 
Sees) Lederpanzer 36/37 — Bogen 
05 — Hütten 2Ü2 — Muschel- 
schmuck 262 

Weberei 12, 19. — gewebte Pflanzen- 
laserstoffo 285/286, 2M. 

Weida oder Whydah (Ortschaft an der 
Oberguineaküste östlich vom Togo- 
gebiet) Holz waffen 1 02 — Trom- 
meln 164, 170. 

Weltanschauung. Gegensätzo auf den 
Achsen etc. 2D — allgemeine Ent- 
wicklung äÜ5ff. ~ Tabelle III 
3Ji) — der Afrikaner 3_LL ff. — 
naive W. 312 ff. — animalistische 
314 ff. — manistische 31 3 — 
solare und lunare Mythen 318 ff. 

— Kosmogonie 3*24 ff. 

Wenjn gleich Wagenia siehe dort. 

Westafrikaner siehe westliches Ablage- 
rungsgebiet. 
Westliches Ablagerungsgebiet Afrikas; 

kartographische Darstellung Fig. 2 
S. lü — tabellarischo Darstellung 
der Verbreitung des Kulturbesitzes 
im westlichen Ablagerungsgebiet 
250/251 — Ackerbau und Vieh- 
zucht LS — Reichtum an Kultur- 
besitz 18/19 — Scldlde 54_, 5Ü 

— Bogen 79, 8H — Eisen- 
industrie 82 — Messer SU IT. — 
Wurfmesser 105 bis 107 — Beile 
114 bis 1 1 6 — Saiteninstrumente 
L35 bis 1AS — Holzpauken 123 ff., 
1811 ff., 193 — Trommelsprache 
1211 ff. — Marimba lüäff., 1Ü3. 

— Hütten 22üff., 235^ 2M ff. 

— Nackenstützen etc. 236 — 
Gefäfso, Thonindustrie, Matten- 
flechterei etc. 237/238 — Rauch- 
gerät 210 211 — Ackerbau 
257, 258 — Fischerei 253 ff. — 
Pflanzennahrung 258 — Schwirr- 
holz 259 — Muschel Verwendung 
262 263 — Pfahlbau und Fenstor- 
thür 21L1 ff . — Bootsleben 2ü2 



— Stelzen 267 — Feuerzeuge 
211 ff. — Materiale des Kultur- 
besitzes im westafrikanischen 
Kulturgebiet 2£5ff., 2üßff. 
Westsudan (siehe Sudan) Schilde 21L 
Wissensehaft äülff., 3ÜD ff., 3JJL 

Wolof (Völkerschaft in Senegambien, 
die gleichen wie die Jolof) Sprache 
12 — Schilde 29, 32 — Wolof 
64, TL 

Wurfbrett 222. 

Wurfholz 102/103, 109, 110, 111, 
225 ff. 

Wurfkeule 1£0 bis 102^ 110/111, 
275 ff. 

Wurfleine oder Wurfriemon 277 ff. 

Wurfmesser. Einflufs auf die Schilde 
49/50 — Verbreitung etc. 103. 
bis 108, 110/111 — Einflute auf 
die Beile 1 1 1 Anmkg. 

Wurfspeer 57^ 22Dff. 

Wurfstein 225 ff . 

Wurfstock 103J 110/111, 225 ff. 

Wute (im Hinterlande der deutschen 
Kolonie Kamerun und zwar am 
Oberlaufe des Sanaga im Süden von 
Adamaua ansässiger Stamm ) Schilde 
m — Bogen 64_, 65_, 70_, 23. 

X. 

Xosa (Kaffernstamm im südöstlichen 
Afrika) Schutzfell bei Stockkämpfen 
3_& 

Y. 

Yambinga (Ortschaft am mittleren 
Kongo, westlich der Rubi -Mün- 
dung) Messer Ojä. 

Yanfrere (Stamm im südlichen Ada- 
maua) Messer üfL 

Yaunde siehe Jaunde. 

Yesko siehe Jesko. 

Yoruba (Landschaft zwischen Nupe 
und Dahome an dem Ostteile der 



— 368 — 



Oberguineaküste) Aroko, symbo- 
lische Briefe 263 — Mythologie 
321 ff. 

Tu 

Zelt der NomadenTÖlker 231 fT. 

Zexe (afrikanisch -indisches Saitenin- 
strument) 124 ff.. 147/148. 

Zltner der Afrikaner 149/150. 

Zulu und Verwandte (grofse Völker- 
gruppe Südafrikas, deren äufsere 
Vorposten im Zwischenseengebiet 
sich befinden. Am bekanntesten 
sind die Zulu der Sudostküste 



Afrikas) Wanderstrafse 14 
Sprache 17 — Schilde 23/24, l 
— Stockgefechte 34 — Mesa 
83 — Wurfkeulen 100 ff. — Gub 
Saiteninstrument 119 ff. — Hüi 
ten 196 ff. — Rohrursprungl 
mythe 296. 

Zwergvölker siehe Buschvölker. 
Zwisehenaehtt gleich Verbindungsach 

siehe dort. 

Zw faclicnseen gebiet (ungefähr unser 
deutschen OBtafrikanischen Kolon 
entsprechend) Schilde 24 — Schwe 
87 — Saiteninstrumente 123 siel 
auch Zeze — Trommel 162. 



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